Montag,
171. Jahrgang
Nr. 183
Der •ifMner anjeiger mit der Dienstagsbeilage ,Sp»rt = Umfd)aee er- schein: täglid), aufcer Sonn, und feiertags. »•latlidK Btwgiprelfe: T’arN 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 eichchließlich Bestellgeld. Aerniprech-Anschlüsse: fflrbieSdiriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anreißer Lietzen.
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8. August 1921 Annahme »an Anzeigen für die Tagesnummer Die zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Sreis für \ mm höhe füi
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Drud und.Verleg: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steiudruderei H. Lenge. Schnstteltung, ßefdiäftsfieHe und Prudcrtt: Schulstratze 7.
eher einenKalender, als einenAtlas befragen. Die oberfchlesische Krise fei eine Krise der Dauer der Allianz. Sie zeige den Augenblick an. in dem England glaube, aus dem Wege, der zur Schwächung Deutschlands führe, weit genug gegangen zu fein. Im August 1921 hätte es einen anderen Grund nicht gegeben, wenn es keine oberfchlesische Frage gegeben hätte. Aus diesem Grunde fei es unerläßlich, daß man die Dinge so sehe, wie sie liegen.
Die erste Besprechung Lloyd Georges und Briands.
Paris. 8. Aug. (WTB.) HavaS. Lloyd George hatte gestern abend D r i a n b zum Essen im Hotel Trion eingeladen. Das Essen trug durchaus intimen Charakter. Rur Sir Robert Home und zwei Sekretäre Lloyd Georges waren zugegen. Rach dem Essen unterhielten .sich die beiden Minister ziemlich lange unter vier Augen. Heute vormittag wird keine Sitzung des Oberften Rates stattsinden. In Anbetracht der späten Ankunft des italienischen Ministerpräsidenten B o n o m i wird die Sitzung, die im Ministerium des Auswärtigen stattfmden wird, erst um 3 Uhr nachmittags beginnen. Während des Vormittags wird sich Lloyo George mit den englischen Sachverständigen besprechen, die an den Arbeiten des mit der Vorprüfung der oberschlesischen Frage beauftragten Ausschusses beteiligt waren.
Der „Temps" Über die „Cntschciduug von weittragender Bedeutung".
Paris. 7. Aug (WV.) Der „Temps" weist in seinem Leitartikel darauf hin, daß in dieser Woche eine Entscheidung von wetttragendster Bedeutung gefällt werde. Dem Ernst des Augenblicks könne niemand entgehen. Die Völker wie die Regierungen seien gezwungen, sich darüber Rechenschast abzulegen, da die Zukunft des europäischen Friedens aus dem Spiele stehe. Wenn man keine Lösung der ober- schlefischen Frage finde, die Frankreich als gerecht ansehen könne, dann müsse Die oberschle- sische Frage in suspenso bleiben, denn keine französische Regierung könne einer Regelung zustimmen. die die Vollsmassen für ungerecht halten. Franrret'ch werde fid) Dann aus sich selbst zurückziehen, einztg damit beschäs- ttgt, einem deutschen Angriff vorzubeugen. In Deutschland aber würden die Parteien der Reaktion und der Revanche triumphieren, und in England werde das Voll feststellen, day der Friedensvertrag vonVersailles bankrott gemacht habe, und es werdeR e ch e n s ch a f t dafür fordern. Das wolle man doch sicher nicht. Also, so schließt das Blatt, einigen wir uns unter dem Zeichen der Gerechtigkeit, denn unter diesem Zeichen haben wir gesiegt.
Die Tagung des Obersten Rates.
Paris, 7. Aug. (Wolff.) Am Vorabend des Zusammentritts des Obersten Rates stellen die Zeitungen fest, daß Frankreich und England über die meisten Punkte der allgemeinen Politit nicht so ganz überein stimmen. Das sei aber fast vor jeder Sitzung des Obersten Rates der Fall gewesen, und es fei daher geraten, nicht schwarz zu sehen, sondern der Lage ins Gesicht zu schauen, ohne aber eine einzige Schwierigkeit zu verkennen. Lloyd Georges Stellung fei diesmal durch die Zustimmung des britischen Reichsrates besonders gestärkt: Briand werde daher unter schwierigen ‘Bedingungen die Rechte Frankreichs zur Geltung zu bringen haben: das dürfe aber nicht abschrecken.
