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Unterhaltung > Erhebung > Selehrung

unser Lehrmeister ist und unS immer wieder das

aus Zobel, Hermelin,

rn.

Wenn er sich in Dor

erläuterte Onkel Samuel.

Laura.

Vortragsbuch" (Mar Hesse- Verlag-Berlin)

ausge- bah ei

man sich mit dicken Handlch. man die frierenden Hände

rügen, wenn Irme schützen

deaur am Amt meldet, verbinden sie ihn erst mit Pari-, nachher von Paris mit Berlin und von Berlin hierher nach Landsberg. Das wird

wohl noch ein paar Minuten dauern, geben Sie mir auch eine Tasse Kaffee."

Tante Henny fand den Napfkuchen zeichnet und erklärte beim vierten S.ück,

Nus:Sind Öic fertig l" dann war es auS. | Tante Henny deutete hustend an._ bah ihr bei dem plötzlichen Anläuten ein Stübchen Napf­kuchen in bic unrechte Kehle gekommen sei: aber

Fräulein Selma Zwerner als Sekretärin arbeitete. . Bon biefer hätte der Rechtsanwalt die grobe

Moritz wird telephonieren.

Don Alexander MoszkowSkie).

.Haben Sie schon gehört? Moritz wird tele­phonieren?"

.Welcher MoritzT

.Nu, der Sohn von meinem Schwager Zwer- ner, Moriy Zwerner."

.Der ist doch in Bordeaux seit einem Hahrr, wohin wird er telephonieren?"

.Hierher nach Landsberg an der Warthe. Seine Eltern haben gestern einen Brief von ihm gehabt, heute nachmittag. punkt zwei Uhr. wirb er sich verbinden laifen mit dem Apparat beim alten Zwerner. Don Bordeaux wird er telepho­nieren bis hierher."

.Was es alles auf der Welt gibt! Wissen Sie, wenn ich bei Zwemers vorbeikomme um zwei Uhr. werd ich mal reinzehen auf ein paar Mi­nuten, sowas ist doch ein Ereignis."

Die sich also auf der Strafe unterhielten, waren der Bruder des StadtratS Zwerner und der Rechtsanwalt Kreb'ch. in dessen Bureau

Historisches vom Muss.

Die Muffmoden dieses Hahres. die in beson­derer Mannigfaltigkeit hervortreten, bieten in ihren Formen mancherlei Anklänge an vergangene Stile dieses Kle dungSstückes So trägt r.rnn z. B. den groben breiten Muff, den das Barock liebte, und ebenso den kleinen, runden, Zierlichen Muff, in dem die Rokokodame ihre Händchen barg. Auch der reiche Schmuck von Samtbesäyen, Schlei­fen und gebergorn icrungen macht bei der Mobe- Pbanta'ie Anleihen, die durch die Hahrhunderte hindurch dem Muss ihre Aufmerksamkeit xuge» tu*r2,eL liniert Samen dürfen auf den Muff

Schlechte Jahreszeit.

Don ® ottf rieb Äellt r.e)

Do ist der schöne Blumenflor, den wir so treu gehegt? Dom Hoffen und Dom Grünen flnS Herz. Garten kahl gefegt! Und wie in einer Nacht ergraut ein unglückselig Haupt, hat sich heut nach: bas Vaterland geschüttelt und entlaubt!

Der Rhein entführt ins Niederland die welke Svmmerlust.

läßt öb' und fahl die Felber uns» den Frost in unsrer Brust.

Die Silberfirnen hüllen sich in dunkle Wolken ein; boch halb wirb jeder Kehricht nun ein blanker Schneeberg feint

Unb alles wirb so klein, so nah, so dumpf unb eingehängt;

wie brückenb ob dem Lcne.tel an­der graue Himmel hängt!

