Ausgabe 
2.7.1921
 
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Unterhaltung > Erhebung > Belehrung

Bei Muttern.

Don Artur Brausewetteck).

GS waltet ein ewiges Gesetz der Vergeltung. Man muh erst selbst Kinder haben, trm ju wissen, waS Vater und Mutter find, und wie Weh man ihnen oft getan, mutz erst alt und grau werden, um den ganzen Wert und das ganze Glück zu er­messen, das im Besitze einer Mutier liegt. ES ist ein eigen und schön Ding, toerm man noch sagen tonn:Meine Mutter". Man sagt eS wie ein Kind, das sich heimwärts sehnt, etwas Weih­nachtliches liegt in diesem Worte, warme Woh­ligkeit und Geborgenheit strömen aus ihm. Man hat noch einZuhause", solange man eine Mutter besuchen tonn. Ja, man mag längst in einer glüeMchen Ghe leben, sich wohl und zufrieden im Beruf und in seinen vier Wänden fühlen, das etgentlicheZuhause" bleibt bei Muttern. Da kommt man sich wieder wie ein Kind vor, vergitzt, was man inzwischen alles erlebt, durchkämpft, erlitten, wird jung und zufrieden und froh und lässt mal ordentlich für sich sorgen, wahrend man für andere sorgen mutz.

GS versteht es ja auch keiner so, wie sie, selbst die beste Frau oder Schwester nicht. Sie aber weiß ganz genau, was ihr Zunge von frühester Kdrdheft an geliebt, welche Speisen er bevorzugt, wie er den Fisch und wie er das Gemüse gern bereitet sieht, welches seine Neigungen und Ge­pflogenheiten bei der Mahlzeit sind. Gewiß, die Frau hat auch die Rezepte der Mutter alle ickcht, denn als kluge Mutter behält sie sich einige immer vor, die sie dem Sohne allein vorsehen will, die er eben nur bei ihr bekommt. Aber mag die Frau eine noch so gute Kochkünstlerin sein und an den Zutaten nicht sparen, so wie die Mut­ter vermag sie eS doch nicht herzurichten. Es ist ein Etwas in ihren Speisen und Gerickten, Las niemand nachahmen kann, es duftet und schmeckt alle- so nachHause", es ist einem, als wäre man wieder daheim an dem alten runden Fami­lientisch, als der Vater noch in der Mitte sah und die Brüder und Schwestern um einen herum. Wo sind die geblieben? Wie einsam und allein ist man geworden I

Aber Gott sei Dank, die Mutter hat man noch. Früher kamen mir die zum Volkslied ge­wordenen Verse:Wenn du noch eine Mutter hast, so danke Gott und sei zufrieden" immer ein wenig seicht und abgeleiert vor. Jetzt, nachdem das ßeben einem so Schweres gebracht, seit dieser grausame Krieg in den Reihen der Allernächsten so unerbittlich aufgeräumt, lernt man sie ver­stehen und lieben.

Wir haben das Schwere alles miteinander durchgemacht und getragen, die Mutter und ich Sie hat sich als deutsche Frau erwiesen, wie ich eS auch nicht anders von ihr erwartete. Zwei verheitzende, liebevolle Söhne, in einem Zeit­raum von wenigen Wochen verloren es.war sehr hart. Unb sie tonnte kein anderes Glück als Ihre Kinder.

Früher hatte ich manchmal nicht Zeit, sie so oft zu besuchen, wie sie es gern sah. Jetzt habe ich stets Zeit, es gibt ja nichts Wichtigeres ' mehr. Schließlich kennt die Liebe den Begriff *Zeit haben" wohl überhaupt nicht, And früher ich muß es gestehen, waren diese Besuche 1 ^er eine Art von Verpflichtung. Jetzt sind sie eitel Freude geworden. Ze lichter es um einen wird, . und je alter man wird, um so mehr empfindet man da- große Glück, daß es noch Menschen gibt, die sich auf unseren Besuch von Herzen freuen. Biele sind eS nicht mehr.

