srettag, 9. September 1921
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fflr Gberheffenf
Zweiter Blatt
Nr. 2H
verhaftet werden können. Die ersten Feststellungen und Verhaftungen gelangen nach dem Postraub auf dem Hagenring, der Im Be
reichen.
(Nachdruck verboten.)
60. Fortsetzung.
zember 1920 ftattfanD. Es wurden in Hanno- verisch-Münden verhaftet: der Gärtner Fran- Junge aus Dernburg, der Dreher Ludwig Rusw aus Berlin und der Fleischer Albin Kaiser aus dem sächsischen Vogtland. In Braunschweig Wurden ungefähr gleichzeitig verhaftet: der Seemann O Metzer aus Hannöverisch-Munden und Der Schlosser W. Huchthausen aus Braunschtveig. Letzterer ist es gewesen, der den Raub zu Aad in Sicherheit brachte. Die Täter sind größtenteils geständig Ein weiterer Beteiligter wird zur Zeit noch steckbrieflich verfolgt. Zunge and Rusch waren auch bei dem Postraub in Borwohle im November 1920 beteiligt. Als Mittäter kommen in Betracht der gleichfalls verhaftete Kraftwagen- führer Braune aus Biesdorf, sowie -wer weitere 'Personen, deren Ermittelung noch im Gange ift. An dem Lieberfall von Braunlage am 3. Septbr. 1920 nahmen 25 Männer darunter wieder Rusch. Zunge. Braune und Huchthausen teil. Nach den übrigen Tätern wird noch gefahndet. Bei dem Lieberfall auf der Bodestratze am 5. Zuli 1920 wurde bekanntlich ein Täter gefaxt. Es war der Stoffdrucker Georg Hannemann aus Berlin. Er war geständig und beging im Gefängnis Selbstmord Durch seine 2lngaben kam man auf die Spur der übrigen Täter, unter denen sich der Mechaniker Lange aus Thorn und der Tischler Germann aus Braunschweig befinden. Durch das Geständnis eines der Beteiligten gelangte die Staatsanwaltschaft nun auch auf eine Spur, welche -ur Aufdeckung der Dynamitattentate geführt hat. Die Namen sämtlicher aktiv Beteiligten sind der Staatsanwaltschaft bereits bekannt. Die Betreffenden befinden sich Dis auf einen, der sich noch verborgen hält, seit gestern in Haft. Ferner tour- txm zwei Personen verhaftet, die an der Herbei- schaffung des Dynamits beteiligt gewesen sein sollen, darunter Frau Minna Faßhauer: der Sohn des Schneiders August Merges, Alfred Merges, ist an den Dynamitattentaten selbst beteiligt gewesen Die Täter sind teils geständig, teils werden die Beweisstücke zu ihrer Lieberführung aus-
Festnahme einer Verbrecher bande.
Ans dem besetzten Gebiet.
fpd. T r i e r, 6. Sept. Das Kriegsgericht einer an der Mosel liegenden marokkanischen Division verurteilte nach längeren Berhandlungen eine Anzahl farbiger Soldaten wegen M eutcrei und Aufruhrs zu schweren Freiheitsstrafen. Einer der Rädelsführer wurde mit dem Tode bestraft. Die Berurtellten wurden zur Voll- streckung der Strafen nach Frankreich verbracht.
..Wirklich nicht? Sieh mal an, du bist ja noch viel dreister, als ich eigentlich vermutete. Lind damals in der Mauerbresche von Monrepos — das war kein Spiel, wie?"
Zeder Blutstropfen war aus Dos Antlitz ge- wich«i. Wie entgeistert starrte sie Magelone an
"Das — weistt du?" stammelle sie endllch assungslos .Wer hat . . dir davon ... erzählt?'
.Nun. Waldemar vermutlich. Denn du hast dich ja sehr gründlich darüber ausgeschwiegen."
.Der Elende! Er hat dir verraten, datz er mich geküht hat?" schrie Do außer sich.
Staunen und Triumph spiegelte sich in Ma- gelones schönem Gesicht.
