Ausgabe 
17.8.1921
 
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4hr nritsutedrn. bah ich mich freuen würbe, von !Ihnen $u erfahren, dah sie die in der Entscheidung Der alliierten Mächte ausgezeichneten Bedingungen amtimmt qci 'Brian b

Der italienische Ministerpräsident Über die Pariser Verhandlungen.

Rom, 16. Aug. (6tefant) Rach Rückkehr von Äßarti lud der Ministerpräsident Bonomi die i<Bertretei der Presse zu einer Besprechung ein, *um sie Über die Pariser Beratungen zu unter­richten. Der Minister des Aeußern della Toretta und bei Minister der Finanzen Saleri sowie der iSchahrmnister de Rova waren ebenfalls anwesend. Bvnvmi erklärte, die italienische Delegation habe in Paris gefunden, Last die oberschlesische Frage ziemlich verwickelt gewesen sei. XSie habe sich immer bemüht, die Reibungen zu .mildern. Eine Zusprechung des gesamten Ober» Schlesiens an einen einzigen Staat sei einstimmig -abgelehnt worden. Da aber keine Einigung hin» lichtlich der Zuteilung der Gebiete und namentlich Des Industriedreiecks möglich gewesen sei, so habe StaHen vorgeschlagen, den Bölker- b u n d s r o t um ein endgültiges Urteil zu er­suchen. So sei die Gefahr des Bruches vermieden worden. Italien habe für den Frieden gewirkt, um die Allianz unversehrt zu erhalten. Die ober- schlesische Frage sei an den Böllerbundsrat ver­wiesen worden, der seine Meinung dem Obersten Lat mitteilen werde. Dieser werde sie sich zu eigen machen. Bonomi hob hervor, daß die Alliierten die auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Initiative Italiens gewürdigt hätten. Della To­retta fügte hinzu, daß die Entscheidung sich mit Dem Friedensvertrag von Bersailles in Einllang "befindend, dah es sich um einen tatsächlichen Schiedsspruch handele und dah beide Par­tei«!, Deutschland und Polen, angehört werden könnten.

Saleri machte Mitteilungen über die Be­schlüsse in der Reparationssrage. Zwar sei den Berechtigten Wünschen Italiens nicht völlig Rech­nung getragen worden, die Lage Italiens habe 'sich indessen doch verbessert. Die Konferenz der Finanzminister sollte als Konferenz bevollmäch­tigter Minister gelten. Bei der Unterzeichnung des Schluhprotokollos hätten jedoch alle Minister ihre (Unterschrift ohne Vorbehalte gegeben, mit Aus­nahme des Vertreters Frankreichs, der erklärte, er könne nur mit der vorbehaltlichen Billigung seiner Regierung die Unterschrift geben. Wie Do- rnomi und Saleri betonten, bedeutet diel er Vor­behalt keine Aufhebung der getroffenen Verein- -barungen, er erkläre sich vielmehr dadurch, dah Die öffentliche Meinung in Frankreich durch die Ergebnisse der Konferenz anscheinend wenig be­friedigt sei. Bonomi und Saleri drückten öic Hoff- nung aus, dah die Frage in freundschafllicher »Weise erledigt werden würde. De Rova teilte ibezüglich der von Deutschland an Italien zu lei» sstenden Zahlungen in natura mit, Italien wünsche solche Waren und Erzeugnisse, durch die dem ita­lienischen eine Konkurrenz nicht erwachsen könne. ®r stellte mit Bedauern fest, dah von italienischer privater Seite versucht werde, auch solchen Ar- itileln Eingang nach Italien zu verschaffen, die der Heimischen Erzeugung Konkurrenz bereiten.

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r Eine bedeutsame Feststellung des Temps".