Wir sitzen in den alten behaglichen Sesseln die früher in derguten Stube" gestanden und auf die ich mich noch so genau von meinen

Za. wenn man so ankommt! Auf den Bahn­hof tonn die alte Dame nicht mehr gehen, einen in Empfang zu nehmen, wie sie es früher nie­mals unterließ. Aber nun haben die Deine ge­kündigt. Dafür steht sie am Fenster. Zch glaube, sie steht da schon seit einer Stunde. Erst winkt sie einem zu mit der ein wenig gichtischen Hand und dem Arm, der auch nicht immer will, dann geht sie auf den Flur. Ihre erste Frage nach der herzsichen Begrüßung ist immer:Dein Zug hatte wohl Verspätung?" Zch weih, was sie damlt sagen will: baß man doch noch schneller hätte bet ihr oben sein können, es ist so ein leiser Vorwurf in ihrer Frage. Aber schon sind ihre Gedanken bei dem Mittag- oder Abendessen, das, gleichviel, ob man gegen Abend oder in später Rächt eintrifft, ipimcr für einen bereitsteht. Na­türlich ist es nie gelungen, so gut es auch schmeckt unft mit wie gesegnetem Appetit man dabei ist! Aber im letzten Augenblick hatte das Mädchen, als man für eine Sekunde aus der Küche ge- Mngen, dies getan oder jenes unterlassen, hatte die Prise Salz um zwei Körner zu stark oder den vtzrcker um zwei Körner zu schwach bemessen jxn6 nun tonn die gute Mutter während der S-wzen Mahlzeit nicht mehr davon los. Sonst gelingt eS immer und gerade diesmal! Aber, man soll nichts dem Mädchen überlassen, auch nicht das geringste, es rächt sich immer!"

. meint^ mit einem Male, es schmecke mir mcht. Zch müßte überhaupt mehr essen, mich bei metner vielen geistigen Arbeit ganz anders 'Menen. Sie liebt meine Frau, aber das läßt

sich mcht ausreden, daß ein Kleinod, wie ihr Sohm ganz ander«gepflegt" werden müsse.

Nachmittag« haben totr uns ein wenig zur ®« ist »lf böchstc Seit für sie. Awvhl sie es nickt zugeben will. Denn in der Nacht v»r der Ankunft eines ihrer Kinder tut sie seit alter« her vor Freude und allerlei Sorgen, wie lie eS ihnen so recht nett und behaglich Echen wist, welche Gerichte sie ihm das letztemal d«>rgesetzt, damit eS ja nur nicht dieselben werden kan Auge zu. Nun hat sie es nachgeholt, und .wie sie mir da beim Kaffee gegenübersiht, finde .ich daß sie trotz ihrer drelundsiebzig Zabre und trotz allen Lerds, das die letzten Zahre ihr ge­macht, mit rhren schneeweißen, sorgsam frisierten Haaren, ihren lieben, feinen Zügen und ihrem evoachen. aber sorgsam gewählten Kleid geradezu hüttch aussieht. Zch weiß nicht, ob es ein anderer

findet Zch finde es, und das ist mir genug. Und auch ihr, das weiß ich.

) Der Aufsatz ist dem LebenSbucheMehr Liebe" (Vertag Max Koch. Leipzig-Stötteritz) Don A. Drausewelter entnommen, das aus 22 fein­sinnigen GssahS besteht- '

I Kinderjahren her besinne, obwohl sie sich durch einen neuen Bezug ein unkenntliches Aeuhere zu geben suchen. Um uns her lauter Bilder aus vergangenen Zeiten: des Urgroßvaters scharf und klug geschnittenes Gesicht mit der großen blitzen­den Drillantnadel in der Krawatte, die sich in ihrer kühnen Bindung ganz modern ansieht, da­neben, wie er in Oel gemalt, aus goldenem Rahmen herabblickend, seine Frau mit den rosigen Zügen, den schalkhaften kleinen Augen und den riesigen Haarpuffen und Lockengebäuden zu beiden Seiten der gar nicht hohen Stirn. Um sie herum eine kaum übersehbare Galerie der verschiedensten Köpfe und Gestalten. Nur sehr wenige von ihnen leben noch, die meisten find längst dahingegangen. Aber wenn die Mutter so von ihnen erzählt, dann steigen sie aus ihren Rahmen heraus, gehen durch die stille Stube, setzen sich zu uns, und alles ist wieder lebendig, und die Vergangenheit und der Traum sind Gegenwart und Wirklich­keit geworden. Es tonn aber auch keiner erzählen wie sie. Dazu tickt die alte Stuhuhr von ihrem geschnörkeften Gesimse herab: tick tack tack tick, jede Minute leise surrend hervorhebend, wie sie es getan meine ganze Kindheit und Zugend hindurch, immer in derselben unerschütterlichen Weise, gleichviel ob ich im holden Spiel den Sekunden Ewigkeitsgehalt wünschte oder bei lästi-- gen Schularbeiten die Stunden zu Sekunden wan­deln wollte. Du lieber Gott, wo sind die Zeiten Hin, wo man in enteilende Stunden so heiße Wünsche webte, wie eintönig sind sie einem jetzt geworden, sonder Leidenschaft und Begehren! Nur wenn ich bei der Mutter sitze, wünsche ich den Tag länger. Dann aber läuft er, als nähme er Flügel der Morgenröte.

