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Unterhaltung Erhebung Selehrung>

dingt als nachteilig betrachtet werden zu müssen. Und das Vollsernpfinden sicht damit im Einklang:

Der Grund der Teuerung.

Unter dem TitelTeuerung oder Geldentwer­tung^ veröffentlicht der bekannte Finanzwissen- schastler Staatsminister a. D. Prof. Dr. v. P i st o - r i u s im Septemberheft desSchwäbischen Bun­des" eine volkstümliche Studie, der wir die nach­stehenden Ausführungen entnehmen:

Wenn Geldentwertung nichts anderes ist als die Kehrseite der Preissteigerung, als der Aus­druck einer allgemeinen Teuerung, so scheint ein solcher Vorgang für eine Volkswirtschaft unbe-

es verbindet mit dem Begriff derTeuerung" und derteueren Zeit" die Vorstellung und die Erinne-

gu Dantes 600. Todesjahr

ist im Verlag von Walther Hätecke in Stuttgart eine ganz neue Uebertragung den Göttlichen Komödie von HanS Geifvlo erschienen, der sich bemühte, die Commedia in eine völlig deutsche Form umzugießen. Die Ueber­tragung, ja man kann von einer Umdichtung sprechen, ist sehr frei, vor allem durch reiche Ab­wechslung der Versmaße, und Geisow hat seine Absicht mit glücklicher Hand durchgeführt, tote die Feinmalerei im siebenundzwanzigsten Gesang des LäuterungSberges beweisen mag:

Wir waren zu dem steilen Pfad gekommen, Der einem Engpaß gleich sich aufwärts zieht. Da war der Sonne letztes Gold verglommen, Der letzte Schein des Abendrots verglüht. Es hatte Dacht die Herrschaft abgerungen Dem Licht, das westwärts mehr und mehr verblaßt;

Da legte ich, von Müdigkeit bezwungen. Mich auf den Boden hin zur letzten Rast. Wie Ziegen ruhn in abendlicher Stunde, Die Augen zu, die Glieder ausgedehnt. Bewacht von dem getreuen Schäferhunde Und von dem Hirten, der am Stab gelehnt, So wohl bewacht zur Rechten und zur Linken, Schlief ich im engen Raume ruhig ein. Und heller, als sie auf der Erde blinken. Schien mir der Sterne goldner Glanz zu sein. Und plötzlich teilten sich im Traum die

Schranken, Und ich gewahrte eine Blumenau;

Durch bunte Pracht, versunken in Gedanken, Schritt singend, Blumen windend, eine Frau.

Haltung damals viel einfacher, anspruchsloser und geradezu primitiv war gegenüber terjen gen von 1914. Gewiß, es ist bereits berührt, gewisse Güter waren billiger. Es waren das die Güter des Massenverbrauchs, die in der Eigenwirtschaft er­zeugten Lebensmittel und Dellcwungssto'fe, an­dere Güter dagegen waren teurer und zum Teil viel teurer. Ater auf diese verzichtete man da­mals, und darum erschien und war das Leben billig für die Masse, nicht für diejenigen, dle damals schon ein höheres Kulturleben führen tooli- ten. Ein solches kam für verschwindend wenige, nur für diejenigen in Betracht, die damals die oberste Spitze der sozialen Schichtung bildeten. Und auch sie hätten, wenn ste nur annähernd das Leben hätten führen wollen, das im Jahr 1914 von dem mittleren Dürgerstand, allo von vielen Millionen, geführt wurde, Summen gebraucht, die für sie unerschwinglich gewesen wären.

Wenn man das alles sich recht deullich macht und dazu noch etwa das spätere Leben in einer Ritterburg sich vergegenwärtigt mit einer Aus­stattung, die erheblich hinter der ärmlichsten heu­tigen bäuerlichen Wohnung oder vollends einer Arbeiterwohnung zurückbl.ibt, etwa das Leben in Hohenentringen um 1428 mit seinen vier Ritter-

Die Pintsch-GNminlampe.