P a r i s, 16. Aug. (WTB.) DerTemps" teilt heute in einem Leitartikel mit, dah bas Gerücht umgelaufen sei, die französische Re­gierung habe sich verpflichtet, eine vom B ö l - llerbundSrat mit einfacher Mehr­heit formulierte Meinungsäußerung anzu- pehmen. DerTemps" erklärt dazu, dah das französische Ministerium deS Aeuhern diese iRachricht nicht bestätige und dah man sie Mr fatsch hatten müsse.

Ein Grenzgefecht in Oberschlesien.

Rosenberg, 17. Aug. (WTB.) In der Rächt zum Montag kam es bei den Dörfern G t e n a l i tz und K l o st e r w i tz an der Grenze zu einem Gefechte mit regulären pol­nischen Truppen, denen es gelang, durch eine umfassende Bewegung die Dörfer mit Ge­lwehr- und Maschinengewehrfeuer zu nehmen. Rasch herbeigeeilten deutschen Kräften gelang es nach heftigen Kämpfen, wobei auch Hand­granaten verwendet wurden, die Polen "überdieGrenzezutreiben. Die Polen hatten 24 Tote und eine Anzahl Verwundete.

B e u t h e n, 17. Aug. (WTD.) Aufgrund verschiedener Vorfälle waren Anzeichen dafür vorhanden, dah ein örtliches LoS- Fchlagenpolnischerehemaliger In­surgenten für die Rächt zum Mittwoch stattfinden sollte. Die Engländer trafen <auS diesem Grunde besondere Vorkehrungen.

In den Mittagsstunden besetzten sie die Austen» bezirke der Stadt, um Angriffe von polnischer Seite sofort zunichte zu machen.

Ausrufung einer serbisch-ungarischen Republik Baranya.

Budapest, 17. August. (WTB. > Unga­risches Korrespondenzbureau. In Fünfkir - ch e n fand am Sonntag eine Volksversamm­lung statt, an der nur 2000 Personen teilnah­men. Am Schlüsse der mißlungenen Kundge­bung wurde die RepublikDaranya auS- aerufen und ein Exekutivkomitee gewählt. Der Regierungskommissar nimmt den gefahren Be­schlüssen gegenüber eine entschiedene Haltung ein. Die Bürgerschaft von Fünfkirchen hat ohne Unterschied der Rationalität der En­tentekommission die Bitte unterbreitet, das Ersuchen der Kommunisten, eine Räumung nicht zu gestatten, nicht nur nicht zu erfüllen, sondern zu ermöglichen, dah die Räumung möglichst bald durchgeführt werde.

Berlin, 16. Aug. (Wolff.) DieVossische Zeitung" bringt mehrere Meldungen aus Fünf» k i r ch e n. denen zufolge m der von den Süd» s l a w e n zu gunften Angarns zu räumenden Zone eine Revolte gegen Ungarn ausgebrochen ist. In Fünfkirchen soll nach einer Meldung in Gegenwart von 30 000 Menschen die serbisch- ungarische Republik von Baranya pro­klamiert worden sein. Die Republik wünsche das Protektorat der Kleinen Entente. Die Prokla­mation der Republik sei der Ententemission in Belgrad mitgeteilt worden. Es sei beabsichtigt, dem Einzug ungarischer Truppen bewaffneten Wi­derstand entgegenzusehen. Die Räumung des Ge­bietes durch die südslawischen Truppen verzögere sich und südslawische Freiwillige kämen der neuen Republik zu Hilfe.

König Peter f.

Belgrad, 16. Aug. (WTB.) König ist heute nachmittag 51/» Mr gestorben.