Dabei wird es Nacht, bis wir mit unseren Erzählungen zu Gnde sind. Recht zu Ende sind wir natürlich nicht. Aber das werden wir morgen früh ebensowenig, und sie findet, daß ich der Ruhe bedürfe.

Aber sie läßt mich nicht gehen, ehe sie nicht persönlich mein Schlafzimmer auf das genaueste in Augenschein genommen, alles, auch das Kleinste: ob ich auch mein Keilkissen habe, ob die Decken genau so liegen, wie ich es von je ge­wohnt bin, ob die Temperatur die richtige ist und das Federbett nicht zu stark gestrafft.

Das Zimmer ist nur sehr llein, dafür ist aber 'das Handtuch um so größer, solch ein Handtuch, wie es in der ganzen Welt nicht mehr gibt. Man kann sich des Morgens beim Waschen wie in einen Mantel in seine weichen, schönen Linnen hüllen. Das tut wohl nach den dünnen, kurzen Läppchen, mit denen man sich eben erst in den Gasthäusern hat behelfen müssen.

O du gute, treue Mutter, wer liebt so innig, o harmlos und so unbeirrt wie du! And wie alt muh man werden in dieser Welt, wie weise durch Erfahrungen und Leiden, um das in seiner ganzen Gröhe und seinem ganzen Glucke schätzen zu lernen!

Aus Richard Dehmels GöttersamiNe".

Die Verhandlungen gegen Max Hölz haben unserem Volle noch einmal die ab­sonderlichen Zustände und Auswüchse der Re­volution vor Augen geführt, und es ist darum wohl angebracht, auf die interessante kosmo­politische Komödie Richard DeymelS hinzu- weisen, well darin die Empfindungen sich dichterisch widerspiegeln, die der Mehrheit der Deutschen aus dem tollen Zeitwirbel geblie­ben sind. DehmelSGötterfamilie" (Verlag S. Fischer. Berlln) besteht aus folgenden Typen, die sehr wahrheitsgetreu über den revolutionären Ereignissen schweben: Freund Hein Vater Geist, ein alter Leiermann Mutter Seele, eine Wahrsagerin Erich Hah, ein Ausrührer Minna Gier, eine Straßendirne Filip Heid, ein Schleich. Händler Hans Mut. ein Leutnant Grete Lieb, eine Kriegsschwester Trubchen Furcht, ein Backfisch Lene List, eine Kammer- jungfer.

Zm Himmel wird die Revolution gegen den Vater Geist ausgebrütet, der dazu selbst in ost amüsanter Weise das Wort ergreift. Wir geben aus dem ersten Auszug die folgende Stelle wieder, wo die Empörer dem Vater Geist auf die Pelle rücken:

Vater Geist (zu Erich Hah): Nun. mein Erstgeborner, warum blickst du so scheel? Fast wie Filip.

Erich Hah: Bloß: ich mache daraus kein Hehl. Kurz gesagt. Vater: wir wollen un« gegen dich empören I

Vater Geist:

So: schon wieder mal (gähnend, Hand vorm Mund) hhuja was habt ihr denn für Be­schwerden ?

Erich Hah: Himmelhagelwolkendreck, lah deine Hochmuts­geberden! Wir pfeifen drauf!

Grete Lieb:

Hör mal, Erich

Vater Geist:

Lah ihn nur. Kind: ich weih ja. wie triftig feine Grunde sind, ich (wieder gähnend) hhuja

Erich Hah: Aeh, Gründe! Es muh einfach anders werden!