„60? Geküßt habt Ihr euch auch?" sagte fte rasch .Nein, davon Hal er nichts verraten, beruhige dich Ich höre dies erst jetzt aus deinem Munde zum ersten Male. Wer gemalt hat er dich in deiner Mauerbresche als Dornröschen und mußte zugeben, daß es nach der Natur geschah.
Sie erzählte von dem Bilde. Dann schloß sie: .Llebrigens brauchst du dich gar nicht so zu alterieren darüber Das ist Künstlerrecht. Lind Waldemar ist ein Ehrenmann, der dich aufrichtig liebt und die ernstesten Absichten hat, sonst würde ich mich nicht dazu hergegeben haben, diese Zusammenkunft zu vermitteln. Lerne ihn doch erst näher kennen, ehe du ihn verwirfst. Dein beharrliches Weigern, mit ihm auch nur zu sprechen, müßte sonst notwendigerweise den Verdacht in mir wecken, du . . . hegtest andere Hoffnungen."
Do zuckte zusammen. Ihr Blick irrte verstört am Boden hin. Magelone zog sie mit sanfter Gewalt vorwärts.
.Komm," Tagte sie nun sehr freundllch, .wir wollen ihn nicht länger warten lassen. Ich wette, du wirst nach dieser Aussprache mit Ruhland ganz anders denken über ihn und die Chancen, die er dir bietet, als jetzt."
Do widersprach nicht mehr. Willenlos ließ , sie sich weiterführen. Sie war noch ganz betäubt durch das Gehörte und am meisten durch Wa- gelones Anspielung auf .andere Hoffnungen".
Großer Gott — ahnte denn Magelone, was in ihr vvrging? Aber sie hatte noch nie Hoffnungen daran geknüpft! Eie wußte doch, daß Rüdiger Magelone lieble . . «
Braunschweig. 8. Sept. (Wvlft.) Das staatliche Presseamt teilt mit: Den unablässigen Bemühungen der Staatsanwallschaft und Dir Polizei ist es nunmehr gelungen, nahezu restlos Aufklärung über jene Reihe von Verbrechern zu schaffen. Die seit fast einem Zähre die Bevölkerung unseres Freistaates beunruhigen. Die Ü e b e r f ä 11 e von Braunlage und Vor- wchle, der Llederfall am Hagenrmg und auf der Bcdestraße in Braunschweig, endlich der vier bekannten Dynamitattentate hängen un»er- cinander zusammen; sie find das Wert einer Verbrecherbande, deren Mitglieder fast ausnahmslos haben ermittelt ■* J* $
"Sperrungderschweizeris ch-d c u t- schenGrenze. Die schweizerisch-deutsche Grenze ist vorläufig an den Samstagen und Sonntagen für schweizerische Staatsangehörige g e - sperrt worden. Damit soll die karawanenartige Lleberflutung der deutschen Grenzortschasten am Samstag und Sonntag verhindert werden. Den „V a l u t a - E f s e r n" aus der Schweiz wird demnach nichts anderes übrig bleiben, als an den beiden genannten Tagen einige Selbstzucht zu üben ober die Wirtschaften im eigenen Lande auf- zufuchen.
•• Die Demokratische Partei heran-
Da trat ihnen Waldemar schon entgegen. Verwirrt erwiderte sie seinen Gruß. Sie betraten die Eremitage. Lind auf einmal merkte Do, daß Magelone verschwunden war .
In namenloser Verlegenheit wagte sie kaum den Blick vom Boden zu heben. Das Herz schlug ihr bis in die Schläfen, in ihren Ohren war ein Brausen, und irgend etwas preßte ihr die Kehle zusammen, daß sie kaum atmen konnte.
Aber allmählich wurde sie ruhiger. Waldemar Ruhland sprach so ernst und liebevoll auf sie ein.
Er erzählte ihr von seinem Leben, von Wil- helminenruhe, von seiner Famllie und wie er em anderer Mensch geworden sei seit jenem Nachmittag, da er sie an Der Mauerbresche gesehen.
