Ausgabe 
5.2.1921
 
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x-__=6^s§, Unterhaltung Erhebung Helehrung

von der

Neue Goethe.Worte.

Ungedruckte Aphorismen aus Riemers Nachlatz. Unter den Gefährten des alten Goethe,

Radierung, die inschriftlich datiert wurde, ist eine Arbeit des Schweizers Urs Graf von 1513, von der sich nur noch ein einziges Exem­plar im Baseler Museum erhalten hat. Die neueste Forschung aber hat ergeben, datz die Eisenätzungen des Augsburgers Daniel Hopser noch früher als die Arbeit des Schweizers entstanden sind und daß er wohl als erster von der Aetzung der Ornamente auf Eisenharnische zum Bilddruck überging. Daniel Hopfer begann auch damit, die neue Technik industriell auszunutzen, und- man kann ihn daher als Erfinder der Ra dieruckg ansehen. Daß Hopser nicht vom Kupferstich und nicht vom Holzschnitt bei sei­nen Eisenätzungen ausging, läßt sich schon aus der Technik seiner derben Bildware erken­nen.Daher die entschiedene Tendenz zum Ornament und die Neigung, hellgepunktew dunkle Flächen zu drucken", tagt Friedländer. , Hopfer hat nicht nur, den deckenden Grund ritzend, schwarze Linien im Druck sichtbar ge> macht, vielmehr daneben auch auf die Eisen- platte mit Wachs oder bergt gezeichnet, dann die Platte mit Aetzung drucksähig gemacht, so daß die durch das Wachs geschützten Stellen lveiß auf schwarzem Abdruck herau-kamen." Hopfer, seit 1493 in Augsburg als Meister nachweisbar, starb 1530. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt seine Erfindung aber erst durch einen größeren, durch Albrecht Dürer.

gueme Methode ohne rechtes Gefühl für den Radierstil: so schuf ein Deutscher, Nikolas Ho- genbera, die ersten Radierungen geschichtlicher Ereignisse, Albrecht Altdorfer radierte die ersten reinen Landschaften. Alle diese MeV' ster bedienten sich noch der Eisenplatte. Der erste, von dem wir wissen, daß er in Kupfer geätzt hat, ist Lucas van Leyden, der in sei­nem nach DürerS Holzschnitt radierten Bild­nis des Kaisers Maximilian zum erstenmal Aetzung mit Grabstichelwerk verband. Nun erst war der Aufschwung möglich, den die Radierung im 17. Jahrhundert nahm.

bringen, die schneller und leichter von statten ging als die schwierige und mühsame Kunst des Stechens in Kupfer: sie ätzten gie Linien mit Hilfe von Säuren ein. Die Kupferstecher machten sich nun auch für ihre Arbeit dies Verfahren zunutze, inoem sie zunächst auf einer Eisenplatte mit einer scharfen Naoel Linien zogen uno dann die Platte in eine geeignete Säure brachten, die sich an den aufgeritzten Stellen in das Metall einfraß und so die flüchtigen Züge dauernd festhielt. Die Radie­rung. also das Achen der Metallplatte -um Zweck des Bilddrucks, ist in Süddcutschland ums Jahr 1010 erfunden worden. Die älteste

Soldaten in bas benachbarte oder gegenüber-' stehende, festungsähnliche Gebäude ein und metzel­ten alles nieder. was ihnen darin entgegenlmt. Um einen breiteren Aufweg »u dem letzten Zu­fluchtsort. einem steilen Burgselsen, zu erlangen, wurden die eroberten Strotzen in Brand gesteckt und der Schutt der Häuser geebnet. Hieroer kam eine Unzahl Kampfunfähiger elend um. Ta endlich bat der letzte Rest um Frieden und rettete fein nacktes Leben. Aber für Hasdrubal. den Mörder der römischen Gefangenen, und etwa 900 römische Ueberläuser tonnte es keine Gnade geben.Ste flüchteten in den Temoel des Heilgottes. Bei yas- drubal harrte heldenmütig seine Gattin mit zwei Kindern aus Der Hunger drohte diese kleine -schar zu überwältigen. Da entschlossen sich die Härtesten, den Temoel anzuzünden. Vor diesem Ende brach Hasdrubal zusammen, entrann zu dem Sieger und bat kniefällig um sein Leben. Als seine, Gattm ihn vvm Temveldache aus zu Füßen Scrpws, des römischen Feldherrn, erblickte, schwoll ihr das stolze Her; über diese Schänd mg der teuren, unfer- gehenden Heimat. Sie verhöhnte den Gatten mit bitteren Worten, er solle seines Lebens sorglich schonen, und stürzte zuerst ihre Söhne, dann sich selbst in die Flammen.

