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' / Der dewrsch-tschechnche Streit.

~ Dien, 5. Aug. (WTB.) DasTteue Wiener Tageblatt" erfährt, daß die tschechischen Le­gionäre ein mit 14 Tagen befristetes Ulti­matum an die Regierung richteten, worin u. a. die Besetzung aller Behörden mit tschechischen Beam­ten und die Derschärfung der Zensur über die .deutschen Zeitungen verlangt wird.

Dien, 5. 2lug. (WTB.) Rach einer Mel- düng auS Prag begründen die bürgerlichen deutschen Parteien in einer Kundgebung ihr weiteres Fernbleiben vom Parlament mit der Feststellung, daß die Regierungserklärung eine frivole Antwort auf die deutschen Beschwerden sei. Die Legierung habe weder die Macht noch den Dillen, die deutschen Staatsbürger zu schützen.

Die spanischen Kämpfe in Marokko.

Madrid, 5. Aug. (DTB.) Havas. Das Kriegsministerium veröffentlicht folgende soeben aus Melilla eingetcoffenen Rachrichten: Ro- stinga wurde heute vormittag von fünf Landungs- kompagnien besetzt. Die Landung fand unter dem Schutze der Dchiffsaeschütze statt. Der D r u ck der R i f f p i r a t e n bei Suk el Hach v e r st ä r k t s i ch. Eine von Melilla ausgehende Abteilung griff den Feind heute vormittag an und vertrieb ihn vollständig. Der Feind hatte grobe Verluste, er lieh acht Tote und einen Gefangenen zurück, während er zahlreiche Tote und Verwundete mit sich führen konnte. Untere Abteilung verlor drei Offiziere (verwundet), zwei Soldaten (tot) und 31 Soldaten (verwundet). Der Angriff wurde hauptsächlich von eingeborenen Truppen durch­geführt, die aus Ceuta herangeführt worden waren. Gin Leutnant und acht Soldaten, denen es gelungen war, aus Zeluan zu entkommen, find »ergangene Rächt in unseren Stellungen elngc- trvffen. Sie erzählten, dah gestern vormittag die Verteidiger von Zeluan mit den Riffpiraten vereinbart hatten, sich in aller Freiheit aus den dortigen Stellungen zurückzuziehen, nachdem sie zuvor ihre Daffen abgeliefert hätten. Aoer kaum waren die Waffen abgeliefert worden, als der Feind ein heftiges Feuer auf die waffenlosen Soldaten eröffnete. Rur wenigen gelang es, zu entkommen, fast alle wurden getötet, darunter auch Hauptmann CarraScv, der Befehlshaber der Stellung.

Die Mißernte in Rußland.

Kopenhagen, 5. Aug (WB.) Rach Mel­dungen der Sowjetzeitungen sind von einer to­talen Mißernte 19 Millionen Menschen mit einem Viehbestand von 13 Millionen Stück, von einer schlechten Ernte 11 Gouvernements mit einer Bevölkerung von 29 Millionen Menschen betroffen. Im ganzen find über '28 Millionen' Menschen in Rußland von einer totalen oder teilweisen Miß­ernte betroffen. Hiervon gehören ?i/3 Millionen Menschen der Industriedevölkerang an.

Angeblich bulgarische-rrrssische Verhandlungen.

DariS, 5. Aug. Havas. Der bulgarische Pressedienst in Paris ist ermächtigt, die Kopen- chagener Rachrichten zu dementieren, wonach ein ^ehemaliger bulgarischer Offizier namens 216 r a m o f sich zur Zeit in Berlin Kaufhalle, um mit den Bolschewisten übet die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen '^wischen Bulgarien und Rußland zu verhandeln.

228 Krupp-Patente in den Vereinigten Staaten angemeldet! . (F.P.S.) Die Tatsache, dah die Krupp-Werke in den letzten Wochen nicht weniger als 228 Pa- tente in den Vereinigten Staaten angemeldet haben, hat Senator Stanley zur Vorlage eines Gesetzentwurfes bewogen, durch den das bisherige amerikanische Patentgesetz abgeändert werden soll.

