Einzelbild herunterladen

Die Nothersteins.

Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner L Eonrp.» Berlin W 30. 8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

»Entschuldige die Gültigkeit steht außer sedem Zweifel. In dem ursprünglichen Lehens- Vertrag heißt eS ausdrücklich: »Für ewige Zeiten." Auherdem heißt eS wörtlich: »Der Lehensherr" es handelt sich um Leopold I.verpflichtet sich, die LehenSträger" das sind wir. die Nother­steinsauf ewige Zeiten im Genuß dieser Rechte zu erhalten, ihnen gegen jede Verletzung der LehenSrcchte Hilfe zu leisten und den Lehens­besitz ohne vorherige Vergütung nicht -,u ent­ziehen." Das Lehensrecht, das unser Ahnherr Übrigens für 10 640 Dukaten und 20 Groschen erwarb, bestand in einem teilweisen Rutzeigentum aller Güter der damaligen Vucterau, also der heutigen Buchau. Zeder Besitzer hat ein Achtel seines Einkommens an die Rothersteins auf Grafenegg abzuführen in Geld oder Natu­ralien."

Wer dann kann der Vertrag nicht mehr zu recht bestehen! Mit der Aufhebung der Feudal­herrschaft mutzte er erlöschen!"

Keineswegs. Gs handelt sich ja habet gar nicht um ein altes Feudalrecht, sondern um einen mit dem ReichSoberhaupt persönlich abgeschlosse­nen, ausdrücklich für ewig gültigen Lehensvertrag. der noch dazu eine für Vie damalige Zeit be­deutende Summe Miete. Eine Art Kauf also. Uebrigens wurde im Jahre 1891, nachdem die Buchauer Grundbesitzer auf Grund der neuen

fd. Frankfurt a. M, 15. Juli. Der Nachtschnellzug FranffurtStuttgart stieh bei Mühlacker auf einen Güterzug. wobei dieser schwer beschädigt wurde. Personen kamen nicht zu Schaden. Der Schnellzug konnte nach Inständigem Aufenthalte seine Fahrt fortfetzen.

5G60 Morgen Wald und Kulturen wurden bet Krausenbach i.Sp. am Mittwoch durch einen Brand zerstört. Ein gewaltiger Brand richtete in den Erbacher Waldungen einen noch ni^t zu übersehenden Schaden an. Den Flammen f.elen mehr als 230 Morgen zum Opfer. En Mann, durch dessen Fahrlässigkeit vermutlich der Brand entstand, kam in den Flammen um. Man sand bei den Aufräumungsarbeiten später die verkohlte Leiche. Durch Funkenauswurf entstand zwischen den Vororten Ginnheim und Bockenheim ein Bö­schungsbrand, der in wenigen Augenblicken auf eine benachbarte Wiese Übergriff und hier etwa 10 000 Quadratmeter Grummeternte zerstörte. Durch Grobfeuer wurde am Donnerstag nachmit­tag in Frankfurt die städtische Schweine­haltung am Gutleuthof zerstört. Die in den Sia'- hingen vorhandenen Schweine, mehr als 200. tonn­ten rechtzeitig gerettet werden. Die am rechten Rheinufer gelegene große Holzschneiderei von Adam Hofmann in Mainz-Kastel ist in der vergangenen Nacht ein Raub der Flammen ge­worden. Nur die Verwaltungsgebäude tonnten vor der Einäscherung behütet werden. Die Feuerwehr hatte mit der Bekämpfung des umfangreichen Brandherdes bis in die Mittagsstunden zu tun - Sn den Waldungen -wischen Lall. Gemünd und Voissel in der Ei e' brennt es seit Donners' tag abend an fünf Stellen. Das Feuer dehnt sich bei dem gänzlichen Wassermangel immer weiter aus. Die Feuerwehren sind machtlos. Der Wei­tersburger Wald beiVallendara. Rh. wurde von einem Brande heimgesucht, der riesigen Scha­den anri^tete. Das Feuer ist zur Zeit noch nicht erloschen. 3n Rehbach bei Kreuznach wurde ein grohes Dauerngehöft durch eine Feuersbrunst zerstört, wobei auch das Vieh umkam. Bei einem Grohfeuer in der Holzschneiderei von Mosel u. Lo. in Bonn, wurden Holzvorräte und Maschinen im Werte von nahezu einer Million Mark ver­nichtet.