Auf der Tagesordnung der Konferenz steht außer der Frage der Entsendung von Truppenverstärkungen nach Oberschlesien und der Zuteilung des Abstimmungsgebietes die Frage der Aufhebung der Zwangsmaßnahmen am Rhein, die Frage der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten, die Frage der Herstellung von Luft- schiff material für den Verkehr in Deutschland, die Orientfrage und die Frage der Hilfe für Rußland. Jedenfalls wird auch die finanzielle Lage Oesterreichs behandelt. Der österreichische Gesandte in Paris soll gestern, dem „Petit Journal" zufolge, auf dem Quai d'Orsay gewesen sein, um auf die kritische Lage Oesterreichs hinzuweisen. Rach dem „Petit Journal" ist noch nicht sicher, ob die albanische Frage auch auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt wird. Für die Dauer der Konferenz sind acht bis zehn Tage vorgesehen.
Paris, 8. Aug. (WTB.) Wie der „Petit Parisien" glaubt, wird in der heutigen Sitzung des Obersten Rates beantragt werden, die m i I i - tLrisch en Sachverständigen über die Lage in Oberschlesien zu vernehmen. Es werden jedckifalls gehört werden General L e - r o n d, Sir Harold Stuart, General d e M a - r in i und Marschall Foch.
Paris, 8. Aug. (WTB.) Wie das „Echo de Paris" aus englischen Kreisen erfahren haben will, besteht die Meinung, daß in der heutigen Sitzung des Obersten Rates die Frage der Verstärkungen für Oberschlesien nicht an erster Stelle besprochen werden wird. Man könne nützlicherweise diese Frage erst besprechen, nachdem man sich über die deutsch-polnische Grenzlinie geeinigt haben wird.
Die amerikanische Arbeiterschaft am Scheidewege.
William English Walling, ein bekannter amerikanifcher Nationalökonom, Sozialist und jetziger heftiger Antibolschewist, veröffentlicht in. den „New Vork Times" folgende Ausführungen:
Zum ersten Male in fünfundzwanzig Jahren fieht sich die amerikanische Arbeiterschaft über einen wichtigen Prvgrammpunkt gespalten. Aus der Jahresversammlung der American Federation os Labor (des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes) in Denver ist Eompers als Vorsitzender wiedergewählt und sein Gegenkandidat Lewis besiegt worden. Aber Lewis hat mit einer radikalen Plattform ein volles Drittel aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Dabei haben die Sozialisten, die zweifellos Radikale sind, nicht für ihn gestimmt, sondern für Gompers mit der Begiündung, Gompers Wiederwahl sei ja Doch nicht zu nngeben; ohne diese paradoxe Haltung wäre die Zahl der Prv^eststimmen noch viel größer gewesen.
Gompers und Lewis sind auf ihre Weise beide als Fortschrittler anzusprechen — außer in einem wichtigen Punkt. Lewis hat ein politisches Programm in den Vordergrund gestellt — und das ist ausgesprochen radikal; in Wirifchafts- und Gewerkschaftsdingen dagegen ist er ziemlich gemäßigt. Gompers umgekehrt ist in politischen Fragen gemäßigt (nicht konservativ, wie man oft behaupten hört), in wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen - für ihn die weitaus wichtigeren — steht er auf der Seite der Radikalen, obgleich nicht der Extremisten, und ist jedenfalls aktivistischer alS Lewis.
Zur Zeit des letzten Kohlenstreiks erklärte Lewis, er sei vor allem Amerikaner, und er fügte sich dem schärfsten antigewerkschaftlichen Agitationsverbot der amerikanischen Geschichte. Bei einer ähnlichen Gelegenheit hatte sich Gompers bereit erklärt, sich einsperren zu lassen. Das war der stolzeste Augenblick in Gompers' Leben, und diese Haltung hat ihm ohne Zweifel auf der Gewerkschaststagung den Sieg verschafft. In betreff der Rechte des Arbeiters auf wirtschaftlichem Gebiet kennt Gompers kein Kompromiß, höchstens ein Rachgeben in taktischen Fragen. Zum Extrem getrieben, müßte Gompers' Politik in die Richtung des Syndikalismus führen, aber er treibt sie nicht zum Extrem.