Einer. Dem alles gleichgültig geworden sei, bis auf den einen Wunsch: sie glücklich machen zu dürfenI Er wollte sie nicht drängen, ihr heute schon ein Versprechen zu geben. Nur Vertrauen sollte sie ihm schenken. Nicht vergessen, daß sie keinen treueren Freund auf Erden habe als ihn. Wenn feine stürmische Leidenschaft sie anfangs erschreckt habe — und er fürchte, dies sei der Fall — so würde er sich in Zukunft beherrschen . .
Er sprach auch von Frau Wenk, deren Bekanntschaft er später gesucht und die ihm viel aus Dos Leben erzählt habe. Stundenlang hätten sie in Monrepos auf der Harrs banl gesessen und nur von ihr gesprochen . .
Do hörte aus allen seinen Worten den warmen Herzenston heraus. Za. er war doch wohl anders, als sie gedacht hatte. Kein dreister, sondern ein impulsiver, sehr, sehr guter Mensch.
Wie rührend, daß er Frau Wenl ausgesucht und Monrepos als Den schönsten Ort erklärte, den er kenne! _
Nie hatte jemand so zart und gütig mit ihr gesprochen. Ein wunderliches Gefühl von Geborgensein überkam Do in seiner Nähe. Sie merkte es wohl, datz er ihre Hand ergriffen hatte und Jie behutsam in der seinen hielt, aber sie entzog fie ihm nicht. Sie zürnte ihm auch nicht mehr wegen des Kus es, und datz er jenes Bild gemalt ha:le. Als er sie bat, ihr zuweilen schreiben zu Dürfen, erlaubte sie es, und versprach sogar, ihm zu antworten. , ,
Dabri dachte sie sehnsüchrig: Ach, Ware er
Die Rothersteins.
Roman von Erich Ebenstein. Copyright 1919 by ©reiner & Comp., Berlin W 30.
Tagesordnung galt Der Vorbereitung der Land« tags Wahlen.
Landkreis Gießen.
ne. Bellersheim, 8 Sept Die Gemeinde chloß mit Herrn Hartmann von Romrod einen Vertrag, wonach dieser eine Herde Dchafe von ungefähr 200 Stück in Der Gemarkung hüten Darf. Als Entschädigung erhält Die Gemeinde 5000 Mark und Den Pferch. — Die Obsternte bat hier bereits begonnen. Das Obst reift in diesem Zahre ungefähr 14 Tage früher wie sonst.
Hcsscn-RasfttU.
Der Verfall von Kleinwohnungen.
mc. Frankfurt a.M„ 8. Sept. In hie- ftger Stadl tritt hie beklagenswerte Erscheinung zutage, daß durch seit 7 Zähren unterlassene Reparaturen Die Zahl der verfallenden und unbenutzbar werdenden Kleinwohnungen erschreckend wächst.
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ha. Buchenau, 7. Sept. Die gegen 12 Uhr von Biedenkopf kommende Leermafchine überrannte an Dein Bahnübergang das Fuhrwerk des Landwirts Sebastian Müller, wobei der über 60 Zahre alte Mann schwer verletzt und der Wagen vollständig zertrümmert wurde während dem Pferdegespann nicht« passierte. Müller, der sofort in die Marburger Klinik gebracht wurde, ist heute nacht an den schweren Verletzungen gestorben.
Aus dem Amlsvcrknndiqungsblatt.
bezeichnen. ;
Der Stuttgarter Kirchentag wird auch all- ; gemeine Fragen verhandeln. Es gibt ihrer ja . wahrhaftig genug. Ganz besonders brennend ist , blc Schulfrage und die der Stellung der evangelischen Kirchen $u ihr. Bei diesen Verhandlungen wird freilich zu beachten fein, das) bei Kirchentag, vor allem in seiner gegenwärtigen vorläufigen Zusammensetzung, Line Beschlußrechte m solchen Fragen hat. Er kann sein moralisches Schwergewicht in die Wagschale werfen, mehr nicht. Aber auch das kann wichtig sein. Die Hauptbedeutung der diesjährigen Tagung wird aber ohne Zweifel in der zu erfassenden Begründung des Kirchenbundes liegen.
