Konstantinopel, 18. öert (Havns.) ®r- gämsenSe Nachrichten besagen, dah die lemati- stischen Streitkräfte ihre V e r f v l - gnngsbewegungen weiter entwickeln. Der Gegner wurde gezwungen, sich auf das rechte Sak- hariaufer zurückzuziehen und lieh große Mengen von Kriegsmaterial und Munitivn im Stich. Die Türken sind bereits mit der Errichtung von Drücken über den Sakharia beschäftigt. Die griechische Armee zieht sich eiligst in der Richtung Deili Köprü—Sarikij—Kawundju—Sitvri Hissar zurück.
Ankauf eines Zevpelin-Luftschiffcs durch Amerika.
Paris, 17. Sept, (Wolff.) Wie Havas aus Washington meldet, hat die amtliche Kommission für Lustschiffahrt den Präsidenten H a r d i n g ersucht. wenn möglich mit Deutschland über ben Ankauf eines Ze^pelinluftschiffes zu verhandeln.
D'e wirtschaftlichen „Sanktionen .
Paris, 18. Sevt. (Wolff ) Havas: _ Eclair" zufolge entspreche es durchaus nicht den 2lb schien der französischen Regierung, abermals eine Rote an die deutsche Regierung wegen der wirt- schaftlichen Sanktionen zu senden. Man warte nur, bis die deutsche Regierung die interalliierte Kontrolle über die Ein- und Ausfuhrgenehmigungen angenommen habe.
Deutsche Journalisten in Salzburg.
Salzburg. 18. Sept. (Wolst.) Dir reichs- deutschen Journalisten sind gestern abend hier eingetroffen und wurden am Bahnhofe von Ber- treiern der Landesregierung, der Stadtgemeinde. beä Bundes der Reichsdeutschen, des Salzburger Presseklubs ufw. aufs herzlichste begrübt. Abends fand ein von der Landesregierung und der Stadt- gemernbe zu Ehren dec Gäste veranstalteter Empfang statt, zu dem Fürsterzbischof Dr. Dieder, die hier weilenden Rational-, Bundes-' und Landesräte sowie zahlreiche Vertreter von Kunst. Wissenschaft und der Presse erschienen waren. Der heutige Vormittag war der Besichtigung des Schlosses Hellbrunn mit dem Bauplatz des künftigen Salzburger Festspielhauses und der Sehens- tourbigfeiten der Stadt gewidmet. Rachmittags erfolgte die Weiterreise nach Klagenfurt.
Bromberq . . .
Paris. 18. Sept. (WTB.) Aus Warschau wird amtlich bekanntgegeben, daß für die Zeit vom 31. Januar 1920 bis 31. August 1921 inDrom - berg die Ankunft von 37 000 Polen und 9000 Deutschen verzeichnet worden ist. In der gleichen Zeit hätten 11 000 Dolen und 30000 Deutsche die Stadt verlassen, so dah die Bevölkerung der Stadt um 26 000 Polen zugenommen und um 21000 Deutsche abgenommen habe.
Die Kämpfe in Marokko.
Madrid, 18 Spt. (Wolfs.) Havas. Die Zeitungen veröffentlichten gestern abend mit großen Überschriften die Rachrichten über die E i n- iiahme von Rador. Rach Telegrammen aus Melilla begannen die Truppen bei Tagesanbruch ihre Bewegungen unter der Leitung des Generals Berenguer und besetzten nach einem erbitterten Kampfe, besonders im Patz von Sidi Hamed den Ort Rador am Mittag. Flieger und Marine griffen wirksam in den Kampf ein. Der Feind, der große Verstärkungen erhalten hatte, gab das Terrain schrittweise auf, leistete jedoch dauernd hartnäckigen Widerstand. Seine Verluste sind sehr grob und zwangen ihn, sich in das Gebirge zurück-- zuzichen.
Die Toten und Verwundeten des Weltkrieqs.
