Ausgabe 
1.7.1921
 
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unä durch Arbeit zur Freiheit führen. Möge er dafür sorgen, dah wir nicht infolge der Sank­tionen aus einem furchtbaren Traum erwachen. Wenn der Vogel Strauß seinen Kopf wieder aus dem Sande strecke, werde er einen furchtbaren Schrecken bekommen. Wenn Frankreich glaube, die Sanktionen aufrecht erhalten zu müssen, um Las Kabinett Wirth zu stützen, so sei das die merkwürdigste Begründung. die jemals für eine Gewaltpolitik angeführt worden sei. Alle diese Mittel aber, die Liebe der Rheinländer zu er­werben, seien fehlgeschlagen. Umsonst seien alle Feste und Konzerte gewesen, jeder Bürger ziehe sich zurück. Man will die Rheinlande schließlich Frankreich einverleiben, vielleicht zunächst in Form eines Pufferstaates. Genau wie einst Richelieu und Rapoleon I. gehandelt haben, macht es heute Frankreich. Wir haben keine Dersammlungs- und keine Pressefreiheit. Unsere Briefe werden er­brochen,- nicht einmal unseren Frauen können wir ungestört schreiben. (Zurufe links, Proteste rechts und in der Mitte.) 7 Millionen Menschen sind in der schamlosesten Form hilflos gemacht und ihre Rechte werden mit Füßen getreten.

Reichsminister des Aeußeren Dr. Rosen:

