Ausgabe 
8.8.1921
 
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KreiS Wetzlar.

ta. *35« B Tat. 6. Lug. Der Ätet»tag bat Die Uebernabme einer (Sarantietumme für eine Autopostlinie Wetzlar -Bischoffen beschtoflen. Die ®arantiefumme soll 20 0C0 Mk. betragen, wovon sechs Gemeinden der Bürger­meisterei Hoy-nsolms 8030 'JUt und die Stadt Weilar 6XX) Mk bettnlligt Mben. während der 2141 auf den Äreil übernommen wird. Es sollen täglich je 2 Dagen hin und her fahren. Die Fahrgebühr beträgt pro Kilometer 50 Pf

Brände.

fpd. Franksurta.M.,,7. August. Durch den Funkenauswurf einer Dresch­maschine wurde im Vorort Praunheim die große Feldscheune des dortigen HofguteS in Brand gesetzt. Das Gebäude und sieben mit Getreide gefüllte Wagen wurden ein Raub der Flammen.

fpd. Reckar steinach,7. August. Durch eine Feuersbrunst wurden in der Rächt zum Samstag vier Wohnhäuser mit den da­zugehörenden Wirtschaftsgebäuden einge­äschert. Mehrere Rachbarhäuser wurden bei den Rettunasarbeiten durch Wasserschaden er­heblich geschädigt.

O st e r i tz. 6. August. (Wolff.) Gestern abend gegen 10 Uhr brach auf dem Rittergut Longniy bei Rikrisch ein Brand aus. der sich mit großer Schnelligkeit über die gesam­ten Wirtschaftsgebäude des Gutes erstreckte. Alle Wirtschaftsgebäude, ausgenommen drei Rebengebäude, und die gesamten Ernte- und Heudorräte sind verbrannt. Der Schaden ist außerordentlich groß. Das Bieh wurde ge­rettet. Das Schloß blieb unversehrt.

Berlin, 6. August. Rach einer Mel­dung des .^Tageblattes" aus Bielefeld vernichtete in Augustdorf ein Brand bis­her 200 Hektar Waldbestand. LöschungSver- >uche sind bisher erfolglos gewesen.

Dom Blitz erschlagen.

fpd. Kassel, 7. Aug. Die 29jährige ßanb- toirtÄfrau Apel in Meckbach wurde auf dem Felde von einem Blitzstrahl getroffen, der sie sofort tötete. Die Schwester, die sich in unmittelbarer Rähe befand, war mehrere Se­kunden in ein Flammenmeer gehüllt, kam aber mit dem Schrecken davon. Der Körper der er­schlagenen Frau wies viele Brandwunden auf, Has Kopftuch war völlig zerfetzt, die Haar- vadeln verbogen.

Hochschulnachrichten.

cm. Darmstadt, 5. Aug. Die deutsche DendrologischeGesellschaft begann am 2 dS WtS. unter Beteiligung von etwa 200 «Gelehrten und Forschern aus Deutschland und Oesterreich sowie einigen Japanern unter Bor- ksttz deS Grafen Fr v. Schwerin ihre diesjährige Tagung mit der Besichtigung deS hiesigen bota- «ischen Gartens, der sehr viel wissenschaftlich IhttereHanten Stofs bot. Dann wurde die Künst­ler-Kolonie, der Herrengarten und hierauf unter «Führung deS früheren GrvßherAogS dessen Hagd- jschloß Wolfsgarten mit dessen reichhaltiger jPslanzenfammlung besucht. Die Tagung wird lin Heidelberg fortgesetzt und endet mit einem Besuch des Schwetzinger Gartens.

Frankfurt a. M., 5. Aug. Bon der «rechtswissenschafllichen Fakultät der Hnwcrfität Frankfurt wurde der Abickes-Preis dem Referendar Hugo Stern für seine Arbeit über Die Gestaltung der Rechtsmittel im künftigen deutschen Strafprozeß" zuerkannt. Die Arbeit soll demnächst im Druck erscheinen, da es der Fakul­tät in hohem Mabe erwünscht erscheint, bah sie veröffentlicht werde.