Die Uebrrfebenbat wurden zumeist als Sklaven verkauft Der Senat befahl die Stadt wie alle Ortschaften, die es bis zuletzt mit ihr gehalten hatten, dem Boden gleich»'machen: sodann über den Boden den Plug zu sühnen, um ihrem Be­stehen in Form Rechtens ein Ende zu machen, den Grund und Boden auf ewige Zeiten zu ver­wünschen. also datz weder Haus noch Kornfeld je daraus entstehen möge. Siebzehn Tage brannten die Ruinen."

Die Moral der Römer gleicht berfenigen Frankreichs und Englands. Aber Dcutsch- tanb ist nicht Karthago! DasEnde mit Schrecken" bei der Fortsetzung der Entente» Politik würde doch etwas anders aus­sehen . . .

Uarthago!

An zahlreichen deutschen Blättern ist bei dem neuen Ansinnen der Entente der Gv- danke an das Schicksal des alten Karthago aufgotaucht. das in langen Kriegen mit der römischen Weltmacht unterlegen war, immer­hin aber auch nach HannibalS Ende und dem zweiten punischen Krieg noch eine Großmacht bedeutete, die von Rom gefürchtet und benev- bet wurde. Auch Rom sah es mit unverhehb- ten Besorgnissen, daß die Stadt an der afri­kanischen Küste wieder zur Blüte und Reich tum. zur Gewinnung von Weltgeltung auf friedlichem Wege gelangen werde. Darum un terstützte es den Gegner Karthagos, Massi- nissa von Numidien, indem der römische Schlichtungsausschuß alle Bitten und Ein­wendungen Karthagos verwarf. Als Karthago dennoch den Krieg gegen Massinissa aufnahm und eine völlige Niederlage erlitt, brach Rom oen dritten punischen Krieg vom Zaune. Da boten die Karthager alle Opfer ihrer nationa­len SHürde an, um dem neuen Sturm zu ent­gehen. Sie waren bereit, die alte Hafenstadt Ütika zu übergeben, sie baten um Entschuldi­gungen, sie sandten Friedensgesandtschaften nach Rom und erreichten nichts. Die Römer landeten an ihrer Küste. Ihr Heer funkelte in der afrikanischen Sonne. Die Karthager boten ihm Verpflegung, ließen sich entwaff­nen und fragten endlich, ob noch weiteres be­gehrt werde. Da erhob sich der Konsul Lucius MorciuS Ccnsorinus hochmütig von seinem Sitz und eröffnete deut Rat von Karthago, daß die Stadt zerstört werden müsse und ihre Bewohner sich zwar wieder ansiedeln dürften, aber dabei in einiger Ent­fernung dem Meere fernbleiben müßten!

Da war eS llar, Karthago sollte vollends vernichtet werden. Und nun schildert Momm­sen (dessen klassisches Werk auch einer dra­matischen Zusammenstellung des Maiors Frhrn. v. F o r st n e r in der Zeitschrift ..Deutschlands Erneuerung" zu Grunde liegt) in meisterhafter Weise, wie die Verzweiflung deS Volkes sich noch einmal aufbäumte, zum letzten Kampf rüstete, und wie schließlich doch der Vernichtungssinn der Römer daS furcht­bare Ende herbeiführte:

Die Erfindung der Radierung.

Die Radierung ist heute eins der wichtig­sten Ausdrucksmittel des Künstlers und gehört zu den bekanntesten Formen des Bilddrucks. So geläufig aber jedem der Ausdruck ist, so weiß doch nur der Kenner mit dem Wesen und der Eigenart der Radierungstechnik Bescheid. Was ist eine Radierung? Wie entstand sie, wie unterscheidet sie sich vom Kupferstich? Auf diese Fragen gibt die beste und llarste Ant­wort das soeben bei Bruno.Cassirer in Berlin erschienene BuchDie Radierung" von Geh. M. I. Friedländer, in dem die Erfin­dung dieser Technik auf Grund neuester For­schungen dargestellt ist. Die Radierung hat sich aus dem Kupferstich entwickelt, es ist eine deutsche Erfindung. Zunächst kam in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Kupferstich auf, die Bearbeitung der Kupfer­platte mit dem sog. Grabstichel, mit dem Linien in das Metall gegraben werden. Diese Methode, die zuerst hauptsächlich von Gold­schmieden angewendet wurde, ist bann vom Ornamentstich auf bie künstlerische Darstel­lung übertragen worben: bet älteste datierte Kupferstich stammt vom Jahre 1547. Wfe der Kupferstich den Goldschmied, so nahm sich die Radierung den Waffenschmied zum Vor­bild. Die alten Waffenschmiede und Plattner waren nämlich auf eine Art gekommen, Linienornamente in Eisen und Stahl anzu-