Auf jedem Kreuzweg sitzt ein Feind es ist ein harter Stand: mit Schurken atmen gleiche Luft im engen Daterland!

| Dieses Gedicht entnehmen vir eine» gv fchmackvoll au-gesiatteten Auswahlband von Gottfried Kellers Gedichten (Derlag ©treder und Schröder. Stuttgart), der sich aus» gezeichnet -u Geschenkzwecken eignet und einen besonderen Reis erhält durch gute, deu leg unaufdringlich begleitende Holzschnitt«.

historl'chen Moments ging durch den Raum, aber ehr noch einer den Entschluh getobt batte, lick dem Anruf -u stellen, war schon das Dienstmäd­chen Laura vom Korridor her burchgeflitzt und hielt den Hörer am Ohr. Und eine Erkunde später verkündete sie unter Herzklopsen: .Ts ist Herr Zwerner!"

Ein sanfter Rippenstoh zwang sie. den Posten aufzugcben. Die Mutter, vor Erregung zitternd und in den Knien wanlrnd, war an ihre Stelle getreten und versuchte ein .Hier. Mama!" in Den Induktion-strom zu hauchen. Aber zugleich fühlte he. bab sie der unerhörten Attacke auf ihr Gefühlsleben nicht gewachsen war, und so muhte zunächst ihr Gatte in Aktion treten.

Inzwischen war die Leitung, wie eS schien, abgefebnitten worden Der 6:abtrat hörte nur noch einmal den in wectesten Kreisen so beliebten

nach einigen kräftigen Nachspülungen mit Kaffee war der Weg frei für weitere Werke.

Mama war untröstlich WaS war da mir passiert?!

.Hättet Ihr mich nur herangelassen k" sagte der Studio. .Mama hat viel zu leise gerufen; daS soll einer biS Bordeaux hören lachhaft!"

3m Grunde genommen, bemerkte Onkel Sa­muel. .hat man von so einem Gespräch selbst wenn es zustande kommt, so gut wie gar nichts. Ein ruhiges GefchäftSgespräch in der Stadt, das lasse ich mir gefallen, aber bei einer solchen ®e- waltsach: über zweitausend Kilometer steht man eigentlich wie auf dem Pulverfab. 3m besten Falle fragt man fortwährend: wie geht- dir denn! wie ging's dir gestern? geht'S dir wirklich aut? dabei hört man immer nur sich selber, fährt vor Nervosität auS der Haut, und ehe man sich s versieht, sind die drei Minuten um.

Eelma bemühte sich inzwischen um Mama, bet der sich Zeichen einer heranwandelnden Ohn­macht bemerklich machten.

Da klingelte es wieder am Apparat, und diesmal brüllte der Herr Studiosus ein so ver­nehmliches .Hier Zwerner!" in den Schalltrichter, ban man den Ruf auch ohne Apparat kilometer- weit gehört hätte.

..Hier Zwerner", kam eS zurück. Und nun wickelte sich folgendes Telephongespräch ab:

Bist du es. Moritz?"

Wieso Moritz?"

Na. ich denke, du sprichst aus Bordeaux?"

Wieso Bordeaux?"

,Ha. woher sprichst du denn?"

AuS hier, auS loko. auS LandSberg." Wie kommst du denn nach S2anb3berg?" Nu. ich bin doch immer in LandSberg!" Wer ist denn dort?"

Hier Zwerner. Julius Zwerner. Onkel Julius, frag' boch nicht so dumm!"

.Ach du bist'S. Onkel HuliuS! WaS willst bu beim T

3ch wollte gern wissen, waS Moritz auS Bordeaux telephoniert bat.

Gar nichts hat er telephoniert! Mach un- nicht Dcrrüdt, Onkel. Sch'.uh I"

Der Rechtsanwalt empfahl sich; er müsse un­bedingt in feine Sprechstunde, eS sei ja auch sehr unwahrscheinlich, bab daS Ferngespräch noch er­folgen würde.

Wie ich meinen Sohn kenne", meinte der Stadtrat.so wirb er alle- bransetzen. um die Sache doch noch zu ermöglichen. Er kann sich ja vorstellen, in was für einer Dersassung wir hier zusammensitzen. Uebrigens ist die Dörsenzeit längst vorüber, und wenn selbst andere Hinder­nisse vorliegen, so wird er es schließlich mit einem dringenden Gespräch versuchen."

Was kostet das?" schluchze Mama.

