Ausgabe 
5.8.1921
 
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Nr. <8(

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Lrstez Blatt <Z<. Jahrgang Zrettag, 5. August <921

GietzenerAnzeiger

Drod und Verlag: VrLhl'sche Umv.-Vvch- und Stcinörndcrei R. Lange. Zchristlettvng, Sefchäslrstelle und vrackerel: Zchulstratze 7. sämtlich in G.etzen.

Abnahme der Arbeitslosigkeit.

Aach der In dem neuesten Heft deS .Reichs- arbeiLSb'attes" veröffen lichten Übersicht über den Arbeitsmarkt im Juni 1921 hat die bereits im Mai festgestellte Besserung der Arbeits- marftlage auch im Juni Weiter angehalten. Damit darf natürlich keine allzu grobe Hoffnung auf den Fortgang der Besserung aestellt Werden, Weil ble Empfindlichkeit deS Wirtschaftslebens auf jeden Reiz von auhen reagiert. Die Statistik der Krankenkassen, die die Zu- oder Abnahme der be­schäftigten Arbeitskräfte im Reiche annähernd verläblich wiedergefpiegelt, weist im Juni eine Zunahme der Arbeitskräfte aus. Am 1. Juni wurden 13 023 213 Krankenlassenmitglieder ge­wählt, am 1. Juli aber 13 101 036, d. h. die Zu­nahme beträgt 77823 Personen ober 0.6 v. H. (im Bormonat 1,0). Die Arbeitslosenstatistik der Ge- swerkschaften zeigt einen stärkeren Rückgang der ^Arbeitslosigkeit. Don 5 761 593 erfabtcn Mi!glie- chern waren am 23. Huni 170 612 oder 3 v. H. »aller Mitglieder arbeitslos. Im Bormonat 3,7 tt). H. Die Zahl der weiblichen Arbeitslosen ist stiäner zurückgegangcn, als die der männlichen. Das liegt daran, bab die Tektilindustrie, zumal die sächsische, besser beschäftigt werden konnte. Die Empfänger von Arbeitslosenunterstützungen stind im Juni ebenfalls vermindert worden. Die »Gesamtzahl der unterstützten vollen Erwerbslosen |K1 von 358 161 am 1. Juni auf 316 917 am 1. Juli. b. h. um 11,5 v. H., -urückgegangen. An dieser Abnahme ist das männliche Geschlecht ganz erheblich beteiligt. Aus der Unterstützung find 37 919 Männer und nur 4272 Frauen ausge-

Auch bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen Macht fich die Besserung der Gesamtlage bemerk­bar. Die Zahl der Arbeitsgesuche ist im Juni »von 971 748 auf 941 389 zurückgegangen, während die angebotenen Arbeitsstellen von 555 208 auf 658 265 sich erhöht haben. Auf je 100 offene ^Stellen entfielen im Monat Mai noch 175, im IHuni noch 169 Stellengesuche. 3m ganzen ge­kommen ist die Besserung der Arbeitsmarktlage fcm Zuni nicht so stark, al£ wie sie im Mai war. GS darf aber damit gerechnet werden, dab auch die Zahlen für den Monat Juli ebenfalls eine Besserung in der DeschästigungSlage erkennen lassen.

Gegenüber diesen erfreulichen Ziffern mub auf eine sehr bedenkliche Entwickelung in der Arbeitslosigkeit hingewiesen werden, die die feit 1919 In Deutschland herrschende Rotlage grell beleuchtet. Don 400 097 am 1. Mai unterstützten Erwerbslosen waren weit mehr als, nämlich SO871 ober 22,71 v. H. bereits seit mehr als 6 Monaten erwerbslos. Die Zahl der prehr als 6 Monate Erwerbslosen, die Unter- sstützung beziehen, ist feit August 1920, wo sie {58 499 ober 14,46 v. H. betrug unausgesetzt ge­wachsen. 3n Grob-Berlin sind im Durchschnitt 33 Prozent der Erwerbslosen seit mehr als sechs Monaten erwerbslos. Besonders stark drückt die Erwerbslosigkeit auf Sachsen und Hamburg. Wäh­rend im Reichsdurchschnitt von je 100 000 Ein­wohnern 150 Erwerbslose seit länger als 6Monaten (unterhalten werden müssen, kommen in Hamburg aus dieselbe Einwohnerzahl 507 und in Sachsen 511 derartig langfristig Arbeitslose. Am besten gestellt sind Oldenburg und Mecklenburg-Strelih mit 5 bzw. keinen langfristig Erwerbslosen auf 100 000 Einwohner.