Etwa 2 Jahre alt ist sie, die von der Pintsch- Akt^ngesellschast zu Berlin in den Handel ge­brachte Glimmlampe, ein wahres Wunderwerk hinsichtlich ihrer Verwendungsmöglichkeit. Aeußer- lich gleicht sie einer gewöhnlichen Kohlefaden- oder Metalldrahllampe, und sie paßt in das Gewinde ver Fassung einer jeden normalen Glühbirne. Aber innerlich sieht sie ganz anders auS. Hier sehen wir nicht einen zusammenhängenden Faden, sondern zwei Elektroden, von denen die eine die Form einer kreisförmigen Platte hat, die andere durch ein spiralförmig gewundenes Drahtende dargestellt wird; als Material dient Aluminium. Es sei gleich erwähnt, daß es auch Glimmlampen mit anderer als der eben beschriebenen Gestalt bet Elektroden gibt; daS bängt ganz von dem Zweck ab, dem die Campe dienen soll. Gefüllt ist die Lampe mit DeongaS, daS in größeren Mengen und verhältnismäßig billig hergestellt werden kann. Der Preis einer Lampe normalen ThpS be­trägt einschließlich TeuerungSzuschlag zur Zeit 15 Mk.. und ihre Brenndauer erreicht einige 1000 Stunden, so daß sie in bezug auf Preis und Halt- oarfeit der Glühlampe die Stange hält. Dur leuchten tut sie nicht so hell wie diese, fast nicht so hell wie eine Kerzenflamme, und dabei mit einem rötlichen, etwas ins gelbe gehenden Licht. Ihr Leuchten beruht nicht wie bei den Glühlampen auf der Wärmewirkung des elektrischen Stromes, sondern auf einer Achterscheinuüg, wie wir sie bei den Geißlerschen Röhren antreffen, das sind luftverdünnte, mit Slettrvden versehene Glas­röhren, an die man eine hohe, elektrische Span­nungsdifferenz legt, die sich durch den lustver­dünnten Raum hindurch ausgleicht, und je nach dem Grad der Verdünnung bald diese, bald jene Lichterscheinung ergibt. Während aber bei den ge­wöhnlichen Geißlerschen Röhren eine nach Tausen­den zählende Voltzahl als Spannung nötig ist, damit ein Ausgleich stattfindet, genügen bei der Deonlampe, die also eine mit Deongas gefüllte Geißlersche Röhre in Dirnenform darstellt, 180 bis 250 Volt (eine Spannung, die etwa der Detz- spannung in Gießen entspricht; bei Wechselstrom genügen 125220 Volt). Dabei ist der Strom­verbrauch äußerst gering; die Stromstärke beträgt bei ihr etwa 20 Milliampere, so daß sich bei 220 Volt Klemmenspannung die von einer Lampe verzehrte elektrische Energie auf rund 5 Watt beläuft. Die Dremrkvsten sind nur 25 Prvz. der­jenigen einer lökerzigen Glühlampe. Hieraus er­gibt sich, daß sie überall da anwendbar ist, wo lökerzige Lampen durch einkerzige ersetzt werden können, wie etwa bei Flur- und Klosettbeleuch­tung oder bei Signal- und Kontrollampen (Tele­phonzellen, Feuermelder, Lösch- und RettungS- apparate). Hierher gehört weiter ihre Verwen­dung in Bergwerken und Tunnels, zur Beleuch­tung der Ausgänge bei Theatern und Kirchen usw. Gibt man den Elektroden Duchstabenform, o eignen sich die Glimmlampen vorzüglich zu Rellamezwecken, und gerade in Anbetracht des Verbots der Lichtreklame, das wegen der Kohlen- knappheit immer wieder erneuert werden muß, wäre zu erwägen, ob man nicht in bescheidenem Maß die äußerst sparsame Deonlampe zulassen kann.

d^^en svld auch die Gesänge aus Schiller* ' ^ausgestellte S/empUr. ste viel- ift in k Ein^Se noch erhaltene fein. ES Privilegierten Dotensabrik ?nt»r^atmX St<bQ,d hergestellt. Eine sehr interessante Sammlung sind die von Pfarrer tmfPannC-1?95 herausgegebenen .Va- strr Württemberger und andere bie- galten Vertonungen viele* Gedichte von Schiller. Schudert, Friedr. Ritter u.

