aizfßau utdTfeb» Ehre verknSpft ift Was man Frankreich auch vorwerfen mag, eS verfvlgr kern IBerf der Lache. Aber stark m seinem Recht, verfangt eS. daß das Werk wiedergntmachender Ge- rr-chligkeit, dessen Bedingungen Deutschland an* genommen hat, auSgeführt wird. Dartbou richtet dann heftige Angriffe gegen das i m verialistischeDeutschland, das nichts gt> lernt und nichts vergessen habe und fährt fort: Es gebe vielleicht noch ein anderes Deutschland, dvÄ erklärt habe, von demokratischen Gefühlen beseelt ?,u sein und behaupte, in sich den alten militärischen Geist getötet ftu haben. Der Minister sagte. Obschon die Lehre von 1914 uns ein wenig ungläubig gemacht Hot, sprechen wir Deutschland nicht das Lecht ab. unS durch Daten zu überzeugen. Es wäre, sogar ungerecht und ungeschickt, nicht anzuerkennen, daß die deutsche Regierung, an der Spitze Reichskanzler Dr. Wirth, Beweise ihres guten Willens gegeben hat. Aber inmitten be« deutender Schwierigkeiten kann die deutsche Regierung zweifellos nicht alle-, was sie will. Mögen ihre Absichten sein, welche sie wollen, ihre Ohnmacht kann nicht als Dor wand für ihren Berzicht dienen. Frankreich hat den Frankfurter FriedenL- nertrag auSgeführt. Deutschland muh den Ber- sailler Dertrag ausführen. Allein durch seine AuS- führung, die schon durch lange Fristen verzögert ist, wird es Beweise für seinen guten Willen bringen. Deutschlands Demokratie, wenn sie mit uns weiter den Weg einer loyalen und dauerhaften Annäherung verfolgt, der Hindernisse entgegen- stellen zu wollen, wir weit entfernt sind, muh beweisen, was sie will und wohin sie geht. Frankreich wird weder auf die Dntwaffnuna verzichten, welche die Garantie für seine Sicherheit ist, noch auf die festgesetzten Zahlungen, welche die Bedingungen für seinen industriellen und finanziellen Wiederaufbau bllden.
Die Tagung der VoMerbundsversammlung.
Genf, 10. Sept. (Wolff.) Auch in der heutigen Sitzung der DölkerbundSVersammlung wurde der Bericht des Bölkerbundsrates werter diskutiert. Don der Derscunmlung lebhaft begrübt, sprach heute zum ersten Male der österreichische Delegierte, DrafMensdvrf, der dem Dölterbunde herzlichst dankte für die entgegenkommende Hilksaktwn zur finanziellen Wiederaufrichtung Oesterreichs. Der jugoslawische Dertreter Spalaikowitsch sprach über Die Frage des Schutzes der Minderheiten und über den Konflikt mit Albanien. Er wies den albanischen Protest beim Dölkerbund gegen Jugoslawien zurück und sprach sein Bedauern barüber aus, bah Albanien durch die vorjährige Dölker- bundsverfammlung überstürzt ausgenommen worden fei. Dach ihm sprach Balfour (England), der in herzlichen Worten die bewunderungswürdige Tätigtest deS Deneralfekretariats rühmte. Er tadelte Nm jugoslawischen Delegierten, daß er alte Streitigkeiten wieder aufrolle, und bedauerte, daß ein so bekannter und hochverehrter Mann wie Branting dem DöllerbundSrate vvrwerfe. er mache den Eindruck einer Organisation einer Gruppe von Großmächten. Die Enttäuschungen Lord Robert Lecils über die geringen Fortschritte in der Abrüstungsfrage seien berechtigt. Die Welt trage weiter mühsam an dem Gewicht ihrer Lüstungen, aber doch seien Fortschritte zu verzeichnen. Man dürfe nicht die Schwierigkeiten vergessen, die Larin liegen, daß nicht alle Mächte dem Dölkerbund beigetreten sind und auch nicht abrüsten. So entbehre man nicht nur ihre Ratschläge, sondern auch ihre Autorität bei den Arbeiten deS Dölkerbundes. Balfour verwies auf die erfolgreiche Tätigkeit deS Bundes bei der Regelung zahlreicher Konflikte, bei der Gründung dcL internationalen Gerichtshofes und auf seine Arbeiten zum Wohle der Menschheit. Balfour fragte, wer sich mit all diesen Arbeiten beschäftigen würde, die dem Böllerbunde in dieser Hin- flFmt beschäftigt haben und auch weiterhin beschäftigen werden. Schließlich sprach noch der -Präsident der Rote-Kreuz-Kommisslon Ador (Schweiz), der sagte, daß nach seiner äleberzeugung oa6 geplante Hilfswerkfür Rußland zum erhofften Erfolg führen kömte, wenn die rufsifche Regierung ihre Versprechungen loyal auSführe. Er lehnte eS ab, daß die Hilfsaktion für irgendwelche politische Zwecke ausgenutzt werde. Die Sitzung wurde daraus kurz nach 1 Ähr geschlossen. Die Rede des Vertreters Oesterreichs.
