Ausgabe 
4.11.1921
 
Einzelbild herunterladen

Ar. 259 Zweites Elan Lietzener Anzeiger (Gen ral-An;eiger für Gberhesjen)grettag, 3, November 192|

Deutscher Reichstag.

139, Sitzung

Berlin. 3. Roo

Mzeprns.deTtt Kieffer erö.f «1 tfr C.r,ung mit gef4^fULv<3 111:11 rtlung^n D«e 3ntertele

fcalimen über die Verhütt liste in E«r $faU. die iöcel*flelfl<rung unb den L.u^^er, ivw.c über Dai Berbv! der tianbu g rufhMher Schisse im Siet- Uner Men Verden vv i der 'Regierung Inner- bald der gesetzrnätzigen Frist beantwortet werten. Die Unlr-gc tDcfltn der Erhöhung ter l g ichen o i und c ie Regeln g des -Der eb - mit Äartclfdn trxrjen mit Ce. Interpellation 'JUullcr- Starrten wegen der Preissteigerung verbunden werden.

T-s folgt der Antrag Müller- Franken lvvj) wegen 2 ände.ung der Xerotb.iung über 2c hn defchlagrutyme.

2bg Ä a 11 e r (Soj.) begründet ten Antrag, die önbungeg.en^e von 5000 auf 15000 Mt heroufzu sehen.

Re chZjuftitzmtnifter A a d b r u ch lagt, im Mr- ninerium liege der fertige Entwurf bereite vor der eine ert-ebllche Sndu g g e 13c vorfehe. um etwaigen weit ren ©4>wa:.langen von vornherein begegnen jui tonnen.

21g ID a r m u t b <D. TtL) beantragt 2er- Weisung an den RechteauSfchutz

TUvi) kurzer weiterer Debatte wird der 2n- trag an den Recht Sau-schutz ubartrnefen.

<jum Anträge Agne - u Den. üb_r eine 2er- kbärfung der Ikrlruerung de- BörserverkchrS tellt der Vizepräsident Hieffer mit, datz der ©tcuerauef»un an Stelle di ses An rages den Antrag Steil aus eine wesentliche Erhöhung der 26rfenum|arjteuer angenommen habe. Da- Hau­st irnrnt diesem Anträge zu.

ö* folgt ein Antrag Gothein iDern.) wegen beschleunigter Veranlagung urb Trböhung t)pr 2eld)#cin!ommenficuer 2bg V.'them b g üntkt den Antrag mit der finanziellen Not de- Reiches.

Staat-fekrelär Za ns Die Veranlagung ist Sache der Länder und Gemeinden- da- Reich hat feinan weiteren ölnflub al- nur, baß e- darauf dringen tonnte.

2bg 2 11 e f 0 t e (3 ) unterstützt den Antrag und frit.fiert die Tätigkeit der Finanzämter, deren Verschleppungttakt.k de > Staat 'chätige.

2bg Dr Hern (U.) begründet den Antrag feiner Partei, daß jeder Steuerpflichtige zunächst auf Grunll ige feiger Steuerer lärunq den S'.euer- betrag an das Reich abführe, und im Falle der Verzögerung Der ugezin'en zahlen mfif'e

2bg Dr Helfferich (D.-N ) mißt die Hauptschuld der Komrliz>er'heit unserer Verwal­tung bi' die Beamten wüßten selbst nicht mehr BZcheid Die Steuergesetzgebung müsse reformiert werden, desgleichen die Verwaltung, sonst fehe er eine Katastrophe voraus

Staatssekretär Dr. Zaps spricht sich gegen den unabhängigen Antrag auS, der die Verwir­rung bei den schon jetzt überlasteten Finanzkassen nur noch vermehren und den Zusammenbruch der Verwaltung -b< schleunigen werde

2hg Becker (D Vp) betont, daß in diesem Jahre die grobe Koalition von Helfferich bis Dr. Hertz zwelsello- vorhanden sei, bedauert jedoch, daß die Lohn- und Dehaltsempsänger in gewissem Sinne benachtelligt seien, und stimmt dem 2ntrage Gothein zu

Die beiden Anträge wurden sodann dem Stcueraukschütz übzrttncfcn. Morgen nachm.t ag 1 Ubr Anträge und Interpellationen wegen der Schließung der Deutschen Werke und Steuer­debatte. Schluß gegen 6 Uhr

Jur Geschichte von Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weih-Rot.