Den dreifachen Betrag, fünfzehn Mark. Ich möchte schon hundert Mark zahlen, wenn'- blob erst vorbei wäre!"

Bei diesen schwindelnd hohen Zisfern muhte Mamas Riechfläschchen wieder in Aktion treten, während Tante Henny ihrem Erstaunen über die Kostspieligkeit einer solchen Verbindung durch verstärkten Eingriff in die Despervorräte Aus­druck gab.

Dim. bim, bim! wieder klingelt eS, und wie eine Rakete fuhr Laura auS dem Korridor! .Hetzt ist er'S aber wirklich. Madam, ich hab' so eine Ahnung!"

Fräulein Selma wieS sie zurecht: .Sie sind schon ganz verdreht. Laura, daS war ja an der Entreetür. öffnen ÖJe lieber"

Richtig, am Entree hatte eS geläutet Ein Telegramm!

Dordeaux, 2 30 Minuten.

Telephon-Anschlib unmöglich, be­find e mich nohl. Kerzliche Gruse.

M o m i h.

Die üblichen Duchstabensehler bei Depeschen von jenseits der Vogesen Aber die Entzifserung geriet trotzdem verhiltniSmähig schnell, und wie weggeblasen war die peinvolle Spannung, die auf der Familie gelastet hatte. Mit einer Freu­de nträne im Auge betrachtete Mama daS 'Blatt worauf ihr geliebterMomih"kerzliche Gruse" sandte.ES ist doch beinahe ebenlo. alS wenn ich seine Stimme wirllich gehört hätte, unb ba- bei doch bedeutend billiger."

Noch befriedigter äußerte sich Tante Henny, alS sie mit ihrem Gatten da- HauS verließ. Sie sand so eine Famillentelephoniererei Zwischen 3n- (anb und Ausland geradezu entzückend, man könne sich dabei einmal ganz gründlich ausplaudem. und eS mühte nur bei der Wiederholung einer so'.chen Gelegenheit von Ansang an für etwas mehr Napfkuchen geforgt werben

Den Akiba-Wort zurust: .Alles schon bage» wesen", hat nichts Derartiges aufzuweisen. Auch im ersten Hahrtausend nach Ehriftus noch muhte

Das Telegrapho«.

Das Telegravhon ist eine Art Phonograph, der in sinnreicher Weise mit einem gewöhn­lichen Fernsprechavvarat rerbunb.n wird Durch Einschalten des Te!egraphonS werben die Ge­spräche aus eine WachZwalze, die von einem Heinen, an die Lichtleitung angefch o'senen Motor gedreht wird, eingegraben, und können nach Ab­schaltung des Apparates beliebig oft wiederholt und zur telephonischen Fernübertragung benutzt werden. D e Erfindung ermöglicht a'so eine vor­zügliche Kontrolle über die bet Telephongesprä- chen getroffe.ien Dere nbarungen. Eine der wich­tigsten Teile bei dem neuen Apparat ist di» Elektronenröhre, die au her in der Funkentele­graphie auch auf vielen andern Gebieten Triumphe feiert

Plötzlich gab es ein lautes Klingelzeichen am I stolz sein, denn er ist eine Erfindung der neueret Telephon. Alle mit Ausnahme von Tante Zeit, und das Altertum, das sonst in so Dielen Henny sprangen auf, das Wehen eines weit- sn ..*k

wollte, unb erst im Gefolge des PdzluxuS. den die Kreuzzüge durch ihre engere Verbindung mit dem Orient brachten, ist der Muff entstanden. Der Geschichtsschreiber des Muffs, der bekannte sranzösische Kulturhisivriker Octave Uzanne. findet ferne frühesten Spuren in Venedig des 14. Jahrhunderts: damals trugen die deaanten Herren unb Damen der Lagunenstadt bereits so umfangreiche Aermel, bab sie in ihnen zu­gleich kleine Hunde mit sich führen konnten, unb ein Gemälde des Quattrocento zeigt uns eine Schöne, bic ihrem Freunde zwei niedliche in ihren 2er- meln verborgene Hündchen vorweift AuS dielen runden, pelL>esetztcn Aermeln. in die man die Hände steckte, ist nun der Muss entstanden, denn bic zusammenstobenben Pdzärmd »ernten biefe Form. 3m 16. Hahrhundert finden wir lei Muff in F alr tch dcr.its &du:lg als KlechungSsiück der vornehmen Dame, unb zu Anfang deS 17. ist er auch bet uns so verbreitet, dab schon die Prediger dagegen zu eifern an- sangen.