Bisher war es in Amerika möglich, jedes Patent schützen zu lassen, ohne dah das geschützte Produktionsverfahren in den Vereinigten Staaten selbst zur Anwendung kam. Die neue Dill sieht vor, dah Patente, die an Ausländer verliehen werden, die Bestimmung enthalten sollen, die Regierung der Vereinigten Staaten behalte sich das Recht vor, beliebige Personen oder Gesell­schaften zur Benützung des Patentes und zur Herstellung und Verkauf des darin geschützten Artikels au ermächtigen, falls der patentierte 2IctifeI nicht innerhalb der Frist von zwei Jahren auf amerikanischem Boden hergestellt werde. An den Patentnehmer soll in diesem Fall eine Ge­bühr entrichtet werden, deren Höhe und ZcttlungS- wetse jedoch die 2tegierung zu bestimmen hätte.

Die Vorlage wird vermutlich, sobald sie zur Beratung kommt, in amerikanischen Industrie­kreisen lebhafte älnterstützung finden. Gegen sie

Die Rothersteins.

Roman von Erich Ebenstein.

Copyright 1919 by ®reiner L Comp., Berlin W 30.

24. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

»Entschuldig aber Beine DorwRrfe sind nTm- destenS urtgcix*t! Erstens Handelt eS TidJ bei diesem Vorschlag durchaus nicht um eine Snt- .scheidung, sondern nur um einen Versuch besser i gesagt um eine Probe, denn die Entscheidung bleibt selbstverständlich Dorothea vorbehallcn. Zweitens aber habe ich momentan viel zu ernste Aufgaben vor mir, um Zeit zu finden, den Cha­rakter eines jungen Mädchens. daS in meiner Gegenwart kaum den Mund auftut, zu studieren. Ich denke, daS kann kein Mensch von mir ver­langen."

»Doch! Es ist ganz einfach deine Pflicht, Rüdiger! Darum tut sie in deiner Gegenwart den Mund nicht auf? Dell sie Scheu vor dir hat! Dell sie fürchtet, du, von dem in gewissem Sinne ihre 3utunft abhängt, stündest ihr ebenso NebloS ünd g^ichgültia gegenüber, wie Carola und Annelieses Dell 'Ne fühlt, datz'du bisher nicht ihre Interessen, sondern die anderer im Auge hattest."

.Das ist nicht toahr! Gerade wahrend meiner Abwesenheit in Dien, wo ich auch mehrfach mit Ontä Achims Recht-freund. St Schilling, der den Rachlatz verwaltet, zu tun Halle, habe ich -mich mit Dorotheas Interessen defatzt und hoffe ihr dadurch noch recht ansehnliche JBorteüc zu verschaffen."

.Dann beweise eS ihr in erster Linie durch ein freundschaftlicheres Entgegenkommen. Du ig- ixtoiierft sie ja beinahe geflissentlich."

spricht nur, dah sie die englischen und franzö­sischen Erfinder noch härter trifft als die deut­schen, weshalb Interessenten erklären, es wäre vorzuziehen, Krupp und andere deutsche Gesell­schaften durch die Bestimmungen des bevorstehen­den deutsch-amerikanischen Friedensvertrages zu treffen, als durch ein allgemeines Gesetz, wie es Senator Stanley vorschlägt.

Aus dem Reiche.

Eine Gedenkfeier in Derliv.

Berlin, 5. August. Anläßlich der Wie­derkehr des Tages, an dem vor zwei Zähren die Reichsverfassung in Kraft getreten ist, wird am 11. August im Berliner Opern­haus auf Veranlassung der Reichs­regierung eine Gedenkfeier stattfin­den. Der Reichspräsident, der Reichskanzler, der preußische Ministerpräsident sowie die in Berlin weilenden Minister haben ihr Erschei­nen zugesagt. Der Württemberg ische Staats­präsident fieber wird über den Gedanken einer neuen Reichsverfassung sprechen.

