Ausgabe 
17.1.1921
 
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die ein

Der Rektor der Lanbe^universitLt. gez. Tr. von Eicken.

Warnung vor Werbern für die Fremdenlegion.

Ucber die Mittel, mit denen neuerdings

Werber für oie Fremdenlegion arbeiten, gibt . Bericht AuHünft, den wir nachstel-enb zur War-

Nelchsgründungsftiern.

RcichsgründungHfeier der Deutschen Volkspartei.

Gießen, 17. J-an. 1921.

Dre T rutsche Volksparter veranstaltete geslern abend im überfüllten Saale des Hotel Ein­dorn eine Reichsgründungsferer. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Ansprache von Professor D. Schian der, bei seinem Er­scheinen auf der Bühne mit lautem Beifall be­grüßt, in packenden Worten der Bedeutung des Tagc8 etwa in folgenden Gedanken Ausdruck ver­lieh: 50 Jahre oeutscl^es Reich, kein langes Leben für ein Reich und Volk und doch wie 'viel sbirgt es für die jetzige Generation, für unsere Fugend, cs ist außerordentlich viel, was wir mitcmander durchlebt und dur-chlitten 6 ob en. Dec Blick geht zurück zur Geburtsstunde des Reiches. Wie war die St mm-ung vor 50 Jahren, wie ist sie heute. Es war einmal ein Deutsches Reich .... Was sollen wir heute tun: wir können dre Glocken nicht frohlocken lassen. Sollen wir eine Trauerferer hal­ten ? Nein, das wollen wir nicht, wir wollen ins darauf besinnen, was unser Deutsches Reich war und was es jetzt, trotz aller Not, noch list. »Sollte die Sehnsucht, ein Volk zu sein, nur bei den anderen Völkern bestehen, nicht aber 6ei den Deut­schen? Wir schufen cm Deutsches Reich weil die heilige Sehnsucht wollte, datz. die Stam'mvsver- wandtschaft der Brüder nicht getrennt sein sollt«, es war das Gefühl des Vaterlandsbewußtseins, e i n Voll und e i n Reich mußte erstehen. Es iwar nickt leicht, diese Sehnsucht zu stillen, außerordent- liche Hindernisse stellten sich in den W.-g, Meeres­wogen und Dämme waren ju überwinden. Welch große Tat hat Bismarck hier als Waffenschmied des Deutschen Reiches vollbracht! Er hat alle Schwierigkeiten (Parteihader, Eigenbrödelei usw.) überwunden, hat die Sehnsucht zur Reichseinheit g e st ä r k t. Er hat es uns erleben lassen, daß wir c t n Vaterland haben und e i n Reich Wir haben eine Zeit schöner Erhebung, herrlichster Entwick­lung durchlebt, nicht nur für Heer und Flotte, son­dern auch für unser Wirtschaftsleben, für unsere Kunst und Wissenschaft. Nie ivar der Wohlstand des Deutschen Reiches so entwickelt, rot: in den vergangenen Jahrzehnten. Wir hätten im Kriege nicht so lange durckchalten können, wenn wir nicht den Wohlstand im Deutschen Reick« gehabt hätten. Aber auch die deutsche Kultur hat sich nach her Gründung des Reiches mächtig entwickelt. Deutsch­land hat sich wieder auf sich selbsttbesowten. Glonz war es, der sich um unseren deutschen >Nami n tzvob. Es war eine g-oße, gewalt ge und herrlich: Zeit, die 50 Jahre des Dcutsck«n Rcrch's, ausgenommen die letzten Jahre. Müssen wir nun dem Deutschen Reich die Schuld an dem Untergang unter­stellen? Ne n wir müssen «in gerechtes Urteil verlangen. Wir verdanken den Untergang letzten Endes unseren Neidern. 1

Wir ftchen letzt vor der Frage, dürfen wir den heutigen Gedenktag feiern, ohne besonders kunst, nickTt auf andere. Teutsch.'s Volk hackte dem dre Beurteilarng, die ihm setzt oft yitcfl wird, nickt verdient? Mr müssen kundtun, daß 'das Stei)erhim mit zu unserem Ruhm b>'iget'.agen bat. Tas Kvifertum war damals eine Idee der Ein­heit, ohne Kaiserkrone war damals eine Einheit unmöglich.

