Ausgabe 
31.10.1929
 
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Nr. 256 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)Donnerstag, 3'. Oktober (929

Sowjet-Rußlands ewige Krise.

Don unserem bl.-Derichterstatter.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI

Moskau, Ende Oktober 1929.

Die letzten Berichte der G. P. 11. über Mas - senerfchiehungen von Gegenrevolu­tionären werden möglicherweise im übrigen Europa den Eindruck erwecken, als ob in Ruß­land nun doch eine gegenrevolutionäre Bewegung vorhanden sei, die unter der Decke glimmt und eines Tages berufen ist, den Bolschewismus aus dem Sattel zu heben. Diese Darstellung ist jedoch falsch. Die zwölf Jahre der kommunistischen Dik­tatur haben wohl genügt, um jede Gegen­revolution unmöglich zu machen und den sozialen Unterbau des kommunistischen Staates so völlig zu verproletarisieren, Laß es keine Macht mehr in Rußland gibt, die imstande wäre, die kommunistische Herrschaft zu stürzen. Die poli­tische Polizei, die sogenannte G. P. 11 die kom­munistische Partei und das Heer halten die Macht so fest in Händen, daß niemand gegen sie etwas zu unternehmen vermag. Die Gegner des heutigen Systems, die Bürger, sind denn auch, völlig entmutigt, zu armseligen Proletariern geworden, während das flache Land, das vielleicht murren würde, keine Waffen be­sitzt, um sich gegen feine Unterdrücker zu wehren. Woher soll da eine gegenrevolutionäre, Bewegung mit Aussicht auf Erfolg kommen?

Wenn man nun aber die Dorstellung hat, daß die Kommunisten doch wenigstens einiges in Rußland erreicht haben müßten, daß ein Staat, in dem der Arbeiter, und zwar der proletarische Industriearbeiter, ebenso wie dec Kleinbauer, das verhätschelte Kind der Politik ist, wenigstens für d iese Devölkerungsklassen einen besseren Lebensstandard erreicht haben müßte, so geht man von europäischen und nicht von russischen Dorstellungen aus. Denn man vergißt eben, daß es in Rußland ganz undern okratisch zu- geht. Der Arbeiter und der Kleinbauer wird nicht etwa gefragt, was er nun möchte, und wie er sich sein Leben am besten ausgestaltet zu sehen wünscht, nein, die Diktat u r schreibt ihm alles vor. Die Diktatur befiehlt, wie der Arbeiter sich zu kleiden hat. wie er wohnt, wie lange er ar­beitet, welche Vergnügungen er sich gestatten darf, kurz, die Diktatur mengt sich so stark in sein Leben, wie es wohl sonst auf der Welt nirgends der Fall ist. Auffallend ist daher auch, daß die rote Diktatur gerade unter den Leuten, für die sie gedacht ist, die allergrößte Unzu­friedenheit hervorrust. Wohl sind die Bür­ger und alle die sogenannten Gegner des Systems verzweifelt und empfinden ihre Diederlage sehr stark. Aber die allgemeine Verdrossenheit, der Lebensüberdruß, der sich unter den Arbeitern und Dauern Rußlands bemerkbar macht, ist doch dem nicht zu vergleichen:Glück" gibt cs eben im Sowjet-Paradies nicht, sondern nur d i e proletarische Pflichterfüllung, die vorläufig in einer Gewöhnung an das allgemeine Elend besteht.

Denn die kommunistische Herrschaft in Rußland hat es nicht etwa zuwege gebracht, das Elend zu bannen, das man früher vielfach in den breiten Massen finden konnte, sondern hat im Gegenteil das allgemeine Elend zur ungeheuerlichen Masse vermehrt. Eine Wohnungsnot, wie wir sie uns schlimmer kaum vorstellen können, ist charak­teristisch für alle russischen Städte bis auf die wenigen, die bereits im Aussterben begriffen sind, wie z. D. das frühere Petersburg, jetzt Leningrad. Die Lebensmittelnot ist bei­nah« so groß, wie sie in den finstersten Kriegs­jahren gewesen ist. Es gibt überall Brotkarten, in einigen Städten auch Fleisch-, Fisch- und Dutterkarten, die aber bezeichnenderweise nur den sogenannten proletarischen Schichten zugute kom­men, also nur einer kleinen Minderheit der Be­völkerung. während die übrige sehen kann, wo sie bleibt. Auch in der Kleidung ist alles von einer grenzenlosen Verkommenheit und selbst die Leute in besseren Stellungen sind in Ruß­land in einem Maße verlumpt, wie man sich das

Die Aeuemieilung Jugoslawiens.