Die Erörterung über die deutsche Reichs- sahne und ihre Farben will nicht zur Ruhe kommen, und die Entschließung der Deutschen Nationalversammlung für Schwarz-Rot-Gvlb wird von den verschiedensten Seiten ange­griffen. Zu diesen Vorkämpfern für die alten Farben Schwarz-Weiß-Rvt gesellt sich auch der bekannte Geschichtschreiber Hans Sei» brüd in einem Aufsatz derDeutschen Poli­tik-. in dem er die geschichtliche Entstehung der beiden Farben erörtert, lieber den Ur­sprung der Farbenzusammenstellung Schwarz- Rot-Gvld liegt Dunkel gebreitet. Es ist un­sicher, ob sie von dem schwarzen Roch dem ro­ten Kragen und den goldenen Knöpfen der Uniformen der Lüyower von 1813 herstammt, ob es zunächst die Farben einer Landsmann­schaft in Jena waren oder ob sie gar der freien

Der Schuh im Vlut.

Roman von Horst Dodemer.

29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nach hundert Schritten muhte er wieder stehen bleiben. Kein Gedanke, er kam nicht nach Hause. Da- Knie schwoll an, schmerzte sürchterlich. Allo die Büchse entsichert und g.'wartet, wer hinter dem Hunde kam . . . Und dann fühlte er auf einmal eine Mattigkeit in allen Gliedern, ein Brennen Im Kopfe. Nur weiter weiter. 3r wankte, brach zusammen. Blut sickert^ aus 1 einem Knie, Blut von seinem Gesicht, vom Arm und rechten Handgelenk. (Sin B.ausen im Ohre, da griff er mit letzter Kraft nach der Iagdflafche, trank mit gierigen Zügen den Rest Schnaps aus. Die Spannkraft kam wieder! Sich erwischen lassen, al- Wilddieb auf die Anklagebank, das hätte gerade noch gefehlt! Also wieder hoch! Das Knie, das Knie, der Schmerz war -urnWahi.sinnig- werden. Wenn er ieyt wenigstens einen seiner Spießgesellen bei sich gehab: hätte. Da oäie überhaupt alles ganz anders gekommen. Der Hund wär im Handumdrehen stumm gemacht wor- den Auf dem linken 5tnie lag er wollte sich gerade am Büchsenlauf Hochziehen, da dellle da oben bei dem toten Hunde ein anderer ane toll. Irgend ein kleiner Kläffer. Jetzt allo galt es Da lag ein Grenzstein, hinter den gekrochen und die Büchse entsichert. HanS Wärhahn Uetz sich nicht fangen! Aus dem Nebel kamen zwei Gestalten, schutzkenig die Büchse, da ent­fiel dem Sünder der Mut, ein IDimmern kam von seinen Lippen. .Hände hoch schrie eine stimme, er hielt sie hoch sie zitterten, fünfen, ohnmächtig lag Hans Wärhahn am Grenzstein.