Unser deutsches Reich ist heute ein zuckender Körper, man hat chrn die Einheit gerommen, die freie Bewegm'gsmöglichkeit. Heer und Flotte itnö für uns vernicklet. Kommende Gene afo. e.t We ­den nicht da van glauben, daß so evrors möglich war. Man hat uns genommen, was wir braudten zum Leben, man nimmt uns das Geld, mit dem wir Lebensmittel kaufen könnten. Was ist uns noch imfer deutsches Reichs? Eine Form aut dem Papier? Erne Möglichkeit ist uns noch gc- geben, wir müssen fest zu ammenchalten. Ein Deut- sches Volk, das zusammenhält, karm niemals unter* gichen. Haltet fest am deutschen Reiche, hier afletn liegt die Möglicküeit, zu leben. Verlaßt Euch nickt auf Die sckönen Worte der Feinde, sie sind Lug und Trug, denn man will uns verderben. Hofft nicht auf die Neutralen, baut auf Deutschlands Zu- Euiift. nicht aut andere. Deutsches Volk halte dein Reich einig and fest.

Es acht z. Zt. durch weite .Kreise des Volkes eme Stimmung der Selbstvernickftung, die uns gefährlich werden tarn. Wir brauchen nicht er­regtes Rei-Micheg-sckwei, wir wißen, rote schwer wir am Boden liegen, aber wir können auch nickt eine Stimmung der Selbstvernichtung, der Selbst- zersleischnng brauchen. Wir ha.ei noch eine Möglichkeit zu leben, wenn wir Zusammenhalten, wenn wir nur em Boll sein wollen Eine Rettung, eine Möglichkeit: Emtgkeit. Gott gebe, daß Teu'sck-La ds Zukunft anders werde, daN der Wille wieder p uns lebendig wird: Deutschland muß leben unb wenn mir sterben müssen.

Xus dem hanptausschuh des Reichstags.

Berlin, 15. Jan. (Wolff.) Im H a u v t a u s s ch u ß des R e i ch s t a g e s, der heute die Beratung des Haushalts des ReichÄ- ministeriums des Innern fortsetzle, präzisierte zu der von unabhängiger Seite angeschnitte­nen Frage der O st j u d e n der Reichsminister oes Innern Koch seinen Standpunkt dahin, es läge kein Anlaß vor, irgendwelchen Aus­ländern Vorzugsrechte einzuräumen. Aus­nahmemaßnahmen zugunsten der Oftjuden ließen sich nicht aufrechterhalten, schon um deswillen nicht, weil die Auswanderung der deutschen erschreckende Formen.angenommen habe. Jeder Einwanderer von Osten bedeute im Westen einen auswandernden, gutquali-- fizierten deutschen Arbeiter. Er sei nicht in der Lage, jdie ergriffenen Maßnahmen zu ändern, die sich frei hielten von jedem Vorurteil. Auf die Anfrage von deutschnationaler Seite, was zur Erfüllung der Forderung des Reichstags, daß der Einwanderung der Ostjuden gewehrt werden müsse unddaßJnternierungs- l a g e r geschaffen werden müßten, bisher ge­schehen sei, erklärte Minister Koch, von oer Reichsregierung wewe olles getan werden, um den Willen des Reichstages, dem Einwande­rungsstrom einen starken Damm entgegenzu- setzen, gerecht zu werden.

Aus dein Reiche.

Konferenz des ReichSbundes der Kriegs­beschädigten.

B e r l i n, 15. Jan. (WTB.) Im Reichs- ragsgebäude wurde heute die Reichskon- ferenz des Reichsbundes dec Kriegs­beschädigten eröffnet. Der erste Vor­sitzende Schuemann erstattete den Geschäfts­bericht.

Lonfevenz der Eruährmigsminister.

Dresden, 15. Jan. (WTB.) Heute vor­mittag wurde hier die Konferenz der deutschen Ern ä hru n gs m i n i ster in Gegenwart von Vertretern aller Länder, dar- tzrnter des sächsischen Ministerpräsidenten Buck und des sächsischen Ministerpräsidenten Schwarz, unter dem Vorsitz des Reicksernäh- rungsministers Dr. Hermes mit einigen Be- grüßungsworten des Ministers Schwarz er­öffnet. Zu Beginn der Erörterungen ergriff Hermes das Wort und verwies darauf, daß die Festsetzung derMinde st preise für das Getreide der Ernte 1921 bald erfolgen müssest. Heber die Form der Getreidewirt­schaft schwebetn noch Erwägungen, doch be­stehe die Gewißheit, daß die öffentliche Bewirtschaftung aufrecht erhalten wer­den müsse, aber eine andere Form der Bewirtschaftung notwendig sei. Der Reichs- Minister knüpfte daran einige wichtige Aus­führungen über die Düngemittelfrage.

