Ausgabe 
5.9.1921
 
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Nr. 207 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Montag, 5. September |92j

(Nachdruck verboten.)

46. Fortsetzung.

Aber Do dachte kaum an Waldemars Schmerz. Von selbst wäre sie nicht auf die Idee verfallen, ihm besonders zu schreiben. Sie tat es nur. weil Rüdiger es für notwendig zu halten schien Was sie so tief erschütterte, war nur der jähe Wechsel zwischen Tod und Leben, der sie an ihres Großvaters Sude erinnerte und mit Grauen erfüllte.

Wie schrecklich, wenn Onkel ^Ibald, der einzige, dessen Zuneigung sie nun noch auf Grafenegg be­sah, seit Rüdiger und Hertha sich )o schroff ab­lehnend verhielten, ihr eines Tages auch so jäh entrissen werden konnte! Mit Schaudern dachte sie an diese Möglichkeit.

Der unerwartete Tod des alten Ruhland machte viel Aufsehen in der Gegend. Es fehlte nicht an Stimmen, die dem Fürsten Rotherttein die Schuld daran gaben. Wozu brauchte er den Ruhlands diesen albernen Prozetz an den Hals zu Hetzen, den er ja doch nun verloren hatte! Sicher waren im letzten Grunde die Samit ver­bundenen Aufregungen an dem Ende des allge­mein beliebten Gewerksherrn schuld.

Man war empört, als man hörte, dah der Fürst die Sache auch jetzt noch nicht ruhen lassen, sondern an den obersten Gerichtshof appellleren wollte.

Gräfin Carolas .Geiz" und Komtesse Anne- lieses .Hochmut" wurden schon lange ab'ällig be­urteil! Auch Hertha, die sich von 1 ehern Ver­kehr abschlvh, war nicht beliebt. Der Fürst gatt als eingefleischter Autokrat. Man erinnerte sich plötzlich an eine Menge Dinge, die man ihm früher mir leise zum Vorwurf gemacht hatte, nun | aber gehässig und laut besprach.

Wie er früher, ehe die Gicht ihn ans Haus

Schreibe der Witwe sofort ein paar Zeilen des Beileids in meinem Ramen," sagte er zu seinem Sohn.Lind weise den Gärtner an, dah er augenblicklich alles, was in den Treibhäusern an blühenden Blumen vorhanden ist, zu Kränzen verarbeitet und nach Wilhelminenruhe schickt. Am Begräbnis hat sich selbstverständlich die ganze Familie zu beteiligen. Wenn ich Vesser beisammen wäre, ginge ich selbs. mit Jedenfalls soll man leljen, dah meine Fehde nicht an der Person hängt, sondern nur der Sache gilt."

Rüdiger wollte sich entfernen. Aber an der Tür blieb er noch einmal stehen und winkte Do zu sich heran.

Wenn du vielleicht Waldemar ein paar Worte schreiben willst ... er wird es sicher er* warten . . ." sagte er zögernd, .so s icke das Billett gleich in mein Zimmer, damit es der Bote, den ich nach Wilhelminenruhe senden will, gleich mitnehmen Tann."

Do blickte verstört cm ihm vorüber. Sie war noch ganz fassungslos über die Todesnachricht.

.-3a ich werde gleich schreiben," murmelte sie mechani'ch. Rüdiger Prehte die Lippen zu­sammen und verlieh mit stummem Gruh das Ge­mach.

.Wie sie Waldemars Schmerz mit empfin­det" dachte er bitter. .Als wäre ibr selbst der Datei gejtorbenT

Mainz, 2. Sept. (WTB.) Der Hes­sische HandelSkammertag nahm in einer Sitzung, der auch Vertreter des hes­sischen Ministeriums beiwohnten, zu der Rote der Alliierten über die Aufhebung der wir t- schaftlichen Sanktionen Stellung in einer Erklärung, in der die für die Aufhebung der Sanktionen gestellten Bedingungen als unberechtigt und wegen der in ihnen enthal­tenen dauernden Aeberwachung der deutschen Ein- und Ausfuhr als unannehmbar erklärt wurden.

