Ausgabe 
31.8.1929
 
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Die englischen Amtsstellen geben beruhigende Mit­teilungen aus. Von Aegypten her sollen über Kan- tarra Truppen im Anrollen sein. Jaffa und Haifa erwarten das Anlaufen schon gemeldeter Kriegs­schiffe. Es wird einem organisierten Ordnungsdienst der Engländer in diesem Stadium der Ereignisse nicht schwer werden, die Ruhe im Lande wieder her­zustellen und sie unter dem Belagerungszustand auch zu erhalten. Aber solche militärische Maßnahmen genügen keineswegs. Man muß dem Problem end­lich einmal ernsthaft zu Leibe gehen und entweder dem Wunsch des Zionismus Genüge tun und das ganze Land von der arabischen Bevölkerung evakuieren, oder die faszistisch-zionistische Bewe­gung in ihre Schranken zurückweisen und diese Schranken fest und dicht machen. Rur durchgreifende Maßnahmen, die dem so oft beschworenen Natio­nalitätenrecht auch wirklich Rechnung tragen, kön­nen verhindern, daß aus diesem Rassenkrieg ein Sturm entsteht, der auch England gefährlich zu wer­den vermag. Die Auslieferung des Heiligen Landes, wo das tiefste Mysterium des Christentums seine Stätte fand, an den Nationalitätenhaß zweier Ras­sen vermag ohnedies in keiner politischen Ueberle- gung eine Rechtfertigung finden.

Französische Kolonialgreuel in Deutsch-Kamerun.

Eine Schilderung englischer Forscher.

Durch die Liebenswürdigkeit eines Gießener Gelehrten, der sich im Diamantengebiet von Südafrika befindet, werden wir in die Lage verseht, unseren Lesern eine interessante Schil­derung englischer Forscher über die Zustände im ehemaligen deutschen Schutzgebiet Kamerun unter französischer Mandatsverwaltung zu geben. Wir entnehmen diesen Bericht dem in Kimber­ley erscheinenden Diamond Fields Advertiser vom 26. Lulr 1929: Die englischen Forscher, ein Ehepaar T. 21. Glover, sind von ihrer Reise durch Kamerun nach London zurückgekehrt und haben dem Berichterstatter des Blattes von der grausamen Behandlung der Eingeborenen durch die Franzosen Furchtbares erzählt. In den: Be­richt heißt es:

Die Eingeborenen würden gerne die Deutschen zurückkehren sehen, denn obwohl die Deutschen harte Lehrmeister waren, hatten sie sie immer gut behandelt, während sie jetzt geschlagen und be­trogen werden und langsam zu Tode hungern. Die eingeborene Bevölkerung wird durch harte Fron langsam ausgetisgt: die Leute werden ge­zwungen, am Eiseichahnbau zu arbeiten. Durch­schnittlich sterben vierzig Leute am Tage. Das Land ist tatsächlich im Zustande der Empörung. Die Franzosen stehlen eingeborene Frauen, und Die Forscher konnten mit eigenen Augen sehen, wie vierzig Eingeborene erschossen wurden, um Den übrigen Dorfbewohnern ein Exempel zu sta­tuieren. Die englischen Forscher wurden von den französischen Behörden wie Spione behandelt. Es wurde ihnen nicht einmal erlaubt, die Ein­geborenen für ihre Dienste persönlich zu bezah- len. Alle Zahlungen mußten durch die französi­schen Beamten gehen: und da diese schlecht ent­lohnt werden, behielten sie häufig den größten Teil des Geldes, das für die Eingeborenen be­stimmt war, für sich selber. Wenn jene dagegen Einspruch erhoben, wurden sie geschlagen.

Soweit der Bericht der englischen Forscher. Er ist interessant als ein gewiß unverdächtiges Zeugnis gegen die Lüge von der kolonisatori­schen Unfähigkeit der Deutschen, denen man in Bersailles die Kolonien abgenommen hat, um die Eingeborenen angeblich den Kultursegnungen der alten Kolonialvölker Frankreich und England zu­zuführen.

Aus der pnwmzialhaupistadt.

Gießen, den 31. August 1929.

Kriminalhaupiwachtmeister Dahmer t-

Das Hessische Polizciamt teilt mit:

Am 30. d. M. verschied infolge Ertrinkens beim Schwimmen in der Lahn Kriminal-Haupt- Wachtmeister D a h m e r.

