Nr. <80
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Donnerstag, 4- August 192)
Erstes Blatt
m. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberheffen
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Die „Demarche" in Berlin.
Die tm Interesse des französiscken Ansehens verabredete diplomatiscye Komödie der Entente in Berlin hat nunmehr stattgefunden, tvie aus der nachstehenden Meldung hervorgeht. Wir ersehen aber auch daraus. daß England und Italien damit das einseitige und willkürliche Borgehen BriandS keineswegs nachträglich gutheihen wollen. Bisher hieß es, England habe zugestimmt, daß Deutschland aufgesordert werden solle, den Durchzug etwa notwendig werdender Trup- penverslärkungen für Oberschlesien durch deutsches Gebiet zu ermöglichen und zu erleichtern. Jetzt aber stellt sich heraus, dah den Fran- zosen in dieser diplomatischen Aktion noch einmal eine besonders ausgesprochene Korrektur ihres bisherigen Verhaltens zuteil wird: Deutschland braucht, so wurde von den Bot- ischaftern der Mächte den Berliner Stellen mündlich noch erklärt, auch künftig nur grundsätzlich bereit zu sein, auf spezielle Aufforderung der drei Mächte Wahnahmen zur Erleichterung deS Truppen- durchmarscheS zu treffen. Frankreich hat lediglich die schwache Genugtuung erhalten, dah England und Italien nicht von vornherein sich ablehnend über die Möglichkeit und Aotwendigkeit militärischer Verstärkungen aussprechen wollen.
Berlin, 3. Aug. (WTB.) Die Angelegenheit des Truppentransportes nach Oberschle!ien fand nunmehr ihre Erledigung. Heute mittag erschien beim Reichsminister des Auswärtigen der französische Dotschas- 1er, der englische Botschafter und der italienische Geschäftsträger und überreichten ihm nachstehende von den Drei genannten Vertretern unterzeichnete Bote:
Berlin, 3. August 1921.
Der Botschafter Frankreichs, der Botschafter Englands und der Geschäftsträger Italiens beehren sich im Auftrage ihrer Regierungen die deutsche Regierung zu ersuchen, die nötigen Vor» kehrungen zu treffen, um durch alle möglichen Mittel den Transport alliierter Truppen durch Deutschland zu erleichtern, den die Lage in O6er- schlesien jeden Augenblick nötig machen könnte.
Mündlich wurde noch hinzugefügt, dah e- sich hierbei nicht um ein Ersuchen handele, schon jetzt Truppen zu befördern, sondern um eine grundsätzliche Bereiterklärung Deutschlands, dies auf eine spezielle Aufforderung der drei Mächte hin zu tun.
Der Reichsminister des Auswärtigen antwortete, dah dieses Verlangen dem seitens der deutschen Regierung in dieser Angelegenheit eingenommenen Standpunkt entspreche. Er erklärte fick bereit, in diesem Sinne mit dem Reichsver- keyrSminister in Verbindung zu treten.
Eiue deutsche Darstellung der Vorgeschichte.
Berlin, 3. Aug. (WTB.) Rachdem inzwischen In der Angelegenheit der Truppensendung nach Oberschlesien in der ausländischen Presse Mitteilungen erschienen sind, welche die Zwischenverhanblnngen betreffen und nachdem der Wortlaut deS Briefes veröffentlicht worden ist, den der Reichsminister des Auswärtigen an den französischen Botschafter gerichtet hatte, fei nochmals im Zusammenhang auf die Entwickelung hingewiesen, welche die Frage des Truppentransportes nach Oberschle- fien genommen hat.
