unä durch Arbeit zur Freiheit führen. Möge er dafür sorgen, dah wir nicht infolge der Sanktionen aus einem furchtbaren Traum erwachen. Wenn der Vogel Strauß seinen Kopf wieder aus dem Sande strecke, werde er einen furchtbaren Schrecken bekommen. Wenn Frankreich glaube, die Sanktionen aufrecht erhalten zu müssen, um Las Kabinett Wirth zu stützen, so sei das die merkwürdigste Begründung. die jemals für eine Gewaltpolitik angeführt worden sei. Alle diese Mittel aber, die Liebe der Rheinländer zu erwerben, seien fehlgeschlagen. Umsonst seien alle Feste und Konzerte gewesen, jeder Bürger ziehe sich zurück. Man will die Rheinlande schließlich Frankreich einverleiben, vielleicht zunächst in Form eines Pufferstaates. Genau wie einst Richelieu und Rapoleon I. gehandelt haben, macht es heute Frankreich. Wir haben keine Dersammlungs- und keine Pressefreiheit. Unsere Briefe werden erbrochen,- nicht einmal unseren Frauen können wir ungestört schreiben. (Zurufe links, Proteste rechts und in der Mitte.) 7 Millionen Menschen sind in der schamlosesten Form hilflos gemacht und ihre Rechte werden mit Füßen getreten.
Reichsminister des Aeußeren Dr. Rosen:
Unmittelbar nach dem Einrücken der alliierten Streitkräfte in die Städte Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort haben wir in einer an den Völkerbund gerichteten Rote die Unvereinbarkeit dieser Maßnahme mit dem Vertrag von Versailles dargelegt. Sobald die interalliierte Dheinlandkommission in Form einer Ordonnanz eine besondere Zollgrenze in den Rheinlanden errichtet hat. haben wir durch unsere Vertreter in Paris, London und Brüssel Verwahrung gegen diese Maßnahme eingelegt, die nach unserer Ueberzeugung eine Verletzung des Vertrages von Versailles und des Rhetnlandabkommens enthielt. Beide Proteste sind ungehört geblieben. 3d) glaube, daß es nicht nötig ist, dem Hohen Hause im einzelnen die außerordentlichen und schwerwiegenden Folgen und wirtschaftlichen Schädigungen darzulegen, welche durch die Besetzung von Düsseldorf. Ruhrort und Duisburg und durch die Errichtung eines besonderen Zollregimes in den Rheinlanden entstanden sind. Es ist unsere Auffassung, auch wenn darüber keine ausdrücklichen Vereinbarungen bestehen, ein einfaches und klares Gebot der Loyalität, daß die Sanktionen sofort und restlos aufgehoben werden. Zu meinem tiefen Bedauern nimmt die französische Regierung in dieser Angelegenheit einen Standpunkt ein, der mit Recht und Billigkeit schlechthin unvereinbar ist. Der Ausschuß der französischen Kammer für auswärtige Angelegenheiten hatte sich in einer der letzten Tagungen auch mit der Frage der Aufhebung der Sanktionen am Rheine befaßt, wobei Ministerpräsident B r i a n d sich gegen die Aufhebung der Gewaltmaßnahmen aussprach. (Hört.hört!) 3ch habe daher unseren Botschafter in Paris sofort angewiesen, Herrn Briand in nachdrücklichster Weise zu sagen, daß die Aufrechterhaltung dieser Gewaltmaßnahmen nach der Annahme des Ultimatums und nach den Leistungen zur Erfüllung des Ultimatums unberechtigt seien. 3n Deutschland werde, falls nicht in allernächster Zeit die Absicht der französischen Regierung, einer Aufhebung der Sanktionen zu- zusttmmen, in irgend einer Weise bekannt werde, der Zweifel an Boden gewinnen, ob es Frankreich ernst damit sei. die für das Fortbestehen der deutschen Regierung und damit für die Möglichkeit der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen erforderlichen Voraussetzungen zu geben. Der Bot- schaster hatte darauf vorgestern eine Unterredung mit Herrn Briand gehabt. Herr Briand hat Dem Botschafter mitgeteilt. er habe in dem Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten sich Ebenso geäußert, wie im Senatsausschutz am 22. Juni. Er habe bemerkt, die Aufhebung der Sanltionen könne erst in Kraft treten, wenn das Objekt, auf das sich die Sanktionen beziehen, verwirklicht sei. Der Botschafter hat demgegenüber mit allem Rachdruck darauf hingewiesen. daß der deutschen Regierung nicht der Vorwurf gemacht werden kann, datz sie die Verpflichtungen des Ultimatums nicht erfüllt habe. Briand habe jedoch auch dem Botschafter zum Ausdruck gebracht, datz nach seiner Meinung die Sanktionen zur Zeit noch nicht aufgehoben