Unmittelbar nach dem Einrücken der alliier­ten Streitkräfte in die Städte Duisburg, Düssel­dorf und Ruhrort haben wir in einer an den Völkerbund gerichteten Rote die Unvereinbar­keit dieser Maßnahme mit dem Vertrag von Versailles dargelegt. Sobald die interalliierte Dheinlandkommission in Form einer Ordonnanz eine besondere Zollgrenze in den Rheinlanden errichtet hat. haben wir durch unsere Vertreter in Paris, London und Brüssel Verwahrung gegen diese Maßnahme eingelegt, die nach unserer Ueberzeugung eine Verletzung des Vertrages von Versailles und des Rhetnlandabkommens ent­hielt. Beide Proteste sind ungehört geblieben. 3d) glaube, daß es nicht nötig ist, dem Hohen Hause im einzelnen die außerordentlichen und schwerwiegenden Folgen und wirtschaftlichen Schä­digungen darzulegen, welche durch die Besetzung von Düsseldorf. Ruhrort und Duisburg und durch die Errichtung eines besonderen Zollregimes in den Rheinlanden entstanden sind. Es ist unsere Auffassung, auch wenn darüber keine ausdrück­lichen Vereinbarungen bestehen, ein einfaches und klares Gebot der Loyalität, daß die Sanktionen sofort und restlos aufgehoben werden. Zu meinem tiefen Bedauern nimmt die französische Regie­rung in dieser Angelegenheit einen Standpunkt ein, der mit Recht und Billigkeit schlechthin un­vereinbar ist. Der Ausschuß der französischen Kammer für auswärtige Angelegenheiten hatte sich in einer der letzten Tagungen auch mit der Frage der Aufhebung der Sanktionen am Rheine befaßt, wobei Ministerpräsident B r i a n d sich gegen die Aufhebung der Gewaltmaßnahmen aussprach. (Hört.hört!) 3ch habe daher unseren Botschafter in Paris sofort angewiesen, Herrn Briand in nachdrücklichster Weise zu sagen, daß die Aufrechterhaltung dieser Gewaltmaßnahmen nach der Annahme des Ultimatums und nach den Leistungen zur Erfüllung des Ultimatums unbe­rechtigt seien. 3n Deutschland werde, falls nicht in allernächster Zeit die Absicht der französischen Regierung, einer Aufhebung der Sanktionen zu- zusttmmen, in irgend einer Weise bekannt werde, der Zweifel an Boden gewinnen, ob es Frankreich ernst damit sei. die für das Fortbestehen der deutschen Regierung und damit für die Möglich­keit der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen erforderlichen Voraussetzungen zu geben. Der Bot- schaster hatte darauf vorgestern eine Unter­redung mit Herrn Briand gehabt. Herr Briand hat Dem Botschafter mitgeteilt. er habe in dem Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten sich Ebenso geäußert, wie im Senatsausschutz am 22. Juni. Er habe bemerkt, die Aufhebung der Sanltionen könne erst in Kraft treten, wenn das Objekt, auf das sich die Sanktionen beziehen, verwirklicht sei. Der Botschafter hat dem­gegenüber mit allem Rachdruck darauf hinge­wiesen. daß der deutschen Regierung nicht der Vorwurf gemacht werden kann, datz sie die Ver­pflichtungen des Ultimatums nicht erfüllt habe. Briand habe jedoch auch dem Botschafter zum Ausdruck gebracht, datz nach seiner Meinung die Sanktionen zur Zeit noch nicht aufgehoben werden könnten. (Hört, hört auf allen Seiten des Hauses.) Damit stimmt auch die Reso­lution des französischen Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten überein, die lautet- Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten nimmt die Erklärung der Regierung zur Kennt­nis und vertraut darauf, daß keine der militäri­schen oder wirtschaftlichen Sanktionen, die gegen­über Deutschland ergriffen worden sind, aufge­hoben werden, bevor die Verpflichtungen, mit Rücksicht auf welche die Sanktionen angewandt, voll ausgeführt worden sind. (Hört, hört!) Ich habe vorhin schon gesagt, daß dieser Stand­punkt der französischen Regierung mit Recht und Billigkeit nicht zu vereinbaren ist. (Sehr richtig I auf allen Seiten des Hauses.) und ich muh das wiederholen. Die deutsche Regierung wird sich nicht damit zufrieden geben. Eie werden es mir erlassen, daß ich Ihnen im einzelnen alle diplo­matischen Schritte, die wir unternommen haben und noch vorzunehmen beabsichtigen, schildere. Ich kann Ihnen nur die Versicherung geben, daß nichts unterlassen werden wird, um die Auf­hebung der Sanktionen zu erreichen. Ich glaube auch, sagen zu dürfen, daß unser Standpunkt bei einem Teil der Alliierten Verständnis findet. Graf Sforza bat einem amerikanischen Inter­viewer gegenüber erklärt, daß er die Aufrecht­erhaltung der Sanktionen für ungerechtfertigt halte und daß er für Aufhebung eintreten toerBe. Er hat mich noch kurz vor feinem Rücktritt ermäch­tigt, auf diese Erklärung hinzuweisen. Ich habe keinen Grund für die Annahme, daß die italie­nische Regierung ihren Standpunkt in dieser Frage zu andern beabsichtigt. Was England angeht, so habe ich bereits kurz nach Antritt meines Amtes unseren Botschafter in London ersucht, bei der englischen Regierung mit allem Rachdruck dahin vorstellig zu werden, daß die Gewaltmahregeln alsbald aufgehoben werden. Lord Eurzon erinnert in seiner Antwort den deutschen Botschafter daran, dah ebenso wie die QlUiierten Mächte in gemein­samer Konferenz die Sanktionen verhängt hätten, sie auch nur durch dieselbe Autorität wieder auf­gehoben werden könnten. Wie die deutsche Re­gierung wüßte, sei die englische Regierung zu der Aushebung dieser Sanktionen durchaus bereit immer vorausgesetzt, daß Deutschland in Bezug auf Reparationen und Entwaff­nung die Bedingungen des Ultimatums pflichtgemäß ausfuhre. Aus diesen wie aus anderen Gründen hätte die britische Re- gierung einer viel früheren Zusammenkunft des Obersten Rates entgeaengesehen. Ungleicher, weife hätte die französische Regierung aus Grün­

