Ausgabe 
31.1.1929
 
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Donnerstag, 51. Januar 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für tvderheffen)

Nr. 26 Zweites Blatt

jucht, durch Verkür/

Oer Reichsparieiiag der Wirtschastspartei.

Auf der Schlußsitzung des Reichsparteitages der Wirtschaftspariei wurden Entschließun­gen angenommen, von denen die zur Finanz­politik eingebrachte im wesentlichen folgende For­derungen enthält: Völlige Beseitigung aller Sonder st euern. insbesondere der Gewerbesteuer und der übrigen Realsteuern. Der Ausfall soll durch Zuschläge zur Einkommen- und Körperschaftssteuer gedeckt werden. Das Steuervercinheitlichungsgeseh in der jetzigen Form wird abgelehnt, weil es den selbständigen Mittel­stand noch schwerer belaste. Ferner wird gefor­dert: restlose Beseitigung aller Steuervorteile der Unternehmungen der öffentlichen Hand, Konsumvereine usw. Die Partei lehnt mit aller Entschiedenheit jede weitere Er­höhung der Haushalte in Reich, Landern und Gemeinden als untragbar ab und fordert mit Rachdruck Sparsamkeit und schärfste Einschränkung derBerwaltungsaus- gaben. Zur Wohnungsfrage wurde eine Ent­schließung angenommen, die die Aufhebung des Reichsmietengesehes, des Mieterschutzgesetzes, des Wohnungsmangelgesetzes unter Erlaß angemes­sener älebergangsbestimmungen bis zum Ein­tritt der festen Wirtschaft fordert. In weiteren Einschließungen tritt die Partei für die unbe­dingte Beibehaltung des Transfer­schutzes und für die sofortige Räumung des besetzten Gebietes ein. Roch den Berichten der Ausschüsse wurde dem Vorstände Entlastung er­teilt. Der Dorstand wurde durch Zurus ein­stimmig wiedergewäh l t.Vorsitzender Reichs- tagsabgeordneter Drewitz, stellvertretender Vorsitzender Reichstagsabgeordneter Coloss« r. 1. ^riftführer: Landtagsabgeordneter Bi­schoff, 2. Schriftführer: Reichstagsabgeordnet« Molla 1 h, Schatzmeister: Stadtamtmann Otto Müller, stellvertretender Schatzmeister: Land­tagsabgeordneter Perschke.

Neugestaltung Hessens.

Bemerkungen zu dem Vorschlag des Hessischen Ministers des Innern.

Von Or. Hans Gmelin, o. ö. Professor des öffentlichen Rechts an der Landesuniversität Gießen.

Grenzkorrekturen sind Vereinfachungen in der Landesverfassung und -Verwal­tung. Vor allem Beseitigung der parlamen­tarischen Regierung in den Ländern: Ersetzung des parlamentarisch verantwortlichen Gesamt» ministeriums durch einen vom Landtag auf be­stimmte Zeitdauer gewählten Landes Präsidenten ober ein Landespräsidium: Erweiterung der Selbstverwaltung zur Entlastung des Staates. Freilich werden solche Maßnahmen nur dann den gewünschten Erfolg zeitigen, wenn auch das Reich der besonderen Lage Hessens, dis> sich aus der Besetzung fast der Hälfte des Landes ergibt, in ausreichendem Maße Rechnung trägt. Dann kann Hessen als Land neben den anderen Ländern des Reiches wciter>.>estehen. Und dem Fortbe­stand von Hessen ist ein besonderer Wert bei­zulegen, weil Hessen seine Aufgabe. Rord- und Süddeutschland miteinander zu verbinden, belfer zu erfüllen verrnag, wenn es seine wtaatsgualität behält, als wenn es unter der Bezeichnung ^Reichsland" tatsächlich in eilte preußische Pro­vinz verwandelt wird.