Bei der llebergabe der französischen Rote vom 16. Juli erhob der französische Botschafter neben anderen Forderungen auch die Forderung, Deutschland solle unverzüglich alle Vorkehrungen treffen, um den Durchtransport einer neuen französischen Division nach Oberschlesien zu fördern. Ehe die deutsche Regierung die französische Rote beantwortet hatte, wurde der französische Botschafter am 23. Juli bei dem Minister Dr. Rosen erneut vorstellig und verlangte, die deutsche Regierung solle bis zu demselben Abend erklären, ob sie der Forderung bezüglich des Truppentrans- Portes nachkommen wolle. Am Abend des gleichen Tages überreichte die deutsche Regierung zusammen mit der Antwort auf die französische Rote vom 16. Juli das Antwortschreiben des 'Reichsministers des Aeuhern, dessen Inhalt der Oeffenllichkeit bereits bekannt ist. In diesem Schreiben stellte sich die deutsche Regierung auf den Standpunkt, dah sie bereit sei, den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages in jeder Weise nachzukommen, dah sie jedoch zu- nächst um Mitteilung darüber bitten müsse, ob das Ersuchen der französischen Regierung in diesem Falle im Ramen Der drei Okkupationsmächte gestellt sei.
Am folgenden Lage nach Kenntnisnahme dieses Briefes erschien der französische Botschafter beim Reichskanzler, der ihn in Gegenwart Des Reichsministers des Aeuhern empfing. Laurent erklärte, dah die in dem Briefe des Ministers des Aeuhern gegebene Antwort nicht genüge und verlangte nochmals eine Erklärung der deutschen Regierung, ob sie auf "das Ersuchen der französischen Regierung, französische Verstärkungen nach Oberschlesien zu befördern, einzugehen bereit fei. Hierauf wurde Dem französischen Botschafter unter dem 25. 7. eine schriftliche Antwort erteilt. In dieser erklärte die deutsche Regierung, sie habe es im Hinblick auf die grobe Verantwortung, welche sie 'nÜt ,U)r@ Antwort auf Die Forderung der fran
zösischen Regierung übernehme, für ihre Pflicht gehalten, ihrerseits bei den beteiligten Regierungen anzufragen, ob auch diele den Truppentransport nach Lb.rschlesien verlangen. Die deutsche Re ierung macht in diesem Schreiben daraus aufmerksam, bah sie ii sen Schritt als besonderes Zeichen ihrer absoluten Loyalität den Regierungen gegenüber betrachte, welche in Oberschlesien die Oktup.ttionsmachr ausüben, und knüpfte hieran die Hoffnung, bah die französisch? Regierung die Motive, von Denen die deutsche Regierung sich in dieser Frage hatte leiten lassen, verstehen und würdigen werde.
Da inzwischen die Ansicht ausgesprochen worden war, bah die Entsendung der britischen Verstärkungen nach Obelschlcsien in Mai ds. I^ einen Präzedenzfall für Die franz stsche ForDerur.g Darstelle, lenkte die deutsche Regierung gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf die deutsche Rote vom 5. 5. ds. Is, aus der sich zweifelsfrei ergibt, Dah Die EntsenDung Der britischen Verstärkungen nach Oderschle ien bei allen beteiligten alliierten Regierungen als gemeinsamer Schritt Derselben von Der Deutschen Regierung beantragt worben sei.
In ben auf dieses Schreiben folgenden Tagen wurde der deutschen Regierung bekannt, dah Die Frage Des Truppentransports auf Der Demnächst statt findenden Tagung des Ober st en Rates behandelt und entschieden werden sollte. Sie richtete deswegen an Den französischen Botschafter ein breiteres Schreiben, in Dem sie erneut erklärte, dah sie tm Einklang mit ihrer Auffassung über den Truppentransport Die Entscheidung Des Obersten Rates anerkennen werDe.
Aus Diese letzte Mitteilung der deutschen Regierung erfolgte Der oben bekanntgegebene Schritt der alliierten Regierungen, wodurch die Ange- kgenbeit nunmehr ihre Erledigung gefunden hat.
Die bevorstehende Tagung des Obersten Rates.