Peter L, der älteste Sohn Alexanders, wurde am 29. Juni 1844 a. St. in Belgrad geboren. Rach der Vertreibung seiner Fa- mllie aus Serbien folgte er seinen Eltern zu­nächst nach Oesterreich und erhielt später seine Erziehung in Paris. Danach trat er in die Offiziersschule in St. Ehr ein. Bei Ausbruch des bosnischen Aufstandes warb er ein eigenes Freikorps an, mit dem er im Jahre 1876 an der kroatischen Grenze im Rordwesten Bos­niens kämpfte. Am 6. März 1889 dankte Kö­nig Milan zugunsten seines unmündigen Soh­nes Alexander ab, der sich am 13. April 1893 im Alter von 16 Jahren durch einen Staats­streich für großjährig erklärte. Am 11. Juni 1903 wurden er und seine Gattin im Belgra­der Schloß von Offizieren seines Heeres er­mordet. Am nächsten Morgen riefen die Ver­schwörer Prinz Peter zum König aus und am 15. Iunii beschloß die Rationalversammlung einstimmig, dem Verbannten die Krone anzu­bieten. Der Erwählte nahm an und betrat schon am 24. Juni serbischen Boden. Die aus­wärtige Politik des Landes gestaltete sich im Anfänge seiner Regierung unter dem Schatten des Königsmordes wenig erfreulich. Die im Oktober 1908 durch Oesterreich-Angarn aus- gesprt cheq; Mupatton von Bosnien und der Herzegowina erregte in Serbien eine so große Erbitterung, daß der König und sein Mini­sterium gewillt schienen, der Kriegsstimmung des Volkes nachzugeben. Rußlands Vorstel­lungen gelang es im März 1909, diese Gefahr zu beseittgen.

Im März 1910 stattete König Peter einen offiziellen Besuch in Petersburg ab. Im April des folgenden Jahres war eine Zusammen­kunft mit Kaiser Franz Joseph geplant, aber da sich hiergegen eine lebhafte Agitation be­merkbar machte, sagte König Peter schließlich wegenHeiserkeit" ab. Im September 1911 weilte er wiederum jn Petersburg. In den folgenden Monaten erfolgten die (auf serbischer Seite von dem Ministerpräsidenten Pasitsche geführten Verhandlungen, die den Abschluß des Ballanbundes herbeiführten. In den bei­den Dalkankriegen überließ der König seinen Generalen die Leitung des Heeres.

Bei Ausbruch des Weltkrieges führte be­reits Kronprinz Alexander für den hinfällig Gewordenen die Geschäfte, aber im Herbst 1915 riß es ihn doch in die Strudel des Rück­zugs hinein. Vor hartem Schicksal zeigte der einundsiebzigjährige Greis viel natürliche Würde.

Aus dem Reiche.

Die Polizeistunde.

Berlin, 16. August. (Wolff.) Die Bun- desratsverordnung über die Ersparnisse von Brennstoffen und Beleuchtungsmitteln, wo­durch die ^Polizeistunde im Reiche auf spätestens einhalbzwölf festgesetzt wurde, wurde durch KabinettSbeschluh a u f g e h o - b e n. Die Polizeistunde wird grundsätzlich auf 12 Ahr festgesetzt, jedoch sollen einzelne Aus­nahmen gestattet sein. Ueber die Art und den Umfang dieser Ausnahmen schweben noch Verhandlungen mit den Ländern.

Der Streik in Breme«.

Bremerhaven, 16. August. (Wolff.) Die Staatsarbeiter beim hiesigen Ha­fenbauamt haben sich mit den Bremer Kolle­gen solidarisch erklärt und sauf einstimmigen Beschluß die Arbeit niedergelegt.

Aus Hessen.

Der Fall Falkenstein.

Die Darmstädter Zeitung bringt zum Fall des eand. izned. Falkenstein, der seinerzeit in der Presse ausgiebig behandelt wurde, nach­stehende Rotiz:

Bekanntlich hatte der Senat der Universität Gießen seinerzeit den cand. meb. Falken stein wegen Mißhandlung eines anderen Studenten von der Universität relegiert. Der Relegierte be­schwerte sich hierüber beim Landesamt für das Bildungswesen, ba£ letzt die Strafe der dauern­den Ausschließung in eine fvlche auf die Dauer von vier Semestern umgewandelt hat. In der Begründung heißt es, daß das Vorgehen des Studenten von solcher Rohheit gewesen lei, dah eine empfindliche Strafe am Platze war. Er habe die Grenzen berechtigter Abwehr der antt- semttischen Provokationen, die gegen ihn gerichtet waren, überschritten. Auf der anderen Seite er­klärt das Ministerium, daß es in der Weigerung der gegnerischen Studenten, in ein und demselben Lokal mit F. und feinen Tischgenosscn sich auf­zuhalten, eine bewußte und grobe Verletzung des alademischen Friedens erblicken müsse.Leute, die von einem solchen Verhalten nicht abgehen können, verwirken damit den Anspruch auf Zulassung an der Universität."