Die Sitzung des Obersten Rates.

London. 4. Aug. (WTD.) Die .LstmeS" berichtet, bab der französische Botschafter in Lon­don beauftragt worden fei, den amerikanischen Botschafter in London offiziell zur Sitzung deS Obersten Rates einzulaben. Die fran­zösische Botschaft habe auch die britische Antwort mit der endgültigen Annahme der Einladung zur Konferenz und der Zusammensetzung der bri­tischen Delegation erhalten. Diese besteht aus Lloyd George, Lord Curzon und Sir Robert Hör ne , der zwar nicht Mitglied des Obersten Rates sei, jedoch an den Verhandlungen im Zusammenhang mit der Frage der Repara­tionen teilnehmen werbe, sowie aus einem Stabe von 38 Personen.

Noch keine Einigung im Sachverständigen-Ausschufl.

P a r i s, 5. Aug. (WTD.) P e r t i n a x be­tätigt heute im ^Echo de Paris" wiederum, dab der Sachverständigen-Ausschub in der oberfchle- sischen Frage noch zu keinem Ergebnis gekommen sei. Im Gegenteil, es scheine, dab die Hab­gier der englischen Regierung das In­dust riegebiet nicht teilen wolle. Dotwendigerweise ständen sich so die französische und die englische Regierung gegenüber.

Aus Oberschlefien.

Berlin, 4. Aug. (WTB.) Der Reichsver- band der deutschen Industrie erlabt eine Kund­gebung, in der es zur bevorstehenden Entscheidung über Oberschlesien heibt: Der Reichsverband ver­langt mit allem Rachdruch dab Oberschlesien auch mit Rücksicht auf den unlösbaren technischen Zu- isammenhang des Industriegebiets, ungeteilt beim Deutschen Reiche verbleibt, und sieht hierin die alleinige Doraussehung für die Erhaltung Oberschlesiens als blühendes und zukunftsreiches Wirtschaftsgebiet.

(Erneutes Wettrüsten zur See. ,

Eine Debatte im englischen Unterhaus. I

London, 4. Aug. (Wolff.)Daily Rews" fragt in einemGegen Wenüberschriebenen Leitartikel, ob der Jahrestag der Kriegserklä­rung durch die Einleitung eines Wett- rüstens zur See gefeiert werden solle. Die Flotte der früheren Feinde liege auf dem Grunde der See. Das Blatt fragt, wozu denn vier neue Schlachtschiffe benötigt würden.

