fb. Eschhofen, 14. Sept. Während deS schweren Sturmes, der am Montag tobte, fuhr der Landwirt Diefenbach in dem Augenblick Mietet der Dorflinde vorüber, als der Sturm einen großen Äst herunterrih, der den Warm traf und ihn auf der Stelle tötete.
• Eine neue Verlobung des Königs von Siam. Zweifellos ist der König von Siam derjenige Monarch, der mit feinen Der- lobungs- und HÄratsgeschichten gegenwärtig am meisten von sich reden macht. Vor einem halben Jahre erregte er dadurch großes Aufsehen über die Grenzen seines Reiches hinaus, daß er in einer feierlichen Staatsprvklamation seine Verlobung für aufgehoben erklärte. Seine Braut war eine Cousine Prinzessin Vallatha, die Tochter des Prinzen Raraohip. Die Schuld an der Aufhebung der Verlobung schob das offizielle Dokument den schlechten Rerven der Prinzessin zu, die, wie es hieß, „Seiner Majestät in bezug auf die königliche Hochzeit die Annahme nahe- gelegt haben, daß für die Thronfolge unerwünschte Folgen daraus entstehen können". Runmehr hat sich der König, wie aus Bangkok offiziell berichtet wird, wiederum verlobt, und zwar ist es die Halbschwester seiner vorigen Verlobten. Der Herrscher scheint also in der Erkürung seiner Zukünftigen keine grobe Auswahl zu haben.
* E i n amerikanischer „Sklavenmark t“. Em merkwürdiges Schauspiel entfaltete sich dieser Tage auf einem der großen Plätze in Boston, wo die Erwerbslosen einen „Sklaven- martr abhielten, um auf diese Weise die Aufmerksamkeit des Publikums auf ihr trauriges Schicksal zu lenken. Bevor der „Sllavenmarkt" eröffnet wurde, erklärte der Leiter der Veranstaltung, daß eine Anzahl kräftiger Männer im besten Alter sich für eine Woche oder länger an jedem Beliebigen verkaufen wollten, wenn sie für ihre Arbeit Hnterfunft und Rahrung erhielten. Dann traten nacheinander einzelne stattliche Männer auf ein Podium und wurden nun zum „Verkauf" angebt)ten, wie in den Tagen vor dem Bürgerkrieg, da die Sklavenmärkte etwas alltägliches waren. Der Ausbieter beschrieb ihre verschiedenen Eigenschaften, pries ihre Körperstärke an und zeigte auf ihre Muskeln. Da bei dem ersten „Markt" nur zwei von 40 Männern auf diese Weise Beschäftigung erhielten, so wurde die Veranstaltung in den folgenden Tagen fortgesetzt und erregte großes Aufsehen.
• Kinderlvgik. Die kleine Elli soll ihrer Großmutter zum Geburtstag ein Gedicht aufsagen, in dem Gott gebeten wird, sie recht alt werden zu lasten. „Rein, daS sage ich auf keinen Fall", erklärt sie. „Ha warum denn nicht?" ..Aber sie mühte sich ja schämen, noch immer älter zu werden! Ich will lieber Gott bitten, sie recht jung werden zu lassen, denn alt ist sie schon genug.
fianbeL
Dom Mehamt te Frankfurt a. M. toirb uns geschrieben: Die Regierung des Freistaates Hessen hat von Anfang an den Frankfurter Internationalen Mesten lebhaftestes Interesse entgegengebracht. Auch für die Frankfurter Herbstmeste vom 25. September biS 1. Oktober hat der hessische Staatspräsident III- rich einen Besuch in Aussicht gestellt. Die Vertreter der bundcsst «etlichen Regierungen und der Reichsregierung sind mit den Vertretern der Pveste für Sonntag 25. September zur Besichtigung der Meste und zur Eröffnung des „Hauses Werkbund" eingeladen.