Ganz entsprechend würde die Plattform, auf der Lewis an die Tagung appelliert hat, klärlich zum Sozialismus führen: aber Lewis ist kein Sozialist und geht auf diesem Weg nicht über eine bestimmte feste Grenze hinaus. Sein Programm ist: Verstaatlichung und demokratische Verwaltung der Eisenbahnen und Kohlenbergwerke und tzozialisierung der Bodenschätze. Aber über diese Fragen gab es auf der Denver-Tagung kaum zweierlei Meinung: die Mehrheit für die Verstaatlichung der Bahnen z. B. war noch überwältigender als voriges Jahr, und Gompers hat sich zum zweiten Male verpflichtet, die Beschlüsse des Gewerkschaftsverbandes treulich auszuführen. Trotzdem ist in der Stimmung des Kongresses sichtlich ein Umschwung eingetreten. Dor zwei Hahren war die Majorität noch für reine Verstaatlichung. Dann wurde durch das nach seinem Verfasser als „Plumb-Plan" bekannte Programm die demokratische Verwaltung im gemischtwirtschaftlichen Betrieb pi den Vorder- runo gerückt. Aus der vorjährigen Tagung des Verbandes in Montreal sprach sich die Mehrheit für demokratische Verwaltung ohne spezifizierten Wirtschaftsplan aus. Und jetzt treten die Eisen- bahnerverbände. unterstützt durch Gompers und seine Beamten, für eine Suspendierung des pvliti-
der amerikanischen Arbeiterverbände in die untergeordnete Abteilung einer radikalen politischen Bewegung fort bauern.
Für die nächste Zukunft indes bedeutet das Ergebnis von Denver folgendes: Die amerikanische Arbeiterschaft mag sich im kommenden Jahr in erbitterte Wirtschaflskämpfe einlassen, an einer radikalen politischen Bewegung wird sie nicht teil- nehmen. Sollte sie in einigen Jahren doch so weit sein, so wird bis. dahin der politische Himmel ein ganz anderer sein — der Bolschewismus wird völlig diskreditiert sein, die Extremisten (vorwiegend europäischer Herkunft) werden sich einigermaßen beruhigt haben und ein Eintritt der amerikanischen Arbeiterschaft in die Politik unter so veränderten Auspizien wird (wenn es dazu kommt) wesentlich andere Züge tragen, als das heute der Fall wäre.
Für heute also steht die amerikanische Arbeiterschaft noch außerhalb der Kontrolle der revolutionären und halbrevolutionären Radikalen, und ihre Hauptenergie wird nach wie vor dem wirtschaftlichen Kamps gelten. Rach der Vergangenheit zu schließen, wird dieser Kampf in erster Linie ein Defensivkamps (konservativ) sein, aber er wird Auch den Angrifi (radikal) nicht scheuen, wo die Rotwendigteit ihn heischt. Herr Gompers hat bewiesen, daß er sich wohl bewußt ist, daß die Arbeiterschaft nicht vorwärts zu tommen hoffen darf, wenn der Rest der Ration einhellig gegen sie ist. Darum ist sein Ziel: die öffentliche Achtung zugleich zu erwerben und zu erzwingen. Ist der Arbeiterschaft das einmal gelungen, dann wird auch eine Konzentrierung ihrer Kräfte aus Das politische Gebiet zu ganz anderen Resultaten führen, als sie heute zu erreichen beanspruchen dürfte.
schen Programms und für die Verschiebung des im Kongreß einzubringenden Initiativantrages zur Verstaatlichung der Eisenbahnen ein. Prinzipiell sind ja alle wichtigen Gewerkschaften auf das Sozialisierungsprogramm festgelegt, aber ihre Haltung hat in letzter Zeit so starke Veränderungen erfahren, daß die Maßnahmen die sie beute unter diesem Ramen Vorschlägen ' würden, von allen früheren Entwürfen bedeutend abweichen dürften.
