Nr. M
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I M- Jahrgang Donnerstag, 19. Mal 1921
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GietzenerAnzeiger
\\jy AV vorschrist2ü Ausschlag
General-Anzeiger für Gberhefsen WW
Dnirf und Verlag: Sriihl'sche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. lange. Sdfriftkitimg, SeschLslrltelle und vruderei: Schnlftratze 7. ”nmu"d) in «i./.*
Der Neubau der verfasiung Ser evangelisch«» UIrche in Hessen.
Bon Professor D. M. Schian in Gießen.
(Schluß.)
DaL eioentfiche Kirchen vegirnent liegt künftig beim Lan des ki rchen ta g So vl beim freien Aufammensetzuny ton großer Wichtigkeit. Schon letzt haben wir m Helsen nicht mehr die Landes- ftrobe ter Vorkriegszeit, sondern einen auf Grund ton Besdlüssen aus dem Jahre 1919 gewählten SanMTirttientag Er befiehl aus 34 „weltlichen" und 23 geistlichen gewählten und 9 vom Erweiterten Cbertonfiftorhrm berufenen Abgeordneten. Jedes Tefanat wählt einen geistlichen Abgeordneten, die meisten Dekanate einen, die großen Dekanate mehrere „weltliche" Wgoordnete. Daß genau an die er Zusammemetzung feftgebaltm wird, ist keinesw?g4 sicher. Allgemein erschnnt die Zahl von 66 Abgeordneten als recht hoch, vor allem auch als fcbr teuer. Eine Verringerung dieser Zahl ist entschieden wünschenswert Sie ist nur schwer durchführbar, wenn die SBafbl irgendwie an die DekanatSbe^irke, deren wir in Hessen zur Zeit 23 haben, gebunden wird, beim unmöglich können alle Tefanate schematisch gleich behandelt werden; die mit den großen Städten müssen eine stärkere Vertretung erhalten. Außerdem fotlen einige Sitze durch Berufung be'etzt werden. Eine Strömung in der hessischen Kirche wünsclrt die Zahl der durch Berufung *u be'ependen Mandate sogar noch vermehrt tfli leben; sie möchte gern, daß Vertreter der großen tirdflicfien Vereinigungen, Anstalten ulw. als solche in den LandeSkirchentag berufen würden. Diesem Verlangen stellen sich aber sachliche Schwierigkeiten entgegen: eS ist nicht leicht, dro- jenigen Vereinigungen, die dabei zu berücksichtigen wareri, aus der großen Zahl der Vereine auszu- sondern. Auch können die durch Wahl vergebenen Sitze nicht übermäfjig bcsckn nkt werden, sonst würde der Landeskirchen tag Teilte Vertretung der Landeskirche und ihrer Gemeinden sein Endlich ist an die Sxr Heilung des richtigen Verhältnisses zwischen Geistlichen und Nicht geistlichen im Lan- deSkird»entaa zu denken. Anck in dieser Hinsicht geben die Anschammgen wlSeinander. T^e tt en fordern eine ffcarfle Vertretung der Pfarrerschaft, da der Theologe der eigentliche Sachverständige sei; die arteten verlangen eine überwiegende Zahl von Nichttbeologen, damit bte SCirthe aus dem Stadium der „Pastorenkirche" herausk^mme und mehr zur „VoWkirche" norde. Ter Stimmung unserer Zeit entspräche es jedenfalls nidjt, wenn die Vertretung der Gemeinden zahlenmäßig ein- gefdjrrärft wurde.