Frankfurt a. M., 6. Auaust. (Wolff.) Der Direktor deS Ehemischen Instituts an der Ltniversität Frankfurt, Professor Dr. von Braun, hat den Ruf an die Universität Wien abgelehnt.

sd. Würzburg, 7. Aug. Der Professer für klassische Philologie und Dvrstand des philologi­schen Proseminars, Dr. Thomas Stangl, ist nach längerer Krankheit im Alter von 66 Jahren gestorben. Das ist der dritte schwere Verlust, den die Universität innerhalb zwei Wochen erleidet.

Die Danziger Hochschule bleibt deutsch. Durch eine vor wenigen Lagen erfolgte Entscheidung der interalliier­ten BertellungSkornmission ist nun endlich das Eigentum an der Technischen Hochschule der Freien Stadt Danzig uneingeschränkt zuge­sprochen worden. Die hieran geknüpften Be­dingungen. Einführung eines Lektorats für polnische Sprache und einer Borlesung über

Bei einer

mc.

Maßnahmen gegen ihre Mitglieder ergreifen wollen, die diesen neuesten Raubzug auf die

Taschen ihrer Mitmenschen gutheißen und untere

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:

6,05

8. 8.

Schweizer Franken

100 3rL = 184.75

100 Mk. =s

Fr. = 46.65

L.

$

Äx. =

100 L.

Kr.

Kr.

3 40

7.60

6,02

15,84

1,23

6,65 16,87 1,22

6.7.

7,40 4,-

8,15

= 21.69

25.85

- 44.80

= 1.475

= 602.50

Handel.

F rankf vrt a.. TL, 8. Augnft. Marknotierungen.

Landwirtschaft.

Getreidewuchcr.

Frankfurt a. M., 7. Aug. Ueberaü

2 a u b a cb, 6. Aug Reden der ungewöhn­lichen Trockenheit hat die Obsternte noch einen anderen gefährlichen Feind bekommen, nämlich die Blutlaus, die sich in diesem Sommer wieder eingestellt hat und die Aepselbäume mit ihrem grauen Gespinst überzieht. Besonders die hier viel angepflanzteKasseler Reinette" hat unter diesem Schädling zu leiden. Der von derBlutlauS" be­fallene Baum geht rettungslos durchKrebs' zu- grunbe. Rur allgemein durch geführte Maßregeln könnten hier Rettung bringen.

181.50 7.375 0.62

7.50

46.652 21.61

25.85

44.90

1.50

601.- 3.50

7.60

Datum:

Zurich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag.... Stockholm . Wien.... London . . Paris .

Neuyork. *

7.i25 0.65

7.60

Wechsel auf

Holland ......

Deutschland.....

Wien ......

Prag........

Paris . ......

London .......

Italien.......

Brüssel.......

Budapest

Neuyork.......

Agram .

Bukarest......

polnische DirtfchastSgeogro hle, die Beschaf­fung auch polnischer, wissenschaftlicher Bücher für die Bibliothek, und die paritätische Be­handlung polnischer Staatsangehöriger bei der Ausnahme sind von untergeordneter Bedeu­tung. Die Hochschule bleibt so­mit vollkommen deutsch, behält deut­sche Unterrichtssprache und Selbstverwaltung unter der Regierung der Freien Stadt ohne jeden Einfluß der Republik Polen. Ohr deut­scher Charakter wird in keiner Weise an» getastet.

5.8. 7,42 4,03 8 10

98,- 6,65

stutzen.

Fürth L O., 7. Aug. Auch in der hiesigen Gegend machen sich ähnlich wie in Bayern Ge­treideaufkäufer bemerkbar, welche für die Frucht noch nie dagewesene Preise zahlen, so daß man annehmen muh, dah sie nach dem Ausland verschoben werden soll.

Gerichtssaal.

Todesurteil.