Das Landesamt ist als vorgesetzte Be­hörde berechtigt, Beschlüsse des Senates ab­zuändern. Wie wir erfahren, konnte jedoch der engere Senat der Universitätsferien wegen zu der Umwandlung der Strafe durch das Landesbildungsamt noch keine Stellung neh­men.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 17. Aug. 1921.

Zur Regimentsfeier der 116 er in (Kietzen.

Am nächsten Sonntag findet im Sinne einer kameradschaftlichen Zusammenkunft in Gießen eine RegimentSfeier der 116er statt. Am selben Tage ist in Butzbach eine großeGedachtnisfeier für die Toten des ehemaligen I.-R. 168 geplant. Diese Feiern werden aus dem berechtigten Wunsche heraus ver­anstaltet, die Toten des Regimentes zu ehren, die Kameradschaft zwischen alten Kriegs- und Regi­mentskameraden aufrecht zu erhalten und ge­meinsame Erinnerungen auszutauschen. Um so er­staunlicher ist eS, wenn diese Feiern, wie unS durch Zuschriften mitgeteilt wird, in einem Rund­schreiben des FabrikarbeiterverbandeS Deutsch­lands, Zentralstelle Gießen,an sämtliche Be­triebsräte und Betriebsobleute, sowie HilsSkassie- rer und Vertrauensleute der Zahlstelle", sowie in einem Anschlag am Eingang der Arbeiterbube bes GütecbahnhofS neben der Stube des Betriebs­rats als Orgesch -Paraden angefcinbel wer­den. Gleichzeitig wird in diesen Manifesten jeder Teilnehmer der Regimentsfeiern alSGegner der Arbeiterschaft", als ..Feind seiner Klassengenos- sen" gebrandmarkt. Dir schlicht-kameradschaftliche Erinnerungsfeier eines Regimentes zu parteipoli­tischer Verhetzung auszuschlachten, erscheint in keiner Weise berechtigt und zeugt von wenig Ehrfurcht vor gefallenen Kameraden, und den Gefühlen der Hinterbliebenen. Wenn die Feiern nicht eine kameradschaftliche Zusammenkunft ohne Rücksicht auf die parteipolitische Zugehörigkeit des Einzelnen bilden sollten, so wären die per­sönlichen Einladungen der Festleitung nicht ebenso an sozialistische Wgeordnete ergangen, wie an frühere Offiziere deS Regiments. Wir sind über­zeugt, daß durch engherzige Verhetzungen kein ehemaliger 116er ober 168er sich cllchalten lassen wird, an der Feier seines Regiments teilzunehmen.

Von der Festleitung des ersten 116er-TageS werden wir um Aufnahme nachstehender Zeilen gebeten.

Die Rothersteins.

Roman von Erich E b e n st e i n. Copyright 1919 by ©reiner & Comp., Berlin W 30. 30. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Seine Gedanken wurden indes bald abge- lentt durch eine Frauengestalt, die vor ihm den- Ieiben Richtweg durch die Felder ging und in der er Do erkannte.

Sie hatte ein paar Bauernlliider um sich, mit denen sie lebhaft plauderte, und einen großen Strauß Feldblumen im Arm. Als Rüdiger si? einholte, verstummte sie sofort, und 'ihr Gesicht­chen nahm wieder den scheu beklommenen Ausdruck an, den es in seiner Gegenwart stets bekam. Der Zufall war ihm ganz erwünscht. Er beschloß, nun endlich seinen Vorsatz auszuführen und über ihre Zukunft mit ihr zusprechen.

