Einzelbild herunterladen

Montag,

171. Jahrgang

Nr. 183

DerifMner anjeiger mit der Dienstagsbeilage ,Sp»rt = Umfd)aee er- schein: täglid), aufcer Sonn, und feiertags. »latlidK Btwgiprelfe: TarN 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 eichchließlich Bestellgeld. Aerniprech-Anschlüsse: fflrbieSdiriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anreißer Lietzen.

poftschetttonto:

Sronffurl a. M. 11686.

8. August 1921 Annahme »an Anzeigen für die Tagesnummer Die zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Sreis für \ mm höhe füi

»zeigenv 34mm Brette örtlich 40 Pf, auswärtr 50 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180 Pj Bei Platz- Vorschrift20'Aufichlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz: für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Sieben.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drud und.Verleg: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steiudruderei H. Lenge. Schnstteltung, ßefdiäftsfieHe und Prudcrtt: Schulstratze 7.

eher einenKalender, als einenAtlas befragen. Die oberfchlesische Krise fei eine Krise der Dauer der Allianz. Sie zeige den Augenblick an. in dem England glaube, aus dem Wege, der zur Schwächung Deutschlands führe, weit genug gegangen zu fein. Im August 1921 hätte es einen anderen Grund nicht gegeben, wenn es keine oberfchlesische Frage gegeben hätte. Aus diesem Grunde fei es unerläßlich, daß man die Dinge so sehe, wie sie liegen.

Die erste Besprechung Lloyd Georges und Briands.

Paris. 8. Aug. (WTB.) HavaS. Lloyd George hatte gestern abend D r i a n b zum Essen im Hotel Trion eingeladen. Das Essen trug durchaus intimen Charakter. Rur Sir Robert Home und zwei Sekretäre Lloyd Ge­orges waren zugegen. Rach dem Essen unter­hielten .sich die beiden Minister ziemlich lange unter vier Augen. Heute vormittag wird keine Sitzung des Oberften Rates stattsinden. In An­betracht der späten Ankunft des italienischen Mi­nisterpräsidenten B o n o m i wird die Sitzung, die im Ministerium des Auswärtigen stattfmden wird, erst um 3 Uhr nachmittags beginnen. Während des Vormittags wird sich Lloyo George mit den englischen Sachverständigen besprechen, die an den Arbeiten des mit der Vorprüfung der oberschle­sischen Frage beauftragten Ausschusses beteiligt waren.

DerTemps" Über dieCntschciduug von weittragender Bedeutung".

Paris. 7. Aug (WV.) DerTemps" weist in seinem Leitartikel darauf hin, daß in dieser Woche eine Entscheidung von wett­tragendster Bedeutung gefällt werde. Dem Ernst des Augenblicks könne niemand ent­gehen. Die Völker wie die Regierungen seien ge­zwungen, sich darüber Rechenschast abzulegen, da die Zukunft des europäischen Friedens aus dem Spiele stehe. Wenn man keine Lösung der ober- schlefischen Frage finde, die Frankreich als ge­recht ansehen könne, dann müsse Die oberschle- sische Frage in suspenso bleiben, denn keine fran­zösische Regierung könne einer Regelung zustim­men. die die Vollsmassen für ungerecht halten. Franrret'ch werde fid) Dann aus sich selbst zurückziehen, einztg damit beschäs- ttgt, einem deutschen Angriff vorzubeugen. In Deutschland aber würden die Parteien der Re­aktion und der Revanche triumphieren, und in England werde das Voll feststellen, day der Friedensvertrag vonVersailles ban­krott gemacht habe, und es werdeR e ch e n s ch a f t dafür fordern. Das wolle man doch sicher nicht. Also, so schließt das Blatt, einigen wir uns unter dem Zeichen der Gerechtigkeit, denn unter diesem Zeichen haben wir gesiegt.

Die Tagung des Obersten Rates.

Paris, 7. Aug. (Wolff.) Am Vorabend des Zusammentritts des Obersten Rates stellen die Zeitungen fest, daß Frankreich und Eng­land über die meisten Punkte der allgemeinen Politit nicht so ganz überein stimmen. Das sei aber fast vor jeder Sitzung des Obersten Rates der Fall gewesen, und es fei daher ge­raten, nicht schwarz zu sehen, sondern der Lage ins Gesicht zu schauen, ohne aber eine einzige Schwierigkeit zu verkennen. Lloyd Georges Stel­lung fei diesmal durch die Zustimmung des bri­tischen Reichsrates besonders gestärkt: Briand werde daher unter schwierigenBedingungen die Rechte Frankreichs zur Geltung zu bringen haben: das dürfe aber nicht abschrecken.