Kriminal-Hauptwachtmeister Dahmer, der am l.Mai 1921 zur Polizei eintrat, und bis zum 30. September 1928 Straßendienst versah, wurde am 1. Oktober 1928 zur Kriminalpolizei komman­diert und am 1. April 1929 zum Kriminal- Hauptwachtmeister ernannt.

Kriminal-Hauptwachtmeister Dahmer hat sich in allen seinen Stellungen, die er bei der hie­sigen Polizei bekleidet hat, als ein durchaus gewissenhafter, brauchbarer und strebsamer Be­amter, der nur seine Pflicht kannte, erwiesen,. Sein zuvorkommendes, ruhiges, stets freund­liches Wesen, namentlich gegenüber seinen Dor- gesetzten, Mitarbeitern und nicht zuletzt auch gegenüber dem Publikum, mit dem er viel in Berührung kam, hatten ihm das vollste Ver­trauen all dieser Kreise eingebracht.

Leider ist dieser pflichttreue, ehrbare, erst im 37. Lebensjahre stehende Beamte viel zu früh aus seinem Familien- und Berufsleben heraus­gerissen worden.

Wasserverschwendung und Wassergeld.

Vom Städt. Wasserwerk wird uns ge­schrieben:

Dauernd gehen mündliche und schriftliche Kla­gen über Wasserverschwendungen bei uns ein, die von vielen Bewohnern getrieben werden. Ein interessantes, uns kürzlich zugesandtes Schreiben, das nur auszugsweise wiedergegeben werden kann, lautet:

Trotz der Wasserknappheit, die infolge der sehr geringen Niederschlagsmengen vorhanden ist, finden dennoch Wasservergeudungen statt, beson­ders von bösartigen Hausfrauen, die dem Haus­besitzer nicht gut gewogen sind. Ich lder Brief­schreiber) habe leider auch eine von diesen Ver­schwenderinnen in meinem Hause wohnen, welche mich dauernd schädigt. Meine Mieterin wirft nämlich alle Abfälle, Reste von Mittagsessen usw. in die 2tbortschüssel, um einen Grund zur Betätigung des Abortspülkastcns zu haben. Der Abortspülkasten ist daher manche Stunde dauernd in Betrieb. Mutz ich bei solch einer Wasserver­schwendung die Kosten des Wassers tragen und bin ich in dieser Hinsicht vollkommen machtlos? Ich bitte hierüber um Auskunft."

Rach der Verfügung des Hess. Gesamtmini­steriums vom 20. September 1927 hat in Hessen, sofern keine anderen Abmachungen in dem Miet­vertrag vorgesehen sind, der Hausbesitzer das Wassergeld zu tragen, denn in der Miete ist ein gewisser Prozentsatz für Wasserverbrauch ein»

geschlossen. In der Bekanntmachung im Amks- verkündigungsblatt vom 5.10.1927 heißt es wört­lich:Die bisherige Regelung, daß das Wasser­geld nur bis 2,5 v. H. der Friedensmiete in der gesetzlichen Miete enthalten ist und der über­steigende Betrag auf die Mieter umgelegt wer- Den kann, fällt weg." Durch diese Bestimmung ist also festgelegt, daß das Wassergeld in voller Höhe durch den Grundstückseigentümer zu tragen ist und eine Unterteilung der gelieferten Wasser­menge daher nicht in Frage kommt. Findet jedoch mit Absicht oder Böswilligkeit eine Wasserver­schwendung durch den Mieter statt, so kann der Hausbesitzer den Mieter zur Festsetzung der über den normalen Wasserverbrauch hinaus- gehenden Wassermenge beim Amtsgericht ver­klagen. Weiterhin steht dem Vermieter aber auch bei Nachweis fortgesetzter Schädigung das Recht der Kündigungs- und Räumungsklage zu.

Für die Stadt Darmstadt wurde übrigens durch den hessischen Innenminister die Zustimmung er­teilt, daß das 2,5 v. H. der Friedensmiete über­steigende Wassergeld auf die Mieter umgelegt werden kann.

Gietzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 210; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 25; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 15; rote Rüben 10 bis 15; Spinat 20 bis 30; Römischkohl 10 bis 15; grüne und gelbe Dohnen 25 bis 35; Erbsen 25 bis 30; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 10 bis 20; Kürbis 5 bis 8; Pilze 40 bis 45; Kartoffeln 5y2 bis 6; Frühäpfel 15 bis 25; Falläpfel 4 bis 5; Birnen 10 bis 30; Preiselbeeren 45 bis 55; Pfirsiche 45 bis 55; Zwetschen 15 bis 25; Mirabellen 20 bis 25; Reineklauden 20 bis 25; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 15; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 15 bis 20; Salatgurken 10 bis 25; Einmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 20; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 15; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zent­ner: Kartoffeln 4,50 bis 5 Mark.

*

* Gartenbau-Aus stell ungen in Gießen. Am 14. und 15. September veranstaltet der hiesige Obst- und Gartenbauverein in den Räumen der Turnhalle am Oswaldsgarten wieder eine größere Dahlienschau, verbunden mit einer Rosen- und Herbstblumenausstellung, wobei auch größere Obstsortimente nicht fehlen werden, die den Besitzern Gelegenheit geben sollen, ihre Sor­ten zu bestimmen und neuere gute kennenzu­lernen. Der Eintrittspreis soll ohne Rücksicht auf die beträchtlichen Unkosten, die dem Verein er­wachsen, so niedrig gehalten werden, daß alle Blumen- und Pflanzenfreunde unserer Stadt und deren weiterer Umgebung Gelegenheit finden wer­den, die Fortschritte auf dem Gebiet der Dahlien-, Rosen-, Gladiolen-- und Sommerblumenzüchtun­gen, wie die der herbstblühenden Stauden rennen­zulernen, damit immer mehr und bessere Blumen ihren Einzug in die Gärten halten können. Eine Prämiierung findet in diesem Jahre nicht statt, da alle Kräfte aufgespart werden für die große Obst- und Gartenbau-Ausstellung, die nächstes Jahr im Rahmen der Provinzial-Ausstellung des Landwirtschastskammer-Ausschusses geplant ist und für welche als Ausstellungsraum die Volkshalle nebst Umgebung in Betracht kommen soll.

* Viehmärkte in Gießen. Rindvieh- (Nutzvieh-)Markt findet statt am 3. September, Schweinemarkt am 4. September in Gießen. In­teressenten seien auf die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil hingewiesen.

* * Dienstjubiläum. Am 1. September kann der Buchhalter Adolf Staudt auf eine 30- jährige Tätigkeit bei der Firma Hermann Heß zurückblicken»

** E i n Anlagenkonzert veranstaltet morgen, Sonntag, 11 Uhr, das Musikkorps des 1. Datl. 15. Inf.-Rgt. bei günstiger Witterung in der Südanlage. Leitung: Obermusikmeister Löb er. Die Musiksolge lautet: 1. Heeres- marsch I, d.Der Rh einströmer"; 2. Ouvertüre zur OperMaritana", W. Wallace; 3. Vor­spiel zur OperLoreley", M. Bruch; 4. Fan­tasie aus der OperetteDer Mikado", A. Sulli­van; 5. Armeemarsch II, Nr. 191,Der Lymsjord- strömer, G. Piefke.

* * Die Museen sind am Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet.

** Einheitskurzschrift. Die erste Reichs- kurzschriftgesellschaftGabelsberger und Damen­abteilung e. V, Gießen, eröffnet am 3. September in der Pestalozzischule einen Anfängerlehrgang in der Einheitskurzschrift für Damen und Herren unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Stenographie. Außerdem finden verschiedene Fortbildungskurse statt. (Siehe heutige Anzeige.)

** Ob st essen und Wasser trinken. Wenn nach reichlichem Obstgenuß dem vollen Magen noch Flüssigkeitsmengen zugeführt werden, so verliert dieses Organ die Fähigkeit zur Bewegung es ent­steht Druck auf die benachbarten Organe, Gärungs­erscheinungen des Inhalts setzen ein, und wenn dann Erbrechen nicht möglich ist, können ernste Ge­sundheitsstörungen eintreten, die namentlich bei Kindern, die häufig viel Obst essen, ärztliche Hilfe nötig machen. Man achte darum auf seine Kinder und gestatte in solchen Fällen das Trinken nicht vor Ablauf von 1 bis 2 Stunden.

