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Nr. 257 Zweites vlatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Mittwoch, 2. November 1921

gemeine soziale Versorgung bringen dem nen soll. Der 5 Reiche eine M e h r b e l a st u ng von nicht we-1 ReickSkanHlerS,

tciluni

bti einem (Brunbqebalt von

6400

4600

4000

3200

2400

über 38000

3200

2400

2000

1600

1200

4000

3000

2500

2000

1500

4800

3600

3000

2400

1800

der Beamten beträgt im den bisherigen Bezügen

7200 5400 450) 3600

2700

8000

6000

5000

4000

3000

5600

4200

3500

2800

2100

12700 bi» 1520)

16700 bi»

25600

bi» 11600

25600 bi»

33000

15200 bl» 15600

11600 bi»

12700

34 000, Ober- 45 000,

Die Besserstellung Durchschnitt gegenüber 25 btS 30 Prozent.

Die Neuregelung des Besoldungswesens. Die zwischen der Reichsregterung und den Beamtenverbänden vereinbarte Erhöhung der

übergibt das Manuflrtpt in dem von ihm vor- '»cfundenen. nicht völlig fertigen Zustande der deffentlirfjleit. Auf ein allgemeines Kapitel, insbesondere die Beziehung zwischen ^riegSführung und Politik erörtert, folgen vier pezielle Kapitel, ..Polen-, .^k-Bootkrteg". .Wilsons Aktion", dasZri.dcnSangebot der Mittelmächte". und schlichlick ..Das erste Halb- ahr 1917". das mit der Demission des Reichs-

OrtSklaste A . B

. C

D E

Beamtenbezüge, einschliehlich derjenigen der Wehrmacht. jedoch ohne Ausgabe für die all­

zu m Weltkriege" von Bethmann- H o l l w e g, der in den näd sten Lagen erfchei- nen soll. Der Sohn des verstorbenen früheren , Selij De Hmann-Hvllweg,

Stioniräte usw.): Alk. 30 000, 32 000, 000, 38 000, 40 000. 42 000, 44 000.

Gruppe XII (Obcrvegierung<rdte, post rät« usw): Ml. 33 000, 41500,

Milliarden jährlich zu rechnen.

Die Verhandlungen wegen einer Er­höhung der Löhne der Dahnarbeiter beginnen heute. Bezüglich der Pensionäre und Hinterbliebenen hat sich die Reichsre­gierung bereit erklärt, den Pensionären densel­ben LeuerungSzuschlag zu bewilligen, den Preuhen und Bayern bereits zahlen. Das Reich hat seinen Pensionären bisher lediglich die Hälfte der Teuerungszuschläge seiner Be­amten gegeben, während Preußen und Bayern darin keinerlei Unterschiede machten. Runmehr sollen auch beim Reich diese Unterschiede Weg­fällen.

Die neue DesoldungSordnung sieht fol­gende Staffelung der Grundgehäl­ter vor:

Grupp« I (Schrankenwärter usw.): Mark 7500, 8000, 9000, 9400. 9800, 10 200, 10 600, 11 000. Gruppe II (AmtSgrhilsen. Bahnwärter usw.) All 10 00), 10 400, 10 800, 1120), 11600, 12 000. 12 400, 12 700, 13 000.

Gruppe III (Postschaffner usw): Mark 11 500, 12 000, 12 500, 13 400, 13 800, 14 200, 14 600, 15 000.

Gruppe IV (Kanzleiassistenten usw.): Mark 12 500, 13 000, 13 500, 14 000, 14 800, 15 200, 15 600, 16 000.

Gruppe V (Zugführer usw.) Mk. 13 500, 14 000. 14 5)0, 15 000. 158.0, 16 200, 16 600, 17 000.

Gruppe VI (Sekretäre. Bahnmeister, Loko­motivführer usw.): Mk. 14 500, 15 200, 15 900, 16 500, 17 100, 17 700. 18 300, 18 900. 19 500.

Gruppe VII (Obersekretäre Postmeister usw): Mk. 16 000, 16 9)0. 17 700, 18 500, 19 3)0, 20 100, 20 900, 21 700, 22 5.0.

