Nr. 264 Zweites Blati
Lietzener Anzeiger (Gen rai-Anzeiger für Tberheffen) Donnerstag, <0. November 1921
Der ehemalige Ttiniftcrpräpbent Nitti über »basfrieblofc (Europa*.
Hom. 8. 'Hon. (QLnrisia 6tcfa*ü) 3n t«n ndxf/’ei am T>o a.e-’.b de. Daltingtoner Xonfc cta tolrö ein Buch de- ehemaligen Mi- •Hierin äl.tenten Hütt ericheincn, betitelt .Da» frieblol« Europa'
Httti beginnt feine IXirfegimgcn mU einer ötubie über die europäische tage dot1914, unb ■nterlud) an 6er Skonti diplomatischer Aktenstücke die Kriegsurs'achen. Die flrof) tt»r de^ Hrrtetl eine- j-ten an der Teruntnxnl h#rit? Denn alle Hfleiflüde b-Sinnt und ernstlich ge- -rüst fein »erben, »enn der Adlmif der Zeit eine rubice Wülii?unq gestatt^' wird, dann wird man ertönen, da', die Grundursache des ÄonfWe« m der Hal tuna Rußlands tag. Hu: Hefe Mfung war es. die die s.-rb, ch- Be- Wenuna und die Bewemng der österreichischen Clattxm anlachte, nur die'e Haltung bildete in ben 3ug n Deutschland- die zukünftige Ocfabr. Jhe XailodK. ?an die drei groben europäischen Leich? - Ru .'a ch D.rnt'ch'and. Oesterrcich-Un- garn —. in zwei entce iennel 8 en Lagern standen. Ddbrenb e- an einer wach'amen Demokratie geb'ach und alle Snt ch.-idun,-.en lediglich von eini en Männern abhingen. muhte unausweichlich zum Kriege führen.
Hihi untersucht sodann die Vertrüge, die als eine tyo-m der Fortsetzung de- Krieges oe- schlossen »orten sjnd Diele Vertrag? sind nicht der Friede, nicht einmal das Gl ichgewicht. sie sind die Terieinung aller Grundsätze der Ge- rechtigkrit welch die Snt-nte während de- Krieges proklamiert hatte Die 2rt.enflü<fe, in denen die Entente Ihre Kriegs^iele niedergelegt bat. die Ei klürung-n DriandS auf Wilsons 14 Punkte werden allen 'Betilmmung'-n der Vertrüge geoe^bcrgeftellt Da» gemacht worden ist, ist Me Verneinung dessen, wa» versprachen worden wa Die territorialen und politischen, die milltürischen und die Da^antiebestirnmungen N<-hen etenlo wir die sinanzie'l -n und Wirtlchaftsklau- jeln In DolIfiäiiMocm Widerspruch mit den von der Entente sei.rlich proklamierten Grundsätzen. Dilfons Untrnf enbett in den europäischen Fragen. die Tatsache, hast die Konferenz in Frankreich tagte, die häufigen Gegensätze zwischen den Anschauungen P'onb Devrces und Frankreich» bewirkten bah Die Konferenz g-zwungen wurde, eine Reihe von Sntschridungm a uunebmen. die in ih er Qhifcinanberfolge Wilsons 14 Tunftc tatfüch! ich zunichte machten, ohne bah der Gegensatz zu Ib'et Proklamierung in die Erscheinung trat Die hauptsächlichsten und ernstesten Fragen ttni'-hen fai n benber entschieden, viele von Ihnen tn 2fbtnc'mbeii Italien». Die F age der Schädcn- dergüiuna k|e in der Folge für die ganz-? gegenwärtige Richung Gurvraf> b stimmend war. und die die Verneinung der Grundsätze der Entente ist. wurde fo nebenbei und beinahe zweideutig entschieden.