Die Notherfteins.

Roman von Erich Ebenstein. Copyright 1919 by ©reiner & Comp., Berlin W 30.

Der Parteitag der Deutschnationalen Dolkspartei TU. München, 2. Sepi.

Aus dem besetzten Gebiet.

Truppenverschiebimgen.

mc. Frankfurt a. M., 4. Sept. Zusam­menhängend wohl mit der bevorstehenden Aushebung der wirtschaftlichen Sanktionen sind in den letzten Tagen große Verbände französischer Truppen von der Grenze zurückgenommen und ins Saargebiet abtransportiert worden. Dies wird besonders aus Darmstadt und aus Höchst berichtet, aber auch an der Lahn bei Diez sind die Truppen augenblicklich erheblich schwächer. Bon ande­rer Seite wird die Truppenverminderung auch mit der beginnenden kälteren Witterung ct- klärt, welche die Schwarzen nur schwer er­tragen.

das em fünftes erwartete. Seine Entlassung machte ihn brotlos und gab Weib und Kinder dem Elend Preis.

Die Arbeiter, der 3ngenieur und sogar der Betriebsleiter, Herr Brömel, verwandten stch da­her für ihn Aber Rüdiger, dessen Gedanken mit ganz anderen Dingen beschäftigt waren, Und der sich fortgesetzt in verbitterter Stimmung befand, wies alle kurz ab.

Er blleb habet. Trunkenbolde könne er nicht brauchen.

Am nächsten Tag empfingen ihn die Arbeiter mit finsteren Mienen. Verdrossen standen sie im Hof der Fabrik beisammen, rührten sich nicht an die Arbeit und zeigten Lust, sich solidarisch auf die Seite des entlassenen Schsibinger zu stellen

.Wer nicht augenblicklich an die Arbeit geht, ist entlaßen! Glaubt ihr, ich liehe mich zwin­gen? Draußen im Ermstale wurde gestern die Zementfabrik gesperrt. 3n einer Stunde kann ich Arbeiter bekommen, so viel ich will."

Messerscharf fielen die Worte von leinen Lippen, und aus den fireuren Zügen sprach eine so trotzige, unbeugsame Energie, dah die Leute eingeschüchtert an die Arbeit gingen.

Was sollten sie auch tun? Die Zeiten waren schlecht, und die meisten von ihnen im Tale an­sässig. Zwar Bauten sie drin in der Buchau wieder eine neue Hütte. Aber bis dort der Betrieb eröffnet wurde, verging noch viel Zell, während die Fabrik hier schon in zwei Wochen zweihundert Arbellern Brot geben würde. Auherdern regierte in der Buchau nun Herr Eugen allein, und der war erst recht nicht bellebt.

(Fortsetzung folgt.)

weiter der Ridda mit verhältnismäßig wenigen Haltungen ziemlich gleichmäßig abfteigen können. Der Stichkanal würde vor allem dem Durchgangs­verkehre dienen.

Aus der Erledigung der formalen Tages­ordnung sei noch folgendes hervorgehobcn: Herr Dergrat © r oeb.le r erklärte, dah er sowohl in­folge Arbcitsüberhäusung wie auch aus ©efu.b- heitsrücksichten das Amt eines Vorsitzenden ndjt mehr ausüben könne und deshalb darum bitten müsse, von seiner Wiederwahl abzufthen: er fei jedoch bereit, als Vorstandsmitglied weiter mit- zuarbeiten. Unter grobem Beifall der Versamm­lung dankte Herr Hustizrat Dahlem Herrn Bergrat Grocbler für die Dem Verein während eines zehnjährigen Zeitraumes geleisteten Dienste. 3n Zukunft werden die Dereinsgeschäste von Herrn Landeshauptmann Dr. Wöll- Wiesbaden als Vorsitzendem, Herrn Oberbürgermeister Sroje- Marburg als stellvertretendem Vorsitzenden und Herrn Direktor Dansa als Vr äairdsmitglied geführt werden. Der Sih des Vereins wird von Wetzlar nach Limburg ver­legt.