Die Einigung der deutschen evangellschen Landeskirchen ist seit Der Mitte des 19. Zahr- hunderls Gegenstand der Sehnsucht vieler Evangelischer. Die Nachteile, die aus der Zersplitterung des deutschen evangelischen Kirchenwesens her- Vorgehen, sind ja längst greifbar. Durch die neue Reichsverfassung aber ist der Zusammenschluß, und zwar der- baldige Zusammenschluß, eine unabweisbare Notwendigkeit geworden. Denn jetzt hat das Reich auch die Gesetzgebung über Kirche und Schule, die früher Den Bundesstaaten gehörte, an sich genommen. Do muß unbedingt eine kirchliche Instanz vorhanden fein, Die für Den gesamtdeutschen Protestantismus zu reden berechtigt ist. Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß^ der das bisher tat, vertrat nur die Kirchen- vegterungen, nicht das Kirchenvoll. Das soll anders ir>ert>en. Wenn er künftig seine Stimme erhebt, wird man wissen, daß die gesamten Landeskirchen hinter ihm stehen.
Der Kirchentag findet einen ausgearbeiteten Entwurf für die Ordnung des Kirchentags vor. Seiner Fertigstellung stellten sich gewisse Hindernisse entgegen; es ist möglich, daß auch die Stuttgarter Beratungen noch einige Schwierigkeiten überwinden müssen. Aber man Darf mit Sicherheit annehmen, Daß sie überwunDen werden.
Der Abschluß Der Tagung soll eine gemeinsame Reformationsseier sein, "Die an Den Tag von Worms anknüpft. Die Wormser Feier im April, so gewaltig sie war, war Doch nur ein Fest der hessischen Landeskirche: nachträglich feiert jetzt (am 16. September) das ganze Deutschland. Wer die Tage von Worms mitgemacht hat. Darf besonders gespannt Darauf sein, wie sich Diese Feier gestalten wird.
In jedem Fall wird der Stuttgarter Tag einen Markstein in der Geschichte des deutschen Protestantismus bedeuten.
ftaltete am Dienstagabend im Hotel Großherzog ; eine gut besuchte Mitgliederversammlung. Der , Landtagsabgevrdnete Loos sprach, wie uns ge- ( schrieben wird, über „Republik und Vaterland". , An der Hand altenmäßigen Materials gab er einen Lieberblick über die Llrsachen unseres Zu- sammenbruchs, der mit Notwendigkeit nur durch , die Fehler unserer militärischen und politischen Geltung herbeigeführt worden fei, und nicht Der sogenannten Revolution zugeschrieben werben Dürfe, die nur als Begleiterscheinung der Ereignisse aufgetreten fei. Lim so ungerechter sei es, unsere heutigen Schwierigkeiten jener zuzuschrei- den oder gar Den Männern In Die Schuhe zu schieben, die durch ihre Energie und Vaterlandsliebe uns vor dem bolschewistischen Ehaos behütet hätten. Der Redner schilderte weiter, wiederum an der Hand deutsch-nationaler Artllcl, die gewissenlofe Hetze, die trotzdem gegen besseres Wissen gegen die Koalitionsregierung und vor allem gegen den Reichskanzler Wirth betrieben werde. Der Mord an Erzberger sei ein Zeichen Dafür, wohin eine Derartige Verwirrung politischer Begrisfe führe. Nur überzeugungstreue Hingabe an eine wirkliche demokratische Neuord- nung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse könne uns retten, und wie früher alles vaterländische Empfinden in dem Bekenntnis zu .Kaiser und Reich" sich auSdrückte, so müsse heute, tpo die Monarchie sich selbst das Grab gegraben habe, die Losung sein: .Für Vaterland und Republik" Die Versammlung nahm im Anschluß Daran folgenDe En ts chließung an: .Die Ereignisse der letzten Wochen haben mit unheimlicher Deutlichkeit DaS Linhell beleuchtet, Das Doli und Staat bedroht. Eine maßlose