Vach den Verträgen soll die ganze Verantwortlichkeit für den Kr eg auf Dcut'ch'and liegen. Gewist war ber deutsche CTmt>criaIi»mu< etwas DeNagenswertes, aber wie Lloyd Deocge an- erfannt bat. Ist es fetzt noch schwer zu lagen, wie der Kr eg entbanden ist. BiZmarck hatte begriffen. bah die einzige Art wie man den Krieg vermeiden konnte, die Verständigung zwilchen den drei Kaiserreichen war. Deutschland und Rust- (anb tn Gegensatz zueinander zu bringen, muhte früher oder später zum Kriege führen. — Am 25 Mürz 1918 legte Lloyd ®?orgc der Pariser Konferenz ein Vk -moire vor. In dem er voraus- sah was cfrgri v en ist indem man die Verträge auf den Hab gründe, schaffe man nicht den Frieden Aber Lloyd George blieb allein. Die Durch'ickü des Memoires zeigt, dab Lloyd George allein klar gesehen hatte.
Vitti ff y tert die Haltung, die die Vereinigten Staaten, Orofjbritannten und Frankreich aus der Pariser Konferenz eingenommen haben Die Vereinigten Staaten, zur Erkenntnis des Irrtums gelangt, hielten sich zu Zeiten säst gänzlich fern. ©n/.britanuicn erklärte sich oft des- tntereHiert. Alle Thesen Frankreich», die eine Art von Fortsetzung des Krieges und Zerstörung de» Organismus der bcfieqten Länder darstellten setzten sich sch'ieblich durch, obwohl sie eine Ab schwächung erfuhren. Frankreichhatte nur ein Ziel: Deutschland zu zerstückeln und feineEinheit zu brechen Indem man unerträgliche Lebensbedingungen schuf, Deutschland einen groben Teil feiner Reichtümer entzog, sein D.r'er Zweien teriorymifterte, ihm zwangs- Bx-.fe ein System unzähliger Kontrollmabnahmen auferlegte, es der Vedrvbung mit einer unbegrenzten Entschädigung unterwarf, bereitete man
der Einheit Deutschlands den größtmöglichen Schaden
Vunmehr bilden alle Derno'ratien der Well mit THibtrauen auf Frankreich Gegenüter Deutschland hat Frankreich alle Grund ä c aul- gegeben, auf b:e e» sich berufei hatte. gezenül>er Ruhiand Ist Frankreich lediglich pluto.'ratlschen Tend^n'en ^lelv at Degen, dec <?n?m rnch - angriff-fähigen Deutschland hat Frankreich dir g^vUt«: -Äi.neC der W- l au(gc teilt, durch ftrb.gc Truppen lädt es bic fultwierleflen und am weitesten vor e chrittenen Städte Deutlch.unds be* fernen Fcankrc.ch zeigt keine Achtung vor dem Rat.onalitätenprinzip und dem Grundsatz der Selblttest mmung. Und doch ist Fran.r.-tch be- unrub gt. weil feine Btvö.kerunz sich verringert. Unterdessen cntfemi sich Drostor tann.e i immer mehr von dem feilländifchen Europa, de sen Or- gan.fat on zerfällt Amerika wiederum fe)rt zu: Vlonrvedoktrm zurück Man mutz bte Wege zur Solidarität txxeterilnten.
Hitti form liiert gründ ezende Vor'chläze. Ne da» 5 rieten»: rogranim fördern können. D.e wichtigsten von ihnen find:
1 Abschaffung der Reparation»- kommifsio n und Abänderung der Aritkel 5 und 10 des Vö'kerbundvastes, unter Zulassung aller bei eqten Vülk?r Die T.o l na bten der Repa at onskvmrni sioi ge ei rrit an e ne fenen Ad- änderungen auf den Vö k-rlmnd über
2. Revision der Verträge Ohne Gewalt und ohne die gegenwärtig geltenden Vertrüge mit einem Male zu zerstören, muh man zu ihrer Revision sch.eiten Di.' durch den Vö'.ker- bund-pakt Dor-1 riebe ie Revision kann durch den Völkerbund fc b t lew rkt werden, nahden er in gcnr.ilen grundlegenden Punlten abgeü .dert worden ift
3. 2lufred6terta't mg aller Entwaffnung ^Verpflichtungen f r Deutsch and und die beilegten Länder und rn.litür sche Garantie für Frankreich von feiten England» und Italien-. Immerhin führt Deutschland und die germanisch? Rasse fort, sich rasch zu vermehren, Frankreich dagegen nimmt ab; Frankreich» Gewa'.ttä Igkeit beruht mit auf feiner Beunruhigung Mill man schnell zu einer Politik be» Friedens kommen, so muh Frankreich wenigsten» für lange Zeit die Sicherheit haben, dab Vrvbbritann en und Ita len sich verpsiichten. e» im Angr ssS alle zu verteidi .en.