Eine sehr ernste Frage bildet die Gestaltung der Wahlen zum Landeskirchentag. Württemberg und Baden haben die log. Urwahlen ein geführt: jedes Gl'ed der Kirche wähft unmittelbar. Ob, wenn Unmchlen befd/oTei würden, Verbä'- niswachl festgelegt tnürb.* ober nicht, ist kcr res alls sicher. Soweit ich die Lage in Hessen kenne, ist es aber durchaus nicht sicher, daß Hessen dem Beispiel beider Kirchen folgt. Die Zahl der ftreunbe der Urwahlen hat sich gegenüber der Synode von 1919, in der nur wenige Stimmen für sie ein-, traten, gemehrt, aber ob sie ausschlaggebend fein wird, steht dahin. Mancherlei und nicht bedeutungslose Motive wirken in anderer Achtung. Auch der Gedanke wird gegen Urwahlen ins Feld geführt, daß die Kirche sich nicht aus Einzelnen. sondern aus Gemeinden zusammen setze. Al''o fordere das „Gerneindcvrinziv" eine andere Wahlart. Die Richtigkeit dieser Quanten folge leuchtet freilich nicht ein. Am wenigsten, wenn cs doch ganz unmöglich ist, daß ied' Gemeinde wirklich einen Vertreter wählt. Tie Zahl der Gewählten würde in diesem Falle ungeheuer sein. Sieht man aber davon ab und macht man die Mitglieder der kirchlichen G-'meindevertreftengen zu Dahlmännern, so ist es eine haltlose Fiktion, daß durch die von diesen Wa^lmännem für weit größere Bezirke, als die Gemeinden sind. Gewählten Vertreter der Gemeinden feien. Wenn hiernach auch die Berußmg der Urwabsgegne^ auf bas Gemeind evrftrzip kaum viel wirken wird so tnetben doch andere Gründe manchen gegen Ur» wählen entnehmen Nicht ohne Gewickn iH ;. B der, bah hei UrnxtKen nach dem Verhältnis" fvstern die Parteien die Wahl in die Hände bekommen mürben. Würde das aber vielleicht nicht eintreten, wenn die Mitglieder der Gemeintaver- tretunacn tu Dahlmännern gemacht werden ? Wird nickt in diesem Falle das Part-nroe-'en schon die Dahlen tu den Gemeindevertretungen beeinflussen ? So begegnen sich Gf'wde und Ge-nm- grLHbe. Ich haV sie im doriUnben kerneswens vollzählig aufac* führt: noch weniger wollte ich meine eigene 9ln''chauung hertTe*m: es war lediglich meine Abss^t bi" Schwierigkeit der Frage unb bic Mannigfaltigkeit b’t einander gegen- überstehenben Ansichten aufmeigen.
5.
'Angenommen, die Glieder des Landeskirchen- tagZ wurden wie bisher ton den Dekanats- syno den gewählt, so wäre bte selbstverständliche Dvraus'er.ung, daß die Tekanatssvn dm erhalten bl-eben. Aber nicht gan-, wenige wollen fie gerade beseitigt wissen. Daß die Dekanatssono.'-en nicht allsu große Bedeutung haben, wird ziemlich allgemein zu gegeben. Nähme man ihnen (j. B. durch Umxtflen) noch die Dal zum Landeskirchentag, etwa gar auch die Dahl des D'kans (wovon roch die Re^-e fein roirt>\ so bliebe ihnen anscheinend wenig Interesse. Aber auch dagegen lassen sich gute Gründe anführen. _ Ein Dekanat ist eine kirchliche Jntere'sengemeinschaft: es soll auch eine kirchliche Arbeitsgemeinfchaft sein. Gebe es feine Dekanats ynode mehr, so würde das Dekanat nur noch durch die Pforrerkonferen; vertreten sein. Daß das ein durchaus nicht wünschenswerter Zustand ist, wird ohne weiteres deut
lich fein. Und so ist es verständlich daß die Lösung der Frage der Tekanatssiiwde von vielen nicht in ihrer einfachen Abschaffung, sondern vielmehr in ihrer dteform gesucht wirb. Aus die Möglichkeiten dieser Reform näher cinzugchen, ist hier nicht möglich
Wohl aber muß in die'ern Zusammenhang von । dem Dekanat sausschuß bte Rede fein, der nach der bisherigen Ordnung eine Reihe nidit uiuritüiger Aufgaben hat. Er würde, falls die Tekanats y ode fvrtflele, durch ein schro eriges und wahrscheinlich sL>r unbefriedigendes Wahlsystem von den Gemeinden oder ihren Vertretern zu roafr len fein. Ihn fort allen zu lassen, ernpftehlt fub sicherlich nicht. Besieht er aber, so muß doch wohl auch eine Instanz vorhanden fein, der er über seine Tätigkeit Rede und Antwort zu stehen bat. stammt man nicht auch von hier aus wieder auf die TekanatSsynode?