ist die Ausstellung von Verto- nungen Schillerscher Dichtungen. Sie beginnen mit 3eltet und Aeichardt, denen Schiller, als er seinen Musenalmanach herausgab, für dessen musikalische Beigaben, die Komposition einzelner Gedichte an- vertraute Sehr groß ist die Anzahl von Kompo- sttionen des Aedes:An die Freude", beginnet nut der von Schillers Freund Körner herrühren- Sri* Beethovens herrlicher must-

kallscher Ausgestaltung dieses Gedichtes in seiner neunten Sinfonie. Zahlreich sind Luch die Ver­tonungen des Liedes von der Glocke Der Be- [W1** 9Tin^t Eindruck, daß fast jedes Ge- einen oder mehrere Komponisten twvn SSE- hat Schubert allein mehr als 50 Schlllersche Gedichte, und zum Tell sogar in in Musik gesetzt. MendelS- Whn-Bartholdh, Schumann, Löwe, Joseph Joa­chim Remecke, Peter Cornelius, Brahms, Schil» »EftJSrr. "Are sind mit ihren Vertonun­gen Schillerscher Dichtungen vertreten. DaS am ^eisten gesungene Lied Schillers, nämlich daS Reiterlied au$ Wallensteins Lager, ist tn einer großen Prachtausgabe vertreten, die im Cottaschen Verlage erschienen ist. Der meist komponierte deut­sche Dichter ist jedenfalls Ludwig ilfclanb. Dicht toeniger als 35 seiner Lieder sind sehr oft vertont worden, darunter das LiedDie linden Lüste sind erwacht , sogar siebzigmal. Am meisten sind die von Kvnradln Kreutzer herrührenden Kompositio- nen, der als Hofkapellmeister in Stuttgart ange- stelu und dadurch mit Uhland näher bekannt wurde. Sllcher ist durch mehrere Handschriften » Ausstellung vertreten und

ÄarL?^Im durch die Handschrift seinerWacht am Ahein Sin Tell der Ausstellung weist auf oje Pflege des deutschen Liedes in der neuen Welt Yin, indem sie die Kompositionen amerikanischer Tonseher zu Werken deutscher Poeten aufweist. Gewissermaßen als Anhang der Ausstellung sind zahlreich Kompositionen einzelner Lieder zeit­genössischer Dichter ausgelegt, in denen das kraft­volle musikalische Schaffen der Jetztzeit ihren Aus­druck findet.

Sin Staubregen.

Das seltene Schauspiel eines Staubregens fand in Mitteleuropa vor 20 Zähren statt. An die Entfaltung dieser merkwürdigen meteorologischen Erscheinung wird inHeber Land und Meer" erinnert 3n der Dacht vom 8. zum 9. März 1901 entstand in der Wüste Sahara infolge eines ungeheuren Wirbelsturms eine gewaltige Staub­wolle, die in einem breiten Bande über das Mittelländische Meer nach Europa getrieben wurde. Am Morgen des 9. März wurde der Staubregen bei trockener Luft in Tripolis und Algier bemerkt; am Abend desselben Tages stand die niederstäubende Wolle über Sizilien, und am 10. zog sie über Italien hin, wodurch eine riesige Aufregung bei der Bevölkerung entstand. Die abergläubische Devöllerung glaubte, daß dadurch der Untergang der Welt angekündigt werde. In Fiume beobachtete man abends gegen 10 Uhr außer dem Staubfall auch Schlammregen. Wäh­rend der Dacht überflog die Wolle die Alpen und ergoß am 11. Marz ihren Inhalt über Deutschland. Sie wanderte über Bayern, Thürin­gen, stand um 11 Uhr vormittags über Berlin, zog dann nach Mecklenburg, Pommern und über das westliche Westpreußen. Am Dachinittag deS 11. März ging der noch übrige Rest der Wolle unter Schneefall auf der dänischen Insri Seelaich nieder. Die Staubwolle legte diesen etwa 3000 Kilometer langen Weg mit einer DurchschnittS- geschwindigkeit von über 60 Km. in der Stunde zurück. Die Menge des gefallenen StaubeS schätzte man auf mindestens IV* Millionen Tonnen; tn Deapel fielen 11 Gr. auf den Quabratmeter, an der Ostsee etwa 1 Gr. Der Staub bestand haupt­sächlich auS Quarz und Eisenocker. Der Staub­regen hatke prachtvolle Daturbilder im Gefolge, überzog den Himmel mit einer eigenartigen Däm­merung und tauchte ihn in unheimlich glühende Färbungen, wie sie ähnlich selten gesehen werden.