Kommunistische KunLgebungrn in Berlin.

Berlin, 15. Jan. (WTB.i Heute nachmittag «n»? Ufrr fand im Lustgatten eine Gedächtnis­feier der Kommunisten iür Liebknecht und Rosa Luxemburg statt, an der e:roa 8000 Personen teüuabmcn. Di- starke Agitation der radikalen Führer für völlige Arbtttsmhe in den einzelnen Betrieben hatte also gar keinen Erfolg. Unter den vcrsck.cdnen 9teb tern tat sich besonders der Eleltrizitüisarbeiter Sylt hervor, der die bestehen s Regierung auf daZ heftigste angrifs unb deren baldigen Sturz forderte. Ansch'ießeno an die Demonstrationen im Lustgatten formierten sich etwa 6000 Mann am Zeughaus zu einem Zug« und marsch orten, die Internationale singend, dre Straße Unter den Linden entlang. An der Char­lottenstraße stand eine Postenkette der Schutzpolizei. Sie wurde überrannt, doch gelang es den Be­amten. emen Teil der Ruhestörer in die Char­lotten strafe h ncr-rzudrängen: die große Menge tnarfdrierte. weiter, durchbrach die Postenkette an der Friebttchstraße und zog btt Kranzler vorbei nach dem Gebäude der russischen Botschaft, wo Hochrufe auf die Sowjetrepublik angebracht wur­den, Als die Temonsttanten auch die Sckutz- polizistcn cm der Wilfelmstvafe bei Seide g-ckrängt hatten, löste sich plötzlich ein Schuß, der am Brandenburger Tor abgefeuert zu fein schien Glttch daraus fielen noch mehrere Schüsse so daß sich der Meng« ein? Panik bemächtigte und fv in wilder Flucht anseinanderstob. Ob unb wieviel Verwnen verletzt worden sind, bedarf noch der Feststellung

Berlin, 15. Jan. (WB.) Bei hm Vorgän­gen in der St'.-? Unter ben Li'drn, de sich im Anschluß 'tm bie GebäcktniSfeier für Liebknecht imb Rosa Luxemburg abspelten, wurden nack een bisherigen Ermittelungen eine Rrau durch einen Dcnlcksckm; verletzt unb ein nriatr Mann auf dem Bürgersteig vor bem Hotel Won ebenfalls durch einen Sckuß niederacstreckt Die Narnen beider sind nicht zu ermitteln, ba ft? von ihren Angebör -gen we-ggesckafft wurden. Außerdem rour- ben durch» BernsMüsse drei junge Leute i>erletzt.

Eine große Ledensmittelschiebung ausg» deckt.

Berlin, 15. Jan. (WTB.) Das Landes­polizeiamt beim Ministerium des Innern heckte dieser Tage einen Einfuhrschwin­del ungeheuren Maßstabes auf. Die Deutsch-Amerikanerin Miß Virgina Moll erweckte bei hohen Beamten von Reichsein­fuhrbehörden den Irrtum, daß sie ameri­kanische, durch freie Liebestätigkeit gesam­melte unbeschränkte Geldmittel für die Auf­besserung bei Ernährungs Verhältnisse

nung mittcilen. Der Bericht lautet:

Seit 'kurzem geben sich di« Werber ihren Opfern gegenüber als französisch« Krimi­nalbeamte ans und verhaften die ihnen für die Legion genjn.'t erscheinenden Leute, sobald sich btt der Besichtigung der Pässe usw. irgend eine Unregelmäßigkeit ergibt, einfach von der Strafe weg. Die bedauernswetten Ovter werden auf der französischen Militärpolizei a'sdann derartig be­arbeitet und ttngeschüchett, daß sie oftmals das traurige Los in der Fremd.mlegion der ihnen vor­gemalten schweren Bestrafung vorziehen.

Wettervoraussage

für D i c n s t a g: .

Nebelig, sonst trocken und kalt, später all­mähliche Erwärmung, nach Südwesten drehende Winde.

Dem nach Osten abziehenden Hoch folgt langsam eine Depression. Bei südwestlichen Winden ist wieder mit langsamer Erwärmung und nebeligem Wetter zu rechnen.