Die Rede des Grasen Mensdors in der heutigen Böllerbundssihung erregte naturaemäh allgemeines Interesse, weil zum erstenmal der Dertreter eines Staates, mit dem die Entente im Kriege gestanden hat, da« Wort ergriff. Mens- dorf, der französisch sprach, gab einen ileberblicf über das Hilfswerk des Dölkerbundes für Oesterreich und die ungemein schwierigen Verhältnisse, in denen sich das österreichische Doll befindet. Mensdors sagte u. a.: Mein österreichisches Doll, das auf seine eigene Kraft angewiesen war und den größten Teil seiner natürlichen Hilfsmittel verloren hat, konnte feine wirtschaftliche und finanzielle Wiederaufrichtung nicht vollziehen. So erschöpft es auch durch die beispiellosen Leiden ist, die dem Friedensschluh folgten setzte doch das österreichische Doll seine gesamten Hoffnungen in den Mut und die eigene Kraft, auf friedlichem Wege den Wiederaufbau seiner wirtschaftlichen Existenz zu ermöglichen. Trotz des Lebensmittelmangels ließ dieses Doll, von dessen sechs Millionen Einwohnern eine Million organisierte Arbeiter sind, sich zu k e i n e n e r n - ft c n Unruhen hinreißen, 3m kritischsten Augenblick deS Lebens wußte es die Ordnung zu bewahren In mutiger Resignation lieferte es den Beweis eines starken Willens, der überall das kann man wohl sagen — anerkannt und qctoürbigi wurde. Mensdorf bezeichnete in seinen weiteren AuSfllh ungen die Geldentwertung als eines dc> gefährlichsten Symptome der augenblicklichen Zustände in Oesterreich. Trotz aller Anstrengungen, durch höchste Steuern den Staatsunterhalt zu bestreiten, könne die österreichische Regierung die steigende Papiergeldflut nicht auf- halten. Wir brauchen die Hilfe derjenigen, welche die Urheber und Wächter der neuen politischen Gestaltung Europas find, deren Aufgabe und Verantwortlichkeit darin besteht, neue europäische Strukturen aufzurichten. Mensdorf sprach den vom Döllerbunde mit dem SanterungSwerk in Oesterreich beauftragten Persönlichkeiten volles Derlrauen aus. Sie feien von aufrichtiger Sympathie für die Leiden Oesterreichs erfüllt. Wir c clangien die Acberzeugung, daß alle Maßregeln ergriffen sind, damit Oesterreich dank der eigenen Energie und der ausländischen Hilfe ein unabhängiger- Dasein sichren Innn. Hierzu kommt die
^leberzeugung. dah die Erhaltung der Stadt Wien, die ein traditionelles Zentrum für Bildung, Kunst und Handel ist, von europäischem unb Weltinteresse ist. Mensdorf wies lebhaft darauf hin. dah wenn man die Derzweif- lung Oesterreichs bekämpfen wolle, die Ausführung des Finanz Programms beschleunigt werden müßte. Wenn das Hilfswerk gelinge, sei Oesterreich von neuem ein wichtiges Glied in der Dölker- famille, der eS die Schätze feiner alten Kultur und seine reichen Erfahrungen, die es aus feinen Leiden schöpfe, zur Verfügung stelle. Mensdorf schloß seine Rede mit einer starken Dertrauens- funbgebung an den Dölkerbund. Er gab die Der- sicherung ab, daß Oesterreich von Dankbarkeit und großem C3ertrauen zu dem Dollerbunde beseelt sei, daß der Dölkerbund Oesterreich die Grundlagen für eine ehrenwerte Existenz in der Zukunft bestimme.