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Beograd (Belgrad) Drina

Drava (Drau) Dunao lDonau) Morava Primorje (Küste) Sava (Sau) Dardar 0 rbas Zeta

Beograd (Belgrad) Sarajewo

Ljublana (Laibach) Dovi Sad (Deusah) Dis

Split (Spalato) Zagreb (Agram) Skoplje llleslüb) Banjaluka Eetinje.

vodina und Mazedonien mit rein serbi­schen Gebieten vereinigt. Dur das bisherige Slowenien, das jetzt Banschaft Drau heißt, bleibt ohne größere Grenzveränderungen. Die H- u tstadt Belgrad mit den benachbarten Stauten Zcmun und Pancevo bildet einen eigenen Verwaltung, bezirk. D e Unzufriedenheit mit der neuen Einteilung wird c durch gesteigert, daß die Banschasten, trotz ih.es geographischen Da- mens, keine Wirt, cha , ts - und ver­kehrsgeographische Einheiten bilden, sondern nach der M i l i t ä r b e z i r k s e i n t e i- lung des Landes gebildet wurden. Sie werden auch keine autonome und > sich selbstverwaltende Einheiten darstellen, sondern streng zentralistisch iu.ch einen Gouverneur (Bonus) regiert werden.

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Landschaften J

Am 3. Oktober 1929 wurde Jugo­slawien (Südslawien) durch einen königlichen Befehl neu eingeteilt. D.ese Einteilung bezweckt die Ab­schaffung der alten historischen Land­schaften und will den autono- mistischen Tendenzen der einzelnen Lanoes.eile ein Ende setzen. Auch die bisherige offizielle Bezeichnung des Staates: Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (S. H. S.) wurde ab ge­schafft und durch den Damen Kö­nigreich Jugoslawien erseht. Die neue Einteilung in zehn Dan- schaften wird in allen Landesteilen, insbesondere in Ser ien und Kroa­tien, großeUnzu,riedenheit erwescn. Kroatiens östlichster Teil wurde zu serbischen und bos­nischen Gebieten geschlagen, das ei­gentliche Serbien unter drei Danschaften au, geteilt, Dalma­tien mit dem bosnischen Hinter­land vereinigt, da.ür aber in zwei Teile zerrißen. Eben o wurde Bos­nien und Herzegowina in mehrere Teile gespa.ten, di« Voi-

3m nachfolgenden geben wir einige statistische Angaben über die neue Einteilung:

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Neueinteilung von Jugoslawien ö5terr£/ci^ |3.0ktober1929

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in Europa kaum vorstellt, um von den Gegnern des Systems ganz zu schweigen, die jämmerlichen Dourgeoisgestalten, die ihre letzten Reserven auf- gezehrt haben und als Bettler vom Abfall zu leben gezwungen sind.

Unter diesen Umständen ist es auch verständ­lich, daß die augenblickliche Getreidekam­pagne des Staates die allgemeine Aufmerk­samkeit auf sich zieht. Hängt doch von der Lebens­mittelversorgung durch die staatlichen Stellen das Schicksal fast aller ab. Aber die Aussichten für diesen Winter sind trübe. Das bisherige Auf­kommen an Getreide bei den staatlichen Sammel­stellen ist schlechter als im Jahre 1926/27. ob­wohl man mit gröbsten Mitteln gegen alle vor­ging. die sich den üblichen Requisitionen nicht fügten. Jetzt hat die kommunistische Propaganda einen neuen Sündestbock gesunden, der daran schuld fein soll, daß die Dinge nicht so laufen, wie sich das die Kommunisten träumen. Die Kulakis, von der bolschewistischen Presse fälsch­lich als Groß-Dauern bezeichnet, in Wirklichkeit Dauern mit Gütern, die wir in Deutschland nur als kleine Güter bezeichnen würden, sollen an­geblich das Getreide künstlich zurück- halten. Das ist sicher der Fall, aber ist es nicht auch erklärlich, daß Schichten, denen man das Brot vorn Munde wegsteuert, die von den örtlichen Dorf-Sowjets bis aufs Blut gepeinigt werden und die man bis zum letzten aussdugt, schließlich nicht ihr Letztes hergeben wollen, ohne die Gewißheit zu haben, daß man sie im Winter ernährt? Es ist eben nicht so sehr die Mißernte und die Datur, die hier Schwierigkeiten schaffen, als das bolsch ewistische S y st e m, das es zuwege bringt, überall wirtschaftliche Erträgnisse zum Verschwinden zu bringen, und keinen Bauern dazu zu verlocken vermag, mehr anzubauen, als