B e r l l n, 5. August. (WTB.) Die D e r - anstaltungamBerfassungStageim Opernhaus ist, wie wir hören, wegen der Der- hältnisse der Zeit als eine einfache Beranstal- tung lokaler Äatur geplant, zu der Einladun­gen nur an in Berlin residierende Stellen er­gehen. Für die Länder werden ihre Vertre- tungen in Berlin eingeladen. Die Veranstal- tung ist hauptsächlich für die Mitglieder der Behörden bestimmt, aber auch die Parla­mente, der Reichswirtschaftsrat und die Ver­tretungen von Industrie, Handel und Land­wirtschaft werden Einladungen erhalten. Die Rede, die den Kernpunkt der Veranstaltung bildet und von dem Staatspräsidenten Hieber, Stuttgart, übernommen wurde, wird sich unter Ausschluß aller parteipolitischen Gesichts­punkte mit den gemeinsamen Fragen beschäf­tigen und sich insbesondere an alle diejenigen wenden, die auf der Grundlage der Reichsver­fassung zusammenarbeiten.

Reichsregierung

und Dertenerung der Lebenshaltung.

Berlin, 5. Aug. (WTB.) An die Reichs­regierung ist in letzter Zeit wiederholt der Wunsch herangetreten, sie möge Schritte tun wegen eines Ausgleichs der Hurch die Brvtpreiserhöhungen eintretenden Lebenshaltungsverteue­rung. Dieses Verlangen ist verfrüht, weil die Angelegenheit zur Zeit unter den Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch selbst erörtert wird. Die Zentralarbeitsgemeinschaft hat sich mit der Frage befaßt und grundsätzlich auf den Standpunkt gestellt, dah die tatsächlich ein­tretende Verteuerung der Lebenshaltungskosten durch Lohnerhöhungen auszugleichen sei. Sie hat die einzelnen Arbeitsgemeinschaften um die Wei­terbehandlung der Frage ersucht. Hiernach liegt zur Zeit kein Anlaß zum Eingreifen von Reichs wegen vor.

Bayern und der Vatikan.

München, 5. August. (Wolff.) In der Sitzung des Staatshaushaltsaus­schusses des Landtages wurde ein Antrag des Abgeordneten Held (Bayer. Vvlksp.) im Haushalt des Ministeriums des Aeuhern 20 000 Mk. als besondere Aufwandsentschädi­gung für den jeweiligen baherischenKar- 5 i n a l zu bewilligen, mit allen gegen die so­zialistischen Stimmen angenommen. Kul­tusminister Dr. Matt führte in der Debatte aus, die bayerische Regierung würde es im bayerischen wie im deutschen Interesse be­grüßen, wenn durch die Annahme des Antra­ges die Möglichkeit geschaffen würde, die deutschen Einflüsse bei einer Stelle geltend zu machen, die sich bisher in der loyalsten Weise gegen Deutschland verhalten habe.

Der Landarbeiterstreik in Mecklenburg.

R o st o ck, 5. August. (Wolff.) Rach einem Telegramm des Landbundes Mecklenburg- Schwerin an das Schweriner Staatsmini­sterium wird auf etwa 80 Gütern ge­streikt. Der Landbund lehnt jede Verant­wortung für die Folgen des Streiks ab, wenn die Regierung nicht eingreife. Rach derMeck­lenburger Warte" verschärfte sich auch die Lage im Süden Mecklenburgs. Die Metall­arbeiter Wismars zeigen Reigung, die Land­arbeiter durch einen Sympathiestreik zu unter­stützen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Aug. 1921.

KBettervoraussage

für Sonntag.

Trüb, zellweise Riederichlage, etwas kühler West- bis Rordwrstwind. Das ausgedehnte Tief, das mit feinem Kern nördlich Englands liegt, gewinnt immer stärkeren Einfluß auf die Wetter­lage unseres Bezirks, so dah das trübe und reg­nerische Wetter einige Zeit anhalten wird.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 1. August Bibliothekar an der llniversitätsbibliothet Professor Dr. Karl Ebel au Gießen mit Wirkung vom 1. September 1921 ab zum Direktor der älniversitätsbibliothek zu Gießen.