.Schlüpfer" fceibt der Muff auch noch bis inS 18. Hahrhundert hinein, und da» Frauen­zimmer-Le xilon des Amaranthes. dieses Spiegel- bild deS FrauenlcbenS im frühen Rokoko, oe- schreibt den Muss tolgcnbermahcn: .Ein rund gewölbter, hohler Heber ug, worein das Frauen­zimmer Winters-Zeit über die Hande zu stecken pfleget, wirb auf allerhand Art verfertigt, als:

Neuigkeit auch direkt erfahren müssen. Aber seit­dem Der 'Brief ihres Druders im Elternhaus ein- jetroffen war. befand sich Fräulein Selma in olcher Aufregung, bah sie den Besuch im Du- reau verabsäumt hatte.

Zwerner- setzten sich an dem nämlichen Tage schon um zwölf Uhr zum MittagStisch.damit wir auf alle Fälle rechtzeitig fertig sind" batte Mama Zwernet gesagtvidleicht verfrüht er sich mit dem Telephonieren." Und so sahen sie denn von ein Uhr ab und warteten, die Ellern, bic Tochter Selma und beren älterer Drüber Hugo, ber 'Berliner Student, der sich auf Ferien im Hause befand. Schon beim Kompott bekam Mama Zwerner einen sanften Weinkramps.Gott, mein geliebter Hunge!" schluchzte sie.seit einem ganzen Hahre ist er fort von unS, so weit in Frankreich und jetzt soll ich mit ihm reden hier im Zimmer werd' ich seine geliebte Stimme hören wenn ich mich nur ordentlich mit ihm auSsprechen könnte!"

Der Stadtrat Zwerner markierte den Ruhi­gen:AgneS, bu gehst natürlich zuerst ans Tele­phon, bas ist Mutterrecht. Ader schliehlich find wir auch noch vorhanden, und mehr wie drei Minuten hat er nicht für das Ferngespräch. Also frag ihn, wie S ihm geht, und dann Iah unS auch ein bihchcn an den Apparat."

Wieviel muh er bezahlen in Dordeaux?" fragte Mama, immer noch leise weinend.

So eine Verbindung kostet fünf Mark, so­viel ich weih; er bezahlt natürlich in franzö­sischem Gelbe, etwas über sechs Franks. Das kann er sich schon einmal leisten. Er hat ja ein hübsches Gehalt in bem Weingeschäft . . .

.Eigentlich ist eS doch 'ne Verschwendung", meinte Mama, etwas gefahter.Gestern schreibt er und heute telephoniert er. Unberufen. eS geht ihm gut, daS wissen wir Gott sei Dank. Wozu telephoniert er?"

Die Antwort wurde durch ein laute- Klingel­zeichen abgeschnitten. Die ganze Familie fuhr in die Höhe. Es war aber nicht das Telephonge­läute. sondern die Entreeklingel, die den Desuch von Onkel Samuel und Tante Henny anzeigte.

Lieber ein bihchen zu früh alS zu spät", sagte Onkel Samuel,wir haben auch schon ge­gessen und wollen mit zuhören, wenn Moritz telephoniert." Gleichzeitig erflärte Tante Henny, bah sie solange zum Kassce bablciben würde. Das Dienstmädchen Laura wurde fortgeschickt, um nebenan beim Konditor sehr viel Kuchen einzu­holen. Denn das muhte man in der Familie, wenn sich Tante Henny erst zum Kaffee nieder­setzte, das geriet Immer reichlich.

Dald Darauf erschien auch Rechtsanwalt KrebschEr hat doch nicht am Ende schon . . .?"