Phantasie eines jungen Mädchens entstam­men. das der neugegründeten Burschenschaft chre erste Fahne frtdie. Zedensalls i-at Schwarz-Rot-Gold als Farbe der Burschen­schaften seine Bedeutung gewonnen und das cd)idtal dieser ^-ewegung geteilt, die bekannt­lich in der Reaktionszeit unterdrückt und dann 1848 emporgehoben wurde. Jedenfalls war die schwarz rot goldene Fahne die Flagge der 1848er Revolution. Selbst der Bundestag in Frankfurt schaffte sich eine solche Fahne an und h.ßte fie; Friedrich Wilhelm IV. lieh sie sich vorantragen, als er am 21. März 1848 seinen Umritt durch Berlin hielt: die Fahnen der preuhischen Armeen erhielten eine schwarz rot- goldene Schie fe, und die Nationalversamm- lung in Frankfurt arbeitete unter Meier Fahne die Reichsverfassung aus. Doch mit dem Schei­tern der Revolution versank auch die schwarz rot goldene Fahne wieder, und sie blieb wei­ter ein Symbol poli.ischer Schi sucht. Als aber Bismarck diese Sehnsucht erfüllte, da griff er nicht zu den alten Farben, sondern die Nord­deutsche DundeLvetf<.s,ung brachte eine neue Fehne, Schwarz-Weiß-Rot. Bismarck hat er­zählt, er habe König Wilhelm diese Farben Damit erklärt, baß sie die Zusammenfassung des preuhischen Schwarz-Weih mit dem bran­denburgischen Weih-Rot taiftcllten. Diese Deutung war aber auf des Königs branden­burgische Gesinnung berechnet. Eine andere, und zwar die richtige Erklärung findet man in der Tatsache, dah die neue Fahne in der Ver­fassung des Dorddeuls.I en Bundes zunächst nicht als Fahne des Bunde), sondern als Flasg? der Marine eingeführt wird. Die Fahne wurde daher auch als die Zusammen­stellung des preuhischen Schwarz-Weih mit dem auf allen Meeren anerkannten h a n - seatischen Rot -Weih begrüßt, und der preuhische KrieqSminister von Roon gab diese Deutung zu. Erft von der Marine aus ist Schwarz-Weiß-Rvt auch aufs Land gewan­dert und dann die Fahne des Deutschen Rei­ches geworden. Sie erscheint hier als eine Symbolisierung der Vereinigung des legitimen preuhischen Königtums, das im Schwarz-Weih ausgedrückt ist. mit dem allgemeinen gleichen Stimmrecht des Reichsta'.es, für das das demokratische Rot sinnbildlich war.

Auswanderung und Arbeitslosigkeit.

Pastor Nelke schreibt auS Montevideo dem Deutschen AuSland-Inst.tut, Stuttgart:

.Dor mir liegt ein Bericht an die deutschen Handelskammern in den La-Plaia-Ländern Gr spricht von der Desser-ung des Arbeitsmarlles in Deutschland und dem 2ücgnngc 1 er Eiw rbsloslg- keit im Reiche. Besondrrö interessant sind die pro­zentualen Angaben nach dem Stande vom 15. Ok­tober 1920, weil diese einen Vergleich mit den hiesigen Verhältnissen gestatten.

In dem Bericht heiht es: Die Entwickelung der Erwerbslosigkeit in den Groh- und Industrie­städten ist zur Zeit nahezu stationär und in An­betracht der hohen absoluten Zahlen immer noch al- ungünstig zu bezeichnen. Aus je 1000 Ein- wohner kamen am 15. Oktober: in Droh-Berlin 22,5, in Breslau 13,8, in Chemnitz 16 3. In Dres­den 19.5, in Dortmund 0,1, in (Slberfclö 10.9. in Effen 0.5, in Fürth 62.6, in Hamburg 22 8. in Leip­zig 25 8. in Nürnberg 9.3. in Plauen i. Vogtl. 111,7, in Solingen 2,0 Erwerbslose (HauptunterstühungS- Smpfänger).

Der Deutsche Hilfsverein Monte­video, der mit dem hiesigen Arbeitsmarkt ganz genau bekannt ist, ist nicht imstande, einen ebenso günstigen Bericht aufzustellen.