4. Festsetzung der interalliierten Schuld?n und der von Deutschland und den bri eiten Ländern geschuldeten S .tschädig mqen Die Tatsahen haben es übernommen, alle Illusionen ü.ec die Entsck'üd gungen zu er' ö en Wä renb die S eget flnber i" re Sb'i d?n ni b’ am' t le 'm "nd nicht einmal bic Zinsen zahlen, verlangt man, dab Deutichland am Uo.'aeu t*e» Au n Icun.» Kredits ungeheure Sntschädliunien -ad'e Die Vereinigten S'aaten sind ledig'itz Glä 'hi"er, England Hal da» Doppelte von dem auSgeliehen, was es entließen hat. Fran.retg- u.u uia*un sind fast au-schlieb'lch Schuldner, denn die von Frankreich genährten Kredite sind zu zwei Dritteln uneinziehbar OB.U man nicht im eigenen Interesse der Gläubigerstaaten alle Schulden streichen, um so die V) ederaufnahmr be» Austausches zu gestatten unb bie Verschlimmerung der industriellen Krise zu verhindern, fo mub man e n. ßälun i finden Äitti sch Ügt tie so ge de Losung vor, d.e, wie er zeigt, die einzig m.g iche ift: Indem man alle Be a ung-truppen zuruck- zieht, bie mehr al» 25 Milliarden Mark jährlich kosten und infolge ber Gntwertuni der Mark leicht da» Doppelte kosten und Infoljcb.* fen al e Kräfte Deutsch ands auf mehren können, und in- dem man auf alle kostspieligen und unnützen «tontrollmab a'mcn verzichtet, kann man ba u kommen. Deut ch a >d mit einer Ent chädl ung zu belegen, die ber Gegenwert von 6d Mtlliarden Franken oder Lire zu pari Ist und in Gold mark unter folgenden Bedingungen zahlbar Ist:
a) 23 Milliarden werden al» schon abgegolten betrachtet durch alle» daS. was Deutschland abgetreten hat. unb es hat auf Grunb des Vertrages weit mehr abgetreten —: Kolonien, Organisationen im Auslanb, Kredite, Handelsflotte, ilntcrfecfabel usw
b) 20 Milliarden, bie Deutschland den Siegern in natura, besonders in Kohle, nach den bereit» festgesetzten Anteilen zu leisten hätte. Deutschland mub für Frankreich noch während 10 Jahren eine Kohlenmenge ficherstellen, die wenigstens dem älnterschiede zwischen der jährlichen DorkriegSerzeugung der Bergwerke be» Rorbbepartements uno be» Pa» be Galais unb ihrer Iahreserzeugung währenb dieser 10 Jahre gleichkommt. Deut'ch'and mub Italien, da» nach den groben Verlusten, die e» erlitten hat, nicht in der Lage ist, im groben Umfange Austausch- artifel zu erzeugen, eine Kohlenmenge liefern.
bie wenigstens drei Vierteln der durch den Ver- tag von Versailles fe tarienten Men;e gleich- iommL Deut ch an) kann dazu ge.wun^ei werlen, den All.lcr.eu wahrend 10 Iaurcn al» Ab d> ajJ- zahlung a il ihre Forderungen 503 M ilionrn Goldmark jührl ch zu zahlen, die durch ein Vorrecht auf d.c Zo.iCinnuomst grsich rt find
c) 2) MtUiareen werden von D.ut chland nach Be^ihlung ber Schulden der unter b) genannten Ar: al» An c l a i der R id ahlung übernommen, welche den Ländern zu leiften ist. die den Irieg- suhrende i C aalen der Entente Kred te beoi.li ,t aben D re nigte S aal n. Gro'lbr,tann.eu und, im brichränlteren Mabe. Frankreich
D.rie Vorfch äge find bic einzigen, welche die Lage zu retten vermögen.
Ein von allen Banden befreites Deutsch'and sann c ne starke aber vernünftige Entschädigung oezahien Da» ist da» Höchste, wa» es zu leisten vermag.