Berlin, 16. Sept. Das Militärwochenblatt bringt in seiner heutigen Ausgabe die Zahl der deutschen Verwundungen im Weltkriege nach den Feststellungen vom August 1921. Hierbei sind alle V^wundungen. auch die mehrfachen, aufgeführt.
sich die Zahl der einzelnen Verwundeten fest- flefien lassen wird, dürfte noch geraume Zeit vergehen. Durch Hinzurechnung der deutschen Toten im Weltk't'ge, die auf Grund der amtlichen Statistik im Reihest des Militärwochenblattes „Vom Sterben des deutschen Offizierwrps" (Herausgegeben von Constantin v. Altrock, Generalleut- rranl a. D.) nachgewiesen werden, ergibt sich die
Zahl Der deutschen Gesamtverluste.
Verwundungen insgesamt:
Offiziere. Fähnriche und Fahnenjunker 96 207
Sanitätsoffiziere und Unterärzte 2200
Veterinäroffiziere und UnterDeterinärc 158
Unteroffiziere und Mannschaften 4148 075
Beamte 503
Gesamtzahl der Verwundungen 4 2-*7 143
Tote (ohne 14 000 Farbige):
Offiziere, Fähnriche und Fahnenjunker 53 323
Sanitätsoffiziere und Unterärzte 1 675
Veterinäroffiziere und Unterveterinäre 183
Unteroffiziere und Mannschaften 1 751 809
Beamte 1555
Gesamtzahl der Toten 1 808 545
Gesamtverlust:
Offiziere, Fähnriche und Fahnenjunker 149530
Sanitätsoffiziere und Unterärzte 3 875
Deterinäroffiziere und Unterveterinäre 341
Unteroffiziere und Mannschaften 5 899 834
Beamte 2 058
Gesamtverlust 8 055 683
Aus dem Reiche.
Der Reichsrat und die Eteuervorlage.
Berlin, 17. Sept. (WTB.) Der Reicks rat nahm die Verordnung über die Abänderung der Vorschriften zur Durchführung des Gesetzes über die Regelung der Kaliwirtschaft vom 13. Juli 1919 an. Ferner wurde die Vervierfachung der Leuchtmittel- (teuer angenommen. Der Finanzminister soll mit Zustimmung des ReichSrateS den Termin des Inkrafttretens der neuen Steuern bestimmen, die nach der Vorlage bereits am 1. Okwber in Kraft treten sollten. Auch mit der Verdoppelung der Zünd- warensteuer erklärte sich der Reichsrat einverstanden. Dagegen stieß die vorge- schlagene Vervierfachung der Dierste u e r im Plenum wie auch schon in den Ausschüssen auf den Widerspruch Bayerns. Die Vorlage wurde gegen die Stimmen Bayerns mit Mehrheit angeiwm- men. Einstimmig angenommen wurde die Verdoppelung der Mineralwassersteuer. Auch mit der Neuregelung der Tabaksteuer erklärte sich der ReichSrat einverstanden. A b g e l e h n t wurde allerdings die Er - Höhung der Sätze für Zigarren und die Sätze für Pfeifentabak wurden ermäßigt. Die neue Steuer soll am 1. April 1922 in Kraft treten. Der Erhöhung der Kohlen st euer auf 30 Prozent des Verlaufswertes stimmte der ReichSrat zu. Dem Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten wurde vom Reichsrat die verfassungsmäßige Genehmigung erteilt.
Die Suche nach den Mördern Erzbergers.
Berlin, 17. Sept. (WTB.) Amtlich. Die Reichsregierung hat mit Rücksicht darauf, dah die Mörder des Abgeordneten Srzberger nunmehr festgestellt, aber noch nicht ergriffen sind, die ausgesetzte Belohnung von 100 000 auf 2 0 0 0 0 0 QE a r f erhöht. Zuständig für die Vertellung sind die badischen Lanüesbehörden.