Nach seinen drei lebten Monatsberichten be­trug die Zahl der Hauptunterstützungsempsänger im Oktober 157, im November 108, im Dezember 114, oder wenn wir die Seelenzahl der Deutschen Kolonie auf rund 2000 ansetzen (in Wirklichkeit ist sie etwa- geringer), so kamen am 1. November aus je 1000 deutsche Einwohner in Montevideo 78, am 1 Dezember 54. am 1. Januar 57 Unterstützte, eine erschreckend grobe Anzahl, die nicht einmal erreicht wird von der Zahl der Erwerbslosen in Hamburg, wo die Lage am ungünstigsten fein soll. Doch sind die Verhältnisse hier besonders deshalb so ungünstig, weil der durch die Weltkrisis erregte und nun hin und her flutende Strom der wandern- den Menschrnmasse in Montevideo als einer

Der Züschener Förster sprang zu. rih chm die Büchse weg. leuchtete ihm mit feiner elek­trischen Lampe ins Gesicht!"

.Herr Baron, der junge Wärhahn f

»2ch was. das ist doch ganz unmöglich!" .Ich kenn ihn doch. Unser guter Hektor hat den NichLsnutz freilich übel zuge ichtet, bU die brat« Hundeseele ins GraS beiden mutzte, llnb da liegt das Geweih!" Adalbert Züschen beugte sich über den Ohnmächtigen, legte die Hand auf das Herz, das schlug. Der Förster leuchtete den ganzen Körper ab.

.Hier am Knie, Dmmerwetter. hat er »ich ins Dein gehauen mit dem Beil da: Der läuft uns nicht davon, und zu sich wird das Kerlchen schon wieder kommens"

.Deden Sie gleich nach Haule, Steuert! Der Selbstfah er soll a g? bannt w rd n Sie schrcn ibn selbii hierher. Unb den Mund gehalten; Keinen Menschen mitgebracht' S.e Haden mich doch verstanden?"

»Zu Befehl, Herr Baron!"

Adalbert Züschen schlug fernen Zagbstock aus­einander und setzte sich darauf. Der Zunge kam schon wieder zu sich, Und nun die geladene Büchse über» Knie gelegt und auf jedes Geräusch ge­achtet, die Frage wars noch, ob der Lümmel allein Wilddieben gewesen Dar. Als alles ruhig blieb, kam der Baron ins Sinnen. Dar er denn als reifer Mann besser gewesen als dieser uner­zogene. verwöhnte Zunge? Hatte nicht auch er Wilddieben wollen m fremdem Revier und noch trief gemeiner V Denn er nicht zum Ziele gekom­men war, war das feine Schuld? Du beugte er sich wert nach vorn, sah Hans Wärhahn ins Gesicht. Sin hübscher Kerl, nach seiner schönen

grvtzen Hafenstadt und als einem Knotenpunkt ^uhlrcicher Eisenbahn- und Dampferlinien fiele Elemente absetzt, die in der Stadt feine ober keine passende Arbeit Hoben tonnen.

Vielleicht hält bte 5t 1 ft. Huna dieser Tatsache den einen oder den anderen Au-wanderungS- lustigen zu seinem Besteig in seinem Heimat lande fest Dazu führe ich noch einige andere Tatsachen an. die ein grelles Licht auf Zric hiesigen Verhält' nisse werfen

1 Drei Schweizer (Melkers kommen mit großen Hoffnungen hier an, denn Uruguao ist als ba- Land grober Rinderherde 1 weltbekannt, und M.lker werden hier öfter» geiucht Sie bekommen als .GttngoS' (Fremde« 12PefoS MonatSlohn bei freier Station, fie stellen einen Vergleich an zwischen buben und drüben und finden alsbald, dah sie brühen bat Ll->c In einer Woche verdienen. Nltt d m nächsten Dampfer fahren alle drei wieder nach Hause

2 Angehörige b e s s e r e r S t ä n b 4 bi durch die untlualtcbe.i Folgen des Xncie» au.» i .rem Berufe h.oau.gewv len sind. z. B Os.iz'.ere, denken bei dem Berufswechsel Wenn ich schon mit den Händen arte ten soll, bann tue ich es lieber in der <5rembe, und wandere aus Sie täuschen sich mäch­tig. denn in der Fremde steigen fte beim Berufs- wechsel nicht 15. sondern 510 Stufen herab.