bruar steht der hellste Stern des ganzen Him­mels, der hell leuchtende Abendstern, fast ganz genau an dem Punkt, der als Beginn des Tier­kreises angesehen wird, nämlich am Frühlings­punkt. Dieser Punkt ist der Schnittpunkt der mitten durch den Tierkreis gehenden Sonnenbahn mit dem Himmelsgleicher. Er liegt unter dem großen, aus einem Andromedastern und drei Pe- gasusstcrnen bestehenden Himmelquadrat, und wer sich danach seine Lage einprägt, kann am wei­teren Wege der Venus den Anfang der Sonnen­bahn im Tierkreis verfolgen. Auch die beiden nüchsthellen Wandelsterne, nämlich der Jupiter und der Mars, stehen ganz in der Rahe der Sonnenbahn, so daß man diese Linie leicht durch die Verbindung der drei Hellen Sterne findet und dann In ihrem Verlauf durch die Sternbilder des Tierkreises weiter verfolgen kann. Man sieht dann, wie sie im Sternbilde des Stiers zwischen dem rötlichen Aldebaran und den Plejaden hin­durchgeht, wie sie dann die den Stier von den Zwillingen trennende Keulenspihe des Orion be­rührt, das Rechtecksternbild der Zwillinge fast genau in zwei Hälften zerlegt, im Sternbild des Löwen ganz hart an dessen Hauptstern Regulus vorbeigeht, um an der Grenze des Sternbildes der Jungfrau den dem Frühlingspunkt gerade gegenüberliegenden Herbstpunkt zu erreichen, wo die Sonne zu Hecbftbeginn steht. Da die Sonne hei Frühlingsbeginn im Frühlingspunkt steht, er­reicht dieser dann bei Sonnenuntergang zugleich mit ihr Den Horizont. 3m Februar aber steht die Sonne noch so weit rechts vom Frühlings­punkt, daß sie schon eine Weile untergegangen ist, wenn sich dieser dem Horizont nähert, Der Sternhimmel wirD Dann sichtbar, wenn gerade die schönere Hälfte des Tierkreises über Dem Hori­zont steht.

Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Zn der letzten Sitzung der Oberhessischen Gesell schast für Natur- und Heilkunde, Naturwissenschaft' (td}e Abteilung, hielt Professor Dr. Milser aus Freiburg i. Br. einen interessanten, durch Lichtbil­der erläuterten Vortrag, über das Thema: Neu­zeitliche Erdoerbiegungen, nachgewiejen an Ingenieurbauten im Oberrheintal. Der Vortra- qenbe führte u. a. folgendes aus:

Erdoerbiegungen sind an sich selbstverständliche Vorgänge, denn ohne sie gäbe cs auf der Erdtruste keine Niveaunterschicde, weder Gebirge noch Sen-

Vom Tierkreis.

Von Professor Or. Küstermann.

Nachdruck verboten.

Wir haben das Wundern verlernt. Die un­geheuerlichen und sich immer mehr überstürzen­den Errungenschaften der Raturwissenschaft und Der Technik sind uns etwas Altgewohntes getoor- Den, und beinahe fangen wir schon an, uns zu wundern, wenn einmal 8 oder 14 Tage lang keine aufsehenerregende Rauigkeit ihren Weg durch Die Zeitungen nimmt.

3n alten Zeiten war dies anders. Da gab es weniger Reuigkeilen, man hatte mehr Zeit, das Alte zu betrachten, und zu Den Dingen, die am eifrigsten angeschaut wurden, gehörte der Stern­himmel. Er drehte sich täglich einmal um Die Erde herum, in sich aber blieb er sich etoig gleich und immer unveränderlich, mit einer Aus­nahme freilich: Man beobachtete sieben Wandel­sterne denen kein Platz in einem bestimmten Sternbild zukam, die vielmehr durch den ganzen Sternhimmel wanderten. Es ist ein 12 bis 15 Grad breites Band, das also etwa 2/s Der Hohe des Orion breit ist, in Dem diese sieben merk­würdigen Sterne ihren Weg nehmen. Kein Wun­der. daß dieser Gürtel am Himmel von iel)cr ganz besonderes Ansehen genoß, ja mit einer Art ehrfürchtigen Staunens betrachtet wurde. Daß man ihn in zwölf Sternbilder einteilte, beruht natürlich nicht auf Der Verteilung Der Sterne in dieser HimmelsgegenD man könnte sie eben­sogut in zehn ober in zwanzig Sternbilder zuscun- menfassen. als vielmehr auf Der besonderen Wertschätzung, Deren sich die Zahl 12 erfreute, und Die jedenfalls ursprünglich auf Die Anzahl der Mondwechsel im Jahr zurückgeht. Sen alten lateinischen Merkvers, Durch Den man sich Die Ramen dieser 12 Sternbilder einprägte, kann man wie folgt, verdeutschen:

Widder ist es und Stier, Dann Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau. Waage, sodann Skor­pion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Wiewohl nur sieben Der Sternbilder Tier­namen tragen, führt der Kreis doch von alters- her Den Rainen Tierkreis. Kein Monat ist so günstig zu seiner Beobachtung wie Der Februar: Denn alsdann stehen gerade in Den Llbendstunden Die sechs ersten Sternbilder, Die sich nicht nur zu weit größerer Höhe erheben als Die letzten sechs, sondern auch in sich eindrucksvoller sind, über Dem Horizont. Dieses 3ahr aber ist noch pans besonders günstig: denn gerade am 1. Fe-

Im ersten Morgenblatt der Frankfurter Zei­tung vom 18. Januar 1929 machte der hessische Minister Des Innern, Herr W. Leuschner. unter Der ÜberschriftSie Brücke zum Einheits­staat", einen Vorschlag zur Reichsreform un Ahein-Maingebiet, Der auch un Gießener An­zeiger vom 18. Januar bekanntgegeben tourDe. Sie wesentlichsten Punkte des Programms von Leuschner sind: Hessen wird Reichsland: seine Verwaltung wird auftragsweise von Preußen geführt: Teile Der preußischen Provinz Hessen- Aassau wären an das Reichsland Hessen anzu- fllicDern, an der Spitze des Landes stünde ein auf Vorschlag des hessischen Landtags von der Reichsregierung zu ernennender und dieser ver­antwortlicher Landespräsidenf. den Landes- und Gemeindebehörden wären einzelne Zweige Der bisherigen unmittelbaren Reichsverwaltung, vor allem die Finanzverwaltung, in Auftragsverwal­tung zu übertragen.

Dieses Programm erscheint in mancher Be­ziehung erwägenswert unter Der Voraussetzung jedoch. Daß es nur a l s älebergangslösung verwirklicht wird, d. h. daß Der dezentralisierte Einheitsstaat auch nachfolgt. Liber eben, Das ist zweifelhaft: es ist wahrscheinlicher, daß der Ein­heitsstaat an dem Widerstand Bayerns scheitert. Sann aber verliert der Vorschlag Leuschners viel von seinem Wert.

Minister Leuschner stellt es als einen besonde­ren Vorzug seines Programms hin, daß jcDer Teil für seine Opfer auch etwas gewinne: das Reich überläßt einen Teil seiner unmittelbaren Verwaltung dem Lande bzw. Den Gemeinden und erhält dafür Hessen als Reichsland: Preußen bekommt für die Hingabe von Gebiet die Ver­waltung von Hessen: Hessen endlich wird für Den Verzicht auf seine Staatseigenschaft durch eine Gebietserweiterung entschädigt. Wie aber mag sich die Umwandlung in Wirklichkeit ge­stalten? Es bestehen drei äußerste Möglichkei­ten: entweder bewahrt die Landesverwaltung des Reichslands Hessen einen bedeutenden Grad von Selbständigkeit, wenn nämlich die Aussicht der ReichszentralbehörDen auf ein Mindestmaß be­schränkt wird, und wenn die preußischen Be­hörden. die -Die Landesverwaltung im Auftrag des Reiches besorgen, von Instruktionen der hes­sischen Landesorgane abhängig werden. Dann hat Hessen eigentlich nichts auf gegeben, sondern nur gewonnen, nämlich eine Gebietserweiterung und die Verwaltung der bisher in unmittelbarer Reichsverwaltung stehenden Dienstzweige. Sie Verlierenden sind in diesem Fall Preußen und daS Reich: Preußen, weil es eine Gebietsabtre­tung vornehmen muß, die durch die Erstreckung der preußischen Verwaltung auf Hessen nicht aus­gewogen wird, wenn die preußischen Behörden Den Dienstbefehlen der hessischen Landesleitung Folge leisten müssen. Das Reich büßt Rechte em, weil es auf einen Teil der unmittelbaren Reichs­verwaltung verzichtet und es für diesen Verzicht in der fernliegenden Aussicht auf den Einheits­staat nichts Greifbares eintauscht.

