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Die deutsch -französischen Verhandlungen.

Paris, 13. Juli. (WTB.) Die deut­schen und die französischen Vertre­te r, die in Paris über die Sachlieferun­gen verhandelt haben, haben heute in einer Vollsitzung ihre Beratungen fortgesetzt und vorläufig zu Ende geführt. Eine Anzahl von Einzelpunkten bleibt noch zu klären. Sie sollen durch Staatssekretär Bergmann und Dr. Gug­genheim, welche nach Berlin reisen, mit den zuständigen Stellen geregelt werden. Es ist zu hoffen, Latz in kurzer Zeit unter Zustimmung der ReparaiionSkvmmission ein Abkommen zu­stande kommt.

Das dänische Königspaar auf Grönland.

Kopenhagen, 14. Juli. (WTB.) Das dänische Königspaar ist am Sonntag auf Grönland angekommen und am Montag an der Kolonie Godtkaab an Land gegangen. Dies ist der erste Besuch eines dänischen Kö­nigspaares auf Grönland.

Persien wider die englische Politik.

London, 13. 3uIL (Wolff.) DieTimes" meldet: Das neue persische Parlament veröffent­lichte ein von der Mehrheit seiner Mitglieder unterzeichnetes Dokument, da« eine Anzahl A n - klagen gegen die englische Politik enthalt. Das Dokument ist bestimmt zur Infor­mation der ausländischen öffentlichen Meinung urtb des Völkerbundes.

Aus dem Reiche.

Bombenanschläge in Braunschweig

Braunschweig. 13. Juli. (Wolff.) Die -Braunschweigische Lanbeszeitung" schreibt: Heute nacht wurden wieder zwei Bombenanschläge in Braunschweig verübt. Einer richtete sich gegen das Haus des Gerichtschemikers Dr. AeHring in der Bismarckstraße. Die Ostseite des Hauses mit dem im Erdgeschoß gelegenen Laboratorium ist fast vollständig zerstört. Menschen sind nicht verletzt worden. Der zweite richtete sich gegen die Garnisonkirche tm Stabtpark. Es wurde nur geringer Schaben verursacht. Von den Tatern fehlt jede Spur. In Verbindung mit den Bomben- Anschlägen steht wahrscheinlich der lieberfall auf einen Schutzpvlizeibeamten. der nachts von fünf Männern im Prinzsnpark angefallen und überwältigt wurde. Der Beamte wurde in hilflosem Zustande auf gefunden und liegt be­sinnungslos j.m Ärantenoaufe.

DiePolizeistunde".

Berlin, 13. Juli. Die Blätter erfahren von unterrichteter Seite, daß die Bemühungen Preußens, bei der Reichsregierung um Auf­hebung der DundesratSverorBnung vom 3. De­zember 1916, die der Verlängerung der Polizeistunde über 11»/, Ahr hinaus bis­her im Wege stand, Erfolg haben würden. In "Berlin werde eine Staffelung der Schlußstun- . den für Theater, Kinvö und Gastwirtschaften ; in Aussicht genommen.

Ein Dementi.

Freiburg, 13. Juli. (Wolff.) Wie uns von bestinformierter Seite mitgeteilt wirb, ist die Meldung desKarlsruher Residenz- blattes", der Reichskanzler habe sich verlobt, frei erfunden.

Hessische Volkskammer.

10 4. Sitzung

Darmstadt, 13. Juli

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9,40 Ahr Die Beratung des Staatsdoran- schlagcs wird bei Kapitel 110. Brücken und Aeberfahrtenfortgesetzt. Hier wird zugleich die Regierungsvorlage, betreffend Entwurf eines Brückengeld- und Aebersahrtsgebührengesetzes be­raten und ein Antrag Pie hier ^Soz), das Brückengeld für die Arbeit r, die täglich bet ihrcm Weg zur Arbeit die Brücke bei Koitheim passie­ren müssen Der Ausschuß beantragt Annahme her Regierungsvorlage und Ablehnung des An­trags Piehler Der Antragsteller begründet seinen Antrag

Aba. Knoll (Ztr.) tritt ebenfalls für An­nahme des Antrages ein.