Gruppe VIII ("Landmesser, Regierungs­inspektoren, Eisenbahn Inspektoren usw): Mark 18 000, 19 200, 20 400, 21 600, 22 800. 24 000, 25 000. 26 000.

Gruppe IX (RegierungSoberinspektoren. Oberpostinspektoren ufto). Mr 21 000. 22 500, 24 000. 25 500, 27 000, 28 570 30 000, 31 00).

DruppeX (Regie u g röte, i.egationSsekr«- täre, Zollräte usw ): Mk. 25 000, 26 800, 28 600, 30 400, 32 200, 33 800, 35 400, 37 000.

Grupp« XI (Posträte, Postdirektoren. 2c-

48 000. 51 000. 54 000 57 000.

Gruppe XIII (Ministerialräte bei den ober­sten Reichstehörten, Konsuln usw.): Mk. 53 000, 60 000. 67 000. 74OCO, 8) 000. »

Innerhalb der einzelnen Gruppen steigen die Gehälter jeweils alle zwei Jahre zu dem nächst höheren Betrag

Die Einzelgehälter für die obersten Beamten­gruppen betragen:

Gruppe I (ReicbSgerichtSräte ufto.): Mark 80 00): Gruppe II (Oterpostprc f.denten der größ­ten Oberpostdirektionen. Präsidenten der groben Landes)i anzämter ufto.) Mk. 9) 000; Gruppe III (Oberreicheanwälte, Mrnisterialdirektoren ufto.): Mk 105 000; Gruppe IV (Staat«).feetäre): Mark 140 000; Dr-uppe V (Reichsminister): Mk. 18)000.

Die OrtSzuschläg« zeigen im einzelnen Fall folgende Staffelung:

' QIuf ft eilen der Kehrichtgesätze. Sine ordnungsmässige und reinliche Art ter Auf­bewahrung des Hauskehrichts toirb durch die Ver­wendung der mit Deckel versehenen Kehrtchtge- säste, wie sie von hiesigen Firmen in den Handel gebracht werden, sehr gefördert. Diese tunten Kehrichteimer mit Tragbügel und daran befestig­tem Deckel verhindern das HerauSscharren und Verschleppen des Kehrichts durch Hunde, erleich­tern die Entleerung ter Behälter bei ter Abfuhr und sind, wenn sie, wie vorgefchrieten. innerhalb der Hof reiten an den Eingängen ausgestellt and nach Entleerung alsbald entfernt werden, für das Strahenbild nicht mifcflänbig. Da die Kehricht­abfuhr morgen« 8 ülhr beginnt, empfiehlt eS sich, die Kehrichtgesäte erst in den Frühstunden deS betreffenden QlbfuhrtageS herauszustellen und nach ter Entleerung alsbald wieder zu entfernen.

Strahenfperre. Die Stratzensperre der Kaiser-Allee zwilchen Moltke- und Georg- PhiliPP-Gail-Ltraße ist wieder aufgehoben.

Landkreis Gießen.

E 11 in gebauten, 2. Rov. Die Gemeinden Ettingshausen und Hattenrod feierten am Sonn­tag daS Erntedankfest. Die Kollekte betrug in Ettingshausen 90) Mark, in Hattenrod 678 Mk. Das ist ein Beweis, dah die Bauern nicht nur für# Rehmen sind, wie Ungerechte verallgemei­nernd sagen, sondern dah die Mehrheit einen offenen Sinn hat für di« Rot der Zeit. Die Kol­lekten sollen für Oppau verwandt werten.

Starkenburg und Rheinhessen.

sw. Darmstadt, l.Rov. AlS erste Ur­aufführung in dieser Spielzeit geht am Donners­tag den 3. Rovember im Hess. Landes- Theater unter persönlicher Leitung des Inten­danten Gustav Hartung Heinrich AntonS Spiel in drei Teilen .Blut du bist Blut" in Szene.

Reiche eine Mehrbelastung von nicyt we nlcer als 20 Milliarden jährlich. Diese Mehr- belafUing wird sich jedoch noch bedeutend ter gröhern. Wenn ncmlid) die Erhöhung bet Löhne und die Bezüge für die Staatearbeite. und Angestellten, für die allgemeine sozial. Versorgung von Rentenempfängern. für dic ^Pensionäre. Hinterbliebenen und Diärare iwd hinzukommt, ist insgesamt mit einer finanziel­le i: Mehrdelastuna deS Reiches von rund 3C

Neue Deröffenllichungen aus Dethmann - Hollwegs Nachlah.