Dieser fürchterliche Befehl rüttelte in dm Pfönikecn die ganze, soll man sagen, hochherzige ober wahnwitzige Begristerung auf, rote sie einst bie Tvrier gegen Alexander, und später die Juden gegen Despasian bewiesen. Beispiellos rote bie Ge­duld war, mit der diese Nation Knechtschaft und -Druck zu ertragen vermochte, ebenso beispiellos roar jetzt, roo es sich nicht um Staat und Freiheit handelte, sondern um tm dornen geliebten Brirn bet Vaterstadt und die altgewohnte teure Meeres- Heimat, die rasende Empörung der kaufmännischen und seefahrenden Bevölkerung. Don Hoffnung und Heftung konnte nicht bie Rwe fein; bet politische Verstand gebot, ohne Frage auch jetzt sich zu fügen Aber tne Stimmen der wenigen, die mahnten. daS Unvermeidlich? auf sich »u nehmen, verscholl wie der Ruf des JährmannS im Orkan in dem brausen­den Wutgelieul der Menge, die in ihrem wahn­sinnigen Toben teils an den Beamten der Stadt sich vergrisf. die zur Auslieferung der Warfen und Geiseln geraten hatten, teils die unschuldigen Träger der Botschaft, so viele von ihnen überhaupt heimzukchren grroagt hatten, die SchrcckenSkunde entgelten ließ, teils bie zufällig in bet Stadt ver­weilenden Italiker zerriß, um wenigstens an diesen die Rache für die Vernichtung der Heimat vorweg zu nehmen ...

Als nach einem geglückten nächtlichen lieber- .fall seitens der Römer (zwei Jahre dauerte das wechselvolle Ringen) btt Karthager ihre Außen- Itabt Preisgaben und sich hinter bie mächtigen Hariptmaurtn zurück» eben mußten, ließ HaSdruval 'sämtlich.' römischen Geiangenen nach grausamen Martern angesichts drS FeinbeS von den Zinnen in bie Tiefe stritten. Seine Absicht war: bie Ent- nettmng deS FeindeS durch unerhörte Schrecken. Endlich, im Frühjahr deS JahreS 146, gelang es den Römern auch in bie Innenstadt einzudringen. Tas Ende war netommen Es war ein erbitterter, fedrttägtger Häuferkamvs Bon den gewaltigen, bis zu sechs Stock hoben Häusern mußte eins nach dem andern erstürmt werden Aus den Dächern oder auf Über bie Straßen gelegten Balken drangen die

genießen kann. In den Gleichnissen steckt die Kultur oder Lebenserfahrung, die sittliche, die imaginierte, die künstlerische, die zivile usw. Das Gleichnis macht eigentlich den Dichter, d. h. sein Subjekt, das andere ist fak­tisch, d. h. ist Objekt." Eine markante Aeutze- rung Goethes über seine eigenen Dich­tungen zeichnet Riemer am 23. Ium 1809 auf:Goethes Poesien sind gleichsam Häutun­gen vorübergehender und vorübergegangener Zustände. Aus solchen Bälgen machen sich die Leute nun Schuhe, Kleider usw. und tragen sie ab. Er selbst sagte einmal, seine Sachen wären nur Bruchstücke aus ehemaligen Exi­stenzen, da einmal ein alter abgelegter Hut, ein paar Stiefeln und dergl."