Abg. Kiel (1ISP.) will ebenfalls Auf­hebung des Brückengeldes, die dadurch ausfal­lende Einnahme könne man durch Abstriche bei her Schupo hereinbringen

Finanzmimster Henrich: Es ist nur enieL möglich, entweder man hebt das Brücken­geld überhaupt aus, oder es bleibt überall be­stehen, eine ungleiche Behandlung ist unmöglich. Der Staat kann heute selbst auf die kleinen Ein­nahmen nicht verzichten.

DaS Kapitel wird genehmigt, die Reglerungs- vorlage angenommen und der Antrag Piehler abgelehnt.

In der allgemeinen Unruhe werden Kap. 111 und 112, Detriebskrankenkasse, genehmigt, von der Linken wird die Wiederaufnahme der Be­ratung über das letztere Kapitel beantragt, wo- tjegen jedoch Widerspruch erhoben wirb. Die Kapitel bis 118 werden debattelos genehmigt.

.. . Zu Kapitel 119, Ruhegebalte usw., beklagt sich Abg. Schild dach (Soz.) darüber, daß ein Vertreter der Aeichsregierung. der da« besetzte Gebiet bereiste, sich weigerte, die Wünsche von Gewerkschaftsvertretern entgegenzunehmen.

Abg Knoll (Zlr.): Die Pensionärs der alten Ludwigsbahn haben au ihren geringen Be­zügen noch keinerlei Aufbesserung erhalten.

Finanzmlntster Henrich: In Verhandlun­gen haben wir erreicht, baß Zuschläge bewilligt wurden, allerdings nicht in der Höhe, wie wir sie beantragt hatten.

bittet nochmals, eine Gleichstellung der Altpensionäre mit den Neu- pensionären vorzunehmen.

Finanzminister Henrich stellt fest, daß eine Gleichstellung tatsächlich bestehe, allerdings nicht mit iben Bezügen, die nach der neuen Besoldungs­ordnung noch strittig sind. Man kann nicht gut jetzt Bezüge auszablen, die man später vielleicht wieder zurückverlanaen muß. Die Kapitel bis 120 werden hierauf genehmigt und bann die gestern ausgesetzte Beratung des Etats des Justiz­ministeriums vorgenommen Zu Kapitel 97, OHt- nisterium der Justiz, wünsch»

Abg. Rechtien (Soz.) eine Begnadigung I von in Oberhessen verurteilten Ar­beitern und geht näher auf den Wunzen- b e r g e r .<£ a 11 ein. Er fordert Demokratisierung der Strafvollstreckung, Wahl der Richter durch das Voll. Die Strafe sott keine Rache, sondern eine Erziehung sein; wir sind deshalb auch Geg­ner der Todesstrafe und wir wünschen, daß sich das Justizministerium für die Abschaffung der Todesstrafe einsetzt.

Der Antrag des Abg. Kaul (Soz.) und Gen., betr. Abschaffung der Todesstrafe wird mit zur Beratung gestelll.

Abg. Schreiber (Dem.): Die heutige Un- tergrabung des Rechtsbewuhtseins ist eine Folge des Krieges und der Zwangswirtschaft. Die Be­stimmungen über das Duell müssen beseitigt wer­den, eine Sonderbehandlung der akademischen Bürger ist nicht gerechtfertigt. Der Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe ist im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht recht angebracht.

Abg. Ruh (Z): Für die Abschaffung der Todesstrafe ist der gegenwärtige Zeitpunkt schlecht gewählt. Ein Mensch, der mit voller Ueberlegung einen Mord begeht, muh wissen, datz er sein Leben verwirkt hat. Der Abschaffung der Duellbestim­mungen im Strafgesetzbuch stimmen wir zu. im heutigen Deutschland ist kein Raum für zweierlei Ehre. Der Zulassung der Amtsgerichtsanwälte zu den Landgerichten stimmen auch die berufenen Ver­tretungen der deutschen Landgerichtsanwälte zu.