Die Berliner Blätter bringen Auszuge aus dem 2. Teil der ..Betrachtungen

Die Verwendung von Brief- um schlagen ungewöhnlich Heiner Form, wie sie zur Versendung von Besucht- und Glückwunschkarte,! vielfach im Gebrauch sind, ist für den Postbetrieb in hohem Grade unerwünscht und auch für die Allgemeinheit mit erheblichen Rachteilen verbunden. Rach Abrechnung des Rau­mes zur Aufklebung ter Freimarke und zum Abdruck des Ausqabestcmvels bleibt für eine deutliche und vollständige Anschrift ein völlig unzureichender Platz. Die posttechnifche Behand­lung solcher Briefe, namentlich die Stempelung, ist wegen der kleinen Form in jeder Beziehung schwierig. Mit den mechanisch betriebenenStempel- maroinen, auf deren volle Ausnutzung grober Wert gelegt werten muh, können solch« Breschen überhaupt nicht abgestempelt werten. Das Der» gSgeschäft wird zum Schaden aller vor­liegenden Briefsendungen erheblich verzögert, Zu teilbaren Brief bunten lassen sich die Brieschen nicht zusammenschnüren. Auterdem besteht die Gefahr des Einschiebens in 'Drucksachen, selbst in solche kleiner Form, so dah die Briefe verschlagen werden und Verzögerungen erleiden oder in un­richtige Hände kommen und ganz verloren gehen. Die Öffentlichkeit wird daher von amtlicher ©eite im eigenen Interesse ersucht, derartige kleine Briefumschläge nicht zu verwenden.

Aus Stadt und Land.

Gieyen, den 2. Rov. 1921.

* Der Monat Rovember. .^Trübe wird'S, die Wolken jagen", sagt der Dichter. Und wo der Rovember bildlich dargestellt wird, vergibt man wohl auch die fallenden Blätter und Nebelschleier nicht, die diesem Monat daS ihm eigentümliche Gepräge geben. Der Rovember ist der Monat der Melancho­lie. Denn wie kein Monat Im Jahr erinnert er an das Vergehen alles Irdischen; keiner wie er führt so zwingend zur ernsten, stillen Ein­kehr und zum Gedanken an den Tod! Fast selbstverständlich erscheint'« uns daher, dah er Allerseelen. Buhtag und Totensonntag in sich schließt. Der RameRovember" hat seine Be­deutung in dem lateinischen Worte novem, das hechtneun. Denn bekanntlich begann einst­mals bei den Römern das Jahr nicht mit dem 1. Januar, sondern mit dem 1. März.

Amtliche Personalnachrichten Ernannt wurde am 25. Oktober ter Geometer 1 Klasse und Assistent an ter Technischen Hoch- fctele zu Darmstadt Emil v cha u b zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1921 ab zum Der- mefsungSrat an ter Technischen Hochschule zu Tarmstabt. Ernannt tourte am 26. Oktober 1921 ter Gerichtsaffeslor Adolf Schudt aus Mufchenheim zum Am Srtchter bei dem Anus­gericht Ulrichstein mit Wirkung vom 15 .Rovember 1921 an.

"DieneuenBettkartenpreise. Ab­weichend von den übrigen Erhöhungen im Per­sonenverkehr. hat das ReichsverkchrSministerium die Erhöhung ter Bett kartenpreise bereits zum 1. Rovemter ungeordnet Die neuen Preise teer­ten b.tragen in ter 1. K asse 140 (bisher 8)) Mark, 2. Klasse 70 (40) Mark. Die Dormerkgebühr für die DorauSbestellung von Bettplätzen beträgt für die Bettkarte 1. Klasse 14 (6) und 7 (4) Mark für die Bettkarte 2. Klasse. Der Preis für die Bettkarte 3. Klaffe toirb voraussichtlich 40 Mark betragen, die Dormerkgebühr 4 Rtark.

kanzlerS abschlicht.