D.e D.reinigten Staaten würden, indem sie auf ihre Forderung, die zum gräbten Teil uneinziehbar ist. verzichten, 2) Prozent davon erhalten und bäitcn dabei, wa» noch mehr bedeutet. den Vorteil, Industrie und Verkehr au entwickeln und be.n privaten europäisch.'n Kredit au retten. Vorteil hätte davon Grostbrirannlcn. da» dabei nicht» verlieren w irde, antriicht» der Tatsache, dab c» fast ebensoviel Schilden w«c Zorderungei hat, wobei der älnterfch ed befiehl, hab bic Schulden bestimmt find, während die Forderungen zum groben Teile wenig sicher sind. Keine S.cherheit befiehl für einen seht groben Teil ber von Frankreich gewährten Kredite, nährend feine Schilden im Gegensatz dazu ansehnlich sind. 23 Milliarden. Ein Frankreich, davon feiner Schuld befreit ist und auf die Einnahmequellen aus feinem Grund unb Boden rechnen kann, wurde wieder zu Kräften kommen können. Der Erlab von 27 Milliarden Schulden, ein verhältnismäbiger Anteil an den 2D Milliarden, und alle» wa» e» schon bekommen hat, stelle i zusammen eine Summe dar, die sicherlich 50 Milliarden übersteigt Die Schäden, die Frankreich erlitten hat, erreichtn diese Summe nicht, wenn man sie in Goldwährung berechnet. Italien hätte den Vorteil, dab es für 10 Jahre sein Sristcnzminimum an Kohlen hätte und wäre dazu von scinrr äuheren Schuld befreit, bie eine Summe erreicht, welche, nach dem Dargclegten, wenigsten» doppelt fo hoch ist, wie die Summe, die c» von der Entschädigung erhoffen könnte.
Die bargelegte Lösung ist die einzig mögliche, wenn man durch da» geringste Opfer a ler Europa wieder aufbauen unb n ich de n S urz der Besiegten den der Sieger hinlanhalten will.
5. M ederaufnahme der Beziehunzen »u Rub- land. Es ist widersinnig zu behaupten, dab Polen durch da» künstlich? System, da» man aufger.chtet hat. enbg iltlg D ul!ch and ton Rub- land scheide. Aachdem Deutschland feine Aus- landsfordeiungen, feine Flotte, feine Kolonien verloren hat, kann e» nur In Rubland Hilss- audlen finden Man mub auf den franzöfifchen Gedanken verzichten, dab man, um mit Rubland zu unterhandeln, nicht blob Garantien für Ehrenhaftigkeit in den internationalen Beziehungen verlangen müsse, sondern eine Sicherung dafür, durch die die alten Dorkriegsschulden bezahlt werden, ©robbritannicn hat diesen Gedanken niemals gehabt.
Ditti legt Frankreich gegenüber die freundschaftlichsten Gefühle an Den Tag, die soweit gehen, dab er für einen Garantieverirag eintritt, den Italien annehmen würde, fall» Frankreich auf alle ungerechten Auflagen verzichte, die der Friedensvertrag enthält, und die sich nicht auf den Gedanken gründen, au» ihnen Vorteil zu ziehen, fondern lediglich auf die Idee, den Feind zu vernichten. Wie man gesehen hat, ruinieren diese Mabnahmen die Sieger und die neutralen in gleicher Meise. Mill man nicht, dab Sieger und Besiegte nacheinander stürzen, hab ein gemeinsame» Schicksal diejenigen vereinige, deren Hab zu lange gewährt haben wird, so mub man ein grobes Friedenswort ausfprechen.
Aus Stabt und Land.
Dieven, den 10. Aov. 1921.
Stenffabzng vom Arbeitslohn.
Der Steuerabzug vom Arbeit-lohn hat mit TDlrfung vom 1. Dovember 1921 insofern eine Aen- berung erfahren, al» bei allen Zahlungen, die nach dem 31. Oktober ftattfinben, für Merbunaskosten iicht mehr 1,40 Mk. täglich. 8,40 Mk. wöchentlich. 35 Mk monatlich, sondern nur 0,80 Mk. füglich, 3,60 Mk wöchentlich unb 15 Mk. monatlich ab-
grietzt werden dürfen Zur Erläuterung dienen die nachfolgenden Vcif.'elc:
1 ^agetlobiL Angenommen, ein verhet- rate ter Arbei'.n cmer mit einem minderjährigen Kinde ci!?Ji einen Tage.»loh i von 70 Mk., dann berechnei sich der Abzug wie folgt Tages lohn . . 70.—TO.
