Samstag, 15. Oktober 192t
Erstes Blatt
171. Jahrgang
Nr. 2'2
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GietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
Vrvck hrö Dertog: Vrühl'sche Univ.-Vvch- und Stembr*dtrd R. Lange. Sdfriftkiiimg, Seschäftrfteüe und Druckerei: Schulftraße 7.
terland bedrückt. Qlur von
ist man endlich überrascht über eine mutende Sarftcllung des „2Hatm", daß der Genfer Schiedsspruch unter der 48 Döllerbundsstaaten gefällt Deutschland daher sich durch seine
offiziös ander erklärt, der Aegide Wurde und Auflehnung
3n mihgesttrnrnten Abendstunden Wird fetzt Wohl manchem ein Flugblatt in die Hand gedrückt, in dem aber kein Wort von der Fremdherrschaft steht, die unser Va-
gegen den Schiedsspruch gewissermaßen selbst außerhalb der Kulturgemeinfcha:t der Völker stellen werde. Demgegenüber tonne nicht genug nachdrücklich daran erinnert werden, daß dre Völker- dundsve -fammlung, die der .Watin" nur meinen kann, nicht das ge.ingftc Gntscheidungsrecht halte und daß die Einladung des Obersten "Rates nich' an die Töfe bundsperfammÄirg, sondrrn an den Völterbundsrat ergingen. Außerdem sei Herr» - zu heben, daß der Rat feine Arbeiten der Versammlung cegenüber streng geheim gehalten habe und sie absic^lich erst nach Schluß der Versammlung beendete. Der Rat setzt sich ledoch
nären Formationen, Wahl der Vorgesetzten in der Reichswehr und Schupo durch die Mannschaften, Wahl der Richter durch das arbeitende Volk!
ES ist die Zentrale der K. P. D., der kommunistischen Internationale, die d e u t s ch e Bürger so zu betören sucht. Auch der Oberflächlichste und Dümmste mutz doch fragen, ob die a u tz e n p o l i t i s ch e Bedrängnis für solche Politiker gar nicht existiert? Warum verarmt und verelendet Deutschland? Warum gilt der Dollar heute 140 Mark? Rückert sagt in seinen „Geharnischten Sonetten": „Wann lasset ihr das törichte Gelüste, ein grundlos Nichts auf eurem Sand zu bauen? Ihr bauet Hüttlein, und es sinkt mit Grauen Indes die Feste, Vaterland, ins Wüste." — Aber der Dichter sprach und spricht zu Deutschen, nicht zu Russen! Der Geist der Vernichtung geht von Frankreich aus, aber er spukt auch in den Köpfen, die in Deutschland der Führung Moskaus sich ergeben und eine Gefahr bedeuten, die wohl wieder im Anwachsen begriffen ist.
deküng der Werktätigen
nehmet und Staat, vom »Triumph der Reaktion", von dem angeblich in Görlitz geschlossenen Pakt Scheibemanns mit StinneS ist darin die Rede. Zwischendurch wird zum Schutz Sowjet-Rußlands aufqefordert. Wollten sie nicht sterben und verderben, so müßten die Arbeiter in gemeinsamem Kampf zusammenstehen gegen — alle Orgeschbanden, alle reaktionären Pläne der Slinnes-Scheide- mann. Ziel dieses inneren Krieges ist eine ganze Reihe von Lockungen: erhöhte Besteuerung aller großen Vermögen und Einkommen, r e st l o s e Weqsteuerung aller Erbschaften, sofortige Beschlagnahme der fürstlichen Vermögen, allgemeine Erhöhung der Gehäller, restlose Eaäoaffnung der reaftio-
der „AuSplün- durch Unter
ste Kundgebungen gegen Lostrennung oberschlefischer
Landesteile
sind so zahlreich geworden, dah wir nur einzelnes daraus herausgreifen können. Besonders eindrucksvoll war offenbar eine Aussprache, die in Dres- I a uflattgefunben hat:
Breslau. 14. Oft. (WTB.) Eine gewaltige Demonstration für Oberschlelien fand heute in der Iahrhunderthalle und auf dem Schlohplatz statt. Die kaufmännischen und industriellen Betriebe, die Handwerker und die kommunalen und staatlichen Betriebe hatten geschloffen, um denAngestellten die Teilnahme zu ermöglichen. Die Zahrhunderthalle wie der Schlohplatz waren von vielen tausenden dicht gefüllt, alle politischen Parteien, von der Deutschnationalen Volkspartei bis zur Unabhängigen Sozialdemokratie waren vertreten. Die Redner aller Parteien hielten Ansprachen, in denen sie gegen den Bruch des Versailler Vertrages und gegen die mit der drohenden Zerreißung Oberschlesiens ausgeübten Gewalt protestierten. Hierauf wurde folgende Ent- schliehung angenommen: Die zu Tausenden und abertausenden versammelten Männer und Frauen allSr Stände wenden sich in dieser ernsten Stunde mit Empörung dagegen, dah Oberschlesien ohne Berücksichtigung des Bollswillens und der wirtschaftlichen Erfordernisse willkürlich zerristen wird; sie verlangen, dah das von der Entente feierlich verkündete Selbstbestimmungsrecht der Volker und die wirtschaftliche Wokl^ahrt Oberschlesiens für die endgültige Entscheidung grundlegend bleibe. Eine gerechte Entscheidung über Oberschlesien ist die Voraussetzung für den Wiederaufbau Europas, zu dem in friedlicher Arbeit beizutragen. Deutschland bereits den besten Willen bewiesen hat. Das Wohl und Wehe der gesamten Devöllerung Breslaus und der ganzen Provinz Riederschlesien ist mit dem Schicksal Oberschlesiens untrennbar verbunden. Eine den verkündeten Grundsätzen nicht entsprechende' Entscheidung über Oberschlesien wäre ein Bruch des Versailler Vertrages und geeignet, in Deutschland die schwersten Erschütterungen, politischer, wirtschaftlicher und anderer Art hervor- zurufen, die natürlich auch die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen unmöglich machen würden.
Genfer Feststellungen.
Genf, 14. OtL (Wolff) In unterrichteten Kreisen zeigt man sich sehr erstaunt über die Darstellungen derPariserPresse zur oberschlesischen Frage. Dor allem erregen die Parlier Meldungen, wonach auch die Städte Tarnowiy und Lublinih an Polen gefallen fein tollen, Befremden. Allerdings könne Lublinih nach Informationen jüngsten Datums In letzter Stunde zug-wöejen worden fein. Ein polnisches Tarnowih wird dagegen als eine völlige Unmöglichkeit bezeichnet. Man glaubt, dah man mit solchen übertriebenen Meldungen, die sich nachtHr als unrichtig Herausstellen, einfach der deutschen öf'ent ichen Meinung die spätere Annahme der nur wenig bitteren Lösung erleichtern könne. Andererseits hört man wieder die Vermutung äufjern, dah das Dölterbunds- gutachten sich nicht kategorisch über die Grenzführung äußert, sondern nur in wenig'n Fällen zwei Lösungen vorsieht oder eine Rachprüfung offen läßt. Diese Version ist jedoch mit größter Vorsicht aufzunehmen.
In neutralen Völkerbundskreisen
Wochenrückblick.
Die französische Presse ergeht sich in gesalbten Lobpreisungen des Genfer Weisheits- spruches und hat für den deutschen Ha d) bar, den Fortschritt des soeben erst geschlossenen Wiesbadener Abkommens kaum noch beachtend, nur den alten bösen Blick. Aus iolchem Boden kratzt das „Kabinett der Erfüllung" niemals einen Keim des Verständnisses zutage. Die Engländer haben das sogleich her- borgt hoben: in Frankreich jubelt man, weil Deutschland einen neuen Schlag empfindet. Die Leidenschaft, der Vernichtungswahn, ist größer als der Vernunftgedanke, der die fortschreitende Verödung des Wirtschaftslebens ins Auge fassen müßte.