Paris, 3. Aug. (HavaS.) Der .Petit Pari- sien" meldet, in London glaube man zu wissen, die Sitzung des Obersten Rates werde ver- hältnismähig tu r a fein. Bei der Tätigkeit des Arbeitsplanes ist das Blatt aber der Meinung, dah 10 bis 12 Tage für die Beartungen notwendig sein würden. Gleich in der ersten Sitzung des Obersten Rates werde eine sehr ernste Frage auftauchen. Es sei gewih, bah General Le Rond betonen würde, dah die Entschließung des Obersten Rates über die Grenzfestlegung in Ober- schlesien gefährliche Ku nbgebungen Hervorrufen würde, sei es nun von deutscher ober von polnischer Seite. Es sei nicht weniger gewih, dah Marschall F o ch, wenn er um seine Ansicht befragt würde, als Mindeststärke der Verstärkungen eine Division angeben würde. Run würde aber die Beförderung einer Division angesichts der sorgfältigen Vorsichtsmaßnahmen 12 bis 15 Tage in Anspruch nehmen müssen. Man erkenne also, dah eine gewisse Frist verstreichen müsse, bevor die Der- bandsmächte ihre Entscheidung über die Teilung des Abstimmungsgebietes fällen könnten mit der unbedingten Gewißheit, dah diese Entscheidung auch geachtet werden würde. — Weiter meldet der „Petit Parisien", dah die französischen Sachverständigen ihren englischen und italienischen Kollegen einen Teilungsplan vorgelegt hätten, der sich auf das Ergebnis der Abstimmung stütze und ganz besonders die geographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse berücksich- ttge. Dieser Plan dllbe bereits den Gegenstand eingehender Prüfung und eines sehr lebhaften Meinungsaustausches.
L o n d o n, 3. Aug. (Wolff.) Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt: Zfoi- schen den hauptsächlich beteiligten Mächten findet augenblicklich ein lebhafter Gedankenaustausch über das Programm der bevorstehenden Pariser Konferenz des Obersten Rates statt. England hoffe, bah bie Konferenz nicht lange währe, unb möchte einen baldigen Abschluß dadurch ermöglichen, dah bie Beratungen auf Fragen beschränkt werben, bie unbebingt ohne weitere Verzögerung gelöst werben müssen. Unter ben Fragen befinbet sich bie o b e r s ch l e s i s ch e Frage, bie Frage ber Rheinsanktionen unb ber Kriegs- beschulbigten unb bie Fragen bezüglich ber Bezahlung ber beutschen Verpflichtungen. Was Oberschlesien betrifft, so scheine bisher wenig Aussicht zu bestehen, bah ber Ausschuh der Techniker unb Sachverstänbigen zu einer Einigung gelange. Die Pessimisten seien ba- her ber Ansicht, bah ber Oberste Rat nicht in ber Lage fein werde, eine konkrete Lösung ber Grenz- frage zu finben unb sich mit Maßnahmen zur Aufrechterhaltung ber Ordnung werde begnügen müssen, wozu die Entsendung von alliierten Verstärkungen nach Oberschleiien gehören könne oder auch nicht. „Daily Telegraph" zufolge ist man jedoch in britischen Kreisen entschlossen, daß die ober- schlesische Frage endgültig geregelt werden soll. Die gleiche Ansicht herrscht bezüglich der Rheinsanktionen. D e Engländer sind der Meinung, daß bie neue Garantiekomnnssion, ber einige Alliierten bie Frage ber Sanktionen überweisen wollen nicht befugt sein kann, Maßnahmen von großer militärischer unb wirtschaftlicher Wichtigkeit, bie ursprünglich vom Obersten Rat getroffen wurden, aufzuheben. In einigen Kreisen besteht laut .Telegraph" bereits Reigung zu einem Ausgleich in Der Sanktionenfrage, indem bie Besetzung Der Ruhrorte aufrecht erhalten, Dagegen bie künstliche Zollgrenze aufgehoben werde. Bezüglich ber Frage ber Kriegsbeschuldigten erscheint es durchaus möglich, daß Frankreich und vielleicht auch Belgien wünschen werden, die Beschuldigten selbst I ^“2onbon, 3. Aug. (WTB.) Die .Times" mißt in einem Leitartikel ber bevorstehenden Pa- I riier Kmfferenz eine ungewöhnliche Bedeutung bet
DaS Blatt schreibt: Die Zeit für eine sehr ernste Besprechung der internationalen Politik der Alliierten sei gekommen, aber heute beute alles barauf hin, bah die alliierten Regierungen im gegenwärtigen Augenblick nicht bereit seien, eine gründliche Erörterung vorzunehmen. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Konferenz nur zusammengeslickte Ausgleiche erzielen werde, ferner daß die bringend,ten und schwierigsten Fragen in den Ausschüssen verschwinden würden. An anderer ©teile erklärt das Blatt, die Berichte aus Oberschlesien über leichtVte Unruhen, wobei ein französischer Soldat verwundet worden fei, seien Zeichen ber in Oberschlesien bestehenden Gefahr und dafür, daß die augenblickliche Ruhe nur scheinbar sei.