Auf der Tagesordnung der Konferenz steht außer der Frage der Entsendung von Trup­penverstärkungen nach Oberschlesien und der Zu­teilung des Abstimmungsgebietes die Frage der Aufhebung der Zwangsmaßnahmen am Rhein, die Frage der Aburteilung der Kriegsbeschul­digten, die Frage der Herstellung von Luft- schiff material für den Verkehr in Deutsch­land, die Orientfrage und die Frage der Hilfe für Rußland. Jedenfalls wird auch die finanzielle Lage Oesterreichs behandelt. Der österreichische Gesandte in Paris soll gestern, demPetit Journal" zufolge, auf dem Quai d'Orsay ge­wesen sein, um auf die kritische Lage Oesterreichs hinzuweisen. Rach demPetit Jour­nal" ist noch nicht sicher, ob die albanische Frage auch auf die Tagesordnung der Konferenz ge­setzt wird. Für die Dauer der Konferenz sind acht bis zehn Tage vorgesehen.

Paris, 8. Aug. (WTB.) Wie derPetit Parisien" glaubt, wird in der heutigen Sitzung des Obersten Rates beantragt werden, die m i I i - tLrisch en Sachverständigen über die Lage in Oberschlesien zu vernehmen. Es werden jedckifalls gehört werden General L e - r o n d, Sir Harold Stuart, General d e M a - r in i und Marschall Foch.

Paris, 8. Aug. (WTB.) Wie dasEcho de Paris" aus englischen Kreisen erfahren haben will, besteht die Meinung, daß in der heutigen Sitzung des Obersten Rates die Frage der Ver­stärkungen für Oberschlesien nicht an erster Stelle besprochen werden wird. Man könne nützlicherweise diese Frage erst besprechen, nachdem man sich über die deutsch-polnische Grenzlinie geeinigt haben wird.

Die amerikanische Arbeiterschaft am Scheidewege.

William English Walling, ein bekannter amerikanifcher Nationalökonom, So­zialist und jetziger heftiger Antibolschewist, veröffentlicht in. denNew Vork Times" folgende Ausführungen:

Zum ersten Male in fünfundzwanzig Jahren fieht sich die amerikanische Arbeiterschaft über einen wichtigen Prvgrammpunkt gespalten. Aus der Jahresversammlung der American Fede­ration os Labor (des amerikanischen Gewerkschafts­verbandes) in Denver ist Eompers als Vorsitzen­der wiedergewählt und sein Gegenkandidat Lewis besiegt worden. Aber Lewis hat mit einer radi­kalen Plattform ein volles Drittel aller abge­gebenen Stimmen auf sich vereinigt. Dabei haben die Sozialisten, die zweifellos Radikale sind, nicht für ihn gestimmt, sondern für Gompers mit der Begiündung, Gompers Wiederwahl sei ja Doch nicht zu nngeben; ohne diese paradoxe Haltung wäre die Zahl der Prv^eststimmen noch viel größer gewesen.

Gompers und Lewis sind auf ihre Weise beide als Fortschrittler anzusprechen außer in einem wichtigen Punkt. Lewis hat ein politisches Pro­gramm in den Vordergrund gestellt und das ist ausgesprochen radikal; in Wirifchafts- und Gewerkschaftsdingen dagegen ist er ziemlich ge­mäßigt. Gompers umgekehrt ist in politischen Fragen gemäßigt (nicht konservativ, wie man oft behaupten hört), in wirtschaftlichen und gewerk­schaftlichen - für ihn die weitaus wichtigeren steht er auf der Seite der Radikalen, obgleich nicht der Extremisten, und ist jedenfalls aktivistischer alS Lewis.