werden könnten. (Hört, hört auf allen Seiten des Hauses.) Damit stimmt auch die Resolution des französischen Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten überein, die lautet- Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten nimmt die Erklärung der Regierung zur Kenntnis und vertraut darauf, daß keine der militärischen oder wirtschaftlichen Sanktionen, die gegenüber Deutschland ergriffen worden sind, aufgehoben werden, bevor die Verpflichtungen, mit Rücksicht auf welche die Sanktionen angewandt, voll ausgeführt worden sind. (Hört, hört!) Ich habe vorhin schon gesagt, daß dieser Standpunkt der französischen Regierung mit Recht und Billigkeit nicht zu vereinbaren ist. (Sehr richtig I auf allen Seiten des Hauses.) und ich muh das wiederholen. Die deutsche Regierung wird sich nicht damit zufrieden geben. Eie werden es mir erlassen, daß ich Ihnen im einzelnen alle diplomatischen Schritte, die wir unternommen haben und noch vorzunehmen beabsichtigen, schildere. Ich kann Ihnen nur die Versicherung geben, daß nichts unterlassen werden wird, um die Aufhebung der Sanktionen zu erreichen. Ich glaube auch, sagen zu dürfen, daß unser Standpunkt bei einem Teil der Alliierten Verständnis findet. Graf Sforza bat einem amerikanischen Interviewer gegenüber erklärt, daß er die Aufrechterhaltung der Sanktionen für ungerechtfertigt halte und daß er für Aufhebung eintreten toerBe. Er hat mich noch kurz vor feinem Rücktritt ermächtigt, auf diese Erklärung hinzuweisen. Ich habe keinen Grund für die Annahme, daß die italienische Regierung ihren Standpunkt in dieser Frage zu andern beabsichtigt. Was England angeht, so habe ich bereits kurz nach Antritt meines Amtes unseren Botschafter in London ersucht, bei der englischen Regierung mit allem Rachdruck dahin vorstellig zu werden, daß die Gewaltmahregeln alsbald aufgehoben werden. Lord Eurzon erinnert in seiner Antwort den deutschen Botschafter daran, dah ebenso wie die QlUiierten Mächte in gemeinsamer Konferenz die Sanktionen verhängt hätten, sie auch nur durch dieselbe Autorität wieder aufgehoben werden könnten. Wie die deutsche Regierung wüßte, sei die englische Regierung zu der Aushebung dieser Sanktionen durchaus bereit immer vorausgesetzt, daß Deutschland in Bezug auf Reparationen und Entwaffnung die Bedingungen des Ultimatums pflichtgemäß ausfuhre. Aus diesen wie aus anderen Gründen hätte die britische Re- gierung einer viel früheren Zusammenkunft des Obersten Rates entgeaengesehen. Ungleicher, weife hätte die französische Regierung aus Grün
den. die dem Botschafter bekannt toären, nicht beigestimmt und selbst jetzt wäre ihre Stellungnahme in Bezug auf die Sanktionen, wie Lord Curzon kürzlich in feiner Unterredung mit Herrn Briand festgestellt hätte, durchaus ablehnend. Die französische Regierung vertrete die Ansicht, daß, bis es hinreichend festgestellt werbe, dah jegliche Gefahr von feiten irregulärer deutschen Truppen beseitigt würden, es für Frankreich unmöglich wäre, die Garantien aufzuheben, die es nun einmal in Händen hätte. Die britische Regierung teile diese Ansicht mit und sei gern bereit, die Angelegenheit zur Erörterung zu bringen. Ich halte es für notwendig, nochmals vor aller Welt festzustellen, daß Deutschland alle Fristen und Bedingungen, die im Ultimatum gestellt sind, mögen sie sich auf die Entwaffnung ober die Reparationsleistungen beziehen, genau erfüllt hat. Ich darf daran erinnern, dah die von uns bewirkte Zahlung von einer Milliarde Goldmark eine so ungeheure finanzielle Leistung darstellt, wie sie die Geschichte überhaupt niemals gesehen hat. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dah sich auch in Frankreich allmählich die Ansicht durchringen wird, daß die Aufhebung der Sanktionen nicht allein eine Forderung der Gerechtigkeit, sondern eine Forderung des gesunden Menschenverständnisses im Interesse derjenigen ist, denen die deutschen Reparationsleistungen zugute kommen sollen. Die Frage der Aufhebung der Sanktionen wird, wie Sie den Mitteilungen von Lord Curzon entnommen haben, von dem Obersten Rat der Alliierten erörtert werden. Wir werden bis dahin nichts unterlassen, was zur Geltendmachung unseres Rechtes dienen kann.