Mit ein paar Worten schickte er die Bauern- ünbei fort. Dann wandte er sich an Do

»Verzeihe, daß ich deine Unterhaltung mit den Rangen so rücksichtslos störte." sagte er lächelnd,aber die Gelegenheit, endlich einmal mit dir allein zu sprechen, ist so günstig, daß ich sie nicht vorübergehen lassen möchte. Du erlaubst Doch, daß ich dich begleite?"

Gewiß natürlich", stammelte Do ver­wirrt, und ärgerte sich grenzenlos über ihr dummes Herz, das plötzlich so wild zu schlagen begann, Daß es ihr fast den Atem benahm.

□Barum fürchte ich mich denn nur so un­vernünftig vor ihm?" dachte sie.Er Hal mir Doch nichts getan, und Hertha meint ja auch, es würde nicht so schllmm werden . .

15. Kapitel.

.Du bist mir wohl schon recht böse," begann Rüdiger das Gespräch,daß ich auf deine einstige Ditte, dich nach Monrepos zurückkehren zu lassen, seuher nie zurückkam. Aber siehst du, es ist dies eben eine recht schwierige Sache. Allein kannst du dort in deinem Alter doch wirklich nicht leben . .

Ich will es auch nicht mehr, warf Do leise ein.

Ah du hast dich also doch in Grafenegg eingelebt? Trotzdem ich dich nicht mehr nach Fürstenhaus ließ?"

nIa."

Run, das freut mich. Richt nur deinet­wegen. sondern auch für Papa, der sich ja sehr an dich gewöhnt zu haben scheint. Was nun den Verkauf von WoNrepos anbetrifft"

Du willst es wirklich verkaufen?" unterbrach sie ihn erschrocken, und ein heißer, weher Strahl traf ibn aus den blauen Augen, so daß er gan- verwirrt innehielt.

Hängst du denn wirklich gar so sehr daran?'' fragte er nach einer Pause.Es soll doch ein schrecklich verwahrlostes alles Gerümpel sein und dort leben willst du ja nun selbst nicht mehr."

Richt jetzt wenigstens nicht, so lange man mich hier brauchen kann; aber daS wird nicht immer fein."

Sie schwieg einen Augenblick und starrte be­klommen zu Boden. Rein. eS würde nicht immer fein. Wenn er Magelone heiratete, dann würde diese die Herrin im Hause und würde zum Rechten sehen auch bei dem alten Herrn, dem sie zum zweiten Male Tochter wurde. Und dannnein,

dann bliebe ich nicht, nicht um die Welt l" dachte Do leidenschaftlich, ohne sich darüber klar zu sein, warum.

Es ist doch meine Heimat Die einzige, dte ich habe," rief sie endlich hilflos.Rimm fie mir doch nicht, Rüdiger."

Ihm ward wunderlich zumute bei diesem Appell, der wie ein Schmerzensschrei klang. Es war doch gar nicht leicht, mit diesem sellsaw leidenschaftlichen jungen Geschöpf so ruhig sach­lich zu reden, wie er vorgehabt. Und doch mußte eS geschehen. Alles, wa« er über Monrepos er­fahren hatte, drängte ja förmlich dazu, dieses Be­sitztum, dessen Instandsetzung Tausende gekostet hätte, möglichst bald los zu werden.

Freilich fo arm. wie man bisher geglaubt hatte, konnte Do wohl nicht sein. Es mußte doch das Erbteil ihrer Mutter oder wenigstens die Ansprüche darauf emittieren. Dies muhte bei dem notorischen Reichtum der Trolls immerhin cip ansehnliches Kapital repräsentieren.