Wenn daS vor der Genfer Entscheidung ratlos sich aufbäumende Kabinett Wirth schnell den Entschluß zu einem zielbewuhten und präzisen Handeln gefunden hätte, stände eS jetzt nicht so erstarrt und lebenSsatt vor unS. Zwar hat der Reichskanzler erllärt, eine neue Lage sei geschaffen worden, die Vorbedingungen der bisher von ihm geführten Politik seien nicht mehr vorhanden — daS tnar die allgemein empfundene Ankündigung eines Ka- bincttswechsels. Die deutschen Botschafter in Paris und London scheinen ähnliche Allgemeinheiten vorgebracht zu haben. Zuerst wurde die Tür in der Downingstreet aufgerissen, wo der stirnrunzelnde Lord Curzon der nachgesuchten Unterredung ein schnelles, kühles Ende bereitete. Gewiß, dort, in London, sind in der letzten Zeit vereinzelte Sprossen einer neuen, besseren Erkenntnis sichtbar geworden; aber man darf sie jetzt nicht plump mit dem deutschen Spaten anfallen. Die erste Wirkung des Genfer Spruches, der ein Machwerk französischen Einflusses ist, mutz die Kündigung des Wiesbadener Wirtschaftsvertrages sein. Daß ein neuer Sturm tiefer Erbitterung durch unser deutsches Volk geht, ist durchaus gerechtfertigt und naffirlid). In den entscheidenden politischen Stellen aber mutz die küh! wägende Acberlegung schnell und sprungbereit sich geltend machen. Dafür würden die Engländer wrhl am Ehesten Verständnis haben; fester, zugreifender Wille und der entsprechende Einsatz an Tatsachen in der von Dr. Wirth an- gekündigten „neuen Lagt" imponieren ihnen mehr als Schmerzens- und DerzweiflungS- schreie. Lord George, und überhaupt alles, was in England einen polittfchen Ramen hat, wird von dem Urteil des Völkerbundes nicht erbaut sein. Die neuen Richtlinien für die deutsche Politik müssen sehr sorgfältig nach den Möglichkeiten der englischen Entwicklungen berechnet und bemessen werden. Das heißt nicht etwa tun, was Lloyd George uns rät oder vorschreibt. Der alsbaldige Rücktritt von der Wiesbadener Verabredung wäre indessen eine Willensmeinung, die in London respektiert würde. Das Weitere ergibt sich von selbst. Wir haben das Kabinett Wirth nie gelobt — wünschen ihm jedoch durchaus nicht, daß es jetzt als Strafe für seine Fehler plötzlich in die Grube fällt. ES mag zuerst etwas für die ^Wiedergutmachung" seiner Schnitzer leisten! W^r möchten Herrn Dr. Wirth jetzt sogar das Handeln aus eigener Initiative gönnen und würden ihm Anerkennung zollen, wenn er, da der Dollswille ohnehin feststeht, unter ^Verzicht auf Anregungen aus dem Reichstag heraus, selbst vor seinem Rückttitt bekundete, dah jetzt ein anderer Geist in unsere Regierung einziehen müsse. Das ist wahrlich nicht zu viel verlangt, denn selbst das „Berliner Tageblatt sprach die Meinung auS, daß es nichts anderes geben kann „als nunmehr mit allen Mitteln auf eine Revision deS Reparationsultimatums hinzuarbei- t c n , die der Verschiebung unserer wirtschaftlichen Situation nach einem teilweisen Ausscheiden Oberschlesiens auS dem deutschen ReichSverband Rechnung trägt'. Ein Regierungswechsel wird notwendig sein, aber er braucht, wie die amtliche Ankündigung mit Recht ja auch geltend gemacht hat. nicht jäh und planlos zu erfolgen. Dr. Wirth hat noch einmal Gelegenheit, dem Lande einen wirklichen Dienst zu erweisen, indem er die ausländische „Sympathie" für daS Kabinett Wirth von der Tafel der Geschichte auslöscht und bafü; die Gefühle eintauscht, die dem in Enttäuschungen hart und pessimistisch gewordenen Vertreter der Interesten seines Volles zu- kvmmen.
Wird der Reichskanzler also offenkundig sich für eine neue Politik einsetzen, von der das „Berliner Tageblatt' wünscht, daß sie „dem Auslande gegenüber mit starkem Willen und großer Tatkraft geführt' werde, also daß dafür „die parlamentarische Basis nicht breit genug sein könne"? Die „Frankfurter Zei- tung" ist von andern Gefühlen und Der- mmftgrünben beseelt als ihr Berliner Schwe-
fterherz. Sie ist für ein unverändertes Fort-1 wursteln in der bisherigen Weise und nimmt dafür auch Dr. Wirth in Anspruch, indem sie schreibt: „Wir glauben die Auffassung des Kanzlers zu kennen, dah in der Hauptsache eben nur iftejenige Politik gemacht werden kann, die bisher den Kurs der Regierung besttmmt hat'. Das Blatt spricht in biefem Sinne erneut von der „Erfüllungspolitik" des Kabinetts, die auch weiterhin dar- auf ausgehe, durch „Leistungen bis zu den äuhersten Grenzen des Könnens" eine bessere Atmosphäre zu schaffen. Eine so verbissene ErfüllungSbeflissenheit wird man im Reiche nur noch vereinzelt finden. Wollte der Reichskanzler wirklich sich innerlich noch dazu bekennen, dann freilich sollte er schweigend von seinem Posten scheiden. Unter solchen Verhältnissen toäre eS doch gut, wenn die Führer des Reichstages bald nach dem Rechten sehen würden!