* Eine öffentliche Kreis au sschuh- sitzung findet am Donnerstag den 11. August, vormittags 91/» älhr, im Regierungsgebäude mit folgender Tagesordnung statt: Reuregelung der Besoldung der Beamten und Bediensteten in den Landgemeinden, des Bürgermeisters zu TreiS a. d. Lda., des Derneinderechners zu Großen- Linden und des Polizeidieners zu Bersrod.

* Für das Oberschlesier-Hilfs­werk gingen beim Gießener Anzeiger folgende Spenden ein: Wwe W. 10 Mk., Frl. 3. P., Amerika, 10 Mk., Karl Lüdet in g sen. 20 Mk., Weißnähschule Hofmann 16 Mk., E. Wolf 10 Mark, F. Rehnelt 20 Mk., Dr. R 100 Mk., Humoristisches Konzert im Eentral-Cafö am 31. Juli 1921 150 Mk., M. H. 5 Mk. Gesamt- ergebnis 341 Mk. Die Sammlung wird fort­gesetzt, und wird, wie wir hvffen, noch eine rege Beteiligung aufweisen.

** Marktbericht. Der Markt war im allgemeinen auch heute gut beschickt. Rur Gemüse, hauptsächlich Dohnen, Gurken und dergleichen, waren infolge der Trockenhell in geringerem Maße vorhanden. Die Zufuhr von Butter war geringer wie bisher. Trotz der Neuerung und Geldknapp­heit konnte man beobachten daß Genuhmittel, wie Dirnen, Pflaumen usw., vom Publikum sehr begehrt waren. Es kosteten. Weiß­kraut 1,50-1,80 Mk., Rottraut 2-2,40 Mk., Wir-, sing 1,50-1,80 Mk., Blumenkohl 38 Mk., Misch- gemüfe 6070 Pf., Dohnen 33,50 Mk., Dusch­bohnen 2,202,40 Mk., Salat 20-50 Pf., Ober- kvhlraben 4060 Pf., Rote Rüben 0 801 Mk^ Zwiebeln 1,501 80 Mk., Einmachgurken, je nach Große, 1530 Ps.. Salatgurken 16 Mk., je nach Große. Aepfel kosteten bis zu 2 Mk. das Pfund. Falläpfel 3040 Pf., Dirnen 23 Mk., Tomaten 3,504 Mk., Pflaumen bis 3 Mk., Kartoffeln 1.10-1,20 Mk., Dutter 24-26 Mk., Eier 1,651,70 Mark.

** Die Warenausgabetabelle des Städtischen Lebensmittelamtes ist im Anzeigenteil unseres heutigen Dlattes enthalten.

" Ehrung eines Gießeners. Dem Lehrer der Handwerker- und Kunstgewerbeschule zu Krefeld, Herrn Architekt August D i e b r i ch.e r aus Gießen, ist vom Minister für Handel und Gewerbe die Amtsbezeichnung »Professor" verliehen worden.

** Die neue Freiheit im Rhein­land. Zu der Ausweisung des früheren Ge­schäftsführers, ehemaligen Kriegsgefange enHerrn Heß aus Mainz wird uns von unterrichteter Seite noch mitgeteilt: In einer Versammlung legte Herrn Heß als . Gast der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Mainz folgenden Fall vor: Die Orts­gruppe Mainz wollte eine Sammlung zugunsten Der Avignon-Gefangenen veranstalten. Dom Wohlfahrtsminister war die Genehmigung dazu erteilt Rur die städtischen Behörden hielten mit der Genehmigung hinterm Berg zurück. Daraus- hin sagte Herr Heß folgenden Satz, der sein Ver­hängnis wurde: .Ich kann Ihnen in dieser An­gelegenheit nur einen Rat geben. Werden Sie nochmals bet den städtischen Behörden vorstellig und lassen Sie sich den Grund der Weigerung nennen. Sollte man Ihnen gar keine oder eine ungenügende Antwort geben, so helfen Öle sich selbst, und veranstalten Sie irgendeine Festlich­keit, wobei Sie, evtl, unter einem Decknamen, für die Strafgefangenen sammeln: denn geholfen muh werden." Diese Worte wurden Herrn Heß als politische Aufwiegelung zuungunsten der Franzosen ausgelegt und er wegen politischer Umtriebe ausgewiesen. Ein Ausspruch deS französischen Delegierten dürfte noch intere fieren. Gr sagte zu ihm: »Warum sammeln Sie nicht für die Sträflinge in den Amtsgefängniffen, dort sind doch gerade solche Spitzbuben wie in Avignon." Zur Kennzeichnung französi cher Denk­weise ist jedes weitere Wort überflüssig.

