m. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhesfen
Druck MRd Verlag: vrühl'sche Umo.-Buch- und Zteindruckerei H. Lange, ächnftlettrmg, SeschSftrstelle und Druckerei: Zchviftrahe 7.
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Nr. 186
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Donnerstag, August sy2f
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Die Arife des Bolschewismus.
Sowjetrußland steht gegenwärtig im Mittel» pwrkt deS öffentlichen Interesses. Erschüttert stehen wir vor der Hungerkatastrophe, die Millionen Menschen mit dem Hungertode bedroht. Die kommunistische Presse gibt als alleinige Ursache der Katastrophe die entsetzliche Dürre an. Zweifellos hat aber auch die kommunistische Mißwirtschaft ihr gerüttelt Matz von Schuld an dem herein- gebrochenen Verhängnis. Die ewigen gewaltsamen Requisitionen von Getreide, Pferden und Vieh, wobei oft nicht einmal das notige Saatgetreide hinterlassen wurde, die Entschädigung, die bestenfalls in bedrucktem Papier gegeben wurde, während der Dauer doch Pflüge, Sensen, Aexte usw. benötigte, veranlaßten den russischen Dauer, nicht mehr anzubauen. als er selber benötigte. So sank die Anbaufläche und dec Ertrag der Landwirtschaft mehr und mehr, bis schlreßlich durch die Dürre die Katastrophe eintrat.
Schon im vorigen Winter, als die Requisi- Aonen auf dem Höhepunkt standen, schärten sich die Dauern zusammen. Dald hier, bald dort flammten Dauernaufstände auf, um schließlich im Kronstädter Matrosenaufstand den Höhepunkt zu finden. Diese andauernden Empörungen veran- l Iahten die Dolschewiki das Requisitionsshstem auf- zugeben und durch die Raturalsteuer zu ersehen. Ebenso wurde der Handel mit Lebensmitteln freigegeben. Wer auch hierdurch konnten die Dauern nicht restlos befriedigt werden. 3n der Ukraine um Machno, in Zentralruhland unter Antonow sammeln sich die Dauern immer wieder zu Aufständen gegen die Sowjetregierung. Die bolschewistischen Zeitungen sprechen von der „Grünen Armee", das sind die Dauern, die den Rest ihres Hab und Gutes in die Wälder geflüchtet haben und von diesen Schlupfwinkeln aus einen erbitterten Kampf gegen die Sowjetkommissare führen.
Der völlige Zusammenbruch der Industrie hat die Kommunisten veranlaßt, ein Dekret herauszugeben, wonach neue Fabriken von Privaten eröffnet werden dürfen, wenn die Arbeiterzahl nicht mehr als 20 beträgt. Ebenso versucht man krampfhaft unter größter Reklame, aber dennoch erfolglos, das ausländische Kapital heranzuziehen. Also auch hier völlige Abkehr vom Kommunismus und Rückkehr zum Kapitalismus.
Jedenfalls ist die Krise deS Dolschewismus sehr ernst, und die Möglichkeit des Unterganges der Sowjetregierung im allgemeinen Ehaos durch- 0116 möglich. Was dann folgen wird, ist noch gar nicht obzusechen. Jedenfalls haben wir Deutsche gar keinen Grund, uns ein Rußland der weißen Generäle zu wünschen. Der Ententist 'Bur- zew hat uns schon verraten, was deren Haltung sein würde. Sie würden in all und jedem mit der Entente gehen und versuchen, mit deren Unterstützung eine Kriegsentschädigung aus Deutschiarid herauszupressen. Glücklicherweise haben aber die rustischen Dauern gar keine Sympathien für die Generäle, von denen ste annehmen, daß fte ihnen das Land abnehmen würden.
Bruch der kommuniftischen Arbeiterpartei mit Moskau.
