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Eigenleben gegangen ist, unabhängig vom Mann. Sie zeigt die neue Frau im Verhältnis zum Mann und zur Ehe, fordert auch hier gleiches Recht für beide, bekämpfte die doppelte Moral, verlangt den Beruf für die Frau, nicht als Surrogat für eine ent­gangene Lebensoerforgung in der Ehe, sondern aus innerem Bedürfnis nach Entfaltung ihrer Persönlich­keit. Sie will Wegweiser sein für die Frauen, die Berufs- und Familienpflicht vereinen müssen, und beschäftigt sich mit dem Problem: Mutter und Toch­ter. Es ist das große Verdienst des Buches, daß es all diese Lebensfragen anschneidet, daß es überall anregt und daß es gut und lebendig geschrieben ist. Nur kommt manches zu spät. Wo sind denn heute die kleinen Hausfrauen, die zum Mann als ihrem Gott aufschauen, ohne Urteil, ohne eigenes Erleben nur nachbeten und nacherleben, wo sind die Mütter, die den Töchtern den Weg zum Beruf versperren? Das Buch ist geschrieben von einer Frau von gestern für Frauen von gestern, darum lehnen wirneuen Frauen" es ab; aber es regt an, sich mit diesen Dingen zu befassen, sich einmal klar zu werden über manche moderne Lebensfragen, mag man nun ja oder nein sagen zu den Formulierungen des Buches. O. Th.

Aus der provinzialhaupistadt.

Gießen, den 30. November 1929.

Der Fremdenverkehr in Gießen.

Eine vom Städtischen Verkehrsamt aufgestellte Statistik über den Fremdenverkehr in G i e- ßeninderZeitvoml.Aprilbis3 0. Sep­tember 1 929 umfaßt die Meldungen von 22 Hotels und Gasthäusern und einer Fremdenpension mit zusammen 324 Zimmern und 460 Betten. In diesen Gaststätten übernachteten in dem Sommer­halbjahr 19,29 insgesamt 21 307 Fremde mit zu- ammeil 30 626 Uebernadjtungen (im gleichen Zeit­raum des Jahres 1928 waren es 17 193 Fremde mit zusammen 26 015 Uebernachtungen). Das Mehr gegenüber dem Vorjahre beläuft sich also auf 4114 Fremde mit 4611 Uebernadjtungen.

Das Verkehrsamt bemerkt zu dieser statistischen Ermittlung folgendes: Aus dieser Halbjahrsstatistik ergibt sich, daß der Fremdenverkehr in Gießen ein sehr reger ist. Schließt man vom Halbjahr auf das ganze Jahr, so ergibt sich, daß die Fremden­ziffer jährlich der Zahl der Einwohner der Stadt mindestens gleichkommt, während die Uebernach- tungsziffer wesentlich hoher ist und etwa 50 bis 55 000 beträgt. Es muß hierbei bemerkt werden, daß bei Festlichkeiten eine große Anzahl Fremder in Privatquartieren untergebracht sind, die nicht von der Statistik erfaßt werden können. Beigetragen zur Erlangung der diesjährigen hohen Fremdenziffer haben neben den Viehmärkten vor allen Dingen die Tagung der Hessischen Gemeindebeamten, die Ento- mologen-Tagung, das Schützenfest, die Gerichtsvoll­zieher-Tagung, die studentischen Stiftungsfeste und andere größere und kleinere Veranstaltungen. Außerdem kann festgestellt werden, daß mit wenigen Ausnahmen die Besitzer der Hotels und Gasthofe dem Ersuchen um Ausfüllung der Fragebogen nach­gekommen sind.

Bei dieser Gelegenheit sei auf die Wichtigkeit des Fremdenverkehrs für eine Stadt hingewiesen. Wenn man sich vor Augen hält, daß jeder Fremde, und fei er auch nur Durchreisender, mehr oder weniger Geld in einer Stadt zurückläßt, dann läßt sich auch

ohne weiteres verstehen, warum große und kleinere Städte es sich angelegen sein lassen, den Fremden­verkehr an sich zu ziehen und zu heben. In der Stadt Gießen bemüht sich neben dem städtischen Verkehrsamt insbesondere der Derkehrsverein durch Herstellung und Versendung von Propagandamate­rial und auf jede sonstige Weise, die Aufmerksamkeit auf unsere Stadt zu lenken. Daß diese Arbeit von Erfolg gekrönt ist, beweisen die vielen, täglich ein­gehenden Anfragen und die Zunahme des Fremdenverkehrs. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß möglich st viele Einwohner, nicht nur die Geschäftsleute, dem Verkehrsver- ein beitreten und die für unsere Stadt so ungemein wichtigen Belange mit unterstützen würden.

Taten für Sonntag, 1. Dezember.

1521: Papst Leo X. (Giovanni di Medici) in Rom gestorben; 1709: der Kanzelredner Abra­ham Santa Clara in Wien gestorben; 1893: der Dichter Ernst Toller in Samotschina geboren.

Daten für Montag. 2. Dezember.

1852: Proklamation Louis Napoleons als Na­poleon II. zum erblichen Kaiser der Franzosen; 1915: der Geograph Fritz Regel in Würz­burg gestorben.

