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Eine Feststellung de» Kardinal-Erzbischofs von Köln.

Köln, 13. Mai. (Wolff.) Der Kar­dinal-Erzbischof von Paris hatte ttn den Kardinal-Erzbischof von Köln, der ihm von seiner Aufnahme in das Kardinalskollegium Mitteilung mochte, ein Antrvor tschreiben gerichtet, in dem er dem Erzbischof von Köln zunächst den Dank für dessen Tätigkeit im Interesse Der franzö­sischen Kriegsgefangenen aus spricht, dann aber behauptet, Frankreich sei von Deutsch­land zu Unrecht angegriffen worden. Deutsch­land weigere sich jetzt, dieses Unrecht wieder putzmmack-en, aber Frankreichs Geduld 'ei jetzt zu Ende. Der Kardinal-Erzbischof von Köln wurde, wie dieKölnische Bolköztg." meldet, von dem Schreiben des KardiNal-Er^- Lischofs von Paris, das einen klassischen Be­leg für die Mentalität Frankreichs gegen Deutschland darsbellt, aufdaspeinlichste überrascht und erst recht von der Veröffentlichung durch die Ha- vas» Agentur. Er alaubt seinerseits von der Veröfsentlicbung seiner Antwort an Kar­dinal Dubois Abstand nehmen zu sollen, weil eine öffentliche politische Auseinandersetzung zwischen einem französischen und einem deut­schen Kardinal weder im staatlichen, noch im kirchlichen Interesse liegt. Wenn freilich die französische Presse seine Antwort irgendwie verstümmelt oder entstellt wiedergeben sollte, sieht er sich gezwungen, seine Antwort im vollen Wortlaut der Öffentlichkeit zu über­geben.

Ans dem Reiche.

Das neue Reichskabinett.

Berlin, 13. Mai. Wie dieB. Z. a. M." meldet, lehn te der Generaldirektor der HamburgAmerika-Linie, Cuno, von Neu- i)orf aus telegraphisch die Uebernahme des Ministeriums des Aeußern ab, ebenso der Hamburger Bankier Dr. Melchior tzas Reichsfinanzportefeuille.

Die Aufhebung der Einfuhrbeschränkung von Butter und Käse.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Verordnung über die Aushebung der Ein­fuhrbeschränkung von Butter uno Käse. Die Verordnung, die mit der Ver­öffentlichung in Kraft tritt, bestimmt, daß aus­ländische Butter den Verkehrs- und Ver­brauchsregelungen der Kommunalverbände und Gemeinden nicht unterliegt.

Arre Statt rrrid Land.

Gießen, den 14. Mar 1921.

Die neuen Mehl- und Brotpreise.

Wie wir bereits am Freitag der ver- flanflenen Woche ankündigen konnten, wird der Brotpreis wegen ber geringeren Ausmah­lung des Brotmehls von 85 Proz. (bisher 94 Proz.) um 40 Pf. für den Vierpfunb- laib erhöht werden. Don der Städtischen. Lebensmitteldeputation wurden mit Wirkung vom 17. Mai folgende Brot- und Mehlpreise festgesetzt:

Brot: der 4-Pfund-Laib 4.90 Mk der 3-Pfmrd-Laib 3.70 Mk. der 2-Psund-Laib 2.45 Mk der 1-Pfund-Laib 1.25 Mk.

Brotmehl: das Pfund 1.55 Mk.

Für Krankend rot und Brötchen bleibt der bisheribe Preis bestehen.

Hoffentlich wird die vom Kommunal- verbaird angekündigte Verbesserung des Bro­tes ebenfalls recht bald fühlbar.

Hessische Kinderhilfe.

In Besprechungen zwischen dem hessi­schen Ministerium des Innern, dem Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz und den übri­gen auf dem Gebiete der Kinderfürsorge haupt­sächlich tätigen Landesorganisationen wurde die Durchführung einer ,Kessischen KIn­der b i l s e" beschlossen, um die so dringend erforderlichen weiteren Mittel zur Linde-

Pfingsten 1921.