** In dem Raubmordprozeß Döh- chen wurde die von dem Verurteilten beantragte Revision, sowie die Wiederaufnahme des Ver­fahrens endgültig abgelehnt. Der Verteidiger des zum Tode Verurteilten hat nunmehr ein Gnaden­gesuch eingereicht, worüber von der Gießener Staatsanwaltschaft Bericht eingefordert ist.

.Das war gewiß nie meine Absicht . . .

Es sah aber so auS, und Do hat es gewiß so empfunden. Roch einmal, Rüdiger, es ist deine Pflicht als Vdrmund, ihr Vertrauen zu gewinnen und eher keinen Schritt zu tun, als dis du sie wirklich kennen gelernt hast. Du wirst dich bann selbst überzeugen, daß Do weder deschrän t noch temperamentlos ist, sondern im Gegenteil eine feurige, stolze Seele, die sich nur da scheu zu- rückzieht, wo sie sich eben nicht verstanden fühlt Und noch eins . . Hertha trat dicht an ihren Bruder heran und fuhr erregt fort: »Du würdest eine sehr große Verantwortung auf dich laben, wenn du dich bestimmen liehest, Do jetzt auch nur »probeweise" Ins Kloster zu schicken und sie da­durch aus Grafenegg zu entfernen. Weißt du genau, welchen Möglichkeiten bu sie entziehst, und ov du ihr dadurch nicht für immer dTTc Wege zum Glück verschließest?^

Rüdiger sah überrascht auf

WaS meinst bu damit, Hertha',' Haben deine Worte einen bestimmten Sinn?'

Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte die Lippen der Verwachsenen.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls bar) ich dir heute nicht mehr darüber sagen, denn es handelt sich bloß um - Vermutungen und Möglichkeiten. Aber bu wirst daran denken Rü­diger, nicht wahr? Wir zuliebe! Du wirst we­nigstens versuchen, die arme kleine Do erst ken­nen au lernen, ehe du etwas beschlletzeft?"

®r nickte.

3a gewiß. Wenn sich Zell und Gelegen­heit dazu finden."

Dies schien aber offenbar nach Rüdigers An­sicht in den nächsten Tagen nicht der 5all zu sein, bann er machte keinerlei Anstalten. Do näher zu kommen

Rach wie vor schien er sich ihrer Gegenwart, wenn er überhaupt zu den Mahlzeiten im Fa­milienkreis erschien, kaum bewußt zu sein. Woht ruhte sein Blick manchmal verloren auf ihr, aber nur, um sich dann plötzlich unruhig und ärger­lich von Ihr abzuwenden, als hätte ihr Anblick unangenehme Gedanken in ihm wachgerusen.

Dafür benufcte Carola eine- TageS die Ge­legenheit, wo sie mit Anneliese und Rüdiger allein im Zimmer war, um die Rede auf Do zu bringen. Sie berichtete, dah sie am Rachmittag bei ihrer Freundin, der Aebtissin, gewesen sei und man sich in Sl. Agn^ schon sehr freue auf den angemel­deten Gast. Rian habe bereits das schönste, freund­lichste Zimmer im Kloster für sie bestimmt mit der Aussicht auf den prächtigen alten Kloster­aarten, und die guten Rönnen seien ganz glückllch über die Aussicht, ihr einförmiges Leben durch die Anwesenheit eines jungen Mädchens belebt zu sehen.