London, 4. Aug. (Wolff.) Der Finanz­sekretär der Admiralität, A m e r h, erklärte gestern im Unterhause bei der Einbringung eines Kredites von 11 875 600 Pfund Sterling xum Dau von vier Schiffen derHood"-Klasse, die britische Hochseeflotte fei so gut wie veraltet Augenblicklich würden ganze Flotten von Schlachtschiffen gebaut von einem Typ, der den bei der Schlacht am Slaggerrack vorhandenen Typ unvergleichlich überlegen fei. Gegenüber dem vernichtenden Feuer solcher Schiffe seien alle Schiffe früheren Baues sofortiger Zerstö­rung ausgesetzt. Q a p a n habe acht solcher Schiffe Im Dau und plane den Bau von weiteren acht Schiffen, und 1925 werde Amerika zwölf dieser besten Kriegsschiffe besitzen. Der Sekretär er- Härte, die Gleichheit mit der Flottenstärke jeder anderen Macht sei der Mindeststandard Grob-, britanniens. A st o r sagte, England werde auf die Washingtoner Konferenz nicht als Macht dritter Klaffe gehen. Dellaire sagte, das japanische Programm sei die Ursache des heutigen Wettrüstens. Churchill warnte vor einer Schwächung der britischen Flotte. Er sagte, England dürfe nicht zu einer Seemacht dritten Ranges herabsinken. England hoffe auf­richtig. dab die Washingtoner Konferenz ein glückliches Ergebnis haben werde. Es werde jedoch nie eine Stellung sicherer und dauernder Unterlegenheit einnehmen Diese Bemerkung löste groben Beifall auS. Churchill erklärt weiter, England hoffe auf einen langen Frieden, der, wenn die augenblickliche Periode der Erschöpfung vorüber sei, was in einigen Jahren der Fall sein werde, zu einer Periode des Gedeihens füh­ren werde. England müsse jedoch, ob das Wetter gut oder schlecht sei, auf eigenen Füben stehen. Rur auf diese Weise werde es auf der Washing- tonet Konferenz imstande fein, die Rolle eines wirllichen FriärenSsttfterS zu spielen, nur auf diese Weise werde es in der Sage fein, Hand in Hand mit den Vereinigten Staaten zu gehen, nicht als Schutzbittender, sondern als ebenbür­tiger Partner in einen gemeinsamen Sieg und in der Zukunft der Welt.

' Das Unterhaus Hmehmigte schllebllch die für die Flotte geforderten Beträge.

Der Wetteifer im Seehandels' verkehr.

Paris, 5. Aug. (WTB.) DieChicago Tribüne" meldet aus Washington, dab das Schiff­fahrtsamt die Dersicherungsraten für Schiffe unter gleichzeitiger Beibehaltung des Tonnagewertes herabgesetzt hat. Der Zweck, der mit dieser Mcchnahme verfolgt wird, besteht darin, die älteren amerikanischen Schiffe gegen­über den britischen und anderen ausländischen Schiffen konkurrenzfähig zu machen.

Die Washingtoner Konferenz.

Washington, 4. Aug. Die englische Re­gierung hat die amerikanische Regierung wissen taffen, bab ihr der 11. Rovember als Tag der Abrüstungskonferenz genehm fei

DerMotin" über angeblich englisch-deutsche Plane zur Aus­beutung Rußlands.

Paris, 5. Aug. (WTD.) Der .Mattn" spricht an leitender Stelle von einem englisch- deutschen Ausbeutungsplan für Ruh' land, der schon seit Monaten verfolgt werde. Die englische Polttik befürchte ein mächtiges Rub- land und wolle deshalb den russischen Markt und die russischen Bodenreichtümer zu Dunsten seiner Industrie ausbeuten. Die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Lebens in einem vollkommen rui­nierten Rubland sei aber nicht Englands Aufgabe, und die Engländer allein seien ihr auch nicht gewachsen. Es fehlten die Spezialisten und die Arbeiter, die allein Deutschland liefern könne. England habe ein Interesse daran, sich hierüber mit Deutschland zu verständigen. Die Engländer hätten die Trennung zwischen reformatorischen und radikalen Bolschewisten begünftigt Ihr Mann fei Kraffin gewesen. Er habe in Berlin mit der Gruppe Stinnes und der Gruppe Siemens- Schuckert verhandelt. Die polikischen Bedingungen des Dertrages. die festgelegt worden feien, seien die Entfernung von Trotzki, Tschitscherin und Si­nowjew und die progressive Demobllisierung der Roten Armee. Die Sowjefführer. die von der Regierung ausgeschlossen werden, mübten sich in den englischen Kolonien oder in Südamerika nie­derlassen. Der erste Dorsihende der neuen Koa­litionsregierung werde Krassin fein. Rubland werde in drei Zonen ein geteilt; die erste (Si­birien) solle Japan zur Ausbeutung, Mittelrub- land England und Südruhland solle den deutschen Syndikalisten mit Unterstützung des englischen Ka­pitals überlassen werden, wenn der Augenblick gekommen sei, dab Lenin nach Berlin und London reife, um die notwendigen Verträge zu unter­zeichnen.