Die zweite Möglichkeit ist folgende: Die Ver­bindung Hessens mit dem Reiche wird eng ge­knüpft, indem den Reichszentralbehörden eine sehr fühlbare Dienstaufsicht über die hessische Landesverwaltung eingeräumt wird. Sann hat das Reich einen Machtzuwachs erfahren und Hessen seine Staatseigenschaft nun wirklich ver­loren. Aber auch Preußen gehört zu den Ver­lierenden, Da wie im ersten Fall die Ausdeh­nung Der preußischen Verwaltung auf Hessen nur eine Last, aber keine Mack>erweiierung für Preu­ßen bedeutet. Es ist daher kaum wahrscheinlich, daß sich Preußen zur Abtretung so wertvoller

Gebietsteile wie Frankfurt, Hanau und Wies­baden bereit finden wird.

Rur bei Der Dritten Möglichkeit wäre Preußen Der getoinnenDe Teil: wenn nämlich die die Auf­tragsverwaltung führenden preußischen Behörden ihre Selbständigkeit trotz Der Aufsicht Der Reichs­zentralbehörDen und trotz der Anweisungen der hessischen Landesleitung durchsetzen. Sann läge eine verkappte Einverleibung Hessens in Preu­ßen vor, die für Preußen mit der scheinbaren Gebietsabtretung preußischer Gebiete an das Reichsland nicht zu teuer erkauft wäre. Hessen wäre in diesem Fall verschwunden, aber auch das Reich wäre geschädigt.

Allerdings handelt es sich bei den hier ins Auge gefaßten Möglich! iten um äußerste Fälle, zwischen denen es mancherlei Abstufungen gibt. Aber Der einen oder andern der geschilderten Möglichkeiten würde sich die Wirklichkeitsform des Leuschnerschen Vorschlags nähern, Denn es ist ein alter Erfahrungssatz, daß ein absolutes Gleichgewicht politischer Kräfte niemals lange besteht, Daß vielmehr immer die eine oder andere Kraft die Oberhand über die andern gewinnt. Saher muh bei Durchführung des Leuschnerschen Planes entweder die preußische Staatsgewalt, die Reichsgewalt oder die vom Reich delegierte hes­sische Landesgewalt das Liebergewicht erlangen. Welche Gewalt sich durchsetzen wird, läßt sich im voraus schwer sagen, denn papierene Garan­tien bieten keinen ausreichenden Schutz gegen daS Gewicht wirklicher Machtverhaltnisse.

Für die Frage, wohin die entscheidende Gewalt zu liegen kommt, ist es von größter Bedeutung, welcher Volksvertretung die Kontrolle der Ver­waltung, und welchem Organ die Jnstruierung der Stimmen des Landes Hessen im Reichsrat zustehen soll. Aber gerade diese Frage bezeichnet Leuschner als offene; er deutet nur an. daß die parlamentarische Vertretung dort bestehen soll, wo der Schwerpunkt der zu kontrollierenden Ver­waltung liege, und stellt Vertretung im preußi­schen Landtag oder im Reichstag zur Wahl. Minister Leuschner übersieht, daß eine Vertre- tung des Reichslandes Hessen im preußischen Landtag eine staatsrechtliche Unmöglichkeit ist. Übertragung Der Verwaltung an Preußen und Vertretung Hessens im preußischen Landtag wäre gleichbedeutend mit Einverleibung in Preußen, es fehlte nichts mehr als Die Bezeichnung preußische Provinz. Wenn Hessen in ein Reichs­land verwandelt wird, gibt es nur zwei Möglich­keiten: entweder das kontrollierende Organ ist Der Reichstag (in Dem ja Das hessische Volk schon vertreten ist), oder das Recht Der Kontrolle wird vorn Reiche auf einen hessischen Landtag übertragen, so Daß er eine Stellung innehätte ähnlich der des elsaß-lothringischen Landtags von 1911 bis 1918. Die Instruktion Der hessi- schen Reichöratsstimmen könnte wiederum nur durch die Reichsregierung oder kraft Delegation seitens des Reiches durch Den hessischen Landes- Präsidenten erfolgen, keinesfalls aber durch Preußen, sonst wäre wieder Einverleibung In Preußen gegeben. .,

