Ausgabe 
31.7.1929
 
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Mittwoch, ZI. Juli 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Rr. 177 Zweiter Blatt

chen" dabei zu kurz.

man. ~ .

Es läßt sich kein besseres Beispiel der ver­hängnisvollen Ergebnisse geheimdiplomatischer Praxis denken, als die englisch-französi­sche Marinekonferenz. Zunächst bewies sie, welches Unheil geheime Abmachungen über wichtige internationale Angelegenheiten herauf­beschwören können. Dann zeigte sie aber auch, mit wie großem Mißtrauen die Allgemeinheit allen im Geheimen geführten und abgeschlossenen Der- Handlungen gegenübersteht. Soviel ich weiß, ent­sprang die Konferenz im wesentlichen dem Wunsch, die Riegel des Abrüstungsprogramms zu spren­gen. Unter anderen Umständen hätte man ihr wenig Dedeutung beigelegt: so aber, bei dmn geheimen 2lbschluß, konnte man alles Mögliche vermuten, ahnen und unterschieben ein eng­lisch-französisches Kriegsbündnis, eine geheime Aktion Englands und Frankreichs gegen die wachsende Seemacht der Vereinigten Staaten, oder das Zusammenarbeiten der französischen Landheere mit der englischen Kriegsflotte zu irgendwelchen, nicht gerade friedfertigen Zwecken. Ucberall wurde durch die geehimnisvolle Ver­schmierung des Abkommens Argwohn erregt: es wird viel Mühe und Zeit kosten, das Mißtrauen der Oeffentlichkeit wieder zu zerstreuen. Vichts hat in den vergangenen Zähren in Amerika einen schlechteren Eindruck hinterlassen, als dieser Zwi- schenfall Vach den bitteren Erfahrungen ber letzten dreißig Jahre sind die Völker im Recht, wenn sie hinter allen lichtscheuen internationalen Vereinbarungen friedensstörende, unruhestistende Absichten sehen. . .

Erfreulicherweise bewährt sich hier das gesunde Gefühl der Massen. Die veraltete Ansicht, die Veziehungen zweier Regierungen mußten vor den Völkern ihrer Lander geheimgehalten wer- den. ist das gefährlichste ^eberbleibsel der ab­solutistischen Regierungsformen des Mittelalters und muß von der öffentlichen Meinung scharf und erbarmungslos bekämpft werden Mit der Ge­heimdiplomatie ist den Politikern aller Völker ein Mittel in die Hand gegeben, freund- schaftliche Veziehungen zu zerreißen, alle Av-

Doch bleibt dies nur Umriß, Kulisse, Hinter­grund. Kostüm. Immer wird die persönliche Fabel im Mittelpunkt stehen und den Eindruck be­stimmen. In ihr geht es im tiefsten Grunde nicht um eine geistig-weltanschauliche. sondern um eine sehr irdische, profane, körperliche Ausein­andersetzung unter den wichtigen Tragern der Handlung.

Ihre elementaren Antriebe sind: die Liebe der Prinzessin Salome zum gefangenen Propheten. Ihre scheußliche Rache an ihm, die sie der (menschlich größeren) Penthesilea zu nähern scheint. Ihr Tanz, mit dem sie die Rache erkauft .. . die zügellose Drunst des Herodes ... Wut. Haß und Eifersucht der enttäuschten und verschmähten Gemahlin ^rodias. welche sich von der eigenen Tochter um ihrs Ansprüche betrogen sieht ...

_________f einer Freilichtbühne, manches für sich, doch kommt der stillere, lyrische, rein musika- lisch« Gehalt des Werkes, die oft genug zu spürende innere Verwandtschaft mit den »Mär-

Aus dem vielköpfigen Ensemble blieben einige Stimmen in Erinnerung: Wesener (der junge Syrer), Linkmann (Iude), Heitzig und Haeser (Soldaten), Arzdorf (Vazarener), Iahn (Page).

Um die musikalische Leitung machte sich Kapelt- meister Franz Dauer, um die Tanzeinstudie­rung Frau Dr. Ruth-Marie Rosenberg sehe verdient.

Der Besuch war, trotz drohendem Regen, gut.

Dr.Th.

