Nr. 101
Der fttcgener Anzeiger mit der Dienstagsbeilag« „Sport Hmfd}aue er. jcherni täglich, au&tr Sonn» und jeiertaqs. Monatliche vezuarpreise: Mark 5.- etnschliehlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschlieblich Bestellgeld. A«r« sprech-LnschlLlfe: fürbieSchriftleimnq 112; für Druckerei, Verlag und (Lelchäfirstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Lmeiaer Siehe«.
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Erstes Blatt
IN. Jahrgang
Montag. 2. Mai 1921
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Drnrf und Verlag: Vrühl'fche Univ.-Vuch- und Steinöruderei R. Lange. 5chriftleitnng, Geschäftsstelle und vruckerei: Zchulstratze 7.
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HauptschrifUeiler: Aug. Soey Aeranlworllich für Vofiiik: Lug Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Han, Deck, sämtlich in Diesten.
Die Meinungsverschiedenheiten auf der Londoner Konferenz.
Am SamStag iuib Sonntag haben in London allein Anschein nach höchst erregte Sitzungen stattgefunden, über bereit Endergebnis mir soviel verlautet, daß wahrscheinlich DeutsckLand mit einem kurzen Ultimatum neue Bedingungen diktiert werden. Die Londoner Herren nehmen von dem deutschen Angebot an den Präsidenten Harding keine offizielle Notiz. Bei einer Frage, deren Lösung die allerwichtigste Bedeutung für Europa und die Welt besitzt, arbeiten sie mit enter Hast, als könne die Menschheit und Menschlichkeit nur innerhalb drei Tagen noch aerettet werden. Die Wahrheit ist, daß sie, besonders die Franzosen, vom Teufelbe- fessen sind, und die ruhige Welt in ein Narrenhairs verwandeln Die von ihnen selbst gesetzte Frist des 1. Mai scheinen sie überhaupt nicht mehr für Menschenwerk zu hatten; eS ist eben der böse Wi lle, die Beugung von Recht und Vernunft, die heute triumphieren. Amerika will heute keine heilige Mission mehr erfüllen und besitzt auch vielleicht die .Eraft nicht, vernünftigeren Auffassungen zum Ziele zu verhelfen; es scheint jedoch in London vor neuen Zwangsmaßnahmen gewarnt zu haben und es hat seine Bedeutung, daß die Friedensentschließung Knox mit der damit verbundenen Ankündi gung eines deutsch-amerikanischen Vertrages gerade an dem Tag angenommen worden ist, an dem seine ehemaligen Verbündeten den Gipfel ihrer Tyrairnei erklimmen wollten.
L o n d o n, 30. April. (WTB.) Die e r st e Versammlung der interalliierten Konferenz fand in der Downing Street um 3 Uhr nachmittags statt. Lloyd George führte den Vorsitz. Lord Curzon wohnte der Sitzung bei. Frankreich war durch Briand, Loucheur und B e r t h e l o t vertreten, Italien durch den Grasen Sforza, Japan durch Baron H a y a s h i und Kengo Mori, Belgien durch I a s p a r und Theu - n i S Es wurde die Lage geprüft, die durch die Verfehlungen Deutschlands gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles in der Frage der Entwaffnung, der Bestrafung der Kriegsschuldigen und der Reparationen geschaffen wurde. Die Sitzung wurde um 7.50 Uhr aufgehoben, nachdem der sofortige Zusammentritt einer Sach- verständigenko m mission für die Zahlungsarten und die Garantien beschlossen worden war.
London, 1. Mai. MTB.) Der diplo- watische Berichterstatter des „Observer" schreibt über die gestrigen Beratungen des Obersten Rates, Italien habe die britische Ansicht unterstützt, daß jetzt, wo die Rcpara- tionskommission die Gesamtverpflichtungen Deutschlands festgesetzt habe, die K o n f e r e n z entscheiden müsse, wieviel bezahlt werden solle. Darauf sollte dann ein Ultimatum an Deutschland gesandt werden. Briand habe seine Trumpfkarte der sofortigen Besetzung des Ruhrgebiets ausgespielt und erklärt, erst nach dieser Besetzung solle die Frage der Art der Bezahlung aufgeworfen werden. Dem Berichterstatter zufolge waren die ^gestrigen Beratungen vollkommen auf eirem toten Punkte angelangt. Lloyd George habe vorgeschlagen, die Sachverständigen sollten drei Tage Zeit erhalten, um einen Plan betreffend die Bezahlung und die Garantien auszuarbeiten. Deutschland solle dann ein dreitägiges Ultimatum überreicht werden. Inzwischen dürften die Franzosen vom ersten Tage des Ultimatums an mobilisieren, ohne erst dessen Ablauf abzuwarten, da die französische Mobilisierung zehn Tage erfordere. Diesem Vorschläge Lloyd Georges setzte Briand eine glatte Ablehnung entgegen. Heute muß die endgültige Entscheidung über diese beiden Ansichten fallen.
