Ausgabe 
18.8.1921
 
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4 leit Stemplet der Heranzrehmrg un6 Berwen- K.Ag der Sachwerte für die neuen Steuern aber noch einmal das Kabinett beraten würde.

Bayer« und die ReichSregienwg

München, 17. Aug. «Wolff) Zu der Mel­dung, daß das Reichsministerium auf das Er­suchen der bayerischen Regierung um Anwendung der im § 42 der Reichsgetreideordnung dem Reichsernährungsminisler eingeräumten Befug­nisse einen ablehnenden Bescheid erteilt habe, wird von amtlicher bayerischer Stelle er» fläti: Es ist richtig, dah eine Antwort in diesem Sinne ergangen ist. Die Derhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen, da auf Grund des Mrnisterratsbeschlusses vom 15. August Ver­treter des bayerischen Landwirtschaftsministeriums mit den zuständigen Reichsstellen in Berlin aufs neue verhandelt haben Bon dem Ausgang dieser Verhandlungen wird es abhängen, ob die Reichs­regierung ihre bisherige Stellungnahme ändert, oder ob die bayerische Regierung genötigt ist, von sich aus Maßnahmen zu treffen.

Bevorstehende Schaffung einer Reichs- kriminalpolizei.

Berlin, 18. Aug. Unter den neuen Ge» tetzeSvorlagen, die dem Reichstage zuaehen wer» den, befindet sich lautDeutscher Allgemeiner Zeitung" auch ein Gesetzentwurf betreffend Schaf­fung einer Reichskriminalpolizei, der eine möglichst scharfe Bekämpfung des überhand­nehmenden Verbrechertums bezweckt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 18. Aug. 1921.

Die Gefnnqenen-Entlassung aus Avignon.

Bei den Gefangenen, die jetzt zur Entlassung aus den Gefängnissen von Avignon kommen sollen, handelt es sich um solche, deren Strafzeit noch in diesem Zähre oder zu Anfang des nächsten Jahres abgelaufen Ware. Die Begnadigung dieser Leute, 40 an der Zahl, ist den Bemühungen der Kriegsgefangenenheimkehr in Frankfurt a. QU, zu verdanken Es muh anerkannt werden, dah sich auch hohe französische Militärs für die Ent­lassung der Armen eingesetzt haben. Der Ge­fangene Kurt Schmiedel aus Frankfurt a. M. ist nach französischen Mitteilungen an die Frankfurter Heimkehrstelle am 19. Mai 1917 durch das Kriegsgericht in Saloniki zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden. Schmiedel wurde dabei ertappt, als er in französischer Uniform sich im französischen Biwak bei Saloniki befand. Er verbüht die Strafe gegenwärtig im Zuchthaus zu Prion, Puy de Dom, und wird zur QJerfügung des Kriegsminifters gehalten, so dah zu hoffen ist, dah auch dieses fürchterliche Urteil revidiert wird

Wettervoraussage

für Freitag.

Borwiegend heiter und trocken, warm. Oft- l bis Rordostwind. Das Tief zieht in der gestern angenommenen Bahn südlich der Alpen nach Osten, so dah die Ostwinde Fortdauer des warmen, trockenen Wetters wahrscheinlich machen.

-- Amtliche Bersvnalnachrichten Sie Stelle eines geschäftsleitenden Zustiz-Du° reau-InsPektorS bei dem Amtsgericht Orten­berg ist zu besehen.

Personalien. Studienassessor Kari Bogt von Giehen, ein geborener Licher (Alt­philologe), szur Zeit in Kassen am Realgymnasium tn Religion und Deutsch tätig, ist nach Biedenkopf versetzt mit dem Titel'Studienrat, mit Wirkung vom 1. Oktober b. Zs. ab.

Auszeichnung. Dem ehern. Musketier Adolf Weber aus Giehen wurde nachträglich das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.