den. die dem Botschafter bekannt toären, nicht beigestimmt und selbst jetzt wäre ihre Stellung­nahme in Bezug auf die Sanktionen, wie Lord Curzon kürzlich in feiner Unterredung mit Herrn Briand festgestellt hätte, durchaus ablehnend. Die französische Regierung vertrete die Ansicht, daß, bis es hinreichend festgestellt werbe, dah jegliche Gefahr von feiten irregulärer deutschen Truppen beseitigt würden, es für Frankreich unmöglich wäre, die Garantien aufzuheben, die es nun einmal in Händen hätte. Die britische Regierung teile diese Ansicht mit und sei gern bereit, die Angelegenheit zur Erörterung zu bringen. Ich halte es für notwendig, nochmals vor aller Welt festzustellen, daß Deutschland alle Fristen und Be­dingungen, die im Ultimatum gestellt sind, mögen sie sich auf die Entwaffnung ober die Repara­tionsleistungen beziehen, genau erfüllt hat. Ich darf daran erinnern, dah die von uns be­wirkte Zahlung von einer Milliarde Goldmark eine so ungeheure finanzielle Leistung darstellt, wie sie die Geschichte überhaupt niemals gesehen hat. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dah sich auch in Frankreich allmählich die Ansicht durchringen wird, daß die Aufhebung der Sanktionen nicht allein eine Forderung der Gerechtigkeit, sondern eine Forderung des gesunden Menschenverständ­nisses im Interesse derjenigen ist, denen die deut­schen Reparationsleistungen zugute kommen sollen. Die Frage der Aufhebung der Sanktionen wird, wie Sie den Mitteilungen von Lord Curzon ent­nommen haben, von dem Obersten Rat der Alli­ierten erörtert werden. Wir werden bis dahin nichts unterlassen, was zur Geltendmachung un­seres Rechtes dienen kann.

In der Besprechung erklärt zuerst die sozial­demokratische Abg. Sollmann, dah die Ar­beiterschaft sich voll der wirtschaftlichen Ver­wüstungen bewußt sei. die durch die Sanktionen angerichtet würden. Sie fei bereit, auf inter­nationalen Arbeiterkongrefsen einen entsprechen­den Schritt einzuleiten. Der Redner schildert dann die Bedrückungen der rheinischen Bevölkerung durch den französischen Militarismus. In den Rheinlanden sei mit Hilfe der Sanktionen eine un­geheure Masse von Luxuswaren aufgespeichert worden, mit denen man Deutschland überschwem­men wolle. Wenn die Behörden nicht gerissener auftreten, würden wir den schwersten Zeiten ent­gegengehen. Trotz aller Bemühungen habe Frank­reich aber in den Rheinlanden absolut keine mora­lischen Eroberungen machen können. Der Gegen­satz gegenüber Frankreich sei nie größer gewesen als jetzt und alle Parteien hätten sich gegen die französische Erpresserpolitik zusammengeschlossen.

Rach 6 Uhr abends vertagt sich schliehlich das Haus. Morgen Weiterberatung, vorher An­fragen und kleine Vorlagen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 1. Juli 1921.

Jahresfest der Landes Universität.