Die Meinungsverschiedenheit zwischen Gvm- perS und Lewis liegt nun hauptsächllch darin, daß Lewis die Frage der Verstaatlichung und verwandter politischer Reformen (staatliche Versicherung gegen Alter, Krankheit and Arbeitslosigkeit) zur vorherrschenden machen will. Der Gegensatz sviht sich zuletzt auf die Frage zu: soll die organisierte Arbeiterschaft sich in erster Linie auf den Einfluß verlassen, den die radifal- liberalen Wähler aller Klassen auf die Regierung haben könnten, oder soll sie fortfahren, der Erhaltung und Vermehrung ihrer wirtschaftlichen Macht ihr Hauptaugenmerk zuzuwenden?
Die radikalen Außenseiter, Sozialisten and Pseudo-Liberale, die durch ihre Publikatwnen, Preßverbände und zahlreiche weitverzweigte Organisationen einen großen und ständig wachsenden Einfluß aus die Arbeiterschaft haben, ziehen das politische Programm vor, das, wie im heutigen England und einigen anderen Ländern, die Arbeiterbewegung großenteils in ihre Hand geben würde. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der Stimmzettel für Lewis. Zum erstenmal haben die amerikanischen Anhänger der halb-revolutionären Ideen und Der britischen Arbeiterpartei einen starken Kandidaten für den Gewerkschaftsoerband aufzustellen vermocht. Sie sind Wohl unterlegen, aber der Fortschritt ihrer Sache ist offenkundig, und mit Hilfe der sozialistischen und pseudv-- liberalen Publikationen — die hundertmal'besser finanziert sind als die eigentlichen Gewerkschafts- pigane — wird die Kampagne zur llmtnandtung
Die neuen Steuerpläne.
Berlin 6. Aug. (Wolff.) Amtlich. Die Beratungen des Reichskabinetts über die neuen Steuern sind zu einem gewissen Abschluß gekommen. Heber die gesamten Steuerpläne des Reichsfinanzministeriums kann folgender ileber- blick gegeben werden. Es liegen folgende Gesetzentwürfe vor:
1. Der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Zucker st euergesehes. — Erhöhung der Zuckersteuer von 14 auf 100 Mark für die 100 Kg.
2. Entwurf eines Sützstoffgesehes.
3. Entwurf eines Gesetzes über dasD rannt- weinmonopol. — Erhöhung der Hektolitereinnahme von 800 Mark auf mindestens 4000 Mark unter völliger Umarbeitung und Vereinfachung des Gesetzes.
4. Entwurf eines Gesetzes betreffend die Erhöhung einzelner Verbrauchssteuern: a) Erhöhung der Leuchtmittel st euergesehe auf das Vierfache, b) Verdoppelung der Süßwasser- steuer und der Mineralwasser st euer, c) Erhöhung der Bier steuer usw. um das Vierfache unter gleichzeitiger Erweiterung der Spannung zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Steuersatz, d) Beseitigung der Ermäßigung der Tabak st euersätze (886 des Tabaksteuergesetzes) unter gleichzeitiger Umgestaltung der obersten Steuerklasse für feingeschnittenen Rauchtabak, Pfeifentabak, Kau- und Schnupftabak.
5. Entwurf eines Gesetzes über die Erhöhung von Zöllen und Erhöhung der Zollsätze für Bananen, Datteln, Kaffee, Tee, Gewürze, Kakao und Schokolade, sowie für eine Reihe von Waren, die für den allgemeinen Verbrauch nicht wesentlich sind ober nur dem Luxus bienen.
6. Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Kohlen st euergesehes. — Erhöhung der Kohlensteuer auf 30 v. H. des Weries unter gleichzeitiger Ermächtigung des Reichsministers der Finanzen, die Steuer vorübergehend auf 25 v. H. des Wertes zu ermäßigen.
7. Entwurf eines Rennwettgesetzes. — Zulassung von Duchmacherwetten.
8. Entwurf eines Kraftfahrzeugsteuergesetzes. — Wesentliche Erhöhung der Kraflfahrzeugsteuer unter Einbeziehung der Lastkraftwagen. .