*' Wie das Städt. Wohnungsamt mitteilt, ist es wiederholt vvrgekommen, dah Haus­besitzer ihr Anwesen an auswärtige Wohnungs­suchende oder Gewerbetreibende öerfauft, dem Käufer einen Teil ihrer Wohnung ohne Zu­stimmung des Wohnungsamtes eingeräumt und Antrag auf Zuweisung einer anderen Wohnung S" llt haben Zn solchen Fällen wird die zu- ige Kommission keine Wohnung zuweisen und ede Mithilfe bei der Beseitigung des dem Ver­käufer entstandenen Raummangels ablehnen

** Ein sehr großes und schönes M e t e or tonnte man gestern abend kurz nach Vj9 Uhr niedergehen sehen. ES erschien etwa im Zenit /and ging in südöstlicher Richtung ganz langsam nieder. Mcht allein die lange

Wiederherstellung des Lottehauses in Wetzlar.

3m nächsten Zahre werden 150 Jahre ver­flossen sein, dah Goethe in Wetzlar weilte und bter vier köstliche Monate, ausgefüllt mit einem frohen Aaturleben in der Umgebung und ver­schönt durch ein reines bis in seine spätesten Zahre nachhaltendes Liebesidyll, verbrachte. Den Gvethefreund interessiert nun aus jenen Tagen des Dichters weniger fein Verhältnis zur ..Ritter­tafel", jener akademischen Tischgesellschaft junger Juristen und Schwarmgeister, an deren in mittel­alterliche Formen gefüllten Scherzen er gern teil» nahm, auch nicht seine dortigen häuslichen und verwandtschaftlichen Verhältnisse, als vielmehr sein Verkehr im Hause des Ordensamtmanns Heinrich Adam Buff und seiner Tochter Charlotte. Dieses Verhältnis gab seinem Wetzlarer Aufenthalt nicht nur die Hauptnote, sondern leuchtete noch lange zurück, nachdem er sich In schmerzlicher'Zerrissenheit von Wetzlar los» aeriffeu. Der Hauptfchauplah seines Wetzlarer Idylls war der DeutschordenShof, und so ist es verständlich und zu billigen, wenn man zum Gedächtnis der 150. Widerk.hr bcä Wetzlarer Zahr.es diesem Haus und Hof besondere Aufmerk­samkeit zuwendet. Der von einer hohen mittel­alterlichen Mauer umgebene Deutschordenshof liegt inmitten der Stadt Wetzlar. Er wurde im Zcchre 1287 gegründet, um die dem Deutschen Ritterorden in Wetzlar und seiner Umgebung ge­machten Schenkungen zu verwalten. Er unterstand der Dallei Hessen, der dritten unter den zwölf beutfefren Talleien oder Ordensbezirken Betritt man den graften Hof durch das Eingangstor, das bis zur Auslosung des Ordens im Zahre 1809 mit

Dauer der Fallzeit, die durch die größere Widerstandsfähigkeit der Luft gegenüber be­dingt ward, auch die blendend grelle, grünlich­weiße Farbe zeugten von einer ganz auher- ordentlichen Gröfte dieses Himmelsboten, der dem Auge einen selten schönen Anblick bot. Etwa in Höhe des Mondes sprang daS Me­teor dann in drei bis vier Teile auseinander. Einzelne Beobachter wollen sogar das Ge­räusch des Auseinanderplatzens (oder Auf­schlagens auf die Erde?) gehört haben, was, wie wir von sachkundiger Seite erfahren, bei großen Meteoren ^durchaus möglich sei. Ein Stück soll hinter der Heiligenstaedtschen Fa­brik niedergegangen sein. Zehn Minuten spä­ter ging übrigens ein zweites, jedoch wesent­lich kleineres, Meteor aus der gleichen Rich­tung nieder. Bon einem anderen Beobach­ter werden uns noch folgende präzise Einzel­heiten mitgeteilt: Das Meteor erschien aus nördlicher Richtung, überschritt den Westhim- mel in Höhe von 60 und verschwand am Süd­himmel, etwa über Butzbach in Höhe von 45. Es war etwa 5 bis 6 Minuten sichtbar. Das Meteor hatte die Form eines grünlich leuch­tenden Balles mit grün-weißlichem Schweif, dieser etwa in der sechs- bis achtfachen Gröhe des Kopfes, aber allmählich verblassend. Der Kern hatte etwa V20 der Mondgröhe. Kurz vor dem Berschwinden am Südhimmel lösten sich einige leuchtende Teile los.

