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Vermischtes.

Die Moplahs, von deren Aufstand ernste Meldungen aus Indien kommen, haben den englischen Beherrschern des Landes schon wieder­holt lebhafte Sorge gemacht. Es handelt sich um Hindus, die zum Mohammedanismus bekehrt sind. Die Angaben über ihre Stärke schwanken zwischen 1 und ll/2 Millionen. Die meisten Be­kehrungen wurden von Ti-Pu Sultan, demTiger von Mysore", während seines Einbruches in Ma­labar mit dem Schwerte erzwungen: aber nach seinem Tode im Jahre 1799 kehrten die neuen Mohammedaner nicht ztu ihrem alten Glauben zurück, sondern blieben Anhänger der neuen Re­ligion und entwickelten sich in einer Art, die der britischen Berwaltung in Südindien grobe Schwie­rigkeiten machte. Bon der Mitte des 19. Jahr­hunderts an hatte die indische Regierung von Zeit zu Zeit sehr gefährliche Aufstände, die von den fanatischen Elementen hervorgerufen waren, zu bekämpfen. Die eifrigen Anhänger des Is­lam, die auch ihr Leben für ihre Religion zu opfern bereit sind, haben bis heute manche merk­würdigen Sitten und Gesetze bewahrt, die noch aus der früheren Zeit vor der Bekehrung stam­men Wenn ein Mann heiratet, kommt er In das Haus seiner Frau, und es wird als eine Schande für die Frau angesehen, wenn das Gegenteil eintritt. Erkennt der Mann damit gewissermahen die überlegene Stellung der Frau an, so be­handelt er sie im übrigen doch wie einen Sach- besitz. Die Kinder haben keine gesetzlichen Rechte an dem Eigentum ihres Baters: die gesetzlichen Erben sind vielmehr Berwandte von der mütter­lichen Seite. Trotz aller Zugeständnisse und allem Entgegenkommens, das die Regierung bewiesen hat, sind die Moplahs in ihrer Entwicklung sehr zurückgeblieben. Grobe Fähigkeiten entwickeln sie nur im Handeln: das Exportgeschäft in Kaffee, Pfeffer und Kopra mit England, Frankreich und Deutschland liegt ganz in ihren Händen. Der Versuch, die Moplahs auch zum Heeresdienst heranzuziehen, scheiterte sehr bald an der äln- möglichkeit, sie irgendwie in Disziplin zu halten. In den letzten Jahren schien es, als ob die Moplahs sich an ruhigere Formen des Lebens gewöhnen wollten, aber ihr Fanatismus ist durch das Schicksal der Türkei, deren Sultan sie als ihr religiöses Haupt anerkennen, von neuem an­gestachelt worden.

Büchertisch.

Die Landschaft. Erdkundliches Wan- berbuch. Von Prof. Dr. Siegfried Passarge.

1. Band. 225 Seilen. Preis gebunden 12 Mk. Ver­lag von Quelle & Meyer in Leipzig.

Emmy Hardt. Satanella. Roman.

Verlag Dr. P. Langenscheidt, Berlin W. 15.

Ewald, weil. Prof. Dr. E.: Hygiene des MagenS, des DarmS, der Leber und der Riere im gefunden und kranken Zustande. Vierte verbeft'rte und erweiterte Aillrae bearbeitet von Dr. Wal er Wol f, mit 4 Tafeln und 17 Textal b l- dungen. Verlag von Ernst Heinrich Moritz (Inh. Franz Mittelbach), Stuttgart.

Kirchliche Nachrichten.

IsraelReltglonSgemeinde Gottes­dienst in der Synagoge (Sud-Anlage). Samstag, 10. Sept. Vvrabö. 6.30. Morg. 8.30. Adds. 7,03 und 7.40 Ufrc.

Hnndel.