In der Besprechung erklärt zuerst die sozialdemokratische Abg. Sollmann, dah die Arbeiterschaft sich voll der wirtschaftlichen Verwüstungen bewußt sei. die durch die Sanktionen angerichtet würden. Sie fei bereit, auf internationalen Arbeiterkongrefsen einen entsprechenden Schritt einzuleiten. Der Redner schildert dann die Bedrückungen der rheinischen Bevölkerung durch den französischen Militarismus. In den Rheinlanden sei mit Hilfe der Sanktionen eine ungeheure Masse von Luxuswaren aufgespeichert worden, mit denen man Deutschland überschwemmen wolle. Wenn die Behörden nicht gerissener auftreten, würden wir den schwersten Zeiten entgegengehen. Trotz aller Bemühungen habe Frankreich aber in den Rheinlanden absolut keine moralischen Eroberungen machen können. Der Gegensatz gegenüber Frankreich sei nie größer gewesen als jetzt und alle Parteien hätten sich gegen die französische Erpresserpolitik zusammengeschlossen.
Rach 6 Uhr abends vertagt sich schliehlich das Haus. Morgen Weiterberatung, vorher Anfragen und kleine Vorlagen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Juli 1921.
Jahresfest der Landes Universität.
Die Landesuniversttat feiert heute in altgewohnter Weise ihr Iahresfest. Vormittags UV* Uhr fand ein Festakt in der neuen Aula statt, wobei der Rektor. Professor Dr. von Eicken, die Festrede hielt über: „Die Entwicklung der Untersuchungsmethoden des Kehlkopfes". Alsdann verlas er die Chronik der Universität für das vergangene Jahr. Von den Preisaufgaben des abgelaufenen Jahres haben die der theologischen. juristischen und veterinärmedizinischen Fakultät, sowie der akademische Preis der medizinischen Fakultät und der Preis der philosophischen Fakultät aus der griechischen Philologie keine Bearbeitung erfahren. Dn Arbeit für den BalserpreiS: „Der Säuregrad des Scheidensekretes und dessen Schwankungen bei verschiedenen Kategorien von virgi- nellen, mulliparen und multiparen Frauen ist festzust^llen" wurde der Preis zuerkannt. Auch die 4 Bearbeitungen der Preisaufgaben der philosophischen Fakultät konnten mit Preisen ausgezeichnet werden. Die Aufgaben waren: 1. Aus der mittelalterlichen Geschichte: „Die Reichspolitik des Erzbischofs Gerlach von Mainz (1354—1371)“; 2. aus der Kunstwissenschaft: „Der Hausbuchmeister“; 3. aus der Physik: „In der Akustik sind an offenen und gedeckten Pfeifen eigentümliche Einflüsse von Querschnittsänderungen auf die Tonhöhe beobachtet worden. Es sollen die analogen Erscheinungen bei elektromagnetischen Wellen an Drähten gesucht werden“; 4. aus der Nationalökönomie: „Ist der Sozialismus imstande, die landwirtschaftliche Grundrentenblldung zu beseitigen?“
Die Namen der Preisträger werden wir morgen bekanntgeben.
Für die O s a n n - B e u l w i tz - S t i f - t u n g sind folgende Arbeiten eingegangen und mit Preisen bedacht worden:
1. Prof. Dr. Lenz: „Wie hat der Krieg auf den internattonalen Geld- und Kapitalmarkt gewirkt?“ Preis 1500 Mk.
2. Privatdozent Dr. Feulgen: „Die Nucle^msäuren der Pankreasdrüsen“. Preis
3. Referendar Ferd. Meyer: „Der Kampf um die Abschaffung des Unter» 15Oo"M^^es tn Deutschland“. Preis
4. Stud. theol. Ernst Mohr: „Erziehung
BDn 2ot,e 6u aw-
5. Cand. med. bet. Karl Buhl: „An tuberkulösen Rinderlungen ist auf Grund makroskopischer und histologischer Befunderhebungen zu erläutern, wo die Infektton einsetzte. wie sie sich ausgebreitet hat und in welcher Reihenfolge sich die Abweichungen entwickelt haben". Preis 600 Mk.