Im Schillenuusemn in Marbach, daS auf anmutiger Höhe oberhalb des Deckars weit in das Land blickt, und dessen Bestände durch Stiftungen und Ankäufe sich von Jahr zu Jahr mehren, ist jetzt eine äußerst intereffante Sonder- ausftellung veranstaltet. Sie c i t einen Uebcr- blick über die reiche Anregung, welche die Ton­kunst durch die Dichtungen Schillers und anderer schwäbischer Dichter erhal­ten hat. Fast alle hiev ausgestellten Gegen- taube sind den Sammlungen des Museums selbst entnommen. Die älteste der ausgestellten Parti­turen ist, wie wir einem Bericht derK. Z." ent­nehmen, Wielands SingspielAtteste", das 1773 in Weimar mit Anton Schweitzers Musik aufge- ührt wurde. Sehr reich ist die Zahl der Verto­nungen von Schubarts Gedichten, von denen viele vom Dichter selbst komponiert wurden, und dessen Concert pour le Violoncelle eine der größten musikalisch - bibliographischen Seltenheiten ist.1

Kapitellaal den Frevlerhänden glücklich entgangen, jo daß wir aus ihm eine klare Anschauung der inneren Gediegenheit des ehemaligen Konvents ge­winnen, dessen interessante Geschichte in Sauer und Gbel gelehrte Bearbeiter gefunden hat.

Die wertvolle Bibliothek des Klosters ist der Zersplitterung glücklich entgangen, sie wurde nahe­zu vollständig in dasSchloßzuLaubachge- rettet. Unter ihren handschriftlichen Schätzen be­findet sich auch der geistliche RomanDarlom und Josaphat", eine indische Dekehrunasgeschichle, lite­rarisch dadurch merftoürbig, daß er die älteste Fassung der Geschichte von den drei Kästchen ent­hält, die Shakespeare seinemMerchant of Denice" zugrunde gelegt Hat.

Um den mächtigen Kegel, der die Ruine Munzenberg trägt, schlingt sich das Städtchen gleichen DamenS, ein trauliches, stilles Rest mit allerlei beachtenswerten Ueberresten aus den ver­schiedenen Zeitabschnitten seiner Entwicklung.

Sine Episode auS seiner Geschichte hat mir besonders gut gefallen. So geschah es eines Ta­ges so um die Zeit kurz vor dem siebenjährigen Kriege, als der Soldatendrill bei uns in hoher Blüte stand, daß ein (hesien-)nassauisches Ba­taillon sich aufmachte, um das Heine Münzenberg, das treu zu Hessen-Darmstadt hielt, zu belagern und ihm den nötigen Respekt vor dem Gegner den gering zu schätzen es die Kühnheit besaß, bei­zubringen.

Vorausgesandte Kundschafter melden, daß sämtliche Tore geschlossen seien und die Besatzung der Wälle aus zwanzig mit Flinten bewaffneten Mannern bestehe. Darauf hält der Kommandeur mit seinen Offizieren auf freiem Felde Kriegsrat; dle Sachlage wird gründlich erörtert, alle für das Belagerungskorps sich ergebenden Vor- und Dach­teile gewissenhaft gegenemanber abgewogen, und endlich einigt man sich in dem Entschlüsse, von dem Wettermasch Abstand zu nehmen, da die Münzenberger als gute Schützen bekannt seien und man nicht wisse,was unter fotanen Umständen geschehen könne". Sofort machte das Bataillon kehrt und in gemächlichem Tritt geht's nach der Garnison zurück Wer der Leonidas dieser tapferen Spartaner war, verschweigt die Chronik, und sie tut wohl daran.

