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tollten mehr btc Len Stillen Ozean betreffenden Fragen gelöst, als ein allgemeiner Abrüstungs- plan aufgestellt werden. Frankreich rüste niemals ab. benot nicht Deutschland endgültig und tatsächlich entwaffnet sei. Die ehemaligen Feinde Frankreichs feien mehr als je entschlossen, sich ihre Revanche zu holen, sobald es ihnen ge­lungen sei, die alliierte Kontrolle abzaschütteln. Man müsse blind sein, um den militärischen Geist nicht zu bemerken, der jenseits des Rheins die Oberhand habe. Wenn 1914 zwischen den drei Großmächten Amerika, England und Frankreich ein Garantieabkommen bestanden hätte, wäre der Krieg vielleicht vermieden worden. Trotz jedes Garantieabkommens aber würde Frankreich allein Len Stoß eines neuen Angriffs auszuhalten haben.

Die Haltung der Londoner Regierung.

London. 15.Juli. (WTB.) Reuter. Die britische Regierung hält es nicht für notwendig, in Verbindung mit dem Prozeß gegen die deutschen Kriegsbeschuldigten einen neuen Schritt zu unternehmen. Die Berichte der richterlichen Beamten der Krone über die bereits behandelten Fälle sind noch nicht emgetroffen und da noch nicht sämtliche bri­tische Fälle abgeschlossen sind, ist ein voll­ständiger Bericht im Augenblick unmöglich. Die Fälle können nicht einzeln erwogen wer­den, sondern müssen als Ganzes behandelt werden. Die Prozesse werden jedoch aufmerk­sam verfolgt als Prüfstein für den guten Willen Deutschlands, die von ihm übernommen nen Verpflichtungen zu erfüllen.

Gngland und Rußland.

6 o n d v n, 16. Juli. (WTB.) Der diplo­matische Mitarbeiter desEvening Standard" erklärt, von zuständiger Seite erfahren zu ha­ben, daß die Moskauer die britische Regierung ersuchte, einen sachverständigen Ingenieur und einen britischen Marine­offizier nach Rußland zu entsenden. Die­sem Wunsche sei stattgegeben worden. Die Aufgabe der beiden Offiziere sei, den Zu- standderHäfen.der SchiffahrtSweqe und die Vorrichtungen zur Löschung der Schiffs­ladungen in O d e s s a und an anderen Küsten­punkten zu untersuchen und darüber Bericht zu erstatten. Wie der Korrespondent weiter ausführt, hätten die Beziehungen zwischen Rußland und Westeuropa seit der Anterzeich- nung des englisch-russischen Handelsabkom­mens sich ständig gebessert. Die Sowietregie- rung stehe in Verbindung mit gewissen Fi­nanzkreisen der City, um Kapital auf- zubringen. Am nächsten Sonntag wird die britische HandelSmissi on nach Moskau Preisen.

Ein Hilferuf Maxim GorkiS an Gerhart Hauptmann.

Berlin, 16. Juli. (WTB.) Der zur Zeit Hier wellende Dichter Gerhart Haupt­mann erhielt einen telegraphischen Aufruf MaximGorkiS.in welchem er darauf hin­weist. daß das russische Voll durch den Krieg und die Revolution erschövft ist, und daß in­folge einer Mißernte Millionen der Hunger­tod droht. Er bittet aufs dringendste, dem russischen Volle mit Brot und Medikamenten zu helfen und hofft, daß die Kulturmenschen Europas und Amerikas die tragische Lage des Volles verstehen werden.

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Amerika und Japan.

Washington, 16.Juli. (WTB.) Ame­rika teilte Japan seine Absichten mit hin- sichllich der Konferenz über die Verringerung der Rüstungen und der Frage des fernen Ostens. Dieser Schritt geschah in der Absicht, dem Wunsche JavanS entgegenzukommen, be­vor es weitere Entschlleßungen faßt, und um den Umfang kennen zu lernen, in dem die Angelegenheiten des fernen Ostens zur Er­örterung gelangen sollen.