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Kabinettsrat in London.
L o n b o n, 3. Aug. (Wolss.) Wie bie Blätter metben, hat heute ein Kabinettsrat unter bem Vorsitz Lll Yb GeorgeS ftattgtfunben. Lloyd George wirb heute abend noch Wales gehen und am Freitag ober Samstag zu rückkehren. Am Sonntag wird er sich zur Konferenz des Obersten Rates nach Paris begeben.
Die Washingtoner Konferenz.
Paris, 3. Aug (Wolff.) .Chicago Tribüne" melbet aus Washington, daß die Botschafter der auswärtigen Mächte an ihre Regierungen eine von Staatssekretär Hughes erhaltene Mitteilung gerichtet haben sollen, wonach die Tagesordnung der Abrüstungskonferenz von dieser selbst aufgcstellt werden soll. Das Staatsdepartement habe gestern mitgeteilt, daß die Länder, die der Konferenz beiwohnen werden^ selbst die Kosten tragen würden. Staatssekretär Hughes habe angekündigt, bah er für fein Departement ein besonderes Budget zur Deckung ber Auslagen fordern werde. Inzwischen sind Der frühere amerikanische Konsulacbeamte in China und Sach- Derflänbtge für die Fragen des fernen Ostens auf ber Friedenskonferenz in Paris, William unb der frühere 2§»teilungschef für russische Angelegenheiten im Staatsdepartement, Milles, zur Bearbeitung ber mit der Abrüstungskonferenz zu- sammenhängenben Fragen ins Staatsdepartement berufen worden.
London, 3. Aug. (Wolff.) Der diplomatische Berichterstatter des .Evening Standard" schreibt, infolge der ablehnenden Haltung der amerikanischen Regierung sei ber Plan einer D o r- konf erenz zu r Washingtoner Abrüstungskonferenz fallen gelassen worden. An der Washingtoner Abrüstungskonferenz sollen teilnehmen: England, dessen Delegierte auch bie Dominions vertreten werben, Frankreich, Italien, Oajxin, China unb bie Vereinigten Staaten. Sowohl Lloyd George als "Brianb werben ber Konferenz beiwohnen.
Genf, 2. Aug. (Wolff.) Die internationale A u s w a n b e r u n g s ko m m i s s i o n hielt am heutigen Tage im internationalen Arbeitsamt ihre erste Sitzung ab. Ihr ist bekanntlich von ber Washingtoner Konferenz bie Aufgabe übertragen worden, der tm Oktober ftattfmbenDen internationalen Arbeiterkonferenz einen Bericht über das Problem ber Ein- unb Auswan - berungen vorzulegen.
Deutschland und der Völkerbund.
London, 3. Aug. (Wolff.) Im Unter- hause teilte Fisher auf eine Anfrage mit, von ber Absicht Deutschlanbs, seine Mitgliedschaft für bieDölkerbunbsversamm- lungzu beantragen, sei ihm nichts bekannt. Daher fei es verfrüht zu erklären, welches bie Instruktionen ber britischen Delegierten fein würben falls ein solcher Antrag gestellt würbe. — Auf eine weitere Anfrage erklärte Fisher, bie Frage ber Aufnahme Deutschlanbs in Den Völkerbund, vorausgesetzt, daß es den Anttag stelle, würde von dem Bund selbst entschieden werden. Die britische Regierung gebe ihren Delegierten keinerlei Instruktion, wie sie bezüglich dieser Frage zu stimmen hätten.