Auch an die Stellung des Dekans knüpfen fid) Resorrngedanllen. In Hessen scheint niemand daran zu den len, ihm — wie neuerdings in der einen oder der anderen deutschen Landeskirche — einen deutschen Titd, etwa den eines Kreisober- vfarrers, zu geben. Aber es scheint, daß der Gedanke, den 2efan in Zukunft nicht mehr von der Tekanats yrjobe wählen, sondern von der Kirchenregierung ernennen zu lassen, Anhänger hat. Man würde damit dem fDäifler der östlichen P ovinzen Preußens hol gen, dem Dekan aber auch die Eigenschaft als Vertrauensmann des Tekanots nehmen. So ist es baut begreiflich, baß andere mit Nachdruck an der bisherigen hessischen Uebung festhalten wollen. Die Möglichveil, daß die Wahl nicht zu dem aller beitot Ergelnris, das benßbar ist, führt, liegt natürlich vor: aber bei kirchenregimentlicher Ernennuna ist die'e Möglichkeit gleichfalls gegeben ; und das 'Kontent des De trauens lei De- kwrats ist so wichtig, daß eS auf gründliche Beachtung Anspruch machen darf.
6.
Einen umfangreichen Komplex von Fragen bietet die Verfassung der Gemeinde. ES muß genug sein, wenn die wichtigsten Gesichtspunkte angedeutet werdet:. Die Gemeindevertretung ist in ihrer gegenwärtigen Wirksamkeit Gegenstand vieler Klagen. Zuweilen hört man auch wohl den Wunsch äußern, daß sie beseitigt iverde. Man beanstandet das geringe Maß ihrer Tätigkeiten, man nennt fie eine Jasagemasdstne. Ernstlich wird dennoch wohl niemand bie Äbfidü haben, biee größere Vertretung der Kirchenge- meinde aufzuheben. Es gibt Wege, ihre Beratungen frudttbar zu machen; die soll man nützen. Auch bic Tätigkeit ter Kirchenvorstände wird kritisiert; daß es ganz unmöglich ist, fie a^ufdjaffen, ist se.bstverständlich Erwigen wer- beii kann, ob nicht, wie anderswo, bte Krtchenvor- stände ganz w.e die Gemeindevertretungen durch direkte Wahlen gebildet werden sollen, flott aus den Gemeindevertretungen heraus gewählt zu werden. Sehr cinfcfrneibenb würde diese Aenderung nicht fein. Wird der Kirchmrvorstand in großen Gemeiitden ausschließlich durch äußere Fragen in Anspruch genommen, so ist zu üterieejen, ob ihm nicht für die inneren, religiös-sittltchen Angelegenheiten ein anderes Organ — man nennt es die „Gerne in de pflege" — an bic Seite gestellt werden kann.
Daß die kirchliche Gemeindevertretung burch Urwahlen gebildet werden muß, wird nirgends bestritten, lieber die weitere Gestaltung des Wahlrechts wird kein Streit entfielen Daß das bereits für den verfassunggebenden Landeskirchen- tag in Geltung gesetzte Wahlrecht der Frau bestehen bleibt, scheint allen Mitwirkenden festzustehen. Eine Herabsetzung der Wahlsähigkeit auf das zwartzigste Lebensjahr wird kaum ernstlich empfohlen.
Noch bliebe die Frage, ob den Frauen eine bestimmte Anzahl von Sitzen in Kirchenvorstand und Gemeindevflege einzuräumen wäre: diese Maßregel hat, obwohl hier und da befürwortet, zweifel- los auch vieles gegen sich Tas Wichtigste ist aber nicht die Verteilung der Sitze auf die beiden Geschlechter, sondern die Wahl der überhaupt geeignetsten Persönlichkeiten.
Bon der Frage der Pfarrwahl ist oben gesprochen. Ta sre wahrscheinlich zutückgestellt werden wird, soll sie nicht ausführlich erörtert werden. Audi ist ihre Lösung so schwierig, daß sie besseo nicht andeutungsweise mit wenigen Sätzen behandelt wird. Von chr müßte einmal in einem besonderen Artikel die Rede sein.