(Stürmischer Beifall.)

Einstimmig wird eine entsprechende Entschlie­ßung angenommen, lieber

Dölkischnationale Erneuerung"

referierte darauf Professor Dr. B r u n st ä d (Er­langen): Unsere völkischnationale Auffassung vorn Leben stellen wir der proletarischen gegenüber. Richt die Anhäufung von Waren und Gütern be­deutet die Blüte eines Volkes, sondern die Ver­mehrung und Ausbreitung der Zahl der Volks­genossen. Daher wollen wir auch den staatlichen Zusammenhang mit den uns entrissenen Volks­genossen <ben völkischen Zusammenhang kann niemand zerreiben wieder Herstellen. Wir kön­nen nicht dulden, dah durch das Hu den tum unser eigenes Volkstum zurückgedrängt wird, dah diesem fremden Volkstum die Führung in unserem Staat anvertraut wird. Die einfachste Lösung ist, dah kein Deutscher mehr einen Huden zum Führer in unserem Staat bestellt. Zur volkischnationalen Erneuerung brauchen wir Erhaltung und Pflege des Christentums in Familie und Erziehung.

Die Versammlung beschließt, diese Rede als Druckschrift verbreiten zu lassen.

Frau Paula Müller-Otfried berichtet über

Die Mitarbeit der Frau bei der Erneuerung unseres Volles":

Das Frauenstimmrecht sei glücklicherweise nicht den Linksparteien, sondern der Deutschnationalen Par­tei zugute gekommen. Wir dürfen nicht aufhören zu Tagen, dah wir nicht nachlassen wollen, dem deutschen Kaiserreiche zuzustreben. (Stürmischer Beifall.) Die Frau hat auch positive völkische Ar­beit und positiven Antisemitismus zu leisten. Sie darf auch nicht um wirtschaftlicher Vorteste willen Verbindung mit undeutschen Leuten suchen. Christ­licher Glaube, religiöses Empfinden müssen wieder ausschlaggebend sein.

Abg. Dr. Wallraf gab darauf einen »Rück­blick und Ausblick über die Vorgänge in der West­mark". Rach stürmischem Beifall erhob sich die Ver­sammlung und stimmte die Wacht am Rhein an.

Hn der Rachmittagssihung berichtete zunächst Reichstagsabgcordneter Dr. R ö s i ck e über die Tätigkeit des Ausschusses, der am Donnerstag zur Behandlung der

Teuerungsfrage

eingesetzt worden war. Der Redner überbrachte die Gründe der Landwirtschaft und bekämpfte die Anschauung, dah sie zu hohe Preise nehme. Der Ausschuß ist zu dem Ergebnis gekommen, dah auf allen landwirtschaftlichen Gebieten eine all­gemein steigende Teuerung besteht. Die Brot­preissteigerung ist aber nicht durch die Preis­steigerung des Getreides bedingt. Hm bergan-

Gerichtssaal.

rm. Darmstadt, 5. Sept. Richt weniger als 15 Angeklagte aus Erbach L O. und um­liegenden Orten find heute wegen Abtrei­bung nach §218 St.G.B. bzw. der Beihllfe dazu vor die Darmstädter Straftammer ge­laden. Sie sind alle beschuldigt und meist ge­ständig, ihre Schwangerschaft mit Unterstützung der A. Heilmann Ehefrau in Erbach, dte sich dieserhalb demnächst wohl vor dem Schwurge­richt zu verantworten haben wird, beseitigt bzw. den Versuch dazu gemacht zu haben. Die Heilmann betrieb das einträgliche Geschäft als K a r t e n s ch l ä g e r i n und war auch auf dem fraglichen Gebiet in der dortigen Gegend sehr bekannt. Hn der nichtöffentlich geführten Verhandlung werden die Angeklagten zu Ge­fängnisstrafen von 28 Monaten verurtellt.