Frankfurt«. M, 8. Sept. Der Börsen- Vorstand beschäftigt« stch in seiner heutigen Sitzung In sehr eingehender Beratung mit den Zuständen, wie sie an der Börse zur Zeit durch

den ungeheuren Kaufandrang deS Publikums ent* standen sind. Die bisher getroffenen Mahnahmen hatten nicht den gewünschten Erfolg, die Schwie­rigkeiten zu beheben, die die älederflutung mit Aufträgen an der Börse verursacht. Der Rot­behelf einer zeitweiligenSchäiehung der Börse hat zwar in Banlbureaus und bei den Maklern eine gewisse Erleichterung geschaffen, führt jedoch nach den bisher gewonnenen Er­fahrungen an den Dörsentagen zu vermehrten Schwierigkeiten, da sich dann die in zwei Tagen aufgelaufenen Aufträge stauen Der Bör ea- vorstand ist bestrebt, Kursausschreitungen nach Möglichkeit entgcgenzuarbeiten, indem er bei dem wahllosen und kritiklosen Kaufen, tote es zur Zeit an der Börse gang und gäbe ist. durch K u r s» streichungen und Rationierungen in ausgiebigem Umfang eingrcift. Gr sieht sich je- doch außerstande, eine Kaujb?wcgunz von solch elementarer Gewalt irgendwie aufzuhalten, ob­wohl die groben Gefahren, die ein derartiges Hinaufreiben der Kurse unfehlbar mit sich bringt, unvertennbar sind. Es besieht volle Klarheit ^darüber) daß bei 'der derzeitigen, immer weiter um sich greifenden Spekulationssucht Warnungen, wenn auch von noch so autoritativer Stelle, nichts fruchten. Die Organe der Börse sehen sich je- doch gezwungen, die Verantwortung für alle For- gen, die aus der Spekulationssucht des Publi­kums unfehlbar entstehen werden, nachdrücklichst abzulehnen, indem sie darauf verweisen, recht­zeitig auf die schweren wirtschaftlichen Gefahren der U b rspckulcttion hing w esen zu frühen. Di se Maßnahme, taß an den Tagrn, an denen eine Effektenbörse noch stattfindet, die Börsen­räume bereits um 11 Uhr geöffnet werden, ist nur dahin zu verstehen, daß den Kursmaklern zeitig die Orders erteilt werden können. Jeder Handel innerhalb der Börsenräume ist an diesen Tagen erst um IP/* Uhr gestattet.

fd. Frankfurt«. M., 8. Sept. Die Lyo­ner Zweigsabrik der hiesigen chemischen Fabriken Leopold C a s s e l l a u. C o., die bis­her unter Zwangsverwaltung stand, wird am 22. September in Lyon zum Verkauf kommen. Das Srstgebot wurde auf 5 750 000 Franken fest­gesetzt.

* 5% Reckaranleihe. Die Zeichnungen aus die Anleihe, welche von der Recker-Aktien­gesellschaft zur Beschaffung der Mittet für den Dau des Reckarkanals als Teil der Reckar- Donau-Grobschifftihrts^ra^e sowie den Dau und Betrieb von 26 Wasserkraftwerken an der Reckar- wasserstraße, ausgegcden wird, gehen sehr gün­stig ein. Wie aus dem Anzeigenteil unseres Blat­tes ersichtlich ist, läuft die Zeichnungsfrist am 15. d. Mts. ab.

ft ton ft f v r t a M., 9 September.

Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Dries

8. Sept.

7. Sept

Datum:

Amsterdam- Rotterd. 2957, 2963,- 3056,90 3063,10

97,16

22,27

Bulgarien . Aonftantlnop

I. .

94,22

719,25

127,60 406,05 318,15 94,02

717.75

703,25 704,75

1216,251218,75 1266,20 126c,80

1638,35 1641,10 1743,25 1746,75

20?l,95 2006,05 2107,85 2112,15

97,35

760,80

22,33 22,36 22,43

Brüssel-Antwerpen Christiania.....

Kopenhagen . . . Stockholm .... helfingfors. . . . Italien......

London Beuporft Pari«..... .

Schweiz Spanien Wien (altes). . . Destsch-Oefierr. . Pro,.......