6. Cand. for. Fritz Zimmer: „Welchen Einfluß üben extensive und intensive Methoden der BestandeSerziehung auf den kurvenmähigen Verlauf des Bodenertragswertes aus und welche Folgerungen sind hieraus für die wirtschaftliche UmtriebSzeit der wichtigsten Holzarten des deutschen Waldes vom Standpunkt des natürlichen und ökonomischen Prinzips zu ziehen?“ Preis 600 Mk. । Heute nachmittag findet ein g e s e l l i g e s !Zusammensein im Philosophenwaldstatt.
Einschränkung des Wasserverbrauchs.
Infolge der sehr geringen Niederschlagsmengen in den letzten Zharen ist der Grundwasserstand ganz gewaltig gesunken. Die Dampfpumpen des Pumpwerkes Queckborn haben daher eine überaus hohe Saughöhe zu überwinden und können den Wasserbedarf, der in der letzten Zeit auf über 9500 Kubikmeter täglich gestiegen ist, nicht mehr herbeischaffen. Die Ergiebigkeit der Stollen — Wasserwerksanlagen bei Grohen-Buseck und im Gießener Stadtwalde ist bereits unter 50 Prozent des Normalen gesunken.
Die Einwohnerschaft wird daher vom Städt. Gas- und Wasserwerk dringend ersucht, den Wasserverbrauch einzuschränken und das Gießen der Gärten mit Wasser aus der Wasserleitung unterlassen zu wollen, da sonst auch hier in Kürze mit einer Wasserkala- mttät zu rechnen ist.
Was der Landmann vom Juli sagt.
Ist der Juli leer und n-ß, bleibt leer Scheune und Faß. — Nur in der Zuliglut wird Obst und Wein dir gut. — Wenn gedeihen soll der Wein, muß der Juli trocken sein. — Ist's aber schön an diesem Tag. viel Frucht man sich versprechen mag. — Des Juli warmer Sonnenschein macht alle Früchte reif und fein. — Wer nicht geht mit dem Rechen, wenn Bien' und Bremsen stechen, geht Winters mit dem Strohseil und fraget: wer hat Stroh feil? — Wechselt Regen und Sonnenschein, wird im Herbste die Ernte sreichlich sein .— Werfen um St. Anna (26.) die Ameisen auf, so folgt ein arger Winter drauf. — Wie der Juli war, ist der 'nächste Januar. — Regnet'S am Marientag. so regnet's vierzehn Tage nach. — Reanet'S am Margareten- tag (13.), keine Nuß gedeihen mag. — So golden die Sonne im Juli strahlt, so golden sich der Roggen mahlt. — Am Margarechentag ist Regen eine Plag! — ,St. Dinzensen Sonnenschein füllt die Fässer mit gutem 'Wein. — An Jakobi Regen, stört den Erntefegen. — Merkt, dah heran Gewitter zieh', schnappt auf der Weid' nach Luft das Vieh; auch wenn'S die Nasen aufwärts streckt und tn die Höh' die Schwänze reckt. — Im Juli will der Bauer schwitzen, anstatt hinter dem Ofen sitzen. — Wie's Wetter am Siebenbrüdertag (10.), es sieben Wochen bleiben mag.
Hundstage hell und klar, Zeigen an ein gutes Jahr; Werden Regen sie bereiten. Kommen nicht die besten Zeiten. Fällt vor Jakobus die Blüte vom Kraut, Wird keine Kartoffel erbaut.
Wettervoraussage
für Samstag:
Wollig bis bedeckt, meist trocken, kühl, nördliche Winde.
Der hohe Druck über England beherrscht in Wechselwirkung mit dem über Finnland liegenden Tief die Wetterlage. Infolge der nördlichen Luftströmung ist mit Fortdauer der kühlen, meist trockenen Witterung zu rechnen.
*
** Personalnachrichten. Der Kabinettsvorstand Wirklicher Geheimerät Gustav von R ö m h e l d Exzellenz, wurde am 28. Juni 1921 unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1921 an in den Ruhestand versetzt.
** Vom Gleibergturm gestürzt hat sich gestern nachmittag, kurz nach 4 Uhr, ein 24 Jahre altes Mädchen aus Lüdenscheid in Westfalen. Das Mädchen war zur Behandlung in der hiesigen Heil- und Pflegeanstalt untergebracht. Gestern sollte die Mutter kommen und ihre Tochter heimholen. Das Mädchen hatte anscheinend Angst vor der Mutter und entfernte sich, um in den Tod zu gehen, der selbstverständlich unmittelbar nach dem Sturz eingetreten war.
