unteren Organe für eines der wirksamsten
Aus Hessen- Die Landsiedlung.
TLmi hat von Oberschlesien als von einer Daffen- kschmiedc gesprochen. Sie wi sen ganz genau, das) Deutschland leine kriegerischen Absichten im Schilde führt. <5in deutsches Ob^rschlcscen wird berufen sein, in friedlicher Aibeit den Wiederaufbau Europas zu fördern. Die deutsche Regierung hat sich schon in ihrer Rote vom 1. April an die alliierten Mächte bereit erklärt, Polen unter vvrzugs- weisen Bedingungen die für seine Wirtschaft etwa noch erforderlichen Kohlen und fonftise Erzeugnisse zu liefern, so lange das an Bodenschätzen überreiche polnische Gebiet, welches den größten Teil des südöstlichen Deckens umfaßt und vier größer als das deutsche Areal ist, noch nicht erschlossen ist. Sie hat sich weiterhin verekt erklärt, weitgehende Hilfe bei 'der Erschließung der polnischen Bodenschätze zu leisten Sie hat gehofft, au,'diese Weise enge wirtschaftliche Bande zwischen Deutschland und Polen zu knüpfen, die auch eine Grundbedingung für das Bestehen des polnischen Staates sind. Sie hat aber aus Warschau nur Spott und Hohn gehört, sie hat es erleben müssen, daß die polnische Regierung den dritten polnischen Aufstand in das vberschlesische Land trug und sie muß jeden Lag noch erleben, wie der deutsche Abstimmungssieg durch unsaubere Methoden verfälscht w rd. Wll können und wollen mit solchen Waffen nicht kämpfen. Wir wollen Frieden, Arbeit und Recht. Aber wir verlangen das gleiche von der Gegenseite und müssen fordern, daß sie auf- Hört, nach unrechtmäßigen Zielen zu streben und daß sie auf Älle Mittel Der Gewalt verzichtet. 3n den Pressestimmen der letzten Lage ist wiederholt der Gedanke einer provi^o rischen Lo - 1 ü n g der oberschlesischen Frage erörtert worden. Ich brauche Ihnen gegenüber nicht zu betonen^ daß jede derartige Lösung für die deutsche Regierung unannehmbar ist; sie widerspricht den klaren Worten des Friedensvertcages und würde den Keim zu dauernden Konflilten im Osten legen. Wir warten auf den Spruch des Obersten Rates. Dieser Spruch wird entscheidend sein für die Zukunft Deutschlands, aber auch für die Zukunft Mitteleuropas. Wir vertrauen fest darauf, daß der Spruch im Sinne des Rechts ausfallen wird, das allein den so nötigen Frieden und den Wiederaufbau Europas ermöglichen und gewährleisten kann.
Deutsche Reparationszahlungen.
2leuhork, 6.2lug. (WTB.) Funkspruch, ^er Federal Reserver Board erhielt fünf Millionen Dollars für Rechnung der Bank von England, sowie der Bank von Frankreich, die für die deutschen Reparationszahlungen gutgeschrieben werden. Man erwartet, daß ein Betrag in ähnlicher Höhe nächste Woche zur Zahlung kommt.
Koblenz, 6. August. (Wolff.) Die interalliierte Rheinlandkommission wies die Eingabe der Handelskammer Köln zurück, die auf Grund gesammelten Materials die Aufhebung der Sanktionen verlangte mit der Begründung, daß die Einwände nicht stichhaltig seien.
Lloyd George geht nicht nach Washington.
Pari«, 8. Aug. (Havas.) Wie die Havas- agentur mitteilt, erklärte Lloyd George einer Delegation amerikanischer Journalisten, er werde sich nicht nach Washington begeben, um England auf der Abrüstungskonferenz zu vertreten. Der englische Premierminister gab nicht die Persönlichkeiten an, die England auf der Washingtoner Konferenz vertreten werden.
Kreis Schotten.