Die Höchsttemperatur betrug gestern 0 Grad, wahrend in der Nacht das Thermo­meter auf 9 Grad unter Null sank. In Lau­terbach betrug die Höchsttemperatur 0,2 Grad unter Null, die Mindesttemperatur 10 Grad unter Null.

Veranstaltungen.

Montag: Stadttheater. 6V$ Uhr,Götz von Berlichingen" (Geschlos «ne Vorstellung) Eaiä Leib, 7*/i Uhr, Konzert und Vorstellung der Chiernseer. Lichtspielhaus, toi« gestern. Licht­spiele, Seltersweg,Kim, Kip, Kop, die Be­zwinger des Todes".

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** ® e r t fj a Nölting t. Dal Schicksal der Baltischen Provinzen kann als Beispiel dienen, daß es nicht gleichgültig ist, ob sich der Deutsche im AuSlande bewährt ober als minderwertig er­weist. Der Wunsch der Letten jetzt wi der Deutsche als geistige Führer auch an ihre Universität zu ziehen, ist eine Ehrenerklärung für jeden, der s. Z. als Pionier deutichen We ms im Osten wirkte. Zu diesen Pionieren gehörte auch eine Frau|

Aus Statt und Land.

Gießen, oen 17. Jan. 1920.

Der Rektor der LaudcSl nivcrsität für die technische Nothilfe!

Der Rektor der LanLeZuniversitat «erläßt folgerwen Ausruf:

Kommilitonen? Ter Krieg hat unserem deutschen Vaterland« unendlich: Wunden geschlagen, Teutschland ist aus feiner politischen unb wirt­schaftlichen Vormachtstellung herausgerissen, di: sich in der Welt erobert hatte: HandK und ScUff- fcchrt lahm gelegt, die Industrie ist durch Man­gel an Rohstoffen nicht in der Lage, ihre Betriebe un alten Umfange ausvecht zu erhalten: dazu last n auf uns die schweren Bedingungen feS Versailler Vertrags.

Wir wissen, wie übertrieben pttnlich bi; Entente feine Erfüllung überwacht, wi? si? nur auf den Augenblick wartet, der ihr die Möglickiknt neuer bedrückender Maßnahmen gegnt unter Vaterland bietet.

In dieser Zeit bedeutm bte von den radikalen Elementen ohne RücksickZt auf die Lebensnotweicdig- ktttcn des Volkes durchaeführt-rn Wittschastskämpse ttn Bettrreckren am deutsch.'n Va erlande.

Korn militonen! W ist P licht eines jeden deutschen <5tubentcn iyjtxf) tatkräftiges Handeln mitzuhelfen, das Unfeü abzun»end<m, brs durch di: absichtliche Stillegung lebenswichtiger Bttriebe her­vorgerufen werden soll.

Kommilitonen! Ihr kennt die Organi­sation, die es sich zur Ausgabe gemacht hat, in ben Stunden der Gefahr und tftot die AusreckK nhaltung der lebenswichtigen Betti.'be zu erm bi liefen.

Schließt Euchder Technischen Not­hilfe an!

Ergsbms Zur Annahme zu empsehlen. sobald bte Stellungmlhn'.e der ve ankwoetlichen Qegam- jationsMsla. zm seststchi, wiid'dieie mit er-iek tt> - ^che-nden TarsreLu g d:s gesamten Eachrerl.a.ts ben MitglvHern unt-.rbreit?t Tie in Seck^chner- ALssck/us, wi'ammerg.f fil<ff uen Verbärrbe eguefen oy Mitglieder, diese Stellurcgnahme der venr.it- rnörtlicfen Verbandsstellen abzuwarten unb sich durch lemetlei, von unverantwort'tcher Seite kom­menden Se«ni£ufhingen zu TeLstreck- und der­gleichen Innrerfen zu lassen. Die Vettreter der Eisenbaynervcgani a tonen müflen dte große Ster- antroortung für derartige Aklwnen ab.eh ien unü erfud^n die Mitglieder ihrer Verbände b.rngend, bte Sck-tagkraft ihrer Organisattonen nicht zu ge­fährden.