Abg. Wünzer (D. Bp.): Der Assessorismus ist verschwunden, was wir mit Freuden begrüßen. Wenn trotzdem die Zugänge zum Iustizdienst nur- gering sind, so liegt das daran, daß Industrie und Gemeinde heute viel mehr zahlen als der Staat. Zu wünschen ist, daß unsere Finanzen so erstarken, dah später sämtlichen Referendaren die heute nur Bedürftigen bewilligten Entschädigungen gewährt werden können. Die Maßnahmen zur Vereinfachung der Strafrechtspflege sind durchaus zu begrüßen. Die Uebertragung des Rechts der Gewährung des bedingten Strafaufschubs auf die Richter wäre eine Verbesserung und Verein­fachung des Verfahrens. Einer Erweiterung des Einflusses des Laienelemets können wir nicht zustimmen. Untere Strafvollstreckung war schon vor der Revolution innrer eine humane. Die Todesstrafe muß hom Staate vollstreckt werden im Interesse der Selbsterhaltung und im Inter­esse der Mehrzahl der Bevölkerung. Die Todes­strafe muß abschreckend wirken. Wenn einmal auf Todesstrafe erkannt ist, muß die Vollstreckung beschleunigt werden.

Abg. Schildbach (Soz.) verlangt eine Re­form der Ordnungsvorschrift für die Straf­anstalten.

Abg. Frau Balser (Dem.! tritt für die Gleichberechtigung der Frauen auch in der Recht» fprechung ein, tm Familienrecht, in der ver­mögensrechtlichen Behandlung, in Zulassung der Frauen zum Richteramt.

Rachmittagssihung.

Vizepräsident Sohcrr eröffnet die Sitzung 3 Ubr 25 Minuten.

Abg Kaul (Soz.) begründet seinen Antrag betr. Abschaffung der Todesstrafe

Abg. Engelmann (Soz.) bemängelt das Vorgehen von Amts-' unj> Staatsanwälten in belanglosen Füllen unter Hinweis auf einige Vor­kommnisse.

Abg. Dorsch (Hess. Vpt.) wendet sich gegen die Aufhebung der Todesstrafe.

Abg, Dr. Osann (D. Vp.) wendet sich ge­gen den Vorwurf des Abg. Schreiber, daß un­sere Richter unbewußt Klassenjustiz treiben. Es sei zu bezweifeln, ob sich die Frau ihrer ganzen Veranlagung nach für das Richteramt eignet.

Iustizminister v. Brentano. Die Arbeit im Justizministerium ist ganz enorm gestiegen. Im Jahre 1914 waren rund 18 000 Eingänge zu ver­zeichnen, 1920 waren es bereits 33 000 und in die­sem Jahre dürften es 44 000 werden. Die Raum­frage bedarf dringend einer Besserung. Die Rich­ter find heute noch immer die sachlichsten Pfeiler unseres Staates und man sollte vermeiden, durch unerwissene Behauptungen diesen Pfeiler zu er­schüttern Der Richter in Leipzig ist ein Hesse, und alle, die ihn kennen, halten esfürvollständigausgeschlossen, daß er nicht vollständig unparteiisch nach Recht und Gewissen geurteilt habe. Die Frage der Vollstreckung von Todesurtei- l e n wird sehr eingehend erwogen. Auf Grund von Indizienbeweisen wird man sich wohl nur selten zur Vollstreckung entschlleßen können. Für die Auf­hebung der Todesstrafe kann ick nicht eintreten, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Das studen­tische Duell soll man nicht so scharf verurteilen, besonders im Hinblick auf die Ausübungen des Sports. Eine Ausnahmestellung allerdings sollen die Studenten nicht einnehmen. Die Frage der Begnadigungen ist eine schwierige, vielleicht emp- siehlt sich die älebertragung der Befugnis, von dem bedingten Strafaufschub Gebrauch zu machen, auf die Aich ter, aber die höchste Instanz muß immer in der Lage sein, ausgleichend au wirken und hierzu eignet sich besonders die bedingte De- gnabigung. Die Heranziehung des Laienelements zum Richteramt sei durchaus zu unterstützen, aber Oie Wahl der Richter sei volllommen unmöglich, denn zum Pichterarnt ist eine Schulung erforder­lich, die nur die juristische Vorbildung vermitteln kann. In der Frage der Heranziehung der Frauen zum Richteramt stimme ich volllommen den Aus­führungen deS Abg. Dr. Osann zu.