Tie Haltung Amerikas.
Paris, 1. Mai. (Wolff.) Havas meldet- Nach einem Kabeltelegramm der „Chicago Tribüne" aus Washington soll die Regierung der Vereinigten Staaten dem Obersten Rat ernste Einwend un- •gen gegen die beabsichtigten neuen wirtschaftlichen Zwangs-Maßnahmen übermittelt haben. Nach einer offenbar inspirierten Nachricht hat die Bundesregierung vorgestern abend erklärt, daß sie chre vermittelnde Tätigkeit auch dann nicht aufgeben werde, wenn die Besetzung durch- gesührt werde.
Die Meinungsverschiedenheiten.
London, 31. April. «WTB.) Wie bereits gentNbet wird, ist der Oberste Rat heule nachmittags 3 Uhr zusammenzutreten, um die
Maßnahmen zu beraten, die getroffen werden 'offen, um Deutschland zu zwingen, den Forderungen der Alliierten stattzugeben. Dem „Star" zufolge werden die Beratungen vielleicht bisMittwoch dauern. Vor der Sitzung des Obersten Rates fand eine Reihe von Vorbesprechungen statt, bei denen Versuche gemacht wurden, eine wichtige Meinungsverschiedenheit, die zwischen den Alliierten entstanden ist, zu regeln. Die Frage, über die den Blättern zufolge die Alliierten bisher keine Ucbereinftinunung erzielt haben, lautet: Soll Deutschland ein Ultimatum übersandt werden, oder soll ihm eine neue Gelegenheit gegeben werden, bevor das Ruhrgebiet besetzt wird. Großbritannien schlägt vor, Berlin eine neueNotezu übersenden, in der der deutschen Regierung eine Frist von sieben Tagen gewährt wird, um den Forderungen der Alliierten stattzugeben oder ein annehmbares Angebot zu unterbreiten. Frankreich widersetzte sich diesem Vorschlag und erklärte, Deutschland sei durch Nichtbezahlung der fälligen 12 Milliarden Gold- n.ark seinen Verpflichtungen nicht nochgekom- men. Eine sofortige militärische Aktion müsse dafür eingeleitet werden.
Lord d'-lberuonS Bericht.
London, 30. dlpril. (Wolfs-.) Reuter erfährt folgendes: Wenn auch der britische Botfclxlster in Berlin keinen neuen Plan aus Teitfdv land mitbrachte, so machte er doch klar, dry d.r Artikel 1 ungenau ist und falsch übersetzt wurde. ES ist noch nicht bekannt, ob dies die mögliche Grundlage für Verhandlungen bieten kann; man ist aber wenigstens der Ansicht, daß b.c Zweideutigkeit dadurch beseitigt ist.
„Daily Mail" meldet: In Londoner oiplomatischen Kreisen verlautet, daß Deutschland sein letztes Wort gesprochen habe. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Chromcle" meldet: Lord d'Abernon habe der brittschen Regierung die letzten Informationen über die Stellung der deutschen Regierung gegeben. Die deutsche Regierung stehe schwach und die Rechtsparteien würden immer fester. Die deutsche Regierung sei, soweit festgestellt werden Eömie, mehr bereit, den Forderungen der Müerten nachzugeben als die deutsche öffentliche Meinung. Man sei der Ansicht, daß, wenn die deutsche Regierung den Alliierten auf gesetzlichem Wege entgegenkomme, dies den Sturz der deutschen Regierung bedeuten lvürdc. Vielleicht werde die Besetzung des Ruhrgebietes zur Erziehung des deutschen Volkes eher, als zur Erziehung seiner Regierung gut sein.
Eine entscheidende Sitzung de» englischen Mabinctte.