Den

zweiten Derhandlungätag

eröffnete der Vorsitzende Staatsminister Sergi mit der Mitteilung, dah Prof. Dr. Hoetzfch be- rettä nach Berlin abreifen muhte und daher seinen Vortrag über die deutschen Lebensfragen im Osten nicht halten kann. Auch der Vortrag von Prof Dr. von Gruber-München über CMC völkische Frage als Rassenftage soll heute mchl Sehalten werden, da der Referent wünscht, tan ie ganze wissenschaftliche Erörterung der Huden- unb Rassenf rage einer bes onderen Tagung Vor­behalten werde. Der Vorsitzende bedauert das, weil die Partei zeigen wollte, dah sie auch eine solche wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht zu fürchten habe Die 'Parteileitung werde die 21n- gelegenheit aber nicht allzu lange verzögern

Auher der Reihe erhält dann das Wort Landtagsabgeordneter Chefredakteur Baecker- Berlin, der sich über

die Presfeverbote

auf Grund der neuen Verordnungen beschwert, Deutschland habe mit diesen Verordnungen auf- aehört, ein moderner Rechtsstaat zu sein. Die Verächtlichmachung der republikanischen Einrich­tungen wird als schweres Delikt hingestellt. DaS komme aber von einer Seite der Reichskanzler ist ja mehr Sozialist als Zentrumsmann die politisch dadurch hvchgekommen ist, dah sie länger alS ein Menschenalter von der Verächtlichmachung von Staatsmännern und Slaatseinrichtungen ge­lebt hat. Eine Parteijustiz soll jetzt geschaffen werden. Ich richte die Aufforderung an die Re­gierung, diesen ersten Schritt zur Aufrichtung der Sowjetordnung in Deutschland wieder rück­gängig zu machen. Wir stehen auf dem Boden der Verfassung Wir haben niemals etwas za tun gehabt und niemals etwas zu tun haben wollen mit Gewaltsamkeiten im politischen Kampf. Die Stunde des Sieges wird auch die Stunde sein, in der es heißt. Ein Voll, ein Recht, ein Kaiser!

zwischen Koblenz und Kassel, zu er­reichen. Der Verein habe bereits über dieses Projekt eine Studie von Herrn ©eh. Sau rat Co n- tag in Berlin ausarbeiten lassen. An Hand der Contagschen Denllchrift machte nunmehr Herr Direktor B a n s a - Limburg folgende Ausfüh­rungen:

Cs ist technisch möglich und wirtschaftlich bc; gründet, durch eine künstliche Verbindung der Lahn und der Fulda einen neuen Schiffahrts­weg zwischen dem Rhein- und Wesergebiet zu schassen. Eine solche Verbindung würde nicht allein das an Bodenschätzen und an Hndustrie reiche Kanalgebiet aufschlietzen, sondern auch die deutschen Rordieehnfen in Südwestdeuck'chland ein neues Hinterland gewinnen lassen und später ein­mal nach Ausbau eines Werra-Saale-Kanals einen zweiten deutschen Mittellandkanal bilden können. Die Linienführung dieses neuen Grchschiffahrtswegs ist so gedacht: Die schifl- bare Lahn von der Mündung bis oberhalb Wetzlar, die nichtschiffbare obere Lahn von Wetzlar bis Cölbe. Mit dem Austritt aus dem Bett der Lahn bei Cölbe beginnt dann der Uebcr-