Ministerialdirektor Lorbacher erhebt Be­denken gegen die ilcbertragung desBegncchigungs- rechrs auf die Gerichte.

Abg Frau Bierau (D. Vp.) stellt fei, daß die grauen der Deutschen Volkspartei auch für die von Frau Abg. Balser aufgestellten For­derungen eintreten, mit Ausnahme der Frage der Verwendung der Frau im Richteramt; hiep stehe sie auf dem Standpunkt des Abg. Dr. Osann.

Abg. Frau Hattern er (Ztr.) stimmt diesen Ausführungen zu. Bet den Jugendgerichten kann die Frau sehr wohllätig Mitwirken.

2lbg. Dr. Köhler (D.Vpt.) wendet sich gegen den Vorwurf der Klassenjustiz. Wenn man diesen Vorwurf gegen Urteile in Strafsachen er­bebe, so vergißt man, dah bte Haupttätigkeit der Richter auf anderen Gebieten liegt, auf dem Ge­biete der Zivilprozesse, des Grundrechtes usw., und man sollte sich hüten, die Autorität der Richter auf diesem Gebiete zu untergraben.

DaS Kapitel 97 wird genehmigt. Die Ab­stimmung über den Antrag Kaul, betreffend die Abschaffung der Todesstrafe, ist zunächst zweisel- haft. Gegen den Antrag stimmen 22, dafür 20; Der Antrag ist abgelehnt.

Es wird vertagt. Nächste Sitzung morgen vormittag 91/» ilhr. Schlich 6,15 Ähr.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 14. Juli 1921.

Annahme von Anzeigen bis zum Abend vor dem Ausnahmetage.

Geschästsstunden von 8Val u. 2V26 Uhr.

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AusstellungTer Friedensvertrag von Versailles".

Auffallenderweise hat sich die QI rb eiter- schäft der Ausstellung bisher noch völlig fern gehalten, und doch hat auch sie das denkbar größte Interesse an einer baldigen Revision des Gewaltfriedens von Versailles. Dieser Stand­punkt wird auch von Führern der Arbeiterschaft selbst vertreten. So entnehmen wir einer Ab­handlung des Steigers Mang aus Buer, welche in denWirtschaftlichen Rach richten aus dem Ruhrbezirk" unter dem TitelDer Geist von Versailles und die deutschen Arbeiter" veröffent­licht worden ist, die folgenden recht beachtens­werten Sätze:

Der Vertrag ist eine Verhöhnung alles sozialen Fortschrittes, würdigt er doch den Ar­beiter zum Objekt, zur Ware herab. Unb das ist jetzt, da die Arbeiterbewegung immer mehr zu Worte kommt, wo unsere Zeit das demolratische Zeitalter genannt wird, doppelt drastisch. Die Schamröte müßte jedem kulturellen Menschen ins Gesicht steigen bei dem Gedanken, dah tatsächlich durch den Vertrag in manchen Gebieten der Ar­beiter mit den Bodenschätzen z. B. verhandelt oder vielmehr abdiktiert wurde. (Saargebiet.)