F r e i b u r g. 7. Aug. (WTB.) Das Schwur­gericht in Waidshut verurteilte den Tagelöhner Oftcrtaa wegen dreifachen Mordes in Verbindung mit schwerem Raub dreimal zum Tode, den Konditor Renntter. der mit Oftertag gemeinsame Sache gemacht, wegen zweifachen Mordes und schweren Rau es zweimal zum Tode und fünf Jahren ZuHthauS. Zu den Opfern der beiden Verurteilten gehört auch der Frankfurter Dantbeamte Heinrich Grünwald, der am 5. August 1920 bei den Wasserfällen bei Triberg von ihnen überfallen und schließlich durch einen Stich in die rechte Halsfeite er­mordet worden war.

1.7.1 L

Fr. 125,43

Fl. 59,23

Kr. 88,83

str. 117,83 !

........Kr. 83,83

........Kr 117,88

........Sh. 97,3)

........Fr. 125,43

I 23,83

Züricher Devisenmarkt.

5. 8.

. 100 . ioo . 100

. 1

. 100 . 100 . 100 . 100 . 100

(3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Die neuen Steuervorlagen.

Berlin, 6. Aug. Gestern fetzte das Reichs- kabrnett die Beratung der neuen Steuer- ge| ehvorlagen fort. Auch die oberfchle- fische Frage wurde lautDeutscher Allgem. Zeitung" m dieser Sitzung berührt. Die Beratung über die Steuergesey entwürfe konnte noch nicht zu Ende geführt werden.

Die Totgänge im Danziger Bolkstag.

Danzig, 6. Aug. (WTB.) 3n der heutigen Sitzung des V o l k s t a g s gab der Präsident Matthai eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Mir ist gestern dir Rachricht zuteil ge­worden, dah ein Heberfall auf dieses Haus und auf Personen in diesem Hause, besonders Sena­toren, geplant sei. Als mir dies bekannt wurde, ersuchte ich den Senat, mir Polizei zur Ver­fügung zu stellen. 3ch habe ausdrücklich dem Senat gesagt, dah ich die Polizeigewalt haben will zum Schutze des HauseS und derjenigen, die darin sind, Senatoren, Abgeordneten und Beam­ten. Als ich gestern vormittag von vier Abgeord-

in der Umgebung klagen die Landwirte, dah sie von gewissenlosen Händlern überlaufen wer­den. die ihnen die Getreideernte ad- kausen wollen. Es werden ungeheuere Preise geboten, und man macht den Landwirten sogar vielfach den Vorschlag, das Getreide selbst dresche» lassen, so daß der Landwirt keinerlei Arbeit mehr hätte. 3n einigen Kreisen haben die Landräte Warnungen vor diesen wilden Ge­treidehändlern erlassen, da durch die Aufkäufe nur eine weitere Verteuerung des Brotes ein­trete, unter der dann die Bevölkerung zu leiden habe. Leider beherzigen aber nicht alle Landwirte diese gutgemeinten Ratschläge, während die Dauemvereinigungen erfreulicherweise schärfste

* Hobe Preise für alte Möbel. 1 -Ljxer Der letzten Londoner Versteigerungen wurden, wie imKunsttvanberer mitgeteilt toirb.

Vermischtes.

Die Dürre.

fd. D o m H u n s r ü ck, 7. Aug. Die Trocken­heit nimmt im ganzen Hunsrückgebiet nachgerade katastrophale Formen an. Fast alle Gebirgs­bäche sind gänzlich ausgetrocknet. Wo keine Wasserleitung ist, sind die Bewohner traurig daran. Das Dorf Macken ist z. B. gänzlich ohne Wasser. Die Ortsbewohner müssen das Wasser mehr als l/3 Stunden weit aus der Rachbarschaft herbeischafsen.

Em große- Dampferunglück vor Kalifornien.