Struerire>er Betrag lur den ötcuer- pstichtigen unb seine Q-bcirau je 4 Mk für den Tag 8Mk.
für das Kind 6 Mk. für den Tag 6 .__14.— Mk.
dem Steuerabzug unterliegen . . Mk.
hiervon 10 d. H..... ... S 60 TBL
davon ob Werbungskvsten . . , 060 D^r Ad'ug betrdat .... 5 - Mk.
2 Mochenlohn. An -enommen. ein vethri- rcteicr A^deitnchmcr mit einem minderjährigen Kir.de erhall ei en Mo h.'nlohn von 420 Mk., dann berechnet sich der Abzug wie folgt: Tvochenlohn......... 420. - Mk.
Steuerfreier Betrag für den
Steuerpflichtigen unb feine Ehefrau je 24 — TBt. für die Moche -.....48 - Mk
für da» Kind 36.— Mk.
für die Woche . . . . 36.- . 84.-Tn. dem Steuerabzug unterliegen . . . 336 — MÜ davon 10 v. H......... 33 60 Mk.
davon ab Tverbungskosten .... 360 .
Der Ad"ug beträgt.......30.— Mk.
32ionat»lohn 2"genommen e n i erheirateter Aibeitnebmer mit einem minderjährigen Kinde erhält ei 'en Monatsiohn von 1803 HIL. bann berechnet sich der Abzug wie folgt: Monat» lohn......... 1800.— Mk.
Steuerfreier Betrag für den Steuerpflichtigen und feine Shesrau je 100 — Mk. für den Monat — . . . . 200.— Mk.
für das Kind 150.— Mk.
für den Monat . . ■ 150.— , 350.— Mk. dem Steuerabzug unterliegen . . 1450.— Mk. hiervon ab 10 v. H...... 145 — TBL
davon ab Mcrbungskosten . . . 15.— W j
Der Abzug beträgt......
•
LU Von der Landes-Universität Der feit 1 Oktober d Is an unsere Landes-Universität berufene Prvie'sor für alttestamentliche Theologie l). Hans Schmidt hat einen Ruf an die Universität Kiel erhalten.
•• Glnc öffentliche öltjung des ProvinzialauSschusseS findet am Samstag, den 12. November d. I., vormittags 8'/, Uhr, in dem Sitzung-, (aal deSRegterungSgebäude-zu ©leben (Landgraf-PhtlippS-Play Qlr.3) statt mit folgender Tagesordnung: 1. Oleureae- lung der Gehälter des Stadttürmers Müller, des Bürgermeistereigehilfen Heinrich Weber, des Bürgermeistereigchilfetr Lhrist. Scheuermann und des Sicherhettswächters Prange durch die Stadt Alsfeld, hier: Berufung der drei Erstgenannten, vertreten durch die Gewerkschaft der Seffifcben Gemctnbcbeamten gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Alsfeld vom 8. September 1921 (81/* Uhr). — 2. Klage der Gemeinde Alsfeld gegen die Hessische Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte in Darmstadt: hier: Feststellung der Bezüge der Hebamme Marie Hyll ßu Alsfeld (9'/« Uhr). — 3. Klage des Bauunternehmers 3. D. Hofmann, Bad-Aauheim, auf Aufhebung des Polizeibefehls de» Kreisamts Friedberg vom 1. 3uli 1921 kanbefohlene Vie* derlegung eines vom Kläger in Bad-Aauheim, Homburger Strohe, errichteten Werkstätten- gebäudeS (10 Uhr).