Nein", sagte Mama Zwerner.es fehlen ja noch fünf Minuten an Zwei"

Das kann auch noch etwa- länger dauern".

sind aber immer die Malereien, die bei einfach flächigen Wänden hier ein Band, Dort ein Orna­ment ober eine Plastik fröhlich Herausstellen. Auf einmal hat bann folch HauS ein gute« Gesicht.

Auch an jene bebenkliche Verblendsteinbauten aus gelben oder gianzroten Ziegeln mit irgend­einerRenncussance'-Stuckomamenttk wagt sich Taut unb der KreiS seiner Schüler. Solch ein meist beleidigend kläglicher Kasten scheint gar nicht zu retten zu sein Und doch: wenn man den Stuck frisch und fröhlich bemalt und in etwa zum Rot ober Gelb beS Unglückshauses stimmt, auch ein paar anbre Töne hineinspiell. bann kann so ein HauS auf einmal beinahe vornehm drein schau en.

ES ist nicht alles gelungen in diesem Farden- spiel Allerlei Härten sind aufgetreten und war­ten auf die mildel-nde Patina deS Staube- Neuerdings auftauchende kubistisch-expressioni - stische Richtungen, die mit der Struktur eines Hauses rücksichtslos umspringen, haben die schon weithin gewonnene Bürgerschaft zu erneutem Wi- derspiuch aufgeruten. Und abermals rumort es sehr lebhaft nicht nur in den Eingesandt- der Zeitungen Don solchen Entgleisungen aber ab­gesehen^ ber Gedanke selbst ist gut und hat sich schon jetzt sieghast durchneseht. Wir werden wohl nicht nur beim bunten Magdeburg bleiben. Denn wo ist in unfern Städten nicht jene Neustadt auS der Zeit zwischen 1370 und 1910, an Entartung und Mihgestallung die eine immer noch trauriger als die andere f Hier bat Farbe Ihr Feld Und auch die kranken müden Innenräume. Treppen- röume. Hallen. Dielen,SalonS" sie rufen nach kräftigem Pinsel Taut lieh z. D. in Magde­burg die ganze Haupttreppe des Rathauserweite- rungSbaues von 1830. eine jener kalten Säulen- architekturen klassizistischer Prägung, bemalen: strahlend, flammend, mit vielen ungebrochenen Tinten (unb mit feinster Abwägung ber Tö­nungen). Und abermals, siehe ba, es war ein Erfolg! Aus trübem Nicht- wurde ein bewegtes Etwas.

Wir stehen heute im (Bauen unb Im Dau­erhallen aus Notwendigkeit fern vom Luxus der echtes" Material früher bedeutete unb verlan' te. Die Farbe wird unS ein freundlicher Ersatz, Einer, der ganz frei von bem bltternBeige- schmack ist. Den da- Wort heute hat Wdche Stadt wird also die zweite sein wollen, die unter lAt .Bunten" geht?

entnommen, einer überaus reichhaltigen und viel-1 fettigen Sammlung b Iteier Dichtungen bekannter j und berühmter2utorea,

Flor. Tuch, Sammet. P'ü'ch ufw. In Aug-burg wird er ein Schliffet genennet. in Nürnberg ein Stauchrr. in Ulm b-.iht er ein Schlüpfer und wird insgemein mit ©tijei bebräm.t Damals hatte sich die Herrenwelt, die ja in Modesachen noch nicht so bescheiden hinter den Frauen zurückstand, des Muffs bemächtigt, und noch mehr al- zur Winterkleidung der Frau gehörte der Muff zu der des ManneS. der auch im Salon mit einem Muff bekleidet erschien zumal die kurzen Spixen- ärmel der damaligen Herrentracht den Arm ent- blöhten. Um 1700 trägt der Mann von Well den Degen an der Seite, den Stock in der Hand, den Hut unterm Arm und den Muff vor den Leib gebunden, um jeden dieser Gegenstände im rechten Augenblick benützen zu können Der Muff war damals zu einem unentbehrlichen Toiletten­gegenstand geworden, und die Damen führten auch wieder ihre Schobi.ündchen In diesem war­men Behälter mit sich Dieser Barvckmuss von gewaltigen Dimensionen, der aus buntem Leo­pardenfett oder schwerem, leuchtenden Samt be­steht, hat grobe Schleifen sowie dicke Quasten und Troddeln zur Verzierung. 3m Rokoko wird der Muff Heiner und koketter, verliert aber nichts an Beliebtheit. Die GoncourtS haben uns über den raschen Wechsel dieser Rokoko-Musfmoden unterrichtet und gezeigt, wie sie von den ril­ligen Formen, die säst biS zur Erd« gingen, zu den kleinen .Kätzchen" genannten Mussen zu- samenschrumpsten. die kaum Die Finger bedeckten. Ilm diese Zeit. d. h. um etwa 1780. wird auch der Muff für Herren wieder modern und zwar im Zusammenhang mit der englischen Mod«. Sie bringt wieder bic ganz groben Muffs aus weichem seinen Pelzwerk, die GainZborough und Reynolds mit so unnachahmlicher Feinheit gemalt haben. Das 19 Hahrhundert hat keine neuen Mus!ormen geschaffen; es wiederholt in buntem Wechsel die Moden der Vergangenheit, nur bab sie dem Mann ben Muff verbietet, und bas 20. Hahr- hunbert tut bas Gleiche.