Uebertriebenc Nachrichten von der Hungersnot in Rußland.

Berlin, 4. Aug. (WTB.) Der amerika­nische Senator France, der im Auftrage Hoo­vers eine längere Studienreise durch Sowjet- rubland unternommen hatte, nahm auf der Rückkehr in Berlin einen kurzen Aufenthalt. Er erklärte einem Dertreter der .Voll. Ztg.", dab die im Auslande ' verbreiteten Rachrichten über die Hungersnot in Rubland übertrieben seien, wenn es sich auch tatsächlich um eine Katastrophe handele, die in ihrem Umfange über die Hungersnot von 1891 hinausgehe. France ist der Ansicht, dab fich ein grobzügiges inter­nationales Hilfswerk wohl mit gutem Erfolg werde durchführen lassen. Für die nächsten Mo­nate würden die Erträgnisse der neuen Ernte wohl ausreichend sein. Dis diese ausgezehrt seien, liebe sich mancherlei tun, um ein Massensterben zu verhüten. .

Berlin, 5. Aug. (Priv.-Tel.) Einer Mel­dung der .Roten Fahne" aus Moskau zufolge wendet sich das Informationsbureau des Dolks- kommisfariats für auswärtige Angelegenheiten ge­gen die angeblich übertriebenen Rach- richten der europäischen Presse über die ka­tastrophale Lage in den Wolgaprovinzen. Tatsache sei, dab die Lage ernst fei, aber alle Rcgierungs- und Gewerkschaftsorgane sowie alle öffentlichen Organisationen seien für die Hilfs­aktion mobilisiert. Die Sowjetregierung wandte sich niemals offiziell an die amerikanische, eng­lische oder irgendeine andere Regierung um Hilfe.

Paris, 4. Aug. (WTB.) Das kommu- nisttsche AbendblattInternattonale" veröffent­licht ein Rundschreiben des Sowjet- kommlssars für auswärtige Ange­legenheiten, Tschitscherin, in bem die­ser die westeuropäische und amerikanische Presse wegen Uebertr-ibung der Rachrichten über die russische Hungersnot angreift. Diese erstreckt sich nach dem Schriftstück auf 10 Pro­vinzen mit 18 Millionen Einwoh­nern, für deren dringendste Bedürfnisse Tschit- scherin 58 Mlllionen Pud Getreide als notwen­dig bezeichnet. Daneben würden bis zum 15. Sep­tember 15 Millionen Pud Saatgetreide gebraucht, die aber möglicherweise zum Teil auS den nicht von der Trockenheit geschädigten Teilen Rub- lands zu beschaffen sein würden. Das Rund­schreiben bestreitet, dab die Wanderungen der Hungernden irgenbtoo zu Ausschreitun­gen geführt hätten. Im übrigen habe die rus­sische Regierung bereits einen unabhängigen Hauptausschub aus Persönlichkeiten ge­bildet, die der Eowjetregierung fernständen. Die­ser Ausschub werde sich demnächst ins Ausland begeben.

Die IschechischenAusschrettungen in Aussig.

Wien, 4. Aug. (WTB.) Rach Prager Meldungen stellt dasPrager Tagblatt" entgegen den amtlichen Meldungen über die Aussiger Ausschreltungenderlschechifchen Le­gionäre stift, dab eine 5000köpfige Menge die Rede des Abg. Kaibl anhören wollte, als plötzlich 2 00 betoaf f nete Legionäre und Zivilisten mit Drvwningpistvlen, Schlagringen und Gummiknütteln auf die Menge einftünnten, zuerst in die ßuft und dann in die Menae hineinschossen und Frauen und Kinder niederschlugen. Ein Arbeiter wurde durch einen Bajonettstich getötet und mehrere Personen schwer verletzt. Die wilde Jagd auf die Deutschen dauerte bis 10 Uhr abends. Dann durchzogen die Legionäre sin­gend und schreiend die Stadt. Um Mitternacht trat Ruhe ein.

Eine Senatsfiyung in Prag.