Schotten.!.Aug. Der Gießener Lie- ? ~5 lr a n ® hatte sich gestern unser Gebirgs- stadtchen zum Ziel eines Ausflugs gewählt und seinen Dank für die Aufnahme durch den Schotte- ner Druderverein durch Desangesgaben zum Ausdruck gebracht. Der 2. Dorsitzende des Lurn- und Gesangvereins, Duchardt, begrüßte die Gäste. Anschließend ergriff im Damen der Stadt Schotten Bürgermeister Mengel das Wort, um das Dolkslied als Träger des deutschen Einheitsgedankens zu erltutcrn, als Bindeglied der so schwer empfundenen Lockerung der Beziehungen zwischen Stadt und Land. Die Dankeswortt des Gießener- Liederkranzes galten dem Heimatsgefühl und der Stammeszugehörigkeit. — Die musikalischen Dor- träge blieben durchaus auf der Höhe des Erwarte- ten. Die Hauskapelle des Turnvereins hatte die Einleitung übernommen und zeigte abgerundete Leistungen, der Gesang der Scholtener Sänger bot gutes Stimmaterial und technisches Können, da» allerdings von den Leistungen der Gießener überstrahlt wurde. Vollendung des Ausdrucks und Harmonie der Töne brachte vorzügliche klangliche Wirkungen hervor. Auch dem Wohllaut der Duette und Sologesänge schenkte die bei falls freutnge Zuhörerschaft gern ihre Aufmerksamkeit Die Gesangsstücke usw. des Gießener Liederkranzes Waren sehr zahlreich. Reben den Männerchören gefielen sehr die Duette für Sopran und Bariton und die humoristischen Dorträge.
Kreis Friedberg«
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 9. Aug. 1921.
Spart mit dem Wasser?
Dom Wasserwerk wird uns geschriebene
Der Wettervoraussage nach soll die bisherige regenarme Zeit noch anhalten, da sich von Südosten her hoher Druck wieder stärker ausdehnt. Die Annahme, daß endlich ein ausgiebiger Regen fallen würde, ist nun wieder zu Schanden geworden. Hcberall besteht Mangel an Wasser. Aus dem Vogelsberg, aus der Rhön und dem Spessart laufen betrübende Meldungen ein. Die Bäche trocknen aus und die Quellen versiegen gänzlich. Hüttenwerke, die große Wassermengen benötigen, find gezwungen, ihre Hochöfen auszublasen, wenn es ihnen nicht gelingt, Wasser durch Reu-Bohrungen oder dergleichen zu beschaffen.
Durch Mithilfe einsichtsvoller Mitbürger ist es bisher gelungen, die Stadt Gießen vor einer Wasserkalamität zu bewahren und es wäre zur Einführung von Sperrstunden überhaupt nicht gekommen. wenn nicht von einem Teil unserer Bevölkerung noch immer rücksichtslos und planlos mit dem Wasser gewirtschaftet würde, ttns gehen täglich Meldungen zu über ten übermäßigen Wasserverbrauch einiger Haushaltungen, sei es, daß vor Beginn der Sperrstunden alle zui Verfügung stehenden Gefäße, sogar Badewannen, mit Wasser gefüllt werden, das dann, wenn es warm geworden oder nicht gebraucht wird, der Gntwäfserungsleitung zugeführt wird, oder sei es, daß trotz des Verbots die Gärten und Grasstücke noch immer begossen werden. Meldungen sind ferner an uns gekommen, daß Wasserverbraucher stundenlang den Zapfhahn geöffnet lassen, um immer kaltes Wasser zur Verfügung zu haben und daß viele Zapfhähne und Abort-Spülkasten undicht sind, so daß eine Menge Wasser unbenutzt fortläuft
In der Erde ist zu wenig Wasser und wenn auch in der nächsten Zeit Regen, sogar viel Regen niederfallen sollte, so können doch die leeren Wasserreservoire in der Erde sobald nicht wieder aufgefüllt werden; daher wird vielleicht eine große Wassersnot erst nach Monaten eintreten und die Bevölkerung sollte im Selbstinteresse mit dem Wasser sparen, damit die Pumpen in unserem Wasserwerk Queckborn nicht schon jetzt alles Wasser aus der Erde saugen müssen.