** Die Orts- und die Zugend - gruppe brr Deutschen Dolküpartri hielten am Donnerstag einen F amilie nabend aus der Liebigshöhe ab. Ein ernster Teil, der musikalische, gesangliche und rezitatorisch» Dar­bietungen und eine kurze Ansprache umfaßte, lei­tete den Wend ein. Gin ernst-humoristisches Ge­dicht: VerhaltungSmatzregeln für Michel, und ein lustiges, von Mitgliedern der Zugendgruppe sehr flott gespieltes Theaterstück, führten zum Tanz» über, der jung und alt bis weit nach Mitternacht gemütlich beisammen hielt.

* Anläßlich des Turnfestes in Londorf am Sonntag den 17. Juli werden fol­gende Sonderzüge gefahren: Gießen ab 10,30 vorm., Rodberg 10.34, Badenburg 10,38, Lollar an 10,43, Lollar ab 10,45, Daubringen an 10,50, Daubringen ab 1051, Mainzlar an 10,54, Mainz­lar ab 10,55, Treis a. d. Lda. an 11,02, Treis a. d. Lda. ab 11,03, Allenöorf a. d. Lda. an 11,08, Allendorf a. d. Lda. ab 11,09, Londorf an 11,16. Nach Gießen zurück: Londorf ab 8,45, Allendorf an 8,52, Allendorf ab 8.53, Treis an 9,00, Treis ab 9,02, Mainzlar an 9,12, Mainz­lar ab 9,14, Daubringen an 9,17, Daubringen ab 9,18, Lollar an 9,25, Lollar ab 9,26, Gießen an 9,37 Ahr.

Bormotizen.

Tageskalender für Samstag: Handelskammer, Ausstellung, Der Frieöensver- trag von Versailles. Vorrennen der 19. Ruder­regatta. Turnverein 1846, 9 Uhr. Turnhalle, Dall. Licht'p'e'haus, Bahnhofstraße, Fußball- film, 5,15 und 8,15 Ahr. Lichtspiele, wie gestern.

Tageskalender für Sonntag: Handelskammer, Ausstellung, Der Friedensver­trag von Versailles. Oöerhessisches Museum und Gailsche Sammlungen: Altertumsmuseum, Volker- und Kriegsmuseum, geöffnet Sonntag 111 ^Ihr, Eintritt 1 Mark, Kinder unter 14 Galjrcn 50. Pf. Kath. Vereinshaus, 91/., Ahr, Versammlung des Deutschen Deamtenbundes. Botanisch-geologische Exkursion auf den Hangel- flem und den Lpllarer Kopf. Wmarsch vom

W o ch e n m a r k t b e r i ch t. Auf dem heu­tigen Wochenmarkt wurden gezahlt: Salat 40 bis 80 Pf., Weißkraut 150-1.80 Mk., Wirsing 1.60 tis 2.00 Mk., Oberkohlrabi 4080 Pf.. Stangen­bohnen 2.80350 Mk., Buschbohnen 5503.20 Mark, Gelbe Rüben in Bündel 0.801.00 Mk., Im Pfund 1.802.20 Mark, Blumenkohl 3.00 bis 8.00 Mk.. Erbten 1.80-2,30 Mk.. Zwiebeln 1.50 Mk.. Johannisbeeren 350- -4.50 Mk.. Heidel­beeren 3.004.00 Mk., Stachelbeeren 3 204.00 Mark, Eier, 1.60 Mk., Butter 23.0024 00 Mk Neue Kartoffeln 90100 Mk. Die Preise haben infolge der anhaltenden Trockenheit etwas angezogen, doch dürste die Steigerung nur vor­übergehend sein.