Der ..Vorwärts" nennt das Buch eine warmherzige Verteidigung des deutschen Vol­kes und eine furchtbare Anklaae gegen den mllirärtschen Führer Ludendorff. AIS Widerlegung zu der sogenannten ..Dolchstoh- legende zitiert das Blatt folgende Stelle aus dem Buche: . ,

.Versagt hat Deutfch'ands Widerstandskraft erst."als. vom Zusammenbruch seiner Dnntes- genoflen begleitet die amerikanische Kriegshilfe daS feindliche llebergewichl an Menschenmaterial zum Ueterqucllen brachte; einer Koalition, te.en Bevölkerung 878 Millionen Streiter stellte und die frei über die Kriegsmittel fast ter ganzen Welt verfugte, fielen, nahezu hermetisch abge­schlossen, die Zentralmächte mit ihren 143 Mil­lionen Menschen nach heitern Ringen zum Opfer. Das ist ter weltgeschichtlich? Vorgang."

Ein grvher Teil deS Buches ist den Frie­densbemühungen gewidmet; u. a. heißt es dar­über:

.Unabhängig von den österreichischen De­marchen taten sich während deS Äricged zum ersten Male im Frühjahre 1917 Anzeichen auf, alS ob die Entente zu Gesprächen über den Frieden bereit sei; verläßlich wurde festgestellt, dah einsluhreiche Männer Frankreichs und Bel­giens nicht abgeneigt teuren, sich mit Deutschland zu begegnen. Für Frankreich war Briand als bereitteiUlg zu einer Aussprache angeteuiet Für September tourte eine Zusammenkunft desDarons von der Lancken mit Drtand fest vereinbart, allerdings im letzten Augenblick durch R i b o t verhindert."

D«r VogelSbergornithologe Karl Fifcher-Laudach teilt unS folgende Beobachtung mit In ter letzten Woche begann der Hauptstrtch ter nordischen Zugvögel Grote Scharen von (Inten und Grangänsen, aber auch Flüge von Kranichen tagen über unsere Gegend babin. S» ist wobl bekannt, dah die Kraniche betontere uni die Zeit ter Abenddammerang ziehen und sich alS Rast und Acsungostellen frischtestelltc Saalstücke auStoählen. Unbekannt ober wenigüenS leiten ist der nächtlich: Zug der graugef.CL'crlen Stelzbeine des RordenS. Desttaib war tch sehr überrascht, um di« Mitte der vorigen Woche in einer herbstlich frischen Regennacht in nicht unbeträchtlicher Höhe die .Trompetenrufe" teS Kranichs zu hören. AIS Grund dieses nächt­lichen Zuges könnte man annehmen, dah die Tiere aus ihrer Rübe aufgescheucht wurden. Aber dagegen spracht wieder daS ruhige Verhalten ter Kran.che. die unter beständigem Coden den Kurs nach Südwelten hielten. Die Temperatur betrug 5 Grad LeisiuS, schwache Winde kamen auS Rordwesten. Der bekannte Tierforscher Dr 3- Gengler vertritt in feinem bekannten Werke fc n:r Forschungen Di der aus dein Bogel- leben > Thoma-.'vertag Leipzig« die Ansicht, bah auch nicht ausgesprochene )cachtoögel zu'- Zua-c.t oes Rachts ziehen; toue ater Ixer in d'.esem Falle der Grund des nächtlichen ZugeS ist, bleibt wo HI unertoielen. Die Tiere zogen in diese. )lacht unter vollkommen vt.tedtcm Himmel (hatten also keinen führenden Himmelskörper, und muhten nut dem Bicbcrqcben zur Aesung biS zum Morgen , X?. * . 4 (t A« o

2.'. I.ir.en Rasto.t gefunden Haien.

