®tir verwegener Raubüberfall.
fb. Frankfurt a.M.. 1. Juli Heute vormittag gegen zehn Uhr wurde in einer Mansarde deS Hause« Finkenhofstrahe 25 ein allerer Geldbrieftrüger. der zwei dort ein- loaierten jungen Leuten einen -roheren Geldbetrag auShändigen sollte, von den Burschen überfallen, aus ein Bett geworsen und mit Thloro- fonn zu betäuben versucht, der Beamte setzte sich zur Wehr und schrie um Hilfe. Als Hausbewohner herbeieilten, flohen die Räuber. Während eS einem gelang, au entkommen, wurde der andere von Straßenpafsanten festgenommen und der Polizei übergeben. Der Räuber, ein noch recht junger Wann, verweigert über seine Persönlich- leü jede Auskunft, auch seinen Helfershelfer will er nicht kennen. Die Burschen hatten sich in der Mansarde seit mehreren Tagen einloaiert. Siner von ihnen erhielt fett Mittwoch täglich eine Postanweisung über 20 Mark, anscheinend zu dem Zwe^e, die Gepflogenheiten deS Deldbriefträgers kennen zu lernen.
Gerichtssaal.
Stade, 1. Juli. (WTV.) Die hiesige Strafkammer verurtellte den Redakteur Daum von der ./Tostedter Zeitung" wegen Beleidigung deS Reichspräsidenten zu 5 Monaten Gefängnis.
Kirche und Schule.
Srtebberg, 30. Juni. 3n einer von der hiesigen Demokratischen Partei veranstalteten gut besuchten Versammlung im Saalbau sprach Präsident Dr. Strecker über das Thema „DeutscheGinheit — Deutsche Schule. Der Redner, dessen Ausführungen bei seinen Anhängern lebhaften Beifall fan
den, bekannte sich als ein warmer Anhänger der Stmultanschule, deren Aufhebung einen Kulturkampf im kleinen in jeder Gemeinde entfachen wurde. 3m wetteren entwickelte er seine Grundsätze über die Errichtung einer vierjährigen Grundschule, in die Trennung der höheren Schulen in verschiedene Abteilungen nach der Begabung der Schuler, in den obligatorischen Besuch der Fortbildungsschule durch Schüler höherer Lehranstalten und den Ausbau der Fortbildungsschulen an größeren Plätzen in Fachschulen (kaufmännische, landwirtschaftliche usw.). Eine Aussprache fand nicht statt. Der Leiter der Versammlung, Rektor §och, schloß mit warmen DankeSworten an den Redner des Abends.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Die Wassernot in Wieseck.
Die den hochgelegenen TeU von Wieseck bewohnende Bevölkerung ist zum Teil seit Jahren, zum Teil seit Monaten im eigenen Hause ohne Wasser, und daher gezwungen, tagtäglich da« zum Kochen, Viehtränken usw. notwendige Wasser bei Tagesanbruch aus dem Riederdorf herbeizuschleppen. Das bedeutet: Ungeheueren Zeitverlust, Plage, Belästigung der Bewohner der Häuser, auS denen die Wasserentnahme geschieht, sowie erhöhte Abnutzung der Anlagen und Geschirre. Rur. ist es bereits vier Wochen her, daß sich die 6tabträtet Gießens der Wassernot Wieseck« erbarmten und die bedingte Abgabe der erforderlichen Wassermenge beschlossen. Obwohl dieser der Gemeinde Wieseck sehr entgegenkommende Beschluß, der unter der Wässernot sehr leidenden Bevölkerung Trost und Hoffnung brachte, ist
Leiber Inzwischen nicht« mehr erfolgt. Die Wasser- not steigt unb bte damit verbundenen Gefahren in gesundheitlicher 'Bexl^ung sowie im Falle eine« Brandes werden immer bedenklicher. Welcher Behörde eS nun zu danken ist, daß das Projekt so ungemein schnell vorwärts schreitet, tjl nicht genau bekannt Zieht man in Betracht, daß die Voraussetzung für die Behebung der Wassernot und der damit verbundenen Gefahren durch die Stadtvertretung Gießen schon vor vier Wochen erfüllt wurde, so erscheint es unverantwortlich, die nun notwendigen Arbeiten zu verschleppen. E« wäre wünschenswert, wenn der Beschluß möglichst bald hergestellt würde.
AuS dem AmtSvcrkündigungsblatt.
•• DaS Amtsverkündigungsblatt vom 1.3uli enthält: Die Regelung des Verkehrs mit Getreide im Srntejahr 1921/22; hier: Die Vornahme einer Ernteflächenerhebung. — Anschaffung von Rühmaschinen. — Erwerbslosenfürsorge für Bezieher von Angehörigenrente. — Reubesetzung einer Feuervisitatorenstelle.
Vornahme einer Srnteflachenerhebung.
Die dem KreiS Gießen angehörenden Gemeinden sind verpflichtet, sofort die Aufnahme aller mit Getreide bebauten Grundstücke durchzuführen. Die Aufnahme hat sich auf alle landwirtschaftlichen Betriebe, ohne Rücksicht auf deren Größe, zu erstrecken, und ist in der Gemeinde vorzunehmen, in welcher der Bewirtschafter deS Betriebes seinen Wohnsitz hat. Die Aufnahme am Wohnort deS Bewirtschafters hat sich insbesondere auch auf diejenigen Grundstücke zu erstrecken, die in anderen Gemarkungen liegen.
Bei der Anbauflächenerhebung sind alle mit Winterweizen, Sommerweizen, Roggen, Wintergerste, Sommergerste, Hafer u/tb Gemenge aus verschiedenen Fruchtarten bestellen Grundstücke aufzunehmen.
Für die Anbauflächenerhebung sind die vom
KreiSami gelieferten Formulare zu verwenden. ftg sind gemäß der den Dür-ermeistereien zugehenden Anweisung auSzufüllen.
Die Ausnahme der Anbauflächen hat durch eine Kommission zu erfolgen, die zu bestehen hat: auS dem Bürgermeister oder seinem Stellvertreter, aus biS au 3 Vertrauensmännern der örtlichen landwirtschaftlichen Organifatlonen.
Jeder Bewirtschafter eine« landwirtschaftlichen Betriebes ist verpflichtet, die erforderlichen Angaben über Größe, Lage und Fruchtart seiner Grundstücke, sowie über Personenstand, Diebzah! usw. der Kommission gegenüber persönlich zu machen.
Der Bewirtschafter hat die Richtigkeit der Angaben durch AamenSunterschrift zu bescheinigen Die Kommission hat In jedem einzelnen Falle nachzuprüfen, ob die gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen. In Zweiselssällen find die örtlichen Grundstückskataster einzusehen.
Rach 5ertlgftdlung der Aufnahme, spätestens aber bis zum 8. 3*11 d« sind dem KreiSamt die au«gefüllten Formulare zuzulenden. Die den Gemeinden entitebenben Kosten sind dem Kreisamt hierbei gleichzeitig anaugeben.
Wer der Aufforderung zur Abgabe der erforderlichen Erklärung nicht nachkommt, wer sich weigert die nötigen Angaben zu machen, ober unrichtige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mark und mit Gefängnis bl« zu einem Jahr ober mit einer dieser Strafen bestraft
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Wieseck. den 1. Juli 1921.
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