Das neue Proaramm der Soaialbemo&ratie.

Berlin, 17. Just. DerVorwärts" veröffentlicht den Entwurf desneuenVrv- aramrns der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der dem Parteitag in Görlitz im September zur Beschlußfassung unterbreitet werden soll. Das Programm gibt einleitend eine Darstellung des Zieles der Par­tei, die lleberwindung deS kapitali­stischen Wirtschaftssystems durch eine die Wohlfabrt aller Gesellschaftsmitgliedet sichernde sozialistische Gemeinwirtschaft. Unerläß­lich hierzu sei die entschiedenste Förderung des Genossenschaftswesens und der wirtschaftlichen und politischen Widerstandsorganisationen der arbei­tenden Klasse deS Volles, ferner die Festigung der deutschen Revublik, die Demokratisierung aller staallichen Einrichtungen und entschlossener Wi­derstand gegen jeden Versuch zur Wiederauf- richtung des alten Obrigkeitsstaates oder einer neuen Minderbeitsberrschaft. 3m Interesse aller Kulturvölker sei die Revision des Gewalt- frieben- von Versailles im Sinne wirt­schaftlicher Erleichterung und nationaler Selbst­bestimmung geboten. Die Lebensrechte unseres Volles wie aller anderen Völler seien zu schützen durch eine internationale Rechtsvrechung, die ge­tragen ist von einem alle Völker, die gleichbe­rechtigte Mitglieder sind, umspannenden wirk­lichen Völkerbund. Ihr zur Seite aber müsse gehen eine internationale Verbindung und eine internationale Aktion der werktätigen Bevölke­rung aller Länder, vor allem der politisch und wirtschaftlich oraanisierten Arbeiter. Von diesen grundsätzlichen Anschauungen ausgehend wird un­ter den lleberlchriftenWirtschaftspolitische For­derungen". ..Agrarfragen". ..Finanzen". ..Ver­fassung". .Verwaltung", .Kommunalpolitik",So­zialpolitik". ..Gesundheitspflege".Wohnungs­wesen",Rechtspflege". ..Kulturpolitik".Völker- beziehungen" undinternationale Forderungen" das Programm im einzelnen dargestellt.

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Ein Sogialiftentag in Marburg.

[ ] Marburg, 17. Juli. Heute wurde hier in den Stadtsälen ein Sozialisten- t a g abgehalten, zu dem sich nicht nur die so­zialdemokratischen Vereine Marburgs und der umliegenden Ortschaften, sondern auch eine große Anzahl Angehöriger der sozialdemo­kratischen Iugendvereine aus Frankfurt und Wiesbaden eingefunden hatten. Diese veranstalteten mittags auf dem Marktplätze im Anschluß an einen Redeakt allerhand Wan­dervogelspiele und Tänze. Nachmittags be­wegte sich ein großer Demonstrations­zug, in dem Schilder mit Inschriften und rote Fahnen getragen wurden, durch die Stadt nach den Stadtsälen, wo eine große Versammlung stattfand. Der angekündigte Hauptredner, Oberbürgermeister Scheidemann, war nicht erschienen, statt dessen sprach Vor­wärtsredakteur Kuttner aus Berlin. Bei der Aussprache kam es zu großem Lärm, als ein ©egenreöner, anscheinend ein Student, von Scheidemann mit der verdorrten Hand sprach. Der Mann konnte nicht weiter reden. Später schlossen sich noch allerhand Unterhaltungen, Theater, Spiele usw. an. Die Studenten- und Bürger­schaft hielt sich fm allgemeinen von den Ver­anstaltungen fern.

Aus dem Reiche.

Die Vergnügungssteuern.