** Unfälle. Am Donnerstag geriet im Gailschen Tonwerk ein Arbeiter beim Riemen­auflegen in die Transmission und neben anderen Verletzungen wurde ihm der Brustkorb einge­drückt. Die Mitglieder der Freiwilligen Sani- die Mitglieder der Freiw. Sanitätslolonne die waren, tonnten nur den Eintritt des Todes fest­stellen. Gestern stürzte beim Aufsteigen auf sein Rad ein Mann in der Liebigskrahe und kam mit dem Fuße unter die Straßenbahn, wobei er eine erhebliche Fleischwunde davvntrug. Ein anderer Mann trat In der Neuen Däue beim Aeberschreiten eines Rinnsteines fehl und brach den.Unterschenkel. Auch in diesen Fällen leisteten die Mitglieder der freiw. Sanitätstolonne die erste Hilfe und brachten die Verunglückten zum Arzt bzw. zur Wohnung.

** Leichen fund. Gestern wurde in einem Kcrnacker in der Nähe von Heyligenstaedts Fabrik eine schon stark in Verwesung übergegangene männliche Leiche aufgefunden. Die Fest­stellungen haben ergeben, daß es sich um einen von auswärts stammenden jungen Mann handelt.

** Die Diebschronik. Am verstossenen Donnerstag wurde hier aus einem Hausflur in der Gartenstraße ein Fahrrad gestohlen. Durch die sofortige telephonische Verständigung der Po­lizeibehörden der Nachbarstädte gelang1 es nach etwa zwei Stunden den Täter mit Rad in Fried­berg feftzunehmen. Gestern entwendete ein aus Harbach stammender junger Mensch, der sich stellenlos in hiesiger Gegend umhertreibt, einem Pflegling in der Provinzial-Pflegeanstalt Gießen ein Sparkassenbuch und begab sich auf die hiesige Sparkasse um 2000 Mk. abzuheben. Die Tat wäre ibm auch gelungen, wenn nicht ein zufällig an der Kasse anwesender Mann aus seinem Heimatsdorf dis Beamten auf ihn aufmerksam ge­macht und geäußert hätte, daß das Buch gestohlen sein müsse.

"Pachtgeld. Unter den heutigen amt­lichen Bekanntmachungen der Stadt Gießen be- finbet sich auch die Anforderung der Stadtkasse zur Zahlung der Pachtgelder von den städtischen Grundstücken für das Rj. 1921 und der Beiträge zur Landwirtschaftskammer für das Rj. 1920. Die Zahlung kann noch in den nächsten acht Tagen ohne Kosten erfolgen.

"OberhesslsckerKunstoerein. Die setzige Ausstellung, in der überwiegend graphische Kunst ausgestellt ist, die aber auch Gemälde von Pellar, Toepfer und Marie Zeichner auf» toeift, erfreut sich trotz der Hitze eines regen Be­suches. Erfreulicherweise nimmt der Besuch der Ausstellung durch Schüler hiesiger und auswär­tiger Lehranstalten immer größeren Umfang an. Die Ausstellung ist täglich, mit Ausnahme ©amä» tags, von 111 Ahr geöffnet Sm übrigen ver­weisen wir auf die Besprechung der Ausstellung in der heutigen Nummer.

Waldbrände und Großfeuer.

An der Straße Burg Macken im DeHb ach- tal an der Mosel wurde ein großer Wa lo­tet l durch einen Brand, der stundenlang wütete, zerstört An der Hilfeleistuna beteiligten sich trotz wiederholter Aufforderung Der Ortsbehörde nur wenige Personen. 3m Snteressentenwald Struth bei Allendorf a. d. L. wurden durch einen Wald­brand etwa 50 Morgen Fichtenbestände vernichtet.

Dus Stadt und Land.

Gietzen, den 16. Zuli 1921.

Aufruf zur Sammlung für das Oberschlesier-Hilfswerk".

Oberschlesien brennt! Die Leiden unserer oberschlesischen Brüder sind unendlich. Man hat sie aus ihrer Heimat vertrieben, man hat sie beraubt, man hat sie mißhandelt

Deutsches Blut ist geflossen, um deutsches Recht deutsches Lebensgut zu verteidigen.

Nun kommt es darauf an, die Oberschle- fier in ihrer Not nicht zu verlassen. Es darf nick)t so sein, daß die Vertriebenen, die Be­drückten und die Verängstigten den Eindruck gewinnen, niemand in Deutschland kümmere sich um sie.