Die Landesuniversttat feiert heute in alt­gewohnter Weise ihr Iahresfest. Vormittags UV* Uhr fand ein Festakt in der neuen Aula statt, wobei der Rektor. Professor Dr. von Eicken, die Festrede hielt über:Die Ent­wicklung der Untersuchungsmetho­den des Kehlkopfes". Alsdann verlas er die Chronik der Universität für das ver­gangene Jahr. Von den Preisaufgaben des abgelaufenen Jahres haben die der theo­logischen. juristischen und veterinärmedizini­schen Fakultät, sowie der akademische Preis der medizinischen Fakultät und der Preis der philosophischen Fakultät aus der griechischen Philologie keine Bearbeitung erfahren. Dn Arbeit für den BalserpreiS:Der Säure­grad des Scheidensekretes und dessen Schwan­kungen bei verschiedenen Kategorien von virgi- nellen, mulliparen und multiparen Frauen ist festzust^llen" wurde der Preis zuerkannt. Auch die 4 Bearbeitungen der Preisaufgaben der philosophischen Fakultät konnten mit Preisen ausgezeichnet werden. Die Auf­gaben waren: 1. Aus der mittelalterlichen Geschichte:Die Reichspolitik des Erzbischofs Gerlach von Mainz (13541371); 2. aus der Kunstwissenschaft:Der Hausbuchmeister; 3. aus der Physik:In der Akustik sind an offenen und gedeckten Pfeifen eigentümliche Einflüsse von Querschnittsänderungen auf die Tonhöhe beobachtet worden. Es sollen die analogen Erscheinungen bei elektromagneti­schen Wellen an Drähten gesucht werden; 4. aus der Nationalökönomie:Ist der Sozia­lismus imstande, die landwirtschaftliche Grundrentenblldung zu beseitigen?

Die Namen der Preisträger werden wir morgen bekanntgeben.

Für die O s a n n - B e u l w i tz - S t i f - t u n g sind folgende Arbeiten eingegangen und mit Preisen bedacht worden:

1. Prof. Dr. Lenz:Wie hat der Krieg auf den internattonalen Geld- und Kapital­markt gewirkt? Preis 1500 Mk.

2. Privatdozent Dr. Feulgen:Die Nucle^msäuren der Pankreasdrüsen. Preis

3. Referendar Ferd. Meyer:Der Kampf um die Abschaffung des Unter» 15Oo"M^^es tn Deutschland. Preis

4. Stud. theol. Ernst Mohr:Erziehung

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5. Cand. med. bet. Karl Buhl:An tuberkulösen Rinderlungen ist auf Grund ma­kroskopischer und histologischer Befunderhe­bungen zu erläutern, wo die Infektton ein­setzte. wie sie sich ausgebreitet hat und in welcher Reihenfolge sich die Abweichungen entwickelt haben". Preis 600 Mk.

6. Cand. for. Fritz Zimmer:Welchen Einfluß üben extensive und intensive Me­thoden der BestandeSerziehung auf den kurvenmähigen Verlauf des Bodenertrags­wertes aus und welche Folgerungen sind hieraus für die wirtschaftliche UmtriebSzeit der wichtigsten Holzarten des deutschen Waldes vom Standpunkt des natürlichen und ökonomi­schen Prinzips zu ziehen? Preis 600 Mk. Heute nachmittag findet ein g e s e l l i g e s !Zusammensein im Philosophenwaldstatt.

Einschränkung des Wasserverbrauchs.

Infolge der sehr geringen Niederschlags­mengen in den letzten Zharen ist der Grund­wasserstand ganz gewaltig gesunken. Die Dampfpumpen des Pumpwerkes Queckborn haben daher eine überaus hohe Saughöhe zu überwinden und können den Wasserbedarf, der in der letzten Zeit auf über 9500 Kubikmeter täglich gestiegen ist, nicht mehr herbeischaffen. Die Ergiebigkeit der Stollen Wasserwerks­anlagen bei Grohen-Buseck und im Gießener Stadtwalde ist bereits unter 50 Prozent des Normalen gesunken.

Die Einwohnerschaft wird daher vom Städt. Gas- und Wasserwerk dringend er­sucht, den Wasserverbrauch einzuschränken und das Gießen der Gärten mit Wasser aus der Wasserleitung unterlassen zu wollen, da sonst auch hier in Kürze mit einer Wasserkala- mttät zu rechnen ist.

Was der Landmann vom Juli sagt.