Berlin, 16. Juli. Der R e i ch s r a t hat in einer seiner letzten Sitzungen auf Grund der Paragraphen 12 und 13 des Reichssteuer­gesetzes allgemeine Vorschriften über die Vernügungssteuer erlassen, die heute im Reichsgesetzblatt veröffentlicht werden. Sie sind als eine Rahmenverordnung ge­dacht. Soweit die Gemeinden nicht mit Ge­nehmigung der Landesregierungen besondere Verordnungen über die Besteuerung von Ver­gnügungen erlassen, gilt in allen Gemeinden Die von dem Reichsrat festgesetzte Steuerord­nung. Die Steuerordnung zählt die einzelnen steuerpflichtigen Vergnügungen auf, so Tanz­belustigungen, alle Arten von Volksbelusti­gungen, Kabarette, Zirkus- und Variet6vor- ftellungen, sportliche Veranstaltungen, Kino- Vorführungen, Theatervorstellungen, Kon­zerte, Rezitationen usw. Steuerfrei sind beleh­rende und wohltätige Veranstaltungen unter bestimmten Voraussetzungen. Die Steuer wird in Form einer Karten st euer erhoben, so­fern Eintrittskarten ausgegeben werden, an­dererseits in der Form der P a u s ch ft e u e r. Die Kartensteuer berechnet sich nach den Prei­sen. Sie beträgt bei einem Preis bis zu 3 Mk. 10 v. H., bis zu 5 Mk. 15 v. H., bis zu 10 Mk. 20 v. über 10 Mk. 25 v. H. Die Pausch- fteuer wird entweder nach der Roheinnahme oder nach verschiedenen anderen Merkmalen erhoben. Werden keine Eintrittskarten aus- gegeben, so kann die Steuerstelle die Steuer mit 15 v. H. der gesamten Roheinnahme fest- setzen. Abgesehen von einigen Sonderfällen bestimmt sich diePauschsteuer in derRegel nach der Gröhe des benutzten Raumes und stuft sich hierbei nach der Art der Vorführung ab. Mit Genehmigung der Landesregierungen können die Gemeinden besondere Steuerordnungen erlassen, wobei sie von der Steuerordnung des Reichsrates in einigen Punkten abweichen dürfen. Vor allem können die Steuersätze erhöht werden. Die neuen Bestimmungen treten zwei Monate nach ihrer Veröffentlichung, also am 15. Septem­ber d. 3-, in Kraft.

Berlin. 17. Juli. (WTB.) Mittags halb 12 ilf)r empfing der Minister des Aeuhern Dr. Rosen Bertreter der amerikanischen Zen­tralhandelskammer, die auf einer Stu­dienreise durch verschiedene europäische Länder Ge­griffen sind und seit einigen Tagen in Berlin wei­len, um Fühlung mit den deutschen wirtschaftlichen und amtlichen Kreisen zu nehmen. An dem Emp­fang, zu dem auch die Damen der amerikanischen Gäste erschienen waren, nahmen u. a. teil der Reichskanzler, Reichsjustizminister Dr. Schiffer, Wiederaufbauminister Dr. R a t h e n a u sowie die Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 18. Juli 1921.

Unsere Sport-Umschau

soll eine von vielen Seiten gewünschte Um­gestaltung erfahren und künftig zweimal in der Woche, nämlich Dienstags und Freitag-, mit je vier Druckseiten herausgegeben werden. Die Dienstagausgabe bringt wie bisher die Berichte und Ergebnisse der Sportveranstal­tungen sowie Geschaftsanzeigen. Die Freitag- ausgabe wird und darin liegt eine zweck­entsprechende Verbesserung eine Vorschau und Ankündigung aller bevorstehenden Der- aastaltuagen enthalten. Damit soll es jedem Sportliebhaber ermöglicht werden, sich recht­zeitig auf sein Sovntagsunternehmen einzu- stellen. Diese wirkungsvolle Umgruppierung deS Stoffes tritt von morgen ab in Kraft.

Der Brotpreis ab 16. August.