Endlich gibt die in Dem Vorschlag LeuschnerS mehr angedeutete als ausgesprochene Grenzbc- richtigung zu Bedenken Anlaß. Es ist zwar in Dem Leuschnerschen Programm klugerweise nicht gesagt, welche Gebiete Preußen Dem Reichs- lanD Hessen zu überlassen hätte, aber man kann erraten, daß es sich um Die Hauptorte des rhein- mainischen Wirtschaftsgebiets, also Frankfurt, Wiesbaden. Hanau, mit entspreche.zDern Hinter­land, handeln soll. Bei einer derartigen Landes- gestaltung liefe aber Hessen Gefahr, zu einem Untertanenland Der GroßstaDt Frankfurt herab-

Hochschulnachnchten.

Der ordentliche Professor für das römische Recht, bürgerliches Recht und der Rechtsvhilosophie an der Universität 3 e n a Dr. jur. Hans Albrecht Fischer bat einen Rus an die Universität Breslau als Nachfolger von Professor Bruck erhallen.

Dem Privatdozenten für altes Testament tu der theologischen Fakultät der Universität Mar­burg Lic- theol. Joachim Begrich ist ein Lehrauftrag *zur Vertretung der Hebräischen Sprache erteilt worden. Der Freiburger Geschichtsprofessor, Geh. Rat Dr. phil. Dr. theol. h. c. Heinrich Finke, ist von der dortigen rechtS- unb staatswissenschaftlichen Fakultät zum Ehren­doktor Der Rechte ernannt worden in An­erkennung feiner Verdienste, Die er sich bei bet Darstellung Der Geschichte des Kirchenrechts er­worben hat. Der durch das Ableben von Prof. W. Kaskel in Der juristischen Fakultät Der Uni­versität Berlin erledigte Lehrstuhl für Ar- beits- und Dersicherungsrecht ist dem Denats- präsidenten im RLichsversicherungsamt, Dr. jur. Hermann Dersch, angeboten worden. Pro­fessor Dr. med. Karl Reuter in Hamburg hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Gegrftubl Der gerichtlichen Medizin an der Universität Breslau angenommen.

Der nichtbeamtete außerordentliche Prosefsor Der Geographie an Der Universität F r a n l* f u r t a. OH. Dr. Otto M a u 11. dem erst kürzlich ein Ordinariat an Der Handelshochschule zu Königsberg an geboten wurde, hat einen Net­teren Ruf auf den Lehrstuhl Der Geographie an Der Universität Graz als Rachfolger Robert Siegers erhalten.

Zweiter Evangelischer Landeskirchentag.

WSR. Darmstadt, 30. Ian Der Evan­gelische Landeskirchentag hatte für heute vormittag 10 Uhr eine Sitzung anberaumt, um Die Wahl zum Präsidium und Den Ausschüssen vorzunehmen. Im Lause des gestrigen Abends und des heutigen Vormittags waren die drei Gruppen zu Ginzelberatungen zu- fammengeireten, Die jedoch bis heute mittag 12,30 Uhr noch z u keiner Verständigung ge­führt batten. Der Alterspräsident, Geheimer Iustizrat Wahl (Schlitz), teilte Dann der Pvesse

eines künstlichen Gefälles hier ein Eingraoen des Stromes in Den Untergrund herbeizufuhren. Das Resultat war indessen völlig negativ, weil man übersehen hatte, daß das entsprechende Gelände noch heute in Senkung begriffen ist. Es hat sich gezeigt, daß einerseits alle Aufschüttungsgebiete in Tiefgebieten liegen (Zabernsenke, Saar-Saalesenke), andererseits die Stellen, an Denen Der Strom ar­beitet, in Hochgebieten liegen, bzw. mit Verwcr- fungen zusammenfallen. Die Borgänge zu beiden