familien und Zusammen hundert Kindern (der be­kannte Georg von Ehingen, der Denkwürdigkeiten hinterlassen hat, war eines der hundert Kinder) dann versteht man ohne weiteres, wie noch ein deutscher Kaiser des fünfzehnten Jahrhunderts sei­ner Gemahlin die Bitte um ein Seidenkleid als für ihn unerschwinglich abschlagen konnte.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt man bei einer Vergleichung der fünfziger Jahre DeS neunzehnten Jahrhunderts oder noch der achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts mit der Zeit von 1914, nur daß die Unterschiede und Abstände weniger groß sind. In den höheren Preisen des Jahres 1914 gegenüber denjenigen der früheren Zeiten kommt wiederum ledigllch die Wohlstandssteiae- rung zum Ausdruck, und wiederum waren die Preise nur für gewisse Bedarfsgüter des täg- lichen Lebens früher niederer, für andere wa­ren sie früher höher.

Man weiß gar nicht mehr, wie einfach und bescheiden unsere Väter und Großväter gelebt ha­ben und daß, was ihnenflott" vorkam, der Zeit von 1914 dürftig und ärmlich erschienen wäre. Und diese Veränderung der Lebenshaltung hat sich be­sonders stark in den mittleren und unteren Schich­ten der Devöllerung vollzogen. Diese Verände­rung und die in ihr zum Ausdruck kommende scheinbare Teuerung ist aber wiederum nichts an­deres als der Ausdruck unserer gewachsenen Wohlhabenheit, der wirtschaftlichen Dorzugstel­lung, die wir "im Lauf der Zeit auf dem Welt­markt uns errungen hatten. Und weil wir, well breite Schichten des deutschen Dolles an eine Rück­bildung dieser Lebenshaltung nicht Herangehen, darum will die Teuerung nicht weichen, unter der wir zur Zeit leiden.

Aus hessischen Landstraßen.

Unter diesem Titel beschreibt H. 6. Rehm Künstlerfahrten, die er im Verlag von Loh- müller & Sommer, Fulda, herausgegeben hat. Der vielgewanderte Verfasser, der mtt offe­nem Auge für Naturschönheiten und mensch­liche Eigenheiten sowie mit Kunstsinn, reichem historischem Wissen und Humor begabt ist, hat ein gutes Recht, sich in diesem Buch als Füh­rer durch hessische Lande anzubieten. Wie in dem Buche Vergangenheit und Gegenwart zur Einheit verschmolzen werden, ist echt emp­funden; wir sehen rückwärtsblickend aus rissi­gen Burgruinen unb Klostermauern, wie Münzenberg und Kloster Arnsburg, wieder )ie einsttge, unversehrte Pracht erstehen, und hören von den Taten früherer, lebensstarker Geschlechter. Wir finden bestätigt, wie groß und mannigfaltig Hessens Vergangenheit ist. In anregender Knappheit und Anschaulichkeit ind all diese Bilder dargeboten. Dazwischen werden in unaufdringlicher, humvrfrischer Weise persönliche Erlebnisse aus dem heutigen Alltag skizziert, die für Land und Leute Charakteristisches bieten. Das eben» v unterhaltende wie lehrreiche Buch, aus dem wir zum Schluß eine kleine Probe wieder­geben, sollte jeder Freund von Geschichte, Kunst und Natur Hessens sich nicht entgehen 1 assen.

Das eigentliche romantische Prunkstück der Wetterau bildet die von hoher Kuppe mit stolzem Kraftbewußtsein in die Landschaft schauende Ruine Münzenberg. Ob Herbstwollen sie beschatten oder die hellen Lichter eines leuchtenden Sonnen­tages sie umspielen, immer gewährt sie, flankiert von ihren beiden mächtigen Bergfrieden, ein er­habenes, in eine große Vergangenheit zurück­weisendes Bild.

Zu einer Zeit erbaut, da Ritterleben sich in höchster Blüte entfaltete und deutsch - nationale Kunst sich in den Domen von Worms und Speyer auf das herrlichste offenbarte, darf die Veste, wie aus ihren heutigen gewaltigen Ueberreften noch deullich erkennbar, als ein Musterbeispiel romani- chen Burgenstils bezeichnet werden. Insbesondere lassen die noch in unberührter Vollständigkeit er= »altenen langen Fensterarkaden des Pallas die charaktervolle Schönheit des Ganzen ahnen, und noch als Trümmerstätte bietet die gewaltige und großgedachte Anlage einen wundervollen Spiegel des die Hohenstaufenzeit machtvoll durchziehenden Künsllergeistes.