Bei Lektüre von Fichtes Reden sagt Goethe im September 1808:Die Menschen werden weit mehr von der Sprache gebil­det, denn die Sprache von den Menschen", und am 4. Mai 1811:Sprache ist wirklich das -Höchste, die höchste Aeußerung der Ver­nunft und des Bewußtseins. Man sollte nicht mehrere (Wort-) Sprachen lernen, sondern alle Kunst-Sprachen, Musik, Malerei uno dergleichen, wodurch der Mensch sein Inneres kunogibt, damit man zuletzt auch in Oec eigentlich genannten Sprache etwas zu reden hätte, welche, wie ein höheres Bewußt­sein, über jene alle noch hinausgeht und diese selbst wieder zu Wort bringt." Weise Worte spricht Goethe über dieDoppelnatur" des Menschen, Über seine Leidenschaften und Feh­ler und schont sich selbst nicht.Wer zum Be­wußtsein seiner Fehler gelangt," sagt er ein­mal,wird meistens darein verliebt und möchte sie um Himmelswillen nicht ablegen. Ich mag meine Schnöckerei um die Weiber, die mir gefallen, nicht ablegen, ob ich gleich weiß, daß sie zu nichts führen kann und mir sonst schädlich ist."

die uns die wichtigsten Aufzeichnungen über ihn hinterlassen haben, ist Eckermann der be­kannteste, und seineGespräche mit Goethe" ein Volksbuch. Dem andern Lebensgenossen deS Olympiers, der ihm mindestens ebenso 1 nahe gestanden, ist nicht die gleiche Gunst be­chert gewesen: Friedrich Wilhelm

Riemer hat in seinenMitteilungen über Goethe" nicht minder Wertvolles zur Kennt­nis des Meisters beigetragen wie Eckermann: aber seine Aufzeichnungen, die an drei ver­schiedenen Orten verstreut erschienen, mach­ten in ihrer etwas umständlichen Weiv- schweifigkeit nicht den geschlossenen Eindruck der Eckermannschen Gespräche. Eine soeben im Insel-Verlag erschienene Neuausgabe wird nun dem Buch die ihm gebührende Stefe lung in der Goethe-Literatur und in unserem Schrifttum überhaupt erringen. Der Bio­graph Riemers, Arthur Vollmer, gibt hier aus den beiden Bänden derMitteilungen" bie wichtigsten Abschnitte, bewahrt alles, was noch heute Quellenwert besitzt, läßt aber gleich­gültig Gewordenes und Polemisches beiseite. Aus dem umfangreichen, handschriftlichen Nachlasse Riemers sind noch sehr bedeutsame, weitere Aufzeichnungen über seine Gespräche mit Goethe hinzugefügt, so daß die gesamten Zeugnisse von Goethes mündlichem Verkehr mit Riemer nun glücklich vereint, in statt­lichem Zusammenhang hervortreten.

Ueber ff u n ft im allgemeinen sagte Goethe:Dichtung ist sinnliches Resume ver Lebenserfahrung", fagte er 1821, und ein an­dermal:Musik verträgt wie die Feuer­werke nur ein leichtes Gerüst, an dem sie ab» brennt" Andere solcher Aphorismen über Kunst sind: ,Ln eine Dichtung einen Sinn hineinlegen? Als wäre von einem Bonbon die Rede, das in die bunte Schale, mit Rebus verziert, eingewickelt, allein verspeist wird." [ Die Verständlichkeit des Stils ist gleich der ; Genießbarkeit von Speise und Trank. Was hilft das kostbarste Essen mit seltsamen Zu- . taten und Zubereitungen, wenn man es nicht

Dürer erfuhr sehr bald von bet neuen Technik, und zwar zu einer 3eit, da er sich wieder besonders dem Bilddruck zugewandt hatte. Er hat fünf Blätter geätzt, daruntev den Ehristus am Oelbers 1515 und dieKa­none" 1518. Von Jugend auf an die schwere, langsame Führung des Grabstichels gewöhnt, handhabte er die Radiernadel zuerst ebenso, aber bald erkannte er die Gesetzlichkeit der neuen Technik und bemerkte, daß der taube und gleichmäßig breite Strich bet Aetzung die glänzende, zarte Wirkung des Grabstichels nicht hergab, sondern sich mehr für den uw- mittelbaren Ausdruck und die großzügige Zu- sammenfassung eignete. In seiner letzten Ra­dierung, derffanone", hat er bereit» einew spezifischen Radierstil ausgebildet und ein Meisterwerk der Aetzkunst geschaffen. Merk­würdigerweise aber gab er dann die von chm so glänzend gehandhabte Radierung wieder auf. Schon vorher hatte er eine andere Abart des Kupferstiches verwendet, die sog. Kalt- nade larbeit, bei der die Kupierplatte ohne Hilfe der Säure mit der Nadel bear­beitet wird. Dürer ist der eigentliche Erfin­der dieser Technik, wenngleich bereits einige Kupferstecher gegen Ende de- 15. Jahr­hunderts diese Methode vorbereitet hatten. Der berühmteheilige Hieronymus" von 1512 und die etwa gleichzeitige «Heilige Fa­milie" sind solche Kaltnabelarbeiten, in denen der Meister die Vorzüge dieser Technik Über­raschend gut ausnützte. Die Kupferteilchen, die von der Nadel zur Seite der Linie aufgeritzt werden, bewirken im Abdruck fammetartig weiche Flecken, den sog. Grat, und diese zart­schwarzen Gratflecke schaffen nun eine beson­dere malerische Feinheit, die erst mehr als ein Jahrhundert später Rembrandt zu unver­gleichlicher Wirkung des .Helldunkels" ausge­bildet hat. Dürer gab die Arbeit mit dem Aetz^ ivasser und der kalten Nadel wieder auf, weil seine Zeit für diese Formen nock) nicht reif nxir. Andere Meister verwendeten die be-