♦♦ Wandergewerbeschein für Zigeuner. Wandergewerbescheine an Zigeuner sind neuerdings vielfach ausgestellt worden. Man beklagt sich insbesondere darüber, dah dies sogar für den Pferdehandel geschehen ist. Die Bemühungen der Polizei gegen das Zigeunerunwesen werden dadurch mehr oder weniger vereitelt. Der Minister des Innern hat deshalb die Regierungspräsidenten an die älteren Vorschriften für die Zigeuner erinnert
*» Aufrechterhaltung der Anwartschaft in derAngestelltenver- fleherung. Mit dem 31. Dezember 1921 läuft die Frist zur Nachzahlung freiwilliger
(Nachdruck verboten.)
34. Fortsetzung
Mit hockg B^genen Äugend.auen erhob Tie sich. Holtenciu sollt« nicht claubm. bab sie nur auf ■eine Aussprache unter vier Augen gewartet habe.
.Ss geht heute Io förmlich bei Ihnen zu," lagtc er. al» sic auber Hörweite waren.
.Viclleicht hat ta» seine Gründ«,- erwiderte Grete gelassen.
.Ich bin mir aber gar keiner Schuld bewirbt, flnäbipe» Fräulein!-
.Aber es ha» Sie doch auch niemand be- Ichuldigt!^
So, ba hatte Tie ihn feftgriahren Ann mubte er deutlicher reden -- oder schweigen . . Und
denken über Han», der heute wirklich ein kiebens- tpürbiger Kerl war, über den Vater und vielleicht auch über den Drohvater Weil der au» ganz einfacher Familie war, fein Bruder und dessen Söyne al» schlichte, wenn auch vermögende Bauern ganz in der Aähe auf ihren Höfen laben .
Holtenau trug Sorge, dab man Gretel» Mutter nicht allzu lang allein lieb. Und dann, al» sie wieder neben ihrer Mutter fast, war da» junge Mädchen von binrelbcnb.T Licbenswürd g- keit zu dem Regierungsasses or. Gab ihr das einen Heidenspatz, diesem eleganten Mann, der sich stets in der Gewalt gehabt hatte, die Ltugen blank und die Wangen rot zu machen Und unter vier Augen sp.ach sie heute sicher nicht mehr mit ihm. Vater» Pstr ichdowle war ganz ausgezeichnet, daraus verstand der sich. Und als Hcltenau zum Adsch.ed nach dem Abend:s en um ein Lied bettelte, nickte sie ihm gleich freundlich zu, setzte sich an den Flügel.
.Sagen Sie mir einige, die Sie besonders Ucben. Vielleicht kann ich eine» fingen!“
.Ich werde da- Lied lieben, das Sie mir vorzutragen die Güte habens'
Kurt Holtenau fäurieg! Sie ater war mit diesem Erfolge auch vtzllkow.men zufrieden. Sr sollte f-.ch um Himmelswillen nicht einbilbcn, er brauchte nur die Arme auej;: breiten, und sie taumel e hinein.
.C, da» war ja eine Schmeichelei! °Ater Herr von Holtenau! Za. das lassen Sie m.ch einen Augenblick Nachdenken k^' Und dann sang sie ein Lied vom Rheine. Funkelnder Becher. Sehnsucht, Liebe! Und koch ein zartes ßiebl Sehr zart auch in der Musck! Und deshalb an » Herz greifend, wenn ein Herz schon schneller schlägt. Und doch kein Wo.1 drin, das Kurt Hcltenau zu Schlüssen verleiten tomie. Ein rechtes Rattenfängerlied! Und die es fang, war ein bildhübsches, jun f Mädchen! Dis sah ihn aus bleuen, klaren Augen, ein sützes Lächeln um Und ber Äobf "mut'.te ihm auch erst gründlich ver- den Mund, <r.t, als die letzten Töne unter ihren dreht werden, sonst kamen ihm womöglich Be-1 schmalen, writzen Händen terflar.gen. Vielleicht
Maria spielte ihre Rolle al» Muller einer -eiratefähigen Tochter auSgezeicht^t. Sie war goTtz die vomehne Dame, ein verstehendes Lächeln um den Mund. Brachte auch bald ihren Mann zu ze^twelligem Verschwinden. Dem war'» auch angenehmer, eine Pstrs.chbvwle zu brauen, als sich Holtenaus Sützdai.zge.aspel anzuhören. Die Gretel vergab stch nicht da» Geringste. Der Asteslor tonnte nicht einmal ergründen, ob er sicher war, keinen Korb zu bekommen. Und wollte es durchaus. Er fast mit den Damen und Han» auf dem .Luginsland' in bequemen Ko b- fesseln beim Kaffee, legte schlietzlich Grete nahe, einen Dang durch den Garten mit ihm zu machen
Der Schutz im Blut.
