Nr. 2f>3 Zwelles Blatt tkietzener Mzeiger (Gen ral-Nnzeiger für Gbcrhesscn)Mittwoch, 9. November 1921
gur neuen Verfassung der evangelischen Landeskirche.
Zu bem 2rtlfd mit Meter UebcrWjrift in Dr 261 des .CPH'-rier A^iaers" möchte ich furr T-cmertungcn machen
Her Jntwurf aut Kirchen Verfassung ist im Qturuft M C» verösfenllicht toorben. Der 2a n- desN'chen'ai. ter darüber zu beicht hen hat. wird fru heften» in den letzten Lagen des Rovember efnberufei werden^ möglich rwrite erst im neuen (Sabr# 3um milchst en standen allo drei Monate pi( öffentlichen (frrt t-una und zur Beivrechuno in de" Gemeinden zur ^Beifügung Gs haben auch en tid) allerlei Versammlungen — z. B in der Männer- und ^rauenvereiniaung der Matthäus- gemevBe und die Volksri rchlich' Vereinigung in Giete-n — die Angelegenheit besprochen. Do eine ötmdnbe das wollte, konnte sie in diesen Monaten Stellung nehmen Wozu jetzt eine Der- Hbgeruna um einen weiteren längeren Zeitraum, wie es jener Artikel w wünschen scheint, dienen sollte, itt nicht abzulehen. Denn eine Gemeinde nicht soviel Interesse hatte, um vom August Hl Ror^rnbcr die Sache w beraten, so wird sie wahrichnnlich sich auch nicht die Müde genauerer Befchästirung mit der Verfassung nehmen, wenn man die Beratung noch so'ange binnu-schiebt.
Dazu kommt ein anderes. Aus den Vera- Nrn gen In mehr ober weniger zufällig zusammengesetzten Versammlungen können gewitz beachtens» werte Anlegungen bcrDorgehcn: aber ein wirklich klares Vild der ethmmmg ergeben sie nicht. Und noch weniger können solch? Versammlungen die •inxOragm genau 'durcharbeiten und die Formulierung.-n flcaenetnanb-'T abwägen. Das kann selbstverständlich nur im kleineren Kreis in langwieriger. mühsamer Arbeit Sach und Fachkundiger geschehen. Dieser Erkenntnis trägt jener Artikel nicht ausreichend Rechnung Dir wollen gern hören, was an Wünschen und Ansichten vor- Cbracht toirb; wer etwas zur Sache zu sagen 1, ist herzlich gebeten, es zu sagen. Aber w i r machen d i e Erfahrung, bah ber Aus- schütz bcs Landeskirchen tag» in seiner schweren lan gen Arbei t alle diese Gedanken bereits erwogen und — soviel er konnte — berücksichtigt hatte!
Jener Artikel könnte den Eindruck Hervorrufen. datz die Kirchenverfassung, wenn sie im Dezember oder Januar beschlossen wird, .übereilt" beschlossen würde, datz nicht die nötiae Zeit gelassen wäre Davon aber kann keine Arve sein. Der zur Sache reden tiH, konnte es und kann es ntxb: wer jetzt noch nicht sich gerührt hat, muh wohl kein Lrvtz's Interesse an der wichtigen Sache haben Solchen Zögerern ist bekanntlich mit Fristverlängerungen auch nicht gedient.
Giehen. 8. Rovember 1921. D. Schian.
Deutscher Reichstag.