Bon Johannes Heinrich B r a a ch - Duisburg. Geist des Volkes, unsres Volkes, Geist der Toten und Lebendigen, Geist der Nachunswerdenden: wehe auf wie Opferrauch in Himmelsweite, lege dich vor Gottes Thron und sprich: Füge deines Weltallwesens in mich einen kleinen Schein, boft ich meine Menschen lehre zukunftsfreudiger zu sein.

Schenke Macht: daß ich Erkenntnis gebe Mann und Weib und Kind, dah sie wissen, waS sie waren, daß sie wissen, was sie sind. Schenke Gnade: Kraft zu spenden ihrer Sehnsucht, ihrer Erde, daß es über Volk und Heimat wieder wahre Pfingsten werde.

Pfingsten.

m.. Minasten, daS lieblichste bet Fest«! Das ist Pfingsten/ Ach, alles daran ist idrrer zu er* flaren. >?at das Mühe gemach: Gleich der Name. Klmgt bcutirf). und ist griechisch, hojeicbnei em fclt und bedeutet eigentlich eine der *ün; zigste zaa nach Litern.

Ja, da geschah eS. daß sich der Heilige- Ge'st über die Jünger er^, und nicht nut übe über die ganze Mcnichhrit, die m Jesum non * wrrth glaubt. Doch wer war her Hc.u;? . Er schwebte vom Himmel herab m Elstal c r Taube, und mit feurigen Zungen follt.-.t die GlaubenSdvten das Er'.osungSwerk d r Ö:!rhc;- landS aller D:l: verkünden.

Wie sollte man der artige Begriffe 'ul'tim er Pbilosovhte eines fernen Landes bet ungeschulten Masse mitteleuropäischer Barbaren begreif »ich m.t-

rung desKruderelends, das nicht nur in den hessischen Städten, sondern auch auf dem Lande in erschreckendem Umfange be­steht, zu sammeln und die weiter erforderlichen Fürsorgemaßnahmen in einheitliche Bahnen zu lenken.

Diese Kinderhilfswochc findet, wie nun­mehr feststeht, vom 19. b i s 2 6. Juni statt.

Privatleute oder Vereine, die sich in Gießen an dieser Hilfsaktion beteiligen wol­len, werden gebeten, sich auf dem hiesigen Wohlfahrtsamte (Gartenstr. 2), Obergeschoß, Zimmer 17) zu melden. Im Interesse tfcr gu­ten Sache, die der Unterstützung jedes einzeln nen bedarf, wird besonders die Beteiligung der hiesigen Vereine dringend erbeten.

Für die Landgemeinden und Kreise hat die Hessische Zentrale für Mut­ter- und Säuglingsfürsorge die Vorarbeiten begonnen.

In Darmstadt sand gestern zur Be- kämvmng des Kinderelends im Rachaussaale eine Versammlung statt. Hebet die Aktion deS Vorjahres gab Beig'ordmter Delp Aufschluß. Von 12 500 untersuchten Kindern waren 7445 unterernährt, davon 2000 schwer krank. 60 Proz. stammen aus den Volksschulen. Für die Kinder- h i l f s s p e n d e waren in Darmstadt 400 000 Mk. cingegangen.

Heber die Leistungen bet Frankfurter Kinderhilfe wird berichtet, daß Dort im verflossenen Jahve Mm Schutze der Kinder aller Altersklassen im ganzen 2 430 646 Mk. auS- gegeben wurden. Die Kosten der Zubereitung des Quäkeressens betrugen 533 231 Mk. Für Tuber­kulosefürsorge der Kinder wurden ausgewcuidt 120 000 Mk., für Säuglingsschuh 40000 Mk., die konfessionellen Jugendschutzvereine erhielten 111500 Mk., das Jugendamt 110000 Mk. Durch diese umfassende HilfSattion, dir sich auch noch.auf eine ganze Reihe kleinerer Organisationen bis hinab zum Schülerheim erstreckte, wurde vielen Tausenden von Kindern geholfen. Das großzügige Werk wird in diesem Jahre fortgesetzt durch ben Ma'senercholungsaufentla't Frau. furter Stadt­kinder auf der Wegscheide bei Bad Orb, wo im Laufe des Sommers 7000 bis 10000 Kinder untergebracht werden sollen.

Das Pfiugsttvetter wird nach der Wettervoraussage mei ft heiter, trocken und warm fein. Bei wechselnden Winden herrscht Gewitter- neiaung.