er zu feinem notwendigsten Lebensunterhalt be­darf. Spricht doch der Rückgang des Viehbestan­des an Pferden, Rindern und Schweinen, der etwa um je 20 Prozent allein im letzten 3ahr gesunken ist, deutlich dafür, daß hier das platte Land allmählich unter den Druck der Sowjet- Herrschaft gerät.

Auch die russische Industrie, die es ermög­lichen soll, daß sich Rußland vom Ausland ganz unabhängig macht, leidet unter dem allen. Daß, wie schon oft geschildert wordeä ist, die Fabriken veraltet, die Maschinen herabgekommen sind, die Arbeitsleistung unzulänglich ist, mag dabei nicht so sehr eine Rolle spielen, wie das kommunistische System überhaupt. Ein Fabrikbetrieb, in dem es keinen verantwortlichen Leiter gibt, ist eben ein Wesen ohne Kopf, und alle Pläne und bureaukratischen Maßnahmen der sogenannten wirtschaftlichen Zentralstelle vermö­gen eben die Initiative des Einzelnen nicht zu ersetzen. Das hat sogar die Sowjet-Union auf die Dauer einsehen müssen und hat nunmehr selb ständige u nd verantwortliche Betriebsleiter wieder eingeführt, die bei­nahe ebenso große Vollmachten erhalten, wie früher Unterdirektoren in diesen Fabriken. Aber nun wird es eben die Frage sein, ob es gelingt, hier Persönlichkeiten hinzusetzen, die nicht nur den guten Willen, sondern auch die Fähigkei­ten haben, etwas aus der ihnen anvertrauten Fabrik zu machen. Die primitive proletarische Vorstellung ist ja bekanntlich der Ansicht, daß das einzige Können des Fabrikdirektors im Ver­zehren der Dividende besteht. In Wirklichkeit lie­gen die Dinge ja aber doch anders. Technische und kaufmännische Erfordernisse werden, auch im Sowjetstaat notwendig fein, um die Fabri­kation auf einen einigermaßen befriedigenden

Standard zu heben. So. wie die Dinge liegen, muh man befürchten, daß auch diese neue Maß­regel nicht zum Segen ausschlagen wird, 6a den Leuten, die von den Kommunisten zu Be­triebsdirektoren gemacht werden, meist die Kennt­nisse fehlen, um ihren Posten auszufüllen. Es ist daher zu befürchten, daß das neue Gesetz nur der G. P. U. wieder neue Arbeit geben wird. Man hört die Gewehrsalven bereits knattern, die Fa­brikdirektorenwegen angeblicher Sabotage" ein Ende bereiten. Senn schließlich kann auch die siebentägige Arbeitswoche in Sowjet-Rußland Kenntnisse nicht ersetzen.

Malt sich so das Bild in Sowjet-Ruhland arau in grau, so kann man doch nur betonen, dah das politische System trotz allem fest steht. Solange die Armee zuverlässig bleibt, passiert eben in Sowjet-Rußland nichts, und die Fähigkeit des russischen Menschen, Leiden au erdulden, ist eben fast unbegrenzt. Das Volk fügt sich mit einem Fatalismus, der bewunderungswürdig wäre, wenn er nicht ein so ungeheures Elend bedeutete. Ein Wandel in Sowjet-Rußland ist eben nur zu erwarten, wenn andere Führer kom­men und wenn an die Stelle der jetzigen alten Garde junge Kommunisten kommen, die nicht mehr wissen, wie es im nicht-kommunistischen Rußland ausgesehen hat, und die daher den Mut haben, durch unvereingenommene Maßnahmen wieder vernünftige Verhältnisse zu schaffen. Bis dahin kann es aber noch lange dauern.

Tagung

des Hessischen Sängerbundes.