** Das Wochenende siegt vor dem Arbeitsgericht. Die Hausangestelltcnkam- mer des Berliner Arbeitsgerichts hatte sich dieser Tage mit einer Frage von allgemeiner Be­deutung zu beschäftigen. Eine Hausangestellte war fristlos entlassen worden, weil sie sich eines Tages geweigert hatte, dem Hausherrn ins Wochenende auf fein Jagdhaus in Neuplaue zu folgen und dort die üblichen Hausarbeiten zu verrichten. Das Arbeitsgericht wies die An­sprüche der Klägerin ab. Aus der Begründung ist folgendes hervorzuheben:Zweifellos erwächst der Hausangestellten eine gewisse Mehrarbeit bei der Rückkehr in die Berliner Wohnung, weil diese inzwischen nicht gereinigt worden wäre. Anderseits hat der Beklagte trotzdem Anspruch darauf, daß seine Hausangestellte ihm in das Wochenendhaus folgt, denn sonst müßte er die Klägerin regelmäßig für die Dauer eines Wochen­endaufenthaltes beurlauben. Es käme dann dazu, daß diejenigen Hausangestellten, die es ablehn­ten, Haushaltsdienste im Wochenendaufenthalt zu verrichten, zwar Lohn für sieben Tage er­hielten, die volle Gegenleistung aber infolge der zwangsmähig gekürzten Arbeitstage schuldig blic­hen. Die Hausangestelltenkammer erklärte die Sache für berufungsfähig.

Schach-Ccke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mit^ teilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion desGießener Anzeigers".

Problem Nr. 227.

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1

Weiß.

Don Z. Mach.

Schwarz, d e f g

Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt.

Weiß: 8 Steine. Kh5; Db3; Tg3; Le3, h7, Sf7, g4; Beb.

Schwarz: 8 Steine. Ke4; Db2; Tf5; Lh4; Sa3, b5;

Bd3, g5.

Eine sehr feine preisgekrönte Aufgabe.

Lehrreiche Partiestellung.

Durch eine fatale Zugumstellung verlor Dr. Vidmar die folgende, für ihn günstig stehende Partie. Gespielt in der 5. Runde des Karls­bader Grohmeistertumiers.

Schwarz: P. Johner.

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b c d e f g Weiß: Dr. Vidmar.

a b c d e f g

^22 Wzz77z/>..

Weiß: 9 Steine. Kg2; Db7; Tc7; Sd4; Ba4, b3, e3, f3, g3.

Schwarz: 8 Steine. Kg7; De5; Th8; Sh5; Bd5, eb, f7, g5.

Nach dem 40. Zuge von Schwarz Sh 5 ergab sich die vorstehende Stellung, in welcher Did- mar einen Fehler beging, indem er 41. g4?? zog. Es mußte natürlich 41. Txf7 + geschehen, wonach Schwarz glatt verloren war. Nach dem Textzuge gelingt es dem Nachziehenden, durch ein überraschendes Opfer die Initiative an sich zu reihen und das Spiel sogar noch zu seinen Gunsten zu entscheiden; lehrreich, wie verhäng­nisvoll eine Zugumstellung sein kann.

Es folgte: '

41.....Sf4-H 42. exf4,

offenbar erzwungen. >

DxSd4. 43. Txf7+, Kg8.

Eine tragikomische Stellung, Weiß muß einen Turm verlieren, da er selbst auf Matt ftdjt und ihm keine andere günstige Fortsetzung zu Gebote steht.

44. Tf8+, KxT. 45. Dc8+, Ke7. 46. Dc7+, Kfb. 47. fxg5-j-, Kxg5. 48. De7+, Dfb. 49. Da3, De5. 50. Dcl+, Kfb. 51. Dgl, d4. 52. a5, d3. 53. f4, Dxf4 und Weiß gab auf.

Lösung des Problems Nr. 223. Don I. Neukomm.

1. Th4-f4! usw.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedaktionStisch, Arbeitsgemeinschaft

Der Wiener Revue-Autor K. F. begegnete auf der Ringstraße dem bekannten Romanschriftsteller Leo Perutz.