genen Hahr hat die Landwirtschaft für 40 Mil­lionen Zentner abgelieferte» Brotgetreide gegen 3 Milliarden erhalten, das Reich hat aber aus dem Auslande 50 Millionen Zentner für 16 Milliarden eingeführt. Hnsgesamt hatten wir also 90 Millionen Zentner für 19 Milliarden, d. h. pro Pfund Brotgetreide über 2 Mark oder je Pfund Brot 2,25 Mark. Das Reich hat aber das Brot für 1,20 Mark je Pfund abgegeben, hat also bei jedem Pfund Brot 1 Mark zugesetzt. Der politische Brotpreis war also ein Trugbild. Wenn jetzt diese Zuschüsse nicht mehr gegeben werden, so trifft also den Landwirt für den erhöhten Brotpreis keine Schuld. Preiserhöhend wirke auch die Dürre dieses Hahres. Die ver­suchte Ausführung des Ultimatums hat die Va­luta stark herabgÄrückt und dadurch alle Preise gesteigert. Die Umlage ist grober als die Ab­lieferung des vergangenen Hahres, der Preis dafür entspricht nach den Berechnungen der Hn- dexkommission nicht eimal den Erzeugungskosten. Wir mahnen die Landwirte unserer Partei drin­gend, Uebergebvte von Auftäufern rücksichtslos zurückzuweisen und die Umlage bereitwilligst ab­zuliefern. Das ist die Voraussetzung zur Be­seitigung der Gegensätze zwischen Stadt und Land. Unsere aufnärenbe Tätigkeit darf überhaupt einen solchen Gegenstand nicht austvmmen lassen. (Bei­

fall.)

Daraus sprach Landtagsabgevrdnet. Eberle (Sachsen) über »Wiederaufbau und Mit­te l st a n d" : Die Schicht der Selbständigen muffen wir verbreitern. Die Einrichtung von Arbeits­gemeinschaften wftd den schweren Druck von dem Handwerk nehmen.

Hn der darauf beginnenden Aussprache wünscht Reichstagsabgeordneter Lin d, dah die Deutschnationale Volkspartei eine Drücke zwi­schen Stadt und Land schlagen möge.

Reichstagsabgeordneter Hammer empsiehll eine Arbeitsgemeinschaft zwischen gütererzeugen­den. güterverteilenden und güterverbrauchenden Kreisen. Der Redner bringt dem Parteitag die Grütze des Handwerks.

Reichstagsabgeordneter Wienbeck begrünt diese Stellungnahme des Handwerks.

Rach kurzer Geschäftsordnungsdebatte wird beschlossen, die Aussprache über die deutschvölki­sche Frage erst am Samstag vorzunehmen, damit vorher noch Reichstagsabgeordneter W u 11 e eine Svmpathieerllärung der deutschvolkischen Rich­tung für die Deutschnationale Dvlkspartei ab­geben kann.

Hn der dann fortgesetzten Aussprache fordert Landgerichtsrat H e n e - Berlin eine Erneuerung des deutschen Rechts, Kapitän Kiesewetter- Hamburg unterstreicht die Stellungnahme des Ak­tionsausschusses seemännischer Derussverbände für die schwarz-weih-rvte Flagge, Professor Ritter- hoff-Hamburg empfiehlt eine stärkere Einwir­kung auf die Hugend. v. Forstner -Greifswald tritt für die unglücklichen Opfer der Kriegsver­brecher-Prozesse ein, Kerl- Rürnberg weist auf die Gefahren des von Huden geführten Dolsche- wismus auch in Deutschland hin, Professor Spu­ler- Erlangen fordert eine germanozentrifche Er­ziehung statt der orientalen.

Gegen 6 Uhr werden die Verhandlungen au Samstag 9 Uhr vertagt.

Die Deutschnationale Studenten­schaft beschloh in einer Svndertagung, mit den deutschnationalen Hochschullehrern zusammen zu arbeiten. Sie begrübt den Willen der Partei­leitung. über den Rahmen der Parteipvlitik hin­aus den groben Zielen einheitlichen nationalen Willen« zu folgen.

Hauptversammlung des Fulda-Lahn-Kanalvereins.

Gießen, 3. Sept. 1921.

Am Samstag fand im HotelGroßherzvg" die 13. ordentliche Hauptversammlung des Fulda- Lahn-Kanalvereins in ©egentoart zahlreicher Ver­treter staatlicher und städtischer Behörden aus Preußen und Heften statt: auch Staatspräsident Ulrich war erschienen. Die Versammlung wurde von dem Vereinsvorsihenden, Herrn Dergrat Dr- Hng. h. c. ©roebler, geleitet, welcher auch den Hahresbericht erstattete. Daraus ist zu entnehmen, daß die Tätigkeit des Vorstandes und Ausschusses seit der letzten Hauptversammlung infolge der Erweiterung des Dereinszieles, was ja schon äußerlich im neuen Ramen des Vereins zum Ausdruck komme, auhervrdenllich rege gewesen sei. Von besonderem Hnteresse waren dabei seine Ausführungen über die Verhandlungen mit dem Reichsverkehrsminister wegen der Uebernahme der Lahn als Wasserstraße auf das Reich, welche Vorfrage auch zur Defriedigung gelöst worden sei. Seine ganze Kraft werde nun der Verein einsehen müssen, um das gesteckte Ziel, nämlich die Schaffung eine« Grohschiffahrtweges