9. Entwurf eines Dersicherungs- st e u e r g e f e h e s. — Die gegenwärtig un Reichs- slempelgesetz vorgesehenen niedrigen steuer)atze sollen erhöht und die (Steuerbefreiung ^geschränkt werden. Der Steuersatz wll für S^ier- versicherungen auf unbewegliche Gegenstände io Pf., auf bewegliche Gegenstände 40 $f. für 1000 Mark unter enifpreebender Berücksichtigung für
Paris, 8. Aug. (WTB.) P e r t i n a x sagt im »Echo de Paris": Die zwei Fragen, die heute im Obersten Rat gestellt werden, sind: 1. muß die Industriezone in Oberschlesien als ein unteilbares Ganzes betrachtet werden? 2. müssen Zwangs- .maßnahmen vorgesehen werden, um Deutschland eventuell zu zwingen, den Willen der Mächte anzunehmen? — Wenn Lloyd George nicht die Direktiven seiner Politik ändere, sehe man nicht recht, wie eine Verständigung möglich sei. Die Engländer glaubten, daß friedliche Lösungen noch möglich feien. Die Franzosen beharrten jedoch auf dem Gedanken, baß Deut chland ben Friedensvertrag von Versailles unb bie Ruhe nur in dem Maße respektieren werbe, in dem es sich durch eine stärkere Macht, bie bereit sei, sich gegen es zu wenden, bedroht fühle.
Der „Petit Parisien" schreibt, so gro; auch bie Schwierigkeiten feien, die sich, in Bezug au die Auslegung des Ergebnisses der Volksabstimmung in Oberschlesien zwischen Frankreich und England ergaben, scheine es doch nicht, bah man verzweifeln müsse, zu einem Ergebnis zu gelangen. Aber nur unter einer Debingung, baß man im Laufe ber nächsten Wvch. burch bie Arbeiten ber Sachverstänbigen erkannt haoe, baß man auf beiben (Seiten darauf verzichten müsse, bas Industriegebiet für unteilbar zu halten.
Das „Petit Journal" sagt, um den Ausgangspunkt des Konfliktes zu erkennen, müsse man viel
Daunotversicherunaen. für Lebensversicherungen 4 Mark von 100 Rlark der Prämie betragen.
10. Entwurf eines Gesetzes betreffend Abänderung des Umsatz st euergesetzcs. — Verdoppelung der Umsatzsteuer unter gleichzeitiger Einschränkung der Befreiungsvvrschriften bei ber Ein- und Ausfuhr, wobei jedoch den Bedürfnissen des Ausfuhr Handels Rechnung getragen werden soll. Die Rlöglichkeit der Vereinfachung ber LuxuS st euer unb eine erhöhte Umsatzsteuer für L u x u s g a st st ä 11 e n mit einem Zuschlag«- recht der Gemeinben. Der bisherige Deteiligungs- satz der Länder und Gemeinden an der Umsatzsteuer soll unverändert bleiben.
11. Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Körperschafts st euergesetzeS. — Die Körperschaftssteuer soll bei ben ErwerbSgesell- schaften 30 v. H. bes gesamten steuerbaren Einkommens betragen. Die bisherigen steuerlichen Begünstigungen der Schachtelgesellschaften sollen abgeschwächt und die Erhöhung der Körperschafts- sieuer durch eine Milderung der Besteuerung des Dividendeneinkommens in der Hand der ‘Besitzer teilweise ausgeglichen werden.
12. Entwurf eines KapitalverkehrS- st euergesehes. — Unter vollständiger Umgestaltung des Reichsstempelgesehes, aus dem die Desleuerung der Rennwetten. Verlicherungen und Kraftfahrzeuge In besondere Gesetze übernommen worden ist, sollen die der Kapitalbildung hicnen- den Vorgänge in dem KapitalverkehrSsteuergeseh zusammen besonders behandelt werben. Hierunter fallen bie Begründungen von Gesellschaften, bei denen die Beteiligung auf Kapitaleinlagen beschränkt ist. Hiervon ist insbesondere die Be- fleuerung der Aktiengesellschaften mit 7 v. H. zu erwähnen. Das System der Börsen steuer soll unter Vornahme einer beträchtlichen Vereinfachung belassen werden, jedoch unter Erhöhung der Sätze für Dividendenpapiere, insbesondere Aktien. Die Steuer soll hierfür für Kundengeschäfte auf 6 v. Tausend erhöht, jedoch beweglich gestaltet werden, damit sie sich jeweils der wirtschaftlichen Lage anpassen kann. Weiter ist die Möglichkeit der Besteuerung deS Devi- senhandels geschaffen. Die letztere Maßnahme soll aber erst Platz greifen, wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse angezeigt erscheinen lassen. Die Dörsenumsahsteuer soll auch die Gewährung, von Dezugsrechten ergreifen. Endlich enthält das. Gesetz eine Gewerbeanschaffungssteuer, die gelegt wird auf Gewerbe von ganzen De- schäftsunternehmungen und Sondervermögen und eine Ergänzung der Umsatzsteuer bildet.