Die Rede Mensdorf, der es sorgfältig vermied, irgendwelche Kritik an dem FriedenSver- trage und dem früheren Gegner zu üben und die gegenwärtige politische Lage ebenfalls außer acht ließ, wurde mit warmem Beifall, an dem sich auch die Gntentedelegierten beteiligten, aufgc» nommen.
Harding und der Völkerbund.
Paris, 10. Sept. Nach einer 5)0606* Meldung aus Washington ist auf Erkundigung im Weihen Hause über die Möglichkeit eines anderen DölkerverbandeS als Ergebnis der trächsten Washingtoner Konferenz geantwortet worden, dah die Entwaff- nungskonnnisfion selbst nur eine Bereinigung von Böllern sein werde. Präsident Harding wünsche nicht, die Entwaffnungs-Konferenz mit allzu dielen Fragen, die nicht auf den eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung Bezug haben, zu überladen. Nach einer weiteren Meldung wird die Entwaffnungsfrage nur von den fünf Großmächten Groß-Britannien, Frankreich, Italien. Amerika und Japan besprochen werden. Die chinesische Delegation werde an den Beratungen tetlnehmen, wenn )te Frage des äußersten Osten besprochen werde. Die Delegierten Belgiens und Hollands und der anderen Nationen werden gleichfalls zur Konferenz zugelassen werden, wenn ihre Interessen m fernen Osten berührt werden. Man habe klar zu verstehen gegeben, daß die Konferenz nicht den Delegierten aller Nationen offen stehen würde.
Neue Verschwörungen in Ruhland.
Kopenhagen, 10. Sept. (WTD.) Der »Berlingske Tidende" wird aud Henlsmgfocs telegraphiert: Jede ©enbung Zeitungen auS Rußland enthält Berichte über neue Derschwörunten gegen das Svwjetsystem. Sie neue» len Zeitungen berichten, daß in der Ostsee- lvtte eine neue Derschwörung entdeckt wurde. 400 Offiziere wurden verhaftet und nach Moskau überführt. Eine Offiziersverschwörung wurde auch in Moskau entdeckt und hier 180 Personen verhaftet.
Sowjctregieruug und Studentenschaft.
Kopenhagen, 10. Sept. (WTD.) »Politiken' meldet: Zwischen der Svwjetregte» rung und den Studenten inMoSkau kam eS kürzlich zu einem Streit, der dazuführte, dah den Hochschulen jede Spur Autonomie genommen wurde Don den Studenten wurden 362 verhaftet und in Provinzgefängnisse gesteckt. Der Streit begann damit, daß die Sowjetregierung einen Kongreß nach Moskau einberufen hatte zur bolschewistischen Reformierung des Hochschulwesens. Da die nichtkommunistifchen Studenten in der Mehrheit waren, wurde der Kongreß aufgelöst und eine große Anzahl Derhaftungen Dorgenommen. Am folgenden Tage Derfninmertcn sich die Studenten vor der Uniöerfltät und trugen Plakate, aus denen stand: Wir verlangen die Freigabe unserer Kameraden! Cs lebe die autonome Hochschule! Die Demonstranten wurden von Soldaten mit Gewehren beschossen. Kurz danach ließ die Sowjetregierung alle Hoch- s chu l e n schließen. Die Sowjetregierung führte jetzt eine älniversitätsreform durch, nach welcher die Regierung die Aufsicht über alle Hochschulen führt. Die früheren Professorenräte wurden abgeschaftt.
Rücktritt des polnischen Kabinetts.
Paris, 10. Sept. Nach einer Havasmel- dung aus Warschau ist das Kabinett N i - tos wegen der finanziellen Schwierigkeiten des Staates zurückgetreten. Wie die „Liberte" meldet, beabsichtigt man in parlamentarischen Kreisen Warschaus die Bildung eines Ministeriums der parlamentarischen Einigung, das aus Sozialisten bestehen soll.