Berlin 10. Qhig. (Priv-Tel.) Der Zen- kralausschuh der Kommunistischen Arbeiterpartei erklärte, daß der Bruch mit Moskau grundsätzlich vollzogen fei. Die dringendste Aufgabe deS revolutionären Weltproletariats sei der Aufbau der kommunistischen Ar- beiterinternationale. Eine Kommission soll die Vorarbeiten zur Herbeiführung des Zusammen- fchlusses aller in der Opposition zu Moskau stehenden revolutionären Parteien und Derbände leisten.
London, 10. Aug. (Wolff.) 21ach einer Meldung aus Helsingfvrs stellt die russische Dvtschaft in Finland in Abrede, daß Lenin beabsichtige, ins Ausland zu gehen.
Wanderungen der Hungernden.
Reval, 10. Aug. (WTB.) 3m Auftrage der Sowjetregierung arbeitet das Zentralexeku- tivkommitee an dem planmäßigen Ab - schub von 100000 Dauern aus den Hungergouvernements und an der Ue- berführung von Flüchtlingen nach Polen, Lettland und Litauen.
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Kopenhagen, 9. Aug. (Wolff.) Dem Blatte „Politiken" wird aus Riga _ telegraphiert. nach bolschewistischen Dlättermel- düngen hätten die russischen Eisenbahnen, die den Verkehr mit dem Donez-Dvn-Decken unterhalten und die Ukraine mit Zentralruhland verbinden, am 25. Juli nur noch für dreiTage Heizmaterial gehabt. Um eine Katastrophe zu vermeiden sei alles vorhandene ‘Brennmaterial beschlagnahmt und der an sich schon sehr eingeschränkte Eisenbahnverkehr weiter eingeschräntt worden, was die Lage um Hungergebiet verschlechtert habe. Auch die Kohlenindustrie im Don-Gebiet sei von den Verkehrseinschränkungen betroffen, da die Zufuhr von Lebensmitteln für die Grubenarbeiter erschwert sei. — Aus zuverlässiger Quelle wird mitgeteilt, daß bis Ende Juli gegen 130000 Personen an der Cholera gestorben sind.
Handelsabkommen der Sowjet-Regierung mit Norwegen.
Reval, 10. Aug. (WTD.) Die Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsab- jk o m m e n i zwischen der S o w j e t r e g ie r u n g und Rorwegen sind soweit gediehen, daß der volle Text des Vertrages ausgearbeitet ist und nur noch wenige Fragen ungelöst sind. 3n Moskau traf am 8. August ein Selegramm aus Chri
st iania ein, demzufolge die norwegische Regierung I endgültig den von der Sowjetregierung ausgearbeiteten Text des Vertrages angenommen hat | und nur noch eine formelle Unterzeichnung des Vertrages fehlt.
Die Tagung des Obersten Rates.
Die Orientfragen.
. 10. Aug. (Wolff.) 3n der heutigen Vorn,, iiiung des 06er ft en Rates hat besonder Lloyd George den Standpunkt vertreten, daß die Reutralität im türkisch-griechischen Konflikt keineswegs ein Verbot des privaten Handels mit Kriegsmaterial erfordere, solange die Regierungen selbst nicht eingreifen. Dies fei auch die bisher geltende Auffassung in der Reutralitätsfrage. Rach einem Meinungsaustausch zwischen dem italienischen Minister des Aeußeren, dem amerikanischen Dotschafter Harvey in Paris und dem japanischen Dotschafter Hayashji erklärte auch Ministerpräsident Dri- a n d, daß er gegen die Auslegung Lloyd Georges, die den französischen Ansichten entspreche, nichts einzuwenden habe.