öen*» trifft

Schicksal hämmert mit blinden Schlägen: Dachs bleibt Dachs, Gold läßt sich prägen, Eisen wird Stahl. GlaS zerspringt springt an hundert eiserne Türen, keine Klinke will sich rühren, die den Scherben Rettung bringt.

Richard Dehmel.

Von Der Festung Küstrin.

Man schreibt unS: Im Laufe deS Notenwechsels über b« Frage der deutschm Festungen hat der Derband auch gesordett, daß Küstrin ebenso wie Ulm künftig tdobl Festung bleiben, aber kein Ge­schütz haben dürfe. Küstrin, das so seiner Ser- tetbiginiQdmöglictfcit beraubt werden soll, ist eine der ältesten preußischm Festungen Ueberall in der Welt und zu allen Zeiten Und die Stellen, an denen zwei Flüsse zusammenströmen, begehrte Ansiedlungsorte gew.'fen. io auch der Zu am men- fhiü von Oder und Warthe. Bei den neuen Aus­grabungen deS Märkischen Museums in der Nähe von Küstrin gelang es während der Oftmtrodr 1914, einen größeren Teil der wendischen Siedlung fteizulegen. DaS im 15. Jahrhundert unter^egan- genc wendisch.' Dorf hieß Mößuitz. roa5 so viel bedeutet wie Wcißdornbag. Bei einer jtn selben Zen erfolgten 9lad) jralning wurden Reste nner älteren germanischen Siedlung bei der Laaordis- mühle fr et gefegt. Die geschickt ich m NachricjUen über Küstrm reichen nicht viel weiter als bis 1261 zurück. Um diese Zeit höchstens in der ur­sprünglichen Art befestigt wie alle mittefe'tet- lixbai Städte von einiger Bedeutung, empfing

eS seinen Ausbau zur Festung^erft 1537 durch den Markgrafen Johann, den Sohn des älteren Joachim. Dieser darf als der eigentliche Ent­decker Küftrins als Wasjenplay »elfen. Als er 1570 kinderlos starb, wurde die Neumark, deren Hauptstadt Küstrin war, wieder mit der Kur mark vereinigt, und Küstrin bestand fortan neben Spandau als richtigerWasfenolatz von Kurbranden- bürg. Mit Spandau teilte es 1631 das Schicksal, als Pfand an den Schwedenkönig Georg Wilhelm ausgeliefert zu werden 1758 hatte bie Festung eine schwere Belagerung durch die 9hifen zu bestehen, die eS vom 15. bis 22 August furchtbar bombardierten. 1806 gehörte eS zu den prußilchen Festungen, die bereits im Novern bn, trotz des 48 Jahre früher gegebenen guten Beispiels erfolg­reichen Widerstandes, dem korsischen Eroberer die Tore -fsnefen. Das 19. Jahrhundert bat in der Folge die Bedeutung KüstrinS als Waffenplad und wichtigen Eisenhahnknoienpunkt erhöbt: nicht minder seine Bedeutung für dfe Schiffahrt aus Oder und Warthe. Im Weltkrieg ist die Festung aktiv nicht in Tätigkeit geraten, da eS gelang, die Russen von den brandenburgischen Grenzen aalten. In der neuesten Seit ist rin Teil der lungen welche die über 18000 Einwohner zählende Stadt an der Entwicklung behinderten, gefallen. Im Dezember wurde der nordwestliche Bogen deS geschichtlich bedeutsamen Zomdorfer JeftungStores gesprengt, wvrcws die Durchtunne­lung des Hohen Kavalier- trgann, am die Ver­legung der Zugang-straße zur Altstadt |u er­möglichen Roch immer ist auch daS bis dicht an die StÄ»t beraneeichende Warthebruch rin starkes natürliches Bollwerk der Feftuig, bie namentlich bei Oder- und Warth-hochwa ser, wenn die Stadl von den Fluten fast umgeben ist. schwer tuaängilch ist.