Aus dem besetzten Gebiet.
fpd. Andernach, 18. Sept. Das amerikanische Oberfeldgericht verurteilte in |einer letzten Sitzung nicht weniger als 30 Frauenzimmer aus verschiedenen Städten und Ortschaften wegen gewerbsmäßiger Hnzncht zu Gefängnisstrafen von 2—6 Monaten Gefängnis, einen Mann aus Köln wegen Kuppelei zu 6 Monaten Gefängnis und zwei Personen wegen Abgabe von Kognat an Soldaten zu je 6 Monaten, ferner wurde ein Einwohner von Reuwied, der für die Hissung der Reichsflagge die Erlaubnis des Kreisdelegierten nicht eingeholt hatte, zu 500 Mart Geldstrafe verurteilt. Ein anderer Reuwieder bekam einen Monat Gefängnis zudiktiert, weil er amerikanische Soldaten beleidigt hatte.
Mainz, 17. Sept. (Wolff.) Rach einer Verlautbarung im „Echo de Rhin" hat die Rhein- lanhkvmmissivn für drei Monate den „Kladderadatsch" und die Zeitschrift „Internationale Zugend" im besetzten Gebiet verboten und sich ferner Vorbehalten, diejenigen Publikationsorgane endgültig vom besetzten Gebiet auszuschließen, die bereits zweimal verboten worden waren und diese Verwarnung nicht beachtet haben.
3n der Zeit vom 15. Juni bis 15. September wurden 14 Ausweisungen aus dem besetzten Rheinland verfügt, hauptsächlich gegen Deutsche.
Aus Hessen.
Wegen Beseitigung der Hoheitszeichen die sich auf die frühere Staatsform beziehen, hat das Gesamtministerium in seiner Sitzung vom 12. d. Mts. beschlossen, an alle der Regierung unterstellten Behörden die Aufforderung ergehen zu lassen,
1. sämlliche Amtsstellen haben die vorhandenen schwarz-weiß-roten Fahnen abzuschaffen und die verfassungsgemäße schwarz-rot-goldene Fahne anzu schaffen.
2. aus sämtlichen Amtslokalen sind alle Bilder und Büsten ehemaliger Fürsten zu entfernen,
3. sämlliche ehemaligen Hoheitszeichen, In- sch-isten, Initial:» Grenz- und Amtsschilder sind zu beseitigen und durch entsprechende Schilder und Wappen oes Volksstaates Hessen zu ersehen:
4. sämlliche aus der Zeit der verflossenen Staatsfvrm in den Remtern noch vorhandenen
Amtssiegel und -Stempel sind durch die der neuen Staatsform zu ersetzen, und
5. alle mit den alten Aufschriften bedruckten Kuverts, Briefbogen, Ladungen und Hrtellsvor- drucke usw. sind zu korrigieren.
Die Ausführung dieser Vorschriften soll bis zum 1. Rovember d. Zs. erledigt, und darüber, dah bas geschehen ist, soll bis zum gleichen Tage Be- richt an die zuständigen vorgesetzten Behörden erstattet fein.
Die Schlutzübung der Feuerwehr.
Dietzen, den 19. Sept. 1921.
Die Gießener Freiwillige Feuerwehr veranstaltete gestern vormittag ihre diesjährige Schluß Übung. Pünktlich um 11 Uhr zog die Mannschaft mit Geräten und Musik zum Oswalds- garten. Aufstellung und Einzel-Geräteübungen wurden mit mUitärischer Fixigkeit unb Sicherheit ausgeführt und zeugten von einem erfreulichen Gemeinsinn, der den einzelnen Dehrmann sich gerne einem einheitlichen Willen untererbnen lätzt, wenn dessen Befehle im Interesse einer klaren und schnellen Verständigung und Ausführung auch etwas „fafernenhohnäßig“ kurz klingen müssen. Die Zuschauer, die zahlreich ben OSwaldsgarten umsäumten, hallen sichtlich ihre Freude an der kleinen Schar und ihren Leistungen, auch die Sep- tembersonne die sich wohlgefällig in den blanken Metallbeschlagen der schmucken Uniformen und Geräte spiegelte. Rachdem von einer kleinen Schar geladener Gäste, hauptsächlich Vertretern von Behörden, die „Front abgenommen" und die einzelnen Geräte eingehend besichtigt waren, gab Branddirektor S) i cf o r e den Gästen folgende „Drandidee" bekannt: In dem Realgymnasium in der Ludwigstratze sei ein Kellerbrand auSge- brachen und das Treppenhaus berqualmt und unbenutzbar geworden. Vor allem feien die im oberen Stockwerk befindlichen Schüler zu retten und das Feuer von dem nördlichen Teil des Gebäudes fernzuhalten.