Wo Ritterburgen bie Dergesscheitel Fronten, da waren auch Klöster nicht fern, und so hat denn auch die Ruine Münzenberg ihr geistliches (Seiten- tüd in der unfern in grüner Waldespracht sich er­hebenden. einstmals hochberühmten Zisterzienser- abtei Arnsburg, die 1774 das Erinnerungs- est ihres sechshundertjährigen Bestehens in glän­zender Weise feierte, bald darauf aber unter den Sturm klängen der französischen Revolution ihr Ende zu beweinen hatte. *

Dicht Brand ober Zerstörungswut feindlicher Scharen brachte dem edlen Bau den Untergang, entern der platte Unverstand der späteren 'Se­iner, die das, was hoher Sinn einst erstehen lieh, chonungslos niederrissen, um es in Scheunen und Viehställe zu verwandeln.

Während die dreischifsige Kirche als Gagenbe Ruine emporragt, ist ter schon gegliederte gotische

rung an Hunger und Elend, an Dot und Tod. Wer noch ein altes Mütterlein erzählen hörteda­mals war teure Zeit", ter erinnert sich des Schauers, ter dabei durch die zitternde Stimme ging.

Allein hier zeigt sich, daß es wissenschaftlich vielleicht doch auch sein Gutes hat, toerm man den Vorgang so sehr ich unserer heutigen sogenann­ten Geldentwertung gegenüber davor warne ge­legentlich nicht sowohl von ter Güterseite als viel­mehr von ter Geldseite aus betrachtet. Tut man daS und tut man es an der Hand der Wirtschafts­und Kulturgeschichte, so kommt man zu einem an­deren Ergebnis. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt: ter Geldwert sei zur Zeit Karls des Großen etwa daS Sieten- bis Zehnfache, im Mittelalter daS Drei- bis Fünffache, in und nach dem Dreißig­jährigen Krieg wieder das Sechs- bis Sieben­fache, zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts etwa das Anderthalb- bis Zweifache des heutigen Geldwerts gewesen, das heißt tes Geldwerts vor dem Krieg! (Dem buchstäblich heutigen, stark ge­sunkenen Geldwert gegenüber müßte man viel hö­here Zahlen einsehen!) Innerhalb dieser langen Zeiträume sind natürlich Schwankungen zu ver­zeichnen. Sv wird zum Beispiel für 1770 bis 1815 ein Steigen, von 1815 bis 1850 ein Sinken, von 1850 bis 1875 wieder ein Steigen und erst von 1875 an ein dauerndes Sinken gemeldet.

Mit diesen Zahlen ist, wenigsten« im großen ganzen, nichts anderes gesagt, als daß die durch das Geld getauschten Güter ober Waren früher im allgemeinen oder im Durchschnitt tm Preise nie­derer standen als heute, beziehungsweise daß sie im Laufe ter Zeit, unbeschadet ter zeitweiligen Gegenbewegung, im ganzen dauernd gestiegen sind. Wenn nun aber niedere Preise als eine wirtschaft­lich günstige Erscheinung, hohe als das Umgekehrte anzusehen sind, so toüroe als Gesamtergebnis der Entwicklung seit Karl dem Großen bis 1914 eine dauernde Dreschlechterung unserer wirtschaftlichen Lage zu verzeichnen sein. Das Gegenteil trifft zu.

Der (scheinbare) Widerspruch erklärt sich dar­aus, daß die Preisgestaltung oder Teuerung ver­schiedene Ursachen haben kann. Die Teuerung kann nämlich entstehen, weil ter Gütervorrat sich ver­mindert, wie eS bei uns alS Folge tes Kriegs, ter Revolution und des Friedensvertrags eintrat und ebenso einst infolge tes Dreißigjährigen Kriegs. Die Teuerung kann aber auch entstehen alS Auswirkung einer steigenden Wohlhabenheit.