Reicher Betnall belohnte den Redner für feine packenden Ausführungen. Der Abend wurde aus­gefüllt durch gute muiiüxlifcfe Darbietungen eines Streichquartetts des Orchestervereiits, ausgeführt von ben Herren Bernhardt, Beyersdorf, Wähmm, Anker unb Hertel, sowie von Frl. Wirth, Frl. Mechow unb Herrn Tron wirkungsvoll vorgetra­genen Deklamationen

** Die vereinigten Hassia-Mt- lit ar-Vereine veranstalten am 20. Ja­nuar im Einhornsaal eine Reichsgründungs­feier, zu der alte und junge Kriegsteilnehmer und ehemalige Soldaten mit ihren Familien sich in treubewahrter Vaterlandsliebe und Kameradschaft zusammensinden werden. Landgerichtsrat Trümpert wird die Fest­ansprache über Deutschlands Einheitsbesrre- bungen halten, während Mitglieder des Stadttheatcrs durch deklamatorische und Ge- sangsvorttäge zum würdigen Verlaus der Feier beitragen werden. Näheres siehe im Anzeigenteil.

** Die Deutsche Dem okrati sch e Partei Gießen veranstaltet zur Feier der 50jahrigen Wiederkehr der Deutschen Reichs­gründung am Mittwoch, 19. Januar, abends 8'/r Uhr, im Saale des Hotel Einhorn einen Festabend. Die Festrede halt Pfarrer Prof. D. Martin Rade aus Marburg. Siehe An­zeige.

(D Bu tzb ach, 15. Jan. Da eS zu einer all­gemeinen staotish. Retchsgründungsfeter durch die ablehnende Haltung der sozielfemokratt- scken Gemtti'.deratsmt gl «der nickst gekommen ist, haben sich, mehrere Verein« zusammeng ton, um die 50jährias Erinneruugsfeior an die Gründung des Deutschen Reickres würdig zu begehen. Di« Feier fi:tbet cm 2f)., Jchnuar statt. Den Hailptinhalt btldtt die Festrede des Professors D. Schl an (Gteßen), bi« von Ehovgesängen, Musikvrtträgen, allgtrnehten Liedern und turnerischen. Aufführungen umrahmt werden wird.

Schlitz, 16. Jan. Die Retchsgrün- dungsfeier ftndet am 23. Januar statt. Pros. D. Schian aus Gießen ist als Rediter dazu ige- womten. Die bildliche Darstellung des Rütli­schwurs atls SchillersWilhelm Teil" soll bte Feier beschließen.

Deutschlands zur Verfügung habe. Für dieses I Geld sollten Lebensmittel int Auslande ge­kauft und als Liebesgaben unentgeltlich ver­teilt werden. Auf Grund der Angaben wurde ihr eine Einfuhrgenehmigung für etwa 100 Waggons Lebensmittel, Tabak usw. erteilt, deren Werte in die Millionen gehen; auch wurde ihr dafür größtenteils Zoll­freiheit gewahrt. Es handelte sich aber um eine gewöhnliche Lebensmittelschiebung.

Die Geldgeberin itxn zunächst bte Schweizer Exportfirma Wyler L>ohn in St. Gallen, deren Inhaber btt der htestgen Commerz- und Priratbank ein Konto hat. Später trat diese Bank selbst als GLldgeöerin in Erschei­nung. Ten Antaus besorgte die Kopenhagener Firma L. Htrschfeld u. Eo. in Brüssel und Antwerpen, den Vertrieb hier in Teutschtatd bnen Vertreter, der Kausntrnm Mautner aus Wi> metsdorf. Miß Moll trat mit Htrschfeld uni) Mouwec als Vertteter betWirtsckackshilfe, ante* ritaaischer Unterst.itzungSverttit, e-ift Berlin" aut. Tiefe Wittsck« t.ht.fe er i Lte 11 ter treck en Em- und Ausstihr-llcb ma Li gsbttördr mit d - rat Genehmigung sogar eine Küche für tau­send Angestellte ein und Detxr.ifaltete für diese eine Weihnachtsfeier. Beamte des Landes- polizeiamts tarnen etürlich auf die Spur der Schroinbler. Es mar gerade noch Zeit, dm Rttchs- ftskus vor schwerem Schaben zu bewahren, denn von ben Hutidett für d e Etnm.hr freigegebenen Waggons waren zunächst etwa 30 Wer dte Grenze gekommen. Bezüglich der ackeren roube dte Ein- , fuhr sofort gespertt. Die hier bereits auf Lager befindlichen Waren rou dm beschlagnahmt, ebe.ilo die Vaiilkonten der beteiligten Perionen. Dte Er- mittdungen bürftat einen großen Umfang an- nehmen. Zunächst sind Miß Nloll und Wtantner in Unterfuchuugs^ast genommen worden.