Die bunte Stadt.

Don Erich FeldhauS, Magdeburg.

Mit einer Selterwasserbude fing es an. Diese Art Heiner HäuSchen sind in ganz Deutschland funb der andern Well dazu) von Holz mit aller­lei Drechselschnickschnack. Unb ihre Farbe ist grau, braun, grünlich kurzum neutral, biskret. Man kann auch langweilig sagen. Bruno Taut wenig­stens. einer ber groben Sucher unter den jungen deutschen Baumeistern, empfand es. Und als ihn bic Stadt Magdeburg berief, ihr Stadtbaurat zu werden, er aber so in aller Eile nicht gleich etwas zu bauen bekam (er hat es inzwischen an bedeut­samen Plänen nicht fehlen lassen), da schlenderte er durch die St rasten hin und fand alle- grau in grau. DaS ist überall so in ben Städten, die nich: vom Backstein ihre Farben hemehmen oder 'pon buntem, geschnitztem Holz. Wo ber Stuck herrscht und auch ber edle Sandstein macht keine Ausnahme ist die Stadt, sind ihre 'Bau­ten, die monumentalen und die schlichtesten, grau. Wir meinen heute. eS müsse so fein, weil eS von alter- her sei, waS nicht überall der Fall war. Am End«: grau scheint doch so zweckmäbig, deS ÄaubeS und de- Ruhe- halber.

Taut meinte ander- ör steht mitten in ber Bewegung derer, diemit rubinrotem Glas flam­mende Paläste" errichten möchtett. Gr will die Farben, die nur noch ber Süden so kindlich froh um sich wie einen leuchtenden Mantel schlug, in unser angebliche- Dunst» und Nebelland (in dem doch die Sonne oft so wundersam goldig leuchtet) tragen?

Mit jener Selterwasserbude fing allo der Streit an. Denn ein Streit wurde eS. aufgeregt schwirrten die Leute über ben mehr alS taufend» jährigen Allen Martt. aus bem lustig lachend, blau, mit etwa- gelb, rot unb Weib da- harm­lose Häu-lein stand (unb annoch steht), gerade im Angesicht des ehrwürdigen Kaiser- Otto, de- ältcften deutschen Reiterstandbildes. Der Kaiser drehte sich vor Schreck nicht etwa um. denn er ist seit undenklichen Zeiten schon so etwas wie bunt, edelvergoldet nämlich. Aber trotz dieses guten DeispielS: man fragte doch ein paar Wochen lang aufgeregt:Haben Sie schon gefehen? Kann man benn das? Ist bas denn schön?" Das Un­wahr! chinl ich«. hier ward - Ereigni-: eine Selter- Wasserbube war Tagesgespräch Strabenbahnen. Kaffeegärten, Theaterfoyer- klangen vom Für unb Wider. Und in ben Zeitungen rauschte es! Und rauscht noch bi- zu dieser Stunde.

