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Erster Blatt 171. Jahrgang Zrettag, 1. Juli 1921
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Eine
der
tiekvmitee ortgesetzt.
tietomitee und den Vertretern der deutschen Regierung übermittelte das Garantiekomitee der deutschen Regierung 5 Roten, in welchen zu den deutschen Vorschlägen Stellung genommen wird. Die erste Rote behandelt allgemeine Fragen zur Ausführung des Zahlungsplanes vom 5. Mai 1921. Die von der deutschen Regierung gemachten Vorschläge werden unter einem gewissen Vorbehalt für das lausende Jahr angenommen, daß unter gewissen Voraussetzungen außer der bis zum 31. August zu zahlenden MU- fiarde Gvldmark in dem ersten Jahr zum 1. Mai
Völkerbundstagung in London.
Heimatsliebe aus, für die Kampferfolge, die sie errungen und für die Besonnenheit, die sie bewiesen haben. Ruch den im Augenblick noch un- erlöften Landsleuten dankt der General, daß sie bis zuletzt sich mit Treue zu ihrem Deutschtum bekannt haben. Gelingt den Alliierten die Säuberung des Landes von den Insurgenten, dann sei die Aufgabe des Selbstschutzes jetzt erfüllt und er werde sich wieder auflösen.
Fünf Noten der Garantiekommission
। 300 Millionen Gold- I geglaubt, unsere Mithilfe, die ich ihr immer rend die übrigen nach wieder angeboten habe, ablehnen zu müssen. Das
dem Zahlungsplan zu leistenden Summen durch | Sachleistungen und durch Erhebung einer Aus- suhrabgabe in den Ententeländern abgegolten werden, vorausgesetzt, das) die Sachleistungen und die Aussuhrabgabe den angenommenen -Umfang erreichen. 3m weiteren Verlaufe betont die Rote die Rotwendigkeit, denKursderMan zu festigen und hierzu das Budget durch eine Finanzreform ins Gleichgewicht zu bringen. Die Rote beschäftigt sich mit dem Begriff „Ausfuhr" und ersucht die deutsche Regierung, den Ausfuhrindex durch einen anderen Wertmesser für die wirtschaftliche Leistungsfähigfeit Deutschlands zu ersehen. Hier wird die endgültige Entscheidung der Reparationskommissivn aus Grund weiterer Vorschläge der deutschen Regierung Vorbehalten. 3n der briten Rote wird die Erhebung einer Ausfuhrabgabe von 26 Prozent besprochen. Das Garantiekomitee behält sich ausdrücklich das Recht vor, eine Erhebung der Ausfuhrabgabe zum Zwecke der Devisenbeschaffung zu verlangen, wenn eine anderweitige Beschaffung der Devisen zum Zwecke der (Erfüllung der variablen Leistungen des Zahlungsplanes zuu Schwierigkeiten führen sollte. 3n der vierten Rote wird wegen der Zölle bemerkt, das) das Garantiekomitee aus eine Verschreibung die Zolleinnnahmen, wie sie Art. 7 des Zahlungs-
1922 an Devisen nur noch matt zu zahlen sind, wäh:
Die bolschewistische Wirtschasts- politikr in Rußland.
Der stellvertretende Vorsitzende des Obersten Sowjets, Miljutin, schrieb in der Moskauer „Jswestija" vom 20. Mai folgende interessanten Sätze:
„Auf dem Gebiete der Wirtschaft macht sich gegenwärtig die äußerste Erschöpfung der Lebensmittel-, Rohstoff- und Heizstoff- Ressourcen bemerkbar. Beginnend mit der Oktoberrevolution, hat unsere Industrie von den Vorräten gelebt, die von früher vorhanden waren.... Laut angestellter Berechnung ü b e r st e i g t die Produktion der b e st en Fabriken und Werke gegenwärtig nicht 30 Proz. der Vorkriegszeit, in einer ganzen Reihe von Industriezweigen ist die Produktion noch geringer.
Am ungünstigsten ist die Lage der metallurgischen Industrie. So betrug die Produktion von Gußeisen im Jahre 1920 1 nur 6 Millionen Pud, d. h. 2,5 Proz. der D.or- kriegsproduktion. Im Jahre 1921 beabsichtigen wir 10 Millionen Pud Gußeisen zu gewinnen, was in Friedenszeiten produziert wurde....
Gegenwärtig kann man den Bürgerkrieg als beendet ansehen, jetzt liegt die Möglichkeit vor, die Wirtschaftspolitik von Grund aus zu verändern....