Alle Hausbesitzer werden aber im Allgemeininteresse ausgefvrdert, alle Zapfhähne und Abort-Spulkasten von einem Fachmann untersuchen und, wenn nötig, dichten zu lassen. Während der Sperrzeit sind alle Wasserentnahmestellen geschlossen zu halten. — Wieder- holl daher die Mahnung: Spartindernäch- ft en Zeit mit dem Wass er!
Wettervoraussage
Jur Mittwoch:
Wolkig bis heiter, wieder etwas wärmer, meist trocken, Südwestwinde.
Dom Atlantischen Ozean her nähert sich eine Depression, so daß zunächst wieder mit einer Erhöhung der Temperatur zu rechnen ist. Dieder- schläge sind vorerst noch nicht zu erwarten.
Die staatlichen Waldungen sink zur Waldstreu, und Weidenutzung in weitgehendstem Maße geöffnet worden, doch wurde von der Forst- und Kameralabtellung nahegelegt, die Waldungen, die durch andauernden Streuentzug während des Krieges tark gelitten haben, zu schonen und für Be- chaffung anderer Srsatzstreumittel tunlichst Sorge zu tragen. Hierfür käme an erster Stelle die im BerhälMis zum Sttoh billige und als Streumittel vollwerttge Torf st reu in Frage. Um zur Linderung der Futternot die vorerst notwendigen Futtermtttel zur Erhaltung unserer Biehbestände zu beschaffen, ist das LandeSernährungsamt auf Grund der geführten Verhandlungen bei dem ReichSernah- rungsministerium um Ueberweisung von Fut» termitteln aus ReichSbestLnden vorstellig geworden. ES ist notwendig, daß alle zur Fütterung verfügbaren, geeigneten Erzeugnisse den Tieren als Erhaltungsfutter vorgesetzt werden, um ein notwendig werdendes Ab- toßen eines Teiles der Viehbestände zu der- ) Indern.
Die Kartoffelmißerute.
Berlin, 6. Aug. (Wolff.) Die preußische ßanbtagöfrattlon der Deulschnationalen Vollspur tei brachte einen Antrag ein, das Staats« Ministerium zu ersuchen, angesichts der bevor- leßenben schweren M ißernte in Kartos- e l n schleunigst mit der Reichsregierung InS Benehmen zu treten, um durch eine rechtzeitige Sln- uhr von Mais und äderen Futtermittän, die in Deutschland zu erntenden Kartoffeln ausschließlich für bte menschliche Ernährung frcizumachen. um insbesondere den landwirtschaftlichen Brennereien das Brennen vvn MaiS zu ermöglichen
Der Mörder Toschke ein von den Franzosen vorgeschobenes Subjekt.
D e r 11 n, 8. Aug. (Prlvattel.) Das rC9. L." berichtet: In den deutschen Kreisen in Oberschlesien ist man fest überzeugt, daß der als Mörder des französischen Majors Mon- t o l ö g r e verhaftete Toschke. der längere Zeit in polnischen Diensten stand, ein von den Franzosenvorgeschobenes Subjekt ist, das durch die angeblichen Geständnisse die Schuld an der Erschießung Montalegres den Deutschen in die Schuhe schieben soll, um während der entscheidenden Der h a n d lu n g s- «tage des Obersten Rates der deutschen Sache Ab- ibruxß zu tun.
Polnische Ausbrecher.