Budapest

127,90 129,60 129,90

406,95

348,85 362,10 362,90

1605,35 1608,65 1698,301701,70

1223,75122t,25 1238,701291,30

933 937 10^33 10^37

112,60 112,90 115,85 116,15

Mervwürnmsr«.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt: Datum: 1.7.1t, 7.9. 8.9.

Zürich Fr. 125,43 6,22 5,95

Amsterdam Fl. 59,23 3,37 3,23

Kopenhagen Kr. 83,83 6,20 5,90

Prag............Är. 117,33 88,50

Stockholm Kr. 88,3) 5,05 4 85

Wien Kr 117,33

London Sh. 97,3) 5,57 5,37

Paris Fr. 125,4) 14,- 13,36

NeuyorK $ 23,8) 106,25 1,03

Züricher Devisenmarkt.

8. 9. 9. 9.

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland ....... 100 FI. a 185.5U 185.50

Deutschland......100 TCk = 6.225 5.85

Wien.........100 Kr. = 0.60 0.60

Prag 100 Är. = 7.05 7.-

Parir 100 Fr. => 44.75 44.55

London 1/ = 2L79 21.78

Italien 100 L. 25.55 25.55

Brüssel 100 Fr. - 44.- 44 -

Budapest 100 Hr. 1.375 1.30

NeuyorK 100 $ = 586.- 584 -

Agram.........100 Är. = 3.- 3.-

DuKarest 100 SL = 6.20 5L0

Märkte.

Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt.

Frankfurt a. M., 8. Sept. (Amtlicher Be­richt.) Der Kleinviehmarkt wird bei lebhaftem Handel geräumt; am Schweinemarkt gedrücktes Geschäft und bleibt Ueberstand. Aufgetrieben waren 964 Kälber, 628 Schafe und 417 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebend­gewicht: Für Kälber beste Qualitäten 850 bis 950 Mark: mittlere Qualitäten 725 bis 825 Mk.; ge­ringe Qualitäten 600 bis 700 Mk.; für Hämmel 300 bis 550 Mk.; für Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht 1100 bis 1300 Mk., von 80 bis 100 Kilogramm 1300 bis 1500 Mk., von 100 bis 120 Kilogramm 1400 bis 1500 Mk., von 120 bis 150 Kilogramm 1400 bis 1500 Mk. Außerdem wurden 111 Rinder ohne amtliche Preisnotierung gehan­delt. Die Marktpreise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Ge­wichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen.

(In einem Teil der Auftage wiederholt.)

Die englischen Verhandlungen mit den 6hm* fehtent

London, 8. Sept. (WTB.) Reuter. Es wurde ein Ausschuß eingesetzt, der aus allen in Schottland anwesenden Kabinettsmitgliedern besteht und die irische Frage behandeln soll. Der Ausschuß hat alle Vollmachten erhallen, um zu handeln, sobald De Valeras nächste Antwort eintrifft.

Inverne h, 8. Sept. (WTB ) Reuter. Heute morgen trat das Kabinett zu einer wichtigen Sitzung zusammen, um die Irische Antwort zu beraten. Tausende von Zuschauern drängten sich auf den Straßen und jubelten Lloyd George z u, der mit dem König (n Moyhall gefrühstückt und eine zweistündige Unterredung gehabt hatte. Wie verlautet, betonte Lloyd Ge­orge, daß es notwendig sei, die Verhandlungen fortzusetzen. Die Besprechung erstreckte sich haupt­sächlich auf die Frage, den Dinnseinern für An­nahme ober Ablehnung des Regierungsangebotes eine Zettgrenze zu stellen. Die Antwort der Re­gierung wurde einstimmig gebilligt und einem Kurier der Sinnfeiner übergeben, der gleich daraus nach Dublin ab reifte. Der Text soll morgen abend verössent'icht werden.