Fräulein Bettha Nölttng. bie zu Beatmt b I. hier in Giefen ihr reiches Leben beichlotz. Fräulem Nölting kam in jungen Jayrcn na ab Riga, schuf sich bort durch Unterttch.smcse einen Wirkungs­kreis unb erwarb sich durch ihre Tüchttgkttl ttn solches Stert rauen, da ßsie 1901 zur Vorsteherin bei inzwt.chm gegrintbeten deutschen Töcherschule berufen wurde. Tamil har.e Fräulein Diölting ben Mitrelpunkr gesunden, von dem aus sie am meisten mit ihren seltenen Gobm wirken tonnte. Alle An­regung, die sie auf ihren herrlichen Reisen nach Griechenlanb ujro. fand, machte sie für ihren Unterttcht nutzbar. Tas Höchste aber gab sie ihren Schülerinnen und bem ganzen Ätnie, m bem sie lebte, durch ihre ausgesprochen« Persön- lichkttt. Durch Kiub«rglauben, durch Zwttfel unb eudren hindurch hatte )te sich zu einer tte,c.i Stell- giofiiät burchgerungen. deren, Kernpunkt EhttstuS war, der G o 11 m e n s ch, in dem Göttliches und j Motschliches restlos «ins sind. Das Göttliche das di Ihm sich ohauacte, rcac das Licht, mit bem sie hineinleuchtete in bie Schätze aller Gwfen. Goethe war ihr pertraut .vie wenigen, aber nicht nur ans der deutschen, fontxm aus bet Literatur aller Völker wußte sie mit feinem Sinn alle Perlen l)ervorzuholen zu eigener Freude unb zum Rusen der ihr anverttauten Jugend. Ihr Bechältttis zur Jugend war vorbildlich. Ihr tiefes mütterliches Empftnben gab ihr das feinste Verständnis für Alt unb Jung. Die Kleinsten schon hingen an ihr mit rührenbcm Vertrauen. Ihre An harte nichts Schwächendes. Mit sicherem Takt schöpfte sie auS dem rttck)en Bom ihres Wissens das für lebe Stufe Bercchkigle. Liebe unb Vertrauen, bie inner­lich frei machen, bie wachsen lassen, zu frohem Schaffen begeifern unb das Beste herauslocüm, waren ihre Erziehungsmittel. Die Jugend dankte ihr mit Liebe, Ehrfurcht unb Berkrauen, die Er­wachsenen mit treuer Freundschaft So wurde Bertha Nölting Tausenden zum Segen, deutscher Art zu einem festen S ützpunkte. Der Zusammen­bruch tm Baltvitand zerstörte auch ehr alles: Schule, Heim und Besitz und ließ ihr nur das nackte Leben. Bei ihrer geliebten Schwester unb in dem ihr teuren Gießen fand sie eine durch trete sorgende Liebe verschönte ZuslucktSstä'te. Noch em kurzes Wirten, bann ein Schwinden der Kräfte unb endlich ein sanftes Hinüber schlummern in eine Welt, dec schon hier ihrezur Vollendung aus- gerttste Sede angehörte. Wahrlich eine große echte deutsche Frau, auf die wir stolz sein dürfen.

** Sonderausgabe von verbi Hin­ten Schuhen. Bon der ReichSschuhrerforgung Berlin sind eine beschränkte Anzahl Schuhe zu oerbTigten Preisen für bte mmbcrbemit elte unb in Schuhnot b.-sifeliche Be^ölkeruni zur Verfügung gestellt n>or?cn. Näheres über Preise und Abgabe­stellen findet sich im Anreigcmteil.