Bis gestern abend hat sich die Wetter­lage nicht verändert. In Frankreich, bis nach dem Elsaß, herrschte gestern trübes Wetter. In Süddeutschland kam es zu vereinzelten Gewittern. Der von Skandinavien nach- Deutschland ziehende Hochdruckrücken ist nach wie vor ausschlaggebend für unsere Wetter­lage. Ausläufer des ozeanischen Tiefs dürften nur vorübergehend leichten Einfluß auf un­sere Wetterlage gewinnen. Mr haben daher noch zunächst mit trockenem, heiterem, war­mem Wetter unb mit vereinzelten Gewit­tern zu rechnen.

In Gießen betrug die Höchsttem­peratur im Schatten aestern 22 Grad Celsius, die niedrigste 8 Grad.

N>

** Amtliche Personalnachrich- ten. Ernannt wurde am 10. Mai der Ge­fangenaufseher Karl O r t h in Hungen zum Strafanstaltsnmchtmeister am Landeszucht- hause Marienschloß.

** Bon der Feuerwehr wird uns mit­geteilt: Gestern abend 9.27 Hhr wurde die Feuer­wache durch einen Feuermelder am Hause Berg­straße .22 alarmiert unb rückte sofort mit dem Mannschaftswagen nach dem Standort des Mel­ders ans. An dem Melder selbst war niemand, der genaue Auskunft erteilt-, doch war durch den Feuerschein zu ersehen, daß es sich um ein Gartenhaus auf dem Na.ruugsberg handeln müsse. Ter Wagen fuhr deshalb um ben alten Friedhof aur den Nahrungsberg, woselbst ein Bienen­haus brannte. Tie Feuerwehrleute selbst waren aui dem türzeren Fußwege dorthin geeilt; doch war an dem in vollem Feuer stellenden Häus­chen nicht« mehr zu retten. Zur Verhinderung be« FunkmilugS unb zum Ablöschen wurde eure über 100 Meter lange Schlauchleitung von bem am (rnbe des Klebergaßchens stellenden Hydranten

durch die Gatten vargenommen und damit in kurzer Zeit die brennenden Reste des Häuschens ab gelöscht. Tie Feuerwehr ging hierbei mit äutzerster Schonung vor, um weder Beete noch Ginfriebiguugen der Gärten beschädigen. Leider Eann man dies von den Zuschauern nicht lagen, die in großen Mengen trotz allen Zuredens in die Götten eindrangen, unb dort an den aus­gestellten Beeten und Zäunen ziemlichen Schaben anrichteten. Außer der Melbung durch den Feuer­melber Bergstraße 22 wurden noch mehre.e Melder von Leuten, die den Feuerschein sahen, in Tätigtest gesetzt. >Da auch telephonische Meldung einlief, es brenne das Gebäude Nahrungsberg 6, wurde die Soritze nachbeordett und die Ringleitung in Betrieb gesetzt. Die MannsHa t der freiwilligen Feuerwehr war rasch am Spritzenhaus unb an bet Brandstelle, brauchte jedoch nicht in Tätigkeit äu treten. Die Spritze rückte 10.20 Hhr, der Mannsclxrftswagen unb die Feuerwehr 10.55 Hhr wieder ein.

** Politzeibericht. In letzter Zeit mür­ben in Gießen folgende Fahrräder entroeiibet: Ern Fahrrad Matte Adler, 'hochgebauter schwarzer Rah- menbau, c6entold>e Felgen, bodigeba-ite Lenkstange, Freilauf, ohne Satteltasche, Zelluloidhandgriffe. Aufi'clirift Otto Finget, Büdingen. Matte Bvm- nabor, breite Leiikstange, cngL Format. Marke Prenrir, schwadern :J> abmenbau, gelbe Felgen,Rad« laufglocke und neuen üottgriffen. Ferner wur­den gestohlen: Ein einflammiger Gasherd mit GiarimisclKauch, 3 große Kittelschürzen, weiß, eine nrit rotem Kreuz, 2 wasserdichte Schürzen und ein Weihes Handtuch. Ein Brillantring mit drei großen und sechs kleinen Brillanten in Platin ge­faßt. Wett 60Ö0 Mk. Eine silberne Geldbörse tnit Inhalt und Monogramm H. K. 8 weiße Schulterfcküußhemden ohne Zeichen, 3 weiße KoH- bezüge, teils mit Einsätzen, gez. M. M., 5 weiße Damrnhosen, geh. M.. 1 weißes Prinzeßlleid, eüi weißer Rock, 4 weiße Unterröde, 4 weiße Unter» taillen, 6 weiße Handtücher, gez. M. M., acht weiße kleine Kinderhemdchen, 9 weiße KinberhöS- chen, 1 weiße Bluse, 1 weiße Bluse mit blauen Streifchen aus tx?r Brust, 2 Russenkittelchen, weiß nrit roter Borde und weiß mit Stickerei und ein Kinderkleidchen mit Stickerei. Dor Ankauf nriro gewarnt.