WSD. Worms, 29. Olt. Am Samstag und Sonntag tagte der Hessische Sängerbund in Worms unter großer Beteiligung von Dele­gierten ans as..'en Drei Provinzen Hessens. Am Samstag fanden tagsüber die Vorstandsbera­tungen statt, abends veranstaltete der Gau Worms zu Ehren Der Gäste einen Rheinischen Abend im großen Karpfensaal«, der einen überaus fröh­lichen und erhebenden Verlaus nahm. Eindrucks­volle Ansprachen hielten der Dundesvorsihende Ministerialrat Dr. Sieg er t (Darmstadt), so­wie Schulrat Hassinger (Darmstadt) vom Landesbildungsamt.

Am Sonntag vormittag begann die eigentliche Tagung. Gauvorsihender Mayer (Heppenheim) vom Gau Worms entbot den Gästen herzlichen Willlommensgruß, worauf derLiederlranz"- Worms das LiedEs klingt ein hoher Klang" zum Vortrag brachte.

Der Bundesvorsitzende, Ministerialrat Dr. Siegelt, hielt nunmehr die Tegrühungs-An- sprache, indem er insbesondere Schulrat Has­singer (Darmstadt) als Vertreter der Regie­rung, Regierungsrat Jourdan für die Krcis- verwaltung Worms, und Oberbürgermeister Rahn für die Stadtverwaltung Worms be­grüßte. Oberbürgermeister Rahn dankte für d e Begrüßung im Damen _«r Ehrengäste und h die Sänger aus dem Hessenlande herzlich will­kommen. Gr wünschte den Bestrebungen des Bun­des reichen Erfolg und gab der Hoffnung Aus­druck, daß auch die Beziehungen zu den ge­mischten Chören einen Ausbau erfahren mögen. Schulrat Hassinger betonte, daß die breite Basis im Hessischen Sängerbund erreicht sei und cs nun gelte, Tiefenwirkungen zu erzielen. Dach einem weiteren Liefervertrag erfolgte die Ehrung der Veteranen. Der von Dr. Siegelt gegeben« Iahiesbericht toutDe mit Aufmerksamkeit aufge wrnrnen. Dei geordnete Stand der Bundeska e hatte nach dem Pri> fungsbericht des Herrn Wendler die ein­stimmige Entlastung des Schatzmeisters Bitter zur Folge. Die Kasse weist einen Uebeischutz von 2138 Mark auf. Unter dem Arbeitsprogramm des Bundes fand die Vorbereitung des Deutschen Sängerbundesfestes :n Frankfurt und die De f r ei u n g s s eie r , die im nächsten Jahre voraussichtlich in Mainz ftatt» finden soll, besondere Deachtung. Als nächst­jähriger Tagungsort wurde Offenbach ein-

Tee.

Novelle von Alfred Brust.

Der Dichter wurde vor einigen Tagen mit dem Klcistpreise ausgezeichnet.

In der Großhandlung, in der Werner den Kaufmannsberus erlernte, gab es eine bedeutende Teeabteilung. Hier lagerten die unterschiedlichen Tees exotischer Länder in großen Kisten. Die indischen Tees waren in glatten Kisten aus pla­niertem Holz verpackt, mit eisernen Bände, n ver­schnürt. Bezeichnungen in englis^er Sprache ver­kündeten den Ursprung des Gewächses und die Lieferfirma. Die chinesischen Tees aber waren mit dicken Stricken verschnürt: Dastmatten umhüllten die dünnen, mit chinesischen Bildern und Wort­zeichen bunt beklebten kleinen Kisten, und die innere Dleiverpackung war mit hauchfeinem Sei­denpapier überzogen. Oeffncte man die Blei- Packung mit zwei diagonalen Schnitten, so lag barunter ein besonderes Seidenpapier, das in den senkrechten Wortfolgen dec Knöchelchenschrift ostasiatische Anpreisungen enthalten mochte.

Es dauerte nicht lange und so hatte man Werners leidenschaftliche Fürsorge für Den Tee erkannt und ihn zum Lagerhalter der Teeabtei­lung bestimmt. Da sah er Dann auf seinem Tee- speicher, gab vorsorglich Obacht auf die ihm an­vertraute Ware und dachte an die hundert­tausenden Menschen, denen seine Aufmerksam­keit das wahre Aroma aufhob und verschaffte. Denn der Tee ist eine sehr empfindlich« Ange­legenheit. Und doch wußte Werner, daß von all diesen ungezählten Teetrinkern kaum einer in den Genuß des wahrhaften Teearomas kam, wie er es selbst erlebte, wenn er eine neue Kiste öffnete, sich über den schwarzgrauen Blätter­inhalt warf und mit vollen Düstem den monate­lang, jahrelang versperrten Dust mit wilden Atemzügen plötzlich einsvg. Er griff mit den Händen in die bmchkrieseliche Masse hinein und lieh sie sich durch Die Finger gleiten. Und er war der Mensch, der den Tee seine Milde, Güte, Härte bei verbundenen Augen mit den Finger­spitzen haargenau bestimmen konnte.