San Franzisko, 7. August. (WTB.) Der PerfonendampferAlaska" ist auf der Höhe von Eureka (Kalifornien) ge­sunken. Zwei volle Boote mit Uebeilebenden wurden von einem anderen, HUfe leistenden Dampfer ausgenommen. ES ist noch nicht be­kannt, wieviele Personen ums Leben gekom­men find. ES befanden sich 200Fahrgäste an Bord.

guten und dann mit einem schlechten Gebiß ver­kleinert wurde. War das Gebiß von Ratur au- gut. |d wurde die Vißverschlechterung durch eine Prothese herbeigeführt, unb umgekehrt wurde ein schlechtes Gebiß durch eine Prothese vervollstän­digt. Es zeigte sich nun bei der Prüfung einer Rahrung, die auS hartgekochtem Ei. Apfel, Brot, weißer Rübe bestand, Dah bei schlechtem Gebiß von der Rahrung lede-mal iner.t.icr aufgelegt wurde als bei gutem. Auch war die Rahrung bei schlechtem Gebiß viel weniger jerllclneit. Die Einwirkung des Bisses auf die Zerkleinerung lief) sich zahlenmäßig genau angeben, und habet zeigte sich deutlich, daß die besten Bedingungen nur mit tadellosem Gebiß zu erreichen sind. Bei der Untersuchung des Stoffwechsels zur Feststellung der Ausnutzung der Rahrung ergab sich bei ge­mischter Kost, bah da- schlechte Gebiß die Aus­nützung herabfetzt, jedoch nur um wenige Prozent. Beim Versuch mit Brot war der Einfluß des Ge­bisses noch weniger ausgeprägt. Wie die aus­gestellten Tabellen dartegen, sindet durch ein schlechtes Gebiß eine deutliche Verschlechterung der Rahrung statt, doch ist Die Ausnützung nur in geringem Maße beeinslußt, und es ist anzuneymen, daß die Gelamtnahrung-aufnahme durch ein schlechtes Gebiß ungünstig beeinflußt wird und daher hauptsächlich die Schädigungen bei schlechten Zähnen entstehen.

neten der Kommunistischen Partei nach der Ve­randa beruntergebeten und gefragt murbt, nb die Polizei, die dort lag, auf meinen Befehl dort sei, habe ich erwiderte Za. 3ch habe hinzugeftigl, daß ich sie erbeten habe nicht gegen Abgeordnete, sondern zum Schutze deS Haufe» und derer. Die darin sind, Senatoren. Abgeordnete unb Beamte. Es ist mir nachher mitgeleilt worden, daß die Polizei nicht abton-sähig fei, wenn sic nicht eine Ermächtigung von mir habe. Diese Ermächtigung habe ich gegeben. 3ch habe angenommen, daß ich die Polizei in den Saal rufen würde und nicht ein anderer.

ES ist ein dringlicher Antrag von der sozial- demokratifchen Frattion cingegangcn, Der Bolls- tag wolle beschließen, daß das Ltrasversahren und der etwa bestehende Haftbefehl oder sonstwie be­stehende Beschränkungen der persönlichen Freiheit gegen die DolkstagSabgeordneten Rahm und Schmidt sofort aufgehoben werden, lieber den Antrag wird in der heutigen VormittagSfitzung des DolkstagS verhandelt werden

Danzig, 6. Aug. (WTB.i Ein Aufruf der Danziger A r b e i t e r z t g." von gestern abend behauptet, der Danziger Senat habe sich zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung um Hilfe an Polen gewandt und nach Deffen Ablehnung Schutzpolizei aus Deutschland «Königs- berg, Marienburg und Hauenburg) erbeten unb erhalten. An dieser Behauptung ist, wie von zu­ständiger Stelle mitgeteilt wird, kein wahres Wort. Der Senat bat sich weder an polnische noch an deutsche Behörden um Unterstützung ge­wandt. Die Danziger Behörden sind zur Au« rechterhaltung der Ordnung mll eigener Kraft h der Lage. Ebenso unwahr ist die von derGa- zetta Goanska" gebrachte Behauptung, daß de» Oberbeamte der Schutzpolizei, der vorgestern Den Ordnungsdienst im VolkstagSoeläude versah, ein aus Berlin eigens au diesem Zweck herangeholler Reichswehroffezier sei. Der Beamte ist ein Dan­ziger Staatsangehöriger und gehört seit über Jahresfrist der Danziger Schutzpolizei an.

Die Frage der Truppenentsenduug.