Rur ein Grundsatz bietet eine Gewähr gegen die an gedeuteten Gefahren , das Volk hat ein Recht daraus und sollte auf diesem Recht be­stehen. von Anfang an über alles un­terrichtet zu werden, was die Regierung und damit auch die ganze Ration bindet unö was sie vielleicht mit Gut und Dlut vertei­digen soll. ..Heikle Angelegenheiten," von denen uns bei jedem Angriff auf die Geheimdiplomatie viel erzählt wird, sind im allgemeinen Angele­genheiten. deren Kern der scharfen Prüfung der Oeffentlichkeit nicht standhalten würde. Kein Volk braucht fich von seiner Regierung große, drückende Verbindlichkeiten auferlegen zu lassen, ohne im voraus über die Art ihrer Entstehung und ihren Umfang unterrichtet worden zu sein.

Gießener Gtavttheaier.

Auf der Waldbühne:Salome" von Oscar Wilde.

Dieses Werk war immer und bleibt es wohl auch mehr Theaterstück als Tragödie, mehr Tanzvantomime als Drama, mehr Sttmmungs- spie'. als ein in Wert und Eestalt gefangener Ausdruck innerer Rotwendigkeiten.

Und immer ist man stärker vom literarischen Kunstwerk gefesselt, von Dild, Kostüm und Musik, als voni Stofflichen und vom menschlichen Kon­flikt in einer fabelhaft-fernen, legendär entrück- ten, fast mythologischen Zeit.

rüstungSbestrebungen zu vereiteln, riesige Flotten­bauprogramme in die Welt zu sehen und die Ent­wicklung zum Weltfrieden zu hemmen. Dabei kommt es nicht darauf an. in welchem Maße legal und wie aufrichtig die Absichten sein mö­gen die Methode ist überall zu verdammen.

Ich darf sagen, daß nichts der Völker­verständigung. dem internationalen Vertrauen und der gegenseitigen Achtung der Rationen förderlicher sein würde als der vollständige Verzicht auf jede Ge- heimdiplomatie. Die im geheimen ver­handelten Dinge mögen geringfügig und ohne Dedeutung sein: dennoch kann die Welt mit Recht sagen, daß Dagatellangelegenherten nicht so verheimlicht zu werden brauchten, und daß deshalb mehr hinter den Verhandlungen stecken müsse.

Der geheimnisvolle Tod des belgischen Dan- fier8 Alfred Löwenstein enthüllte der Welt mit einem Schlag einen gigantischen Machtkampf, der sich bis zu jener Zeit fast unter Ausschluß der Oefsentlichkeit abgespielt hatte, und der in diesem Augenblick in Deutschland in ein neues Stadium getreten ist. Derfliegende Dankier" war der große Gegenspieler Dannie Heine- m a n n s . dieses genialen Rathenauschülers, der in der internationalen GesellschaftSofina" oder, wie sie jetzt heißt,Trufina", die gesamte Elektro- wirtschaft der Welt in einer bis dahin ungeahn­ten Weise zu verflechten verstand. Löwenstein hatte versucht, von Kanada her eine selbständige internationale Elektroorganisation zu schaffen und damit Heinemanns Pläne zu durchkreuzen: das hat chn etliche hundert Millionen Mark gekostet und vielleicht seinen Freitod herbeigeführt. Da­nach war für Heinemann die Dahn frei, im Ro- vember vorigen Jahres unter Beteiligung von 61 Gründern aus zwölf verschiedenen Ländern und mit ilnterftüßung von 42 Großbanken jenen fast unübersehbaren Finanz- und Industtieappa- rat derTrufina" zu gründen, an dem die von Owen Poung geführten amerikanischen Elek- ttizitätsunternehmungen ebenso beteiligt sind, wie die Fabriken und Tochtergesellschaften der AEG. in Deutschland, oder wie Loucheurs gewaltige Elektrizitätsgruppe in Westeuropa.

Owen QSoung, der führende Kops im Sa« weskom itee und der Mann, nach dem jetzt Deutschlands neuer Zahlungsplan ge­nannt worden ist, ist nicht nur der Präsident der Internationalen Handelskammer, sondern was viel wichtiger und ihm wahrscheinlich auch viel lieber ist der Präsident der General Electric Company, des größten Elektrotrusts der Welt. Schon vor einiger Zeit erfuhr man, daß dieser führende amerikanische Industrielle, Mor­gans Freund in persönlicher und geschäftlicher Beziehung, in den Aufsichtsrat derA. E. G. gewählt werden sollte. Es war ferner ein offenes Geheimnis, daß die General Electric Company ständig Aktien des größten deutschen Elektrrzl- i tätsunternehmens aufkaufte und damit einseitige herzliche Beziehungen herstellte. die für dieses Unternehmen und für die deutsche Wirtschaft von weittragender Bedeutung werden konnten. Ver­mutlich besitzen die Amerikaner schon jetzt einen Anteil von 30 Millionen Mark an dem gesam­ten Aktienkapital von 186 Millionen, und es steht zuverlässigen Rachrichten zufolge nach einer Kapitalserhöhung bei der A.E.G. eine weitere Aktienübergabe unmittelbar bevor. Damit hat die längst begonnene Beeinflussung der deutschen Clektrizitätsindustrie durch die Amerikaner eine bedenkliche Förderung erfahren.