3. Gebraucht werden im Au( l inbe meisten­teils nur brazos. b h ganz gewöhnliche Arbeits­kräfte: Tellerwäscher. Hausburschen, Diener, Dienstmädchen usw

4 Dor e.ner Auswanderung aufs Geratewohl kann nicht bring?nb genug gewarnt werden, eben­so vor der drüben jetzt weit verbreiteten Mei­nung. dah die LebenSverbältniste im Auslande bessere wären als die in der Heimat.

5. Der Deutsche, der au5 dein höchst kultivier­ten Lande kommt, muh stets diran denken, dah er hier drauhen mit den Angehörigen der tiefer stehenden Nationen den Kumpf um» Dasein aus­nehmen muh. in dem er sicher unterliegt. wenn er auch hier die in der Heimat üblichen Ansprüche anS Leben stellen will."

Turnen. Sport und Spiel.

Gin deutscher Erfolg beim Gordon-Dennet t-R e n n e n ter Frei­ballone. An dem Sieg des diesjährigen Freiballon-Rennens um den Gordon-Bennett Pokal durch den Schweizer Ballon ^Zürich", der mit 100 Km. Dorsprung vor dem Zweiten die berühmteste Trophäe für den Lustsport gegen Amerika, Frankreich, Italien, England, Belgien und Spanien gewann, hat auch Deutschland einen großen Anteil. Der Sieger Armbruster hatte sich wegen finanzieller Schwierigkeiten mit dem BallonZürich" be­gnügen.sen, der schon im Zähre 1912 von der bcutfd en Firma Riedinger-Augsburg aus Eontinentalstoff hergestellt war. Der Erfolg des Ballons gegen die mit allen Erfahrungen der Zwifck-cnzeit hergestellten Ballons der Gegner stellt daher der deutschen Industrie wieder einmal das beste Zeugnis aus.

Die Funkstationen des Welt­luftverkehrs. Das Reichsverkehrsmini­sterium (Reichsamt für Luft- und Kraftfahr­wesen) gibt die folgende Uebersichl der dem Weltluf.'verkehr dienenden Funkstationen be­kannt: Deutschland: Nauen iWellenlänge: 4700); Dänemark: Lyngbh (5000); Schweden: Karlsberg (4000); Norwegen: Christiania (8000); Estland: Reval (1900); Oesterreich: Wien (5600); Polen: Warschau (2100); Rumä­nien: Bukarest (3000); Zugoslavien. Belgrad (4000);; Tschecho-Slowakei: Prag (4000); Un­garn: Budapest (3000); Italien: Rom (11 000); Spanien: Carabanchel (2000).

Heinrich und Max Suter, die besten schweizerischen Sttahenfahrer, haben sich als Teilnehmer an der Rundfahrt durch die Lombardei einschreiben lassen.

Gründung eines Internatio­nale n Damensport-DerbandeS. In Anwesenheit der Vertteter von Groß-Bri­tannien, der Tschecho-Slowakei, der Vereinig­ten Staaten von Nordamerika. Spanien und Frankreich ist in Paris ein Internattonaler Damensporwerband gegründet worden. Der Sitz des Verbandes ist Paris.

Die Wiederanbahnung der internationalenDeziehungen. Wie wir erfahren, hat der holländische Rennfah- rer-Derband seine Aufnahme in den Deutschen

I Mutter war er geschlagen. Unb datz er ein solcher Tunichtgut geworden war, lag zweifellos an Ieiner Erziehung. Gin Zarnrner, vatz ber alte, biedere, tüchtige Wärhahn das erleben mutzte.