L o n d o n, 6. Aua. (WTB.) Der diplomatische Mitarbeiter desDaily Telegraph" erklärt, be­vor die oberschlesüche Grenzfrage erwogen werde, werde Briand als Vorsitzender der Konferenz darauf'bestehen, daß die Verhärtungen für Oberschlesien erörtert werden Die letzten englischen Berichte besagen, bat) im Abstimmungs­gebiet fast überall Friede und Ordnung herrsche, so daß eine Rotwendigleit für Verstärkungen nicht vorhanden sei. Die französische Regierung beab­sichtige, alS Zeuaen für die Rotwendigkeit einer weiteren militärischen Aktion der Alliierten au brr General Lerond noch General Rollet und sogar Marschall F o ch zu bringen. Der Berichterstatter erklärte, man müsse vermeiden, daß iraenbwelckre Meinungsverschiedenheiten über die Entsendun. von Derslärtungen als Grund für eine neue Der- schiebung der entscheidenden Grenzregulierung biene. Deren sofortige Losung sei wesentlich für die Wiederherstellung des Frieden- und des w'rt- fchaftlichen Gleichgewichts

ZeitmrgSverbote für das besetzte Gebiet

Mainz, 6. Aug. (WTB.) Wie rra hie- figen Publilationsorgan der Rheviland'ommlssten betannt gegeben wird, hat diese dieFrank [urtcr Rachrichte n", dieM ü n ch c n e r Reuesten Rachrichten" und dieSüd- deutschen Monatshefte" auf Drei Mo­nate im besetzten Gebiet verboten, und zwar, wie in der Verordnung angegeben wird, "trogen ihrer fortgesetzten Angriffe auf die Befatzungstruppen.

! Die Hilfsmission der Quäker.

"Berlin, 5. Aug. (Priv.-Tel.) Der Geilet der amerikanischen H i l f s m i | s i an der Quäker für Deutschland, Alfred Scattergoob. der dieser Tage nach Amerika zurückgekehrt ist, machte laut einer Meldung desBerliner Tage­blatt" aus dem Haag über seine Tätigkeit fol­gende Mitteilungen: 3m Dezember 1919, alS ich nach Deutschland kam, wurde angenommen, daß die Rotwendigkeit, Mütter und Kinder zu er­nähren, höchstens 8 Monate anhalten würde. Wie ' sehr man sich darin irrte, geht auS der Tatsache ' hervor, daß im vorigen Monat täglich eine Wi>- ' Ihm Mahlzeiten verabreicht werden mußten. Die Rot in ihrer entsetzlichsten Form beginnt jetzt zu I verschwinden. Obgleich es infolge Unterernährung i während der nächsten fünf bis sechs Hahre ii* Deutschland verhältnismäßig mehr unterernährte Kinder geben wird als in England und Amerika, werden wir unser Programm im nächsten Winter um 4 0 Proz. vermindern müssen

Das Hilfswerk für Rußland.

Paris. 6. Aug. (WTB.) LautPetit Pn- rtfien" hat Maxim Gorki ein Telegramm an die bolschewistische Abordnung in London gerichtet, wonach die Qtätereglerung die Bedingungen HooverSannimmk und den Vorschlag macht, daß ein mit Vollmachten versehener amerikanischer Vertreter sich unverzüglich nach Moskau, Riga oder Reval begeben solle, um die Bedingungen genau sestzulegen, unter denen die Hilfsbewegung etngeleitet werden soll.

für eine Sammlung von Chippendale- Möbeln an einem Tage 35 000 Pfund Ster­ling bezahlt. Heißumstritten waren zwei Sofas unb vier Stühle in braunem Leder aus dem Besitz des Marquis von Hertiorb, bie 3100 Gui­neen brachten. Zwei Cßippenbale-Kommoben aus bem Besitz bes Lorb Townshend» wechselten für 5900 Pfund den Besitzer. Zwei Wandschirme brachten 530 Guineen, vier Lehnstühle unb zwei Spieltische 700 Guineen. Sehr begehrt waren auch bie altenglischen Lackmöbel. So brachten zwei Kommoben 1300 Guineen, ein kleiner Louis-XV.-Tifch 510 Guineen. Von den Modeln des Herzogs von Beaufort, die versteigert wurden, brachten zwei lädierte Schreibtische 800 Gui­neen, vier Vitrinen 600 Guineen, acht Stühle 580 Guineen. Eine Kommode im Stil Lud­wigs XVL, bie von bem berühmten Möbeltischler Riesener herrührt, wurde für 2200 Guineen zu- gefchlagen.