In einer Reihe von Morgenzeitungen der reichshauptstädtischen Prelle vom Donnerstag be­finden sich Artikel über die Neuregelung der Brotversvrgung ab 16. August über markenfreies Brot. Wie das WTB. aus dem Reichsernährungsministerium erfährt, enthalten die Artikel neben richtigen Angaben wesentliche Irrtümer. Es ist jutreffenb, daß ab 16. August neben rationiertem, auf Brotmarken abgegebenem Brot auch marken freies Brot von der Be­völkerung bezogen werden kann. Es ist weiter zutreffend, "Safe das rationierte Brot eine Preis­erhöhung erfahren wird, weil das Reich bei

Ieiner finanziellen Notlage nicht weiter in der Lage ist. die bisher zur Nidrighaltung der Brot- Preise verwandten Reichsmittel in gleicher Höhe zur Verfügung zu stellen. Die t^höhung des Brotpreises für Kartenbrot wird etwa 4 0 Prozent des derzeitigen Preises betragen, daS bedeutet einen Verkaufspreis für 1900 Gramm Brot etwa 7 Mark. Die Schätzungen über den künftigen Preis des aus freiem Mehl hergestell­ten markenfreien BrvteS entbehren jeder sicheren Grundlage. Es ist aber kein Anlay zu der Annahme, daß dieses Brot 12 oder gar 14 Mart kosten wird. Selbst wenn eS aus Aus- landsmehl hergestellt wurde, konnte es bei dem heutigen Weltmarktpreise für Getreide und" dem derzeitigen Valutastand der Mart'für einen ge­ringeren Preis als 12 Mart abgegeben werden. Die Kosten für freies Inlandsgetreide, woraus erstlinig derartiges markenfreies Brot hergestellt wird, werden voraussichtlich noch niedriger, als für Auslandsgetreide fein. Es darf schon mit Rücksicht auf die ab 16. August einsetzende freie Konkurrenz erwartet werden daß der Preis für markenfreies Brot nicht ungebührlich gesteigert werden wird. 3m übrigen ist von der Reichs- getreidestelle nicht beabsichtigt, Preise für freies Mebi ober daraus erbackenes Brot festzustellen. Es würde ihr hierfür auch die gesetzliche Zustän­digkeit fehlen.

Wettervoraussage

für Dienstag.

Vorw'egenb wolkig, warm, ®etotttPTrpqpn, Wmde auS südlichen Richtungen. In der Um­gebung von Gießen fielen gestern keine nennens­werten Regenmengen, dagegen brachten im Vo- gelsbevg örtliche Gewitter stellenweise ganz erheb­liche Niederschläge. Die Höchsttemperatur in Gießen war gestern 30 Grad E. im Schatten: die drückende Hitze wurde aber nicht durch die hohe Temperatur, sondern durch den hohen Grad der Luftfeuchtigkeit bewirkt.

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** Amtliche Personalnachrichten. Der zum Peruanischen Konsul in Frankfurt a. M. erkannte Rudolf Rixrath. dem namens des Reichs das Exequator erteilt worden ist, und zu dessen Amtsbereich das Land Hessen gehört, wurde zur Ausübung konsularischer Verrichtungen im Volksstaat Hessen zugelassen. Am 10. Juli 1921 wurde der Forstmeister Heinrich K e u d e l zu Lauterbach vom 1. Oktober 1921 ab zum Forst­meister der Oberförsterei Alsfeld ernannt. Uebertragen wurde am 11. Juli dem Lehrer Kurt Hahn zu Dillingen, zur Zeit in ältphe, die Lehrerstelle an der Volksschule zu Bleidenrod, Kreis Alsfeld. Die Anstellung des Schulamts­anwärters Ernst Simon aus Wahlen auf der Schulstelle zu Bleidenrod ist zurückgenommen wor­den