In ihrem Verhalten gegenüber der Großindustrie müssen die Organe des Obersten Sowjets der VollSwirtschaft in erster Linie danach streben, sie qualitativ zu heben. Die Industrie muß allmählich konzentriert werden. Bei einer Konzentrierung der Produktion wird die Möglichkeit vorhanden sein, die Versorgung der Arbeiter zu verbessern, wodurch die Flucht der Arbeiter auS den Betrieben ins Dorf aufhören wird. Zu diesem Zweck hat die Sowjetregierung eS für notwendig befunden, den Arbeitern Raturalprämien auszuteilen. Um die Großindustrie zu heben, wird eS gleichfalls notwendig sein, die innere Einrichtung der Fabriken und Werke zu verbessern. In erster Linie muß der Salz-, Textil- und Lederindustrie Beachtung geschenkt werden. Die Hebung dieser Industriezweige wird den staallichen Warenaustausch- fondö bedeutend vergrößern, und zwar gerade mit den Gegenständen, deren die Arbeiterund Dauernmasse besonders dringend bedarf. Eine nicht weniger wichtige Aufgabe der Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung ist die Unterstützung der Klein- und Hausindustrie."
Neues aus Sorvjetrutzland.
Kopenhagen, 29. Juni. (WTB.) Rach einem Telegramm der „Politiken" auö HelsingforS ist die Stimmung des d r i t - ten internationalen Kongresses in Moskau äußerst matt. Trotzky erklärte, daß das internationale Proletariat eine offensive Haltung einnehmen müsse. Die Lebensmittelversorgung in der Sowjettepublik soll verzweifelt sein. Die Sowjetverwaltung von Moskau habe beschlossen, ihre Käufe im Auslande auf Lebensmittel zu beschränken. Im Wolgagebiet ist eine Mißernte zu verzeichnen.
Kopenhagen, 30. Juni (WTB.) „Der- lingske Tidende" meldet aus HelsingforS: Der Kongreß der dritten 3nternatio- n a I e wurde am 20. Juni von Sinowjew eröffnet, der in feiner Begrüßungsansprache u. a. erklärte daß die Kommunisten ihre offensive Politik fortsetzen müßten. Rachdem verschiedene fremde Vertreter aus Deutschland, England, Italien, Japan und Frankreich Huldigungsansprachen an Rußland gehalten hatten, wurde Sinowjew zum Präsidenten des Kongresses gewählt. Dann fang der bekannte russische Sänger Schalapin mehrere Soldatenlieder. Später sprach Trotzki in deutscher Sprache über die Weltkrise. Der Kongreß, der 1100 Delegierte zählt, wird bis Mitte Juli dauern.
Kopenhagen, 30. Ium. (WTB.) Die Zeitung „Obschteje Djelo" teilt mit, baß bie antisemitische Bewegung unter ben russischen Arbeitern und Bauern immer mehr um sich greift Im Gouvernement Homel kam es zu blutigen Judenverfolgungen, die von dort nach Wolhynien, wo namentlich in Radomhel furchtbare Pogrome abgehalten wurden, sich hinzogen. __
Aus Oberschlefien.
Ein Aufruf des Generals Höfer.
Oppeln, 1. Juli. (WTB.) Der Führer des Selbstschutzes, General Höfer, hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Kameraden, der Vormarsch der interalliierten Truppen zur Befreiung unserer Heimat hat endlich begonnen. Die interalliierte Kommission hat sich verpflichtet, in wenig Tagen Oberschlesien bis zur Landes- grenze von den Insurgenten zu säubern. Sie hat
Amerika und der Friede.
Washington, 1. Juli. (WTB.) Reuter. Das Repräsentantenhaus hat den Bericht der Konferenzmitglieder der beiden Häuser über die Resolution, der zufolge der Kriegszustandmit Deutschland und Oesterreich für beendet erklärt wirb, angenommen.
Ein amerikanischer Antrag zur Einschränkung der Flottenrüstungen.
Washington, 30. Juni. (WTB.) Reuter. Das Repräsentantenhaus hat mit 304 gegen 4 Stimmen den vom Senator Borah zum M a r i n e e t a t eingebrachten Anttag angenommen, der den Präsidenten ermächtigt, mit Großbritannien und Ia- pan in Verhandlungen einzutteten, um eine Einschränkung der Flottenrüstun- gen herbeizuführen.