Frankfurt a. M.. 14. Sept. Um die durch die Schließung der Berliner Börse am Mittwoch, 14., und Freitag, 16. September zu erwartende Ueberflutung der Frankfurter Börse mit
-wettere» Aufträgen zu verhindern, bleibt auch die Frankfurter Wertpapierbörse entgegen de» früher gefaßten Deschlüsten an diesen betben Tagen geschlossen. Dur Devisen und Roten werden um 12 Uhr notiert. Jeder weitere Handel in den Dörsenräumen ist untersagt. Dagegen findet in Llebereinstimmung mit Berlin am Donnerstag, 15. September, Börsenverkehr statt.
Kopenhagen, 14. Sept. (Wolff.) Der „Derlingske Tidende" wird aus Helsingfvrs telegraphiert: Die Direktion der Helsingfvrser Diskvntvbank beschloh, die Zahlungen ein- zustellen. Man rechnet damit, daß die Bank einen Verlust von 15—20 Millionen Mark hat. Die Dank ist vor drei Jahren mit einem Aktienkapital von nur 5 Millionen Mark gegründet worden, das später verdoppelt wurde. Der Zweck der Bank sollte sein, ^lnternehmungen in Rußland zu finanzieren. Die Steigerung der Frankenvalutakurse ist die Hauptursache der jetzigen Krise.
Frankfurt a. M., 15. September.
Berliner Devisenmarkt.
Geld Brief Geld Dries
Datum: 13. Sept. 14. Sept
Amsterdam« Kotiert). 3326,95 3333,35 3439,05 3445,95 Lrüssel-Anttoerpen . 764,20 765,80 766,70 768,30 Lhristiania...... 1368,601371,40 1408,55 1411,45
Kopenhagen 1880,60 1894,40 1933,05 1936,95 Stockholm . . . . ' .2292,702297,30 2367,60 2372,40 fielfmgfors...... 129,60 129,90 128,85 129,15
Italien........ 457,- 458,- 469,50 470,50
London 402,05 402,95 408,05 408,95
Neuyork 108,89 169,11 109,64 109,86
«Paris......... 776.70 778,30 779,20 780,80
Schweiz 1858.101861,90 1893,101896,90 Spanien 1398,601401,40 1418,551421,45 Wien (alter). . • • .
Deutsch-Oesterr. . . . 10,08 10,12 10,18 10,22
Prag......... 124,35 121,65 132,85 133,15
Budapest 22,37 22,43 21,97 22,03
Bulgarien
Konstantinopel. ...
Marknotierungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1.7.14. 13.9. 14.9.
Zürich Fr. 125,43 5,35 5,25
Amsterdam Fl. 59,23 2,92
Kopenhagen nr. 88,83 5,55 5,15
Prag Kr. 117,83 76,-
Stockholm Kr 88,83 4,60 4,30
Wien Är. 117,88 -,-1477,-
London Sh. 97,83 4,83
Paris .... Fr 125,4-3 13,50 12,75
Neuyork $ 23,80 0,94 0,91
Züricher Devisenmarkt. 14.9. 15.9.
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 Fl. =» 182.50 182.25
Deutschland ..... 100 Mk. = 5.25 5.30
Wien.........100 Kr. = 0.55 0.475
100 Kr. = 7.- 6.95
100 Fr. » 41.50 40.10
1 £ = 21.59 21.50
100 L. - 24.70 24.30
100 Fr. - 40.80 40.50
100 Kr. - 1.20 1.15
100 $ = 579 - 530--
100 Kr. » 2.50 2.40
100 L. ■= 4.40 4.70
Märkte.
l. Gedern, 14. Sept. Der gestrige Schweinemarkt war verhältnismäßig gut befahren. Die Kauflust blieb jedoch weit hinter dem Angebot zurück, so daß viele Tiere von ihren Besitzern wieder mit nach Hause genommen werden mutzten. 5—6 Wochen alle Ferkel stellten sich im Preise auf 75—90 Mark, 8—9 Wochen alle auf 115—130 Mark. Läufer aus 180—300 Mark pro Stück, Einleger auf 600—1000 Mart pro Stück.
Vari..........