"ReueZwei-Markscheine. Der neue 1-Mark-Schein mit der Sonnenblume zwischen den Füllhörnern hat einen Bruder erhalten. Der dazugehörige Zwei-Markschein kommt in den Ver­kehr als Ablösung des bisher durch so viele Hände gegangenen roten Papiers. Die Vorder­seite zeigt in einem braunen Viereck die Wert­bezeichnung in Buchstaben, flankiert von zwei Reichsadlerstempeln. Als Umrahmung eine aus zierlichen Ornamenten gewobene Raute auf bräun­lichem Grunde, auf dem kleine braune Zweien gedruckt sind. Aus der Rückseite in dunklerem Braun in der Mitte wieder Rümmer und Wert­bezeichnung, daneben rechts und links auf blau und braun geblümter Tapete Stempel und Siegel der Reichsschuldenverwaltung. Querleisten tragen oben nochmals die Aufschrift Darlehnskassenscheut und unten die üblichen Unterschriften.

** Steuerpflicht des Ueberstun- denverdienstes. Der Reichsfinanz­mini ft e r weist darauf hin, dah durch seinen Er­laß vom 25. August 1920 lediglich die einstweilige Abzugsfreiheit der besonderen Entlohnungen für Arbeitszeiten, die über die für den Betrieb regel­mäßige Arbeitszeit hinaus geleistet wurden, ver­fügt worden ist. An der Steuerpflicht der für die Leistung von Ueberftunben, Ueberschichten, Sonn­tagsarbeit und für sonstige, über die regelmäßige Arbeitszeit hinausgehenden Arbeitsleistungen ge­währten besonderen Entlohnungen ist nichts geän­dert worden. Das aus der Leistung von Ueberftun» den usw. erzielte Einkommen unterliegt der Be­steuerung genau so wie das übrige Einkommen.

- Papierpreiszuschlag bei Post» karten. Die von der Postverwaltung neuaus - gegebenen Postkarten tragen neben den Wert­zeichen den Aufdruck:Papierpreiszuschlag 5 Pf.". Dieser Zuschlag ist bekanntlich seit März d. Zs. eingeführt und soll der Postverwaltung einen Ausgleich dafür bieten, daß sie dem Versender auch den Kartenvordruck zur Anbringung der Mitteilungen liefert, denn die eingedruckte Marke stellt nur die Gebühr für die Beförderung der Karte nach dem Postgebührengesey dar. Der Zuschlag enthält außer den Papierkosten auch alle anderenSpesen", die auf der Herstellung einer Postkarte ruhen.

** Blindenführerhunde dürfen auf keinen Fall geneckt werden. Wie uns mitgeteilt wird, befinden sich zur Zeit hier in Gießen zwei Blindenführerhunde, die mit großer Treue und Hingabe ihre des Augenlichtes beraubten Herren durch die Straßen leiten. Es ist nun leider beobachtet worden, daß öfter Kinder die Hunde necken und die Blinden dadurch gefähr­den. Erwachsene, die Hunde bei sich führen, sollten daraus achten, daß ihre Hunde sich dem Führerhund nicht nähern. Die Führerhunde sind an weißen Metallschildern mit dem Roten Kreuz erkenntlich.

Promenadenkvnzerl. Am Sonntag- vvtmittag 11 Uhr findet aus Anlaß des 116er- Tages ein Konzert in der Süd-Anlage mit nach­stehender Spielfolge statt: 1. Alexander-Marsch. (W. Christoph, Armeemarsch Rr. 161.) 2. Ouver­türe zur OperTannhäuser". (Der Sängerkrieg auf der Wartburg.) R. Wagner. 3. Hymne und Triumphmarsch a. d. OperAida". V. Verdi. 4. Historische Märsche, nach authentischen Quellen zufammengestellt. F. Kaiser.