Die Untersuchung der Unruhen in Mitteldeutschland.
Berlin, 10. Sept. (Wolff.) Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages setzte heute die Dernehrnungen über den Märzauf- sta n d in Mitteldeutschland fort. Reichs- kommisfar Peters bekundete: Die Entwaffnung wurde wie im übrigen Reich gehandhabt. Die Erfassung zeitigte dort große Erfolge, da in diesem Gebiet zahlreiche Gewchrfabriken liegen. Es ist falsch, daß nur die rechtsgerichtete Bevölkerung entwaffnet worden ist. Die auf freitoi|? *iu2Ibga6e folgenden Durchsuchungen hatten in üt, Provinz Sachsen gleichmäßig geringe- Resultat, lieber die Rote Armee bekundet der Zeuge, sie könne ganz lokal entstanden fein. Auf der anderen Seite stehe fest, daß eine Reibe von Führern gesehen wurde, die nachher plötzlich verschwand. Das fei ein Zeichen einer gewissen darüber stehenden Organisation. Aus die Frage des Dorsiyenden. tote es komme, daß Gersdorfs in der Frage der Waffenablieferung ein ganz anderes Bild gebe, äußerte sich der Zeuge dahin, daß die Angaben Gersdorsss möglicherweise auch darauf beruhten, dah bei der freiwilligen Waffenablieferung viele Wafscn- inhaber ihre Waffen nicht da ablieferten, wo sie heimatberechtigt waren. Weiter bekundete der Zeuge, die Angaben, als ob in den alten Schächten der Provinz größere Waffenmengen versteckt lagen, träfen nach seinen Informationen keines'
weg- zu. Auch in den natürlichen Hohlen der Wans selber unb Eislebener ©egenb feien große Waffenlager nicht vorhanben gewesen. Auf Be» cagen erklärte ber Zeuge, er p^sönlich schätze bic Zahl ber illegalen Waffen nur auf 12 000 in ganz Deutfchlanb.
In der weiteren Vernehmung des Unter» luchungsausschufses des Preußischen Landtages bekundete bzr Reichsentwa fnur.gSkvmm f ar, Dr Peters, auch Belohnungen bis 10 030 Marl "hätten bei der Säuberungdattirm kein großes Refullat gehabt, so daß eine niedrige Schatzung der illegalen Waffen sich dadurch rechtfertige. In Suhl. Zella, Mehlis usw. dürften jetzt feine Gewehre mehr bergcfleEtt werden. Auf Befrage n erklärte bei Zeuge noch, er halte es für möglich, baß eine Organisation nach der Art der Roten Armee längere Zeit unentbedt bleibe.
Oberregierungsrat Freyling. der beim Oberpräsidium in Magdeburg das politische Referat inne hatte, bekundet, mit Spitzeln arbdtetete er nicht. Eine genaue Kontrolle der Ausländer war ganz ausgeschlossen. Auf Befragen bekundet der Zeuge, nur in Halle habe er eine Geldfendung von 1 Million aus Rußland festgestellt. Davon find 150 000 Mart nach Erfurt gegangen, 50 000 Mar! wurden zu Haus- oder 3eitung&intauf verwendet. Der Staatsanwalt habe bic Unterfudjung eingestellt. Die vom Oberpräsidenten Hörsing angegebene Zahl von 2000 bis 3000 agitatorisch tätigen Ausländern fei Wohl zu hoch gegriffen. Sic Angaben über Waffenlager, sowohl von rechts wie von links, bestätigten fich meistens nicht. Brr größeren Lagern, die man entdeckte, wiße man nicht, ob es sich um solche von rechts oder links banbeU. Aach dem Aufstande feien leine größeren Waffen- unbe mehr gemacht worden.
Sie nächste Sitzung findet 'Dienstag statt. Zu dieser ift eine größere Anzahl von WerkS- bireftoren und Betriebsräten geloben worben.
Der griechisch-türkische Krieg.