Wenn sich zwei große kapitalistische Machte von Weltbedeutung eng aneinander anschließen,

gort mit der Geheimdiplomatte!

Don Senator William Dorah, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im

Senat der Vereinigten Staaten.

Der Weltkrieg wurzelte zum großen Teil in den Methoden der Geheimdiplomatte. Rach meiner festen ließetjeugung hätte der Weltkrieg nie entfacht werden können, wenn die Volker aller Länder jeden Wechsel in den Beziehungen der europäischen Großmächte untereinander wah­rend der dem August 1914 vorhergehenden drei Jahrzehnte gekannt hätten. Jedenfalls muß man beim Rückblick auf diesen Zeitraum zu der An. sicht gelangen, daß alle kriegführenden Rattonen glatt betrogen worden find, betrogen von denen, die zur öffentlichen Rechenschaft über alle inter­nationalen Regierungsabmachungen verpflichtet waren.

Jede» Volk hat ein Recht darauf, $u wissen, wie seine Regierung zu allen anderen Regierun­gen steht und welche Lasten die breiten Massen auf Grund von Bündnissen und anderen Heber* einkommen zu tragen haben. In Ausnahmesätten können gewisse Einzelheiten nicht der Oeffentlich­keit übergeben werden, aber das dürfte eben nur ausnahmsweise und nicht regelmäßig Vorkommen. Selbst dann hat die Allgemeinheit einen Anspruch auf Mitteilung der endgültigen Beschlüsse, sobald die Verhandlungen beendet sind. Es heißt die ersten Grundsätze jeder Volksregierung, d,e grundlegenden Prinzipien menschlichen Rechtes mißachten, wenn man der Regierung gestattet, ohne Wissen des Volkes Beziehungen zu anderen Regierungen zu unterhalten und internationale Bindungen einzugehen.

Rach dem Weltkrieg glaubten viele, es hatte nun ein Ende mit dem gefährlichen Spiel, iniöem Leben und Glück vieler Millionen nur Schach­figuren in den Händen weniger Menschen waren. Unmöglich ließe sich eine Diplomatie beibehalten, auf deren Geheiß sich game Völker ohne eigenen Wunsch gegenseitig gemordet haben so meinte

Das Stück wurde ursprünglich in französischer Sprach« niebetfl«toricbcn; da mag -S i»n ganjen hMfnfenhcn Reiz die romantische Gebärde, den musikalischen Stil seiner Formkultur entfaltet ^Roch in der gegenwärtigen Fassung ist dies spürbar. Spürbar noch an Versuch S^r Gestaltung dessen, was über den sonders all, über ba81 rem Episodische derSalome hmausreichen sollte.

Ausschnitt aus der Chronik nÄnttch nicht> nur eines verrotteten Geschlechtes, ®[ vollkommener Verwirrung ihres Gefühls alle her gebrachten Gesetze, alle naturgemäße Dindung ihrer Beziehungen 5ueinanber vergessen hmxn

Sonde^ auch aus der Chronll einer Zett- wende, tote sie ähnlich etwa m WerfelsPaul

Hochschulnachrichten.

Der Lehrstuhl für organische Chemie an der Leipziger Universität ist dem ordenllichen Pro­fessor Dr. Burckhardt Helf er ich in Greifs­wald angeboten worden. Professor D. Dr. Otto Scheel in Kiel hat den Ruf auf den Lehr- stuhl der Kirchengeschichte an der Universität Halle als Nachfolger des Geheimen Konsistorial- rats Joh. Ficker abgelehnt. Ernannt wurde der Regierungsrat im Staatsarchiv in Stuttgart Dr. Hermann Hefele zum ordentlichen Professor der Geschichte an der Staatlichen Akademie in Braunsberg als Nachfolger von Professor Ph. Funk.