Areit Wetzlar.

d Wetzlar. 1. Rov Der Kreisau-schätz hat eine Bergnügungssteaerordnung erlassen, nach der ter Kr«-cS für alle im Bezirke tes Krelles Wetzlar stattfindenden Vergnügungen bis aus weitere» eine Vergnügungssteuer in Höhe von 5 Prozent der Satze erhebt. w.< Ite di« Städte und Landgemeinden des KreiseS festgesetzt baten.

d. Dornholzhausen, 1 Rov An Mon­tag l.achmifag sand hie. im Saale ter Gast­wirtschaft Dch.eserstem die V e f a in m (u n fl des WrrttchaftSbundeS (Gr pp. W hl t und HesfeN-2lasiaui statt, in ter yrc| D. o r neffer (Gieten) über das Thema .Die Rot- tocnbigteit teS wirtschaftlichen v usammensch'.u ses' 'prach Der Redn«. crnl.te mit seinen aus merk- 'am verfolgten 2 ssühningen, die von dem Ge­danken getragen waren, durch Oini.it U und Ar­beit wirtschaftlich wieder in die Höhe -u kom­men, reichen B ifall. 5>ic Versammlung war na­mentlich auch von den umliegenden Ortschaften gut besticht.

Hcffen-Rasfau.

Frankfurt a. M, 31. Okt Gestern abend gegen 11 llhr hat Ich in G n kh e i m eine a tot 11 e Bluttat abgespielt, ter leider anch ein Men­schenleben zum Opfer gefallen ist. An ter Mauer des neuen SchulhauseS Halle sich eine Gesell­schaft junger Mädchen niedergelassen. die mit verschiedenen Burschen aus Vilbel eine lebhafte Unterhaltung führte. Der 24jährige Sohn Wil­helm deS Schuldieners Heiliger kam auS bei elterlichen Wobnung. um i achzufeh.m, ob fein« 17jährige Schwester sich auch unter ter Gesell­schaft befinde, um sie eventuell mit nach Haus zu nehmen. AIS Heiliger sich entferne i wollte, kam es zu einem kleinen Wortwechsel, wobei einer der Dilbeler Burschen einen Dolch zog und dem Heiliger einen Stich in die rechte Kopfseite bei­brachte. Der junge Mann tour so schwer q troffen, dah er von ter Rettungswache na dem Heiligen-Geist-Hospital verbracht werdet muhte, wo er heute früh um l/}4 llfor seinen Ver­letzungen erlegen ist Als Täter tourte der 20jährige Arbeiter Beyer auS Vilbel verhall« Beyer leugnete zuerst, mil der Tat etwas zu tun zu haben, gestand aber später sein Ver­brechen ein, nachdem ihm die Polizei nach- gctoicfcn hatte, dah er selbst Verletzungen am Kopse davongetragen Halle.

sj M a r 6 u r g. 1. Rov. 3n den letzten Räch­ten wurden hier t>erschietene Ginbrüche ver­übt. In ter Südbahnhofswirtschaft fielen den Dieben Ehwaren und Zigaretten und in einet Damenschneiterei wertvolle Stoffe und verschie­dene Kostüme in die Hände. 3m Wartesaal btf Hauptbahnhofs beschlagnahmte die Polizei qfrneji Sack mit 85 Pfund Schweinefleisch. Der Eigen­tümer meldete sich nicht, weShalb vermutet wird dah eS sich um gestohlene Ware hantelt.

toa. Odenhausen, 30. Okt. Für die Oderschlesier wurden heute in unserer Ge- meinte 467,20 Mk. gesammelt. DaS Gell wurde durch den Vorsitzenden des Roten- Kreuz°-Vereins, Lehrer Höchst, nach Giehen abgesandt. Die Kirchenkollekte für Oppau ergab den Betrag von 53 Mk. 3n nächster Zeit wird durch die Bürgermeisterei auch noch eine HauSsammlung zu demselben Zwecke ver­anstaltet. ä

I. Hattendorf (Kr. Ziegenhain), 31. Okt. Run hat auch hier daS e l e 11 v i I d) c Licht endlich seinen Ginzug gehalten. Am ergangenen Dcnnerstag fand die Ginschaltung deS StromeS stall Am gleichen Tage b.gann die Klrm e S, die bis zum Sonntagabend dauerte und zugleich als Lichtfest gefeiert tourte.

(J Lohra, 1. Rov. Am Sonntag tourte hier in feie diäter Weise zum Gedächt iZ der 35 Kriegsgefallenen au« unserem Orte ein Denkmal eingetoeiht. Die Weiherete hielt Pros. Wedekind au« Marburg. Super ihm sprachen noch Pfarrer Wolf, Pjarrer D ü d l n g Lehrer Geiger und ein ©emdntebertretcr.