Zur Zeit des letzten Kohlenstreiks erklärte Lewis, er sei vor allem Amerikaner, und er fügte sich dem schärfsten antigewerkschaftlichen Agitationsverbot der amerikanischen Geschichte. Bei einer ähnlichen Gelegenheit hatte sich Gom­pers bereit erklärt, sich einsperren zu lassen. Das war der stolzeste Augenblick in Gompers' Leben, und diese Haltung hat ihm ohne Zweifel auf der Gewerkschaststagung den Sieg verschafft. In betreff der Rechte des Arbeiters auf wirt­schaftlichem Gebiet kennt Gompers kein Kom­promiß, höchstens ein Rachgeben in taktischen Fragen. Zum Extrem getrieben, müßte Gompers' Politik in die Richtung des Syndikalismus füh­ren, aber er treibt sie nicht zum Extrem.

Ganz entsprechend würde die Plattform, auf der Lewis an die Tagung appelliert hat, klärlich zum Sozialismus führen: aber Lewis ist kein Sozialist und geht auf diesem Weg nicht über eine bestimmte feste Grenze hinaus. Sein Pro­gramm ist: Verstaatlichung und demokratische Ver­waltung der Eisenbahnen und Kohlenbergwerke und tzozialisierung der Bodenschätze. Aber über diese Fragen gab es auf der Denver-Tagung kaum zweierlei Meinung: die Mehrheit für die Verstaatlichung der Bahnen z. B. war noch überwältigender als voriges Jahr, und Gompers hat sich zum zweiten Male verpflichtet, die Be­schlüsse des Gewerkschaftsverbandes treulich aus­zuführen. Trotzdem ist in der Stimmung des Kongresses sichtlich ein Umschwung eingetreten. Dor zwei Hahren war die Majorität noch für reine Verstaatlichung. Dann wurde durch das nach seinem Verfasser alsPlumb-Plan" be­kannte Programm die demokratische Verwaltung im gemischtwirtschaftlichen Betrieb pi den Vorder- runo gerückt. Aus der vorjährigen Tagung des Verbandes in Montreal sprach sich die Mehrheit für demokratische Verwaltung ohne spezifizierten Wirtschaftsplan aus. Und jetzt treten die Eisen- bahnerverbände. unterstützt durch Gompers und seine Beamten, für eine Suspendierung des pvliti-

der amerikanischen Arbeiterverbände in die unter­geordnete Abteilung einer radikalen politischen Bewegung fort bauern.

Für die nächste Zukunft indes bedeutet das Ergebnis von Denver folgendes: Die amerikani­sche Arbeiterschaft mag sich im kommenden Jahr in erbitterte Wirtschaflskämpfe einlassen, an einer radikalen politischen Bewegung wird sie nicht teil- nehmen. Sollte sie in einigen Jahren doch so weit sein, so wird bis. dahin der politische Him­mel ein ganz anderer sein der Bolschewismus wird völlig diskreditiert sein, die Extremisten (vorwiegend europäischer Herkunft) werden sich einigermaßen beruhigt haben und ein Eintritt der amerikanischen Arbeiterschaft in die Politik unter so veränderten Auspizien wird (wenn es dazu kommt) wesentlich andere Züge tragen, als das heute der Fall wäre.

Für heute also steht die amerikanische Ar­beiterschaft noch außerhalb der Kontrolle der re­volutionären und halbrevolutionären Radikalen, und ihre Hauptenergie wird nach wie vor dem wirtschaftlichen Kamps gelten. Rach der Ver­gangenheit zu schließen, wird dieser Kampf in erster Linie ein Defensivkamps (konservativ) sein, aber er wird Auch den Angrifi (radikal) nicht scheuen, wo die Rotwendigteit ihn heischt. Herr Gompers hat bewiesen, daß er sich wohl bewußt ist, daß die Arbeiterschaft nicht vorwärts zu tommen hoffen darf, wenn der Rest der Ration einhellig gegen sie ist. Darum ist sein Ziel: die öffentliche Achtung zugleich zu erwerben und zu erzwingen. Ist der Arbeiterschaft das einmal gelungen, dann wird auch eine Konzentrierung ihrer Kräfte aus Das politische Gebiet zu ganz anderen Resultaten führen, als sie heute zu er­reichen beanspruchen dürfte.

schen Programms und für die Verschiebung des im Kongreß einzubringenden Initiativantrages zur Verstaatlichung der Eisenbahnen ein. Prin­zipiell sind ja alle wichtigen Gewerkschaften auf das Sozialisierungsprogramm festgelegt, aber ihre Haltung hat in letzter Zeit so starke Verände­rungen erfahren, daß die Maßnahmen die sie beute unter diesem Ramen Vorschlägen ' würden, von allen früheren Entwürfen bedeutend ab­weichen dürften.