Der Hase unD sein Heim.

Die Ansicht ist viel verbreitet, daß Meister Lampe kein eigentliches Herrn besitzt, ronbem sich |em Lager immer wieder neu scharrt Dem wider­spricht eine Zuschrift tmSt. HuhertuS", m der <Tui Grund eingehender Beobachtung allerlei In- keressMifeS über bie Häuslichkeit der Haien er­zählt wird. Freund Lampe feiltet fyb allerdings den LuxuS mehrerer Heime: er legt sich für die Hauptwnidrichtungen 23 ,.©affen" an und sitzt oder liegt beute da und morgen bort, ic nachdem der Wind streicht. Te4baJb hat er aber doch 'An- hänglidrfrit an fein Lager, und wenn er Iriblt ernt Söffe auigibt, |o sitzt baß) em anderer Haie darin und tut sich gütlicl. bei gesichertem Staub gegen den WindSchreiber bicjes," betfy es do,der in fo glückliche iS-xge iit fast alle Tage in das Revrer InckS und rechts geben zu können, |o unglücklich aber, nur ganz neiitc Reororchen lein eigen zu nennen, kann zu jeder Stunde an­nähernd rotifen, wo die wenigen Syrien, tr.e da sind, liegen vnnfen; denn daS jet^t der Wind. Denn man fast jebc Sai'e keimt und diese immer uno immer wieder mit Lampe des tzt finbet, so hat man mit Hilie

GlascS oder durch bie Aase des HundeS m der Hand, leicht Syrien zu echeufen Ich Möchte bf» ixmptrn, datz bet Haie |o»n sehr an bet Sch e hängt, roo fern Lager natürlich bleibt. Tort, roo die V lugschar fein Lager unter dem Sturze umroirft, taim er felbftverfiQ blich leti e 2Lrbcn& < Kett to­ben. Man bitte aber nur die Dosen tm Auge, die an Wiesen- und Feldrainen boü>erig mit Ge­strüpp von Brombeer, Hundsrose, SchnnreiengraS gegraben sind Tort sitzt sichet jee* *s ! 3<ffbr em vale unter Wrndichutz barm. Nur der Windschutz fmclt t* große Rolle daher."

Eine tausendjährige Friedhofslinde.

Zu den denkwürdigsten Bäumen, die unter Vaterland besitzt, gehört die alte FriebhofSsinde in Gr.-Goltem bei Hannover, von der I.Oster­loh in Niedersachsen^^ erzählt. Der Baum, unter dessen Schatten sich wohl in ferner Vergangenheit die ulten Deutschen bei ihren ThingVersamm­lungen zusammen fanden, steht an der Veftsrife der Kirche von ©r.-(Soifern. Der Stamm hat in 1 Meter Höhe vom Erdboden 8 Meter Umfang Die Spitze ist ein ft vorn Sturmwind geknickt wor­den: doch bie mächtigen Aeste breiten sich weit nach allen Seiten hin. Um Stamm und Zwrige möglichst zusammenzuhalten und fo die es ehrwürdige Natur­denkmal auS alter Zeit vor dem Verfall zu be­wahren, sind schon m ferner Vergangenheit unter her Krone ein starker schmiedeeiserner Ring unh nabfente Ketten um den Baurn gelegt worden Tie Riesen kröne, bie einen Turchmes'er von 20 Meter hat, reicht fast biS an den Turm hinan und breitet sich über die KirchbosSmaner weit auf tot Psarrhof aus Der innere Sx>blmum des Stamme# bildet ein Rund gemach von beinahe 2 Meter Durchmesser. DaS Alfer des Baumes wird ans tausend Jahre geschätzt: die ältesten B< roofrncr des Dorfes haben ihn nicht anders ge­kannt, alS er jetzt noch st-ht, und die Greise von beute spielten schon alS Linder in ba Tomantv schm Höhle der alten Linde, in die man von ver­schiedenen Stellen aus embringm konnte und die auch für bie jetzige Jugenb noch ein so herrlicher Schlupfwinkel ist.