Der Friedensvertrag maßt sich aber auch über die übrigen deutschen Arbeiter das Ver­fügungsrecht an. Man lese nur die Ablieferungs­und Wiedergutmachungsbedingungen im Vertrage nach, und man wird inne werden, mit welcher Autorität deutschen Arbeitern ihre Leistung zu- diktiert wird. Ob sie diese erreichen tonnen oder wollen, danach wird nicht gefragt. Kraft eines Papiers wird über die Köpfe von Millionen Menschen hinweg diktiert. Die deutsche Arbeiter­schaft wird gegeneinander ausgespielt. Der süd­deutsche Arbeiter ist ergrimmt über den Ruhr­bergmann, der ihm keine Kohle liefert, während er feiern muß. In Wirklichkeit fördert der Ruhr- bergmann in Ueberschichten so viel Kohlen an Frankreich, daß sich mit der Zeit Vorräte an­sammeln und Frankreich die Kohlen mit großem Gewinn verkauft.

Soviel von der ehrverletzenden Behandlung der Arbeiter durch den Friedensvertrag. Ist sie empörend, so ist der Versuch, den Friedensver­trag restlos durchzuführen, lächerlich. Hier gleicht Deutschland, insbesondere der deutsche Arbeiter, einem Leibeigenen, der für seinen Herrn in einer bestimmten Zeit das zusammengebrochene Haus wieder aufbauen soll, aber der Herr nimmt ihm das Werkzeug und das Qüaterial weg.

Der deutsche Arbeiter soll arbeiten, um den Bestimmungen des Friedensvertrags nachzukom­men. Older eben dieser Vertrag hindert ihn daran. Er hindert ihn, für eine ausreichende Ernährung zu sorgen, damit der durch die Jahre berr Blockade ausgemergelte Körper neu gekräftigt und zu erhöhter Leistung fähig ist. Er hindert die deutsche Industrie, Rohmaterialien und tech­nische Energie in einer Menge zu beschaffen, die notwendig ist, den deutschen industriellen Ar­beiter voll zu beschäftigen. Er hat es durch eben diese Rohstofffrage und die Qlbgabe des Der» kehrsmaterials, durch Zerrüttung des Verkehrs­wesens fertig gebracht, daß einmal die Kohlen­förderung gehemmt, bann aber auch die Kohlen nicht glatt abbefördert werden können. Otugen- blicklich liegen die verschiedenen Häfen und die Zechenplähe voll Kohlen, verschiedene Zechen mußten schon feiern. Dabei liegt die übrige In­dustrie wegen Kohlenmangels still. Dazu hängt noch immer die Gefahr einer Besetzung über dem Ruhrgebiet, und diese ist durchaus nicht dazu angetan, die Arbeitslust zu heben.

Man kann den Vertrag von Versailles von einem Gesichtspunkte betrachten, von dem man will, er bringt praktisch gerade die entgegen­gesetzten Folgen, die er bringen soll. Er knechtet den Arbeiter, sabotiert die Produktion und ver­eitelt jeden Versuch zum praktischen Wiederauf­bau unserer Wirtschaft. Das deutsche Doll, bas deutsche arbeitende Volk insbesondere, kann den Vertrag nicht erfüllen. Darum hinweg mit dem Dokument, das uns in den Adr und stürzen muh, das Europa in die Rächt des Elends zerren muß."

Eine Luftspiegelung bei Lollar.

Ein Student der Physik schreibt und:

Eine Erscheinung, die man nicht allzu häufig sieht, die aber bei den hohen Tempe­raturen der letzten Tage verständlich ist. be­obachtete ich am vergangenen Sonntag. Ich kam zwischen 12 unb Vel Uhr von Lollar her auf der Marburger Straße nach Gießen. Kurz hinter der Abzweigung der Straße nach der Badenburg fiel mir auf. daß den Bäumen am Ende der Landstraße die unteren Telle des Stammes fehlten. Ich stteg vom R/rbe und beugte mich etwas herunter und schon sah ich die Bäume umgekehrt mit der Krone nach unten und den Stämmen nach oben, m. a.W. eine richtige Luftspieg elung. Die außerordent ich gsofte Sonnenbestrahlung wäh­rend des ganzen Morgens, verbunden mit vollkommener Windstille, hatte die unterste, bodennahe Schicht der Luft so stark erwärmt, daft sie als Spiegel wirken konnte. Die Erscheinung war deullich zu erkennen, natürlich zitterte das Bild etwas durch die Unruhe der Luft. Sehr bekannt ist eine ähnliche Erschei­nung unter dem NamenFata morgana aus den Wüstengebieten der Erde. z. B. der Wüste Sahara. Auch auf langen Asphaltstraßen hat man manchmal Gelegenheit, sie wahrzuneh­men. Rur unter besonders gftufttgen Verhält­nissen bekommt man sie auch im Freien zu sehen, wie in diesem Falle. Ls wäre inter­essant zu erfahren, ob in diesen Tagen noch wettere Beobachtungen ähnlicher Art gemacht worden sind.