Paris, 30. April. (Wolfs.) Tie Sitzung d.'s Obersten Rates hat in Lo.bon heute uach- rfnittag 8 Uhr begonnen. Lloyd George ur.b Briand hatten um '.12 Uhr eine Unterredung, die 20 Minuten gedauert hat. "fceate vormittag hatte der aus Berlin angebmmene eng*- l ische Bo tschafter eine lange llrtcnebiina mit der Minifterialkommrssion, di- X!lai d George eingesetzt hatte, um die Reparattonsttage vorzulereiien. Tiese Kommission behebt bekanntlich an.- dem MTieg^miaiücr Mortti '*o:i Evans, dem Nolonialminitter Winston Churäist und d'm Minister für Indien Lord Montagu. d . er Unter rdr.mg begaben firh die brci Mv i ur mit Lord s'Abemon zu Llo d George, wo sich bereits Lord Curzon und die anderen englische Minister eingefunden batten. Tas eng lisch e jtabin e 11 hielt daraus (Fine Sitzung ab, dieerne St unbe bauerte, um eine PtÄfung der Angelegenheit vor* zunehmen.
Line erregte Sonnfagsfitjung.
London, 1. Mai. (Haoas.^ Ter Sonderberichterstatter der Agentur Vaoas meldet: Die Vormitlagssitzung des Oberftrn Rates nmroe um 11 Uhr eröffnet, dauerte aber nur wenige Augenblicke, ba die Arbetten der Sachverständigen noch nicht zu Ende geführt waren. Es wurde daher eine neue -Sitzung auf na chmi ttags4 Uhr te> cinbart. Der private Meinungsauslausch zwischen den verschiedenen Verbandsvertterern dauerte daraufhin noch fort. Obwohl man vormittags noch zu keiner greifbaren Lösung gekommen ist und die Sachverständigen ihre '21-beiten noch fortt'etzen, ist doch der allgemeine Eindruck ein günstiger. kannttich hat sich Lloyd George gestern für ein kurzfristiges Ultimatum vor Beginn des Einmarsches ins Ruhrgebiet ausgesorcx^m. Briand widersprach diesem Vorgehen aufs entschiedenste und legte die schweren Bedenken dar, die der Ausführung des Vorschlages entgegenftebat. Lloyd George erklärte demgegenüber, er sei überzeugt, daß sämtliche Kreise der City wie auch die Arbeiterpartei gegzn jedes Eingreifen der Verbandsregierungen in Westfalen ’inb, wie auch gegen die Zahl von 132 Milliarden Goldm ark, welche Aahl die Revarat:onskommi''sion Teutt'chlpnd als seine Schuld mitgeteilt habe. .Die tibeiben Ministerpräsidenten verharrten Ms ihrem Standpunkt. Die französische Auffassung wurde von Briand in folgender Form bargefteUl: la Deutschland feine VQpslichttmgen nicht erfüllt hat.
ist die Inkraftsetzung von Vergeltnngsmaßregeln gerechtfertigt unb für die Verbands.egiernngen ge boten. Tic französische Regierung muß infolgedessen alle hierfür notroenbigen Masmahmen er* greifen und vor allem die unbcrüiglidv Dtobil maduing der hierfür nötigen Mannschaften beschließen. Falls während dieser Vorbereitnngs- zeit Teutscl-land erneut den Versuch machm sollte, zu einer Beilegung zu Hammen, so w»rd die fran* Aoüfdy Regierung nicht- dagegen haben, daß tn< ^•aac einer neuen Erwägung imtcwgen wird Vorbedingung hierfür ist ieho<h, daß Deutschland die Bedingungen der Verbandsregierungen tu vollem Umfange annimmt jfyite Vorbehalt und mit den nötigen Bürgschaften. Deutschland müßte also: 1. uiwerzüglich seine Eiilwafsnung unter Aussicht der Verl'andsregicrilngeii durchführen, 2. bic von der Reparationslommjssion iesche'etzte Zahl von 13 2 M illtardcn Goldmark annehmeu, 3 im voraus seine Einwilligung au den Zal> lwigsbedingmigcn geben, rocidK die Re-
parationslommission zur Beg'.eiämng seiner
Sck>uld festfetzen wird, 4 in aller Form seine Verantwortlichkeit für die Ent- fef.selung drs Krieges anzuerkennen als Grundlage für die ihm auserlegten Friedensbedin*- gütigen, 5. seine Unterschrift unter die im voraus von den Alliierten festgesetzten Bedingungen, wie %. B. sofortige Zahlung von einer Milliarde Gold- murrt, Unterausttchtstellung der Zölle, Schaffung einer interalliierten Kommission für die deutsche Schuld usw. Gerade um die ganze Kette der Sicherheiten auszuaib.'iten, dauern die Besprechungen der Sachverständigen fori. Die Entscheidung des Obersten Rates wird voraussichtlich den Wünschen der französischen Regierung entsprechen. Sollte das aber wider Erwarten nicht der Fall sein, so bat Briand bereits gestern erklärt, daß er nicht zögern würde, seine vollkommene Handlungsfreiheit wieder zu neh men. Die Einberufung des Jahrgänge) 1919 wird noch heute abend nach Schluß der Sitzung des Obersten Rates von Briand verfügt werden.