Ich hab' eine famose Idee," sagte der Revue­fabrikant unternehmungslustig,wir gehen zu­sammen ins Kaffeehaus auf einen Mokka und schreiben eine Revue!"

Was Ihnen einfällt," lachte Perutz,ich ver­steh doch nicht das geringste von Revuefabri­kation!"

Gar nicht nötig! Ich werde Ihnen einen Hau^ fen Ideen unterbreiten ..."

Ideen! Aber wer macht das Szenarium?"

Ich, natürlich!"

... und den Dialog?"

Auch ich!"

No, und die Liedertexte?"

Auch ich!"

Ja, Herr." brauste der Schriftsteller auf. wenn Sie alles selber machen, was bleibt dann eigentlich für mich zu tun?

Sie zahlen den Mvkka!"

(Lust. Bl.)

Neue Post.

Vater (ins Bureau tretend):Ist Post da?" Sohn:Ja, Binnenpost."

Vater:Dinnenpvst? Was ist denn das?"

Sohn:Es sind fünfzehn Briefe, die fangen alle an: Wenn Sie nicht binnen zehn Tagen Zahlung leisten, sind wir gezwungen ..

(Lust. DI.)

Das Schlachtfest.

Bei einem Kompagniechef lies kürzlich so wird in Reclams älniversum erzählt das fol­gende militärisch knapp gehaltene älrlaubsgesuch ein:Oberschühe T. bittet um zwei Tage Ur­laub zum Schlachten feiner Eltern und Verwand­ten." Er wurde zwar wegen dieser blutdürstigen Absicht nicht bestraft, aber etwas tiefer in die Geheimnisse des Deutschen eingeweiht. B.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

CD Lollar, 30. Aug. Das diesjährige Preis- schießen des Veteranen, und Krieger­vereins Lollar beginnt am kommenden Sonntag und erstreckt sich auf mehrere Sonntage im Sep­tember. Geschossen wird mit Wehrmannsbüchsen. Namhafte Geldpreise kommen zur Verteilung. Da­neben kommen an den einzelnen Schießtagen schöne Ehrenscheiben zum Ausschuß.

Q] Lollar, 31. Aug. Ein Motorradunfall ereignete sich gestern gegen 17.30 Uhr in der unteren Hauptstraße des Ortes. Dort wollte der Kernmacher Wilhelm Bolte auf einem seinem Bruder ge­hörenden Motorrad, aus der Richtung Gießen kom­mend, ein Fahrzeug überholen, wobei der Reifen des Vorderrades absprang, so daß der Fahrer mit seinem Rade z u Fall k a m. Während das Motor­rad hierbei nur leicht beschädigt wurde, zog sich der Fahrer schwere Verletzungen am Kopf, den Armen und dem Unterleib zu. Dr. med. Dietz leistete alsbald die erste Hilfe. Die Verletzungen machten die Ueberführung mittels Sanitätsautos in die Chirurgische Klinik zu Gießen erforderlich.

mi. Lich , 30. Aug. Laut Beschluß des 91. Gau­turntages des Turngaues Hessen wurde dem Turnverein Lich das diesjährige Gau­frauenwetturnen übertragen, das am 31. August und 1. September hier abgehalten wird. Seit Monaten haben die Festausschüsse des Turnvereins fleißige Arbeit geleistet und alle Vorbereitungen getroffen, die eine harmo­nische und reibungslose Durchführung des Frauen- wetturnens gewährleisten. Die Stadt ist aufs beste zum Empfang der auswärtigen Turnvereine gerüstet.

'Lich, 30. Aug. Am Sonntag. 1. September, feiert Herr Julius Hummel fein ^jähri­ges Dienstjubiläum als Küchenchef Sr. Durchl. des Fürsten zu Solms-Hohen- solms-Lich. Hummel ist geboren am 31. Juli 1867 als ältester Sohn des im Februar d. I. im 90. Lebensjahre verstorbenen Herzoglichen Rats Andreas Hummel zu Coburg; nachdem er in der herzoglichen Schlohküche zu Coburg das Kochfach erlernt hatte, war er einige Jahre in den ersten Hotels Berlins, Dresdens usw. als Koch tätig. Am 1. September 1889 trat er in den Dienst weiland Sr. Durch!, des Fürsten Hermann zu Solms-Hohensolms-Lich.