Ist der Juli leer und n-ß, bleibt leer Scheune und Faß. Nur in der Zuliglut wird Obst und Wein dir gut. Wenn ge­deihen soll der Wein, muß der Juli trocken sein. Ist's aber schön an diesem Tag. viel Frucht man sich versprechen mag. Des Juli warmer Sonnenschein macht alle Früchte reif und fein. Wer nicht geht mit dem Rechen, wenn Bien' und Bremsen stechen, geht Win­ters mit dem Strohseil und fraget: wer hat Stroh feil? Wechselt Regen und Sonnen­schein, wird im Herbste die Ernte sreichlich sein . Werfen um St. Anna (26.) die Amei­sen auf, so folgt ein arger Winter drauf. Wie der Juli war, ist der 'nächste Januar. Regnet'S am Marientag. so regnet's vier­zehn Tage nach. Reanet'S am Margareten- tag (13.), keine Nuß gedeihen mag. So gol­den die Sonne im Juli strahlt, so golden sich der Roggen mahlt. Am Margarechentag ist Regen eine Plag! ,St. Dinzensen Son­nenschein füllt die Fässer mit gutem 'Wein. An Jakobi Regen, stört den Erntefegen. Merkt, dah heran Gewitter zieh', schnappt auf der Weid' nach Luft das Vieh; auch wenn'S die Nasen aufwärts streckt und tn die Höh' die Schwänze reckt. Im Juli will der Bauer schwitzen, anstatt hinter dem Ofen sitzen. Wie's Wetter am Siebenbrüdertag (10.), es sieben Wochen bleiben mag.

Hundstage hell und klar, Zeigen an ein gutes Jahr; Werden Regen sie bereiten. Kommen nicht die besten Zeiten. Fällt vor Jakobus die Blüte vom Kraut, Wird keine Kartoffel erbaut.

Wettervoraussage

für Samstag:

Wollig bis bedeckt, meist trocken, kühl, nörd­liche Winde.

Der hohe Druck über England beherrscht in Wechselwirkung mit dem über Finnland liegenden Tief die Wetterlage. Infolge der nördlichen Luft­strömung ist mit Fortdauer der kühlen, meist trockenen Witterung zu rechnen.

*

** Personalnachrichten. Der Ka­binettsvorstand Wirklicher Geheimerät Gustav von R ö m h e l d Exzellenz, wurde am 28. Juni 1921 unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1921 an in den Ruhestand versetzt.

** Vom Gleibergturm gestürzt hat sich gestern nachmittag, kurz nach 4 Uhr, ein 24 Jahre altes Mädchen aus Lüdenscheid in Westfalen. Das Mädchen war zur Be­handlung in der hiesigen Heil- und Pflege­anstalt untergebracht. Gestern sollte die Mut­ter kommen und ihre Tochter heimholen. Das Mädchen hatte anscheinend Angst vor der Mutter und entfernte sich, um in den Tod zu gehen, der selbstverständlich unmittelbar nach dem Sturz eingetreten war.