Derlin, 8. Rov
Aach der Erledigung einer Reihe kleinerer Anfragen wird die
Generaldebatte über die Steuervorlagen in Verbindung mit der Desprechung der Interpellation übet das Sinken der Valuta fortgesetzt
Reichswirtschaftsminister RobertSchmidt:
Abg. Dr. H e l f f e r i ch hat gestern heftige Angr s e peoen den Staatssekretär Dr. Hirsch vom Reich^wirtschof sministerium erhoben und behauptet. datz dieser damals im Ausschuß. als die Annahme des Ultimatum^ zur Beratung stand, eine Darstellung der Leistungsfähigkeit Deutschlands gegeben habe, die von den Anschauungen des Ministers abgewichen sei. Er zog daraus den Dchlutz, datz die Rechte im ReichswirtschiftSmini- fterium nicht Wiste, was die Linke tue. Allerdings habe zu der Zeit, als dieser Vorgang sich ab- spielte, im ReichswirtschastSministenum die Rechte nicht gewutzl. waS die Linke unternahm. Die Rechte war mein Vorgänger Dr. Scholz (hört! hörtl) Ich verkenne aber nicht, datz unter den damaligen Verhältnissen die Austastung meines Vorgängers zutreffend war Staatssekretär Dr. Hirsch hat in ber Sitzung deS Auswärtigen Ausschusses die Ansicht vertreten, datz nach Annahme deS Ultimatums eine gewiste Besserung deS Markkurses erwartet würde (Lachen rechts), und datz man dic Gelegenheit benutzen müsse, um sich für die kommenden Monate einen gewis'en Vorrat an Devisen zu beschaffen Tatsächlich war denn auch nach Ab- schluf» deS Ultimatum- die Besserung des Mark kurses eine sehr erhebliche. (Lachen rechts )
2Ibg Dr Beck er-Hessen (D.Dpt): Der Minister frälte bester getan, nicht den Versuch zu machen, den Staatssekretär Hirsch von etwa! rein zu waschen, wovon er nicht rein zu waschen ist.
Der Schutz im Blut.
Roman von Horst Dodemer.
33. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
AIS der Oekonomierat aus den Ställen kam. feinen abendlichen Spaziergang durch die Gärten machte, traf er mit der Mamsell zusammen. Es war nicht Zufall. Sie sah ihn mit einem langen Blick an, da blieb er stehen.
.Ra ja. alles Haus, ich habe meinrr Schwiegertochter den Standpunkt klar gemacht. Die kommt mir nicht wieder! Die Aussprache hat ihr Gute! gehabt. Ich will letzt anstrengend nachdenken, wie ich die Karre wieder ins rechte Gleise bringen lann!"
Schob die Mühe ins Genick, schlug die Hände auf dem Rücken zusammen und ging weiter.
Der Mamsell zucktrn die Mundwinkel. Ihr machte ihr aller Herr nicht» Weitz, in dem kannte Ne sich aus. Csr sah keinen Ausweg, trug setzt seine Sorgen im Hainbuchengang spazieren
Als den te. Lekonomicral betrat, blieb er stehen und runzelte die Stirn.
.Guten Abend, Grv.vater!-
.Das machst du iean hier?*
.Ich lern von birF
.Dür w.r.lich höchste Zeitk"
.Seh ich ein. Gro vatcr, — deshalb bin ich Ja hier: Da hab ich alle Augenblicke gute Vorsätze. aber da ist immer etwas in mir. daS fchmeitzt sie wieder üb.T den Hrallen! Ich füht doch selbst, so geht es nicht weiter!"
Ties atmete Christoph Därhahn aus. Kaum setzt bei dem Jungen die grob« Stands? Jedenfalls galt es. zuzupacken!
.Hänschen, es würde mich freuen! Sieh mal. du bist der Erde dieser Hcrrlichkest hier, die hat
(Sehr wahr? rechts ) Im Auswärtigen Aus- Ichuh hatte der ReichSbankprätident in la gen 2 s üh unzen die U nerf üllbatl i t des Ultimatums nachgewieien und ausdrücklich her vorgehoben, datz die Folge der Annahme ein Sinken des Marklurtes ins Bodenlose sein würde Zur allgemeinen Uebcrraschung bat aber Staatssekretär Dr Hirsch versucht, de i Geaenbeweis zu führen, dah daS Ultimatum erfüllbar fei und zwar auf die Dauer, dr hatte davon gefprvch n. datz feine Annahme eine Besserung des Markku rlee zur Folge haben würden datz diese vorübergehend sein werde, davon war keine Rede. Run spricht der Reichswirtschastsmini^er heute davon datz diese Prophezeiung in i?c ülLmg gegangen sei. der Martkuro hab: sich ja auch gebessert. Ja. auf wie lange denn? 2s wird behauptet, für zwei bis drei Tage. Ich kann da» nicht in der Geschwindigkeit nachprüsen aber für eine längere Zeit wagt e» auch der ReichswiNschastSmlnister nicht zu behaupten Die Ankäufe zu machen, war die Pilicht und Schuldigkeit der Regierung, dic selbstverständlich die Konjunktur auinunen mutzte Ueberrafchend war g?stern. datz der Redner der Mehrheitsfozialdemolratie, der stärksten Partei in der Koalition mit gefällter Lanze den Vertrauensmann dieser Koalition, den stellvertretenden Finan-minister Hermes, fachlich und persönlich scharf angriff und diesen Steuergcseyen Opposition an ündigte. Diese Rede hat wvbl auch bei feinen Parteigenossen einiges Kopfschüttcln erregt. Dielleich', wollte Herr Braun zeigen, ein wie unbeguemer Weggenosse die Sozialdemokratie in der Koalition fein konnte. (Heiterkeit.)