Paris, 10. Aug. (WTD.) Ueber die heutige Vormittagssitzung des Obersten Rates ist folgendes offizielles Kommunique ausgegeben worden: Da die mit dem Studium der ober- schlefischen Frage beauftragten Sachverständigen ihre Arbeiten noch nicht beendet haben, hat der Oberste Rat die Prüfung der Lage im Orient fortgesetzt. Dec Rat hat anerkannt, daß der Augenblick noch nicht gekommen sei, um ein Eingreifen der Alliierten in den türkisch-griechischen Konflikt zu rechtfertigen. Die Alliierten könnten daher unter den augenblicklichen Verhältnissen nur eine Politik der strikten Reutralität beibehal- ten, jedoch müßte diese Reutralität kein Hindernis für hen freien Handel bilden. Der Rat ist dann in einen Meinungsaustausch über die Frage von Konstantinopel und die Meerengen eingetreten. Der Oberste Rat wird heitte nachmittag die Frage der Kontrolle über die deutsche Luftschiffahrt prüfen.
Der amtliche Bericht über die Nachmittagsitzuug.
Paris, 10. Aug. (WTD.) Amtlicher 'Bericht von 10 Ahr abends. Der Oberste Rat prüfte im ersten Teil seiner Sitzung die technischen Fragen betreffs des Dienstes der Kontrollkommissionen, insbesondere der Luftverkehrskommission. Die alliierte Militärkommission von Versailles wurde aufgefordert, den Regierungen einen Bericht über die bei der Debatte besprochenen Fragen vorzulegen. 3m zweiten Teil der Sitzung beschäftigte sich Der Oberste Rat mit der in R u ß- l a n d durch die Hungersnot geschaftenen Lage und beschloß, die Bildung einer internationalen Kommission zu veranlassen, die beauftragt ist, die Möglichkeit zu untersuchen, wie der hungernden Devölkerung Rußlands Hllfe gebracht werden kann. Die Debatte über diesen Gegenstand wird morgen fortgesetzt.
Die Teilungsarbeit der Sachverständigen.
Paris, 10. Aug. (Wolff.) 'Schon feit 8ya Ahr sind "Die Sachverständigen wie auch die Oberkonnnissare in Oppeln im Quai d'Orsay zusammengetreten, um eine Lösung aus mittlerer Linie auszuarbeiten, die Bern Obersten Rat unterbreitet werden wird, zur Teilung des oberschles'ischen Industriebezirkes zwischen Polen und Deutschland. Auch L o u - cheur nimmt an den Verhandlungen teil.
Die verschiedenen Vertreter der alliierten Mächte sind um 11 Ahr 5 Minuten im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten zusammengetreten. - Kurze Zeit danach, während die Sachverständigenkonferenz getrennt noch andauerte, wurde die Sitzung des Obersten Rates eröffnet, am sich mit der Lage im Osten zu beschäftigen.
Luftschiffahrtsfragen.
Paris, 10. Aug. (Wolff.) Der Oberste Rat tfl heute nachmittag 4 Ahr erneut zusam- mengetreten, um die äronautische Abrü- stungsklausel des Vertrages von Versailles zu prüfen. Als militärische Sachverständige wohnten der Sitzung bei: Marschall Fvch. General Wehgand, Der italienische General Warietti, der englische General Kachvill-West, sowie der japanische General Watanabe.
Die englischen Blätter über den „Erfolg" Lloyd Georges.
London, 11. Aug. (WTD.) Die Abendblätter heben den Erfolg L5vyd Georges in Paris hervor und sagen, man erwarte, daß t>ev Oberste Rat entweder heute oder morgen zu einem Aebereinkommen m Der oberschlesischen Frage kommen werde. »Pall Mali and ©lobe“ schreibt, die Rede Lloyd Georges habe auf Den Obersten Rat großen Eindruck gemacht und "Die Aussichten in Paris hätten stch weiter gebessert. Die heutigen offiziellen Meldungen aus Paris besagen, daß der überwältigende Erfolg der Rede Lloyd Georges erst voll gewürdigt werden könne, wenn die Bedingungen der enDgiltigen Lösung des oberschlesifchen Problems bekannt geworden seien. Ein englischer Minister erllärte heute, Lloyd George habe eine Atmosphäre geschaffen, tfl ‘ Der "Die Schwierigkeiten verschwinden mühten Briand und die anderen Mitglleder der französischen Regierung seien vollkommen davon überzeugt, daß Lloyd George danach strebe, die Entente ungeschwächt aufrecht zu erhalten, daß er jedoch entschlossen sei, zu verhindern, daß Frankreich auf eigene Verantwortung die Rechte des Friedensvertrages übers reitet. Dor
seiner Abreise aus London sei sich Lloyd George durchaus klar gewesen, daß es zwischen ihm und den Franzosen hart auf hart geben werde, wie er jetzt erllärte; er sei jedoch unerschrocken gewesen.