Vater Geist:

Gewiß, mein Sohn. Hab schon selbst drüber nach­gedacht. manche Nacht, und auch Mutter hat mitgewacht m Ä «rieb Hah:

Eure Sachet

Vater Geist:

Zhr sollt euch nur klar werden, was ihr begehrt: dann mögt ihr mich meinethalben irgendwohin ver­treiben, ins Bodenlose zu Freund Hein Minna Gier:

Zch will endlich leben, wie mir'« gefällt: mich auS- leben! Freiheit!

Vater Geist:

Sehr begreiflich, mein Kind. And du. Filip? Filip Neid:

Mir ist alles vergällt, wenn sich ein Andrer irgendwas Vorbehalt, wodurch er Vorteil vor mir gewinnt.

Zch will Gerechtigkeit! Gleichheit l

Vater Geist:

Ganz vortrefsiich, mein Sohn (gähnt) hhuja HansMut:

Zch gönne jedem gern seine E?traportion: ich will bloß, dah die Welt sich nach Kräften dreht, daß kein Pack dem Helden im Wege steht.

Kurz: mehr Willenskraft! Mannszucht! edle Vittel Vater Geist:

Also bitte, Gretel.

Grete Lieb:

Zch glaube, wir täten nicht schlecht, übten wir alle ein bißchen mehr guten Willen, etwas mehr Einigkeit, Friedlichkeit, Brüderlichkeit.

Vater Geist.

Versteht sich, Herzchen. Lind Trubchen?

Trudchen Furcht:

Zch mir tut's leid, daß mich die Andern immer foppen und drillen wegen meiner Beschei­denheit: ich wünsche ihnen bann immer im stillen etwas mehr Ehfturcht, Pflichtgefühl, Frömmigkeit.

Minna Gier:

Unb Dummheit, Feigheit, Faulheit! nicht wahr?

Vater G e i st:

Za (gähnt) hhuja na gut. Unb Lenickel, bu?

LeneL i st:

Mir scheint, es drückt hier jeden der Schuh: bu solltest uns lieber barfuß laufen lassen oder uns neue Füße anschaffen, Aeberhaupt: in mancher Hinsicht hast du die Asfen ge­scheiter bedacht als uns.

Vater Geist:

So, so. Gut! gut! Zch werde euch also künftig Erich Hah:

Ohoh! Zch protestiere!

Filip Neid:

Abgekartetes Spiel!

Hans Mut: Ausreden lassen!

Minna Gier:

Du hast uns gar nichts zu sagen! Sie will uns betrügen!

Erich Haß:

Er denkt uns breitzuschlagen!

Es entsteht ein großes Durcheinander, das Vater Geist, plötzlich aufspringend, mit Don­nerstimme unterbricht, indem er sich sodann ironisch mit den Anzufriedenen über seinen Götterberuf unterhält, dessen er auch ein bih­chen überdrüssig geworden sei.

Der zweite Auszug spielt dann in einer Großstadt, in der die Revolution ausgebrochen ist und die Götterfamilie in irdischen Verklei­dungen wieder auftaucht. Dehmel zeigt die Eifersucht zwischen den Schrittmachern des Auftuhrs, er läßt den Schleichhändler gegen den Auftührer intrigieren und zeigt alle An­besonnenheiten, Gelüste, Gemeinheften und Ziellosigkeiten der neuen Volkstribunen. Das Schlußwort hat Freund Hein mit einem trocke­nen Gelächter.

Der dritte Auszug, der wieder im Himmel spielt, beschäftigt sich sodann mit den glor­reichen Errungenschaften der Revolutton. Lene List erklärt, es heiße also jetzt, zunächst mal beratschlagen,wie totr es künftig anstellen, daß wir mit unseren Laten uns nicht wieder immerfort in die Quere geraten; wir müssen, scheint mir, endlich mal Weltfrieden machen". Erich Hah erklärt nach hitzigen Auseinander» setzungen:

Ra ja, selbstverständlich.

Aber um so mehr erwarte ich, ihr begreift nun endlich,

wer für die nötige Oberleitung am besten paßt. Zhr habt das Friedensttften nie richtig erfaßt, mir ift's ganz von selbst eine leichte Sache: gebt mir bloß freien Spielraum, und ihr sollt sehn, bah ich im Hanburnbrehn

bas ganze Weltall zum Friebhof mache.