Rüdiger sah seine Schwägerin erstaunt an.

.Hast du denn Dorotheas Besuch bereits förm­lich an gemeldet im Kloster ?"

,DaS nicht. Aber natürlich sprachen wir darüber, und es -ist wirlllch rührend, was sie alles planen, um Dorothea den Aufenthalt bei sich recht angenehm zu machen. Die Waisenkinder, welche sie erziehen, sollen ein Festspiel aufführen, und die Küchenschwester zerbricht sich bereits den Kopf, was sie dem Gast an guten Dingen alles vvrsetzen wird."

Sie lächelte. Aber das Lächeln erstarb, als Rüdiger ruhig sagte:

-Diese Vorbereitungen sind jedenfalls ver­früht. Ich wünsche nicht, datz Dorothea vorläufig Grafenegg verläßt."

^Richt? Ja, hast du eS dir beim plötzlich an-

Vornottzerr.

TageSkalender für SamStag und Sonntag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. Berlin W." Aswrialichtspiele,Mll Büchs, und Lasso".

AuS dem Stabttheaterdureau. Morgen, Sonntag, beginnt der Verkauf für dll am Dienstag den 9. d. MtS. stattfindende Erst­aufführung des Schlagers .PotaschundPerl- mutte r. In der Komödie ist (mll einer Aus­nahme) daS getarnte Personal beschäftigt. Di- Hauptrollen liegen in den Händen deS Herr» Goll (Potasch) und Hellbvm (Perlmutter), di« Regie hat Herr Oderspielleller Telely.

-- Die Gießener Kunstsammlung mit der Dr.-Gusta ^Dock-Ge:äch.nis-Stif ung im Reuen Schloß, Eingang cendenbergftrabe, ist jeden Sonntag von 11 bis 1 Uhr lytentgeUIid. geöffnet Schulpflichtige Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt.

Landkreis Gießen.

Ein Jubiläum der Lumdatalbahn.

wa. Ovenhausen. 4. Aug. Am 1. August waren es 25 Jahre, seit der Eröffnung der oberen Teilst recke der Lumdatalbahn. AuS diesem Grunde hatte der Eisenbahnverein Londorf einer* Ausflug nach Staufenberg unternommen, wo öi< Mitglieder sowie Gäste einige schöne Stunden bei Musik und Tanz verbrachten Der Vorsitzende des Verein- hielt eine Ansprache und schloß mlf einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das Vaterland. Von Beginn der Bahn her sind noch sechs Bedienstete hier im Dienst

Klein-Linden. 6. Aug. Die Im gestrigen Anzeigenteil für morgen auf der Durg angetan- tt te Gesangsseier dcS Gesangvereins Har­monie muh a u S f a 1 l e n

" Lang-Göns, 5. Aug Der Verband Freiwilliger Feuerwehren deS Kreises Gießen hält am 4. September hier feinen dies­jährigen HerdstverbandStag ab. Hierbei sollen insbesondere die Maßnahmen besprochen und durch die Wehr in Lang-Göns vvrgefuhrt werden, dst bei Ausbruch eines DrandeS bei dem durch dl» lange Trockenheit überall herrschenden Wasser« mangel zu ergreifen sind.

KreiS Lauterbach.

rr. Schlitz, 5. Aug. Der bekannte Kirchen­maler Velde aus Frankfurt ist zur Zell hier damit beschäftigt, die Ramen der 110 Ge­fallenen unserer Stadt in künstlerischer Weif^ an den freien Feldern der Emporen der auf unserem Friedhof gelegenen altehrwürdigen Sand- oder Totenkirche anzubringen. Gleich­seitig besichtigte er zusammen mll dem hessischen Denkmalspfleger Geh. Rat Walle -Darmstadt die uralte einstige Wallfahrtskirche im nahen Frau-Rombach, um die darin befindlichen, vor etwa 20 Jahren aufgedeckten, mittelalterlichen Wandmalereien, welche die oströmische Sage deS Heraklius behandeln, zu erneuern bzw. aufzu- frischen.