Kurz vor 12 Uhr wurde dann in der Ludwig- strahe das bekannte Feuerstgnal gegeben. Es Halle kaum ausgeklungen, da brausten auch schon die beiden Löschzüge heran, vorneweg die Automobilspritze. Mit größtem Eifer gingen die Feuerwehrmänner an ihre Arbeit. Schnell wuchsen eine ganze Anzahl Leitern zum obersten Stockwerk hoch, aus dem einige Schüler mit Hilfe des Rettungsschlauches gerettet wurden. Viel Spatz machte den Jungens diese Rutschpartie: es fei viel schöner als bei der Achterbahn, prahlte einer.
Gleichzeitig wurde auch der Dachstuhl des Schulhauses mit zwei Schlauchleitungen bearbeitet. Hin und wieder lieh ein launiger Windstoß einen Schleierfetzen Wasserstaubes auf die dicht gedrängten Zuschauer herab rieseln, die dann schleunigst Deckung suchten oder bedauerten, keinen Regen- schirni mitgenommen zu haben. Das Wasser wurde durch die Automobllspritze aus der nahen Wteseck gepumpt. Dabei wurde auch neues Schlauchmaterial ausprobiert. (Sinlgemale platzte der Schlauch und ein dichter Wasserstrahl zischte in die schreiend auseinanderstiebenden Zuschauer, die sich bann in respektvoller Entfernung von ber gefährlichen Leitung hielten. Der Schaden war jedoch durch Auswechseln eines lleinen Schlauchstückes im Du behoben.
Mit ber Feuerwehrübung war auch eine Hebung ber Freiwilligen Sanitätskolonne oerbunben. Es würbe angenommen, baß es bei dem Brande auch eine Anzahl Verletzter gegeben habe. Vier Minuten vor 12 ilfcr kam die Meldung ber Feuerwehr an bas Depot, wo die Mannschaft versammelt war und sofort staffelweise abrückte. Schon drei Minuten nach der Meldung kam das erste Gerät bei der Brandstelle an und konnte gleich mit Sauerstoffapparaten den Rauchvergifteten Hilfe bringen. Reun Minuten nach der Meldung war die letzte Mannschaft zur Stelle. Rach Anlegung sachgemäßer Verbände und sonstiger Hilfeleistung konnten sämtliche „Verletzte" in kurzer Zelt ärztlicher Hilfe zugeführt werden. Dabei wurde zum ersten Male auch eine sogenannte Räderbahre mit gutem Erfolg verwendet, das heißt eine Tragbahre, die schnell zwischen zwei Fahrrädern aufmonttert tverben Tann.
Die Hebungen bewiesen jedenfalls, bah die freiwilligen Maimschasten der Feuerwehr und Sanitätskolonne auf der Hohe sind und dah im Ernstfälle zum Schuhe von Menschen und Werten das Menschenmöglichste geschehen wirb.
Aus Stabt und Land.
Gietzen. den 19. Sept. 1921.
Hausiergrohbetrieb im Auto.
Während ftüher die Hausierer mit Körben und Päckchen die Landbevölkerung aufsuchten, so hat sich jetzt der Hausierhandel gewissermaßen modernisiert und auch vielfach schon vertrustet. Die Leute fahren in Kraft- wagen auf das Land, führen in den Wagen die Stoffe in abgepaßten Paketen zu bestimmten Preisen mit sich und grasen mit Hilfe zahl
reicher Genossen in kurzer Zeit eine ganze Ve- gend ab. Feststellungen ergaben, daß die Stoffe häufig minderwertig find und darum keineswegs im Verhältnis zu den geforderten Preisen stehen. Käufer, bte sich tauschen lassen, merken den ihnen zugefügten Schaden in der Regel zu spät. Man kaufe daher stets beim einheimischen Handwerk und Handel. Wenn man unter Hm ständen mich etwas mehr bezahlen muß, so hat man doch Gewähr für gute, reelle Ware.