Prag, 4. Aug. (WTD.) In der S i tzu n g des Senats gab der Ministerpräsident eine Erklärung über die gestrigen Dorsälle in Aussig ab. Er sagte u. a.: Rach der Rede eines Qlbgeorbneten zerstreute fich die etwa 2000 Personen zählende Menge. In diesem Moment fielen plötzlich 5 oder 6 Schüsse aus den Reihen der Legionäre, welche herangekommen waren. Die Sache ist noch nicht völlig geklärt und mub unter­sucht werden. Die Legionäre entfernten sich auf eine Aufforderung der Gendarmerie hin, welche den Marktplatz abgesperrt hatte. Auch an einer anderen Stelle fielen einige Schüsse. An einer dritten Stelle kam es zu Zusammenstöben zwi­schen dem Publikum und demobilisierten Legio­nären. Gegen alle Schuldigen wird rücksichtslos nach dem Gesetze eingeschritten werden.

Der Ministerpräsident besabte sich weiter mit den Ereignissen, welche den gestrigen Derfällen vorangegangen waren. Er sagte: Am 18. Juli fand eine öffentliche Protestversamm- Iu ng der deutschen Parteien gegen das Steuersystem und die schweren Steuerlasten statt. Die Redner sparten nicht mit den schärfsten Worten. Ein Redner schlob seine Ansprache ^Richts für diesen Staat, alles für das Dolk!" 2lls Dergeltung für den 18. Juli berief die tfchecho-slowakische Legionärsgemeinde eine Ver­sammlung für den 31. Juli ein. Es kam zu eini­gen Zusammen st oben mit der deut­schen Bevölkerung, die grobtenteils durch das provokative Benehmen der Deutschen per» anlabt wurden, und zu unbesonnenen Taten führ­ten. Die Regierung hat sofort eine strenge -Unter» Buchung eingeleitet Der Ministerpräsident sprach sein Bedauern über die Ereignisse aus welche nicht geeignet wären, zum ruhigen Zusammen­leben der Ration beizutragen.

Die Erklärung des Ministerpräsidenten wurde vom Senat nach kurzer Debatte zur Kenntnis ge­

nommen. Dafür stimmten alle tschechischen bürget* lühen Parteien, dagegen die tschechischen Kommu* nisten. Die deutschen bürgerlichen und sozialdemokratischen Senatorenwa­ren nicht erschienen.

Rach einer vom Senat veröffentlichten, amtlich verbreiteten Erklärung hatte der Präsident deS Volkstages dem Ersuchen der Regierung und der Mehrheitsparteien des Dolkstages ftattge» geben, ein genügend starke- Polizeiaufgebot in das Haus des Volkes zu legen. Die Abg Schmidt und Rahn haben, so heibt es weiter, in fort­gesetzter Handlung, zuletzt durch tätliche Berüh­rungen und Bedrohung des zur Rede zugelas» senen Abgeordneten RiehuuS, Der eine Erklärung der stärksten Partei des Dolkstages abgeben wollte, ein Derbrechen gemäb § 105 deS Straf­gesetzbuches begangen, wonach derjenige, der die gesetzgebende .Versammlung Kur Fassung oder Unterlassung von Beschlüssen nöttat, mit Zucht­haus nicht unter 5 Jahren bestraft wird. Rach § 21 der Verfassung darf ein Abgeordneter bet der Ausübung der Tat oder spätestens einen Tag später mit Genehmigung des Volks taaes ver­haftet werden. Die Verhaftung der beiden Ab­geordneten ist unmittelbar nach dem Begehen der Tat erfolgt Der Senckt hat durch diese Fest­nahme dem Terror, der von der äußersten Linken« schon seit Wochen auf die Mehrheit des Hauses ausgeübt wurde, ein Ende zu machen versucht.

Schwere gusammenstöhe im Danziger BolKstage.