** Der heutige Wvchenmarkt war, jedenfalls infolge der bevorstehenden Feiertage, reichlicher be'chickt als an voraus gegangenen Märk­ten. Spinat kostete, trotzdem grvtze Mengen vorhanden waren, je nach Qualität, 80130 Pf., dürfte aber gegen Ende des Marktes, wegen des überreichen Angebots noch billiger geworden sein. In Frankfurt kaufte man, wie uns mit geteilt wird, Spinat bisher zu 6070 Pf aur dem gestrigen Mattt gar imr «r 30 Pf. Kopfsalat kostete per Stück 100150 Pf. (in Frankfutt 1. Quali­tät nur 6070 Pf.), Neue GurLn 7 Mk., Kohl­rabi per Stück 2 Mk., Rettich und Radieschen kamen nur von den ansässigen Gemüsehändlerri zum Verlauf. Tie Nachfrage nach Spargel war groß unb der Preis beivegtc sich je nach Qualität um leben 45.50 Mark (in Frankfurt 1. Sorte ö,5O4,5O Mk.). Erfreulicherweise haben sich nahezu alle die Händler, die vor dem Krieg den Markt mit Butter und Gier belieferten, wieder eingefrmden. Obgleich Eier genug angefahren waren, kosteten sie doch 1,40 Mk. Ms Ursache dieser Teuerung wird angegeben, daß immer noch in den benachbarten Tvrsern Händler die Eier für 1,201,30 Mk. auffaufen und die Badeorte beliefern.

** Die Warenausgabetabelle des Lebensmittelamtes für die Lommende Woche ist im Anzeigenteil der heutigen Nummer enthalten. Das Brennstosfam t weist in feiner Wochen- be'kanntmvckrung nochmals auf die günstige.i Bedin­gungen beim Bezug von mindestens 50 Zentnern Brennholz hin.

** Bon der Bezirksfparka sse Gießen. Morgen kann der Buchhalter und Kassierer Wilh. Braun auf eine fünf­undzwanzigjährige Tätigkeit bei bi Sparkasse zurückblicken. In, den Zeitverhält- nissen entsprechender, schlichter Weise ließen ihm Vorstand und Aufsichtsrat durch den Direktor den Dank und die Glückwünsche der Anstalt aussprechen.

** Silberne Hochzeit feiern am zweiten Feiertage dir Eheleute Jakob Leinweber, Linbengasse 10, sowie die Eheleute Heinrich Schreiner, Fuhrunternehmer und Frau.

** Tegernseer Bauerntheater. Am Donnerstag abend gelangte an Stelle des vor­gesehenen AnzeugruberschenMeinridbauer" cm Charaktergemälde von Schmidt und NeuettAl­