13. Entwurf eines Vermögen« st euergesehes. — Das Reichsnotopser muß der fortschreitenden Entwertung der Mark und der Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse, dem es nach der Anlage nicht Rechnung tragen konnte, angepaht werden. In erster Linie entbehrt das Festhalten an einem bestimmten Stichtag. der nicht nur über die Steuerpflicht, sondern aud) über den Dermögensstand und die Bewertung des Vermögens entscheidet bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Gestaltung, die jeder Schwankung der Mark folgt, der sachlichen Berechtigung. Bei dem Reichsnotopfer werden die Vermehrungen des Vermögens unb bie Wertveränderungen. die nach dem 31. Dezember 1919 eingetreten sind, grundsätzlich, Wertverminderun- gen nur im engen Rahmen berücksichtigt. Reu« gebildete Vermögen werden von ihm nicht erfaßt. Die Ablösung des Reichsnotopfers. daS auf der Grundlage einer besseren Mark errechnet worden ist. kann mit ber schlechteren vorgenommen werben. Es läßt mithin gerade diejenigen In weitem Umfange unberücksichtigt, die im wahren Sinne des Wortes Rutznießer der Geld» enttoertung geworden sind. Das Reichsnot- opfer stellt aber weiter deshalb eine unzulängliche Erfassung des tragfähigen Vermögens dar, well' die gegebenen Dewertungsvorschristen unter bem. Grundsatz einer befonberen Schonung der Sachwerte stehen. Eine Berücksichtigung der Sachwerte gegenüber den reinen Kapitalvermögen erscheint unter ben gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr vertretbar. Während bas Kapitalvermögen sich bei gleichbleibenbem Reinbeträge wirtschaftlich mit ber finfenben Kaufkraft ber Mark vermindert, bleiben Gewerbebetriebe und Grundbesitz im wesentlichen von der Geldentwertung verschont. Deshalb schlägt der Entwurf einen sachgemäßen Ausbau des Reichsno t- opfergebankensror. und zwar In der Welse, daß zwar der nach dem Gesetz über die beschleunigte Erhebung des Reichsnvtvpfers gezeichnete. Tell erhoben, im übrigen aber an bie Stelle des Restbetrages des Reichsnotopfers eine laufende Vermögenssteuer mit einem zeitlich begrenzten Zuschlag treten soll.
Hierbei ist In Aussicht genommen, den feste« Stichtag aufzuheben und damit alle neu gebildeten Vermögen zu erfassen, die Steuer in Zeitabschnitten von etwa 3:3 Jahren oder auch in kürzeren Zeitabschnitten zu veranlagen unb bamit ben Wertsteigerungen ober WertverminberungenRech- nung zu tragen, schließlich aber bas Vermögen unter anderen wirtschaftlichen unb rechtlichen Gesichtspunkten zu bewerten unb bamit bie schwer empfundene Ungleichmäßigkeit der geltenden Regelung auszugleichen. Die laufende Vermögenssteuer soll von 0,05 bis 1 v. H. aufsteigen und bei nichtphysischen Personen l'/i vom Tausend betragen. Hierzu soll auf die Dauer von 15 Jahren ein Zuschlag treten ber tu» physische Personen 300 v. H., für nichtvhywch' Personen 150 v. H. ber Vermögenssteuer betragt Hebe Begünstigung des werbenden Vernwgenfl soll beseitigt unb badurch der Druck auf Dafl Betriebs- und Grundvermögen vermehrt weroern Die Belastung durch die Vermögenssteuer un» den Zuschlag wird in vielen Fällen einem