Die Deutsche Volkspartei scheint, nach einer Veröffentlichung in der „Hatto- nalliberalen Korrespondenz", eine sehr entschiedene Haltung einnehmen zu wollen. In der genannten Korrespondenz heißt eS wörtlich:
„®ie Annahme des Ultimatums durch die deutsche Regierung und durch den deutschen Reichstag am 10. Mai erfolgte, wie damals und seither unzählige Male von maßgebendster Stelle erllärt worden ist, nur unter der Voraussetzung, dah Oberschlesien ganz und ungeteilt bei Deutschland verbleibe. Wenn es politisch geteilt und wirtschasllich aus dem deutschen Wirtschasts- körper herausgerissen wird, fällt jene Voraussetzung und damit jede Möglichkeit für die Erfüllung des Ultimatums in sich zusammen. Cs wird die Aufgabe der deutschen Regierung fein, aus diesem Grunde und mit dem Hinweis auf die unzweifelhafte Verletzung des Friedensvertrages von Versailles, die in Genf gefundene sogenannte Lösung als unannehmbar glatt abzulehnen und gleichzeitig zu erflären, dah von diesem Augenblick an auch das Ultimatum von London für uns feine Geltung mehr hat. Dah wir daran unübersehbare inner- und außenpolitische Folgerungen knüpfen müssen, liegt aus der Hand."
Ob die Erklärung der deutschen Regierung gerade s o formuliert werden muh, wird doch zuvor sorgsam erwogen werden müssen. Viel wird dabei, wie wir bereits sagten, von den Stimmungen und Absichten in London äbhän- gen. Vielleicht ist es zweckmähig, wenn wir schrittweise, aber mit um so festerem Willen, das Programm der Erfüllung abbauen. Es wird nicht schwer fallen, vor allem den Genfer Spruch in den Augen der Welt niedriger zu hängen. Ein Chinese, ein Brasilianer, ein Belgier und ein Spanier (Botschafter in Paris) haben den Ausschuh geblldet, der das Gutachten erstattete. Unter dem Druck der Gegensätze zwischen den Hauptmächten kam das unmögliche Kompromiß heraus, das dem Geist des Völkerbundes das schlechteste Zeugnis ausstellt, weil es mit einem ehrlichen, grundsatztreuen Streben nach Gerechtigkeit nichts gemein hat. Man wollte und suchte offenkundig den Ausgleich zwischen London und Paris — wiewohl auch dieser schwerlich gelungen fein dürfte —, und nicht den dauernden Friedenszustand zwischen Deutschland und Polen. Mit schärfsten Waffen muh unsere Regierung diese Abtrennung deutscher Städte und deutschen Landes von dem Reichsgebiete bekämpfen. Die deutsche Friedensgesellschaft schlägt in Gemeinschaft mit ähnlichen Verbänden eine neue, gemeindeweise Befragung der oberschlesischen Bevölkerung vor. ob sie zusammenbleiben, oder unter Zugrundelegung der Ergebnisse der ersten Abstimmung getrennt werden wolle. Wir halten eine solche nochmalige VvlkSent- scheidung für überflüssig. Das Ergebnis vom Mai dieses Jahres ist klar genug und eindeutig. Wir haben genug gesehen und gehört von demokratischen Kunstleistungen, in denen doch immer die Willkür als Hauptakrvbat sich vordrängt.
nicht aus 48 Staaten zulammen, fonbem nut aus 8, von denen 7 als Gegner DeullchtandS den Versailler Betrag unterzeichnet bäue.i.
Annahme der Venfer Entscheidung durch (England?
Paris, 15. Oft. sDTB.) Havasagentur meldet aus London: Man erfahre aus englischen Quellen, dah der englische Mini st e r r a t gestern nachmittag nach Anhörung Balfours die Entscheidung des V ö l» kerbundsrates hinsichtlich Ob er sch le. sienS angenommen habe.
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Kabinettssitzung.