ßpnbtrn, 8. Sept. (WTB.) Wie de» Korrespondent des »Daily Telegraph" aus Invev- neß meldet, hat Lloyd George in seiner Rote öte Sinnfeiner eingeladen, sich mit ihm am 20. September zu treffen. Wie derMatin" aus London meldet, hat Hauptmann Darthon, der Abgesandte der Sinnfeiner, bei seiner Abreise aus Inverneß gesagt: .Ich glaube, bat) diese Rote nur Gutes tun kann."

Französische Finanzpolitik.

Paris, 8. Sept. (WB.) Die Finanzkom* Mission der Kammer hat, wie die Blätter melden, gestern folgende Entschließung angenommen: In der Erwägung, daß es im Interesse der Wieder­aufnahme der Geschäfte liegt, eine Politik der Senkung des Geldzinsfuhes zu betrei­ben, die durch eine Herabsetzung des DlökohtlcktzeS der Bank von Frankreich eingeleitet werden muß, beschließt die Finanzkommission, die Kredite für die Zinsen der schwebenden Schuld des Staats­schatzes um 300 Millionen Franks herabzuletzen. Die Entschließung wurde durch eine Abordnung sofort dem Ministerpräsidenten zur Kenntnis ge­bracht.

Die nordische Woche.

Lübeck, 8 Sept. (WTB.) Auf der Tagung des deutschen Fehmamkomiiees wurde im An- schllih an die schon gemeldeten Vortrage Pros. Münch-Petersen und Dr. Leuckfeldt eine Entschlie­ßung angenommen, in der eS u. a. heißt: Die im deutschen Fehmarnkvmitee vereinigten Handels­kammern und sonstigen wirtschaftlichen Kreise von West-, Ost-, Süd- und Rorddeuischland drücken in der ersten Rachkriegstagung in Anwesenheit deS dänischen Fehmarnlomitees erneut die Ueberzeu- gung aus, daß die deut sch-nordischeWelt- linie Hamburg Lübeck? F.'hmarn Laa- landKopenhagen unbestre tbar die beste ist, well sie die weitaus kürzeste und bequemste Verbindung mit dem ganzen deutschen und europäischen Westen und den drei skandinavischen Ländern sowie mit Finnland darstellt. Die Umgestal­tung der Außenhandelsbeziehunaen Deutschlands seit dem Kriege, die besonders die Bedeutung des europäischen Rordens und Ostens für Deutschland steigerte, macht den Aus­bau des Verkehrsweges heute noch wichtiger alS früher und die baldige Durchführung des großen Fehmarnbahnbaues werden alle beteiligten Kreise mit vollem Rachdruck weiter verfolgen. An die Tagung schloß sich eine vertrauliche Besprechung an. Im Bürgerschaftssaale des Rathauses begann gestern mittag nach einleitendem Vortrag Geheim­rats Pros. Hermann Schumacher-Berlin über daS Währungsproblem die deutsch-nordische Verkehrskonferenz. Es waren u. a. die Vertreter der schwedischen und der dänischen Staatsbahnen erschienen und die Konsuln der nor­dischen Staaten und die Vertreter der Handels­kammern von Christiania, Helfingfors, Stockholm und Kopenhagen. Deutscherseits nahmen die Ver­treter der Meichsministerien des Aeuheren, des Innern, der Finanzen und des Verkehrs, sowie Abgesandte von etwa zwanzig deutschen Handels­kammern teil. Der Präsident der Handels­kammer und Senator Kalkbrenner begrüßten die Versammlung. Syndikus Dr. Cords sprach über die Verbesserung deS Reiseverkehrs, Svn- dikuS Dr. D 0 l d z e - Stettin über den Abbau der Paß- und Dren-schwierig ketten. Dr Hchmann- Hamburg über Preßzensur und Rachrichtendienst und Dr. Schurig- Bremen über die Ausgestal­tung des Luftverkehrs. Eine zum Schluß ange­nommene Entschließung erkennt die Ansätze zu einer Befterung an, stellt aber fest, daß die Der» hällnisse Im deutsch-nordischen Verkehr bisher un­zulänglich geblieben sind. Rachmittags fand ein Kirchenkonzert, abends im Stadttheater eine öleg- fried-Aufführung statt.

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