Die deutschen Zahlungen.
Paris, 11. Aug. (WTD., 3n Ergänzung der von Deutschland bereits geletftetcn Barzahlungen und dec Summen, die, wie bereits früher mitgetetlt wurde, zwecks Einlösung der beiden ersten Wechsel von der deutschen Regierung zu Anfang Juli gezahlt worden sind, sind neuerdings zwecks Einlösung weitere sün röchatz- wechsel, von denen jeder auf 10 Mil Honen Dollar lautet, zurückgegeben worden. Eine Summe, die zur Einlösung eines achten Schahwechfels erforderlich ist, befindet sich auch schon In den Händen der Reparativnskommission.
Die Washingtoner Konferenz.
Washington, 10. Aug. (Havas.) Rach- dem die Erklärung Japans, daß es mit dem 11. Rovember als Eröffnungstag der Abrüstungskonferenz einverstanden fei, das vollständige Einverständnis über diesen Tag bedeutet, rechnet man damit, daß die Einladungen nunmehr unverzüglich abgesandt werden würden. Die amtlichen Kreise find der Ansicht, daß ein beschleunigtes Eintreffen der Antworten den Beginn Der Anterhandlungen beschleunigen werbe, da der zweite Abschnitt darin bejteljen wird, den Arbeitsplan für die Konferenz festzusehen.
Es ist wahrscheinlich, daß die Einladungen, einfach die allgemeinen Zwecke der Konferenz anführen werden und gleichzeitig vielleicht anregen werden, daß die Hauptvertretung einer jeden beteiligten Ration aus 5 oder 6 Mitgliedern bestehen sollen. Die Vertreter Amerikas sind noch nicht bestimmt, aber man rechnet damit, daß die Fühver der Abordnung der Staatssekretär Hughes sein wird.
Ein amtlicher Aufruf an das japanische Volk.
London, 11. Aug. (WTB.) Aus Tokio wird gemeldet: Premierminister Hara fordert in einer Erklärung das japanische Voll auf, im Zusammenhang mit der Washingtoner Köpfer enz eine ruhige und würdige Haltung zu bewahren und allen Ereignissen mit großer Wachsamkeit zu folgen, sich jedoch jeglichen Chauvinismus zu enthalten. Der Premierminister wieder- holl, daß Japan keinerlei territoriale Bestrebungen in Sibirien verfolge und daß es dieses Land sobald als möglich räumen wolle, daß eS jedoch in seinen Plänen durch die Rassenveränderungen in Sibirien gehindert werde.
Schwierigkeiten des Danziger Parlaments.
Berlin, 11. Äug. Wie die Blätter aus Danzig melden, wurde gestern nachmittag im Volks tag Der Antrag Der Mehrheitssozialisten auf Auflösung des Parlaments mit 62 gegen 41 Stimmen abgelehnt. Rach Ablehnung des Antrags brachten die MehrheitSsozialisten einen Antrag ein, durch den dem Senat das Mißtrauen ausgesprochen wird. Der Volkstag wird am Dienstag über diesen Antrag Beschluß fassen.
Aus dem Reiche.
Teuerung und Löhne.