Jedoch seine Fähigkeit war ihm nichts. Alles an ihm und in ihm war Sehnsucht nach jenen asiatischen Landschaften und Menschen und Um­gebungen, wo dieser Tee geerntet, gepackt und in ersten Handel genommen war. Er flüsterte die

Damen östlicher Länder und Städte mit heiliger Andacht. Und diese Sehnsucht zauberte ihm eine gewaltige Datur vor den Blick, große Ereignisse, Landungen an fremden fernen Küsten. Das mußte es geben.

Und dann ging er endlich eines TageS nach Asien. Das weite .'.nendliche Meer war am schönsten. Auch das Anlaufen der Häfen war schön. Die Erwartung lieh bedeutende Möglich­keiten zu. Aber dies war die erste große Er­schütterung seines Lebens, als Erwartung Tat­sache wurde und sie in grauen Alltag hinein» sank. Dürftige Ereignisse, armselige Kreaturen, schorsüberzogene Tiere, Ratten, Ungeziefer, da­zwischen krampfhafte Europascheide das alles brachte seine Wünsche, die er phantastisch in die fremden Singe gesetzt hatte, zu frostiger Ent­täuschung. Wieder auf hoher See wurde er be­glückter, wenngleich auf schwimmendem Hotel alle Kleinlichkeiten und Beziehungen des irdischen Daseins von Mensch zu Mensch schmerzhaft zum Bewußtsein tarnen. Alkes war anders, als er es gedacht. Alles war Da ganz gewiß: aber der Traum, den er Die vielen Jahre Darüber gebreitet, Der fehlte.

Jähes Erwachen fiel eines Tages wie eine Lähmung auf ihn. Bombay, Hongkong, Schanghai was war Denn dies?! Es waren tosende, schreiende Umschlaaplähe mit kalten Instinkten und befremdlichen Lastern. Mögliche und unmög­liche Waren verschiedener Kontinente brüteten unter glühender Sonne unheimlichen Gestank aus. Und man mußte wohl dort geboren sein, um den penetranten Geruch dieser farbigen Völker auszuhalten, ein Geruch, der über allem lagerte und dem nicht zu entrinnen war. Und es ergab sich bald, daß es Werner an etwas gebrach, das nicht ganz leicht zu formulieren war. Der Han­delsherr, dem er unterstellt war, hatte schon auf Den ersten Blick Den Kopf geschüttelt. Denn er hatte in Werners Augen gelesen, daß er her- getommen war, etwas zu suchen, was es auf dieser praktischen Erde keineswegs gibt.

So kehrte Werner zurück, gescheitert zwar, aber doch erleichtert. Und er wurde ein kleiner Kauf­mann daheim. Ein Seifenhändler, ein achtbarer Mann in der kleinen Stadt nicht wohlhabend, aber auskömmlich und gern gelitten.

Sein alter Chef, der ihn manchmal sah, äußerte sich einmal über den Teewerner, wie er ihn immer nannte: es fehlt dem Werner zum Kauf­

mann ein ganz bestimmter triebhafter Impuls materieller Kernnatur, der sich nicht angewöhnen läßt, da man mit ihm geboren sein muß wie mit anderen Impulsen auch...

Zuweilen besucht Werner einen guten Freund, Der mit alten Teekisten handelt, deren planierte Bretter er beschneidet und an Malschüler ver­kauft. Und hier bei Dem Freund kommt es Dann wohl vor, daß Werner ganz tief in eine dieser leeren Teekisten hineinriecht, um vielleicht einen Hauch des vergangenen Iugendaromas zu er­haschen. Dicht des Aromas von lieberfee. Denn dort fand er es nie. Sondern des Aromas jener jungen Tage, Da er Die unberührten Kisten öffnete und sich von Seeduft vollsog unD Die dreißig oder vierzig verschiedenen Sorten geschlossenen Auges mit Den Fingerspitzen unterscheiden konnte. Und es geschieht wohl, daß seine Träume noch rasch einmal aufleben wollen, aber sogleich er­stickt, erdrückt werden von Dem erlebten Bewußt­sein, Daß Die Welt eines Tages ganz anders ist, als man sie sich vorgestellt hat. Man sollte Das auf Den Schulen lernen. Dann sieht er seinen Freund, den Produktenhändler, langsam an und spricht mit Kennermiene auf die leere Kiste deutend:Orissa mit Spitzen zwei b matt..