Die Meinungsverschiedenheit zwischen Gvm- perS und Lewis liegt nun hauptsächllch darin, daß Lewis die Frage der Verstaatlichung und verwandter politischer Reformen (staatliche Ver­sicherung gegen Alter, Krankheit and Arbeits­losigkeit) zur vorherrschenden machen will. Der Gegensatz sviht sich zuletzt auf die Frage zu: soll die organisierte Arbeiterschaft sich in erster Linie auf den Einfluß verlassen, den die radifal- liberalen Wähler aller Klassen auf die Regierung haben könnten, oder soll sie fortfahren, der Er­haltung und Vermehrung ihrer wirtschaftlichen Macht ihr Hauptaugenmerk zuzuwenden?

Die radikalen Außenseiter, Sozialisten and Pseudo-Liberale, die durch ihre Publikatwnen, Preßverbände und zahlreiche weitverzweigte Or­ganisationen einen großen und ständig wachsenden Einfluß aus die Arbeiterschaft haben, ziehen das politische Programm vor, das, wie im heutigen England und einigen anderen Ländern, die Ar­beiterbewegung großenteils in ihre Hand geben würde. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der Stimmzettel für Lewis. Zum erstenmal haben die amerikanischen Anhänger der halb-revolutionären Ideen und Der britischen Arbeiterpartei einen starken Kandidaten für den Gewerkschaftsoerband aufzustellen vermocht. Sie sind Wohl unterlegen, aber der Fortschritt ihrer Sache ist offenkundig, und mit Hilfe der sozialistischen und pseudv-- liberalen Publikationen die hundertmal'besser finanziert sind als die eigentlichen Gewerkschafts- pigane wird die Kampagne zur llmtnandtung

Die neuen Steuerpläne.

Berlin 6. Aug. (Wolff.) Amtlich. Die Beratungen des Reichskabinetts über die neuen Steuern sind zu einem gewissen Abschluß gekommen. Heber die gesamten Steuerpläne des Reichsfinanzministeriums kann folgender ileber- blick gegeben werden. Es liegen folgende Gesetz­entwürfe vor:

1. Der Entwurf eines Gesetzes zur Abände­rung des Zucker st euergesehes. Erhö­hung der Zuckersteuer von 14 auf 100 Mark für die 100 Kg.

2. Entwurf eines Sützstoffgesehes.

3. Entwurf eines Gesetzes über dasD rannt- weinmonopol. Erhöhung der Hektoliter­einnahme von 800 Mark auf mindestens 4000 Mark unter völliger Umarbeitung und Verein­fachung des Gesetzes.

4. Entwurf eines Gesetzes betreffend die Er­höhung einzelner Verbrauchssteuern: a) Erhöhung der Leuchtmittel st euergesehe auf das Vierfache, b) Verdoppelung der Süßwasser- steuer und der Mineralwasser st euer, c) Erhöhung der Bier steuer usw. um das Vierfache unter gleichzeitiger Erweiterung der Spannung zwischen dem höchsten und dem nied­rigsten Steuersatz, d) Beseitigung der Ermäßigung der Tabak st euersätze (886 des Tabaksteuer­gesetzes) unter gleichzeitiger Umgestaltung der obersten Steuerklasse für feingeschnittenen Rauch­tabak, Pfeifentabak, Kau- und Schnupftabak.

5. Entwurf eines Gesetzes über die Erhöhung von Zöllen und Erhöhung der Zollsätze für Bananen, Datteln, Kaffee, Tee, Gewürze, Kakao und Schokolade, sowie für eine Reihe von Waren, die für den allgemeinen Verbrauch nicht wesentlich sind ober nur dem Luxus bienen.

6. Entwurf eines Gesetzes über die Abände­rung des Kohlen st euergesehes. Er­höhung der Kohlensteuer auf 30 v. H. des Weries unter gleichzeitiger Ermächtigung des Reichs­ministers der Finanzen, die Steuer vorübergehend auf 25 v. H. des Wertes zu ermäßigen.

7. Entwurf eines Rennwettgesetzes. Zulassung von Duchmacherwetten.

8. Entwurf eines Kraftfahrzeug­steuergesetzes. Wesentliche Erhöhung der Kraflfahrzeugsteuer unter Einbeziehung der Last­kraftwagen. .