men rauunb Edelweiß" zur Auffuh- rung Dieses Stück, das auf-er vielen ergreifen box Szenen auch 'Bc-Sai tösllick-en, echt bayerischen Humors enthält, stellt ben Tarstellern dankbare Aufgaben, die von allen beteiligten in bester Weile gelost wurden. Jo daß daS Publikum nach ie enr Alt reichen Bnmll fpenbete. Durch die inzwischen ringen»r erecn eigenen Detorationen der Tegern erc wurde die Wirkung b4 Stückes äußere ordentlich erhöbt. Die Zwischenpause! füllten auch tnedmal wiedec gute Zithervott ä.je sowie Gesangs^ errfagen in bester Weise aus Gestern abend w >rde Anzengrul ers ,.M eineibbaucr" a-jf geführt. Die eie iren Darsteller fanden sich sehr gut in ihre tei.meiie recht schwierigen Rollen.-. Besonders waren es die Bertveter der Hauptrollen /Kreuz- toegbofbauer, be fen Sohn Franz, sowie bic Vrvru), welche die Gebauten Mrzengrubers in tveffeil« Weise .vimt Ausbruck brachten. Aber auch die Rollen des Guoßki echtS, des sterbenden JaLob, der Burgetties, >'owie deS Toni lagen in guten Händen. Selbst die I-nhabei der kleineren 9b?Öen boten ihr Bestes. Im Hinblick auf die guten gcbiegenenl Leistungen der Tcgernseer ersch int ein guter Be­such der Vorstellungen wünslltenSwert.

Bornotizen.

^Tao^skalender für Samstag: Hotel Einhorn. 8 Uhr, Xegenrieer Bauerntheater. Lichtspieltheater, wie gestern

Tageskalender für den ersten Feiertag: Ob er hessisches Museum unb G arische Sammlungen, an ben Pfingsttagen von 11 bis 1 Ubr geöffnet lErwachsene 1 Ml, Kinber 50 Pf.). Hotel Einhorn, 8 Uhr, Tegernseer Bauern­theater. Lichtspieltheater, wie Sam-tag

Tageskalender für ben zweiten Feiertag: Hotel Einhorn, 8 Uhr, Tegernseer Bauerntheater.

Aus bem <5tabttbeatcrbureaik In der Vorstellung des Lustspiele-Im wun­derschönen Monat Mai" ist fast das ge­samte Personal beschäftigt. In Hauptrollen futb tätig die Damen Ruimer, Marcks, Rammel, Tütt, Koop, Keller, Boirbziej sowie die Herren Goll, Frigel, Hellborn, Heding, Noebett, Brandes, Bech- stein und Mehnert. Herr Döring, dec gegen Ende der Spielzeit in Att-Hcidelberg auf Anstellung gastiert hat und verpflichtet worden ist, roirft ebenfalls in einer größeren Aufgabe mit.

Oberbe ssiicher Kun st verein. Die Ausstellung bleibt wegen vollständigen Wechsels einige Tage geschlossen. Neu ausgestellt werde« Kollektionen von Fries-Ortenberg, Prof. Tellar- T-armstadt, Prof. Hans von DoEmann-KarlSruhe unb von unteren einheimischen jungen Künstlern Heckroth unb Steinbach. Tie Gießener Kuns> fammhrng mit der Dr. Hans Bock-Gedächtnis-- Stiftung im Neuen Schloß (Eingang Sendenberö- stvaße) ist am ersten Pfingstseiettag von 111 Hhr unentgeltlich geöffnet

Die Lichtspiele SelterSwe- bitten uns, darauf hinzuweifen, daß am zweiten Pfingstteicrtag ein vollständig neueS Programm spielt. Tie Vorstellungen beginnen Pom 15. Mai ab Wochentags 3Vr Uhr, Sonntags 2XA Ubr nachmittags, die letzte Vorstellung täglich 9 Uhr> abends. Näheres siehe Anzeige.

Die zur Tagung der Verbände für römisch-germanische Altertums- Forschung für DonnecS'ag, 19. Mai, v>rmck- tags 8i,2 Uhr, im Hörsaat 2 des Vvttesungs-' gebSudes arnge ünbigte Vortragsreih«- bel,a.i- belt die verschieden sten Gebiete unb Z Um. Baurat Jakobi wird über Flurnamen Und Artertum-torschung sprechen. Es ist ja bcrannt, daß me^kw rdige Name.! anb Ligen vfv an vorgeschichllich bedeutsamen Orten raiieu. E e sind dem Erforscher der Vorzeit gar väustg iriil- lommcne Wegwriser auf her Bahn fet.ter Hu:ei> suchungen, und ihr SclMtz vor modernerVornehm- beit'', bie nichts mehr von ihnen nrifien will, liegt nicht nur bem Freunde ber Volks unde am Herzen. Tr. Beeck will über Hausbestat- tun gen in Grabhügeln beritten. Man hat in ben GraHügeln mancher vorgefchichtlicher Kulturen die Neste fia t.'itec Bmtteu gefundeu, die zug eih ein erwünschtes Bild liefern von der Wohnung ber Lebenden. Prioatdozent Tr. Bremer führt seine Höver 4000 Iahte zurück in btt ausgeheube jüngere Steinzrit. Er folgt den Spuren emcS Volkes von Jägern und Hirten, deseu Wanber- S'ge wir an den Gräbern feiner Toten verfolgen nnen, derZvnenkeramiker, wie diese Leute, deren Namen wir nicht tarnen, nach der Ver­zierung ihrer Gefäße genannt werden. Zwei weitere Vorträge versetzen uns in die römpche Zeit Prof. Helmke kann am Grund genauer Unter­suchungen mancherlei berichten, was über bas Römerkastell Kapersburg aut Grund älterer