Erst werben bie Sterne, alle Sonnen rings, um­gebracht :

beren Licht ist ja schulb, bah Geschöpfe leben unb leiden.

And bann sollt ihr sehn in ber ewigen Nacht Filip Reib.

wirst bu uns allen unversehens bie Hälse ab* schneiben.

Da halten wir's lieber boch weiter mit Freunb Hein.

Es beginnt ein allgemeines schläfriges Ver­zagen, als plötzlich der Wolkenschleier auS- einanderklafst und folgendes Bild sichtbar wird: Auf einer weihen Anhöhe liegt Vater Geist in schwarzem Talar hingestreckt Dor seinen Füßen hockt Mutter Seele, den weißen Stricksttumpf lässig im Schoß haltend, Hans Mut und Grete Lieb sind bemüht, sie aufzu­richten. Zm Mittelpunkt einer sehr fesselnden Szene steht eine rührende Aussprache mit Mutter Seele, die sich fast Freund Hein m die Arme geworfen hätte, wenn nicht auf einmal Vater Geist mit einem langen Gähnen von seinem Lager sich wieder erhoben und alle Götter, die von ihren Sitzen purzelten, emporgeschreckt hätte. Er erklärt, daß er noch tot sei, findet aber Widerspruch:

Hans M u t:

And wenn wir ohne dich nun nicht leben können? Wir wissen nicht ein noch aus, Schwerenot!

Du bist einfach verpflichtet, uns Vernunft beizu­bringen.

Vater Gei st:

Schon wieder? Die wolltet ihr. denk ich be­zwingen?!

Wozu habt ihr denn Revolu- (gähnend) hhuja -zion gemacht?

Zch hab's satt, wie gesagt, für euch da« Zepter zu schwingen.

Der Erich Haß hat mich glücklich umgebracht: ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Erich Haß:

DaS möcht euch so passen!

Soll ich etwa ewig bloß noch mich selber hassen? Zch tue daS grafte zur Genüge schon jetzt.

Grete 2ie6;

Lieber Vater, er hat dich ja bloß auS Zrrtum ein bißchen verletzt.

Hans Mut:

Anft ftu bleibst doch ewig der Vater Geist, der unS bekanntlich den Weg zur Wahrheit weist. I

Zach der Austreibung Freund Heins sitzt Vater Geist wieder auf seinem Thron und erläßt zunächst folgende Zurechtweisung:

Vater Geist:

Aber erst muß ich bitten

sonst verkommt unsere Freiheft in schlechten Sitten

'Eich wieder auf euem sinnlos verwechselten Plätzen

auch unsre göttliche Ordnung einzusehen: (scharf) bitte!

Erich Haß:

Zch sitze schon richttg.

Zum Schluß fingen alle Takt Nnlschend daS Liebchen:

Lust oder Leid, hat alles seine Zeit; wir spielen mft der kunterbunten Ewigkeit!

Hui!.'!

(Der Vorhang fällt.)

Flechten, die Steine anflSfen.

Die Kräfte, tnc Gesteine aut Verwitterung bLLn9^JJ,imb Felsenwerk schließlich in Sand E Ackererde verwandeln, hat man bisher in der Regel nur m den atmosphärischen Einflüssen gesmm. Wasser mrd Frost, chemische Umsetzun- gen, die sich beim Zutritt von Sauerstoff, fibfön- toure usw. m den Gesteinen entwickeln:, ber zer- storende Einfluß der überall hin sich verbreftendai Znda'ttiegaie, all das wurde als ber Hauptgrund Tur die Verwitterung angegeben. Organismen hat man als Berwrtterungsmittel bisher nur insoweit genannt als sie schon -erlangtes Gestein weiter ausichlleßen und dadurch den Prozeß beschlemftgen, der den Schutt ber Berge in nutzbare Erde wandelt W^e Adolf Koelsch in denSozialistischen Monats- heften" auf Grund von Forschungen, die in ben Beruhten der Deutschen Botanischen Gesellschaft veröffentlicht werden, nritteät, find aber auch Or­ganismen die eigentlichen Vernichter und Auf­löser von Gestein, und zwar werden diese harten Massen am erfolgreichsten von den Flechten an­gegriffen. Diese Gebilde, die aus einer Lebens­gemeinschaft von Pilzfäden und 90gen bestehen unb als erste Bewohner auf nackten FckSvbev- (lachen erscheinen, entwickeln eine sehr bebeutmt* lösende Tätigkeit Bor allem unter bat Äalkflechten gibt es Formen, die sich keineswegs nur damit begnügen, jene erste Humusschicht aus der Gesteinsoberfläche zu bilden, auf ber bann Aewächie höherer Ordnung entstehen tonnen. Diese Flechten dringen vielmehr aktiv in das Gestein ein und bohren sich so in sein Inneres, dah ihre Fadengeftechte vollständig unter ber Oberfläche verschwinden und sogar die Ausbildung der Frucht­becher im Innern der Felsen erfolgt Den Weg in« Z^Ere bichneu selbst, und zwar fft