9. Entwurf eines Dersicherungs- st e u e r g e f e h e s. Die gegenwärtig un Reichs- slempelgesetz vorgesehenen niedrigen steuer)atze sollen erhöht und die (Steuerbefreiung ^ge­schränkt werden. Der Steuersatz wll für S^ier- versicherungen auf unbewegliche Gegenstände io Pf., auf bewegliche Gegenstände 40 $f. für 1000 Mark unter enifpreebender Berücksichtigung für

Paris, 8. Aug. (WTB.) P e r t i n a x sagt im »Echo de Paris": Die zwei Fragen, die heute im Obersten Rat gestellt werden, sind: 1. muß die Industriezone in Oberschlesien als ein unteilbares Ganzes betrachtet werden? 2. müssen Zwangs- .maßnahmen vorgesehen werden, um Deutschland eventuell zu zwingen, den Willen der Mächte an­zunehmen? Wenn Lloyd George nicht die Direktiven seiner Politik ändere, sehe man nicht recht, wie eine Verständigung möglich sei. Die Engländer glaubten, daß friedliche Lösungen noch möglich feien. Die Franzosen beharrten jedoch auf dem Gedanken, baß Deut chland ben Friedens­vertrag von Versailles unb bie Ruhe nur in dem Maße respektieren werbe, in dem es sich durch eine stärkere Macht, bie bereit sei, sich gegen es zu wenden, bedroht fühle.

DerPetit Parisien" schreibt, so gro; auch bie Schwierigkeiten feien, die sich, in Bezug au die Auslegung des Ergebnisses der Volks­abstimmung in Oberschlesien zwischen Frankreich und England ergaben, scheine es doch nicht, bah man verzweifeln müsse, zu einem Ergebnis zu gelangen. Aber nur unter einer Debingung, baß man im Laufe ber nächsten Wvch. burch bie Ar­beiten ber Sachverstänbigen erkannt haoe, baß man auf beiben (Seiten darauf verzichten müsse, bas Industriegebiet für unteilbar zu halten.

DasPetit Journal" sagt, um den Ausgangs­punkt des Konfliktes zu erkennen, müsse man viel

Daunotversicherunaen. für Lebensversicherungen 4 Mark von 100 Rlark der Prämie betragen.

10. Entwurf eines Gesetzes betreffend Ab­änderung des Umsatz st euergesetzcs. Verdoppelung der Umsatzsteuer unter gleichzeitiger Einschränkung der Befreiungsvvrschriften bei ber Ein- und Ausfuhr, wobei jedoch den Bedürfnissen des Ausfuhr Handels Rechnung getragen werden soll. Die Rlöglichkeit der Vereinfachung ber LuxuS st euer unb eine erhöhte Umsatzsteuer für L u x u s g a st st ä 11 e n mit einem Zuschlag«- recht der Gemeinben. Der bisherige Deteiligungs- satz der Länder und Gemeinden an der Umsatz­steuer soll unverändert bleiben.

11. Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des Körperschafts st euergesetzeS. Die Körperschaftssteuer soll bei ben ErwerbSgesell- schaften 30 v. H. bes gesamten steuerbaren Ein­kommens betragen. Die bisherigen steuerlichen Begünstigungen der Schachtelgesellschaften sollen abgeschwächt und die Erhöhung der Körperschafts- sieuer durch eine Milderung der Besteuerung des Dividendeneinkommens in der Hand derBe­sitzer teilweise ausgeglichen werden.

12. Entwurf eines KapitalverkehrS- st euergesehes. Unter vollständiger Umge­staltung des Reichsstempelgesehes, aus dem die Desleuerung der Rennwetten. Verlicherungen und Kraftfahrzeuge In besondere Gesetze übernommen worden ist, sollen die der Kapitalbildung hicnen- den Vorgänge in dem KapitalverkehrSsteuergeseh zusammen besonders behandelt werben. Hierunter fallen bie Begründungen von Gesellschaften, bei denen die Beteiligung auf Kapitaleinlagen be­schränkt ist. Hiervon ist insbesondere die Be- fleuerung der Aktiengesellschaften mit 7 v. H. zu erwähnen. Das System der Börsen steuer soll unter Vornahme einer beträchtlichen Ver­einfachung belassen werden, jedoch unter Er­höhung der Sätze für Dividendenpapiere, ins­besondere Aktien. Die Steuer soll hierfür für Kundengeschäfte auf 6 v. Tausend erhöht, jedoch beweglich gestaltet werden, damit sie sich jeweils der wirtschaftlichen Lage anpassen kann. Weiter ist die Möglichkeit der Besteuerung deS Devi- senhandels geschaffen. Die letztere Maßnahme soll aber erst Platz greifen, wenn es die wirt­schaftlichen Verhältnisse angezeigt erscheinen lassen. Die Dörsenumsahsteuer soll auch die Gewährung, von Dezugsrechten ergreifen. Endlich enthält das. Gesetz eine Gewerbeanschaffungssteuer, die gelegt wird auf Gewerbe von ganzen De- schäftsunternehmungen und Sondervermögen und eine Ergänzung der Umsatzsteuer bildet.