Dottor Schilling hatte ihn bei feiner letzten Anwesenheit in Wien daraus aufmerksam gemacht. Selbstverständlich würde er als Dorotheas Vor­mund die Sache nun endlich klar stellen Aber es wäre natürlich ein Ünsinn, von diesem Kcipitcp etwas für bai verwahrloste Monrepos zu opfern.

Schweigend schritt er neben Do her, bis sie den Grasenegger Park erreicht hatten. Dort for­derte er sie auf, neben ihm auf einer Bant Platz zu nehmen.

Dir wollen die Sache einmal ganz ruhig vom praktischen Standpunkt ins Auge fassen, mein Kind. Sieh, der Rachlaß deines Großvaters an Bargeld kommt nicht in Betracht Er besteht m nicht ganz zehntausend Kronen, die Doktor

Bvm ersten I16er-Tag trernten uns nur noch wenige Tage. Aus allen Tellen Ober Hessens, aus dem Kreise Marburg. Wetzlar, aus Oftenbach, Darmstadr Mainz. Frankfurt uffr haben sich mehr als 6000 FesNeilnehm^ gemeldet. .Fortgesetzt laufen noch neue Mell>ungen ein. Dazu wird eine große Anzahl nicht gemeldeter Gäste kommen, so daß man mit 7000 bis 8000 Teil­nehmern rechnet Hm den starken Verkehr bewäl­tigen zu können, hat die Bahnbehörde eine An- zahl Sonderzüge eingelegt auf den Strecken GießenFulda, GießenGelnhausen und Mar­burg-Gießen. Am Bahnhof ist im ehemaligen Fürstenzimmer eine Auskunftei eingerichtet Für Schwerkriegsbeschädigte stehen am J^hnhof Fuhr­werke bereit. Das Festprogramm fiefct vor: Sams­tagabend kameradschaftliches Zusammensein auf Oswaldsgarten, Sonntag, 9 Uhr Versammlung im Hofe der neuen Kaserne, dort Gedächt­nisfeier für die Gefallenen. 11 Uhr Konzert der Regimentskapelle 15 in der Süd-Anlage Der Festzug wird um 1,30 Uhr auf gestellt un­bewegt sich von 2 Uhr ab von der Kaiser-Allee durch die Stadt nach Oswaldsgarten. der als Fest Platz dient. Hier werden große Hallen für die Gäste errichtet. Festabzeichen können noch am Eingang zur Kaserne und Oswaldsgarten in Emp­fang genommen werden An dem 116er-Taa be­teiligen sich außer den Angehörigen deS aftiben Regiments auch sämtliche KriegSformalionen. Re­serve- und Landwehr-Regiment 116. ferner die hier ausgestellten Regimenter 222, 254. 186 und die Ersatz-Bataillone. Die Bürgerschaft von Gießen wird gewiß ihrer Ciebe und Anhänglichkeit zu ihrem alten Regiment 116 durch reichen Fahnenschmuck Ausdruck geben

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Vorwiegend heiter und trocken, warm. Südost­winde. Das über England liegende Tief zieht bt südlicher Richtung. Es ist zu erwarten dah es südlich der Alpen nach Osten weiter zieht und daher größere Regenfälle in unserem Bezirk nicht auftreten.

** Polizeibericht. In der verflosse­nen Woche gelang eS einer Schutzmannspa­trouille, zwei Personen festzunehmen, die ver­sucht hatten, den Schaukasten eines Uhr­machers in der Bahnhofstraße zu erbrechen Eine gegenüber wohnende Frau hatte ge­sehen, wie sich Diebe gegen 2 Uhr nachts an dem Kasten zu schaffen machten und so mit- gewirkt, daß man der Täter habhaft werde» konnte. Es handell sich um zwei aus Braun­schweig stammende Personen, die sich stellen­los dahier umhertrieben. Gestern wurde in der Wllhelmstraße ein vor einem Hause auf kurze Zett aufgestelltes Fahrrad, Marke Opel", mit gelben Felgen und gelben Kot- schützern entwendet. Vor Ankauf wird ge­warnt.