Chamberlain erklärte, Lloyd George sei nicht imstande, der Zusammenkunft der Volker- bundsversammlung im September beizuwohnen Die Regierung beschloß, bah Balfour und Fisher (Linterrichtsminister) als Vertreter ber britischen Regierung an ber Konferenz teilnehmen sollen. Ein brütet Vertreter ist noch nicht ernannt worden.
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Vom ehemaligen Kaiser.
London, 3. August. (Wolff.) Havas. Der Derichterstatter des „Daily Mall" im Haag will wissen, daß der ehemalige deutsche Kaiser mit den holländischen Behörden wegen seiner Steuern in Streit lebe. Der Kaiser behaupte, nur ein Einkommen von jährlich 150 000 Gulden zu haben, während die Behörden sein Einkommen auf mindestens 350 000 Gulden bemessen.
Deutsche Hilfe für Ruhland.
Berlin, 3. 2tug. (Priv.-Tel.) Laut .Dor- wärts" hielten heute vormittag bie Vertreter Der Behr-tben, der medizinischen Wissenschaften, Der politischen Parteien, des Großhandels und Der Industrie Besprechungen mit Dem Zentralkomitee des Roten Kreuzes über bie Hilfsaktion für das Durch Hunger unb Seuchen schwer bedrohte Rußland ab Alle Redner betonten die Rot- wendigkeit der Hilfe. — Der PräsideM des Reichs- gesundheitsamtes, B u m m, erklärte, bah vom ge- lundheülichen Stand puatt aus Die £ faule ra-
bekämpfung in energischster Weise in An- grih genommen werden muhe. Auch die Gefah en Der Verschleppung von Flecktyphus unb anderer Krankheiten Dürfe man nicht a.i# dem Auge verlieren. Wenn wir auch nicht an d r B k.nnpsung der Hungersnot tellnehmen könnten, so trnnicn wir doch unsere medizinische Wissenschaft und unsere hochentwickelte pdarmazeutische 3nbuhrle in ben Dienst ber Choleraöekämpfunz äTi "tJIh- schern Boden stellen. Der Schahmeister des Ro:en Kreuzes betonte, bah er für vier bis füns Monate die Aktion des Roten Kreuzes in Rußland für finanjen gesichert hält. Dr. Adolf Braum von Der ©. P. D. wies aus Die "Notwendigkeit bin, durch das internationale Rote Kreuz energisch die Hilfsaktion ber Vereinigten Staaten und Eng- lands zu betreiben. Die Anw s.nben b.ldtten ein großes Hilfskomitee und einen engeren Ausschuß, worin Die Spitzen ber Bankwelt. Der Inbustrie. ber medizinischen Wi senschast unb ber politischen Parteien unb Gcwerkschrf en vertreten sind. Es wurde beschlossen, vorläuslz nur ein Sanitätsschifs mit fünf Aerz len und 20 Hilfspersonen nach Rußland zu entsenden, um erst zu prüfen, ob Die russischen Verhältnisse unD bie Haltung Der russischen Regierung eine ungestörte unb nützliche Tätigkeit entfalten lassen. Da aber Die Cholera bereits btS Warschau vor- gebrungen ist, unb sogar Dan U als seuchen- verdächtig angesehen wird, wird eine Aktion In größerem Stil als notwendig angesehen.
Frankreich nnb Nnsriand.
Paris, 3. Aug (Havas.) Einige Blllter hatten gemel et, b ß wischen e nem f an ö ls hei Ter* tretet unb dem Führer der bollchewisttichen Abordnung in London, Krassin, Verhandlungen eingeleitet worden seien, zwecks Anerkennuna der Schulden des eh mll gen russ schen Kaiserreichs durch bie Sowjets. Diese Rachricht wird amllük dementiert.