Dir haben an der Art und Deis.'. wie die neue Fii.anzrefvrm ins -entert wird, alle lei wichtige Aussetzungen zu machen. Man gibt un» hier ein Bündel von Steuern ohne Jede innere Verbindung. und e» ist ein PreisräNel, welchen Ertrag jede dieser Steuern bringen soll. Diese Steuern für sich allein zu betrachten. ist falsch! kenn bazu konnnrn bieungeheueren© teuer- lasten in denLändern undGemeinden. In den Industriegemeinden d s Westens ist z. B die Dewerbesteu- r bi- auf das Achtzigfache der früheren städtischen Gewerbesteuer gediegen. Alle gröberen und kleineren Bundesstaaten sind wieder genau so verschuldet wie im Kriege und rechnen mit Beträgen von Hunderten von Mil- licnen. Ihre Lage ist geradezu katastrophal. Denn jetzt da» Reich neue Einnahmequellen erschliesst, mutz auch der schweren Lage der Länder und Gemeinden Rechnung getragen werden. (Sehr richtig! recht».) Dir fragen da» Finanzministerium. ob etwa die Steuerreform noch nickt abgeschlossen ist, ob etwa noch eine grotze Vorlage über die Erfassung der Goldwerte hin- zulommen soll. Dir müssen dem Steuerzahler sagen können, wann endlich einmal Gchluh gemacht werden soll. Roch vor den AuSsch itzberatungen muh daS Reichskabinett binden') er! även, ob nrch eine weitere Steuervorlage in Aussicht siebt. Dir müssen scharf auseinander halten, was da» Reich zur Deckung seiner Ausgaben verlangt und was daneben für die Erfüllung deS Ultimatums notwendig ist. Denn wir aus unserem Finanzelend herauSkommen wollen, dann massen zu- äch t tätige Voraussetzungen erfüllt werden. Vor allem müssen wir nicht nur das Gefühl, sondern auch die zahlenmäßige Dewihheit haben, datz in der Verwaltung wieder eiserne Sparsamkeit Platz greift. EL ist doch ein geradezu irvtzloser Zustand, dah da» Deutsche Reich eine gan\e Relle von ® robbetr (eben monopolartlaen Eharakter» bat. au» denen e» n chl nur feinen Ruhen zieht, sondern die noch Milltarden- z u s ch ü f s e erfordern, die au8 den Taschen der Steuerzahler genommen werden müssen. (Zurus de» Abg Helffench- 'DaS ist Sozta'.isieruna!) Bei ber Re chkeifenbahnverwa'tung werden noch heute Zehntausende von Ar'< tern, Beamten und Angestellten zu viel beschäftigt. S; ist uns sortwäh- rend versprochen worden. Die Zahl biefer Arbeiter zu verringern, aber eS ist bis jetzt nicht so weit geschehen, als es notwendig und möglich gewe'en wäre. Das Defizit in den öffentliche Betrieben mutz verschwinden. 63 muh alle» getan werden, damit sich daS Defizit bei der Eisenbahn wieder verringert. Denn anders kann der Bewegung nicht entgegengctreten werden, die Eisenbahnen ber pri- vatwirlschaftlichcn F hrunz zu Überlassen Unter Vvlksverrnögen hat heute, wie aus einer amtlichen Denkschrift der Regierung hervvrgeht. nur noch einen Dert von 150 Milliarden Goldmark, und darauf ruht eint Schuld von 132 Milliarden Goldmark, wozu noch b;e Verschuldung von so und so viel Hundert Papiermilliarden kommt. Dir müssen also zur Bezahlung unserer Verpflichtungen unser ganzes DolkSver- mögen hergeben. Mit den Bejahung S- k ost en zusammen müssen wir jährlich 41 • bi»
dein Grotzvater llch ehrlich, hn Schwcihe feine» Angesichts erkämpft. Kairnst du dir vorstellen, wie e» einem allen Manne zu Mute ist, der s ch immer wieder an den Kopf fassen mutz und f ch fragen. Derben meine Kindeslinder den Reichtum. den ihnen der Vorfahre in bin Schatz gelegt, auch gut verwalten? Derben sie mit dem Herzen dran hängen, Hänschen?"