9

- Rahrungsausnützung und Ge- d i ß. Um den Einfluß festzustellen, den gute unb schlechte Zähne auf die Ausnützung der Rah­rung ou-üden, hat der Kieler Zahnarzt Schutz Versuche angestellt, über die in derMünchener Medizinischen Wochenschrift' berichte! wild. An vier Personen wurden Stosfwechselverfuche vor­genommen, indem die gleiche Rahrung mit einem

Die Rothersteins.

Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by ©reiner & Eomp., Berlin XV 30. 25. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Am nächsten Tag kehrte Magelone ins Fürstenhaus zurück. Sie sah frisch unb blühend aus, wie eine Maienrose unb schien einen guten Teil der Trauer in Wien gelassen zu Haden.

ES war auch zu schön gewesen! Erst die Hin­fahrt zu zweien mit Rüdiger, die zwar stark ins Sentimentale neigte mit den ber Trauer wegen noch verhaltenen Gefühlen, schmachtenden Blicken unb zärtlichen Anspielungen, ihr aber bvch bie Gewißheit brachte, baß Rüdiger sie liebe.

Dann SdithS Kommen am nächsten Tag und ihre gemeinsamen Exkursionen, von denen Rüdiger natürlich nicht- wissen durfte, und die eben darum so vergnügt unb reizvoll verliefen.

Edith hatte sich wirklich als modernes Sonn- tag£linb erwiesen. Alles, was bie Großstabt im Sommer bieten kann, hatte sie ausspionieri, Karten besorgt unb durch ihre eigene überlprubelnbe Lebensfreude die flotte Stimmung Magelone- immer noch gehoben.

Operettentheater. Zirkus, Sommervarieläs. Kabaretts unb eine feenhafte Rächt im englischen Garten im Prater hatten sie milgemacht. Die Lame Ebiths, eine verwitwete Baronin Selter, unb deren Bekanntenkreis meist Offiziere bildeten ihre Begleitung. Wenn Anneliefe gewußt Hätte, daß auch Graf Wendloh zu diesem Kreis geirrte, baß er Magelone wie toll den Hof ge­

macht unb nicht ein einziges Mal nach ihr oder Grafenegg gefragt hatte!!!

3a, es waren sehr amüsante Tage gewesen, in denen Magelone förmlich auflebte.

Auch das Geldgeschäft hatte sich glatt erledigt. Marku- Löb. der Ubald ,v oft ausgeholfen hatte, kaum auch dessen Witwe bereitwillig entgegen. Freilich nut gegen hohe Prozente und einem Wech­sel, der in längsten- einem Jahr einzulosen war.

Aber bis dahin bin ich entweder Rüdigers Frau oder Gräfin Wendloh," dachte Magelone sorglos.

Run war sie wieder daheim und laß mit ihrer sanften Madonnenmiene auf Grasenegq zwi­schen den RothersteinS. Erzählte von Xante 111- rile, diegottlob wieder woh!7ei", und von ihrem Katarrh, Der ihr den ganzen Wiener Aufenthalt verdorben habe.

Zwischendurch huschte manchmal eine Erin­nerung an ihre Rücksayrt durch ihren Kopf, bei der es eine kleine pikante ileberraschung gegeben hatte Sie unb Edith waren knapp vor Abgang deS Zuges auf den Bahnsteig erschieneii, sie hatten gerade noch eine Halde Minute Zeit, um rasch in ein Abteil erster Klasse zu springen.