Wettervoraussage
für Dienstag.
Wollig, meist trocken, Temperatur wenig Der* ändert. Winde aus füblichen Richtungen.
Die Wetterlage hat sich nur wenig verändert Die bestehende Witterung wird auch morgen noch anhalten
*
* Eine Stadtverordneten • Versammlung wurde auf Freitag, 23. September nachmittags 5 Hhr. in den Sitzungssaal des Stadthauses, Bergstraße 20, mit folgender Tagesordnung cinberufen; Erhöhung der Teue- rungS» und Kinderzuschläge für Beamte, Lehrer usw.: Erhöhung ber Löhne ber ftäbL Arbeiter: Festsetzung ber Gas-, Wasser- unb Strompreise: Orts'atzung, bett, bie Erhebung von Gebühren für bie Reinigung ber Straßen unb Fußsteige unb für bie Abfuhr von Hauskehricht: Zuschuh an den- Verein für Armen- unb Krarckenpflege für Iu- gendspci.ung; Gewährung von Baukostenzuschuß an bie Dcuigenossenschast 1894; Daugesuch ber Gietzener Rubergesellschaft von 1877 für Sie Rod- heimer Strahe; Bewilligung eines Kreblts von 400 000 Mark zur Beschaffung von Kartoffeln für Beamte, Angestellte und Arbeiter: Bewilligung einer Vergütung für bie durch Benutzung des neuen Amtsgerichtsgebäudes durch das stäotische Lebensmittelamt b:rb:tgciüf)rten Schäden: Rückzahlung ber zur Kartoffelbeschaffung an Kriegsbeschädigte unb Kriegshintecbliebene gewährten Darlehen, Dienstanweisung für den Schulzahnarzt unb Schularzt: Erhöhung ber Satze ber laufenden Srwerbslosenunterstützung.
* Der Gernhardtsche Zither - und Manbvlinenchor Halle gestern ein Konzert veranaltet, das außerordentlich gut besucht und vom besten Erfolg begleitet war. Das mit gutem Geschmack zusammengestellte Programm — die oft übliche Ländler- und Marschmusik war erfreulicherweise ausgeschaltet — brachte Original» werke aus der deutschen Zither» und Lautcmusik sowie außerordentlich geschickte Bearbeitungen deS Vereinsdirigenten. Die Wiedergabe der Kompositionen bot in ihrer eigenartigen Zusammensetzung (Zither- und Mandolinenchor. Slleich» quartett, Flöte und £aute), dem eigenartigen Zusammenllang und den dynamischen Abschattie- rungen größtenteils einen ungetrübten Genuß. Besonders hervorgehoben seien Beckers feicr- lich-wehmütiges „Kirchlein" unb ber ewig frische Melodientranz aus Webers „Freischütz". Volles Lob verdient das aus stimnrbegabten Mitgliedern unb Freunden des Vereins zusammen, gesetzte „Genrischte Quartett“, dessen Leistungen ausrigeS Studium und volle Hingabe an die Sache bewiesen. Dungarts „Zwei Sterner! am Himmel" wurden in so trefflicher Weife gesungen, dah es wiederholt werden muhte. Die Ge sangs-Einlagen des Frl. A. Pfaff brachten eir weitere angenehme Abwechslung in das Pro gramm. Die Dame, von Herrn Gernhardt aus der Zither virtuos begleitet, bot Lieder von Sch»' bart, Hildach unb Vohn. Sie wurden mit sympathischer Stimme ausdrucksvoll unb mit reine« Tongebung gefangen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag Astoria-Lichtspiele, von heute bis Mlltwoch ein schliehlich „'Ein Lichtstrahl im Dunkel" unb „Schil bergaffe 7“. — Lichtspielhaus, von heute bis ein- schliehlich Donnerstag. „Die Bettlerin von Stam- bul" und „Aus Jon Martins Memoiren".