.Ich versteh da» lckon, Grotzvater!" 6r stampfte mit dem Fuhr auf .Himmellreuzdv'mer- inetteL. ich will ein ganzer K^rl endlich werden!"
Für den Ce'o ’.omicrat war das Dort: Himmel'reuzdvm« weiter der Ausdruck zäher Entschlossenheit. Da schlang er den Arm um den Enkel, wanderte mit ihm im Hainbuchengang auf und ab. redete mit ihm von seiner Liede zu seinem Lande und seinem Fleisch und Blut.
.HänSchen. wenn du wahrhaftig ein ganzer Stert würdest! Den Verstand da.u hast du! Ich wollte aus der ©leite Drrg-.-Hen, waS du bisher alle» unterlassen und Sa.-limme» getan hast! Sieh, so lieb hab ich dich! 6» kann doch noch alles gul werden!"
Da getobte Han» mit tränen in den Augen, in die Hand feines Großvaters. datz er ein ganzer Kerl von heute ab sein würde!
15.
Hans nahm Anlauf. 63 ging. Danz gut sogar. Großvater fuhr mit ihm oft im Dogen hinaus aus die Felder, hielt ihm babei [anbttnrt- schastliche Vorträge Der Junge hatte eine schnelle Au.fastung.gabe. stellte ge ch ite F age D r-b r freute sich sein Grotzvat.r Als der Hans cS merkte, datz er sich mit seinen F.agen in die Dolle setzte, wurde er noch toibbegienger. Grotz- voter war doch ein seelensguter Mann! Er mochte fo gern eine Freude. Einen Plan hatte sich Hans schon zurechtgelegt, um was er bitten wollte, wenn der Grossvater eine» Tages fragte, ob er
5 Grldmilliarden zahlen Bei dem heutigen i Londwirtschaftsassessoren ernannt — Am 24 ». kt. DrUarstand ergibt das jährlich eine Summe von 1-21 wurden bt< ctorttirartt Job» 21 vpe 1 zu oOJ PapicrmlUtarden Für jeden, der g.wod-it Michelau (Oderförsterei B-ckin.tentz Dick. B i n- ist, mit <JalMcn ju rechnen. ist e» allo absolut d i n g 1 zu Schz st. (Brngenb'tm' Pct i D ö r r v
zu Al.'bnch lIua^nhcim Ivb» Feil zu Forsth.
gewitz, datz da» Ultimatum unerfüllbar ili Darum müssen wir unter demDruck der Verhältnisse mehr aiv )c arbeiten. Run wird daraus hinge® tefen, datz b:i un» ja die Sckiote rauche::. Herr Broun bot sich in trauriger Heberdnfüm- mung mit Briand befunden, der auch sagte. .Denn das Deutsch; 'Reich richt mehr brzadlen .'ann, tperoe.t wir in die Privatwinlchost htnem- ileigen.“ ES gibt keinen AuSdruck. der scharf icnug wäre, do» To g den etne» 3b '.eorbnc.cn zu dezeietnen, der von der Tribüne des Reichstag» he unter so etwa» sagt. (G.otze ilnrabe bei den Sozialdemokraten. 3hq Hoch (Soz ) tu t
Schamlose Dert.umdung'“ Er tti d vo n Präsidenten Aur Ordnung gerufen.) Ich wiederhole, es gibt keinen Aufdruck, der scharf genug ist, em solche» Der halten eine» 3bgcorbne;en ;u brandmarken, dessert Worte zwrifello» vom Auslande dahin veritanden werden, datz man auch in diesem Hause der Meinung ist, wenn da» Deutsche Reich nicht mehr zahlen könne, münten die Privatbetriebe daran glauben. Ich will nicht lagen, datz das in der Absicht de» Kollegen Braun gelegen bat. (3bg Braun: Sie haben e» ober gefugt!) Keine Bestimmung deS Fr eden»- vertrage» btetvl einen Rcch:»grund, da» Privatvermögen deurfchcr SiaatSangebö i'er innerhalb de» Gebietes bee Deutschen Reiche» für die Reparation in Anspruch zu nehmen.