Noch eine andere Frage muß gestreift werden. Der Unterschied der sog. Richtungen in vielen Gemeinden hat neuerdings zu der Forderung des sog. Schutzes der Minderheiten geführt. Baden hat diesen Schutz verfassungsmäßig geregelt Soll auch Hessen es tun ? Es erscheint gerecht, wenn Minderheiten, die sich durch die pastorale Versorgung der Gemeinde nicht betrieb: it fühlen, die Möglichkeit gegeben wird, sich kirchlich von einem ihnen genehmen Pfarrer versorgen zu lassen. Auf der anderen Seite wird dadurch, h alb bte Versorgung über einzelne Fälle hinausgeht, eine Zerspaltung und Zerreißung der Oemcinbe an gebahnt, die bedenkliche Folgen haben kann. Sind die Grürtde für Gewährung eines Minderheitsrechts fo stark, daß diese Ge'ahr in Sauf genommen werden muß? Und rote steht es mit der praktischen Durchführung? Wie ist das Recht auf das Kirchrn- gebäude und auf die übrigen kirchlichen Einrichtungen zwischen Mehrheit und Kinberh-i1 zu verteilen? Wovon soll die Anerkennung einer Minderheit abhängen? Dabei ist rtoch zu berüd'ichtigen, daß die ganze Frage in Hessen erfreuliierroei'e noch nicht in besonderem Sinne geworden ist.
7.
Es konnte sich nur um eine lleberficht über die wichtigsten der zu beachtenden Fragen handeln. Ihr Zweck ist ledtglich, weitere Gemei.tdekveise
für die schwebenden Beratungen zu interessieren und einer späteren aussührlichen Erörterung der Dersassungssragen oorjuarbeitcn. Die Besprechung dieser Fraaen soll in keinem Falle auf die engere Auswahl der kirchlichen Blätter beschränkt sein. Sre gehört in die Oeffentlichkeit der Gemeinden. Das gilt jetzt mehr denn je. Wenn die cvangdiidxn Kirchen Dolkski rchen sein und immer nicht werden wollen, dürfen die großen Fragen des Verfassungsn^ubaiis nicht nur im engen ftrrie verhandelt werden. Die Gemeinden selber müssen )id) dafür interessieren.
Höften wir, daß auS allen Erwägungen und Beratungen ein Ergebnis hervorgehe, das die evangelische Landeskirche in Hessen zu friicher, tätiger Arbeit befähigt!
Line Lrslärnng £Iot)b George;.
London, 18. Mai (Reuter.) Ltoyd George hat dem Reuter-Bureau folgende Erklärung abgegeben: Ich halte die Erklärungen anfttcht, welche ich im Unteichause mit Bezug aut Oberschlesien abgegeben habe. Natürlich kann rch nur die Verantwortung übernehmen für das, loas uh wirklich gesagt habe, nicht aber für verstümmelte und entstellte Auszüge. Tie fast einmütige Bll- ltgnng, welche sowohl in Amerika nne mJta- lien und auch in der englischen Vresse den von mir zum Ausdruck gebrachten Gefühlen gezollt worden ist, zeigt, daß die großen Völker, welche im Westen an der Seile Frankreichs kämpften, den Vertrag von Versailles nach Billigkeit auslegen wollen. Ich war noch niemals Zeuge einer gleichen Einmütigkeit in irgendeiner Frage. Alle Richtungen der öffenLichen Meinung tn den drei genannten Ländern haben sich auf 'den gleichen Standpunkt gestellt. Es wäre im höchsten Grade bedauerlich, wenn die französrsche Prene sich einen anderen Standpunkt zu eigen machen sollte. Aber wir müssen die MeinungSverschirtden- heiten tunNchst mit Duldsam kett am* neljmen. Tie Sdellungnahme,' welche bte öftent- biche Meirrung in AmeiiÄ, in Gvoßbritannieil und in Italien in der oberschüe ischen Frage gezeigt hat, sollte in Frankreich keinen Llnstoß geben. Diese östentliche Meinung hält sich an den Vertrag von Versailles. Sie nnll dr: Bestimmungen dieses Vertrages mit Gerechtigkeit anwenden, ob sre nun für ober gegen Teutschland sind. Das Schichai Oberschlesiens muß durch den Obersten Rat, nid)t aber durch Korfantv entschieden werden. Es MrT den „Zkindern des Vertrages" nicht erlaubt werden, ungestraft das „Geschirr Europas zu zerbrechen". Man muß ihnen bte Zügel anlegen, ober aber es wird ständig Schkmerrg"eiten geben. Ter Verlauf der zukünftigen Ereignisse kann nicht vorausgesagt werden. Tie Nebel am Horizont sind dichter als gewöhnlich und der Weltfrieden werd von der Einigkeit zwischen den Verbündeten abhängen.