** Die Großhandelserlaubnis. Großhandel mit Lebens- und Futtermitteln, Tabak und Tabakwaren, Wein und Spirituosen und Arzneimitteln darf nur von solchen Personen betrieben werden, die im Besitz des vorgeschriebenen Erlaubnisscheins sind. Da noch immer Personen teils bewußt, teils unbewußt ohne diese Erfordernis Handel treiben, wird hiermit wiederholt daraus hingewiesen, daß die Betreffenden durch ihre Tätigkeit neben Besttafung auch die Beschlagnahme der handelnden Gegenstände zu gewärtigen haben. Unter Großhandel ist jeder Verkauf an Wiederverkäufer, ohne Rücksicht auf die zu handelnde Menge zu verstehen. Zum Verkauf unmittelbar an den Verbraucher ist die Großhandelserlaubnis nicht erforderlich. Der Erlaubnis zum Großhandel bedürfen neben den Fabrikanten sämtliche Han- deltteibenden, die ein selbständiges Handelsgewerbe ausüben. Es ist dies der Hall bei Kommissionären, Handelsmäklern und Handelsagenten. Hierbei kommt es nicht darauf an, ob im eigenen oder fremden Namen gekauft oder verkauft wird. Ob auch ^Handlungsgehilfen der Handelserlaubnis bedürfen, hängt von dem Grad der Selbständigkeit ab, die sie im Betrieb haben. «Das Reichsgericht hat sie für den Fall der mit besonders weitgehenden Befugnissen ausgestatteten Leiter von Zweigniederlassungen bejaht. Auch der Provisionsvertteter bedarf der Erlaubnis, insbesondere dann, wenn er als solcher seine Reisen auf eigene Rechnung macht. Anttäge auf Zulassung zum Großhandel sind für die Bewohner der Stadt Gießen für Lebens- und Futtermittel, Tabak und Tabakwaren bei dem Oberbürgermeister, für Wein, Spirituosen und Arzneimittel bei dem Kreisamt zu stellen.
•• Herr Wilhelm Best, Prokurist der Firma Chr. Inderchal, hier, blickt heute auf eine 25jährige Tätigkeit zurück.
** Sein 25jähriges Arbeitsjubi- läum bei den hiesigen Universitätskliniken be
I geht heute der Werkmeister Justus Haas der 1 Universitäts-Augen- und Kinderklinik, der am I 5. v. Mts das Fest der silbernen Hochzeit feierte.
•• Der Gießener Radsahre r-V e r e l n 1 8 8 5 E-V. bittet die Mitbürger um zahlreichen Flaggenschmuck am 2., 3. und 4. Juli zum Gau- Sommerfest des Gaues IXa Sieg-Lahn des Bundes Deutscher Radfahrer, insbesondere der Straßen, durch die sich der Preis- und Schmuckkorso bewegt. (Näheres siehe Anzeige.)
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag: Lichtspielhaus, „Cabiria, 2. Teil“. — Lichtspiele, Seltersweg, wie gestern.
— Aus dem Stadttheaterbureau Für das einmalige Operetten-Gastspiel des Mainzer Stadttheaters am kommenden Mittwoch gibt sich hier, wie auch in Bad-Rau- heim, wo dieselbe Aufführung am Donnerstag ßattfindet, bereits das lebhafteste Interesse Unb. Der Besuch der Vorstellung ist umsomehr zu empfehlen, da eine weitere Aufführung des Werkes, auch im Winter, wegen der anspruchsvollen Besetzung vollkommen ausgeschlossen ist und sich nur durch die Kombination Gießen-Dad-Rauheim die Aufführung am Mittwoch ermöglichen läßt. Die Kosten der Aufführung sind fast dieselben wie bei den Darmstädter Gastspielen und so muß wohl damit gerechnet werden, daß auch der Besuch ein sehr guter wird. Der Komponist des Walzertraums hat in „Der letzte Walzer" ein reizendes, melodiöses Werk geschaffen, daS wirklich einen Triumphzug über alle Opern- und Operettenbühnen Deutschlands und Oesterreichs macht
Kreis Alsfeld.