Sin belgischer Vermittlung-Vorschlag.
London, 1. Mai. (WB.) Ter Sonderberichterstatter der Agentur §>avas meldet über die heute nachmittag um halb 5 Uhr abgehaltene zweite Sitzung des Obersten Rates, sie habe nur eine Stunde gebauert uvb es sei'm ihr rtn ernster Fo r tschr i tt erreicht woichen. Lloyd George habe mit Interesse einen V er m i'ttelun g s - v o r s ch l a g des belgiscch.ni Minister I a s p a r wi- gehört, dem er jtd) grundsätzlich angesckLossen habe. Ta dieser Vorschlag jedoch den fertigen Beginn der Zwangsmaßnahmen in sich schließe und Lloyd George von feinen Ministerkollegen dos for- meNe Mandit erbaltrn labe, sich i c b e r Zwangsmaßnahme z u svidersetzen, weim nicht vorher eine Ankündigung erfolge, habe er geglaubt, sich aufs Neue mit Ieinen Mmisterkollegen beraten zu müssen. Ter Sond'r- berid«tent öfter der Havasaga.iur fügt hinzu, eS sei wahrscheinlich, doß Lloyd George die Zustimmung seiner Ministerkollegen zu dem emgebrachten letzten Vorsäilag erchalten weid' In bieicm Taille könne Teutsck^and während d- unerläßlichen Vor- icreitung^cit für das französische Vorgehen tm Ruhrgebiet die Bedingungen d-'r Alliierten anreh* mcn. Wenn es jedoch lei seiner ablehnenden val- hmg bleibe, dann werde England seinen miHtäu-' schen intb maritimen Beistand für d rns Auge gefaßten Mannahmen der französiscken und Ldnt- scheu Tri'pven gc'.en. Mehrere alliierte Munster sollen heute abend um halb 7 Uhr den ins Ange gefaßten Plmi ausarbeiten. Eine endgü^ttge En:>- fcheidmig werde morgen vormittag getroffen werden.
Ein kurze» Ultimatum in Aussicht:
London, 2. Mai. Das Reu tersche Bureau meldet, daß die Sachverständigen der Alliierten mit Bestimmtheit darauf rech neu, zu einem Abkommen zu gelangen, durch das die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Alliierten beigelegt werden. Anstatt daß die Miierten sofort ins Ruhrgebiet ein- marschieren, soll Deutschland ein kurzes Ultimatum gestellt werden, nach dessen Ablauf die Zwangsmaßnahmen in Kraft treten sollen, wenn Deutschland sich ablehnend verhält.
Der Standpunkt der Engländer.
„Weeklo Dispatch" setzt die Öaltung der britischen Regierung in der Reparationsfrage näher auseinander. Darnach erklärten die Engländer den Franzosen: Be> setzt das Ruhrgebiet nicht sofort? Tie Repcr rationskommission Hal berichtet, daß Deutsch lands Gesamtverpflichtung auf 6600 Millionen Pfund festgesetzt werden soll. Tas hat die Lage geändert. Bisher schlugen wir in Ermangelung von Zahlen der Reparationskommission so und so viel vor. Die Deutt'chen andererseits boten so und so viel an. Jetzt aber, wo wir oie endgültigen Ziffern haben, ist es notwendig für die richtige Durchführung des Friedensvertrages und die Anwendung irgendwelcher Strafmaßnahmen, daß die Bestimmungen des Friedensvertrages fmmer gehalten werden, d. h., wir müssen unsere Forderungen auf dieser tatsächlichen Summe von 6600 Millionen Pfund Sterling begründen. Wenn Deutschland Zeit zum,Zahlen gewährt wird, dann muß es selbstverständlich Zinien, und, wie bei jeder gewöhnlichen Rechnung, mehr bezahlen. Deutschland bot 10 Milliurden
Pfund an Es hat jedoch nicht erklärt — was oon größter Wichtigkeit ist —, innerhalb, welcher Frist es zahlen will. Wir wollen daher Deutschland ein Ultimatum übersenden und ihm erklären: Du schuldest unS 6600Millionen Pfund: du kannst diese Summe in Ra- 'cn zahlen; in solchem Falle miiRteft du aber eine größere Summe zahlen, die wir feiltet* zen werden und sie uns in einem Zeitraum bezahlen, den wir bestimmen werden. Wir übersenden dir diese Einzelheiten, die wir auf der Konferenz festgesetzt haben und du mußt uns imierhalb einer Woche sagen, ob du sie an- nimmst.