Ko ttbuS. 8. Aug. (WTD.) Gestern abend «eigen 1/5IO H$r versuchten polnische Inka s s e n deS Internierungslagers einen gewaltsamen AuSbruchauSdemDaracken» DauS. Die Posten gaben sofort Feuer und der größte Teil der Ausbrecher wurde wieder in die Daracken zuruckgejagt. Etwa 30 Mann gelang es, in den angrenzenden Wald zu entfliehen. Die Verfolgung wurde sofort ausgenommen, blieb aber erfolglos. Die Schutzpolizei und die Gendarmerie werden zur weiteren Verfolgung auf- geboten werden. Von den Ausbrechern blieben Drei, durch Schüsse der Posten, größtenteils Bein- schüffe, schwer verletzt, liegen. Weitere vier oder fünf Verletzte wurden vvn den Entflohenen mit» genommen.
Butzbach, 8. August. Der Erfolg der Butzbacher I u b l lä u m S - Gewerbe- Ausstellung ist ganz außerordentlich; die mit Geschick, Geschmack und Gediegenheit zusammengestellte Schau 6Übet seit ihrer Eröffnung den Anziehungspunkt für die nähere und weitere Amgebung unseres altertümlichen Städtchens und hatte am gesttigen Sonntag einen Zustrom von tausenden auswärttger Be- sucher zu verzeichnen. Da die Ausstellungs-- räume bei Ferienende wieder anderen Zwecken dienen müssen, kann die Ausstellung nicht über den 14. August hinaus verlängert werden, so daß der nächste Sonntag den letzten Ausstellungstag bildet. Man versäume also nicht, noch in dieser Woche die so sehenswerte Butzbacher Veranstaltung zu besuchen.
Hessen-Nassau.
Ruhr in Frankfurt.
rnc. Frankfurt a. 'M., 7. Aug. Der Kreisarzt erläßt folgende Warnung Ruhrfälle sind in Frankfurt und der Umgebung zur Zeit lehr zahlreich. Rarnentlich in kinderreichen Stadtteilen ist die Krankheit a.ifg.treten. D.Lt- fehler und namentlich die große Schwüle in Verbindung mit den Rachwirkungen des Krieges tragen daran die Schuld. Bei dem heimtückischen Charakter der Krantheit sind auch scheinbar leichte Fälle lange nach ihrer Ausheilung noch von den schlimmsten Folgen begleitet, wie auch derartige Falle noch lange Jahre zu neuen S krankangen Anlaß geben. Es ist deshalb von größter Bedeu tung, auch bei leichten Fällen sorgfältige Des- insellion am Krankenbett vorzunchm.n, den Abort gründlich zu reinigen, für viel Papier auf demselben zu sorgen, wie auch die Sauberkeit der Hände von der größten Wichtigkeit ist. — Gleichzeitig mochten wir nicht verfehlen, bei dem Genuß von rohem und unreifem Obst größte Vorsicht anzuraten.
* Amtliche Personalnachrichten. In den Ruhestand versetzt wurde am 3. August 1921 der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Schlitz, Geheimer Iustizrat Franz Wahl, mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste.
Bornotizen.
— Lageskalender für Dienstag: Stadttheater. 7 Uhr, „Potasch und Perlmutter". — Tertors Terrase a. d. Hardt, 4 Uhr, Sommer- fest des Gastwirtevereins. — Lichtspieltheater, wie gestern.
— 116er-Tag. An dem ersten 116er-Tag am 21. August in Gießen nimmt auch L. I R. 116 teil Die Ausstellung im Festzug und Platzzu- teilung ist nach Formationen geregelt Siehe Anzeigenteil.
vom hessischen Landsiedelungsamt angeordnet wor- I den, daß ein Teil des bisher in Pachtnützung von ' Heinen und mittleren Landwirten befindlichen fiskalischen Ackergclandes zu Siedlungezwecken auch an solche Landbewerber abgegeben werden soll, die bisher kein Acker- und Gartenland in Benutzung hatten, z. B. an Arbeiter, Beamte und Angestellte. Gegen diese Anordnung hat der hessische Bauernbund in einer am Donnerstag in Leeheim abgehaltenen Versammlung nicht mit Unrecht protestiert
herbeizuführen und hofft, dadurch die selbständige Entscheidung in die Hände derjenigen Beamten gelegt zu sehen, die die Unterlagen dafür aus eigener Anschauung kennen, zugleich auch das VeranIwortlichkeitSgefühl und die Entschlußfreudigkeit dieser Beamten zu stärken und den Schriftverkehr zwischen den verschiedenen Instanzen zu vermindern. Die Eisen- bahnverwallung hat, wie sie mitteilt, In oie- sem Sinne bereits im Vorjahr eine Anzahl wichtiger Maßnahmen getroffen.