Kreis Schotten.

Up. Dom vorderen Vogelsberg, 3. Aug. Waren schon im vorigen Jahre Pllye eine Seltenheit, so sind sie heute in einer Zett, da die Sonne Triften und Dergwiesen verbrannt hat, gänzlich verschwunden. Auch in den trocken­sten Jahrgängen blieb der Waldboden immer feucht. In diesem Sommer ist auch der Dvden des Waldes ausgetrocknet Selbst den Eham- pignon, der stets nach der Heuernte auf den Wiesen erschien, sieht man nicht

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Offenbach a. M, 5. Aua Bei dem D a m m b a u zwischen Mühlheim unb Rümpen- heim tarnen die etwa 2 Meter hohen Erbmassen, anscheinend durch daS vorauSgegangene Regen­wetter ins Rutschen und eS wurden fünf Ar­beiter, die mit dem Verlegen der Feldbahn beschäftigt waren, verschüttet. Durch encr gisches Eingreifen der übrigen Arbeiter und der herbeigerufenen Sanitätsabteilung konnten alle Verschütteten geborgen werden Rach Anlegung von Rotverbänden kamen drei, die schwerer ver­letzt finb, nach dem Krankenhaus. Sie haben teils Brust- und innere Verletzungen. Quetsch­ungen, Schenkelbrüche usw. davongetragen.

Hessen-Nas>uu.

fpd. Fulda, 5. Aug. Die 11- und 13jährigen Söhne der Familie D i e t haben sich am 25. Juli aus dem Ettemhause entfernt und sich auf eine Hamsterreise begeben, von der sie bisher nicht zurückgekehrt finb.

sd. Walldorf, 5. Aug. Bei der Durch­fahrt durch den Ort explodierte der Denzlnbehälter eines Autos des Frankfurter Konsumvereins. Der Wagen stand im Augenblick in Flammen und brannte in wenigen Augenblicken samt seinem Inhalt nieder. Der Führer und der Franzose, der daS Auto bis zur Zollgrenze begleiten sollte, konnten mit Mühe ihr Leben retten. Der Schaden beträgt etwa 200 000 Mark.

derS überlegt, lieber Rüdiger?" frag sie be­stürzt

,DaS nicht gerade. Ader Ich meine, die Sache hat jedenfalls noch Seit

Anneliese lächelte malltiöS.

2100, ich verstehe Magelone hat wahr­scheinlich ertlärt, daß sie ihre gefügige Desell- schafteri.l nicht zu entbehren wünscht Die Arme -- sie mutz ja immer jemand um sich haben, der sie bewundert . .1 Wem, eS gerade keine An­beter sein können, jo doch diese ueine Tochter der WildniS. Ra, mir kann'S gleich sein. Die Haupt- jache ist, daß wir sie bald wieder loS werden auS Grafeneag."

.Du irrst." fagt? Rüdiger kalt .Denn du totrft sie nicht loS. Ich wünsche datz Dorothea nicht nach Fürstenhaus zurückkehri, sondern auf ©raten- egg bleibt . wenigstens vorläufig."

,215er warum denn? WeShalb soll sie nicht mehr zu Magelone?"

.Weil ich es nicht wünsche, daS mutz dir ge­nügen. Ich denke übrigens, sie stört dich nicht

.Doch. Ich mag sie nicht Ich mag auch daS Getue mit Papa nicht und die intime Freundschaft in die sie Hertha eingespvnnen hat. Sie ist eine Intrigantin . .

.Anneliese!?"

.Run ja, du wirst eS schon noch selbst sehe« Denke an mich. Aber wozu rege ich mich auf? Magelone wird sie ja doch jedenfalls wieder reklamieren. . .

.Dann gewiß ohne Erfolg!" lagte Rüdiger in nachdrücklichem Ton. daß eS keinen 'Widerspruch dagegen gab. Zugleich stand er auf und trat ans Fenster, tote um anzudeuten. dah er eine Fotffetzung deS Gesprächs nicht wünsche.

(Fortsetzung folgt)