ken. Ohne Erdverbiegungen gäbe es überhaupt keine Geologie. Erst durch die Verteilung von Hoch und Tief kommt es auf der Erde zur Sedimenta­tion, zu Transgressionen und Regressionen. Als Beispiele wurden Skandinavien und Die Insel Kreta angeführt. Während Die Hochbewegung von Skan­dinavien durch eine immerhin weiter abliegende Absenkung Der Ostsee kompensiert wird, liegen auf der Insel Kreta, Deren West- und Ostküste nach Art einer Waage oszillierende Bewegungen ausführen, die Hoch- und Tiefgebiete nahe beieinander. In Deutschland waren es besonders die Untersuchungen von Schmidt in München, durch die im Bayeri- fdjen Alpenoorlande auf Grund von Feinnioelle- ments Die Senkungsvorgänge zahlenmäßig belegt wurden. Es ergab sich hier von 1887 bis 1906 eine Nioeaudifferena von rund 50 Zentimeter. Außer vertikalen Verbiegungen konnte Schmidt im Alpen­vorlande auch horizontale, mulDenartige Absenkun­gen beobachten. Von Den Bodenbewegungen m Frankreich ausgehend, gelang es Dem Vortragenden an Ingenieurbauten dieselben Erdoerbiegungen auch im östlichen Fortstreichen über den Rhein hinaus bis in die Gegend des Schwarzwaldes zu verfol­gen. Durch Nioellementsmessungen, Die in Den Jah­ren 1860 bis 1890 in Frankreich planmäßig über

das ganze Land ausgeführt wurden, konnte eine muldenartige Einsenkuna des ganzen Landes bcob- achtet werden. Das Gelände zu beiden Seiten des Rheines zeigt eine starke Aufwölbung. Von Basel nach Norden zu folgt östlich des Rheines auf Den Schwarzwald Die sogenannte Zabernsenke, Dann der Odenwald, welcher nach Norden wiederum zur Saar-Saalesenke herabfällt. Westlich des Rheines entsprechen dem Schwarzwald die Vogesen, wäh­rend der Odenwald seine südwestliche Fortsetzung in der Haardt findet. Der Rhein ist im Osten durch N8-Verwerfungen mit Nioeaudifserenzen von 300 bis 400 Meter begrenzt, Die sich in der sogenannten Vorbergzone in Der Nähe Des Schwarzwaldes staffeln. Nördlich von Kehl hat man von altersher mit Rheinüberflutungen zu tun gehabt, und es wurde von feiten der Strombauverwaltung ver- ~ ' rzung des Rheins und Erzeugung Gefälles hier ein Eingraben des

Seiten Des Rheines im Gebirge spiegeln stch also in der Tat auch im Rheinstrom wieder. In Den letz­ten dreißig Jahren hat sich Der Rhein in Der Ge­gend von Neuburg bis au vier Meter eingesenkt, am Kaiserstuhl Dagegen hat er in Dieser Zeit ein Meter aufgeschüttet. Auch weiter östlich des Rheins, in Der streichenden Fortsetzung der Zaberner Senke machen sich noch heute die jungen Erdoerbiegungerr bemerkbar.

Bei näherer Untersuchung wird man sicher noch eine große Anzahl anderer Stellen finden, an btnen sich junge Erdverbiegungen nachweisen lassen. Im Interesse der deutschen Volkswirtschaft wäre es sehe zu begrüßen, wenn Geologie und Technik mehr als bisher auf diesem Gebiete Hand in Hand arbeiten und ihre Erfahrungen austauschen würden.

Dr. F. IC

zusinken. Wenn Der Minister Leuschner dieses Be­denken durch einen Hinweis auf das Verhältnis zwischen Reuyork und Washington zu zerstreuen sucht, so ist dieser Vergleich unzutreffend, Denn Wafh ngton als Bundeshau tstadt ein s Riesen- staates vermag selbst neben Der Weltstadt Reu­york einige Bedeutung zu bewahren, aber Darm­stadt als Dorort eines Verwaltungsbezirks des Reiches (ober tatsächlich Preußens) würde neben Frankfurt doch nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Wenn Denn Doch ein Vergleich ge­zogen tocrDen soll, Dann möge Daran erinnert werden, Daß Die Hauptstadt des Einzelstaates Reuyork nicht die Sta^t Reuyork, sondern die kleine Stadt Albany ist. W r kennt A bai y neben Reuyork? Eben diese BeDeutungslosigk.it von Albany im Vergleich zu Der überragenden Gröhe Reuhorks wäre Das Schicksal Darmstadts neben Dem tatsächlichen Hauptort Frankfurt.