Aoman von Horst Bobemer.
war die zarte Röte auf ihren Wangen etwa» dunkler geworden. Ein Münnerh.-rz pachte start an die R ppen So stark, datz der Mund län^zr stumm blieb, al» er hätte stumm bleiben sollen. Ach ja. Grete Wärhahn war tegehrensweri! Da lief ein Zucken durch den ganzen Körper des MarTneS.
.Das Lied kannte ich noch gar nicht, es ist wunderbar f“
Aus gedrehter Kehle und weitem Herzen kamen bie Worte.
Voll sah das junge Mädchen Kurt Holtenau ins Gesicht, sah. w.e sich auf dem die Empfindungen abfpielten. Da hatte Grete Wärhahn ihm volltommen den Kops verdreht!
.0, am Rhein wird das Lied viel gelungen. Sin Gassenhauer ist es freilich nicht Da» erlaubt der Tert nicht und erst recht nicht die Musik! Die löst erst die Empfindungen vollkommen aus! Und mein Drvtzvater Outen hat das Gedicht komponiert!"
Pfer^-eg?trappel. Räderknirschen aut Sdder- kies schlug in bie letzten Worte, der Wagen fuhr vor. Höchste Zeit wurde es, wollte Kurt Holtenau den 3ug nicht verpatzen Er empfahl sich rasch — tiefbewegt.
Maria nickt- ihrer Tochter sehr zufrirden zu — mit ci cm v.elfag.mdm Lächeln, als die Herren den Gast zum Wage. brachten. Da warf sich Gretel ihrer Mutter an die Brust, ihre Wangen glühten . . .
In eine Ecke gedrückt Iah Holtenau in seinem Abteil. Die Lippen zusammengeknifsen, die Stirn in Fallen gelegt Viele Wochen hat:e er sich gewehrt gcg?n die Fahri zu Wä h^-hns. Ein Regierur.gsasjeisor imb Herr vvm alten Adel Halle in diesem Familienkreis nichts zu suchen. Mit dem allen Wärhahn wäre ein Absurden n»ch
möglich gewesen, trotz der Derwandischast, da lieh man Tich eben möglichst Welt v?rseyen, nach Ostpreutzen ober Schlesien, Posen. Aber der Soho unb ber Enkel - 'Kaum war ba» Wort durch stlln Hirn gezuckt, schüttelte er schon den Kopf Redensart war das! In spätesten» vierzehn Tagen lieh er sich da» Lieb boch wieber vvriingen . . . Unb wie lange würbe es bauern, uru er sprach mit Grete Währ Han von seiner Li be? Ganz sicher nicht sehr lange, denn feto Herz stand In Stammen!
16.
Lesters sah Hans b i der Mamsell. .Droy- vater» alles Haur" nannte er sie, bic Gute sch en e» gern zu hören. Brachte ihm allerlei Leckerbitzei» und erzählte ihm, W.e sich sein Gro')vater abge- schunden, wie er allmählich vorwärts gekommen sei.
.HänSchen, mutz man da nicht stolz sein, einen selchen Grotzvater zu haben?“
Der nickte, bist in die geräucherte Gänse- keule. die er kn der Hand hielt und laute mit vollen Backen. 3m Reichtum zu schwimmen, war doch schön! Wenn er an die Arbeiter dachte, die sich im Hinterzimmer ter Äneux für billiges Gelb ein ergaunerte» Stück Rehkeule geben Hetzen, schüttelte er sich Ra. bisher war er noch Immer mit einem blauen Auge davor.g komm.-n Und wenn er spazieren ritt, machte er stet» einen großen Bogen um Fritzlar. Autz^rdem hatte er dazu wenig Zet, Grv' Vater stellte Ihn tüchtig an, Vater ttniiJe dafür umso bequemer, und die Grete hatte immer mit der Mutter zu tulcheto.
.Du. wenn nur erst meine Schwester hell au» dem Hause ist.'-
Fortsehung folgt)