Berlin, 30. Juni. (WB.) Auf Grund bisherigen Beratungen zwischen dem Saran
zu überzeugen. Die Verhandlungen der deutschen Kriegslastenkommission werden mit dem (Saran- sei es in Paris, sei es in Berlin,
London, 30. Juni. (WTB.) Gestern abend fand unter dem Vorsitz von Lord Grey ein Tagen der Völkerbundsu rinn statt, an dem bie Mitglieder ber Königsfamilie, Bal- our, Asquith, Lorb Robert Cecil, etwa acht aus- ländische Botschafter, mehrere Gesandte unb zahlreiche andere hervorragende Persönlichkeiten, insgesamt 600 bis 700 Gäste, teilnahmen.
Lord Grey erflärte, insbesondere sei es für England sehr wichtig, daß die Wettrüstungen gegen Großbritannien nicht wieder entstünden. Wenn der Bund nicht gestärkt werde und Macht erhalte, würde das Wettrüsten wieder beginnen.
General Smuts erflärte: Wenn man daran denke, welchen Platz Deutschland und Rußland in der Welt eingenommen hätten und welche Bedeutung bie Vereinigten Staaten besäßen bann könne man verstehen, bis zu welchem Maße ber Völkerbund verkrüppelt sein müffE, solange so große Länder auf ber Karte von ber Fahne bes Völkerbundes nicht bedeckt würden. Man sehe heute die Premierminister und Außenminister fortwährend an den Sitzungen des Obersten Rates teilnehmen, man sehe sie jedoch nicht auf den Zusammenkünften des Völker- bundsrates. (Beifall.) Dem Völkerbundsrat fehle bie Autorität, bie hinter ihm stehen müßte, die ihm jedoch nicht gewährt werde.
Rach Smuts sprachen Lord Robert Cecil, Balfour, ber kanabische Premierminister, bie Vertreter Indiens und Austtaliens, die ebenfalls für den Völkerbund eintraten.
Paris, 29. Juni. (Wolff.) Rach einer „Ma- tin"-Meldung aus Washington haben die Vereinigten Staaten die EiNadung des Völkerbundes, an einer Konferenz über den Mädchenhandel teilzunehmen, abgelehnt.
Interesse unserer Heimat fordert es, bah wir uns ber interalliierten Kommission fügen. Der General spricht bann ben Angehörigen des Selbstschutzes seinen Dank für bie selbstlose Vaterlands- unb
Sozialdemokratische (Einigung?
In der Rationalen Korrespondenz finden wir folgende beachtenswerte Betrachtung
Die Parteileitung ber Mehrheitssozialisten hat für den Herbst zu einem g-ohen Parteitag auf- geforbert, auf bem jedenfalls auch bie Frage erörtert werben wirb, wie sich bie Mehrheitssozia- listen zu ben Unabhängigen stellen wollen. Als eine Art Vorbereitung bazu finbet ber sächsische Parteitag in ben ersten Tagen des Juli statt, und für diesen haben die Chemnitzer einen Antrag eingebracht, „von Partei zu Partei in unverbindliche Verhandlungen zu treten zwecks sofortiger Dildung einer politischen Arbeitsgemeinschaft mit bem klargestellten Ziel einer organisierten Wiedervereinigung".
Es ist bezeichnend für die unter ben Sozialdemokraten herrschenden Unterströmungen, daß daS Liebeswerben um bie abtrünnigen Brüder von link« immer stärker wirb. Die Mehrheitssozialisten schwanken in ihren politischen Anschauungen hin unb her unb wissen nicht recht, was sie eigentlich tun sollen. Bei einem Teil von ihnen kommt in Augenblicken ruhiger lleberlegung die Überzeugung zum Durchbruch, daß bie Partei mit den veralteten ileberlieferungen aus ber Zeit von Mar? und Engels nicht mehr weiter kommt, sondern sich auf die gänzlich veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse einstellen muß.
In diesen Reihen sind zwar die begabteren unb klügeren Sozialisten zu finben, aber leider sind sie eben deswegen auch ziemlich einflußlos. Bei der großen Masse haben immer noch die altgewohnten Redewendungen vom Klassenkampf, von ber Kluft zwischen Besitz unb Arbeit bie größte Durchschlagskraft Es ist ja so viel bequemer, in breit ausgetretenen Wegen ruhig weiter zu trotten, als mit ber Zeit fortzuschreiten und zu lernen. Gleichzeitig ist in der Sozialdemokratie ber Machthunger um so großer, je mehr es an wirklichem VerstänbniS für bie Forderungen der Zeit unb an ernstem Verantwortungsgefühl mangelt Von ihrem Gesichtspunkt auS. wäre es bas Leichteste unb Einfachste, sich den erwünschten Machtzuwachs dadurch zu verschaffen, daß man bie abtrünnigen Drüber von links politisch unb organisatorisch toieber zu sich herüberzieht. Das ist ja seit langer Zeit ber Lieb- lingSgedanke Philipp Scheibemanns, des oberflächlichsten unter ben Demagogen, die in der Sozialdemokratie die führende Rolle spielen.