ES geht um sehr hohe und sehr ernste Dinge. Es geht um die Seele der deutschen Oberschlesier. Sie haben ihre Schuldigkeit für Deutschland getan. Treue um Treue!

Wir eröffnen hiermit eine Sammlung, um den Vertriebenen, den Mißhandelten, den Verängstigten zu helfen. Wir werden öffent­lich für die Summen quittieren und die Ge- samtspende demOberschlesier-Hilfswerk". Berlin NW. 7, Unter den Linden 78, zuführen, zu dem sich dasDeutsche Note Kreuz". die Vereinigten Verbände heimattreuer Ober» fchlesier" und derBund der deutschen Grenz- marken-Schutzverbande" -usammengeschlossen haben.

Redaktion und Verlag des Gießener Anzeigers.

Die Entwicklung der Obftpreise.

Mit Rücksicht auf die Ungunst der Witte­rung hat sich die Frühobst- und Frühgemüse­versorgung unseres Wirtschaftsgebietes äu­ßerst ungünstig gestaltet. Der größte Teil des Frühgemüses und Frühobstes muß aus weiter entlegenen, teils ausländischen Erzeu- gungsgebielen beschafft werden. Es wird des­halb leider nicht möglich sein, die Bevölkerung zu den erwünschten billigen Preisen mit Obst und Gemüse zu versorgen. Die PreiSPrüfungs- stelle Oberhessen sowie die Kreis- und städt Dreisprüfungsstellen richten aber an den Han­del das dringende Ersuchen, sich seiner Pflicht zur Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse und Obst zu erschwinglichen Preisen bewußt zu sein und sie warnen vor jeder wuche­rischen Preisüberforderung. Die ge­nannten Preisprüfungsstellen machen aus­drücklich darauf aufmerksam, daß nach Verein­barungen mit dem Handel bei jedem reellen Obst- und Gemüsegeschäft folgende Kalku­lation verlangt werden muß:

1. GestehungSpreiS,

2. Unkosten,

3. Grohhandelgewinn ----- 15 Proz. des GestehungSpreiseS.

Dom Kleinhandel kann verlangt werden: 1. GestehungSpreiS,

2. Unkosten,

3. 25 Prozent der Gestehungskosten als Verdienst.

, Jegliche andere Art der Preisberech­nung und jegliche Ueberschreitung der Ge­winnzuschläge wird als W u ch e r verfolgt und von den Gerichten streng bestraft werden.

Die Preisprüfungsstellen bitten die Be- döllerung, so bald diese glaubt daß ihr von den Händlern unbillige Preise verlangt wer­den, um Mitteilung zwecks Strafverfolgung.

Regen in Sicht.

Die Wettervoraussage

für Sonntag und Montag besagt: Zunahme der Bewölkung, Gewitterregen, warm, Süd- bis Süd-Westwind, später Westwind. Das Hoch verlagert sich langfam ostwärts. Don Westen folgt eine Depression, die allmählich Einflutz auf unsere Wetterlage bekommt Rand­wirbel begünstigen die Gewitterneigung.

Oberhesfischer Kunstverein.

Ausstellung des Verbandes der bildenden Künstler in Hessen.

Gießen, 15. Zull 1921.

Die diesmalige Ausstellung umfaßt in der Hauptsache nur graphische Arbeiten, Man möchte sagen: Gott sei Dank, denn bei der tropischen Hitze, die auch vor den Ausstellungsräumen nicht Halt macht dürste selbst der Anblick von allzu- vielenOelschinken", wie der Waler seine Od- bllder nennt von der Magengegend her ein Ge fühl des Unbehagens aufsteigen lassen.Darum feiert auch die Oelb lder schnell zuerst betrachtet 31)re Aussteller gehören dem Verbände der bildenden Künstler in Hessen nicht an H. Pellar. der bei der letzten Ausstellung gute Verkaufserfolge hatte, zeigt abermals drei Rokokobllder, von denen die6iefta in Komposition und Farbenharmonie die beiden anderen weit überragt Von E. Töp- f er erscheint einStilleren" mit Haselnuß- klüten, Primeln und Nelken am charr.ker'stifchstk>'' und wertvollsten. Seine Lahnlandschaften lassen eine persönliche Note vermissen.