**BaulicheAendcrungeninder medizinischen Klinik zu Gießen. Durch die sehr starke Inanspruchnahme der medizinischen Klinik der Landesuniversität macht sich das Fehlen einer zeitgemäßen Telephonanlage und Schaffung einer Pförtnerstube, Vergrößerung der Apotheke sehr fühlbar. Es besteht deshalb, nach eine!* Regierungsvorlage, die jetzt dem Landtag zu- ging, die Absicht, die gegenwärtig in dem Verwaltungsgebäude untergebrachte Tel-" phonzentrole nach der medizinischen Klinik zu verlegen und weiter auszubauen, sowie die an dieselbe angeschlossenen Fernsprechstellen zu verändern und zu ergänzen. Der fteiwerdenbo Raum In dem Verwaltungsgebäude wird an die Apotheke, welche sehr beengt ist, angeglte- dert. Die hierdurch entstehenden Kosten werden
Feuilleton.
Der Vater deü Schlegels.
(Zu seinem 200. Geburtstag. 18. September.)
Johann Adolf Schlegel, ber am 18. September 1721 zu Meißen geboren wurde, lebt in der Literaturgeschichte in erster Linie als Vater jenes bedeutenden Drüderpaares August Wilhelm und Friedrich Schlegel sort, die die Bewegung der Romantik in Deutschland und damit in ber ganzen Well heraufführten. Aber nicht nur in dieser Eigenschaft verdient er Beachtung und auch nicht nut als Bruder deS viel bedeutenderen Johann EliaS Schlegel, sondern außer seinen literarischen Verwandtschaften kann er auch mit nicht unwichtigen Eigenleistungen aufwarten. Er war im 18. Zahrhundert hochberühmt als Aesthetlker, da er das damals grundlegende Lehrbuch der Aesthetik, das von dem französtschen Abbs Balleux herrührte. übersetzte und durch selbständige Erweiterungen und Umformungen zu dem maßgebenden Werk der deutschen Rokoko-Aesthetlk machte. Sein „Dalleus '. ber zuerst 1751 und in einer dritten sehr vermehrten Auslage 1770 erschien, war zwar keine erlösende Tat, aber immerhin haben doch Lessing und Goethe auf den hier ausgesprochenen Grundsätzen weiter gebaut Sodann war Iohann Adolf einer der Mitbegründer ber „Bremer Beiträge", jener für ben deutschen Geschmack so wichtigen Zeitschrift, die über Gottscheds Pedanterie hinavsfühtte und Lessing den Weg bereitete. Er hat an den »Bremer Beiträgen" unb ihren ver
schiedenen Fortführungen mit am fleißigsten gearbeitet. Die Dichtungen, die er hier veröffentlichte, zeigen zwar, daß es mit seiner poetischen Begabung nicht weit ber war. Seine anakreontisch kecken Lieber ftnb noch das Frischste; später aber wagte er sie als Konsistoricllrat unb SuHperinten- bent nicht in bie Sammlungen seiner Gedichte mit aufzunehmen. Deshalb überwiegen in seinen Gedichtbüchern bie lehrhaften Fabeln und Erzählungen, die ziemlich trocken unb weitschweifig sind. Viel mehr kam seine Personlichleit in seinen Pre- bigten zum Ausdruck, die dann in verschiedenen mehrbändigen Sammlungen erschienen und lange Zeit klassische Geltung besahen. Sie sichern ihm auch heute noch den Ruhm eines der großen deutschen Kirchenredner. Von seinen beiden berühmteren Söhnen hat der ältere August Wilhelm am meisten von ihm geerbt. Auch er besah wie der Vater ein ausgesprochenes Formtalent, und die metrische Begabung, die sich in ben Gedichten Johann Adolfs offenbart, wurde bei seinem Sohn zu einer genialen Handhabung der Reimkünste. Sein jüngerer Sohn Friedrich, dessen leidenschaftlich tief,innige Art mehr von dem Onkel Johann VliaS beeinflußt ist, hat vom Vater die kritische Begabung geerbt
Reue Hodler-Errimerungen.