Hetze untergräbt die Möglichkeit jeder Verständigung der Volksgenossen und erschüttert die mühsam gewonnenen ersten Grundlagen unserer Zukunft. Lasten wir dieser verderblichen Entwicklung ihren Laus, so treiben wir unrettbar einem neuen Zusammenbruch zu In richtiger Erkenntnis der drohenden Gefahr hat Die Rcichsregierung außergewöhnliche Maßregeln zum Schuhe Der Republik ergriffen. Wir billigen Diesen Schritt in seinem ganzen Umfang unD stellen uns hinter Die Regierung in Der bestimmten Lieberzeugung, datz sie bas Vaterland gegen Den frevelhaften Radikalismus von rechts wie von links unterschieDslos schützen werDe. Nur Die Treue zu Der neu geschaffenen Staatsform unD das lebendige Gefühl 'für soziales Recht und wahre nationale Würde dürfen uns in Dem polllischen Kampfe leiten, Der nur mit
' reinen, geistigen Waffen- gekämpft werden darf. Wir rufen alle Freunde und Gesinnungsgenosten auf, sich in diesem Kampf um Das Banner Der
: Demokratischen Partei zu scharen!" — Die übrige
Einrichtung einer neuen Art öffentlicher Sprech st eilen vor. Es sind dies Die g e - meinblitben öffentlichen 6P r e ’ stellen. Sie werden ohne Prüfung des Bedürfnisses und ohne Erhebung Der Ginrichtungsgebühr und des einmaligen Fernsprechbeitrags auf Antrag der Gemeindevertretung errichtet, wenn sich die Gemeinde verpflichtet, unentgeltlich einen geeigneten Raum zur Verfügung zu stellen, die Sprechstelle unter Einziehung der bestimmungsmäßigen Gebühren ohne Zuschlag zu bedienen. Telegramme anzunehmen und weiterzu- geben, Telegramme an Ortseinwohner aufzunehmen und zuzustellen, Personen im Ort zu Gesprächen herbeizurufen, kurze Nachrichten von auswärts an Ortseinwohner zu übermitteln, die tägliche Bekanntgabe der Zeit, ferner KreiStele- grammc und die Wettervorhersage entgegenzunehmen, letztere auszuhängen und den Unfall- Meldedienst zu besorgen. Die Gemeinde muß Dabei eine Mindesteinnahme an Orts- und 'Ferngesprächgebühren von 500 Mk. jährlich gewährleisten.
Der zweite deutsche evangelische Kirchentag.
Von Prosessor D. Dr. Schian.
Vom 11. diS 16. September wird tn Stuttgart zum zweiten Male Der große Deutsche Evangelische Kirchentag zusammentreten. Halle der erste Kirchentag, Der im September 1919 in Dresden beriet. Die Gründung eines "trchen- bundeS aller deutschen evangelischen Landeskirchen im Grundsatz beschlossen, so fällt dem zweiten die bedeutsame Aufgabe zu, diesen Kirchenbund durch Festlegung seiner Ordnung zu konstituieren Diese beiden Kirchentage tragen also vorläufigen Charakter: ihre Zusammensetzung ist durch Vereinbarung der Kirchenreg.erungen mit Den freien Arbeitsorganisationen zustande gekommen aber auch die Synoden sind beteiligt. Die theologischen Fakultäten schicken Vertreter: füh- renDc Persönlichkeiten, die nicht bereits abgeordnet waren, nehmen durch besondere Berufung teil. Man darf den Kirchentag daher mit Recht als eine Vertretung des evangelischen Deutschlands
•• Das Amtsverkündigungsblatt Nr 128 vom 8. September enthält: Verordnungvn des Reichspräsidenten. — Hessische Landeswan- derbühne. — Erhöhung der Pfleaegeldsähe und CcbrlingSunterftüßungcn für Waisen. " gänge der Feldgeschworenen. — Gesetz, Die Entschädigung für an Maul- und Klauenseuche gefallene Rinder und Ziegen. — Dienstnachrichten — Feldbereinigungen Röthges und Bergheim. — Wochenrnarttordnung für die Provinzialhaupt- stadt Gießen. — Belästigung des Publikums durch Fußball- usw. Spiele auf der Straße.