Von den Mitgliedern des Verbandes ist bet klarste Dildseher Willy M u l o t-Wiesbaden. 3n Tuschezeichnung großen Formates setzt er mit wenigen, außerordentlich sicheren Pinselstrichen Landschaften hin, die voller Weite und Tiefe find. Neben ihm fei 3. Harnan n-Bensheim genannt, der die Landschaft ebenso Har stilisiert und in einigen Blättern, wie6t Leonhard am Boden­see" fast mystische Stimmungen erzielt Von star­kem Interesse sind die überzarten Federzeichnun­gen von G. Gundels in ger-Darmstadt Die im Striche sehr bewußten Kalt^adelstiche von H. Z e rn i n - Eberstadt und von Sophie G rösch- Gonzenheim, die Radierungen von Earl Geist- Wimpsen und einige Holzschnitte in llaren Fvr^ men von Theodor (Pengnagel. Tüchtige Land' schasller sind außerdem Bruno Panitz- Mainz, R. W. Balsam-Mainz, die in Gießen fefr geschätzte, aber diesmal nicht sonderlich gut ver tretene Elisabeth Bvnin - Worms, Konrad Pfau- München, und die sehr weiche Halbtöne erzielende Marie Mendelsohn - Darmstadt Ernst Eimer hat sich ein besonderes Reich im Märchen erschlossen, auf das auch diesmal einige Blätter hindeuten. Prickelnden Reiz haben die farbigen Scheren- und Linoleumschnitte von Maria Kull mann- Frankfurt, die trotz bewußter Pri­mitivität hohe Färb- und Formkultur betraten Als Gießener gehören der Vereinigung Heim Geilfuß an, der sich auf Bewegungsstudien etwas barocken Charakters allmählich festzuleaei scheint die auch tatsächlich seine größte Stärke bilden, sowie Willy Woelke mit kunstgewerb lichen Plakaten. Von nicht dem Verbände ange­gliederten Gießenern stellt H. E. Steinbach Radierungen aus, die einen ganz erheblichen Fort­schritt bedeuten, H. H e ck r o t h talentvolle, aber völlig unfertige Ateliersskizzen, Marie Felch- n e r Pastellporträts.

Für sich stehen noch zwei kraftvolle Graphi­ker, Arminius H a s e m a n n - Berlin und Ph.

- Haltepunkt Wiesecker Weg um 10 Ahr. 2i > Ahr ! nachm. Regatta. Philofophenwald, 3 ilbr' Fa- > milientag der Männer- und Frauenvereine der ' MaLthäusgemeinöe. Naturheilverein, 3 Uhr, i Familienausflug. Hotel Kobel, 31 4lhr. Haupt- . Versammlung der 163er. Stadttheater. 7 Uhr, Der Liebestrank. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße

Fuhballfilm, 6,30 und 8,30 Ahr. Lichtspiele, 1 wie gestern.

1 Aus dem Stadttheater-

Bureau. Nochmals fei auf die morgige Auf­führung des SchwankesDer Liebes­trank" hingewiesen, die in erster Besetzung sicher denselben Erfolg haben wird, wie an allen Bühnen, an denen das Werk bisher ge­geben worden ist. Zu dem Gastspiel Toni Impekoven am Dienstag in denDrei Zwillingen" werden von morgen ab die Karten auSgegebeit

Die Mitglieder der Deutsch- demokratischen Partei werden nochmals auf die Dienstag abend einberufene Versamm­lung auf derSchönen Aussicht" aufmerksam gemacht Die Wichtigkeit der Tagesordnung er­heischt unter allen Umständen die Teilnahme aller Mitglieder.

Matthäusgemeinde. Der Fami- Itcntag der Männer- und Frauenvereinigung, zu dem alle Angehörige der Matthäusgemeinde ein- gelaöen find, beginnt morgen, Sonntag nachmit­tag, um 3 Ahr im Saale des Philofophenwald.