X Sichertshausen. 29. Juni. Wie auS dem Anzeigenteil ersichtlich, findet Sonntag. 3. Juli, nachmittags 2 Uhr, die Einweihung unseres Kriegerdenkmals statt. Festredner sind Metropolitan Eigenbrvdt. Hassenhausen, und der Schriftsteller Raumann. Ranzhausen. Verschönert wird das Fest durch die Mitwirkung des Posaunenchors, des Mannergesangverein-, des Gemischten Chors. Die Ausführung des würdigen Denkmals ist durch die Firma Gombert in Wolfshausen geschehen.
Kreis Friedberg.
* Bad-Nauheim, 1. Juli. Bis zmn 30. Juni 1921 betrug der Gesamtbesuch des Bades 17 614 Kurgäste.
Hessen-Nassau.
Abbruch der Luftschiffhalle Frankfurt.
fpd. Frankfurt a. M., 30. Juni. Auf Anordnung der Entente muh nunmehr in aller Kürze der Abbruch der Luftschiffhalle erfolgen. Die Halle, deren Abbruch eine Firma aus Baden-Baden übernommen hat, darf an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, muß aber sieben Meter niedriger als ursprünglich sein. Bisher war die Halle, an die sich die stolzesten (Erinnerungen der deutschen Luft- schiffahrt knüpfen, 29,50 Meter hoch.
Der Hanauer Mainhafen.
X. Hanau, 29. Juni. Der Stadtgemeinde Hanau ist für den Bau des Industrie- und Sicherheitshafens, sowie für die Herrichtung des für die Hafenzwecke erforderlichen Industriegeländes vom Minister für Handel und Gewerbe das Recht der Anwendung des vereinfachten Enteignungsverfahrens verliehen worden.
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fpd. Frankfurt a. M., 30. Juni. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte mit großer Mehrheit den geforderten Zuschuß von 7 50 000 Mk. für die Universität und genehmigte daneben die schon seit Jahren übliche regelmäßige Unterstützung von 75 000 Mark.
•• Kurze Nachrichten auS Hessen und den Nachbarstaaten. Zu den vielen Vereinen, die in L i ch bestehen, hat sich jetzt noch ein Schühenverein hinzugesellt. — InGonters- lirchen wurde am Montag ein Buß-und Bettag, der sogenannte Hagelfeiertag gefeiert, zum Andenken an ein vor 153 Jahren in der Gemeinde niedergegangenes furchtbares Hagelwetter, das sämtliche Früchte auf dem Felde restlos vernichtete. ----Durch "biß Schulmädchen der Oberklaffe wurde am letzten Sonntag in der Gemeinde Ruppertenrod ein Kinderopfer erhoben, das 370 Mk. ergab. Einem Landwirt des Ortes wurde in der Rächt ein wertvolles Fahrrad gestohlen. — In Dutenhofen legte ein Bursche leichtsinniger- weise ein geladenes Gewehr auf ein Mädchen an, das tötlich getroffen zu Boden sank. — Als die Tagelöhnersfrau Hochwart in Obergimpern auf ihrem Speicher aus einer Truhe Futter holen wollte, fand sie in der Futtertruhe ihre drei Kinder im Alter von 8, 6 und 3 Jahren t o t vor. Die Kleinen hatten sich beim Spielen in der Truhe versteckt, hierbei ist der Deckel zugeschlagen, und die Kinder erlitten den Erstickungstod.
Kirche und Schule.
Die Aufnahme der Schüler in die unterste Klasse der höheren Lehranstalten.
Das Landesamt für das BlldungSwese? hat nunmehr die erforderlichen Bestimmungen über die Aufnahme der Schüler in die unterste Klasse der höheren Schulen für die nächsten Zähre getroffen.
Die Kinder, die Ostern 1919 und 1920 schulpflichtig geworden find, können noch nach dreijährigem Besuch der Grundschule in die Sexta der höheren Knabenschulen oder in die 7. Klasse der höheren Mädchenschule ausgenommen werden. Es können also die Kinder, die jetzt im 3. Schuljahre stehen, zu Ostern 1922 in die Sexta übertreten, und die Kinder, die jetzt im 2. Schuljahre stehen, können es Ostern 1923. Die Kinder dagegen, die Ostern 1921 schulpflichtig geworden sind, sich also augenblicklich im 1. Schuljahre befinden, müssen die Grundschule 4 Jahre besuchen und können erst Ostern 1925 in die unterste Klasse der höheren Schulen ausgenommen werden.
Zu Ostern 1924 werden an den höheren Schulen Sexten nur insoweit eingerichtet, als