Religion-st ati st ik. Da in den letz­ten Zähren eine große Anzahl neuer Religions- gesellschaften entstanden ist, wird für eine bei der nächsten Volkszählung vorgesehene Rellgionssta- tiftit dic Ergänzung des Religionsverzeichnistes nötig. Es wäre deshalb erwünscht, wenn die kleineren Religionsgesellschaften der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik in Darmstadt über ihre Bezeichnung Mitteilung ^utommen liehen und dabei angeben wurden, welcher Gruppe sie zuzurechnen finb, ob zu den evangelischen Kirchen, der römisch-katholischen Kirche, anderen evangelischen Christen, anderen katholischen Chri­sten, sonstigen Christen, Israeliten, anderen Re­ligionsgemeinschaften, oder zu feiner Religions­gemeinschaft

Das Gießen er Paedagogium weist Herren und Damen, die bei Ausübung ihres Berufes sich für eine höhere Schulprüfung vor­bereiten wollen, auf seine Ankündigung im An­zeigenteil unseres heutigen Blattes hin.

Bormotizen.

^ageskalender für Donners­tag: Hotel Großherzog, 8 Uhr, Versammlung des D. A. Postkeller, 8 Uhr, Mitglieder- verfammlung des Z. d. A. Postkeller, 10' Uhr, Generalversammlung des Deutschen Musikerver­bandes. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Das wandernde Bild" und(Sin stilles, behagliches Rest" ' Astoria-Lichtspiele,Mit Büchse und Gaffo, 3. Teil" undGaukelspiel des Glücks".

Der Fe st- Ausschuß des 116er- Tages, zu dem 60007000 Teilnehmer erwartet werden, ruft die Bürger Gießens auf, zu be­weisen, daß das alte schöne Verhältnis zwischen der Bürgerschaft und den 116ern das gleiche ist, wenn das Regiment auch nicht mehr fortbesteht. Gr fordert auf, die Häuser zu beflaggen und zu schmücken und so zur Hebung der Wiedersehens- fteube beizutragen. Die Festteilnehmer versam­meln sich am Sonntag vormittag um 9 Uhr auf dem Hof der neuen Kaserne, wo die Begrüßung und die Gedächtnisfeier für die Gefallenen ftatt- findet. Des Platzmangels wegen können nur die nächsten Angehörigen der gefallenen Kameraden des Regiments 116 und seiner Kriegskameraden, sowie die Dereinskameraden zu dieser Feier zu­gelassen werden. Die Aufstellung zum Festzuge beginnt 1.30 Uhr in den Straßen um die Straßen­kreuzung MoltkeftraßeKaiser-Allee. Licher Str, Schifsenderger Weg. < Der Festzug bewegt sich über Kaiser-Allee' Ludwigsplah Ludwigstraße - Alicestraße SelterSweg Goethestratze Süd- Anlage Ost-Anlage Rord-Anlage zum Fest- Platz Oswaldsgarten. Hier können des Platz­mangels wegen nur die Festteilnehmer Einlaß finden. Die Tagung schließt mit einem gemüt­lichen kameradschaftllchen Zusammensein auf Os­waldsgarten.

Der F u l d a - L a h n » K a n a l v e r - ein veranstaltet am Samstag den 3 September, vormittags IN 4 Uhr im HotelGroßherzog von Hessen" die 13. ordentliche Hauptversammlung. Auf der Tagesordnung steht u. a.: ein Vortrag von Direktor C. Dansa-Limburg überDie Con- tag'sche Studie über den Ausbau einer Lahn- Fulda-Wasserstraße".

Landkreis Gießen.

Grneuerrmg des Rathauses in Langsdorf.

« Langsdorf, 17. Aug. Das Rathaus in Langsdorf stammt aus dem Zahre 1898. Dort, wo die Hauptstraße einen Knick bildet, steht es an der ausspringenden Ecke und streckt im Obergeschoß einen Erker vor, so daß der Bür­germeister aus den Seitenfenftern des Erkers die ganze Straße nach oben und nach unten übersehen kann. Wer Lich und Langsdorf kennt, weiß, daß hier ein Land der Erker ist, die den Reiz der Straßenbilder erhöhen. Und die Alten haben es immer verstanden, ihren Häusern und ihren Er­ker an die rechte Stelle zu sehen. Das Rathaus in Langsdorf galt als baufällig, es sollte abgerissen werden. Aber unsere Fachwerkhäuser sind nie so baufällig, wie sie aussehen, mögen sie auch oft beängstigend schief stehen. Der Denkmalpfleger er­hob Einspruch gegen den Abbruch, sprach sich aber für einen Umbau aus unter Verwendung des alten Bauest ein Entwurf des Kreisbauinspek­tors fand die Billigung des Gemeinderates und am vorigen Sonntag, dem Kirchweihtag, wurde auch das n eu t alte Rathaus ein geweiht. Richt Niederreißen, sondern auf­bauen! Das war der Denkspruch, den der Pfarrer des Ortes und mancher andere Redner dem Feste zugrunde legten. Aus dem alten Hause war ein neues geworden, baä seine Vergangenheit nicht verleugnet, das ihr vielmehr seine Schönheit und Eigenart verdankt. Auch die erbittertsten Gegner der Wiederverwendung des alten Baues sind aus­gesöhnt und erkennen gerne an, daß der Bau den Anforderungen der Jetztzeit entspricht. Das Aeußerc zeigt die charaktervollen Formen des oberhessischen Fachwerks in schönem Farben»