Der Wartburg-Verein veranstal­tet morgen Sonntag, 17. d. M im Markussaal einen Familienabend mit musikalischen Darbietun­gen, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag über .Kraft und Schönheit" von Kaufmann Scholz steht Nähere- siehe Anzeige.

Landkreis Gießen.

Mainzlar, 15. Juli. Vergangenen Sonntag gab öer GesangvereinSängerrunde" Mainz dahier ein Konzert mit reichhaltigem Pro­gramm. Die Chöre (hauptsächlich rheinische Lie­der) ernteten begeisterten Beifall. Ein Komiker brachte humoristische Couplets zum Vortrag. Au­ßerdem fanden noch besonderen Anklang He Tenorfoli von Graf-Mainz und die Vrolin-Solr von Schmidt-Mainz. Schmidt ist ein Sohn des früheren, auf hiesigem Postamte beschäftigten Briefträgers Schmidt. Sämtliche Mainzer Sänger, 55 Mann, wurden von den Mitgliedern des hie­sigen Gesangvereins aufs beste bewirtet. Zum Zeichen der Dankbarkeit für die Gastfreundschaft brachten die Mainzer Sänger am Abend vor dem Hause des Herrn Bürgermeisters ein Ständchen. Montag morgen .setzte dieSängerrunde" ihre Sängerfahrt nach Marburg fort

Kreis Büdingen.

Ein Förster erschossen.

4 Wenings, 16. Juli. (Drahtn.) Gestern abend wurde der Forster Maul von hier im Walde, der in der Gemarkung Merkensritz liegt, crf chosfen aufgefunden. Die Tat scheint von Wilddieben ausgefuhrt worden zu fern. Das Nä­here muß erst die gerichtliche Untersuchung er­geben. Förster Maul war schon im Ruhestand, tat aber zur Zeit vertretungsweise Dienst. Er war in allen Kreisen der Bevölkerung sehr beliebt und geachtet.

Kreis Friedberg.

L! Friedberg. 15. Juli. 3n der gestrigen Stadtverordnetensitzung teilte der Bürgermeister mit, daß der Ertrag der städtischen Vergnügungssteuer von dem Schützenfeste unge­fähr 6000 Mk., von dem Wetterauer Rekterseste nahezu 13 000 Mk. "beträgt so daß der S adt aus diesen Veranstaltungen ein recht ansehnlicher Be­trag zu geht. Das Gesuch des 'M. (Sauf) um Herstellung einer Stützmauer an der Obermo-ier Straße wird abgelehnt, dagegen erkennt die Stadt die Verpflichtung an, die Straße in einem un­gefährlichen Zustande zu erhalten. Der Kinder­hilfstag, der unter Leitung von Frau Stadtv. Kloos und ben beiden hiesigen Säuglingsschwestern am letzten Sonntag stattgefunden bat, ergab einen Erlös von etwas über 4000 Mk.

Hessen-Nassau.

Ordnung seit 1852 die Zahlungen eingestellt hat­ten, als Schluß langwieriger Prozesse von der Regierung unsere Familie neuerdings im Sinne des alten Vertrages belehnt Diese Investitur wurde, da es derzeit nur wenige kleine (Srunö- bescher in der Buchau gab und die ganze Buchau mzwischen Wollentteter Gemeind.besitz geworden war, in dieser Weise durchgcführt, daß die Ge­meinde Wolkenriet uns dafür einen Pauschal­betrag zu leisten hatte"

-Der keinesfalls hoch gewesen sein tonn!

»Aein, er war nicht hoch. Smmerhm aber ein kleiner sicherer Zuschuß zu unseren leider nicht allzu glänzenden Einnahmen. And nun he­gen die Dinge ja anders, AlS sich die Ruhtands vor zehn Zähren in der verödeten Buchau nieder­ließen, um ihre Stahlwerke zu vergrößern, be­kamen sie das ganze Gelände um einen lächerlich geringen Pachtzins untz sicherten sich durch einen zehnjährigen Vertrag gegen Steigerung. Der alte Rußland war eben immer ein schlauer Kops, i>er gut rechnen konnte . . ."

.Nimmst du ihm das übet Papa?''