Kreis Büdingen.

ch L i n d h e i m, 29. Aug. Das vor einiger Zeit gänzlich niedergebrannte Schloß soll, wie verlautet, bald wieder aufgebaut werden. Die Kanalisierung unseres Ortes ist nunmehr bis auf einige Hausanschlüsse durchgeführt.

th. Blofeld, 29. Aug. Heute, wo auch im entlegensten Dörfchen berechtigte Begeisterung über die erfolgreiche Erdballumkreisung desGra­fen Zeppelin" herrscht, mag es interessant fein, zu erfahren, wie vor rund 70 Jahren unser Dorf durch ein längst nicht so bedeutsames, aber doch

fast wie ein Himmelswunder bestauntes Luft­fahrtereignis in Aufregung verseht wurde. Ein im nahen Leidhecken ansässiger zeitgenössischer Augenzeuge berichtet aus dem Jahr 18 6 2 darüber folgendes:Auf dem Schulhause in dem benachbarten Blofeld war anfangs Mai ein Luft­ballon hängen geblieben, woran unten eine präch­tig aufgeputzte Dame in weißem Tillkleide, blauem Spenzer von demselben Stoffe, weißen Handschuhen, einen Fächer in der rechten Hand ausgestreckt haltend, einen Kranz von roten und weißen Rosen um den Kopf, eine Binde um denHals mt Schlupp, mit blondem herabhängen- dem Haupthaar usw. hing. Viele Leute strömten in das Schulhaus, um diesen seltsamen Besuch zu sehen, und der dortige Schullehrer zeigte sie jedermann bereitwillig. Auch ich habe sie in Augenschein genommen und in schuldigem Respekt vor dem schönen Geschlecht dieser vom Himmel herabgestiegenen Dame meine Aufwartung gemacht, an welcher ritterlichen Courtoisie die Nachwelt sonder Zweifel sich ein Exempel nehmen wird. Der Ballon trug übrigen- die AufschriftHomburg", und sicherem Ver­nehmen nach hat man ihn in Homburg v. d. H. an des dortigen Landgrafen Ferdinand Geburtstag (26. April) auffteigen lassen. Die Aussender der Dame sollen auch höchlich erfreut gewesen fein, über die Nachricht von der glücklichen Ankunft der Dame bei dem Herrn Schullehrer von Blofeld."

Kreis Schotten.

ch Groß-Eichen, 29. Aug. Bei den Reichs- j u g e n d w e t t k ä m p f en, die der Bezirk Laubach am 27. d. M. in Freienseen abhielt, schnitt die hiesige Schule sehr gut ab. Elf Knaben und zehn Mädchen konnten preisgekrönt heirnkchren. Dabei errangen Gustav F a u st mit 71 Punkten in der Knaben-Ober. stufe und Marie Bork mit 97 Punkten in der Mädchen-Unterstufe den 1. Preis.

Kreis Alsfeld.

* Schadcnbach, 29. Aug. Heute morgen ge­gen 9 Uhr verunglückte der 28 Jahre alte Landwirt Reih beim Dreschen dadurch, daß ein Balken des Scheunenfachs brach und er in die Tiefe stürzte. Reitz erlitt eine Verletzung der Wirbelsäule. Die erste Hilfe leistete Dr. Luft aus Homberg a. d. O. und veranlaßte auch die äleberführung des Verunglückten durch die Frei­willige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz aus Gießen in die Chirurgische Klinik. Ein anderer Landwirt, der aus der gleichen Höhe abstürzte, erlitt glücklicherweise keinerlei Verletzungen.

?" Ulfa, 29. Aug. Zwei bis drei Wochen früher als in normalen Jahren hat die allgemeine Grum­met e r n te eingesetzt. Im Hinblick auf die dörrende Hitze befürchtet man einen Rückgang des vorhan­denen Grases. Ein großer Teil der Talwiesen ist bereits gemäht. Diese liefern, weil sie genügend Feuchtigkeit hatten, verhältnismäßig gute Ertrüge. Auf den hochgelegenen Bergwiesen, die am stärksten der Sonnenbestrahlüng ausgesetzt sind, ist der Gras­wuchs sehr gering. Auf vielen dieser Wiesen lohnt sich faurn das Abernten. ,