Das Abfinken von Darmstadt würde noch durch ein anderes Moment begünstigt werden: durch Die künftige Zufammen etzung Des hessischen Land­tags. Wenn die Industriestädte Hanau, Frank­furt und Höchst Hessen eingcgliedert würden, so würden die Fraktionen Der Sozialdemokraten unD Der Kommunisten einen verhältnismäßig stär­keren Zuwachs erfahren als Die anderen Frak­tionen, und Die Dann immerhin Denkbare Mehr­heit Der Linken würde ihre Hauptsorge wohl den Großstädten zuwenden, aus Denen sich ihre Par­teien rekrutieren.

Wenn überhaupt eine GrenzveränDerung vor- genommen werden soll und ich möchte eher davon abraten, Dann mühte eine Lösung ge­sunden werden, Die Die angeDeuteten Gefahren vermeidet. Frankfurt und Hanau ftreben, nach ausreichendem Lebensraum: diesem Bedürfnis könnte Hessen durch Abtretung des Kreises Offenbach und des Süd teils des Kreises Fried­berg genügen. Somit erhielten die Städte Frank­furt und Hanau das für ihre Entwicklung nötige iimlanD. Preußen seinerseits hatte Hessen eine angemelfene Gebietsentschädigung zu gewähren. Am wllllommensten wäre für Hessen die Zu­teilung von Wiesbaden wegen seiner engen Be­ziehungen zu Mainz, Die in einem Zweckverband fester geknüpft werden könnten. Allein, es ist unwahrscheinlich, daß Preußen sich zur Abtre­tung von Wiesbaden entschließt, das als berühm­ter Badeort und als Rentnerstadt eine wahre Goldgrube bedeutet. Aber es gibt noch genug Gebietsteile an Der preußisch-hessischen Grenze, Die als vollwertige Entschädigung für Hessen in Betracht kämen: Der Kreis Wetzlar, Teile des Kreises Ufingen, des Obertaunustreises usw. und Das für Die Ausdehnung von Main- so wichtige Hochheim.

Möglich, daß die von Miittster Leuschner emp­fohlene Gebietserweiterung als der W i r t - schäft angemessener empfunden wird als Der von mir vorgeschlagene Gebietstausch Aber es ist zweierlei zu beoenken: wenn von den Bedürf­nissen Der Wirtschaft die Rede ist, werden oft zu einseitig die Bedürfnisse der Industrie be- rücksichtigt: eben diese Gefahr bestehl bei Ein­beziehung von Frankfurt und Hanau in Hessen. Auch verdienen nicht lediglich wirtschaftliche Be­dürfnisse Berücksichtigung, auch andere Belange müssen in Rechnung gestellt werden: nicht zuletzt Die kulturellen. Auch unter diesem Ge'ichis- punkt erregt der Leuschnersche Vorschlag Be­denken berat das tn Hessen einbezc^ene Frank- furi könnte nur zu leicht die übrigen Kulttrrmittel- punkte tn Hessen «drosseln.

Endlich noch ein Wort zu Dem Leuschnerschen Programm überhaupt. Die Verwandlung Hessens in ein Reichsland halte ich für verfrüht: sie würde nichts weiter bedeuten als eine Geste, wenn näm­lich Der Einheitsstaat nicht nachfolgt. Auch eine Grenz Verschiebung erscheint mir vermeidbar, Denn gar manche Reugestaltung im Bereich Der Ver­waltung kann sich ohne Veränderung Der Landes» grenzen vollziehen. Als Beispiel sei mir Der Anschluß Der Stadt Offenbach an die Frankfurter Gasaktiengesett schast genannt Wichtiger als