Es wurden ernannt: der ordentliche Professor Dr. jur. Dr. theol. h. c. Günter H o l st e i n in Greifswald zum ordentlichen Professor für Staast-, Derwaltungs», Kirchen- und Völker­recht in Kiel als Rachfolger W. Jellineks, und der ordentliche Professor Dr. Kurt Spangen­berg in K i e l zum Ordinarius der Mineralogie in Breslau als Rachfolger von Professor L. Milch. Der ordentliche Professor des rö­mischen Rechts an der deutschen Universität in Prag Dr. jur. Marian San Ricolö hat einen Ruf nach Freiburg i. D. als Rach­folger des nach Göttingen berufenen Romanisten Wolfgang Kunkel erhalten.

Verhältnisse, deren Darstellung nur durch die zeitliche Entrückung und legendäre Verbrämung er­träglich gemacht wird. In modernen Stücken hat man dergleichen weil Distanz und Kostüm fehlte immer abgelehnt ober abzulehnen ver­sucht. .

Spielleitung: der Intendant. Dr. Pi r a f $ hat viel Fleiß und Energie an diese Vorstellung im Walde gewandt. Wir glauben freilich daß eine Ausführung im Theater die Muhe besser gelohnt hätte. Die Vorzüge der Freilichtbühne find zum mindesten in diesem Falle frag­würdig. ihre Rachteile offenkundig: sie hegen vor allem in der Enge des Spielfeldes^wodurch vielfach die Szenerie verklemmt, die Entfaltung der Massen gehemmt und der berühmte Tanz beeinträchtigt wird.

Außerdem hätte unferm Gefühl nach zu Dem grundliterarischen Stil, zur ästhettschen Haltung des Werkes die auch bei großzügiger Raum- entfaltung sich durchsetzende Intimität des ge- schlossenen Theaters besser gepaßt.

Dr Prasch legte regiemaßig den Rachdruck auf die Realistik und handgreifliche Theatrattk des Werkes. Er spielte es etwa als eine barba^iche Ballade, mit kräftigen Lichteftekten zwischen Grün

Salome: Trude Heß. Aeußerlich durchaus prädestiniert für die Rolle. Sie gibt sie im Einklang mit der Regie balladesk, barbarisch, wild, kahenhaft. Mit einer scharfen Betonung der 'pathologischen Züge der Figur, mit aller, auf den Schluß hin gesteigerten, krankhaften Leidenschaft.

Aber diese Betonung ist von Anfang an sehr fühlbar vorhanden. Und deshalb vermißt man den He&ergang und die überraschende Entwick­lung, die in der Salomegestalt gezeigt werden muß. Sie ist zu Ansang noch ganzPrinzessin", jungfräulich, mädchenhaft, kindlich fast. Ein lyrisch­romantisches Geschöpf, eine Märchenfigur. Erst die Begegnung mit Iochanaan bringt die Entwurze­lung und Wendung zur entfesselten Weibfurie, die sich tanzend in den Taumel einer irrsinnigen Liebesraserei verliert. (Der Tanz selbst wirkte merkwürdig matt; et verlangt eben eine volle, ungehemmte räumliche Entfaltung, um der er­regende Mittelpunkt des Spieles zu werden.)

Vielen wird dieses Stück des Iren Oscar Wilde (aus dem Iahte 1892) kaum mehr be­deuten als der glänzend stilisierte Veracht.von einer Bluttat in uralten Zeiten, die mit psycho­logischen Akzenten verbrämte, sehr vergeistigte Repottage von der Familienkatastrophe einer längst verschollenen, entnervten Dynastie

eine Schilderung, die man interessiert auf­nimmt. weil man ein Kind seiner Zeit ist, in welcher Psychologie und Psychoanalyse eine ungemeine Aolle spielen .... und weil man bei den melo­dischen Worten von der Bühne her an die gta- üöfen Lustspiele Wildes denken muß und an die bezaubernde Decadence seinesDorian Gray".

Portefeuille für über 400 Millionen Aktien frem­der Gesellschaften, und da diese abhängigen Unter­nehmen sich auch ihrerseits an vielen ausländischen Fabriken und Handelsgesellschaften beteiligt haben, herrscht der Präsident Owen Young noch über ein weit größeres, in der ganzen Welt verstreutes und überall den Amerikanern zinspflichtiges Elektrizi- tätskapital. Wie bedeutend das amerikanische Un­ternehmen ist, geht auch daraus hervor, daß es im letzten Jahr fast für anderthalb Milliarden Mark von seinen Erzeugnissen verkauft hat.