Don den neuen Steuervorlaaen kann man vor der Au»fchutzberatung keine in Bausch und Dogen annebmer oder ablehnen. Im einzelnen hallen wir u. a. die vorgefchlogene Dertermittlung für l a n b- wirtschoftlichen Grundbesitz für unannehmbar. Der Ertragswert muh zu Grunde gelegt werden uub bet feiner richtigen Bemessung wird man auch dem Bestreben noch Erfassung der Sachwerte am besten Rechnung tragen. Unter allen Umständen aber lehnen wir es ab, der Reichsregierung in dieser Beziehung eine Ermächtigung zu geben. Das tonnen wir unmöglich zu einer Zeit, wo heute Herr Dirth oder Herr Hermes, morgen Herr Keil, übermorgen vielleicht Herr Heisser ich Finonz- mir.ister ist. (Heiterkeit recht» ) Ja dem DermS- genSsteuergeseh müssen auch die sozialen Renten ganz ander» ausgebaut werden. Der Gedanke ber DetmögenSzuwachSsteuer ist ja an sich bestechend, ober je mehr der Dert der Mark sinkt, desto mehr verliert er an innerer Berech ing. ö» handelt sich genau gesehen überhaupt nicht mehr um Zuwachs, sondern um Dermöyensverluste. (Lärm links.) Auch die Regierung hat |a jetzt ebenso gelernt, dah bei der ZuwachSsteuer der Geldentwertung Rechnung getragen werden muh. Bei der Körperschaft» st euer treten wir an sich einer Erhöhung bei Sätze nicht entgegen, wohl können wir nicht dazu Mitwirken, dah hier vernünftige Mahnahmcn zu unvernünftigen gemacht den, dah in Konsequenz der neuen Vorschläge eine leichtsinnige Wirtschaft begünstigt wird. Mit der Erhöhung ber Umsatzsteuer werden wir un» abfinden müssen. Da» die Verbrauchssteuern betrifft, fo wird aus Bier und Tabak gewih noch etwa» mehr herauszuholen sein, aber e» gibt eine Grenze, über die hinaus ber Genuh des einzelnen doch durch die Höhe deS Steuergesetzes lehr empfindlich beeinträchtigt wird. Unter allen Umständen lehnen wir jede Grsasfung der sogenannten Goldwerte scharf ab, die deutsche Wirtschaft verträgt es nicht, dah man ihre Substanz angreift. Bevor wir in die sachliche Derhanolung der ©tcucrtmrlagcn eintreten, müssen wir von der Regierung eine Erklärung hoben, ob auher diesen Vorlagen den Steuerzahlern noch etwa» bevor- steht. Wir verlangen zahlenmähige Unterlagen darüber, wieviel den einzelnen Steuerzahler noch der Verabschiedung dieser Vorlagen trifft, damit wir prüfen können, bi» zu welchem Grade der Belastung des einzelnen wir gehen können. (Beifall recht».)
(Fortsetzung hn ersten Blatt.)
Aus Stabt und Land.
Dietzen, den 9. Rov 1921.
•• Amtliche Derfonalnochrichten. Am 4. Rov 1921 wurde Ludwig Schneider zu Hungen zum Oberaffiftenten bei dem ßanbamt- menn zu Bad Salzhausen vom 1. April L I». an ernannt. — Durch Gntschliehung des Landes-Er- nährungsamtS wurden die Landwirtschastsreferen- dorc Heinrich Wenzel zu Büdingen mit Wirkung vom 9 Rov. 1921 und Karl Sommerlad zu Alzey mit Wirkung vom 10. Rov 1921 ab zu
.Wilde Hirsch tGernvheim). Herrn Fischer zu Blofeld (Bingenheims Konr Friedrich w Schönnen (Mich<l :abt). Friel r. H e ch I e r zu )hc- bcrrbaulen (Gr - Bieberau'. H. »nr H e l d >n a n n au Raunheim «Raunheim). Mail Knos tu Dübels- bdn* (DüdeiSbeim). Heinr Lautenfchläger iu Untet-Jir".. T.l ch
nlng zu Eckart »bau'en (Dübele d im). Jods. Re r n zu Kirch-GöaS (Bandachi. Jakob 0 r • schau zu Ober-Wiesen (Al-e^i. Karl Roden- Haufen zu König (KönigV Jods Ludw Röd- r i g zu Sonderbach (Heppe 'beim). Mich Wtlh. Achulmeyer V. zu Mk> hiben (Mötselden) Christoph Wagner XXIV m Drotzen-Bufeck (Treis a. b. Ldo ». Hch. Jakob Wetzel zu G. ras« beim (Gernsheims und Hch Zecher zu Staufenberg (TreiS a. b. Cba ) u: ter der Amt^bezeichnunx „ Förster" vom 1. April 1921 ab in den Staatsdienst übernommen - In den Ruhestand v^'etz wurde am 31 Oft. der Lehrer Hh Aug Derk- h a r b t zu Schwabenheim a. d Selz Im Äieife Binger. auf sein Rochfuchen unter Anerkennung leinet dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Tiouembtr 1921 an.