'chmuck: von bofenberm Reiz aber ist das 3iuurt, ganz eigenartig der Bürgersaal mit der flotten Bemalung des Malers Belfe. 3n Verbindung mit der Kirchweibe gestaltete ftch die Einweihung zu einem Volksfest 3n dem Fef^ug war auch dir edfuQugenb vertreten, die erkennen sollte, daß hier ein Erbe der Väter neu erworben war, das auch ihr einst anvertraut werden wird RamenS der Bauleitung übergab Daurat CellariuS den Schluff el des Hauses an den Bürgermeister Dender, der daS Haus in die Obhut her Ge° meiubc übernahm Rach einem Deihelied des Gesangvereins sprach Pfarrer Klingelhöfer die Festrede, nach ihm ergriff das Wort ßebrer Leidig als Vertrauensmann der Denkmals­pflege. Später fand sich der Gemeinderat mit feinen Gästen in derTraube" zusammen Man ches Wort des Dankes wurde hier noch gesprochen an die Handwerker, an die Bauleitung, insbeson- der Regierungsbaumeister Schneider, der den Entwurf ausgearbeitet und die Ausführung ge­leitet hat. Ueber der ganzen Feier aber ftbtoebtc der Geist des früheren Bürgermeisters, des Reichstags- und Landtagsabgeordneten Köh­ler, dem die Gemeinde unendlich viel verdankt, der auch den rechten Sinn stets hatte für die ör Haltung des geschichtlich Gewordenen und der vor vielen Zähren schon die Instandsetzung eben dieses Rathauses ins Auge gefaßt hatt.

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'* Londorf, 17. Aug. Dom 1. Oktober ad kommt auch für die bei dem hiesigen Postamt an- geschlossenen Fernsprechteilnehmer dic Paufchaebühr als Zahlweise für die Femsprech- anschlüsfe in Wegfall. Sie wird ersetzt durch die Grundgebühr, die nach dem am 4. Zuli durch den Reichstag angenommenen Fernsprechgebüh­ren gefetz tn Londorf in diesem Zahre noch 380 Mark beträgt, da am 1. Januar ds. ZS. das hiesige Fernsprechnetz nicht mehr als 50 Teil, nehmet zählte. Born 1. April 1922 ab ist mit einer jährlichen Grundgebühr von 420 Mk. zu rechnen. Die Herstellung einer Ortsveidindung kostet 25 Pf. Mindestens sind für jeden Haupt­anschluß die Gebühren für 40 Ortsgespräche monatlich zu entrichten.

Kreis Alsfeld.

Up. A i e d e r - O h m e n, 17. Aug Durch Mt große Trockenheit trockneten auch die vier Was- serteicheunseresEisensteinbergwer» kesLuise", das zwischen Demsseld und hier gelegen ist, ein; davon faßte der größte etwa 80 000 Kubikmeter Wasser. Jetzt legt das Bergwerk eine Wasserleitung an, die das Wasser durch einen elektrischen Motor direkt aus der Ohm nimmt und es zu den Betrieben führt. Zugleich wird eine Drahtseilbahn von Bleidenrod hierher gebaut, welche die Eisensteine der dortigen Grude hier­her bringt und dadurch die Lieferungen erhöht.