.Durchaus nicht. Zch will es jetzt nur nach­machen I Solange er Pächter war, konnte ich ja nichts tun. Nun aber ist er der Besitzer last der ganzen Buchau, und ich denke, ein Achtel besten, was er in seinen Hämmern und Drahtz'ehereien dort gewinnt mühte ein ganz nettes ©ummchcn ergeben. Aebrigens weigert er sich vorläufig, überhaupt etwas zu zahlen. Nicht einmal den kleinen Betrag, den die Gemeinde Wollenriet bisher zahlte. Schmerling, sein (Süteröircltor, ap den ich mich wandte, lieh mir sagen, die ganze Geschichte ginge sie überhaupt nichts an. Sie hät­ten die Gründe ohne irgend welche Bedingungen

mnslich erworben, damit basta. 2ch solle mich deshalb mit den Wollenrietern auseinander- fetzen."

»Das scheint mir von seinem Standpunkt aus auch richtig, Papa. Warum, wenn die Gemeinde deine Rechte bei Abschluß des Kaufvertrages ein» fach verschwieg, verklagst du nicht die Gemeinde, sondern Ruhland?"

Well ich kein Narr Bin, um die paar hun­dert Kronen zu kampsen, wo ich taufende her­ausschlagen kann!" ereiferte sich der Fürst. .Denn die Sache liegt jetzt fo: Entweder wird Ruhland verurteilt mir ein Achtel feiner Buchauer Ein­künfte zu bezahlen was ich immerhin ruhig mit zehn- bis fünfzehrttauf end'Kronen anschlagen tanm Oder die Behörde erllärt meine Anfprüche für überlebt, dann muh die Regierung mir ctber auch als Vertreterin des Staates den verlorenen Lehenssitz vergüten. Denn eS heiht ja ausdrück­lich: (Sine Entziehung kann nur stattfinden nach Dorbergegangener Vergütung. Das ist doch klar."

.Nicht fo ganz, Papa. Aber ich meine, vor­läufig kamen für uns noch ganz andere Fragen in Betracht. Hast du denn nicht fo gut wie jedermann hier gewuht, daß Ruhland die Buchau kaufen wolltet Warum erhobst du damals nicht deine Ansprüche ehe der Kaufvertrag perfekt wurde?"

,Well ich gar nicht daran dachte, mich für alle Zeiten mit dem Pettel abfinden zu lasfen, den die Wollenrieter mir bisher zahlten. 3m Zähre 1891 war die Buchau noch ein verödetes Waldtat das fast nichts eintrug. Nun ist sie durch die Gewerke zu einer Geldgrube geworden auch für unSf,

Rüdiger zerrte nervös an seinem schwarzer Schnurrbart.

,And verzeih die 'Frage, Papa findest öu eine solche Denlunasw.ise, die nur auf Er­werb bedacht ist, mühelosen Erwerb auf Kosten anderer eines Kavaliers würdig? Du hast dir doch sonst immer so viel aus deine noble Gesinnung zugute getan, und mit Recht! 3d) kenne wenige Menschen, die so vornehm dachten wie du."

Der Fürst war bläh geworden. Der eigen­sinnige harte Zug um seinen Mund dertiettc sich plötzlich.

»Zum Kuckuck mit der noblen Gesinnung, wenn einem das Wasser bis an den Hals geht! tief er heftig.

.Papa! ?

Rüdiger blickte erschrocken auf.

"Run ja bist du blind, dah du nicht siehst, wie der Hase läuft? Liegen sie mir nicht alte hier aus'der Tasche: Rainer mit seiner Fran und den drei Kindern. Anneliese, Hertha und Vlagelone? Alle soll Grafenegg ernähren und kleiden . . . und wie lleiden! Sch wollte nur, du müßtest alljährlich den Hausen Schneider- und Modistenrechnungen bezahlen. Za. ja, cs gebt eben nicht mehr mit der Vomehmdenkerei heut­zutage," murrte er,daran ist diese ganze Zeit selbst schuld, die den Leuten die Gelbsucht ins Blut gejagt hat und die maßlose (Sier nach Luxus und Genuh. Aeiidere eS, wenn du's kannst!"

(Fortsetzung folgt)