3m September tritt die Hessische Landeswanderbühne, gegründet und geleitet von der .Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Zugendpslege In Hessen", ihre zweite Rundfahrt durch Hessen an. Das Landesamt für das Dildungswesen legt großen Wert daraus, daß die bildenden und erzieherischen Einflüsse dieser Darbietungen, die nach jeder Hinsicht sorgfältig vorbereitet sind, zu uneingeschränkter tatsächlicher Auswirkung gelangen.
Das Ministerium des Innern hat dem evangelischen Kirchengemeinderat in Gerhausen m Württemberg Die Erlaubnis erteilt, 10 000 Lose einer am 20. Oktober d. Z. zu Gunsten des Kirchenbaues daselbst zu veranstaltenden Geldlotterie innerhalb des Vollsstaates Hessen zu
Als man die beiden Deinen Rinden Häuschen in Denen sich Gartenmöbel aus Birken- flämmcn befanden, in Sicht hatte, blieb Magelone plötzlich stehen und sagte lachend:
„Nun muß ich es Dir wohl gestehen, Dorothea. Der Spaziergang war nur Vorwand, um Dich von Papa überhaupt fortzubekommen. In Wahrheit habe ich Waldemar Ruhland versprochen, ibm Gelegenhell zu geben, sich vor seiner Abreise von Dir zu verabschieden."
.Magelone!" tief Do empört. .Wie konntest Du nur! Was muß Herr Ruhland von mir denken —"
.Nur Das Allerbeste. Du Dumme Derne Do, Denn er liebt dich rasend."
Statt aller Antwort wollte Do sich los machen und umkehren. Aber Magelones Arm hielt den ihren wie EisenDammern umfaßt.
„Olein, ausgekniffen wird nicht!"
„Ich will aber nicht . .
.Hast Du vergessen. Daß es Rüdigers sehnlichster Wunsch ist. Du mögest Waldemar betraten ?"
.Wenn auch. Er hat gar kein Recht, in dieser Weise über mein Schicksal zu bestimmen."
.Ach, sei Doch nicht albern! Was willst Du Denn’ anfangen, wenn Papa stirbt und — Rüdiger betratet ? Monrepos muß verkauft werden, und Dann stehst Du als alte Jungfer in Der Welt, was gar kein Vergnügen ist."
.Ich kann mir auch mein Brot selbst ver- Dienen Tausendmal lieber als einen Mann heiraten. Den ich nicht liebe!" rief Do erregt.
.Do, so, Du liebst ih nicht!" Magelone betrachtete sie mit zwinkernDen Augen. Wieder lauerte das kalte Glitzern dabei in ihrem Blick. .Es war also alles nur Spiel, das Du jetzt gern verlängern möchtest . - . ich dachte es mir wohl."
Do richtete sich stolz auf.
.Ich habe nie gespielt mit Herrn Ruhand!
Aus Stöbt und Land.
Gießen, Den 9. Sept. 1921.
** Lebensrettung. Ein am Mittwoch in der Nähe des Bootshauses der Gießener Ruder- gesellfchast badender junger Mann verlor plötzlich aus unbekannten Gründen die Besinnung und ging unter. Aus dem gegenüberliegenden Llfer anläßlich der Sportabzeichenprüfungen im Schwimmen anwesende Zuschauer machten darauf aufmerfTam. Der schnell herbeieilende Fritz A l t h 0 s von der Schwimmabtellung des Gießener Sport-Clubs von 1900 sprang dem Ertrinkenden nach und holte den bereits in 3 Meter Tiefe am Boden liegenden unter eigener Lebensgefahr vermöge seiner im Schwimmunterricht des Gießener S. C. erworbenen Kenntnisse im Rettungsschwimmen an Land. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. Auch der jugendliche Sohn des Bade anstaltsbesitzers Müller war ein tatkräftiger Helfer beim Rettungswerk, indem er mit vollen Kleidern ins Wasser sprang und Lrih Althof bei der Bergung des Verunglückten bestens unterstützte.