* E i n Schwindler entlarvt Gestern nachmittag langte auf dem hiesigen Bahnhof in einem Abteil 2 Klasse eines Personenzuges von Kassel her ein Mann an, der sich als schteerver- wundster Flieger bezeichnete und angeblich von Borkum aus nach Stuttgart fuhr. Der Aermste lag auf einer Tragbahre im Abteil, ließ sich aber von hilfsbereiten Dahnbeamten in den Warte­saal 2. Klasse tragen, da ihm seine Kriegsver­letzungen Beschwerden machten und er die Er­neuerung seines Kopfverbandes wünschte. Ein Mitglied der Freiwilligen SaNitätskolonne war bald zur Stelle, schöpfte aber Verdacht, da der Flieger den untersten Dell seines Verbandes nicht lösen lassen wollte. Die Feststellung ergab, daß es sich um eine sonderbare Art von blindem Passagier handelte, der die angeblich verlorene Fahrkarte durch einen einfachen Zettel:Schwer­kriegsbeschädigter" ersetzte und gleichzeitig auf die Wohltätigkeit der Mitreisenden spekulierte. Bei der häufigen Erneuerung der obersten Ver- bandschichten sammelte er eifrig Almofen. Der Schwindler, dessen Beinverletzung ebenfalls borge» täuscht war, wurde in Polizeigewahrsam ge­nommen.

** Verein für das Deutschtum im Auslande. Arn Freitag trat der Verein seit langer Zeit erstmalig wieder an die Öffentlich­keit, um für sich und seine Ziele zu werben. Der Jahreszeit entsprechend war die Wahl auf die Veranstaltung zjnes Sommerfestes gefallen, das denn auch glänzend verlief. Eine ganze Reihe von Buden, mit Plumen und Lampions hübsch ausgeschmückt. luden zum Kaufe von Kuchen, Zi­garren und Zigaretten, Likör, Blumen, Postkarten ein, die von Gönnern des Vereins in liebens­würdigster Weise gestiftet worden waren. Auch das Programm überraschte durch seine außer­ordentliche Vielseitigkeit. Den Rahmen bildete eine Vorstandssitzung, von der auS die einzelnen Darbietungen ausgingen. In einer kleinen An­sprache wies Professor G m e l i n eingangs auf die Arbeit des Vereins hin unter besonderer Be­tonung ihrer Wichtigkeit gerade in der heutigen Zeit, wo das Deutschtum allenthalben der Will­kür fremder Völker auSgeliefert ist. Die verlorenen Gebiete mußten von uns stets als Edelsteine be­trachtet werden, die aus der Krone ausgebrochen wären, in die sie aber wieder ein gefugt werden mußten. Frau Mendelssohn-Bartboldy mahnte mit dem Gutberletschen GedichtGin Volt, ein Vaterland" zur Einigkeit. Frau Dr. Blank erntete mit ihren schönen Gesangseinlagen den verdienten Beifall, ebenso Pianist Hahn, der außer einigen Einzelstucken die Begleitung freundlichst übernommen hatte. Für den hei­teren Teil hatten die Herren Professor G m e l i n und Privatdozent Dr. Erhard durch Vorträge in alemannischer, österreichischer und bayerischer Mundart bestens gesorgt. Eine hübsche Ueberraschung brachte ein von acht Damen einer hiesigen Iugendgruppe ausgeführter Reigen, wie auch ein von Frl. Maurer und Herrn K o h l - Hase vorgeführter Dauemtanz. Der von ihnen zum Vortrag gebrachte 3. Streich von Max und Moritz ertoccfte große Heiterkeit. Nicht uner­wähnt bleiben Mandolinenvereinigung und Streichquartett des Wartburgvereins, die ver­schiedene Musikstücke sehr hübsch zu Gehör brach­ten. Nachdem noch Oberregierungsrat Wei­cker in mannhaften Worten der Oberschlesier gedacht batte, wurde folgende Entschließung ein­stimmig angenommen:Die heute auf Tertors Terrasse verfammelten Gießener u. Gießenerinnen erheben flammenden Protest gegen die in Ober­schlesien vertragswidrig geduldeten Vergewalti­gungen und fordern, bah ganz Oberschlesien, durch oeutfdben Fleiß zur Blute gebracht, entsprechend dem Ergebnis der Abstimmung deutsch bleibt." Mit bem Absingen des Nationalliedes erreichte der offizielle Teil des esteS sein Ende. Sin Tänz­chen hielt die zahlreich erfchienene Jugend noch mehrere Stunden zusammen. Der Verein hat, nicht ohne (bic Mitwirkung der vielen genannten und