Der Berliner Maier P'of. HinS Schad ow veröffentlicht im nebelten He te des von Adolph Donath h:rausg?g b.men _Kuns.wan"ercrS" Erinnerungen an ben großen Schweizer Meister Ferdinand Hodler, desien Werk letzt in der großen
Berner Ausstellung so imponierend in die Erscheinung tritt. Es war im Sommer 1911. als die beiden einige gemeinsame Fahrten durch die Schweiz unternahmen. Hodler war befonbciä interessiert an dem Aufsehen, das damals seine Bilder in Berlin gemacht hatten. „Dreißig Iahre lang hat man mich auSgelacht weil ich so grob arbeitete," sagte er, „jetzt ist die Grobheit Mode; jetzt wirst sich die Mode auf mich. Was mich vor allem interessiert, das ist dos symmetrische Stilisieren. Ich empfinde mich selbst alS einen Rachsolger ber Altflorentiner. speziell bes Botticelli Darum bin ich unglücklich über mein Bild in ber Aula der Ienaer Hniversität: Rückzug ber Schweizer nach ber Scblacht von Marig- rtano. Es war symmtztrisch in einen Kreisbogen hineinkomponiert; weil es aber ber Raum gebot, wurde der rechte Zipfel abgeschnitten. Alsdann bin ich im Laufe der Zeit zu ber lieber- zeugung gekommen, daß bie häufige Wieberholung auf demselben Bilde von Figuren, welche b.c gleiche Empfindung zeigen, diese Empfindung dem Beschauer viel stärker aufzwingt clls eine einzelne Figur es vermag." Hodler betonte, daß er sich bewußt bei seinen Bildern mit den einfachsten Andeutungen begnüge. „Sie malen 63 Duancen, bie ich überhaupt nicht sehe," sagte er zu.Schabow. „Sie stimmen ihre Arbeit stets zu einer einheitlichen farbigen Gesamtwirkung zusammen, was mich alles nicht kämme.t, ebonfoto2nig wie bte richtige Persvektive. Ich weiß Wohl, dah auf meinem Mar.gnano-Dtlbc die vorderste Figur
viel zu klein ist. Das hat bei meiner einfachen Art niemanden gestört. Hälle ich alles werter burchgearbeitet, würde mir bas alles mächtig aufgeputscht worden sein. Weil ich mich um all so was nicht zu kümmern brauche, kommt bas, was mich interessiert, so unverfälscht zum Ausdruck." Von bei- Persönlichkeit HoblerS erzählt Schabow: „Er war von grober Ratur mit einem echt germanischen Gesicht, das von einem großen, rötlich-blonden, nicht sehr gepflegten Vollbart umrahmt war Auch in der Kleidung war nichts Auffallendes. was den Künstler äußerlich ahnen lieh. Durch feine vielen Reisen hatte er sich dir Hn- eleganz abgewöhnt, blich aber von Eleganz noch weit entfernt. ES war alles aus Bequemlichkeit zugeschnitten, besonders die Schuhe, welche ziem- lid) derb waren. Er war ein pas lonirrter Fußgänger. hielt sich aber von halsbrecherischen Berg- frardeien fern." Die beiden hrsMigten zusammen auch den Bärengraben zu Bem. in dein auf Staatskosten eine Bärenfamilie gehalten wirb, da der Bär daS Wappentier des KMitons ist. Hodler war über die drollig-plumpen Bewegungen der Tiere entzückt. Ohme es zu inerten, ahmte er diese Bewegungen nach, und er merkte erst durch das Lachen deS andern, wie weit er In feinet Därenbrgcisterung qcgaigtn to^r. „Sehen Sie,' rief er aus. „das sind meine Lieblingstiere. Da ist alles mächtig, groß und ungeschlacht. Da ist nicht« Kleinliches. Diese Baren sind wie für mich geschaffen, bei ihnen ist alles Hodler-Bewegung, alles Hodler-Linie."