O Ruppertenrod, 17. Aug. Die Ober­leitung der elektr. Kraftanlage ist von Freienseen bis hierher und nach Wettsaasen bis aus den Leitungsdraht fertiggestellt. Die Arbeit geht rüstig vorwärts und dürfte bald Rieder Ohmen erreichen, wodurch der Kreislauf geschlossen ist. Die Masten führen von Ilsdorf hierher durchs Feld, dann durch das Wiesental der Ohm, aus­gehend vom hiesigen TransfvrmationshauS. Das Aufftellen der Masten in den sonst feuchten Wie­sen wird durch die trockene Wetterlage sehr be­günstigt.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 17. Aug. In Dirlammen ist die Maul- und Klauenseuche ausge- brochen. Der Kreis Lauterbach gilt damit als verseucht.

Starkenburg und Nheinhessen.

"Darmstadt, 18. Aug. Die in Darmstadt auf dem Paradeplatz vor der sozialistischen Ar­beiterjugend gehaltene Ansprache über einen Zugendtag in Bielefeld (worüber wir am 10. Aug berichteten), wurde nicht von dem früher hier tätigen Assessor Dr. Avemar ie gehalten, son- dem von dem Arbeiter-Zugend-Sekretär A.

Kreis Wetzlar.

fb. Wetzlar, 17. Aug. Die Gemeindevor­steher des Kreises Wetzlar fordern iu einer Kundgebung die Beseitigung aller Zwischenm- stanzen zwischen Landrat und Gemeindevorsteher und im Interesse des gesamten Landvolles die Einführung der uneingeschränkten Selbstverwal­tung für die Landgemeinden.

Hessen-Nassau.

m. Marburg, 18. Aug. Der gestrige Wvchenmarkt war im Verhältnis zu den sonstigen Mittwochsmärkten mit Gemüse und Obst gut besucht. Auch Pilze besonders Champignon, waren vertreten, und kosteten das Pfund 1,80 bis 2 Mk Die Butter kostete daS Pfund 25. 26 und 27 Mk. Die geforderten 28 Mk. wurden nur in sehr seltenen Fällen bezahlt. Gier 1,55 bis 1,65 Mk Bei Gemüse und Obst waren die Preise unverändert.

dessen Wappen, einem schwarzem Kreuz auf weißem Grunde, geziert war, so erblickt man im Hintergrund das zweistöckige, weiträumige Haupt­gebäude, das aus dem 17. Zahrhundert stammt und durch den Amtmann Buff mit einem Man­sardendach versehen und auch sonst erneuert wurde. Reben diesem Gebäude, das jetzt Kinderheim ist, stehen noch die Brandmauern des ursprünglichen Ordenshauses. 2üif der rechten Seite des Hofes steht eine 1559 erbaute Scheune und nicht weit davon die Trümmer der im 13. Zahrhundert zu Ehren der heiligen Elisabeth errichteten, aber im 17. Zahrhundert verfallenen alten Ordenskapelle. Links vom Hauptgebäude erhebt sich ein hoch- giebliges Stall- und Speichergebäude, das 1535 erbaut wurde. Zwischen diesem Speicher und dem Hoftor erstreckt sich das einfache Fachwerkhaus, daS von der Familie Buff bewohnt wurde. In dem wahrscheinlich erst von Heinrich 3lbam Duft um 1750 angebauten letzten Teil des Hauses befand sich unten die Wohnstube und eine Treppe hoch diegute Stube", die jetzt als das sogenannte Lottezimmer das Ziel vieler Besucher Wetzlars bildet. Die Ausstattung ist zum Teil noch die ursprüngliche. 'Bemerkenswert sind hier die alten Oelgemälde Lottes und ihres Vaters, das Spinett und die Tapeten, auf deren Wand­feldern sich Venus, Diana und andere verschnör­kelte mythologische Gestalten, abwechselnd mit großen Urnen, zeigen. Run rüstet man sich in Wetzlar, 1922 eineW erther-Ausstel- l u n g zu veranstalten, das Lottezimmer ventuell zu ergänzen und vor allem das Haus und den Hof wieder in den Zu st and der Goethezeit'zu versetzen. Die Zeit der Ausstellung sowie einer Feier wird eventuell mit

Iber Tagung der Goethe-Gesellschaft in Verbin düng gäracht werden. An alle Freunde des hüb­

schen und dankenswerten Unternehmens, nament­lich die Mitglieder der Goethe-Gesellschaft, ergeht nun die Bitte, durch Beisteuerung von Beiträgen das Vorhaben zu unterstützen. Solche sind unter dem Vermerk Für das Lvttehaus" an das Bür­germeisteramt der Stadt Wetzlar einzusenden.