3n dem Abteil saßen zwei Herren: Bugen Ruhland unb Mr. Allan Parker, Der Sohn eines amerikanischen S ai)IMagnaten, ten Edith von einer Rout aur der englischen Botschaft her flüchtig kannte. Eugen hatte ihn eingelabcn nach Wil- helminenruhe, da er ihm die Buchau er Gewerke zeigen wollt«.

2111c vier 3nsassen des Abteils waren sehr überrascht, als sie einander erkannten. Eugen Ruh- land schien anfangs Lust zu haben, in R.4.gelone bie Angehörige der .feindlichen Gegenpartei" zu

sehen, warf feiner Schwester einen erfta- nten miß­billigenden Blick zu und beschränkte sich auf einen steifen Gruß.

Aber gerade das reizte Magelone, ihre ganze Holdseligkeit zu entfalten und sich die Aufgabe zu stellen, diese- Gis zum Schmelzen zu bringen, was ihr Denn auch gelang.

Als sie in Wolkenriet auSstieg Rußlands fuhren noch eine Station weiter, da sie Wil- helminenruhe dann leichter erreichten. hatte sie die angenehme Heber;eugung, daß Eugen Ruß­land, soweit seine kühle, gemeßene Ratur dies zuließ, mit vollen Segeln in das Lager ihrer Bewunderer übergegangen war.

3ch soll dir übrigen- einen Grus) aus richten, Anneliese," Tagte Magelone nun,rate von wem?"

Wie soll ich das wissen?! Du hast gewiß eine Menge unserer Bekannten getroffen.

Gar niemand außer diesem einen. Die meisten sind ja jetzt auf ihren Gütern, und dann kam ich doch auch fast gar nicht aus Die Straße de- dummen Katarrhs wegen. Erst die letzten zwei Tage tonnte ich ein paar notwendige Kleinigkeiten besorgen. Dabei traf ich ihn fluchtig in der Kärntner Straße."

Unb wer ist dieser eine? frug Anneliese, obwohl sie es ganz genau wußte, mit gutgefpielter Gleichgültigkeit.

Rittmeister Graf Wendloh. Er wollte durch- aus, daß ich noch einen Tag zugebe, um seine in Baden zur Kur weilende Xante, ©£üfin Werda, zu besuchen, aber ich lehnte es ab von dem Rauch und Staub und sehnte mich schon namenlos zurück in unsere reine Bergluft,

glaube überhaupt, ich Tonnte mich auf die Dauer nirgends Wohler fühlen att hier.

Sie sah dabei mit treuherzigem Ausdruck zu Rüdiger hinüber, als wollte sie sagen:Richt wahr, du weißt die- am besten und auch - warum es so ist?

Aber er schien den Blick nicht bemerkt zu haben. Denn er sah kerzengerade vor sich hin und keine Muskel zuckte in seinem ernsten, bräun­lichen Gesicht.

Erst als Magelone ein Weilchen später zu ihm trat und halb schmeichelnd, halb bittend sagte: ,3ft es wahr, Rüdiger, du willst mir Dorothea nicht mehr nach Fürstenhaus gebenT fuhr er zu­sammen unb erhob sich rasch.

Rein, sie bleibt hier."

Aber warum benn? Habe ich nicht gut auf sie geschaut? Wir Haden un- so gut verstanden."

Eben darum!" Seine hellen Augen senkten sich mit seltsam abweisendem Ausdruck in Die ihren. »Richt alle Ansichten und Prinzipien, bie bu als Frau dir erlauben kannst, weil du bie Verantwortung Dafür vor bir selber zu tragen hast, taugen für ein so junges Mäbchen, dem eigene- Urteil noch fehlt

Rüdiger!" Magelone fuhr auf und wurde dunkelrot.Wie darfst du so etwas sagen?! Tu» ich etwas Böses? Das Hingt ja gerade so, als ob Dorothea bei mir verdorben werden könnte!"

.Das wollte ich Damit nicht sagen. Aber Deine Trauerzeit ist nun balD zu Ende, und ich vermute, daß du dann geselliger leben wirft, als ich es für Dorothea für gut fänDe. Es bleibt daher bei meinen Bestimmungen.

(Fortsetzung folgte