** Der stäbtische Fi/chverkauf nt ben Marttlmiben wird auf Beichiluß der Städti- schm Lebolsnritteldcputation bis auf rotttrres ein­gestellt

** Ober hessifcher Gesch t chtsveretn. Ter Besuch auch des zweiten Vortrags aus dem Gebiete der heimischen Vorgeschichte lieferte ben einbrucksvollen Beweis, daß die Erforschung der vaterländischen Prähistorie von der Teilnahme roeitercr Kreise begleitet wird. Professor Helmke verstand es, in seinen Ausführungen über die Stetigkeit vorgeschichtlicherBesiedv- lung in der nördlichen Wetterau, mit Wort unb Bild, vor allem durch Behandlung der Muschenheimer Funde, zu zeigen, daß nicht nur bie Darstellung der Ergebnisse der Bor- geschichtsfvrscbung, sondern auch schon die bloße verstandstiSvolle Betrachtung ihrer Qu e l l e n , der Denkmäler, eine reizvolle Aufgabe ist. Warmes Tank gebührt darum allen, auch den Ort8- und Staatsbehörden, die in so reichem Maße bie Aus­grabungen unterstützten. AuS militärischen und aus wirtschaftlichen Gründen nimmt cs nicht wun­der, daß die Römer die gesegneten Gefilde der Wetteraii dem Gebiete ihrer Herrschaft einverleibt haben. Es ist merkwürdig, zu beobachten, wie durch geeignete Ansroahl der Führer, die zum Teil den .Kreisen der Eingeborenen entstammten, sowie durch Verteilung der Beteranensiedelunaen tm Lano« und infolge der Heiraten von Soldaten mit ein­heimischen Frauen ein durchaus friedliches Ver­hältnis zwischen Besatzung unb Bevölkerung sich entwickelte. Auch durch den Alemannensturm des dritten nachchristlichen Jahrhunderts wurden die Wetterauer Bauern nur vorübergehend aus ihrer Rübe aufgeschreckt. Svater brachte die Gründung merowinaticher Herrensitze, brachten die Ritter unb bie geistlichen Stifter manchen Zuzug von außen, aber ber Kern ber Bevölkerung blieb berselbe bis auf bie Bauern unserer Tage. Tie vorchttst- lichen Verhältnisse sinb schwieriger zu überschauen: geschichtlick)« Ucberlieferung fehlt, unb wir sind einzig burauf angewiesen, die stummen Tenkmäler aus ben «Sichtungen, vor allem aber aus den Gräbern in geduldiger Forschung zum Reden zu bringen. Sie erzählen, daß feit ben ältesten Zeiten ein Teil ber Bevölkerung stetig als Bauern anfäffig ist, baß aber im Lauf ber Jahrtausende auch stetiger Zuzug neue Kraft brachte: je nach der Kulturhöhe übten bann Einheimische und Neuankömmlinge dauernde Einflüsse bis zur völligen Verschmelzung aui einander aus. Das große Gräberfeld im Bor derwald von Müschen heim, gelegen an einem Zweige der uralten Dcinstrahe, hat etwa vom fünfzehnten biS ins erste vorchristliche Jahrhundett Tote zur letzten Ruhe anfaenommen. Tie Funde auS ihm erzählen demgemäß von der Kultur der Bronzezttt, dann besonders anschaulich von ben vier Stufen der Hallstattzeit, zuletzt noch von einer Schar Germanen, Wandalm, die um 50 v Ehr. Geb. unsere Heimat durchzogen. In eingehender Welse machte der Redner bekannt mit ber Grabanlage unb den oft gewaltigen Hügelaufbauten: er führte die reiche Keramik vor, die in fast allen vv» geschichtlichen Perioden von ben Wetterauem ge­pflegt wurde, und er schilderte die Abwandlungen her Formen im Laufe der Zeiten. Auch der reiche Brvrizeschmuck kam nicht zu tun, der besonders bie Jagerfrauen der letzten Hallstattzeit schmückte. Eine alte Volkssag«, die sich an ben Borderwald knüpft, lebte wieher auf angesichts be« prachtvollen Bronze- schwerteS ber mittleren Hallstattzeit. Tie beioeu vorgeschichtlichen Bortrage bieseS Winters mögen vielen Hörern erst recht zum Bewußtsein gebracht haben, welchen Schatz getobt Gießen in der vor­geschichtlichen Abteilung seines oberhessischen Mu-> seums besitzt, bie in der Wissenschaft seit zwtt Jahr­zehnten schon eine hochgeachtete Stellung einnimmt. Ter Beifall, der bem Redner des gestrigen Abends dankte, läßt hoffen, daß die heimische VorgeschichtS- forschung nicht fürchten muß, der Rot der Zttt »u unterliegen.

LrriS Büdingen.

Sin unaufgeklärter Morv.

Büdingen, 15. Dan. Die bisherigen Ermittelungen über bu? Person des am 12. November 1920 in bet Gemarkung Dr-