Zunächst.wurde die Zuständigkeit der Verkehrsämter und größeren Güterabfertigungen zur selbständigen 6rlebigung von Schadenersatzansprüchen wegen Beschädigung und Verlusten von Frachtgütern erhöht. Früher war diesen örtlichen ©.eilen Entscheidungsbefugnis nur bei ganz geringwertigen Objekten überlassen. Heute sind die größeren Güterabfertigungen zur selbständigen Entscheidung von Erstattungsanträgen bis zu 300 Mk. und die Verkehrsämter von solchen bis zu 3000 Mk. befugt Dadurch sind etwa 40 Prozent der bisher bei den Eisenbahndirektionen behandelten Anträge auf die örtlichen Stellen übergegangen. Weiterhin hat die Verkehrsverwaltung die Zuständigkeit der Eisenbahndirektionen für die Feststellung von Kostenanschlägen zum Abschluß vvn Lieferungsverträgen und zur Zuschlag ?ert.ilung bei Entscheidungen erweitert. Die Estenbahndirektionen sind künftig berechtigt, Entwürfe und Kostenanschläge ohne Mitwirkung des Ministeriums endgültig festzustellen, wenn sie den Betrag von 500 000 Mk. (bisher 50 000 Mk.) im einzelnen nicht üb erfteigen, Lieferungs» und Arbeitsver- träge bis zu 500 000 Mi. (bisher 100 000 ML.) abzuschließen und bei Einzelentscheidungen bis zum Betrage von 3 Millionen (bisher 500 000) Mark den Zuschlag zu erteilen. Bel der Ausdehnung der Vollmachten der unteren Stellen, die hier vorgenommen wurde, dürfte allerdings auch die Erhöhung des Preisniveaus maßgebend gewesen sein, so daß die sachliche Arbeitsersparnis für die höheren Dienststellen vermutlich nicht so Ins Gewicht fallen wird, wie es bei gleichbleibenden Geldwerten der Fall wäre.
Die Eisenbahnverwaltung hat sich über diese Maßnahmen hinaus auch mit der systematischen Reubildung ihres Verwaltungskörpers beschäftigt. Als erstes, allerdings bescheidenes Ergebnis dieser Arbeit, die an verschiedenen Punkten in Angriff genommen worden ist, ist ein Erlaß des Reichsverkehrsministeriums zu verzeichnen, der zunächst für das Gebiet der ehemals preußisch- hessischen Eisenbahnen die Stellen der Dienst- stellenvorsteher aller Art (Bahnhöfe, Güterabfertigungen, Bahnmeistereien, Detriebs- werkmeistereien usw.) erweitert. Der Erlaß überträgt eine Reihe bisher bei den Eisenbahnämtern liegender Derwaltungsbefugnifse an alle Dienststellen erster und zweiter Klasse, das heißt auf etwa 6000 Dienststellen, bei deren Leitern nach der bestehenden Personalorganisation eine gewisse Vorbildung und umfassende allgemeine Dienstkenntnis vorausgesetzt werden darf. Auf dem Gebiete des Personalwesens wird diesen Dienststellenleitern eine Reihe von Geschäften selbständig übertragen. Sie haben künftig gewisse praktische Prüfungen selbständig abzunehmen und erhallen eine Art eigenen Wirtschaftsetat, indem ihnen von dem vorgesetzten Eisenbahnamt bestimmte Mittel xur selbständigen Bewirtschaftung überwiesen werden. Der Dienststellenleiter hat im Rahmen dieser Mittel selbständig für die Unterhaltung aller zu seiner Dienststelle gehörigen Einrichtungen zu sorgen. Er darf Stoffe und Geräte bis zum Einzelbetrag von 500 Mk. selbst beschaffen, selbständig Lieferungen bis zum gleichen Betrag vergeben und mit den Magazinen der Verwaltung zwecks Anforderung von Dau- und Werkstoffen aller Art verkehren, ohne die Genehmigung des Cisenbahnamts einholen zu müssen. Auf anderen Gebieten wird
Aus dem besetzten Gebiet.