** Die Großhandelserlaubnis. Großhandel mit Lebens- und Futtermitteln, Tabak und Tabakwaren, Wein und Spirituo­sen und Arzneimitteln darf nur von solchen Personen betrieben werden, die im Besitz des vorgeschriebenen Erlaubnisscheins sind. Da noch immer Personen teils bewußt, teils un­bewußt ohne diese Erfordernis Handel trei­ben, wird hiermit wiederholt daraus hinge­wiesen, daß die Betreffenden durch ihre Tä­tigkeit neben Besttafung auch die Beschlag­nahme der handelnden Gegenstände zu ge­wärtigen haben. Unter Großhandel ist jeder Verkauf an Wiederverkäufer, ohne Rücksicht auf die zu handelnde Menge zu verstehen. Zum Verkauf unmittelbar an den Verbrau­cher ist die Großhandelserlaubnis nicht erfor­derlich. Der Erlaubnis zum Großhandel be­dürfen neben den Fabrikanten sämtliche Han- deltteibenden, die ein selbständiges Handels­gewerbe ausüben. Es ist dies der Hall bei Kommissionären, Handelsmäklern und Han­delsagenten. Hierbei kommt es nicht darauf an, ob im eigenen oder fremden Namen ge­kauft oder verkauft wird. Ob auch ^Hand­lungsgehilfen der Handelserlaubnis bedür­fen, hängt von dem Grad der Selbständigkeit ab, die sie im Betrieb haben. «Das Reichsge­richt hat sie für den Fall der mit besonders weitgehenden Befugnissen ausgestatteten Lei­ter von Zweigniederlassungen bejaht. Auch der Provisionsvertteter bedarf der Erlaubnis, insbesondere dann, wenn er als solcher seine Reisen auf eigene Rechnung macht. Anttäge auf Zulassung zum Großhandel sind für die Bewohner der Stadt Gießen für Lebens- und Futtermittel, Tabak und Tabakwaren bei dem Oberbürgermeister, für Wein, Spiri­tuosen und Arzneimittel bei dem Kreisamt zu stellen.

Herr Wilhelm Best, Prokurist der Firma Chr. Inderchal, hier, blickt heute auf eine 25jährige Tätigkeit zurück.

** Sein 25jähriges Arbeitsjubi- läum bei den hiesigen Universitätskliniken be­

I geht heute der Werkmeister Justus Haas der 1 Universitäts-Augen- und Kinderklinik, der am I 5. v. Mts das Fest der silbernen Hochzeit feierte.

Der Gießener Radsahre r-V e r e l n 1 8 8 5 E-V. bittet die Mitbürger um zahlreichen Flaggenschmuck am 2., 3. und 4. Juli zum Gau- Sommerfest des Gaues IXa Sieg-Lahn des Bun­des Deutscher Radfahrer, insbesondere der Straßen, durch die sich der Preis- und Schmuck­korso bewegt. (Näheres siehe Anzeige.)

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag: Lichtspielhaus,Cabiria, 2. Teil. Licht­spiele, Seltersweg, wie gestern.

Aus dem Stadttheaterbureau Für das einmalige Operetten-Gastspiel des Mainzer Stadttheaters am kommenden Mittwoch gibt sich hier, wie auch in Bad-Rau- heim, wo dieselbe Aufführung am Donnerstag ßattfindet, bereits das lebhafteste Interesse Unb. Der Besuch der Vorstellung ist umsomehr zu emp­fehlen, da eine weitere Aufführung des Werkes, auch im Winter, wegen der anspruchsvollen Be­setzung vollkommen ausgeschlossen ist und sich nur durch die Kombination Gießen-Dad-Rauheim die Aufführung am Mittwoch ermöglichen läßt. Die Kosten der Aufführung sind fast dieselben wie bei den Darmstädter Gastspielen und so muß wohl damit gerechnet werden, daß auch der Besuch ein sehr guter wird. Der Komponist des Walzer­traums hat inDer letzte Walzer" ein reizendes, melodiöses Werk geschaffen, daS wirk­lich einen Triumphzug über alle Opern- und Ope­rettenbühnen Deutschlands und Oesterreichs macht

Kreis Alsfeld.

X Sichertshausen. 29. Juni. Wie auS dem Anzeigenteil ersichtlich, findet Sonntag. 3. Juli, nachmittags 2 Uhr, die Einweihung un­seres Kriegerdenkmals statt. Festredner sind Metropolitan Eigenbrvdt. Hassenhausen, und der Schriftsteller Raumann. Ranzhausen. Ver­schönert wird das Fest durch die Mitwirkung des Posaunenchors, des Mannergesangverein-, des Gemischten Chors. Die Ausführung des wür­digen Denkmals ist durch die Firma Gombert in Wolfshausen geschehen.

Kreis Friedberg.

* Bad-Nauheim, 1. Juli. Bis zmn 30. Juni 1921 betrug der Gesamtbesuch des Bades 17 614 Kurgäste.