ungenannten Heller, einen großen Erfolg auch ie finanzieller Hinsicht zu verbuchen: unsere Gießens^ Mitbürger aber haben erneut bewiesen, bah auf sie in Zeiten der Not des deutschen VolkStumS zu rechnen ist.

** Waldbühne. Die.WohltätigkeitSvor- ficli ungen her Waldbühnc haben mir ber Schluß - aufsührung am 13. d M. vorläufig ihr Ende erreicht, denn mit dieser Vorstellung haben Heb die jugendlichen Darsteller, die sich mit so viel Hingabe und Eifer dem Werke der Menschenliebe getoibmct hatten, vom Publikum verabschiedet. Aus äußerlichen Gründen mußte non dc holung des ebenfalls beifällig aufgenommenen MärchenspielsIlse" Abstand genommen werden und cs konnten nurDer Kesselflicker" undDas Marienkind" zur nochmaligen Aufführung kom­men. In einer Pause trug eine lleple Sängerin ein allerliebstes Kinderlieb vor. Die'Aufführung der beiden genannten Stücke war so abgerundet und mustergültig, daß man vielfach vergaß, daß die Darsteller Dilettanten, ja Kinder waren, und die atemlose Stille, die während des Spieles herrschte, lotete der rauschende Beifall am Schlufle zeugten davon, welch tiefen Eindruck die Vor- sühr-una mit ihren reizenden Vübnenbildern auf die Zuschauer gemacht hatte. Der Verfafter und Spielleiter desMaricnkindeS", Lehrer Heinrich Frank, muhte wiederholtem Hervorrufe Folge leisten Die Zuhörerschaft bestand diesmal zum weitaus gröhten Teil auS geladenen Gästen, nur eine beschränkte Anzahl von Karten war für den Vorverkauf freigegeben Die Märchenauffuß- rungen bedeuten für die Waldbühne ein Ereig­nis Hat sich doch der Leiter Der Waldbühm Professor Vcrnbeck getreu feinem in der An spräche dargelegten WahlipruchFür das Voll und durch das Volk" aus Schülerinnen und Schü­lern der höheren Schulen (Höhere Mäbchcnschul« und Gymnasium) und der Volksschulen (Stad« Mädchenschule) gewissermaßen eineEinheit? bühne" geschaffen, die sich auch in Zukunft ge­gebenenfalls sicher gern wieder in den Dienst der Menschenliebe, desWahren, Schönen, Guten" stellen wird. Am Samstagnachmittag versammel­ten sich die Mitwirkenden noch einmal im blumen­geschmückten Saale des Hotels Schwab (Felsen- keller) bei Kakao und Kaffee mit Kuchen, wozu sie durch dankbare Gönner und Kinderfreunbe eingeladen worden waren. Dabei widmete Bei­geordneter Dr. Frey im Namen des Oberhessischen Ausschusses für Kinderhilfe herzliche, warm emp­fundene Worte des Dankes allen denen, die sich um das Zustandekommen und die Durchführung der Veranstaltungen verdient gemacht haben, ganz besonders auch den jugendlichen Darstellern

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Handelskammer Ausstellung Der Friedensver­trag von Versailles. Postkeller, S1/* Uhr Mitgliederversammlung der Deutschnatronolen DolApartei. Kaufmännisches Vereinsyans, 81/? .^lhr Hauptverfammlung des Tierfchutzver- eins. Lichtspielhaus: Das Geheimnis der Mu­mie. Lichtspiele: Lepain, der König der Gent- lemeneinbrecher.