ZeituugSverbot.
fpd. O b e r ft e l n, 7. August. Aus Anordnung der Rheinlandkommission wurde der sozialdemokratische „Rahetal-Bote" In Oberstein auf drei Tage verboten. DaS Verbot ist auf einen Artikel zurückzuführen, der Angriffe gegen die Haltung Frankreichs in der Frage der rheinischen Republik enthielt.
Ausweisung von Kommunisten.
Koblenz, 6. August. (Wolff.) Die in- teralliierte Rheinlandkommission wies neuerdings fünf Kommuni st en aus wegen Gefährdung der Sicherheit der Desatzungs- armee.
ihm die Abnahme wiederkehrender Material- prüfungen sowie die Verfolgung von ■Unregef- mäßigfeiten übertragen.
Diese Reuordnung der sachlichen Befug- nifle der Dienststellenleiter ist Hand in Hand mit einer Hebung ihrer Stellen im Rahmen der Besvldungsordnung ergangen. Eine große Zahl von ihnen ist zu Eisenbahninspektoren und Eisenbahnamtmännern befördert worden.
Aus dem Reiche.
Protest gegen Begnadigung von Aufruhrern.
Der Landesverband Halle-Merseburg der Deutschen Volkspartei hat folgendes Telegramm an den Reichsjusttzminister gerichtet:
»Die f i bliche Ei 'wohncrschafl Mitt ldeutsch- lands hat mit Erstaunen Kenntnis genommen von den in jüngster Zeit erfolgten Begnadigungen von Verurteilten der letztest Auf st ands- betoegung. Ihr fehlt jedes Verständnis tafür, daß selbst Führer, die zu langjährigen Zuchthausstrafen Berurteilt find, begnadigt und in Freiheit gesetzt worden find. Siete Tatsache muß in einem Gebiet, das bereits seit drei Jahren alljährlich von schweren Unruhen mit den schändlichsten D g eiteifMeinung« i ß?im- gesucht ist, geradezu vorbereitendfürneae Putsche wirken. Die nach allen Aufstandsbewegungen üb.ich gewordene Richtvvtt.r.ckung von Urteilen hat hier bereits in weiten Bevöl- kerungsschichten eine überaus leichtfertige Aufastung über die Rechtsprechung erweckt, die das Ansehen der Gerichte und die StacttSautorität auf das allerschwerste gefährden."
Reformen in der Eisenbahnverwaltung.
Reben der Prüfung, wie weit die Deu- vrdnung der Reichseisenbahnverwaltung im großen zweckmäßig und erforderlich ist, ist das Reichsverkehrsministerium, wie die „Frkft. Ztg." schreibt, seit längerer Zeit bemüht, den Verwaltungsorganismus dadurch wirtschaftlicher und beweglicher zu gestatten, daß Befugnisse, die bisher dem Ministerium Vorbehalten waren, aus die Cisenbahn- direktionen und Befugnisse dieser Behörde auf die Eisenbahnämter oder Dienststellen übertragen werden. Die VerkchrSverwaltung hätt diese Abwälzung von Befugnissen auf die
Kuntt und Wissenschaft.