Berlin, 10. Aug. (Wolff.) Bei feinem Zusammentritt im September wird sich der Reichs- t a g voraussichtlich sofort mit einer Angelegenheit von weittragender Bedeutung zu befassen haben. Die Reichsregierung ist schon feit einiger Zeit in eine Prüfung der Frage eingetreten, inwieweit voraussichtlich die demnächstige Brot- Preiserhöhung, Die Steigerung Der Mietpreise unD Die Auswirkung Der Steuergesetzgebung, z. B. eine etwaige Verteuerung von Kohle, Gas usw., eine Steigerung Der Kosten Der Lebenshaltung herbeifuhren werden und inwiewell der bei der durch Die Reparation aufs äußerste angespannten Finanzlage Des Reiches Durch eine Erhöhung der Löhne und Gehälter der Arbeiter, Angestellten und Beamten au begegnen ist. Da diese Frage auch für die Länder von einschneidender Bedeutung ist, so wirD sie nicht ohne Benehmen mit den Landesregierungen geregelt werden können. Es ist zu erwarten, daß schon in kurzer Zell die erforderlichen Verhandlungen beginnen werden, so daß Dem Reichstag nach Den Ferien bereits feste Vorschläge unterbreitet werden können.
Die Stenerfragen.
Berlin, 10. Aug. (Privattelegramm.) Die ,Vvss. Ztg." meldet: 3m Kabinett werbe Der Gedanke erwogen, anschließend an die Körper- schaftssteuer eine Art Beteiligung Dee Reiches an den Sachwerten durch eine teilweise Kapitalisierung dieser Steuer durchzu führen und zwar etwa in der Weite, daß Die Gc sellschaften Genuhfcheine ausgeben, die dem Reiche das Recht auf einen Anteil am Gewinn und am Liguidationserlös gewähren. Die Besprechungen über dieses Problmn feien jedoch noch nicht ab- geschloffen.
Die geplante „Derfassungsfeier'.
Berlin, 10. Aug. (WTD.) Der würrtem- bergifche Staatspräsident Dr. Hieber erkranftc und mußte deshalb auf feine Reife nach "Berlin, too er bei Der Verfafsungsfeier im Opernhause eine Änsprache halten sollte, verzichten. An feiner ©teile hält nunmehr Der Reichskanzler eine Ansprache.
Partellage.
Das „B. T." meldet: Der dritte ordentliche Parteitag der DeutschenDemo- kratifchen Partei findet vom 8. bis 10. Oktober in Köln statt. Der Parteitag der Deutschnationalen wird vom 1. bis 3. September inMünchcn abgehalten.
Aus Hessen.
Die grobe Taktlosigkeit des Darmstadter Regierungsorgans.
Rachdem wir gestern bereits das unglaubliche Vorgehen der amtlichen „Darmstädter Zeitung" in der Angelegenheit der Neubesetzung des Direktorpostens an der ilnl- verfitätsbibliothek niedriger gehängt haben, interessiert es heute unsere Leser gewiß, daß in der folgenden Mittwochnummer deS Blattes noch keine amtliche Rechtfertigung der skandalösen Veröffentlichung, und auch nicht eine Desavouierung dieser eigentümlichen Perfonalpolitik der „Darmstadter Zeitung" erschienen ist. Rach allgemeinen journallstt- schen Überlieferungen dürften für die Klarstellung oder Richtigstellung eines solchen Falles mehr als 24 Stunden nicht verstreichen. Daß die Empörung über den amtlichen Mißgriff in weitesten, namentlich auch „akademi- mischen" Kreisen empfunden wird, geht aus folgender Zuschrift hcstvor, um deren Abdruck wir von zuverlässig unterrichteter Seite gebeten werden und in der folgendes festgestellt wird:
1. Daß Der jetzige Direktor Der Univers llats-Blblio- thek, Herr Geh. Hoftat Dr. Haupt, nicht gestorben ist, sondern sich de« besten Wohlseins erfreut:
2. Daß Der an Stelle Des am 1. September in Den Ruhestand tretenden Geh. Hofrats Haupt neu ernannte Direktor Der Universllätsbibliothek nicht «Hebel" sondern Ebel heißt.