London. 10. Sept. (Wolff.) Die ,.Mor- ning Post" meldet aus Athen: General Sttätig o s vom griechischen Generalstab traf hier von der Front kommend ein pnd hatte eine Un- terredung mit dem Ministerpräsidenten, dem Minister des Aeußern sowie mit dem Finanzminister. denen er die augenblickliche m i li - tärischeLage eingeheiü) auSeinandersetzte. Nach dieser Unterredung erklärte der General gegenüber dem Bertreter der „Morning Post", es sei beschlossen worden, die Unternehmungen der griechischenHeereein» z u st e l l e n, um den Truppen eine Ruhepause zu geben und die Borbereitungen für die Versorgung des Heeres zu Ende zu führen. Der General erklärte, die Moral der Truppen sei ausgezeichnet und die Offensive werde bald wieder aufgenommen werden. Premierminister GuuariS gab gleichlautende Erklärungen ab.
tKonftantinopel. 10. Sept. (Wolff.) HavaS. Die Schlacht östlich des ealarta dauerte etwa 10 Tage. Seit dem 1. September ist sie endgültig abgeschlossen. Seither herrscht verhältnismäßig Ruhe an der ganzen Front. Nach der Ansicht ausländischer Offiziere. die die Schlacht verfolgen, hat ber auf Die Vernichtung des nationalistischen Heeres gerichtete, griechische Angriff nicht zum Ziele geführt. Das einzige Ergebnis ist die Besetzung der Befestigungen der ersten türkischen Linie durch die griechischen Truppen. Die griechische Armee drang östlich des Sakaria ungefähr 15 Kilometer vor. Nach türkischer Auffassung hat der griechische Generalstab nur die Wahl, entweder die Offensive fortzusetzen, oder sich auf die Linie GSkischehir-Said Ehari zurückzu- Cziehen.
Aus dem besetzten Gebiet.
Ein unerhörter Eingriff in die deutsche Verwaltung.
S u i 6 b u r g, 9. Sept. Ser Duisburger OrtS- delegierte überraschte die hiesige Stadtverwaltung mit nachfolgender Derfügung: Duisburg, den 5. 9. 21. An den Oberbürgermeister von DrnS- burg! Einer Anordnung deS Kommandierenden Generals des Drückentopfcs Duisburg Folge gebend, teile ich ergebens! mit, dah von jetzt ab alle Beamten, die neuernannt werden, aus dem besetzten Gebiet der rheinischen Provinz kom - nt c n müsse n. Abgesehen von ganz besonderen einzelnen Fällen werden in dem Brückenköpfe nur noch Ernennungen. Versetzungen, Beförderungen usw. von Deanlten, die auS dieser Gegend stammen, bestätigt werden. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese Entscheidung zur Kenntnis der in Frage kommenden Behörden bringen wollten.
Diese Verfügung übertrifft alle bisherigen Eingriffe der Desayungsbehörben in die deutsche Derwaltung. Gerade in einer Zeit, in der die Aushebung der wirtschaftlichen und militärischen Sanktionen erwartet wird, muh dieser Eingriff nicht nur die betreffenden Amtsstellen, sondern auch die ganze Bevölkerung aufs schwerste beun- ruhtgen. Es scheint sich hierbei allerdings um eine vereinzelt dastehende Mahnahme des Duisburger Orlsdelegierten zu handeln, da in anderen nieder,.heinischen besetzten Orten eine derartige Derfügung nicht vorliegt.
Frankfurter Motetteuchor.
Gießen, 10. Sept. 1921.