London Italien ....... Brüssel Budapest Neuyork ....... Agram..... • . .
bta. Groß-Gera*. 18. Sep4 Der gestrige Ferkelmarkt war ent 806 Stück aut befahren. Für Ferkel wurden erzielt 40—100 Mk. pro Stück, für Springer 120—130 Mk. pro Stück. Einleger waren nicht vorhanden. Der Geschäftsgang war diesmal etwas ruhiger, auch verblieb ein kleiner lleberftaud.
U Marburg, 13. Sept. Auf dem heutigen Herbfi-Pferdemarkt, der äußerst zahlreichen Besuch aufwies, standen etwa 270 Pferde und Fohlen zum Verkauf. Bezahlt wurden für abgezähnte Pferde 4000—7000 Mk., für bessere Pferde 15 000 bis 22 000 Mk. und für Fohlen 5000 bis 8000 Mk. Der HandÄ ging statt. Mit dem Markt war eine Prämiierung verbanden.
Die Entwicklung der Welttormage von 1914—1921.
Rach Lloyd's Schiffahrtsregister (Register of Shipping) für 1921/22 umfaßt die gegenwärtige Welttvnnage 33 206 Schiffe mit 61 974 653 TonS: davon sind S773 Segelschiffe mit 3 128 328 TvnS und 28 433 Dampfer mit 58 846 325 Tons. Die Tonnage der seegehenden Stahl- und Gisendampfer betrug 54 217 000 Tons (gegen 42 514 000 Tons im Ium 1914), von der 19 288 000 auf Großbritannien und 12 314 000 Tons auf die Vereinigten Staaten entfallen. Obgleich erstereS noch über die größte Gesamttonnage gebietet, ist diese doch nur um 411 000 Tons, die der Vereinigten Staaten dagegen um 10 477 000 TonS oder 570 Proz. gestiegen.
Die englischen Dominions verzeichnen eine Zunahme von 543 000 Tons und kommen damit auf eine Gesamttonnage von 1 950 000 Tons gegen 1 407 000 Tons im Jahre 1914. Erhebliche Zunahmen wiesen ferner auf Japan (1421 000 Tons), Frankreich (1 128 000 Tons), Italien (950 000 Tons) und die Riederlcrnde (736 000 Tons).
In den Zahlen für Großbritannien, Frankreich und Italien figuriert als ein erheblicher Teil die Tonnage, die den genannten Staaten aus den ehemals feindlichen Staaten übergeben werden muhte. Infolgedessen verfügt Deutschland, daS 1914 mit 5 000 000 Tons hinter Großbritannien rangierte, über nur mehr 654 000 Tons. 1914 waren 44,5 Proz. der seegehenden Dampfschiststonnage in englischem Besitz, der jetzige Anteil ist 35,5 Prozent. Rorwegen, das damals an dritter Stelle stand, steht jetzt an sechster und hat den Platz mit Japan gewechselt.
Griechenland ist neben Deutschland und Oesterreich das einzige Land, das einen Rückgang seiner Tonnage zu verzeichnen hatte.
Was Gröhe und Typen der Schiffe anbelangt, so ist die stärkste Zunahme in der Klasse zwischen 6000 und 10 000 Tons erfolgt, deren Zahl von 1004 im Jahre 1914 aus 1784 im Jahre 1921 gestiegen ist. Eine ausgesprochene Entwicklung drückt sich aus in der Zunahme der Zahl der ölfeuernden Schiffe mit 2536 gegen 364 im Jahre 1914; darnach brennen nach der Tonnage berechnet nur mehr 72 Prvz. der Handelsschiffe Kohle, gegen einen Vorkriegssatz von 98 Prozent.
(In einem Test der Auflage wiederholt.)
Eine Sympathiekundgebung für die Deutsche» in Tschechien.