Aus dem Stadttheaterbureau. Nochmals sei bringend auf das morgige Gastspiel Toni Impekovens in seinem SchwankDie drei Zwillinge" hinge­wiesen. der im Kurtheater zu Dad-Nauheim eine dort nie gehörte scha lende Heiterkeit auslöste. Die Bad-NauheimcrZeitung" schreibt: . . Was sich dort entwickelt, muh man gesehen haben, um es begreifen zu können. Man krümmt sich vor Lachen, schüttelt sich vor Vergnügen, mochte über den Blödsinn gerne aus der Haut fahren, aber man kann nicht, denn die Berfasser find reizende Kerle, denen man nicht böse fein kann.

Kreis Büdingen.

Der Förstermord in WeningS.

Wenings, 18. Juli. Auf die Ergrei­fung des Wilderers, der den 73jährigen För­ster Maul mit Schrot erschossen hat, hat das Ministerium eine Belohnung von 10 000 Mk. ausgesetzt.

Kreis Lauterbach.

Heidelbeerernte in Oberhesfen.

O Schlitz, 15. Juli. Die Heidelbeerernte in den großen Waldgebieten zwischen Alsfeld. Schlitz, ämterbach und Fulda ift seit 14 Tagen im Gange, hat jetzt aber ihren Höhepunkt schon überschrstten. War die Ernte 1919 eine Rekord­ernte. so gab es 1920 und 1921 nur Mittelernten. Die Wälder waren bisher von Deerensuchern. denen das schöne Wetter sehr zustatten tarn, stark belebt, besonders die großen Wälder des Schlitzerlandes, und da vor allem wieder der Ouecker Wald. Bon weither sind die Liebhaber der Blaubeere gekommen. Auch Händler, die sich mit den Preisen gegenseitig überboten, waren in den Hauptheidelbeerorten stationiert und ver­sandten die aufgetauften Beeren in großen Men­gen. Der Preis bewegte sich hier zwischen 2Mk. und 2,50 Mk. das Pfund. Aermere Familien, die mit Kind und Kegel von den frühesten Mor­genstunden in der Heidelbeerernte beschäftigt waren, konnten fich ein schönes Sümmchen Geld verdienen.

Hessen-Nassau.

Der Fraakftrrler Arbritsmarkt.

mc. F r a n k f u r t a. M. 17. Juli. Der Ar- beitSmarkt hat sich im Monat Juni ausiallender- toeil'e gebessert, ein Zeichen, daß Handel und Verkehr sich wieder mehr zu regen beginnen. Das städtische Arbeitsamt wurde von insgesamt 11 220 Perlonen, darunter 7373 Männern und 3847 Frauen in Anspruch genommen. 7598 offene Stel­len, davon 4012 für Männer und 2136 für Frauen, standen zur Verfügung. An ErwerbSlosenunter- stützung wurden 818 300 Mk. bezahlt gegen 878 655 Mat?'im Mai. Besonders groß ist die Arbeits- loftgriit noch im graphischen Gewerbe, bei den Schreinern und Den ungelernten Arbeitern. Ge­sucht werden hochqualifizierte Metallarbeiter und erstllassige Dureaukräfte.

Eine Schlvefelquelle im Main.

mc. Frankfurt a. M.. 17. Juli. Bei Den Brückenbauarbetten ist man im Main auf eine stark schwefelhaltigewarrneQuelle ge­stoßen. die nun gefaßt und in die Höhe geleitet werden soll. Ueber das Ausmaß der zutage tre­tenden Wassermengen ist noch nichts näheres festzustellen, da da- Wasser sich sofort mit dem Main vermengt, so daß eine absolut zuverlässige Schätzung unmöglich ist. Vor zwei Jahren hat man schon an einer anderen Stelle des Fluß- bettes eine Quelle entdeckt deren Ertrag aber ! sehr gering ist Geologen haben übrigens schon vor langen Jahren die Vermutung ausgesprochen daß da- Flußbctl. des Mains wanne Queller enthalte. Denn schon bic Existenz des Grind brunnen- deute darauf hin.