Hessen-Nassau.

Abbruch der Luftschiffhalle Frankfurt.

fpd. Frankfurt a. M., 30. Juni. Auf Anordnung der Entente muh nunmehr in aller Kürze der Abbruch der Luftschiffhalle er­folgen. Die Halle, deren Abbruch eine Firma aus Baden-Baden übernommen hat, darf an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, muß aber sieben Meter niedriger als ursprünglich sein. Bisher war die Halle, an die sich die stolzesten (Erinnerungen der deutschen Luft- schiffahrt knüpfen, 29,50 Meter hoch.

Der Hanauer Mainhafen.

X. Hanau, 29. Juni. Der Stadtge­meinde Hanau ist für den Bau des In­dustrie- und Sicherheitshafens, sowie für die Herrichtung des für die Hafen­zwecke erforderlichen Industriegeländes vom Minister für Handel und Gewerbe das Recht der Anwendung des vereinfachten Enteig­nungsverfahrens verliehen worden.

*

fpd. Frankfurt a. M., 30. Juni. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte mit großer Mehrheit den geforderten Zuschuß von 7 50 000 Mk. für die Universität und genehmigte daneben die schon seit Jahren übliche regelmäßige Unterstützung von 75 000 Mark.

Kurze Nachrichten auS Hessen und den Nachbarstaaten. Zu den vielen Vereinen, die in L i ch bestehen, hat sich jetzt noch ein Schühenverein hinzugesellt. InGonters- lirchen wurde am Montag ein Buß-und Bettag, der sogenannte Hagelfeiertag gefeiert, zum An­denken an ein vor 153 Jahren in der Gemeinde niedergegangenes furchtbares Hagelwetter, das sämtliche Früchte auf dem Felde restlos vernichtete. ----Durch "biß Schulmädchen der Oberklaffe wurde am letzten Sonntag in der Gemeinde Rupper­tenrod ein Kinderopfer erhoben, das 370 Mk. ergab. Einem Landwirt des Ortes wurde in der Rächt ein wertvolles Fahrrad gestohlen. In Dutenhofen legte ein Bursche leichtsinniger- weise ein geladenes Gewehr auf ein Mädchen an, das tötlich getroffen zu Boden sank. Als die Tagelöhnersfrau Hochwart in Obergimpern auf ihrem Speicher aus einer Truhe Futter holen wollte, fand sie in der Futtertruhe ihre drei Kinder im Alter von 8, 6 und 3 Jahren t o t vor. Die Kleinen hatten sich beim Spielen in der Truhe versteckt, hierbei ist der Deckel zugeschlagen, und die Kinder erlitten den Erstickungstod.

Kirche und Schule.

Die Aufnahme der Schüler in die unterste Klasse der höheren Lehranstalten.

Das Landesamt für das BlldungSwese? hat nunmehr die erforderlichen Bestimmungen über die Aufnahme der Schüler in die unterste Klasse der höheren Schulen für die nächsten Zähre getroffen.

Die Kinder, die Ostern 1919 und 1920 schulpflichtig geworden find, können noch nach dreijährigem Besuch der Grundschule in die Sexta der höheren Knabenschulen oder in die 7. Klasse der höheren Mädchenschule ausge­nommen werden. Es können also die Kinder, die jetzt im 3. Schuljahre stehen, zu Ostern 1922 in die Sexta übertreten, und die Kinder, die jetzt im 2. Schuljahre stehen, können es Ostern 1923. Die Kinder dagegen, die Ostern 1921 schulpflichtig geworden sind, sich also augenblicklich im 1. Schuljahre befinden, müssen die Grundschule 4 Jahre besuchen und können erst Ostern 1925 in die unterste Klasse der höheren Schulen ausgenommen werden.

Zu Ostern 1924 werden an den höheren Schulen Sexten nur insoweit eingerichtet, als