Das Madrigal als Zeuge turg2l)enber, aber >auch sangesfrsudiger Musilpflege vergan- genci*> Jahrhunderte uns Menschen von heute wieder nahe gebracht zu haben, gelang einer '.Bereinigung, die wir auch in Gießen hörten. Der Abend, den uns der Ztorigverein „M otetten- chvr' des Frankfurter Lehrergesang- Vereins schenkte, war ganz ber Kunstform der Motette gewidmet, und zwar mit vollem künstlerischen Erfolg. Eine Reihe sehr günstiger Dor- bebinguime» war allerdings im voraus gegeben. Der einheitliche Gedankenkreis der textlichen Unterlagen ist hrrausgewachfen und verwachsen mit dem Ort ber Ausführung, bei Kirche. Die einheitliche 5cnn der Motette wirkt trotz der Einheit des Begrifts nicht .einförmig“. Denn unter .Motette'^ yaben wir (nicht wörllich, aber begrifflich verdeutscht) zu verstehen ein Bidet- wort („Spruch") in der Dertonana für Ehor- gejang chnc Begleitung. Die eigentliche Form im engeren ©in^c ist dem Tondichter freigestellt
bcwauS ergibt sich, daß ein derartiger MoteL^ abend in dieser Hinsicht au.herorbeütüch abwechslungsreich fern kann Sv schritten denn öt£ Meist« beS 16., 17., 18. unb 19. ZahrhunbertS bis <ui! unsere Tage an uns vorüber unb fangen uaS an Tone ihrer Zeit aus dem Buche ber Bücher. DaS klang uns entgegen vpn frischen, faubertn, auf fallen b weichen unb wohlgepflegten Äabenftimmea. bas Ehvrgebäube gestützt unb grollen von btefl- famm Tenören unb runben Bässen. Sic Ehorvrb- Twng. bic Unter» unb Einordnung ber einzeloen Stimmen. Treffsicherheit, Ausführung ber Dor- tragSzeichen. Einfühlen in bas jewälige Derk überhaupt, alles unter ruhiger, sicherer Leitung Professor Fritz GamkeS. war für den Ehvr- gefangfreunb ein Genuß. Nicht unerwähnt soll bleiben, bah bic Dortragsfvlge eine reizenbe Bearbeitung unb eine eigene .Motette" deS Chorleiters enthielt. An ber Orgel saß unser einheimischer Organist O. G ö r l a ch unb meisterte sie in bekannter Weise Mit freudigem 6toh unb mit Genugtuung konnte man diesen Abend ur- deutscher edelster Kunst in bester Wiedergabe mit- erleben unb mit Beschämung mußte man Den Blick schweifen lassen über bic vielen Bankreihen, die da noch hätten besetzt werden fiSnnen. G.
Aus Stabt unb Land.
Gießen, den 12. Sept. 1921.
Die Beschaffenheit des Brotes.
Don amtlicher Darmstädter Seite wird folgende Mitteilung in ber Presse verbreit«:
..Auf Grund der Anordnung deS Reichs- Ministers für Ernährung unb Lanbwirtschaft dürfen für das auf Grund der öffentlichen Bewirt» Schäftung gelieferte BrvtStreckmittelnichl mehr verwendet werden. SS werden daher den Äommu nalnerbänben auch keine Ctref- kungsmittel mehr zugewiefen, vielmehr der volle BedarfSanteil in Mehl.
Derfchiebenc Beschwerden auS dem Lande über mangelhafte Qualität des für die verforgungsberechtigte Bevölkerung gelieferten Brotes haben den SrnährunASminlfter Liebel veranlaßt, die Äontmunalnerbanbe unb KreiSäm- ter anzuweisen, ihre sorgsamste Aufmerksamkeit ber Zubereitung des für die bezugsberechtigte Devöllerung bestimmten DroteS zuzuwenden. Sic Pvlizeiorganc haben Weisung, das für bic Bevölkerung bestimmte Brot genaueften# auf seine Qualität, sowie auch auf daS vom Kom- munalDerbanb festgesetzte Gewicht zu kontrollieren. Derfehlungcn finb sofort bei ber Staatsanwaltschaft zur Anzeige zu bringen. lieber bic Anzeigen ist bem LandeScrrräh» rungsamt Bericht zu erstatten."
Wir erfahren hierzu weiter, daß bic Ablieferung der Gctreibeumlagc in den Provinzen Starkenburg unb Qbcrhesfen bis jetzt zufrieden st elleyd ist, während von feiten der „Freien Bauernschaft" in Rheinhessen noch größte Zurückhaltung geübt wird
»
Wettervoraussage
für Dienstag:
Wolkig, strichweise Regen, kühl Winde auS westlichen Lichtungen.