Zunächst entsteht die Frage, wie sich die U n - abhängigen zu dem Liebeswerben stellen. Bis in die allerjüngste Zeit glaubten sie, daß ihnen die Zukunft ber Sozialdemokratie gehöre, unb beshalb blieben sie den Mehrheitssozialisten gegenüber kühl bis ans Herz heran, auch waren sie mit dem Kampf gegen die Kommunisten viel zu sehr beschäftigt, um sich viel um die andern zu kümmern. Run aber haben sowohl Kommunisten wie Unabhängige in letzter Zeit bei verschiedenen Wahlen recht schlechte Geschäfte gemacht. und das hat bie Unabhängigen ben Mehrheitssozialisten toieber etwas angenähert. Die Sinnesänderung zeigte sich zuerst bei der Unterstützung. die das Kabinett Wirth bei der Annahme des Ultimatums und dem ersten Vertrauensvotum von ben Unabhängigen erhielt, was natürlich auf ben Einfluß ber Sozialdemokraten zurüc^uführen ist.
Ob dieser leise Anfang ein so stürmisches Werben rechtsettigt, wie es von sozialdemokratischer Seite sofort wieder eingesetzt hat, ist eine Frage, die wir vorläufig auf sich beruhen lassen können. Etwa- anderes ist cs, was für taktische unb politische Wirkungen biefer neuerliche Zug ber Mehr- heitssozialisten nach links ausüben muß. Ihr Verhalten im Steuerausschuh des Reichstags, wo sie bereits in scharfen Gegensatz zu den anderen bürgerlichen Parteien gerieten, und verschiedene andere Vorgänge ber jüngsten Tage lassen deutlich erlernten, wohin bie Reise geht. Verstärken sich bie Aussichten auf bie Wiebervereinigung mit ben Unabhängigen in ber einen ober anberen Form, so bleibt für bie bürgerlichen Parteien ber Koalition, vor allen Dingen für bas Zentrum, nur bie Wahl übrig, ob sie sich bann dem unzweifelhaft erfolgenden Diktat der stark radikalisierten Sozialdemokratie unterwerfen oder aus der Koalltton ausscheiden wollen. Mit anderen Worten, es handelt sich darum, wie weit in Reichskanzler Wirth das demokratische Herz oder ber Kopf des Zen- trumsmannes bie Oberhanb gewinnen wirb. Au jeden Fall wäre bann ber Bestand des Kabinetts Wirth, das ohnehin auf schwankendem Boden ruht, aufS äußerste in Frage gestellt. Und dann ständen wir wahrscheinlich vor einem scharfen Kampf zwischen sämllichen bürgerlichen Parteien auf der einen, sämtlichen sozialdemokratischen Parteien au ber anderen Seite.
Aus Hessen.
— Die hessische Landesfach- gruppe Gemeindetechniker des Bun- )es der technischen Angestellten und Beamten hielt am 25. d. M. in Frankfurt eine Vertretersitzung ab. ES wurde, wie man uns chreibt, beschlossen, zur Besoldungsreform gemeinschaftliche Vorschläge bei den Städten einzureichen, deSgl. bezügl. der Dienstbezeichnungen. Bei einer Aussprache über die gewerkschaftliche Organisation der übrigen Ge- meindcbeamten wurde zum Ausdruck gebracht, daß für den Gemeindetechniker nur der „Bu- tab" in Betracht kommt, auch der Bund höherer Kommunalbeamten müsse abgelehnt werden, um Zersplitterung zu vermeiden. Zum Zusammenarbeiten mit anderen Organisationen der Gemeindebeamten besteht Bereitwilligkeit.