Kirche und Schule.

js Marburg, l.Rov. 3m PhilippShaust fand die Ermittelung des Ergebnisses der Kirchenwahlen in der lutherischen Diözese Marbur.vK rchhrin-F an cnb?rg-Döbl statt In»« gesamt wurden 13 676 gültige ö.Immen abgegeben. Davon entfielen auf die Liste Landau 12 232 und auf die Liste Heerinann-SpeckSwln- kel 1444 Stimmen. Dorn Wahlvorlchag Landau gelten als gewählt in ter Gruppe A Superinten­dent Landau- Marburg, Pfarrer Werner- Eappel, Pfarrer K o ch - Frankenberg; Gruppe ö: Bürgermeister Garthe- Wangershausen, Zim- mermeifter Müller-Riederasphe, Bürgermd* fier a. D Prediger- Kirchhain; Gruppe C; Lehrer Flor-Schto i Sd.rg und M urer B. Stauzebach- Bürgeln. Don ter Liste Heer-

Der Schutz im Blut.

Roman von Horst Bodemer.

27. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

13.

SS tourte nichts mit HanS. Zur Arbeit hatte er keine Lust, zu Dummheiten umsomehr. Sobald man ihm gut zureteto, gelobte er Besserung, oft mit Tränen In den Augen. Und fünf Minuten später ledte er sich die Lippen, Pfiff sich etnS und überlegte, was er nun anftellen könne. Lief ihm einer seiner Spietzgesellen über den Weg, warS um ihn geschehen. Und die Spietzgesellen waren tollste Sorte! . Eine Stufte später tob er dann in Fritzlar in einer Kneipe, in der er sich Kredit zu verschaffen getouht hatte gegen Lieferung landwirtschaftlicher Produkte, am Klavier, spielte die ruppigsten Gassenhauer und die Arbeiter groMtcn bei Bier und Lembacher Kcrn dazu. Qlatürlid) kam Grobvater bald da­hinter, dah Äartcffeln und Getreide sackweise verschwa-rten, datz Ster un^ Hennen fehlten. Da legt« sich HanS uneter mehr und mehr auf die Zagd Zwei Arbeller, die abends auf) eine Kosten tranken. sie waren bekannt als Wilddrete brachten ihn bald so wert, datz er nachts mit ihnen in den Züschener Waldern jagte. Dort gab es noch Hirsche und Wildschweine, das lohnte sich bester, denn dem Wirt kam es in erster Chile auf die Masse an. Llusgeprägte Fein­schmecker waren seine Stammgäste ja nicht. Und für ihr Seid wollten sie den Teller voll haben. Ratürtich im Hinteritüdchenl

DaS erstemal schlug Hans das Herz doch tüchtig an die Rippen. Der Teufel auch! Hinter

jedem Dusch konnte ter Züschener Förster stecken und rufen: .Halt! Hänte hoch!" Und tat manS nicht gleich, bekam man eine Kugel ins Felll... 21ch was! Der Wald war groy. und ter Förster lag nachts meistens, wie andere Leute, im Bell. Außerdem waren sie zu drill!

Sin paarmal war'S gut gegangen. Vater halle ihn zu Hause in ter letzten Zeit sogar eingeschlossen, alS ob das etwas helfe, wenn einer wie er an die frische Luft wollte. Das gewöhnte er ihm nach und nach ab. Die Wilddieberei wurde zum Vergnügen für ihn. Sr schott wie Gift! Die anderen waren aufs Wildbret versessen, ihm gab'S Spatz, sich an das Wild zu pirschen und bei schlechtem Düchscnlicht doch einen guten Blatt- schutz zu leisten. Das blieb die Hauptsache, denn, ging ein Stuck Wild flüchtig ab. bekam man's nicht, Rachsuche war ja ausgeschlossen, und dcm Baron tourte gemeldet, datt to.-i'-tounte3 ober verludertes Wild gefunden worden war. Dann patzte man natürlich auf die nächtlichen Schietzer und erwischte sie doch einmal. Hans sagte sich daS. aber in der Geladr lag ein Reiz, ter ihn bei mondhellen Rächten immer wieder in die Züschener Wälder zog . . .