ch'n? Wie anders, als indem man ihnen von bem Wunbrr hanbgreiflich-r Vorstellungen gab! Tenn das gemeine Volk glaubt nur, was eS mit Augen sieht.

Wie aber würbe bargestellt, was sich am ersten Pfingsten in jenem nicht näher bezeichneten ,,Hau>^ im heiligen Laube ereignete? In Wahr- beit beschränkte man sich nickt bloß barauf. Man Vierte allezeit zugleick christlicke unb beutfche Pfingsten. Warum ist bk Ätrchmfarbe beS Pfingu­te stes ein tiefes Rot? ist ein Simibilb ber teurrgen Hungen, sagen die Gottesmänner: bic Lc.btarbe deS TvmiorgotteS sahen darin die alten ©ttmanen. Unb so allenthalben.Schmückt bad Test mit Maien" fingen bic Deutschen, aber schon beim altjüdischeu Laubhüttenfeite war eS Sitte, den Tempel mit Laubgrün zu schmücken bis an dte Horner deS Altars. Altgermanische Frühlings, feste unb israelitischer Kult gingen miteinander.

Äean P au l beschreibt in seinemHesperuS", wre man in den Kirchen, wenn der Priester von ^r Ausgießung desheiligen Geistes" crzählte, Blumen aut die Gemeinde berabregnen ließ. Tas roar nur noch ein schwacher Abglanz einsti- 97^ ^ndgr.-flicheren Brauch-, Tenn zuerst wurde dte Fmertau'- Durch Herabwerfen brennender Wergbamchcken veri.mibilblicht, bi- man da- nx- gen ihrer siruergefäbrlichkeü abstellte.

Unb dann die Taube In v'elm Kirchen ließ mMi. ivcnn ver ">:slliche am A täte da-vem creator wiriruS' anstnnmte, einen Kranz her» «riederickweben, des e i Hauornük eine bildete. Auch dtese» Üteroinbc war mit bunten Frühlings­blumen unb Bändern, Smnbildet". der tarrigen Zungen, geschmückt: die game Gemeinde griff na« bem Flttter, unb wer -aoaZ davon erbalmm bnr.te, verivalnr.- es lebenslang in 'einem Gebet- bucke. Mitunter ltetz m<u, abn- auch eine echte Taube fliegen, ^irn nick' btt Tücke des Objekt- einen Sunch durch die Rechnung maci/c FoletenbeS G7'ch.chtckm wird wenigs ms Ds ber Ministrant zu der angegebenen Stelle kam, ocr Heilige Geist aber auf sich warte !i-ß, nef tr ben Chorknaben unwillig zu:Do bleibt beim der

Heilige Geist?" Peinliches Warten und Schweigeii, bis ihm endlich einer erwiderte:Herr Pfarrer, das Mard hat ihn gefressen. .

Aber nicht nur das Auge, alle Sinne wollen bcfriebiyt werden, und so hatte auch der Organist alle Hande voll zu tun. Er zog vor unb nach der Predigt alle Register seiner Orgel und ließ )te kräftig dröhnen, um das Brausen vom Himmel vorzuführen, das ..als ein gewaltiger Wind" das ganze vaus erfüllte.

Pfingsten feiert man aber nicht nur in der Kirche, sondern auch im Freien, und da erst recht, ^un endlich ist eS Frühling geworden, in Pfingst­lust schwelgt die ganze Natur.