Dem Vertreter des Reuterscben Bureaus erklärte Lloyd George weiter, er möchte der französischen Presse mit allem Re'pekt sagen, daß ihre Gewohnheit, jeden Meiwmgsausdruck eines M.'i ierten, der nicht mir der menen Mnnung über- cinftimme als eine Untrbör gfei’ zu behrnb.'ln, u n- heilschwanger sei. Denn dme Geistesverfassung andauern sollte, \o werde sie für jebe Entente unheilvoll fein. Außer den auS dem Vertrage sich ergel-enden VerpTllchtungen, fuhr L.'oyd George fort, müssen btcGreignmc, btenttht vorausgesehen wer de n können, die zukünftigen Gruppierungen der Nationen bestimmen. Tte Zukunft der Dell, insonderheit bte Europas, wird durch alte ober neue F reundschasten bestimmt U t r diesen Umständen ist der Vertrag von Bersallles ein Dokument von unendlicher Bedeutung, besonders für die Nationen der Entente. Er bindet uns, wo es soviel gibt, das uns trennt, zusammen. Tieienigen, die die Bestimmungen des Vertrages behandeln, als ob sie ein Sport für chre Leidenschaft und Vorurteü wären, brauchen nicht länger zu leben, um Are HitzEpftgk-i noch zu bebaumt. Tas englische Volk entzieht sich kei icm Teile terner Verantwortlichkeit aus dem Vertrage. Vorübergehende Schwierigkeiten erschweren es, Truppen zu erübrigen. Aber diese Schwimrgkeiren werden, wie ich vertrauensvoll schon jetzt anne&mc, bald vorüber sein. Ich mache auf die Tatsache aufmerksam, daß wir auf der jüngsten Konferenz b;e Bereitwilligkeit kundgegeben haben, unsere Ftarte, falls Deutschland den Bestimmungen der Alliierten nicht radrfonrmt, für jede militärische Operation zur Verfügung zu stellen, über die beschlossen würde. Tie britische Regierung war bestrebt, die Frage der Teilung Schlesiens auf der Londoner Konferenz zu remdn. Die Tatsachen der Volksabstimmung waren bekannt, liniere Bundesgenossen waren nicht bereit, mit der Besprechung
fortzufahreit. Wir werden treu zu der Entscheidung stehen, die von der Mehrheü der Mächte getroffen wird, die auf Grund bed Vertrages bei ber Festsetzung der schlesischen Grenze Stimme haben, wie auch immer der Spruch lauten möge. Wir nehmen die Volksabstimmung als den
<u<f der Wünfdx bei
voll an. Da wir aber in den großen Krieg eingetreten sind, und für die Verteidigung d<S alten Vertrages, an dem unser Land beteiligt mar, gewaltige Verluste erlitten haben, kann Großbritannien nicht einwilligen, dabei zu stehen, während auf dem Vertrag, den seine Vertreter tot weniger als zwei Jahren unterzeichnet haben, herumgetreten wird.
Die Erfüllung öer Ultimatums- foröerunqen.
. Berlin, 18. Mai. Wie die Blätter hören, rotrt> sowohl im Auswärtigen Amt als auch in den andev n beteiligten ReichSministerien gegen- märtig intensiv an den zur Erfüllung der UltimatumSforderungen notrocnbtgrit Vorbereitungen gearbeitet Insbesondere werben alle erforderlichen Maßnahmen gesetzgeberischer Natur aiiögearheitet, wir die Korrelchn ixs ReidiV wehrgesetzes und eines Geseßentwun's über bic Exportabgabe. Bezüglich der finanziellen Fragen trat das Reich mit einer Reilrr Gro banken in Fühlung über die Realisierung ber deutschen Schatzanweisungen, mit deren Hil e eine Milliarde Goldmarl irmerhalb 25 Tagen bezahlt werden sollen. Wie verlautet, nimmt voraus idnlich die Reparationskommission die von Teuftd'lanb angebotene Teilzahlung von 150 Millionen (’4o!tP mark in ausländischen Tevisen an Schließlich wird an der AnSstibning ><r von Dnitl^ümch angebotenen 25 000 Holzhäuser für die zerstörten Gebiete gearbeitet, mit deren Lieferung Frankreich sich einverstanden erklärte.