Um unS das letztere deullich zu machen, brauchen totr nicht auf die Zeit Karls des Gro­ßer», auch nicht auf den Anfang deS neunzehnten Jahrhunderts zurückzuaehen, es genügt ein Blick auf die letzten Jahrzehnte vor tem Krieg.

Schon lange vor tem Krieg hatte in Deutsch­land ein Steigen ter Preise oder in der anderen Ausdrucksweise eint Geldentwertung eingesetzt. Daß die Preise damals ohne Dachtell für die Ge- samtwirtschaftslage steigen konnten, hat seinen Grund darin, daß damals die Dachfrage nach Gü­tern, welche die Preissteigerung und damit die , sog. Geldentwertung bewirkte, die Folge einer auf unserer Seite eingetretenen verstärkten Gütererzeu- gung und Kapitalblldung war. Diese verstärkte Gütererzeugung und Kapitalbildung baute sich aber tm wesentlichen auf Fertigerzeugnissen und Ausfuhrgütern, auf wertvollen wissenschaftlichen unb künstlerischen Leistungen, also auf Gütern auf, die draußen in der Welt einen Seltenheitswert und damit höheren Wert hatten als die Dahrungs- mtttel, Rohstoffe ufw.» die bei uns stärker begehrt wurden, also bei unS allerdings im Preise steigen muhten, aber doch nicht in so hohem Maße stiegen, daß.nicht im ganzen zu unseren Gunsten noch ein Saldo geblieben wäre. Freilich kam dieser Saldo keineswegs gleichmäßig und noch weniger gleich­zeitig allen Devölkerungskreisen zu statten. Auch damals mochten gewisse Kreise unter der Preis­steigerung zunächst leiden, nämlich alle diejenigen, die an der Mehrerzeugung der Settenheitsgüter, die ter deutschen DolksWirtschaft als Ganzem den Saldo einbrachten, nicht oder nur sehr mittel­bar beteiligt waren. Aber allmählich sickerte der stärkere Wohlstand, der aus unserer Dorzugs­stellung auf dem Weltmarkt sich ergab und den zunächst beteiligten Schichten tn erster Qinie unb in stärkstem Grade zugute kam, doch zu allen Schichten durch, und auch diejenigen, zu denen er zuletzt und am schwächsten kam man denke an die Beamten mit ihren, dem wirtschaftlichen Gesamtaufschwung und ter sie begleitenden so­genannten Geldentwertung stets nachhinkenden und den Ausgleich wohl nie vollbewirkenden Gehalts­erhöhungen, haben tatsächlich an der größeren Wohlhabenheit und tem wirtschaftlichen Auf- ichwung Deutschlands, wenn auch in bescheidenem Umfang, teilgenommen, zu Lasten Derjenigen Länder und Volkswirtschaften innerhalb ter Welt­wirtschaft, die an tem deutschen Aufschwung nicht beteiligt waren und deren breite Bevölkerungs­schichten hienach keiner allgemeinen Preissteigerung sich auSgeseht sahen, sondern unbehelligt die alten billigen" Preisegenießen" Durften. -Freilich Die­jenigen Kreise jener Länder und Bottswirtschaften, welche am Bezug und der Verwertung Der von unä erzeugten Ausfuhrgüter unD Seltenheits­leistungen beteiligt waren, mögen Da unD Dort die Preissteigerung zu kosten bekommen haben, sie erschien ihnen jeboch lebiglich alsTeuerung" einzelner Artikel und nicht alsGeldentwertung"

Damit sinb wir bereits bei Der Lösung Des scheinbaren Widerspruchs in Dem Ergebnis Der geschichtlichen Entwicklung seit Karl "Dem Großen i dis 1914 angelangt. Es ist nicht wahr, Daß Die Preise zur Zeit Karis des Großen, oder im Mittelalter, oder zu Anfang oder in Der Mitte des 19. Jahrhunderts niederer waren als 1914. Dur gewisse P> eise waren niederer, andere waren hoher. Richtig ist. Daß das Leben bil­liger war. Ater das Leben war nicht Darum billiger, weil Die Preise im ganzen billiger ge­wesen wären, sondern Darum, well Die Lebens- :