Denn der Mann deS schnellen ZupackenS nahm sich nun d i e Häuser selbst vor. Erst zwei auf dem prächtigen historischen giebd- prangenden Breiten Weg (der Leipziger Strabe. Zeil ober Hohen Strabe Magbeburgs). Ganz schlich'e AllerweliSbauten. die sowieso angestrichen werben sollten, irgendwie weiblich-grau ober gräulich-weih ober gelblich-braun ober bräun­lich-gelb (Erbsensuppe" nennt eS Taut) erhielten statt dessen ein Gewand auS Rot mit ®atn oder sattem Braun mit Violett. Die harmlosen Stuck- ornamente oben wurden farbig angelegt und hinterlegt. Und siehe ba: eS war nur ein Staunen darüber, wie solch?- Tun den Häusern genutzt habe. Sie sehen nun nach etwa- auS: selbstbe- toubt eigenartig.

Und da ging man an ein Anstreichen! Noch nie ist mit solcher Lust in einer Grobstadt ge­pinselt worden Die Nkaler machen Geschäfte und willen nicht, wie bic Aufträge bewältigen. (Ob­wohl sie zunächst Im Gefühl ber Beharrung encr- gllch widerstrebten und erst in mancher Sitzung .belehrt werden muhten!) An die hundert oder >nehr bunter Häuser gibt es nun schon in Magbe- jburg Man wurde immer mutiger und schlug auch hier und ba einmal über bic Stränge. Die »Fenstergewänbe malte man kräftig blau mit roten Streifen ober grün mit gelb, bic alten Darock­voluten leuchten rosarot. Oasen auf Giebeln hoch, die nlemanb sah. erstrahlen in flammenden Tinten Mitunter ist schon ein halb Dutzend kleinerer Häuser in einer Strabe nebeneinander bunt ge­wandet Und da Aeigt sich dann, dab die allzu lebhaften Töne sich gegeneinanber dämpsen und Dissonanzen weniger hart Hingen. Am schönsten

/ich um seinetwillen gelohnt haben würbe, hier- frergefommen zu sein. Man war so gut wie sicher, bab sie wenigstens ben Platz am Telephon nie- nanb streitig machen würbe.

Wenn man bcbenlt", nahm Hugo, der Stu blosuS, das Wort,bah wir hier in Lanb-berc» sttzen und Moritz in Dorbeaur. unb bab nur -lötzlich bic ganze Entfernung auf Null reduzier' vlrd. ES Ist einfach patent r

Ihr jungen Leute könnt gar nicht mitreden" versetzte Onkel Samuel.Ihr seid mit dem Tele­phon aufgewachsen, aber ich besinne mich noch, wie die Sache neu war. In den siebziger Habren. - gelacht hat man zuerst darüber; amerikanischem Schwindel. Humbug, hat es geheihen. Zu 0»r. stehen ist es boch auch wirHich nicht. Ich bi" yier. mein GeschästSfreund ist in DreSlau unb erzählt mir einen guten Witz; der fliegt hinweg über Meseritz. Deutschen und ßiffa. so waS kommt doch in allen Grimmschen Märchen zu- sammengenommen nicht vor."

UebrigenS ist es schon bald drei Uhr", schal­tete ber Studio ein.

Um Gottes willen", kreischte die Mama auf, es wird doch Mvnh kein Unglück passleN sein?!"

Der Stadtrat beruhigte sie:Du kannst dir doch denken, Agnes, bau da eine Heine Ver­zögerung sehr gut möglich Ist. Erstens Ist Dörsen- zell . . "

DaS erklärt alle-", schaltete ber Onkel ein. so lange wie Dörse ist. kommt kein Menschran. wenn er nicht dringendes Gespräch anmdbeL Vor vier wird - wohl nicht- werden."

Tante Henny dividierte im Gdste die Zeit biS vier Uhr durch einen in vielfachen persön­lichen Experimenten gewonnenen Div sor und ge­langte zu einem höchst erfreulichen Quotienten in Form zahlreicher Kasfeetassen und Kuchenstücke.

Aber ber übrigen Gesellschaft hatte fich be­reits eine erkennbar« Unruhe unb Nervosität bemächtigt.

) Au- Senfs» GeorgisDa - lustige