Berlin, 14. Sept. In der Stadthalle fand gestern abend eine von der Arbeilsgemetnschaft Groh-Derlln des Deutschen Schutzbundes und dem Hilfsverein für das Deutschtum und die Sudetenlander Unberufene Sympathiekundgebung für die Deutschen in Tschechien statt. Der frühere Gouverneur von Reu-Guinea H a h l leitete die Versammlung. Als erster Redner sprach der lkckssvgiali- stische Abgeordnete Jockel aus Prag, der erklärte, das deutsche Volk sei die einzige Hoffnung in der Bedrängnis. Es sprachen dann Aba. Dr. Kaufmann von der Deutschnattvnalen BolkS- partei, Gesandter a D. Dr. v. Kemnitz von der
Deuffchen Volkspartei, der demokratische AbK K o p s ch und der Zentrumsabgeordete Dr. Fleischer. SS wurde dann eine Entschließung angenommen, in der nachdrücklich Einspruch erhoben wird gegen die planmähige Ausrottungder tausendjährigen deuffchen Kultur, gegen die Verletzung der MiTiderheitSschutzbestimmungen, gegen die Enteignung deutschen Bodens und gegen die wiederhollen Gewalttaten tschechischer Legionäre. Schließlich wird den 3U Millionen Deutschen die vollste Teilnahme Berlins versichert und erklärt, daß freundschaflliche Beziehungen von Doll zu Voll erst nach Aufhebung deS jetzigen Gewall- shstems möglich fein ttxrrben.
Der „SimpltzissimLs" m Düffelbors «b Duisburg verboten.
Berlin, 14. Sept. Rach dem „Bert. Tageblatt" hat die französische Dffahungsbehördc den „Simplizissimus" in Düsseldorf und DuiS- burg auf die Dauer von drei Tlimaten verboten.
'Ein Sffenbahmmgkück.
Berlin, 14. Sept. Rach dem „Bett. SdL* Anz" stieß im Bahnhof Halver ein Personen- zug auf einen Rangierzug. Mehrere Zugbeamte, darunter der Heizer und der Zugführer, wurden schwer, einige Reisende leichter verletzt. Der Sachschaden ist crbebü<&.
Die Abrüstungskonferenz,
London, 14. Sept. (WTB.) „Daily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel, die französische Regierung werde auf der Was hing- toner Konferenz keine Gelegenheit für btt erneute Aufwerfung der Frage des Schutzbündnisses zwischen Frankreich, Amerika und England haben. Wenn Harding jedoch willens und in der Lage fei, die gesetzgebenden Körperschaften zur Annahme dieses Bündnisses zu bewegen, so würden wohl von feiten Großbritanniens kein« Einwendungen erhoben werden.
Paris, 14. Sept. tWTB.) Wie der „Ma- tin" aus London meldet, verbreitet eine offiziös« Telegraphenagentur, daß LloydGeorge durch die irische Frage derart in Anspruch genommen sei, daß es mehr und mehr unwahrscheinlich werde, dah er sich zur Abr üstu n gsk onf erenz nach Washington begeben könne.
England und die schlechte denffche Valuta.
London, 14. Sept (WTB.) „Daily Wall* zufolge prüft die Münzkommission sorgfältig die Wechselfrage. Der Sturz der Martz sei danach nicht daS Ergebnis der von Deutschland geleisteten Zahlungen, sondern der Unmöglichkeit Deutschlands, der Inflation Einhalt zu tun, die eine chronische Krankheit des festländischen Europas geworden sei. Die Folge sei, daß Deutschlands Märfte sich für englische Artikel mehr und mehr schlössen. Die britischen Industrieverbände trügen sich ernsthaft mit der Absicht, eine Politik zu führen, die das englische Pfund auf dnt Linie zurückbringe, die den Handel mit dem Ausland wieder aufzunehmen gestatte. „Daily Mail “glaubt, dah eine solche Politik trotz allem Aussicht habe, angenommen zu werden.
Die Aeberschwenmnmgen m Texas.
London, 14. Sept. (WTB.) „Daily Telegraph" meldet aus San Antonio: Bisher wurden 100 Leichen gelandet. Die Handelskammer voa San Antonio schätzt den Schaden auf über 8 Million e n Dollar.
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