Als der Förster mit dem Wagen kam. axxr HanS schon längst wieder zu sich gekommen. Fiedecschauei. schüttelten ihn, aber er bih die Zähne aufeinander. Ewig würde man ihn hier ja nicht liegen lassen, und was aus ihm wurde, war ihm jetzt ganz gleichgültig. Der Baron sah ihn nicht an, schien mit seinen Gedanken sonstwo zu sein, er hätte ihm auch gar nicht geantwortet . . Dor Schmerzen zuckte HanS aber doch zusammen, als er auf geladen wurde. Unb bann ging es nach Fritzlar hinein zum Arzt . . BiS der ihn verdurrden, war es taghell getborden.

.So," sagte der Baron, .jetzt bring ich Sie zu Ihrem Großvaters"

Hans war matt, er verspürte nur Sehnsucht nach dem Bett.

Der Celonemierat war schon auf, als der Wagen verfuhr. Er trat aut die Freitreppe hinaus. Der Baron legte schnell zwei Finger auf den Mund, sagte dann rasch

.Der Zunge mutz schleunigst zu Bettl"

Die vor den Kopf geschlagen war Christoph Wärhahn, als ihm Züschen erzählte, was sich in den letzten Stunden zug, ragen. D.e Fäuste ge­gen die Stirn gedrückt, fatz er da und stöhnte Kein Wort brachte er über die Lippen. Dem Baron tat der gediegene, alte Mann in der Seele weh St erhob sich, legte die Hand auf bte zuckende Schulter des CJonrmieratel

.2llfo für mich ist die Sache erledigt I Unb mein Förster hält den Mund. Für den steh ich grade! Hosferttlich nimmt nun der Zunge Der-1 ruinft an!" 1

Rennfahrer-Verband als Ortsgruppe nacbge- sucht. Stcherltch dürfte dem Gesuch entsprochen werden.

Gictzcncr Strafkammer.

Sieben. 2. Nov. 1921

Der Gefangenaufseher R von Attes- stadt, der nebenher auch noch Gerichtsvolle zieher- und Gerichtsdienerfunkttonen am Amtsgericht Altenstadt versieht, hatte zwei Schwerverbrecher, die im Haftlokal in Untersuchungshaft sahen, so nachlässig in ihren Zellen untergebracht, dah sie aus 0 rechen konnten. Als am Abend des betr. Tages die Frau des Gefangenaufsehers, der selbst dienstlich abwesend war, den Gefangenen das Essen bringen wollte, merkte sie zu ihrom Schrecken, dah diese sich auherhalb der Zellen befanden. Sie nahmen ihr den Schlüssel ab, sperrten sie ein und entwichen alsdann, nach­dem sie die Wohnung de- Gefangenauf­sehers einer eingehenden Durchsuchung unter­worfen und neben Kleidern usw. auch über 6000 Mark mitgenommen hatten. Sie sind bk heute noch nicht wieder fest enoinmen. Obwohl R. schon zweimal wegen fahrlä.s;ger Gesan­genbefreiung Dorbefira t ist. wurde trotzdem wieder auf eine Geldstrafe, und zwar 300 Mk.. erkannt, weil nachgewtesen war. dah R. mit Arbeiten überlastet ist und selbst mehrmals schon auf die unzulänglichen Verhältnisse am Haftlokal in Altenstadt hlngewiesen hatte, ohne dah Abhilfe eingetreten war.

Wegen e.neS Fahrradblebstahl- war ber Schaffner S. aus Frankfurt a. M. vom Schöffengericht Al enstadt zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. In her Beru­fungsverhandlung gelang es ihm. den vor dem Schöffengericht gegen ihn geführten Indizien­beweis dermahen zu entkräften, dah das Ge­richt sich von seiner Schuld nicht überzeugen konnte und ihn srelsprach.

Erfolg hatte die Berufung der Staatsan­waltschaft gegen ein Urteil des Schöffenge­richts Lauterbach, das den Konrad D. und Volprecht Sch. von Lauterbach wegen Wil­de r n s zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt, den Mitangeklagten Georg Sch. aber freige­sprochen hatte. Es wurde nachgewiesen, dah D. seit 1919 fortgesetzt gewildert hatte, anfäng­lich mit Georg)., später mit dessen Va­ter Volprecht Sch., mit dem zusammen er zuletzt auf dem Rückwege von einer Zagdpartie abgefangen wurde. D. hatte die Wilderei in großem Stil und mit großer Dreistigkeit be­trieben. Er wurde wegen gewerbsmäßiger Wilderei zu 6 Monaten, Volprecht Sch. zu 4 Monaten unb Georg Sch. zu 3 Monaten Ge­fängnis verurteilt.