Aus Hessen.

DieHessische Laudeszeitung" verwarnt.

dz. D a r m st a d t, 5. Sept. Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit vom 29. August 1921 wurde, wie wir in derDarmst. Ztg." lesen, auf Beschluß :>er hessischen Regierung die Schriftleitung der Hessischen Landeszeitung" wegen Verächtlichmachung der Reichsregierung und anderer herausfordernder Bemerkungen in den Rummern der letzten Tage durch den Vor­land der OrtSpolizcibehörde ver­warnt. Die Schriftleitung hat daraufhin die Erllärung abgegeben, daß sie sich ln ihrer Hal­tung für die Folge soweit Zurückhaltung auferlegen wird, als es sich mit ihren politi­schen Grundsätzen vereinbaren läßt.

lanbfanal CölbeGrifte, ter zunächst das ganze O h m t a I durchzieht, wobei der Laus der Ohm bis auf einige notwendige Verlegungen unberührt bleibt. Westlich des Ortes Riederlleen kreuzt der ttatal die Klein (®1 :cn) und ge angt nach Durchschneidung eines Bergrückens in das Tal der Hatzklein. Die Scheitelhaltung wird im so- ] genannten Herrenwald erreicht: sie endigt im Wieratal, an dessen linkem Rand der Kanal - von Reustadt bis Treysa verläuft, welches west- i lich umgangen wird. Die Kanallinie verläuft dann ; weiter im Tale der Schwalm unter Benutzung und Begradigung dieses biclgetountenen Fluh- , laufes: endlich verfolgt der Kanal den Lauf der unteren Eder. Die Einmündung der neuen Schiftahrtsstrahe in die Fulda erfolgt bei Kassel; die Gesamtlänge des Kanals beträgt rund 303 Kilometer. Die Gesamtanlagekosten für diefeGrvtz» schifsahrtsstraße vom Rl;ein bis zur Weser mit Ausnutzung aller verfügbaren Wasserkräfte stellen sich nach vorsichtiger Berechnung insgesamt auf 125 Millionen Mark (nach Vorkriegspreisen) und zwar für den Ausbau der Lahn vom Rhein bis Wetzlar auf 40 Millionen, für die Schiffbar­machung der Lahn von Wetzlar dis Cölbe auf 16i 2 Millionen, für die Ucberlanbtanal Lahn Fulda mit Wasserversorgung auf 50 Millionen und für den Ausbau der Fulda für Grotzfchift» fahrt und Kraftnuhung auf 8V2 Millionen Mart. Die lllornetrifchen Koste" von durchschnittlich rund 412 200 Mark hakten sich gegenüber den neuen Schiffahrtssftatzenprv'e tc.i in gebirgigen ©egen­den in durchaus mäßigen Grenzen. Eine 5'/»- prozentige Verzinsung und Tilung des ganzen An­lagekapitals erfordert jährlich 6 875 000 Mt. die jährliche Unterhaltung und der Betrieb erfordern einen Aufwand von 1 250 000 Mark, zusammen jährlich 8 125 000 Mark. Diesen Ausgaben stehen Einnahmen gegenüber, die insgesamt auf 5,9 Mil­lionen Mark errechnet werden und zwar Einnah­men aus der Verwertung der Wafterkräfte in Höhe von 4,7 Mill. Mark und Einnahmen aus den Kanalgebühren im Betrage von 1200 000 Mark. Der Fehlbetrag von 21/* Mill. Mark würde die Allgemeinheit belasten, der aber reich­lich durch die mittelbaren Dortelle ausgewogen wird, welche der Volkswirtschaft aus dem Be­stehen des Unternehmens erwachsen würden. Diese Vorteile bestehen in der großen Frachtersparnis, welche dem Handel und der Hndustrie zugete kommt, aus der erhöhten Steuerkraft des Kanal­gebiets infolge der Möglichkeit neuer weiterer in­dustrieller Entwickelung und schließlich aus der Ersparnis an unseren deutschen Kohlen Vorräten durch Verwendung der Wasserftäste, die auf etwa 200 000 Tonnen jährlich geschäht werden. Die zukünftige RheinWeser-Wasserstraße wird ein Kulturwerk ersten Ranges darstellen, ihre Auf­nahme in das Programm des künftigen deutschen Wasserstrahennehes ist also eine volkswirtschaft­liche Rotwendigkeit.