Der Ausstieg der deutschen und der amerikani­schen Elektrizitätsgesellschaften steht beispiellos da: ober noch ist der Höhepunkt ihrer Entwicklung nicht erreicht, noch sind bei der Elektrifizierung der Welt gewaltige Aufgaben zu erfüllen, und da mit diesen Arbeiten sehr viel Geld zu verdienen ist,

HerodcS, der Tetrarch, war E b e r t - G t a s - s o w. Er bot eine interessante pathologische Studie. Retonenkops mit Versallszügen. Ein königlicher Bramarbas und Schwächling, von seinen Lüsten gehetzt, von schlimmer Vergangen- heit und drohender Zukunft geängstigt, über­wältigt von einer Gegenwart, der er nicht ge­wachsen ist. Dies die einheitlichste Leistung des Abends: doch wäre dem Darsteller stimm- lich und atemtechnisch etwas mehr Oekonomie zu empfehlen.

Richt übel auch der Iochanaan von Hans Hais; er gibt äußerlich das Dild, das man erwartet, und setzt sich in scharfem Kontrast wir­kungsvoll gegen feine Umwelt ab. Eine ideale Erfüllung wird diese Rolle vielleicht nur in der Oper finden; immerhin wäre ihr hier ein wenig mehr Leuchtkraft und Klangfülle im Organischen sehr zustatten gekommen.

Owen stoung, Vaihenaus Erbe.

Oer Vater des Loung-Plans im Aufsichtsrat der A. E. (S. - Welteteltrotrust unter amerikanischer Führung. Wieder ein gigantischer Machtkampf. Ein Unter­nehmen mit 230 Millionen Mark jährlichem Reingewinn.

- Von Herbert Ruland.

versucht wird, einer Welt zwischen verfallendem I und Rot, zwischen Hell und Dunkel. Sied hat, Seibentum und auf steigendem Christentum, zwi- | zumal auf c* schon Altertum und Mittelalter.

war es von vornherein klar, daß bei der Groß« der beteiligten Firmen ein Machtkampf um die Sicherung der betreffenden Aufträge unvermeidlich fein würde. Noch sind in vielen Ländern die Eisen­bahnen vom Dampfbetrieb auf den elektrischen Betrieb umiustellen, die Wasserkräfte der Welt sind erst in oerhälnismäßig geringem Umfang erschloß fen, und es steht also der Bau mächtiger Elek« trizttätswerke überall bart bevor, woweiße Kohle" zu gewinnen ist; die Umwandlung der Te­lephonanlagen der Welt auf automatischen Be­trieb ist erst eingeleitet und wird große Fabriken auf viele Jahre hinaus beschäftigen, Hochspan­nungsleitungen sind anzulegen Ausgaben genug, den Machthunger der großen Industrieherrscher zil reizen! Man hat bei der Gründung derTrufina schon davon gesprochen, daß der englischen Elektri­zitätsgruppe, die ebenfalls mit Dannie Heinemanns weltumspannender Gründung verbunden ist. Groß­britannien, die Dominions und die Kolonien zu« gewiesen werben sollen, während Loucheurs Grupp« Westeuropa, und dieGeffürel", an der die A.E.G. beteiligt ift Mittel- und Osteuropa übernehmen tönten; dann bliebe für die General Electric Co. der amerikanische Markt, und damit wäre die Erde I unter die einzelnen Glieder des Weltelektrotrusts I verteilt. So weit ist es vorläufig noch nicht, aber etwas ähnliches fleht wohl bevor. Die Amerikaner, die am kapitalkräftigsten sind, wollen sich nun nicht mit ihren Quoten begnügen, sondern in die natio­nalen Industrien selbst einbringen. Als im Der-, gangenen Herbst ein englischer Electrotrust durch Zusamenschluß der größten britannischen Firmen ins Leben gerufen wurde, vermutete man sofort, bah die International General Electric Company babei bie Hand im Spiel haben müsse und das ist eine Tochtergesellschaft der General Electric Company von Neuyork. Das hat sich bewahrheitet, unb bie Amerikaner sinb tatsächlich nach heftigem Wiberstanb ber Englänber in die britische Elek- trizitätsindustrie eingezogen.