Darmstadt, 7. Aug. Für die kommende Spielzeit des Hessischen LandestheaterS in Darm- ladt ist Die -Uraufführung folgender Werke in Aussicht genommen: Sophokles-Hölderlin: Oedi- pus, der Tyrann (Bearbeitung von Wilh. Michel). Shakespeare: TroiluS und Eresfida (in der Übersetzung von Friedrich Gundolf). Fritz v. Unruh; ©türme, Drama; Dietrich, 3. Test der Trilogie .Ein Geschlecht". Carl Sternheim: Tartüffe, Komödie nach Möllere. Kasimir Edschmid: Die Gisengesich- ter, Komödie. James Elroy Flecker: Hassan von Bagdad oder: Warum er die goldene Straße nach Samarkand zog (deutsch von H. W. Freißler und Herbert Alberti). Heinrich Anton: Blut — du bist Blut, Spiel in drei Tellen. Max Roofen: DaS letzte Rennen, Lustspiel.
Das Abenteuer einer englischen Delegation in Nustland.
London, 8. Aug. (Wolff.) »Daily Tele- fitaJpy* meldet, daß man in London wegen des Ausbleibens jeder Rachrlcht von der englischen Delegation, die sich nach Moskau begeben habe, sehr beunruhigt fei.
— §ilm°Singspiel .Zigeuner- b I u t". Einen großen Erfolg hatte gestern das Lichtspielhaus mit dem sechsakligen Film-Singspiel „Zigeunerblut". Kapellmeister Lewin erreichte es, daß Bild und Ton in jedem Moment genau übereinstimmten. Frl. Else Lindner vom Charlottenburger Opernhaus zeigte sich als hervorragende Sopranistin, die über ein äußerst klangvolles Organ und eine glänzende Technik verfügt. Michalin Behrmann vom Opernhaus in Riga verfügt über einen prachtvoll gebildeten Tenor. Der Besuch der Aufführung ist warm zu empfehlen.
Landkreis Gießen.
)( Stockhausen, 8. Aug. Gestern feierten die Eheleute Landwirt Heinrich Konrad Rück und dessen Ehefrau Dorothea geb. Rausch das Fest der goldenen Hochzeit in guter Frische und Gesundheit. Die beiden Eheleute zählen 151 Jahre, er 80 und feine Ehefrau 71. Heinrich Konrad Rück war lange Jahre Weber In Grünberg und Fulda, auch belleidete er lange Jahre das Amt als Polizeidiener und Feldschütz in der Gemeinde. Die beiden Eheleute sind noch sehr rüstig und verrichten noch Feldarbeit. Die Gemeinde Stockhausen hat daS Jubelpaar mit einer Ansprache, Gesang und Fackelzug beglückwünscht.
Kreis Lauterbach.
z. E r a i n f e I b, 7. Aug. Gestern nachmittag wurde das Kriegerdenkmal für unsere 16 im Weltkriege gefallenen an Verwundungen und Krankheit im Felde verstorbenen Krieger cinge- weiht. Ein Granitstein, der die Ramen enthalt, ist auf einer Anhöhe, mit einer Umräumung umgeben, am östlichen Teil unseres Ortes errichtet worden. Gingeleitet wurde die Feier durch einen Choral eines hiesigen Musikvereins sowie durch Gesang des irchenchorS. Pfarrer Frank hielt hierauf die Gedächtnisrede. Es fanden noch Vorträge von Schülern. Ansprachen von Lehrer Stern Beigeordneten Rehberger und Bürgermeister Ganß statt. Der Präsident des Krieger Vereins legte einen Kranz nieder. x
■ ... v , fd. Aus dem R ied. 8. Aug. In den Ried-
Mittel, eine Dezenttaltfatton der Verwaltung Gemarkungen Dornheim. Leehcim und Erfeld ist
Landwirtschaft.
Zur Linderung der Streu- und Futternot.
Am dem durch die Trockenheit hervorgerufenen Mangel an Streu- und Futtermitteln zu steuern, haben eingehende Verhandlungen zwischen Landwirtfchaftökammer für Hessen in Darmstadt und Ministerium statt- gefunden.