•• Oeffentließe Gemeindefprech- stellen. Die neue Fernsprechordnung sieht die
mein Bruder, und ich Tonnte ihm alles sagen, was mich bedrückt — wie wohl das täte ! Er würde dann wohl begreifen, daß ich, nie heiraten teilt
Waldemar war überglücklich. Er nahm ißrc schüchterne Freundlichk.it natürlich für Entgegen kommen und war voll seliger SSoffnunacn für Die Zukunft,
Inzwischen gärte es heimlich weiter unter Den Leuten Der Betriebsleiter Brömel — Ruhiger hatte keinen eigentlichen Direktor angestellt, sondern sich Die Oberleitung selbst Vorbehalten - hatte ihn schon wiederholt mit bedenklicher Miene darauf aufmerksam gemacht.
Lind Da mußte nun gerade ient noch der ärgerliche Zufall mit Scherbingers Weib dazu- kornmen. ... , _ Ä
Sie war ohne Erlaubnisschein in Den Erd' reicher Forst Holz sammeln gegangen und hall- sich Dabei nicht auf Dürres Fallholz beschränkt, sonDem aus Bosheit oDer Dummhell barbarisch Die schönsten Aeste von lemfrischen Tannen ge rissen. Llnglücklicherweise mußte Der Förster sie Dabei auch noch erwischen und in ihrer Reisig- träge einen in Der Schlinge gefangenen Hasen finDen. SelbstverstänDlich halte er Das Weid arretiert und als Diebin in Den Gemeindearrest abgeliefert.
Dies war gestern abend geschehen. Für Schei- binger war das Der Anlaß gewesen, seinem Haß nun noch offener unD wilder Luft zu machen.
Die ganze Nacht trieb er sich mit einem Tell seiner KameraDen in Wirtshäusern herum, hielt aufreizenDe Reden, und als der Schnaps, den sie ihm willig zahlten, ihn ganz übermannt hatte, schlug seine Stimmung ins Rührselige um.
„Um ein paar Tannenzweige und eines arm» seligen Hasen willen . . eingesperrt werden r' schluchzte er. „Ein armes Weib! Eine Mutter von den Kindern weg! Well dieser reiche Graf, Der alles hat und im Gelde schwimmt, keine Barmherzigkeit kennt!"
Die Klagen fanden nur zu offene Ohren. Die Folge davon war, datz Brömel Rüdiger heute schon ein Stück vor Der Fabrik erwartet hatte und ihn himmelhoch bat, sich nicht bilden -u lassen.
(Fortsetzung folgt)
vertreiben. _
In der Zell vom 15.—31. August wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Kinderjäckchen, 1 Buchse für Patentwagenachse, 1 blaue Mütze, 1 Herrenhui, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 unechter Trauring, verloren: 2 Paar Hosenträger 1 Selbstbinder, 1 Spazier-Rohrstock. 1 braune Lederbrieftasche mit 50 Mk., 1 schwarze Briefmappe mit 320 Mark, 1 Fünfzigmarkschein, ein Gummimantel, silberne Herrenuhr mit silberner Kette, 1 Bier-, 1 Wein- und 1 Sekriipfel (rot- tociß-TDt), 2 Meter blaue Seide, 1 goldene Brille.
Gerichtssaal.
mc. Frankfurt a. M., 8. Sept Der Kaufmann Balthasar Olelß war auf dem Haupt- versorgungsamt zu Frankfurt bei der Rentenauszahlung für Kapitulanten beschäftigt. Als er einst 600 Mk. auszahlen sollte, fälschte er den Rentenschein auf 3600 Mk. und ließ diesen Betrag durch den Installateur Berthold Eberlein bei der Post erheben. Der Betrug glückte und man versuchte den Schwindel in einem zweiten Fall, bei welchem die Äente für einen Feld- wedel bestimmt war. Der Zufall wollte es nun, daß dieser Feldwebel sich gerade am Postschalter befand, um feine Rente zu erheben, als ®bexlein auch mit seiner gefälschten Llriunde erschien. Neitz erhielt nun wegen Betrugs und Llrlundenfalschung ein Zahr Gefängnis, Eberlein kam wegen 'Beihilfe mit 8 Monaten davon.___________