13. Entwurf eines Vermögen« st euer­gesehes. Das Reichsnotopser muß der fortschreitenden Entwertung der Mark und der Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse, dem es nach der Anlage nicht Rechnung tragen konnte, angepaht werden. In erster Linie ent­behrt das Festhalten an einem bestimmten Stich­tag. der nicht nur über die Steuerpflicht, sondern aud) über den Dermögensstand und die Be­wertung des Vermögens entscheidet bei der gegen­wärtigen wirtschaftlichen Gestaltung, die jeder Schwankung der Mark folgt, der sachlichen Be­rechtigung. Bei dem Reichsnotopfer werden die Vermehrungen des Vermögens unb bie Wert­veränderungen. die nach dem 31. Dezember 1919 eingetreten sind, grundsätzlich, Wertverminderun- gen nur im engen Rahmen berücksichtigt. Reu« gebildete Vermögen werden von ihm nicht er­faßt. Die Ablösung des Reichsnotopfers. daS auf der Grundlage einer besseren Mark errechnet worden ist. kann mit ber schlechteren vorgenommen werben. Es läßt mithin gerade diejenigen In weitem Umfange unberücksichtigt, die im wahren Sinne des Wortes Rutznießer der Geld» enttoertung geworden sind. Das Reichsnot- opfer stellt aber weiter deshalb eine unzulängliche Erfassung des tragfähigen Vermögens dar, well' die gegebenen Dewertungsvorschristen unter bem. Grundsatz einer befonberen Schonung der Sach­werte stehen. Eine Berücksichtigung der Sach­werte gegenüber den reinen Kapitalvermögen er­scheint unter ben gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr vertretbar. Während bas Kapitalver­mögen sich bei gleichbleibenbem Reinbeträge wirt­schaftlich mit ber finfenben Kaufkraft ber Mark vermindert, bleiben Gewerbebetriebe und Grund­besitz im wesentlichen von der Geldentwertung verschont. Deshalb schlägt der Entwurf einen sachgemäßen Ausbau des Reichsno t- opfergebankensror. und zwar In der Welse, daß zwar der nach dem Gesetz über die beschleu­nigte Erhebung des Reichsnvtvpfers gezeichnete. Tell erhoben, im übrigen aber an bie Stelle des Restbetrages des Reichsnotopfers eine lau­fende Vermögenssteuer mit einem zeitlich begrenzten Zuschlag treten soll.

Hierbei ist In Aussicht genommen, den feste« Stichtag aufzuheben und damit alle neu gebildeten Vermögen zu erfassen, die Steuer in Zeitabschnit­ten von etwa 3:3 Jahren oder auch in kürzeren Zeitabschnitten zu veranlagen unb bamit ben Wertsteigerungen ober WertverminberungenRech- nung zu tragen, schließlich aber bas Vermögen unter anderen wirtschaftlichen unb rechtlichen Ge­sichtspunkten zu bewerten unb bamit bie schwer empfundene Ungleichmäßigkeit der geltenden Re­gelung auszugleichen. Die laufende Ver­mögenssteuer soll von 0,05 bis 1 v. H. auf­steigen und bei nichtphysischen Personen l'/i vom Tausend betragen. Hierzu soll auf die Dauer von 15 Jahren ein Zuschlag treten ber tu» physische Personen 300 v. H., für nichtvhywch' Personen 150 v. H. ber Vermögenssteuer betragt Hebe Begünstigung des werbenden Vernwgenfl soll beseitigt unb badurch der Druck auf Dafl Betriebs- und Grundvermögen vermehrt weroern Die Belastung durch die Vermögenssteuer un» den Zuschlag wird in vielen Fällen einem