•• Die Vollstreckung ber Tobesst r a f e. Da» Hcssische Justizministerium b^il an- georbnet. bah bic Vollstreckung ber von den Schwurgerichten Mainz, Darmstabt und G \ c b c n gelallten Todesurteile nach ihrer Rechtskraft nicht mehr wie seither im Pivvinzial tesängnis. sondern in der Canbe4fln f inftaü Butzbach eriolil. Die Guillotine wurde infolgedessen nach Bunoach gebracht. Die erste Hinrichtung in Butzbach wurde, wie berichtet, am Freitag vormittag un einem vom Schwurgericht in Darmstadt verurteilten Raubmörder vollzogen.
" Die Wertmarke für selbst« kassierende öffentliche Fernsprech stellen (Fernsprechaulomaten) ist, wie uns von amtlicher Stelle geschrieben wird, In der Oeffentlichkeit anscheinend noch ziemlich unbekannt. Ihre Ginführuna hat. wie voraus- zusohen war, hier und da die Kritik herauS- gefordert. war aber eine unumgüngltche Notwendigkeit. Das vollständige Verschwinden des RiclelgeldeS und das Auftauchen aller Arten Notgeld liehen in Verbindung mit der allgemeinen Preissteigerung das bisherige Verfahren der Benutzung von geprägter Münze zur Auslösung der Sprechmöglichkeit nicht mehr zu. Die Eisenbahn-Verwaltung hat sich denn auch gezwungen gesehen, den Betrieb der selbstkassierenden Ausgabestellen von Fahrkarten für den Nahverkehr und von Bahnu steigkarten ganz einzustellen. Die Postverwab- tung hat so weit nicht gehen wollen und zu dem AuShilfSmittel einer besonderen Wertmarke gegriffen. Diese Wertmarken für selbstkassierende, öffentliche Fernsprechstellen sind an den Schaltern der Postanstalren aller gröberen Orte zum Preise von 50 Pf. (EinheilS- aebühr für Ortsgespräche) erhältlich. Die Einschiebung dieses Zwischengliedes bringt naturgemäß eine Unbequemlichkeit in der Benutzung der Fernsprechautvmaten mit sich. Besonder» fühlbar macht sich diese für Reisende auf den Gisenbahnstattonen. die meist Ihre Gespräche eiligst abwickeln möchten. Um diesem Bedürfnis nach Möglichkeit abzuhelfen, ist schon vor der Einführung der Wertmarke seitens der Postverwaltung versucht worden, die Ausgabe der Wertmarken bei den günstig gelegenen Eisenbahndtenststellen zu erreichen; eS ist aber bisher noch nicht gelungen, die Verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Als letztes Auskunftsmittel bleibt die Möglichkeit, dah sich jeder Eisenbahnfahrgast, der in die Lage kommen kann, selbstkassie- renbe Fernsprechstellen auf Bahnhöfen benutzen zu müssen, von vornherein mit einigen Wertmarken versieht. DaS ist um so eher möglich, als die Marken im ganzen Deutschen Reiche gleichmäßig benutzt werden können. Ferner sei an dieser Stelle daraus hingewiesen, dah bei etwaiger unmittelbarer Anwendung der gleichwertigen ReichSmünze (50 Pf.-Stück aus Aluminium), die aber aus technischen Gründen nicht angängig ist, bei der augenblicklichen Seltenheit dieser Münzart auch nicht je-
slch etwa» wünsche . . . Aber Ehristopb Där- hahn war dieles Mal sehr zähe. Gr beobachtete seinen Gnkel scharf, war fiel» auf einen .Rückfall" gefasst und freute sich im stillen ganz ungeheuer, datz der Junge durchhiell. Unb al» eine» Lage» für Gretel ein ganzer Packen Geto angefordert wurde, wahrscheinlich für allerlei Kinkerlitzchen, aber er fragte nicht danach und zählte es dem Henner ruhig auf den Tisch, sagte der Oeko- nomierat bei der Rachmittagsfahrt Über die Fet- der zu seinem Enkel:
.Hänschen, jeder 2kbeiter ist feines Lohnes wert! Wo ich dich in der letzten Zeit hingcstelll habe, du hast gewissenhaft deine Pfllcht erfüllt i Hast 'nen Wunsch? Ra, nun schietz schon tos!"