Wettervoraussage für F r e i t a g :

Vorwiegend heiter und trocken, tags sehr warm, südliche Winde, Gewitterneigung.

Die Wetterlage hat sich wenig geändert. Die Hochdruckswetterlage hält weiter an.

Wassermangel.

tt. Treis a. b. Ldo., 14. Juli. Während unsere Wasserleitung, die aus zwei starken Quellen gespeist wird, in früheren trockenen Jahren nie versagte, herrscht bei der ungeheueren Trockenheit jetzt auch hier zeitweillg Wassermangel, so daß die Leitung nachts und zu gewissen Tagesstunden abgestellt werben muh. Mir Beginn dieser Woche hat hier die Roggenemte begonnen.

rm. R 0 d h e i m. a. d. Bieber, 14. Juli 2luch hier hat die Wasserversorgung in­folge der anhaltenden Trockenheit fast gänzlich versagt. Es schweben zur Zeit Verhandlungen wegen Ankauf zweier imÄoßgrund" gelegenen Quellen unb Errichtung einer Pumpstation.

fpd. Frankfurt a. M., 13. Juli. Die städtischeWasserleitung muft mtt der wachsenden und andauernden Hitze größere Wassermengen abgeben. Während' sie am letz­ten Freitag noch 90 000 Kubikmeter Trink - wasser abgab, waren es am Montag bereits 105 000 Kubikmeter, und am Dienstag wurde mit 127 000 Kubikmeter der Rekord geschla­gen. Mit dieser Summe hat das Wert feine höchste Leistungsfähigkeit aber um 10 000 Ku­bikmeter überschritten. Die ungeheure Wasser- abgabe wird dadurch verursacht, daß viele Haushaltungen das Wasser zum Kühlen iin- ausgesetzt der Leitung entströmen lassen und daß für manche Gärten das zum Begießen er­forderliche Maß weit überschritten wird.

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** P 0 l i z e i b e r i ch t. In der Nacht vom verflossenen Nacht zum Sonntag wurden in hiesiger Stadt mittelst Einbruchs gestohlen: ein Fahrrad. MarkeDürtopp", mit der Fabriknummer 543 668, eine silb. Herren- uhr mit schwarzen Zeigern, mehrere weiß­leinene Bettücher, Bettbezüge und Ser­vietten, gez. A. K. oder H. K. Ferner in der verflossenen Nacht aus einem Garten am Wie- seckerweg etwa 100 Stück Blumenkohl Bor Ankauf wird gewarnt.

** Der Alice-Schul-Verein für Frauenblldung und Erwerb hielt am Freitag seine ordentliche Mitgliederversamm­lung ab. Der Rechnungsabschluß für 1919 ergab einen Fehlbetrag von 7912.64 Mk, zu dessen Deckung die auf dem Grundstück des Vereins ruhende Hypothek erweitert werden soll. Der Abschluß für 1920 stellt infolge Er­höhung der Gehälter des Lehrpersonals da­gegen ein Defizit von 73 186,17 Mk. in Aus­sicht, das zu J/. vom Staat und zu 8/* von der. Stadt Gießen gedeckt wird. Seit Ostern ist zu den Lehrgängen des Vereins das bis­her von Frl. Möser geleitete Fröbel-Seminar für Kindergärtnerinnen nebst Kinderpflege­rinnenschule und Seminar-Kindergarten hin- zugekommen. das in den erweiterten Räumen des Hauses Gartcnstraße 30 weitergeführi wird. Das Seminar ist z. T. von 32, die Kinderpflegerinnenschule von 16 Schülerinnen, der Kindergarten von 60 Kindern besucht. Das technische Seminar für Hauswirlschasts- und Handarbeitslehrerinnen zähll 24, die Haushaltungsschulc 18 Schülerinnen. Alle übrigen viertel- und halbjährigen Kurse sind voll besetzt. Seit Ostern ist den Semina­ristinnen ist auch Gelegenheit gegeben, sich zu Turnlehrerinnen auszubllden durch Teilnahme an dem seitens der Hntoerfität für Studen­tinnen eingerichteten Lehrgang. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt, wozu noch mehrere Mitglieder des Vorstandes des frühe­ren Kindergartenvereins hinzutreten.