Kraftausnutzung des Meeres. In der gewaltigen Wafserbewegung von Ebbe und Flut bietet die Aatur eine Energiequelle aller­größten Ausmaßes dar Leider ist die Technit heute nur ausnahmsweise imstande, diese Kräfte auszunuhen, wenn nämlich die bet der Flut an­drängenden Wassermengen von genügend großen Reservoiren ausgenommen werden können, die dann bei Beginn der Ebbe wieder abfließen und hierbei auch Turbinen arbeiten. Wie Dr. Heinrich Lux in einem Aufsatz der »Sozialistischen Monats­hefte" ausführt, haben bereits einige Versuchs­anlagen die Möglichkeit einer solchen Verwertung von Ebbe und Flut erwiesen. So besteht eine solche Anlage bei Husum und ein Gereitenkraft- toert an der Mündung des Severn in den Bristol- Kanal. Aehnlich günstige Stellen finden sich auch an anderen Punkten der Erdoberfläche. Aber die Kraftausnuhung des Meeres ist noch an die Be­dingung geknüpft, daß sich die gewonnenen Energiemengen auch ohne zu große Kosten nach den toirHicben Dedarssstellen leiten lasten. Rach den gegenwärtigen Brrechnungen erscheinen Pro- idtc. bei denen dir Energie aus eine Strecke von mehr als 500 Kilometern übertragen werden muß, wirtschaftlich undurchführbar. Doch drängt bei dem immer stärkeren Abnehmen unterer Kohle »schätze die Entwicklung darauf, die ungeheure.1 Kräfte des Meeres durch umwälzende <3r|inbd.iwea zu heben,. und »0 darf man auch Pläne, die heute noch I

phantastisch erscheinen, nicht einfach in den Be­reich der Unmöglichkeit verweisen. Zu diesen Proiekten gehört z. B. die Ausnutzung des R 01 e n jitcere« und des Mi11elmeeres Beide Projekte gründen sich daraus, daß sowohl das Rote als auch daS Mittelmeer unausgesetzt rie­sige Wassermengen durch Verdunstung verlleren. Beim Roten Meer z. B würde der Wasserspiegel jährlich infolge der Verdunstung um etwa vier Meter sinken, wenn es nicht vom Indischen Ozean stets neu aufgefüllt würde. Macht man durch Absperrung bei Bad el Manded die andrän genden Wassermengen nutzbar, so könnte man nach 10 Zähren schon etwa 20 Millionen Ps. nach 100 Zähren 100 Millionen gewinnen, west die Gefällstärte ständig größer wird. Da ba# Rote Meer etwa 2500 Meter tief ist, so könnten die ständig zunehmenden Wasserkräfte des Roten Meeres 5o006000 Zahre ausgenutzt werden. Da- bet wären die Baukosten verhältnismäßig gering, denn die Meerenge ist nur 25 Kilometer breit und im Durchschnitt nur 50100 Meter tief. Aehnlich liegen die Verhältnisse am Mittelmeer, das ausschließlich durch die Meerenge von Gibral­tar gespeist wird: hier ließen ftch nach 10 Zähren 30 Millionen Ps. nach 100 Zähren 300 Mil­lionen und nach 500 Zähren IVi Milliarde ge­winnen. Sie Durchführung solcher^Proiekle würde natürlich gewaltige klimatische Veränderungen nach sich ziehen, indem das Rote Meer dann zu einer Wüste werden könnte tote etwa die Sahara, btc la auch einmal ein MeereSdecken war. Dennoch is'. die Berechnung solcher Unternehmungen tn- leceffant, denn sie zeigt, welch ungeheure Energie- quellen noch vorhanden sind, auf die man äu= 1 umgreifen kann, wenn die letzte Tonne Stein­kohle verbraucht ist.