"DieOrtSsatzung über die Erhe- bung einer Vergnügungssteuer in der Stadt Gießen ist tm Anzeigenteil unse­res heutigen Blattes veröffentlicht.

* Z u Zvllsekretären befördert wurde» vom 1. August 1921 vom Hauptzollamt Gießen die Zollassistenten Hofmann und Deck.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus Bahnhofstraße.Eine Frau mit Vergangenheit" undOh das macht fast gar nichts". Aswrialichtspiele,Der Fluch Der Menschheit".

Landkreis Gießen.

J_ Heuchelheim, 15. Aug. Zu blu­tigen Schlägereien kam eS gestern ge- legcittlich des Kirchweihfestes zwischen Burschen von Gießen-und Kl.-Lindcn. Meller, Latten, Knüp­pel spielten dabei eine Rolle. Die jungen Leute hatten sich mit Branntwein und Bier zuerst Mut angetrunken. Sin Schwerverletzter mußte tm Auto in die Gießener Klinik gebracht werden.

- Wieseck, 16. Aug. Unser Kirchweih- gottesdienst am Sonntag nahm einen schonen Ver­lauf. Der Kinderchor, geleitet von der freiwilligen Gemeindehelferin Frau Augusta Burk aetate in zwei vierstimmigen Choren L. älhland: -Schä­fers Dvnntagslted" und Albert Knapp:Sonn­tagslied" weiter gute Fortschritte. Man erfuhr auch von den beiden ersten Spenden aus Chicaao für die neu zu beschaffende Kirchenglocke. Margarete Berg Wtw., geb. Krelling: 500 TU und Margarete Reuter Wtw.: 680 Mk.

Kreis Lauterbach.

Die Lichtversorgung deS Vogelsbergs.

T DomVogelSoerg, 16. Aug. Heberaü wird im Vogelsberg an der Einrichtung elek­trischer Beleuchtung gearbeitet, und nur wenige Gemeinden schließen sich von der Slek- ttizitatsversorgung aus. In dem Umgebung Dorr Ulrichstein, Bobenhaufen, Burggemünden. Schot-

Schilling in Wien verwaltet, und dein Rot­pfennig bleiben müssen unter allen Hmftänben. Heiratest du, so ermöglichen sie dir eine bescheidene Aussteuer, solltest du dich, den Wünschen deines Großvaters gemäß, entschließen, in ein Kloster zu tiefen, jo sollen sie dort deine Mitgift bilden . . ."

Do war zusammengezuckt und blickte berftbrt auf.

Ich will in kein Kloster tretenr sagte fie heftigAuch nicht, wenn du mich zwingen willst dazu auch nicht, wenn ich um dieser Weigerung willen MonrepoS Der fier en muß!"

Rüdiger nahm begütigend ihre Hand

Dann sollst du es auch nicht," )aate er ernst Gott verhüte, daß ich dich fe gegen deinen Willen dazu zwingen würde. Auch Monrepos sollst bn deshalb gewiß nie verlieren, daS verspreche ich dir."

Wirllich?" Dos Anllih strahlte pDhlich und war Io schön in dieser leuchtenden GlücksSligkeit. die sich darauf spiegelte, daß Rüdiger fie über- rascht anstarrte und ganz zu antworten vergaß.

Wie gut du bist! Ich danke dirl O, ich danke dir!"

ttnd ehe er zur Besinnung kam, hatte sic seine Hand in leidenschaftlicher Inbrunst an die Lippen gezogen und geküßt. Frellich nur, um fie gleich darauf, dunkelrot vor Verlegenheit, fallen zu lallen. Auch Rüdiger war dunkellvt geworden bei der Berührung dieser weichen roten Lippen, die ihn wie ein elektrischer Schlag durchzuckte.

Eine Welle blieb eS totenstill zwischen ihnen.

Dann fuhr er sich über die Stirn und zwang die verworrene -Unruhe bi sich nieder

(Fortsetzung folgt)

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