Man sieht, welch ausgezeichnete Beziehung« Die «Darmstädter Zeitung" flu Den Angelegenheiten Der Universität und «akademischen Kreisen" hat. Aus Den sonstigen 3nhalt deS „alle anderen Kombinationen für irrig" erklärenden Artikels Der „Darmstädter Zeitung" einzugehen, wäre nur für Den möglich, Der Mitteilungen aus Den Akten machen tönnte; vielleicht toürDe sich Dann zeigen, Daß Das sich aus jenem Artikel ergebende Btß) ebenso schief toie unvollständig ist.
Tatsächlich hatte die beanstandete Rottz der „Darmstädter Zeitung" nicht nur von einem verstorbenen Geh. Hoftat Haupt, sondern auch von dem neuen Direktor He- b e l gesprochen.
Aus dem besetzten Gebiet.
Zur Derhafttmg deS PolizeikoMmissarS Kliefoth.
fpd. Wiesbaden, 10. August. Die Gründe, die zur Verhaftung des Polizeikom- missars Kliefoth führten, werden jetzt bekannt. Der Kommissar hatte einen Unterbeamten, den er im Gespräch mit einem Marokkaner gesehen hatte, darob zur Rede gestellt und soll dabei gesagt Haden: „Ein deutscher "Beamter kann es wohl unmöglich mit seiner Ehre vereinbaren, sich in Gesellschaft eines Marokkaners sehen zu lassen." Diese Aeuherung kam der französischen Behörde auf Dem Wege der Denunziation zu Ohren. Der Kommissar wurde zur sofortigen protokollarischen Vernehmung vorgeladen. Kliefoth weigerte sich unter Hinweis auf feine Unkenntnis der ftanzöfifchen Sprache, das Protokoll zu unterschreiben. Hierin erblickte Der französische Beamte eine Anzweiflung Der Ehrlichkeit DeS französischen Gerichtsverfahrens unD somit eine grobe Be- leiDigung Der ftanzöfifchen Ration unD wies Dem Kommissar in höchster Erregung Die Tür. Wenige StunDen später erschienen ftanzösi- sche GenDarmen unD verhafteten Den Kommissar auf Befehl Der ftanzöfifchen Oberbehörde.
Zeitung-Verbote.
Köln, 10. August. (Wolff.) Der Vertrieb Der „M ünchen-AugSburger Abendzeitung" ist vom 8. August ab auf Die Dauer von Drei Tagen in Der Pfalz verboten. Die „Bayrische StaatSzei- c u n g" ist ab 8. August wegen eines ArttkelS „Der Wirtschaftstod der Pfalz" verboten worden.
Berlin, 10. Aug. (WTB.) Die „B. 3. am Mittag" ist von Der französischen Befatzungs- dehörde un neubesehten Gebiete (Düssel- Dorf, Ruhrort unD Duisburg) und von Dem belgischen Oberkommandierenden in Aachen In Der belgischen Zone auf einen Monat verboten. Tas Verbot wurde veranlaßt durch die Wiedergabe eines Erlasses des Generals Degouette über TrukenheitSausschreitungen Der farbigen Truppen und einiger anderer Mitteilungen über die Zunahme Der schwarzen Gefahr.
Der Setzerstreik tm Rheinland.
mc. Wiesbaden, 10. August. Der Streik Der BuchDrucker geht hier wie in Mainz unvermindert weiter. Es erscheint eine Rotzeitung aller bürgerlichen Blätter, von Prinzipalen und einigen Arbeitswilligen ^gestellt, Doch ist es für Diese ungeheuer schwer