Bornotizen.

Tagcskalender für DonnerS- tag. Handelskammer: Ausstellung, Der Frie- benshertrag von Versailles. LiebigShö^e: 6 übt Farni ienaocmd der Deutschen Vvlkspartei. Ho cl Einhorn: 8 Uhr, Hochschulring deut'cher Art Vor­trag Brausewetter: Unser Danzig in Not. Lichtspielhaus Bahnhofstraße wie gestern. Lichtspiele SelterSweg, GLvßstadtmädeuS.

Der Dor st and des Vereins für das Deutschtum im Ausland bittet uns darauf hinzuweisen, daß auf dem Sommerfest auf der Hardt am Freitag den 15. öS. MtS., i 47 Uhr abenod, gespendete Kuchen und Zigarren zu mäßi gen Preisen verkauft werden. Wir weisen an die­ser Stelle nochmals darauf hin, daß der gesamte Reinertrag der Veranstaltung unseren bebrängten Volksgenossen in Oberschlesien, sowie den Aus­ländsdeutschen zugute kommt. Schon auS diesem Grunde ist ein reger Besuch des Festes sehr wün­schenswert. Aufklärende Schriften über Ziel und Zweck deS Vereins können kostenlos durch dic Ortsgruppe bezogen werden.

Auf den Vortrag Draufewetter machen wir nochmals aufmerksam. Herr Brause- Wetter spricht heute adend um 8 Uhr im Ein­horn über.Unser Danzig in Not" und wird da­bei auch die Schwierigkeiten DanzigS als Hoch- schulsladt behandeln.

Kaufmännischer Verein Gießen DaS für den 17. d. M. vorgesehene Sommerfell kann ilmftänbe halber erst am Sonntag den 31. Juli abgehalten werden.

Der Turnverein Gießen von 1846 veranstaltet aus Anlaß des 75jährigen Zubi- läums am Samstag den 18. Juli abends 9 Uhr in der Turnhalle einen Ball.

Der erste 116er -Tag sieht für Sonn­tag, den 21. August 1921, ein kameradschaftliches Zufammensein aller ehemaligen 116er und her Krlcgsformalionen R. 116, Landw. 116, R. 222. 254 und 186 sowie der Ersatz-Bataillone vor. Siehe Anzeigenteil.

Die Männer- unb Frauenver - einlgung der MatthäuSgemeinde hält am nächsten Sonntag im Philosophenwald einen Familientag, verbunden mit einem Kinderfest der Kinderkirche ab. Die Veranstaltungen, die zum Teil im Saal und im Wald stattfinden, beginnen um 3 Uhr. Die Mi toMung des Gernbardischen Ztt?e . und Mand^ in nchor - bei Momdergerschm Qiar- tets. Ans rachen u d andere Darbietungen wertei den Mttglredern der Vere nigung und den Angekö- rigen der MatthäuSgemeinde, Me dazu eingelaben sino, einige Stunden herzlicher und fröhlicher Ge­meinschaft verbürgen.

Landkreis Gießen.

tt Treis a. d. Lda.. 11 Zuli Für die HauSfammlung der Krnderhilfs- woche gingen hier ein 486 Mk, dazu kommen noch 22 Mark Kirchenkollette.