Er sperrte sich.
.Vro Vater, 'nen Wunsch hab ich natürlich! 6tgar 'nen ganz großen! ilnb da denk ich. du tätzt mich noh ein bitzchen zappeln!"
.Kann ich immer nochl Versteht sicht Liber willen will ich ihn!"
„Untere schöne, dreijährige Fuchkstute möcki ich gern reiten' Meinem Beine schadet das nichts, tr-enn ich aus der rechten Seite den Bügelriemen ein Loch weiter schnalle, reiten kann ich ja, und sechzig Kile bring tch auch nur in den Galtet!"
Christoph Wäriahn schmunzelte.
Du, daS ist eine lehr vernünfttge Bitte! Jugend muh Nch auStoben! Aus Pterberücken. das ist anständig, und außerdem w.rd die schöne Fuchsstute meh.' wert.' Allo der Wunsch ist brr schon heule erfüllt, hetz mir aber da» junge Tier nicht zu toll ab!"
.Tu ich nicht! Lieber Srvtzvater. ich danke dir!"
Der Alte hatte jetzt Helle Freude an seinem Gnicl Die der aus dem Gaule sah! Elegant und sicher: Leichte Hand, biegsam! Da sah mans
ja. tna» .der Schutz im Blute" auSmachte! Kein grobknochiger Bauernjunge )ay da oben, eine schnittige Reitergestalt — sein Fleisch und Blut. Breitbeinig, die Hände in der Joppe, konnte er eine halbe Stunde zusehen, wie Händchen allmählich die ©tute sicher in di, Haro bekam.
.Du. der Fuchs wird ein ©taa egaul!“ .Au» unserer Zucht. Grotzvater
Der nahm die Mütze ab. wischte sich den Schweih von der Stirn. Ra ja, nun wurde e» Ja, der Junge fing an. stolz auf feiner Väter Land zu werden und tna» auf ihm gedieh . .
Han» benahm sich sogar ganz ausgezeichnet al» endlich, an einem Sonntage, sich der Re- gierungSafsef'or von Holtenau zum Miltagcllen angelegt hatte. Man merkte e» ihm wah hasüg nicht an, datz feine wissenschaftlichen Kenntniste nur äutzerst mangelhaft für Teri.a waren. 11 nb gewandter al» sein Vater war er. Dem schien Sieter Besuch sehr pn (ich zu «ein ober er tat wenigsten» so. D.r Detonomierat ärgerte sich über Henners 'Verhalten, konnte auch nicht fo wie Hans und Grete, und vor allem ihre 'T7utter. .aus dem Hanbgele ck' r dm. Er tun ich am Zi d).- cigentlid) recht überflüssig vor Unv das schien leine Schwiegertochter noch unterstreichen zu wollen! Er wurde vollkommen als Acbmper'on behandelt. Da zog er sich bald zurück, lachte grimmig in feinen Weitzen Vollbart. Wollte Herr von Holtenau die Gretel zur Frau haben, dann kam von ganz allein fer Xaq. an dem er bic Hauptperson wurde Dann ft.Cie er Ator a d'e Quittungdtartc au». TZur zum Geld th rgeben fr ar er noch lange nicht da. Wenn es ins Altenteil gegangen wäre, würde ei ihm Nvohr- scheinlich noch v.el schlechter ergangen fein.
(Fortsetzung folgt)