Eine Kundgebung dc» inieruationaken Gcwerttchaf1»buudc».
London, 30. Ajnil. (Wolff.) Tos Bureau des internationalen G.'werk- schaftSbundes erklärt nach jdenntnis- nahme der neuen deutschen Vorschläge betreffend die „Wiedergutmachung, daß diese Vorschläge «^eignet sind, den Gegenstand neuer Verhandlungen zwischen beit Regierungen der Entente und Deutschland zu bilden. Fndem der Internationale Gewerkschaftsbund auf seine in London im November 1920 und in Amsterdam am 31. März und 1 ilpril 1921 angenommenen Resolutionen verweist, erklärt er aufS neue, daß die Zuflucht zu einer PolitikderGe- wakt nur geeignet ist, den eben erst wieder erwachenden Frieden in der Welt Ml stören und den alten Ruinen neue hinzuzusügen.
vir Annahme
der $rieöen$entfd}lic6ung Anox.
Washington, 1. Mai. »Wolfs.- Ter Se-* n at Hal die Fri edenSen tschl i efiu n g des Senators Knox mit 49 gegen 23 Stimmen an- genommen. Senator l'obgc, der in einer Rede diese Entfclstießung befürwortete, kündigte an, daß wahrscheinlich ein Vertrag mit Deutschland folgen werde, sobald die Entschließung Gesetzeskraft erlangt habe
Washington, 1. Mai (Wolff.) Wie da» Reutersche Bureau zu her Sitzung des Senats be- ffchtet, in der die Entsckftießung ft" n o r angenommen mürbe, erklärten der Präsident und der Vertreter des Staatsdepartements, (ae- iiatvr Lodge habe eS klar misgespwchen, baß die Vereinigten Staaten nicht die Absicht hätten, die Alliierten im Sttch zu lassen.
Weiter berichtet Reuter, daß Lodge in feiner Rede nock erklärt habe, im Mnfdrtnb an den Vertrag mit Teutsck)land würden auch 2'enräge mit den übrigen bisher feindlichen Staaten abgeschlossen werden.
Englische Presicitußernugeu.
Die englischen Blätter weisen überein- sttmmend darauf hin, daß die von der Wilhelm sttaße auf das englische Ersuchen um Aufklärung verschiedener >ttauseln der deutschen Vorschläge übermittelte Antwort wenig zur ft'larstellung der fraglichen Punkte beigetragen habe.
„Daily News" spricht von der hofsnungs« losen Ungeschicklichkeit der deutschen Diplomatie, die dem Premierminister ein Bremsen außerordentlich schwer tnadfc. DaS deutsche Angebot könne nicht erörtert wer- den, wenn es nicht verstanden werde.
Der diplomatische Berichterstatter bet „Daily News" meldet, es könne von Deutsck>- land keine Information über beit wichtigsten Punkt in den deutschen Vorschlägen, nämlich der Bedeutung des Angebots von 200 Milliarden in Annuitäten und über den Zelt' raum, über den diese Annuitäten verteilt werden, erhalten werden. Wenn die deutsche Regierung die in Paris vorgeschlagene Periode von 42 Jahren oder lieber eine noch kürzere Zeitspanne Vorschlägen würde, dann würden starke Einflüsse angewendet werden, um die deutschen Vorschläge als Berhandlungsgrund- läge an.uinehmen. „Daily News" zufolge wird in britischen streifen nicht daran gezweifelt, daß Frankreich die Absicht habe, komme, waS kommen wolle, in das Ruhrgebiet cinzumar- schicren. Wenn jebod) ein abgeändertes deutsches Xnaebot, das als befriedigend angesehen werden könne, zeitig eintreffe, so werde sich England der Besetzung des Ruhrgebiets energisch widersetzen. Im anderen Falle würde Lloyd George nicht nur der Besetzung des Ruhrgebiets zustimmen, sondern auch britische Truppen daran teil- nehmen lassen. Bevor eine endgültige Aktion unternommen werde, würden die britischen Vertreter mit Unterstützung des Grafen Sforza den Obersten Rat veranlassen, daß ein Ultimatum an Deutschland abgeschickt wird, worin Deutschland eine Frist von Stunden, vielleicht von Tagen gewährt wird, um sich zur Annahme der Bedingungen der Alliierten bereit zu erklären.
Die „Times" spricht ebenfalls von bet Möglichkeit eines Ultimatums an Deutschland und bringt damit die Worte Lloyd Eoorges im Unterhause, es stehe ihm nicht cm. m laaen. nb eine neue