Danzig, 4. Aug. (WTB.) Im Dan» ziger Vvlkstage kam es heute nachmittarr zu schweren Zusammen st oben zwischen den Linksparteien und dem Senat. Die Verhand­lung begann mit einer sehr erregten Anklagerede des Führers der unabhängigen Sozialdemokraten Man, der die Senatsmttglieder mit schweres Schimpfworten beleidigte. Die Erregung wurde dadurch sehr gesteigert und die Sitzung mubte unterbrochen werden. In der Hauptsache hatten die Angriffe ihren Grund in der Anwesenheit eines Kommandos der Sipo im Volkstagsgebäude unmittelbar neben dem Plenarsitzungssaal. Die Sipo war schwer bewaffnet, u. a. auch mit Handgranaten. Die Linksparteien verlangten Ab­zug der Sipo und verhinderten durch andauernd den ßärm eine Verhandlung des Parlaments AIS nach wiederholter Vertagung der kommunistische Abgeordnete Schmidt gegen einen deutsch- nationalen Redner tätlich wurde, erschien ein Kommando der Sipo in Stärke von einem Offizier und 14 Mann izti Sitzungssaal und verhaftete auf Veranlas­sung des Senators des Innern Schümmer d i e beiden Ab geordneten Schmidt und Rahn von der K. P., Bezirk Danzig. Die Links­parteien begleiteten die Verhaftung mit unge­heurem Lärm und verhinderten jeden weitere» Versuch der bürgerlichen Parteien, in eine sach­liche Beratung einzutreten. Unter grober Er­regung wurde um 6 Uhr abends Die Sitzung endgültig geschlossen, nachdem die Oppositions­parteien auch den Senatsppräsidenten, der eine Erklärung abgeben wollte, daran hinderten. Das Vollstagsgebäude und das Regierungsviertel waren durch Sipo abgesperrt.

Beredtes Schweigen!

, Für die Beseitigung der Schuldlüge ist voa enffcheidender Bedeutung, dab es uns gelingt, mit ehrlich gesinnten Führern aus den gegneri- schen Lagern zu einer sachlichen Auseinander» seyung zu kommen. Zu diesem Zweck hat der be­kannte deutsche Geschichtsforscher Prof. HanS Delbrück schon im Mai 1919 den französi­schen Historiker Larisse zu einem Rede- toumier herausgefordert Dieser lehnte ab. Daraus hat Prof. Delbrück durch die .Rew Pork Tri­büne" alle Gelehrten der angelsächsischen Welt herausfordern lassen. Dock niemand bat den Fehdehandschuh angenommen. Die Herren waren wohl mit ihrer Wissenschaft von der Alleinfchuld Deutschlands am Weltkriege etwas zu schwach bestellt. ,

Rur in England bat sich inzwischen eine einzige Stelle gefunoen, wv das schöne Wort von ,Fair play" nicht als blobe Phrase gebraucht wird" Die englische Monatsschrift .Contemporary Review" hat in der Märznummer dieses Jahres einen Artikel von Prof. Delbrück gebracht Wollte der Kaiser den Krieg?" Sie fügte diesem Artikel sofort eine Entgegnung des angesehenen englrfchen Gefchichtsprvfe!fors Headlam-Morleh bei; das war chr gutes Recht Beide Aufsätze waren aber so gehalten, dab die Verfasser über* einkamen, ihre Aufsätze vereinigt auch als Bro­schüre erscheinen zu taffen.

Jeder, dem die Bedeutung der Schuldfrage bekannt ist, wird diesen ersten Erfolg, uns daS Gehör der uns feindlichen Welt zu verschaffen, zu würdigen wifsen, er soll uns ein Arsporn sein, unermüdlich weiter gegen die Weltlüze von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege an» zukämpfen.

* *

Breitscheid in Paris.

Paris, 4. August. (Wolff.) Havas be* richtet: LautFigaro" ist der deutsche unab­hängig-sozialdemokratische DeichstagSabge- ordnete Dreitscheid in Paris eingetroffen und von dem Mitgliede des ständigen Der- waltungSrctteS der sozialistischen spartet, Grumbach, empfangen worden. Dreitscheid habe seine Reise auf eigene Faust unternom­men und trage sich mtt der Absicht, sich. tx>äpf