ber bahnbrechende Teil bald der Pilz unb bald die W- Sie bedienen sich dabei stark säurehaltiger, tolklölender StofsweKlerzaiginisse, die ihren Fadenftnhm entquellet. Die Flechten freffen so enge schachtartige L>öhlungen, die nach allen Seiten auseimmbersprossen, in das Gestein, durchlöchern auf diese Aelle die Felsen unb arbeiten den an- devm LmslMen vor, bie sie bann vollends zer­bröckeln.

Die bedrohten Kraniche.

Die Zahl ber Kraniche ist in Deutschland so lehr zurückgegangen, baß bteseS eigenartige Tier bem Aussterben immer näher kommt Leiber wer­ben noch immer Kraniche von Zägern geschossen, bie sich mit solchenseltenen Trophäen^ wichtig machen. Dabei ist ber Kranich ein harmloser unb niemandem schädlicher Vogel.Kein richtige Zäger", wird imSt. Hubertus" ausgeführt sollte so seltene Tiere schießen, wie den schwar­zen Storch, den Reiher, den Kranich, den Ahu, die wenigen Adlerarten, die bei uns leben, ben Wil- ben Schwan, unb auch ber gewöhnliche HauS- storch braucht größte Schonung, wenn er nicht ebenfalls ganz aus ber beutschen Lanbschaft ver- schwinben soll." Zn Schlesien kommt ber Kra­nich, wenn auch in kleinen Destänben, immer noch in wasserreichen Gebieten vor, so im Prim- lenauer Bruck, in ben oberschlesischen unb Mi- litsch-Trachenverger Teichlanbschaften, in ben Heiberevieren ber Herrschaft Klftschborf, bann im Teichgebiet beS Spreer Heibehauses in bet schlesischen Oberlausih, baS zur Zeit Schlesiens interesianteste unb reichste Wallerfauna auf­weist

Sommernacht.

Don Gottfried Keller.

ES wallt daS Korn weit in die Runde And wie ein Meer dÄhrft es sich aus; Doch liegt auf seinem sttllen Grunde Richt Seegewürm, noch andrer GrauS; Da ttäumen Blumen nur von Kränzen And ttinken der Gestirne Schein, O goldneS Meer, dein friedlich Glänzen Saugt meine Seele gierig ein!

Zn meiner Heimat grünen Talen, Da herrscht ein alter, schöner Brauch: Wann hell die Svmmersterne strahlen. Der Glühwurm schimmert durch den Strauch, Dann geht ein Flüstern und ein Winken. Das sich dem Aehrenfelde naht. Da geht ein nächtlich Silberblinken Von Sicheln durch die goldne Saat.

Das sind die Bursche jung und wacker, Die sammeln sich Im Feld zuhauf And suchen den gereisten Acker Der Witwe oder Waise auf. Die keines Vaters, keiner Brüder And keines Knechtes Hilfe weiß Zhr schneiden sie den Segen nieder, , Die reinste Lust ziert ihren Flettz.

Schon sind die Garben festgebunben And rasch in einen Ring gebracht; Wie lieblich flohn die tarnen Stunde», ES war ein Spiel in kühler Rächt! Run wird geschwärmt und hell gefangen Zm Gw-benkreiS, bis Morgenluft Die nimmermüden braunen Znsgen Zur eignen, schwere» fltoaü xefa*