Aus dem Amtsverkündtgnngsblatt.

** DaSAmtSverkünbigungSblatt Nr. 156 vom 3. November enthalt: Umlage zur Lanbwirtschaftskammer. Ausstellung von Leumundszeugnissen. Aufnahme von Blin­den in die Blindenanstalt zu Friedberg. Beschaffung von Tierkadavern zu Unterrichts- zwecken für die Institute der vet.-med. Fakul­tät der LandeSuniversität. Unterrichtsbe­ginn an der Landwirtschaftlichen Schule in Buybach. Feldbereinigung Rabertshausen. Dienstnachrichten.

Unterri chtSbeglnnanderLand« wirtschaftlichen Schule in Butzbach. Der Unterricht an der Landwirtschaftlichen Schule in Buybach beginnt Montag den 7. No­vember 1921, vorm. 9,30 Uhr.

Landwirt Karl Horst I. unb ßanbtoirt Ioh. Jäger von Oueclborn wurden als Mitglieder des Wiesenvorstandes für die Ge­meinde Quedborn verpflichtet. Heinrich Friedrich Ärieb zu Allertshaufen wurde als Wiegemeister unb Heinrich Sch neiber zu Allertshausen als stellverttetenber Wiegemei­ster für ble Gemeinde Allertshausen ver­pflichtet.

Büchertifch.

- Neue Staatsbürgerkunde. Zwei­ter Teil Unter Hessenland. Bon Rektor O. Kinkel. Verlagsbuchhandlung Emil Roth, Gie­ßen. Kart. 10. Mk.

Christoph Wärhahn konnte sich nicht erheben, auch nicht sprechen, aber auS seinen Augen sah nackte Trostlosigkeit. Da ging Adalbert Züschen schnell . . .

Man munkelle zwar allerlei, drstirnrntrS er» stchr man aber nicht, wo sich Han^ den .Un­fall" zugezogen. Weit von der Wahrheit redete man nicht vorbei. Aber seine Kneipgelage mit den Arbeitern kamen Wärhahns zur Kenntnis In Maria bäumte sich der Stolz auf. Wenn si« nicht mehr ein und auS wutzte, dann schrieb sie an ihren Bruder Srnst nach London Mil Mann und Schwiege "Vater ver land sie sich doch nicht mehr. Die nahmen dann kein Blatt vor den Mund und schoben ihr alle Schuld zu.

Ernst Sitten, der im Lause der Zahre sehe reich und recht stark geworden war, kam sofort Geschniegelt und gebügelt! Hari und kalt waren seine Gesichtszüge geworden. Mit herabhängen, den Mundwinkeln hörte er seine Schwe ler an Und dann sagte er mitleidslos.

-Hier kommt der HanS nicht wieder ins Glerchgewicht! Er mutz sich den Wind ordentlich um die Ohren wehen lassen, keine Gelegenheit haben, wieder mit dem nächten Zuge an öie heimatlichen Fleischtöpfe zu g fangen. Wir wer­den ihn zum Brüder nach Kapstadt schicken, ber mag ihn nach einer Diamantenmine in Rhodesien weiter befördern Da lernt er die Zähne heben und wenn er sich macht, sehr begabt ist ber Zunge doch kommt er vorwärts. Da unten trägt jeder den Mar schall tzab im Tornister, vor allem, wenn er einslutzreiche Verwandte hat. W'.r werden wachsame Augen hab m, unb schlletzlich haben die Wärhahns auch Geld. Geld regiert die Welt natürlich, daS mutz man erst gründlich begreifen!"

(Fortsetzung folgt)