P a r i S, 18. Mai Havas meldet, daß ber deutsche Bo t schaf ter in Paris Mayer hmtc nachmittag dem Ministerpräsidenten Briand ernen Besuch abgestattet und mit ihm eine Unter re bung persönlichen Charakters gehabt habe, da ber ReichSminisier d S Aeußern noch nicht bekannt sei. Mai-er habe Briand die Zusicherung Wi'-berfx>lt, daß bte neue deutsche Regierung entschlossen fei, alle Klauseln des Ultimatums der Alliierten auSzuführen. Er Ixibe daran erinnert, daß das Berliner Jtabinett bereits die Bedingungen der Note der interalliierten Konrwllü'mmisiion betreffend die 9lüsführung der Suftfabi tbeftünmim- gen gm 18. Mai angenommen habe
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Gegen den Vorhalt, daß das Kabinett Wirch von der Gnade Erzbergers lebe, wende' sich eine Zuschrift in der „G rmania" mit folg nden Sätzen:
„Wenn das Kabinett Wirth als „Erzberger- labinett" verschrien werden soll, so wol'en wir, diese Minierarbeit von vornhevern gründlich zerstören: Herr Erzberger hat weder mitgewirkt an der Regierungsbildung, noch hat er überhaupt Kenntnis von den Vorgängen gehabt Erzberger steht völlig außechalb der Regierung-Politik' Darüber hinaus wird es die Gegner deS Reichskanzlers interessieren, zu erfahren, daß die Kanzlerschaft Tr. Wirths insbe'vndere von den Führern der ZentrurnSfrattion als erwünscht und gegeben bezeichnet wurde, die Anregung zu dieser Kanzlerschaft ging sogar von den Führern unserer Fraktion aus. Dem Zentrum find alle Partei-n willkommen, die, nachdem das Jawort einmal gesprochen ist, die Geschicke des Reiches weiter zu führen helfen wollen. Aber sachlich und aufrichtig! Sinnlose Treibereien kann ein einsichtiger Politiker heute weniger als je wollen und dulden."
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Nach einer Blättermeldung ist das Gesetz üb:T die Exportabgabe, bif unS durch daS Ultimatum auferlegt ist, in der Ausarbeitung begriffen. Auch ist der Auftrag zum Bau von 2 5 000 Holzhäusern für die zerstörten Gebiete erteilt worden. Tie von ber Entente verlangten Aende- rungen zum Weh r gesetz werden binnen kurzem bekannt gelben werden.
Berlin, 18. Mai. Tie „Tägl. Rundschau" meldet: Ter Reichskanzler hält in der ersten Reichstagssitzung am 31. Mai fein* Programmrede, worin er dem Reichstage Mit eilungen über dir Art der Erfüllung der deutschen Revara- tionsverpflichtungen machen und sich auch über das oberschlesische Problem ausla s.m wird.
Paris, 18. Mai. (Dolfs. In einer Be- sprechuna deS deutschen Zahlungsangebotes sagt der „Petft Pariften": Tie Haltung Deutschlands entspricht vollkommen den Forderungen des Ultimatums. Tie Zahlungsweise ist korrekt, ja, sogar zum ersten Male seit dem Waffenstillstand gibt uns die Regierung Wirth eben Beweis ihrer Aufrichtigkeit und ihres guten Willens, intern sie den vorgesehenen Zahlungstermin vorschiebt. Deutschland schlägt bamit dm Weg zur Durchführung ber Reparationen ein.
Rom, 18. Mai. (WTB > ©tefani. Ter Sekretär ber itefienifdren Povul aren var tei übermittelte dem Reichskamler Tr. Wirth Grüße feiner Partei und Wünsche für den Erfolg der neuen Regierung. Er versicherte ihn ber, Solidarität mit dem sozialen Programm, das die ruhmreiche Zentrumsvattei in der schwierigen Zeit des mora- nschen und wirtschafllichen Wiederaufbaues Europas sich gesetzt habe.