Paris, 3. Aug. Havas. Driand hat da Alliierten vor^eschlagen, auf die Tagesordnung der Fragen, Die dem Obersten Rat nach ber Prüfung des oberschiefischen Problems vorgelegt werden sollen, die Frage der Möglichkeiten zu setzen, mit den Vereinigten Staaten in lediglich humanitärem Sinne an ben Maßnahmen zur sofortigen Versorgung R u ß l a n b s teilzu nehmen, um, soweü es möglich ist, bem Hunger entgegen* zuwirken, ber das Wolgagebiet zerstört. Die Havasagentur glaubt zu wissen, daß die Absichten der französischen Regierung dahin gehen, Rußland angesichts der durch die Hungersnot geschaffenen Lage eine vorläufige Hilfe zu kommen zu lassen. Die Hilfsmittel könnten durch Privatorganisationen wie das Rote Kreuz verteilt werden. Es handle sich nicht darum, normale Handelsbeziehungen anzuknüpfen, tote eS England und Amerika erstreben, was bie tatsächliche Anerkennung der Sowjetregierung bedeuten würde. Die Intervention der französischen Regierung hätte nur einen humanitären, aber keinen politischen Zweck.
Die Vorarlberger für den Anschluß an Deutschland.
Wien, 3. Aug. (Wolff.) Wie bie Deutschösterreichische DauernLrrespondenz mitteilt, fand in Bludenz (Vorarlberg) am Sonntag eine große Versammlung deS unabhängigen Bauer nbun- des des Vorarlberges statt, worin neben den österreichischen Bauernführern auch bie Vorarlberger Dauemführer, welche noch vor zwei Iahren für einen Anschluß an bie Schweiz sich erklärten, unter braufenbem Beifall aller Versammlungsteilnehmer für ben Anschluß an Deutschland eintraten. Damit scheint bie Vorarlberger Anschlußbewegung an bie Schweiz völlig fallengelassen zu sein. Käme es zu einer neuen Volksabstimmung, so erklärte ber bekannte Politiker Dr. Ritter auf dem Bauernwae, so wäre schon heute eine Mehrheit von 70 Prozent für ben Anschluß an Deutschlanb sicher.
Protest qeqen die tschechischen Ausschreitungen.
Prag, 4. Aug. (WTB) Tschechv-slowakb sches Pressebureau. Die beutschen Parteien beriefen eine Volksversammlung als Protest gegen die von ben Legionären am letzten Sonntag veranstaltete Kundgebung nach 21 u f f la ein. Die Versammlung, bie erst genehmigt wurde, würbe Dann verboten, ba man erklärte, baß eS aus diesem Anlaß zu Ausschreitungen kommen könnte. Die 2krfammlung fand infolgedessen nicht statt. Es kam aber zu einem Auflauf der Menge, in dessen Verlauf die Gendarmerie einfefarette» mußte. Es erschienen auch bemo&Uifierte Legionäre, bie bie Menge ausetnanderjagten. In bet Teplitzerstraße griffen bie Legionäre gleichfalls ein. Dabei fielen einige Schüsse, burch bie zwei Personen verwundet wurden. In et er hierauf folgenden Rauferei erhiell ein bLjähriger Arbeiter eine Stichwunde in bie Lunge, an beren Folgen er alsbald starb. Die Menge wurde bann von bet Gendarmerie zerstreut. Die Legionäre zogen unter Gesang durch bie Stabt Abends trat Ruhe ein.
Wien, 3. Aug. (WTB.) Aus Prag wird gemeldet: Rachdem es in ber Aachtsihung deS Abgeordnetenhauses zu Lärmszenen zwi:chen ben beutschen unb tschechischen Äbgeo rd* neten gekommen war, wobei brei beutsche Abgeordnete von ber Sitzung ausgeschlossen würben, schilderte nach vorübergehender Untercredjung der Sitzung durch den Präsidenten, der heutige Abgeordnete Bollmann, wie das deutsche Turnfest in Posteiberg durch bie Tschechen gestört worden fei Diese seien in zwei Lastauws und mit ben Eisenbahnzügen angekommen unb mit Gewehren und Dellen bewaffnet gewesen. Ungefähr tausend 2Kann stark zoaen sie» Hetzlieber fingenb, nacht- D>ii-ch faie Straßen.