AuSläufo. der im Norden vorüberziehenben Tiefs finb bis nach Mittelbeutfchlanb tiorgebrun» gen unb haben uns Niebcrfchläac gebracht Neue Sebreffionen erscheinen weftlich Irlanbs. Olad) vorübergehenber Aufheiterung wird wieder stärkere Bewölkung eintreten. Strtchweise finb Weber- schlage zu erwarten.
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* In ben Staatsdienst übernom- m e n wurden am 2 September die Z v r st W a r t e folgender Kommunalforftwarteien: Gießen II, Oberförsterei Gießen, Peter Arft zu Forkthaus Hochwarte bei Gießen' Gießen III. Oberfbrflercl Gießen, Karl Geisel zu Gießen! Laubob II, Obersörfterei Laubach. Georg Göbel VII. zu Laubach ; Butzbach, Oberförstcrei Butzbach, Heinrich Lammersdorf zu Butzbach! Hardeck, Oberförfterei Düdclsbeim. Wilhelm Laubach zu Orleshausen: Einfiebel, Oberförsterei Messel. Jakob May zu Markhaus bet Messel! Rodhelm. Oberförfterei Ober-Eschbach. Heinrich Münsterrnann zu Rodheim v. d. H.', Roäenbera-Söbel, Oberförfterei Friedberg, Emil Oberheim zu Rockenberg: Wenings, Oberförfterei Büdingen, Heinrich Oechler ^u Wenings: Langsdorf, Oberförfterei L i ch, Adam Pauli zu Lanosdors: Himbach-Hain^ chen, Oberförsterei Düdelsheim, Jakob Reichert II. zu Himbach: Büdingen I. Oberförfterei Büdingen, Karl Schmück II. zu Büdingen: •Urberach II, Oberförfterei Messel. Michac' Schwarzkopf H. zu Urberach: Ruppertsburg. Ober^ forst erei S? au bad), Karl Steinbach ?u Ruppertsburg: Lich I, Oberförsterei L i ch. Heinrich Textor zu Lich: Schaafheim. Oberförfterei Schaafheim. Adam Trautmann zu Schaafheim: Rleber-Loben, Oberförsterei Münster, Philipp Wabe I. zu Rieder-Roben: Beerfelden, Oberförfterei Beerfelden, Johann Peter Zink zu Be«felden.
„Sic Ratten" von Gerhart Haupt- a n n sind für den Film bearbeitet und werden von heute ab im Lichtspielhaus, Bahnhosstrahe, gegeben. Aus einer Flohen Reihe zustimmender Besprechungen Berliner unb anderer großstädtischer Blätter seien folgende Sätze der „Deutschen Allgemeinen Zeitung' tolebergegeben: „Gerhart Hauptmann gefilmtes Drama „Die Rotten" ist eine erschütternde Tragödie aus den bunlelnften Winkeln ber Großstadt, die sich hier entrollt. Diese Bilder finb erschüttemb unb grauenvoll zugleich. — Emil Ionnings gibt ben Bruno Mechelke wuchtig und überragenb. Lucio Höflich legt viel Lebenswahrheit in bic Arbeiterfrau Oettc John, bie aus Liebe zu ihrem Mann ein Derbrechen begeht . . . Das Publikum gab feinem Beifall oft lauten Ausdruck."
Die Dersteigerung d es KreiS- slraßenobstes findet vorn 13. bis 17. September statt Einzelheiten finb auÄ einer ausführlichen Bekanntmachung des Anzeigenteils cr- fichtlich. „
" Die älcberhandnahme der <)eld» d i e b st ä h l c hat das Ministerium dos Innern veranlaßt, eine besondere Verordnung fürga uz Hessen zu erlassen, wonach int September unb Oktober das Betrete nderFeld- gcntorlungen außerhalb der Landstraßen und der öffentlichen Dcrbindungswege auch den Bc» sihern und Nutznießern in der Zeit von 7 Uhr abends bis 6 Ubr früh verboten ist. Auch für das besetzte Gebiet ist dem Forstschuhverfonal das Tragen von Waffen geflattet
"ErholungS-Sonntags-Svnber- Ä ü g c. Die Frankfurter Eisenbohnbirettivn Hal b»-- kanntlich den Anfang gemach», an Sonaiago M-