In Deutschland bereitete der amerikanische (Erobe­rer seine Aktion durch einen Dorstoß in die Osram- Werke vor. Owen Young kam damals selbst nach Berlin und hatte auch eingehende Besprechung mit der A.E.G., bie ja an ben Osram-Werken be­teiligt ist; zwar würbe bamals bementiert, baß Owen Young in ben Derwaltungsrat der A.E.G. eintreten mürbe, unb nur zugegeben, daß die Ame- ritaner mit 16 Prozent an den Osramwerken be- teiligt worben seien aber man kennt ja solche Dementis zum Beispiel auch aus ber Zeit ber langroerigen Derhanblungen, bie bem Verkauf ber Opelwerke ap bie General Motors vorangingen. Heute wagt es niemanb mehr, bie Derdinbung mit der amerikanischen Gesellschaft zu leugnen, die ja denselben Namen führt wie das deut che Unter- nehmen, nur in englischer Sprache. Ursprünglich hieß bie beutfche FirmaDeutsche Edifon-Geftll- schäft", unb sie war entstauben, weil Emil Ra- chenau als Mitarbeiter Ebisons nach feiner Heim­kehr besten Ersinbung in Deutschlcmb verwenden wollte. Die General Electric Company hat densel­ben Ursprung; sie war seinerzeit bie Zusammen­fassung einer großen Anzahl Ebisonscher Grun- . düngen unb hatte bie Aufgabe, Ebisons Patent« i technisch unb kommerziell auszunutzen.

so muß sofort die Frag« aufgeworfen werden, ob diese beiden Unternehmen wenigstens an­nähernd einander ebenbürtig sind, also über entsprechende Kapitalien verfügen, da sonst eine allmähliche Unterwerfung des einen Partners unter den Willen des andern fast unausbleib­lich ist. Run ist die Allgemeine Elektrizitäts­gesellschaft ehemals eine führende Weltorgani­sation gewesen, die unter Emil Rathenaus Leitung bestimmend überall auf dem internatio­nalen Markt eingreifen konnte und eingegriffen hat. Der Krieg beraubte sie ihrer besten Posi­tionen, aus denen sich die Konkurrenz entwickelte, die später sehr unangenehm fühlbar wurde; so ist dieSofina" Heinemann ist der Bruder eines deuttchen Großbankdirektors ursprüng­lich eine Gründung der deutschen AEG., und in ihrem Derwaltun^rat saßen vor dem Krieg auch deutsche Dankdirektoren. 3n den letzten Iahren hat sich das gewaltige deutsche Unter­nehmen der AEG. wieder zu einer sehr beach­tenswerten Höhe entwickelt, die am besten da­durch charakterisiert wird, daß in feinen 'Betrie­ben und in denen feiner hundertprozentig von ihm kontrollierten Tochtergesellschaften rund 70 000 Arbeiter und Angestellte tätig sind. Bei einem jährlichen Umsatz von einer halben Milliarde Mark wurde nach vorsichtigen Abschreibungen zuletzt ein Reingewinn von 16,5 Mill. Mark ausgeschüttet.

Das sind für Deutschland gewaltige Summen, die aber geringfügig werden, wenn man sie mit ben Ziffern ber Unternehmungen Owen Youngs vergleicht. Die General Electric Co. hat im letzten Jahr einen Reingewinn von nahezu 230 Millio­nen Mark erzielt, also halb so viel oerbient wie bie A.E.G. umgesetzt hat. Ihre eigenen Betriebe warfen freilichnur" einen lieber)d) von un­gefähr 165 Millionen Mark ab, währenb ber Rest bes Reingewinns aus ben Zinsen ber Beteiligun­gen an anberen Unternehmungen entstanden ist. Die General Electric Co. besitzt nämlich in ihrem

Italien und der deutsche Generalstab.

Während die politische Rolle, die Italien im Dreibund gespielt hat, in der Literatur ein- gehend erörtert worden ist, hat es an einer zu­sammenfassenden Darstellung der militärpoli­tischen Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich bisher gefehlt. Diese Lücke wird jetzt durch eine Arbeit des ehemaligen Dberquar- tiermeisters I im ©eiyralftabe, Graf Walder fee, ausgefüllt, die unter dem TitelDon Deutsch- lands militärpolittschen Beziehungen zu Italien im Iuliheft derBerliner Monatshefte"*) (Die Knegs- schuldsrage) veröffentlicht ist. Aus eigener Anschau­ung unb an Hanb bisher unveröffentlichter Doku-

') Das Iuliheft ist zum Preise von 1,50 Mk. von berZentralstelle für Erforschung ber Kriegsursa- chen", Berlin NW 6, zu beziehen.

Lieselotte Fuhrmann hatte die mehr als undankbare Partie der Herodias. Es laßt sich nicht viel aus ihr machen. Man sollte sich be­mühen, ihr nach Möglichkeit ein wenig Format zu schassen und sie dem Wesen einer fürstlichen Megäre tunlichst zu entrücken.