In der Hrwaldzeit wurde daS beste Rind in ber Psingstenzrit Allvater SB ob an geovfert und barm verspeist. Als diese gemeinsamenSchmäu> aufhörten, blieb wenigstens noch baLPsingst- bier", nrit dem sich im Lüneburgischen noch heute eingcheiratete Bäuerinnen in die Ge- meinte einkaufen Anberswo wird dazu eia» 0^alÜ!n,clt, Durichen mit altertümlichen, non Geschleckt zu Geschleckt vererbten Lärminstru­menten mit denen |ie die en Geister aus der Gemarkung vertreiben ziehen frühmorgens von xwi Hu Hof, und rasch muß ihnen gegeben werden:

Ack. laßt uns nicht so lange steh'n.

Wir muiien noch dreißig Meilen geh'n!

so wett roar es mm doch nicht, aber man brauste >eine Krö te noch ja anderem. Auch .auf bem Anger gibt es einen Pfingstkranz. an hoher, alattcr Kletterstange: da kann sich jeder hermtter- Men, was er ma? uno erreicht Unb in ähn- ^(f>et W-i e Wct:kämv-c und Spiele überall Die zm»(bienen aber maßen sich im Vogelschießen. 3tebt-r roar es hier rme in der Kirche. Sir ^Aofien nach rmem Vogel, den man zwar nickt Laube, wvni aber Lavaiei nannte; wohl bis in die ! Kreuz*abrer-ett gebt b't e Bezeicknung zurück Be- , ^rtvlnfierr?et»e mar da- der Geistlichkeit in höch- i:em .'.ratze r rrhaßt. aber bis ins späte Drittelalter ' eiferte sie vergeblich dagegen, unb heute noch

spricht man allgemein vomVogelschießen", auch wo man längst andere Ziele kennt.

Seitdem spielt der Schützen krieg eine große 9toÜe; er bat gewissermaßen den einstigen Mai­könig abgelöst Auch ferne Würde bauert ?m Jahr lang, unb in mancher Gemeinde genoß er allerlei Freiheit; mit der erschossenen Scheibe ort mehreren ziert er seinen Giebel, seine Amtskette, die immer länger unb immer schwerer wurde, trug er auf iebem Kirchgang, ja wohl gar leinen Vogel nahm er aui die Empore mit.

Natürlich hat jeder rechtschaffene Schützen­könig auch cme ftöingti, wie ».bem dec Mai­könig feine Maibraut. Ueberhaupt jeder junge Tlarat sah sich nach einer folchm um. Die ganze weibliche Jugend, auch jede Wittib unter fünfzig, Jahren mußte dazu an treten, und dann wurde unter ihnen gewählt, auch wohl um sie gerauft, geioit, gebo en, was daS Zeug hittt und z 'm Schlüsse unter der Maie auf dem Anger heftig getanzt. Prüden Weibern, die nicht mittun woll­ten. legte man statt deS MaibuscheS eine Dornen- well« vor die Tür wid Hagestolze setzte man aur einen Schubkarren unb fuhr sie auf einen dürren Acker hinaus.

Auch wer bei den Wettkämpfen unb sonst immer ber letzte war, gar ben Sortnenau'gang am Psingstmorgmi verschlief, bekam sein Teil ab. Die Aermsten unb Dümmsten, vor allem der Schweine­hirt unb die Ganseliefel müssen da in der Regel ihre Haut zu Markte tragen. MsDfingstlümmtt" erfreuen sie sich einer zweifelhaften Ern agsherr- lichkett, der allgemeinen Svotriust vreiSgegeben. So hat sich das einstige schmucke Pfingstkönigtum in ein wunderlich-- Gegen tri! vettehtt Aber was macht das aus? DerbeS Volk liebt derben Scherz unb nimmt nickt Schimvf für Emst Tas alte Frühling-fest hat neue Formen angenommen, die von Gau zu Gau wechseln, doch kaum mtt der Zeit. Nock immer schmücken wir tfc. auch in der Groß- itabt, mit Maien, am liebsten aber holen wir sie un- selbst, wenn draußen zwischen bem lickten Bittenarun berPfingstvoael", der scheue Piwl, melodisch lockend ruft.