Ter Oekonvmieral machte seinem Sohne Vor­würfe.

,Du patzt auf den Zungen nicht genug auf!* ,3a, was soll ich denn tun?"

Cki war schwer darauf zu anlloorten. Hans hatte eben vor nichts mehr in ter Well Ach­tung

.Herrgott, er hat so gute Anlagen! Gin hingeworfenes Wort und er versieht mich! Ob er pflügt oder auf ter Mähmaschine sitzt, aus­

gezeichnet macht er seine Sache, solange er gerate will" . . .

.Und dann ist er plötzlich auf und davon. Irgend etwas ist ihm durch den Kopf geschossen, natürlich eine ausgefallene Dummheit!"

Der Oekonomierat machte ein nachdenkliches Gesicht

.Das versteh ich oben nicht! So ein heller, sehniger Kerl und plötzlich ein Schlappstiefei, wenn ihn irgend eine Verführung lockt!"

Der Henner sah finster vor sich hin.

.Gr bat eben zu viel .Schutz im Blute"! Und abzavfen können wir ihm das nicht. Wenn ich ihn auch halb tot prügelte!"

Da ging ter Oekonomierat wieder unter seine Hainbuchen. Hier war er noch immer zu einem festen Entschlüsse gekommen. Diesmal ater sah er keinen Weg. ter zum gewünschten Ziele führen konnte. Datz .der Schutz im Blute" zu grotz sein konnte, war natürlich nich'.S als eine be­queme Ausrede Henners. Ater dem immer wieder zu sagen. Hättest du gefälligst Hans früher die Hosen straff gezogen, hatte heute keinen Zweck mehr Man konnte den Zungen doch nicht nachts an die Kelle legen! Unb sich ein Versprechen in die Hand geben taffen? Der Zunge hätte es sofort getan, mit Tränen in den Augen, wäre auch ganz vergeblich gewesen. Um das hatte er sich in fünf Minuten doch nicht mehr gekümmert. Hans mutzte einmal ganz gehörig reinfallen, viel­leicht nahm er dann Vernunft an

Wieder war er mit den beiden Arbeitern im Züschener Forst Wilddieben. Herbst war es, ber Hirsch schrie Da war an mondhellen Rächten wahrscheinlich auch ter Baron in feinem Re­vier, jedenfalls ter Förster, um starte Hirsche

ju verhören. Ausserdem sollte nächstens Zagte bestich nach Züschen kommen und zwar ter Ober- Präsident. Für den tourte natürlich ein Hoch- geweihter auSgemacht. Siner wechselte mitunter durch'S Züschener Revier, ter war ein 61aalte kerl. Auf einer Lichtung, unweit ter Hada­marer Grenze, lieh er seinen Kampfruf erschallen. Seit Hans den gesehen, stand bei ihm fest: den Hirsch, einen Sichtzehnender, lieh er keinem an­dern. Schon einmal hatte er den Finger auf ihn krumm gemacht, einer der Arteiter war unvor­sichtig gewesen und ter Hirsch war mit seinem Rudel in langen Fluchten abgegangen. So wü­tend war er in feinem ganzen Leben noch nicht gewesen! . . . Die Arbeiter bekamen eS mit ter Args» zu tun, wollten in ter näch ten Zeit nicht wildern. Die hatten einen guten Freund in Zü­schen, ter ihnen gegen .Abgabe" mitteilte, wie es auf dem Schlosse und im Förster hause aite sah Schon ein paarmal waren sie unvorsichtig gewesen, well Hans sie gedrängt hatte, mitiu- kommen. Sie lehnten ab, in ter nächsten Zell mit ihm zu gehen. Grwischen wollten sie sich nicht taffen.

.Traurige Dante," hatte Hans gesagt. .Habt wohl Angst, euch könnte mal 'ne blaue Bohn« um die Ohren fliegen, ihr Zammergestelle?"

Viel hätte nicht gefehlt, und er hätte Hiebe bekommen.

Da ging er eben allein! Zwei Tage hatte er den Hochgetoeihten nicht mehr schreien hören. Hatte ihm einer den Hir'ch vor bet Ras« weg- getajeffen! Er ging nach Züschen zu den Zu­trägern.

(Fortsetzung folgt)