Berlin, 14. Oft Das R e i ch S k a b i n e 11 ist heute vormittag zu einer Sitzung zusammengetreten, bie allerdings nur von sehr kurzer Dauer war, da wettere Meldungen von Bedeutung über Oberschlesien nicht vorlagen. Dem ..B. T." zufolge gewinnt man in parlamentarischen Kreisen den Eindruck, dah die Produktionskraft des Reiches durch den Genfer Vorschlag und eine entsprechende Entscheidung so stark in Mitleidenschaft gezogen wird, dah die bisher befolgten ReparationSpläne sich nicht mehr aufrecht erhalten lassen. CS würde eine weitgehende Umstellung deS deutschen Wirtschaftssystems inSbesonder-e mit Rücksicht auf die geschmälerte Kohlen- und Krastvertvrgung notwendig werden, deren Einzelheiten sich noch nicht entfernt übersehen lassen. Man ist in Parlamentskreisen der Ansicht, daß keinerlei politische Entscheidung möglich sein wird, ehe nicht völlig« Klarheit über den Umfang der von Deutschland geforderten Opfer eingetreten ist.
Keine Aufhebung der militärischen „Sanktionen". Paris, 14. Okt. (WTB.) Die „Liberty behauptet zu wissen, daß der M i n i st e r r a 1 in seiner gestrigen Sitzung die Frage der militärischen Sanktionen am Rhein erörtert habe. Der Ministerpräsident und seine Kollegen seien darüber einig gewesen, dah in keiner Weise von der Aufhebung der militärischen Sanktionen die Rede sein könne. Abgesehen davon, dah der Standpunkt der französischen Regierung in dieser Frage nach wie vor sehr klar sei, habe sich auch in Deutschland nichts ereignet, was Grund zu der Freigabe der notwendigen Garantien hätte geben können.
Ein englischer V-rfchlag znm Sturz der russischen Sowjetregierung?
London, 14. Olt (Wolff) .Daily Herald" will von gut unterrichteter Seite erfahren haben, baß Lord Curzon in den lebten Tagen ein Schreiben an Driand gerichtet habe, worin der französischen Regierung geraten wird, auf keinen Fall mit drrrussischenRäteregie- r u n g in irgendwelche Beziehungen zu treten. Curzon habe weiter erllärt, eS bestehe eine gut« Möglichkeit für einen gemeinsamen Versuch die Sowietregierung zu stürzen. .Daist Herald" bringt die Haltung CurzonS in Zusammenhang mit der kürzlich?«! Erklärung Sir Robert Hornes. wonach England gehofft habe, den Bolschewismus zu zerstören, indem es Handel mit Rußland treibe, daß aber der Handel mit Rußland jetzt wegen der Hungersnot unmöglich sei sowie wegen des Zusammenbruchs der Verhandlungen zwisch-n der russisch-asiatischen Gesellschaft und der russischen Regierung.
Lloyd Gcorge und bie Washingtoner Konferenz.
London, 14. OIL (Wolfs ) .Daily Chro- nicle" meldet, es könne jetzt endgültig erklärt werden, daß Lloyd George an der Eröffnungssitzung der Washingtoner Konferenz am 11. Rovember teilnehmen to-rbe. wenn kein unvorhergesehener Fall im Z"ftmme^yang mi(~5r- land oder die Lage im Inland ihn daran verhindere.
Ei« Abkommen über die Benutzung des Danziger Hafens.
Danzig, 14. Oft. (WTB.) Da die Fragt eines Anlegehafens für die polnischen Kriegs- schiffe während der jetzigen Tagung des Döl- kerbundsrates nicht mehr zur endgültigen Erledigung gekommen ist, veranlaßte der Oberkommissar die Danziger und polnischen Regie- rungSvertteter, sich für eine vorläufige Regelung der Frage über folgende Punkte zu einigen:
1. Polen darf den Hafen von Danzig mit seinen Schiffen wie bisher benutzen, bis die Frage des Anlegehafens durch ^den Döl- kerbundSrat entschieden worden ist,
2. Polen hat die Danziger Regierung über die Zahl der Schiffe, die Den Danziger Hafen benutzen werden, zu benachrichtigen, die Danziger Regierung erhebt gegen den Aufenthalt der Schiffe tm Hafen keine Einwendungen,
3. der Hafenausschuß weist den Schiffer die notwendigen Liegeplätze zu,
4. die getroffenen Abmachungen sollen in keiner Weise einem späteren Hebereinlommen der beiden Staaten oder den späteren Entscheidungen des Döllerbundsrates vorgreifen