Bei der Besprechung deS Einspruches des Reiches gegenüber der Hessischen Besoldungsrevision wird beschlossen, darauf zu drängen, daß die Besoldungsrevision im Staat und in den Gemeinden beschleunigt durchgeführt wird, da die Revision für 1. April zugesagt war und die Techniker insbesondere von der Revision die bei der erstmaligen Einstufung vermißte Würdigung technischer Arbeit erwarten. Vorschläge über eine durchgreifende Rcu- gliederung der technischen Verwaltung bei den Städten sollen nach der Desoldungsrevision gemeinsam ausgearbeitet werden unter dem Gesichtspunkt: die technische Verwaltung dem Techniker. Technisches Verständnis soll in weiten Kreisen der Allgemeinheit geweckt und gefördert werden.
planes zu Schwierigkeiten führen sollte. In der Trotzdem bie deutsche Regierung als Ersah gewisse Steuern vorgeschlagen hat, wird jedoch bis auf weiteres bei den beabsichtigten Veränderungen von den Zollsätzen lediglich Mitteilung über Die vollzogene Aenderung verlangt. In der fünften Rote werden die Maßnahmen näher auseinandergesetzt, die das Garantiekomitee für notwendig hält, um sich von der richtigen Fest- tellung der Ausfuhrzifsern und der Einnahmen unb Zolle unb der etwa verpfändeten Steuern
Deutscher Reichstag.
127. Sitzung, nachmittags 2 llßr.
Berlin, 30. Juni 1921.
Der Antrag zur Genehmigung der Strafverfolgung des Abgeordneten V o g t h e r r (LISP.) wird gemäß bem Ansuchen LesAusschusfeS abgelehnt.
Der Entwurf über die R e u r c g e l u n g bet im Handelsgesetzbuch, sowie in ber (Setoerbeorb- nung vorgesehenen Gehaltsbegrenzung wirb bem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen.
Der Bericht bes 30. Ausschusses für DildungS- wesen über bie
Verwendung der ehemaligen Militär- bildungsanstalten
wird ohne weitere Debatte genehmigt. Die sozialistischen Parteien hatten den Antrag gestellt, diese Anstalten simultan zu gestalten. Der Ausschuß hatte außerdem beantragt, diese Anstalten dauernd der Reichsverwaltung zu unterstellen. Die Anstalten sollten auch Kindern aus dem Auslande, aus den besetzten Gebieten unb aus ben abgetretenen Gebieten nach zeitgemäßen pädagogischen Grundsätzen eine hohe Bildung gewahren, ebenso auch Kindern von Gefallenen unb Kriegsbeschädigten.
Abg. Dr. Schreiber (Z) wünscht, daß der konfessionelle Gesichtspunkt nicht ganz außer Acht gelassen wird, verlangt aber sonst vollkommene Handlungsfreiheit für das Minieriuyi-
215g. Pachnicke (Dem.) tritt jedem Versuche einer Konfessivnalisierung entgegen.
Abg. Fries (K.) schließt sich diesem an
Abg. Dr. (Sterling (D. Vpt.) tritt unter Ablehnung einiger Anträge für die Ausschußresolution ein.
Abg. Frau Wurm (USP.) schließt sich dem sozialdemokratischen Kompromißantrag Müller- Franken-Pachnicke an.
Frau Abg. Lang-Brumann (bayerische Vpt.) betont, daß ber Charakter ber Angestellten als Internat besonbere Berücksichtigung bedingt. Deshalb könnten die ßänber nicht ganz ausgeschaltet werden.
Der Antrag Müller-Pachnicke muh auf dem Wege des Hammelssprungs erledigt werden. Der Anttag will in die Resolution des Ausschusses die Worte einfügen: Etwaige Wünsche von Eltern sollen im Rahmen der Verfassung berücksichtigt werden. . .
Die Abstimmung ergibt mit 151 gegen I4ö Stimmen die Ablehnung des Antrages.
Der Ausschußantrag wird angenommen
Es folgt die Fortsetzung der Beratung deS Rachtragsetat bei der Reichseisenbahnverwaltung.
2Ibg. Breunig (Z.) wünscht eine weitere Ausgestaltung des
Derkehrsbeirates beim Reichsverkehrsmmi- ftethim.
Den Arbeitern unb Beamten müßte ein Einfluß bei ber Vergebung ber Auftrage unb auf bie Gestaltung der Tarife eingeräumt werden.
Reichsverkehrsminister Gröner stellt mehrere Mitteilungen des Vorredners richtig unb betont, er würde es selbst gerne sehen, toenn der Schuldenbienst au? bem orbentlichen Etat verschwinden würde. _ r e
Das Haus bricht die Weiterberatung dieses Punktes ab und schreitet zur Besprechung der
Interpellation Stresemann über die Sanktionen.
Abg. Zapf (D. Dp.) begründet die Interpellation. Er schildert die Wirksamkeit der Sanktionen und weist nach, baß bie ©anftionen durch den Friedensvertrag nicht gerechtfertigt find. Jede der feindlichen Mächte sei in der Sage nach Belieben einen Fall zu konstruieren, der neue Sanktionen «fordere. Der Reichskanzler wolle