Und hüstelt ein wenig, preßt die Lippen auf­einander ... Und sie schreiten bedächtig über den toten Hof ins Haus...

Asphalt" ein Film.

Dor einiger Zeit erschien ein sehr guter, sehr neuartiger, sehr intereifanter Film unter Dem TitelBerlin", ein Film ohne Liebe, ohne Spiel, ohne Hel,, en und ohne Handlung geschaffen allein als Die faszinierende Vision einer großen Stadt von morgens bis mitternachts. Es lag da­mals nahe, Die,em Film einen zweiten folgen zu lassen: Der nämlich das hier in verwirrender und erregender Photcmontage geschaffene Außen bild ins Innere zu verfolgen hätte, also etwa Die ganz flüchtig angedeuteten Schick­sale Der Stadtbewohner, Die ja Dort gewisser­maßen nur a.Z Staffage au tratei, in ihren viel- fälligen Kreuzungen und Uc-bcr.chneidurgen, in ihren Beziehungen zum Gesamtbilde weiterzu- sühren und zu Ende zu bringen. Dies müßte einen Riesenfiim von phantastiscyen Ausmaßen, ein Kaleidoskop von betäubender und erschüt­

ternder Vielfalt ergeben. Bisher ist ein solcher Film noch nicht geschrieben und gedreht worden: Wie ein Ansatz dazu, als ein Vorspiel, Inter­mezzo oder erster Versuch wirkt Der Film Aspha 11", Den man jetzt im Lichtspiel­haus sehen kann. Der Auftakt ist ganz ähnlich wie beim FilmBerlin": Vision Der Riesenstadt. Dann greift Der Regisseur Joe May in Die pausenlose Brandung Des Verkehrs hinein und fängt sich eine von tau end Möglichkeiten heraus: er gestaltet Das Schicksal eines jungen Pvälzeibe amten, Dem ein« ganz zufällige Begeg­nung zum Verhängnis wird, dem eine Dienstliche Verfehlung Die menschliche Existenz zerbricht. Dieses Motiv, La eS vereinzelt blieb, könnte zwar auch m.t andern Mitteln, e.toa als Dovelle, ge­staltet wer; immerhin liegen die Vorzüge Der Filmsasiung auf Der Hand. Es konnten auch Ein­wände gege i den Ver.auf Der Ereignisse erhoben werden. Interessant bleibt abgesehen von Der erwähnten C ezenüberstellung die hier voll­zogene Kombination aus Photomontage, Spiel­film und Kriminalreportage. Die rcgiemäßige und photographische Gestaltung ist überaus bemer­kenswert: sie beweist wie er einmal, wie ver­blüffend die technischen Möglichkeiten des Films heute e.ttoidelt und vervolliommret sind. Außer­dem wird glänzend gespielt. Gustav Fröhlich, lie bisher kaum bekannte Betty Amann, und Steinrück vor allem leisten Hervorragendes: diese Dollen waren einfach nicht besser zu vergeben. Ueberhaupt reicht Die Qualität des Ensembles bis in dir kleinsten Chargen: neben Else Hel - ler und Schle11ow sind in ganz kurzen Epi­soden il a. Albers, die Valetti, Ballen- t i n und Vespermnnnzu bemerk in. Man sieht also, daß allein das darstellerische Aufgebot des Films den Besuch lohnen Dürfte. -r-

Hochschulnactinchten.

Prof. Dr. Friedrich Ranke in Königsberg i. Pr. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl Der deutschen Philologie in Breslau als Dachfolger des Geh. Rats Th. Siebs ange­nommen.

Der Berliner Privatlozent, GerichtZassesfor Dr. jur. et phil. Gerhard Leibholz hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für Staatsrecht in Greifswald als Dachfolger von Prof. G. Holstein angenommen.