Die fünftigen ünterfud>ungen und Vorarbei­ten über ipas Kanalprojekt sollen sich auch auf einen Stichkanal G i e ß e n F r a n k f u r t erstrecken. Ein solcher Zweigkanal würde vor allem der wirtschaftlichen Aufschließung Oberhessens in hervorragendem Maße dienen, durchzöge er doch den dichtbevölkerten und industriell meist entwickel­ten Tell der Provinz. Soweit sich schon heute be­urteilen läßt, würden seiner Ausführung nennens­werte technische Schwierigkeiten kaum im Wege stehen. Die zu überwindende südlich bzw. südöstlich von Gießen füegenbe Bodenschwelle fei nicht er­heblich. Welcher Punkt für die Aleberleitung des Stichkanals nach dem Tal der Wetter der gün­stigste sei, werde unter Berücksichtigung des geolo­gischen Aufbaues und der sonstigen örtlichen Ver­hältnisse der Fachmann zu begutachten haben. Dom t oberen Wettertal aus bis nach Frankfurt würde , der Kanal alsdann zunächst im Zuge der Wetter,

fesselte, bei seinen Hagden rücksichtslos über die i Saatfelder der Bauern gestürmt war. Wie er i seinen Wildstand schonte und vermehrte auf \ Kosten fremder Kleeäcker und Wiesen, an denen sich feine Hirsche gütlich taten. Wie unnach­sichtig er um kleiner Vergehen willen ergraute 1 Diener entließ. Wie streng er gegen das Hagd- 1 personal war, wie barsch gegen die Dienerschaft. ! Wie hochmütig er in seinem Viererzug durch 1 Wollenriet kutschierte, in so rasendem Tempo, dah man kaum rasch genug ausweichen konnte ufw. I

Rüdiger war anfangs sehr beliebt gewesen.

Er sollte gerecht und Billig denkend sein. Man an­erkannte feine Tüchtigkeit, seinen unermüdlichen : Fleih und seinen Unternehmungsgeist. Das Fa- ! brikobjekt hatte ihn noch populärer gemacht. Heder 1 einzelne in und um Wollenriet erwartete Dortelle für sich davon.

Da schlug durch einen kleinen Zwischenfall, dem Rüdigers jetzt immer reizbare, schroffe Stirn- : mung eine verhängnisvolle Bedeutung gab, auch diese Beliebtheit ins Gegentell um.

Ein Arbeiter namens Scheibinger hätte in , trunkenem Zustand bei der Aufstellung der neuen Maschinen in der Fabrit'beinahe großen Schaden angerichtet. Rur durch das rasche entschlossene Eingreifen seiner Kameraden wurde ein schweres > ilnglürf verhütet.

Es stellte sich heraus, daß Scheibinger. ob­wohl sonst ein geschickter Arbeiter, nicht 7as erste Mal betrunken zur Arbeit kam. Rüdiger ordnete daher seine sofortige Entlaftung an.

Run war der Mann aber bei seinen Kame­raden sehr beliebt. Er hätte die Maschine, die er beinahe verdorben hatte, später bedienen sollen, besah in Wvll-nriet *r Kinder unb ein Well^