Gictzener Wochenmarktpreife.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Ml.). Weißkraut 10 bis 15 (pro Zentner 5 bis 6 Mk.), Rotkraut 15 bis 20 (pro Zentner 10 bis 12 Mk.). gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 35, Llnterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 50 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meer­rettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 5 bis 8, Kartoffeln 4,5 bis 5 (pro Zentner 3,50 bis 4 Mk.), Aepfel 10 bis 15 (pro Zentner 10 bis 12 Ml.), Birnen 10 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 40 bis 50, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 110 bis 130 pro Pfund; Tauben 70 bis 90, Kisteneier 17, frische Landeier 18 bis 19, Endivien 10 bis 25, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pfennig pro Stück.

*

* 25 Jahre im Gießener Polizei­dienst. Am 1. Dezember kann Polizeikommissar Hermann Hau auf eine 25jährige Tätigkeit im Polizeidienst zurückblicken. Er trat am 1. De­zember 1904 bei der hiesigen Schutzmannschaft ein, wurde am 1. März 1905 definitiv als Schutzmann angestellt und am 1. September 1921 zum Po­lizeioberwachtmeister befördert. Seine Ernennung zum Polizeikommissar erfolgte am 1. April 1927. Der Jubilar hat sich in seiner langen Polizei­dienstzeit durch seine Gewissenhaftigkeit, Pflicht­treue und sein entgegenkommendes Wesen das Vertrauen seiner Vorgesetzten, seiner Untergebe­nen und des Publikums erworben.

** Geschäftsiubiläum. Am 1. Dezember kann die Firma C. G. Kleinhenn, Bahnhof­straße 59, Kolonialwaren-, Feinkost- und Fisch- Handlung, auf ihr 50jähriges Bestehen zurück­blicken. Die Firma wurde im Jahre 1879 im Hause Seltersweg 25 gegründet, im Jahre 1881 nach dem Kreuzplah 1 und nach weiteren sechs

Jahren in das jetzige Geschäftshaus, Bahnhof­straße 59, verlegt. Durch gediegene Geschäfts- grundsähe hat sich die Firma bestes Ansehen bei der Gießener Konfumentenschaft erworben.

"DiehmärkteinGießeN. Am kommenden Dienstag findet hier Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt, am Mittwoch wird Schweinemarkt abgehalten.

**' Frankfurter Pferdemarkt. Der letzte Frankfurter Pferdemarkt in diesem Jahre findet am Montag, 2. Dezember, statt. Dieser Markt bietet vor Beginn des Winters nochmals Gelegenheit, über­zählige Pferde zu verkaufen, oder auch ältere Tiere gegen 2- und 3jährige Fohlen einzutauschen. Einige Transporte leichtere Arbeitspferde und Tiere des norddeutschen Schlages sind zum Verkauf gemeldet. (Siehe heutige Anzeige.)

Rundfunkprogramm

des Frankfurter Sender-.

(Ans derRadio-Llmschau".)

Sonntag, 1. Dezember.

7 Uhr: Von Hamburg: Hasenkvnzert. 8.15 bis 9.15: Von Kassel: Morgenfeier, veranstaltet von der Llntemeustädter Gemeinde, Kassel. 10.30: Von Kassel:Die Schluß- und Reifeprüfungen für Nichtschüler", Vortrag von Oberschulrat Dr. Zühlle, Kassel. 11: Elternstunde: 1.Versetzung zweifelhastl", Vortrag von Rektor K. Wehrhan; 2. Bekanntgabe eines Preisausschreibens der Deutschen Gesellschaft zur Förderung häus- kicher Erziehung" überErziehungserfahrungen". 11.30 bis 12.45: Aus der Stadthalle Koblenz: Offizielle Befreiungsfeier. 13.10: Don Kassel: älnterhaltungskonzert. 14: Stunde der Jugend: Kasperles Weihnachten" (für Kinder vom vier­ten Jahre ab). 15: Stunde des Landes: 1.Bücher fürs Land", Vortrag von Dr. Adolf Waas, Di­rektor der städtischen Volksbücherei in Frank­furt a. M.; 2.Bildung der Landfrau tut not", Vortrag von Dr. Rosa Kempf, Frankfurt a. M. 16: Aus der Stadthalle Hanau: Stunde des Chorgefangs: Beethoven-Konzert des Ar­beiter-GesangvereinsVorwärts", Hanau. 17; Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 17.45: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: Andersen Nexö, Vorlesung aus eigenen Werken. 18.30:Deutsch-Oesterreichs Bedeutung für die deutsche Kultur",_ Vortrag von Ministerialrat a. D. Dr. Kleinwächter. 19: Klavierkonzert Sofie Selzmann. 20: Aus der Markuskirche Stuttgart: Älbendmusik. 21.15: Don Kassel: Musikalisch-Literarische Deranstaltung. 22.30: Sportnachrichten. 22.45: Don Budapest: Zigeunerkapelle D5la Radics.

Montag, 2. Dezember.

12,15: Schallplat.en.o.izrrt: Dramatische Opern­szenen. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: Eine Orang-Utan-Jagd auf Sumatra", vorge­tragen von Lehrer Doigt (für Kinder vom 12. Jahre ab.) 16: Hausfrauennachmittag, veranstal­tet vom Frankfurter Hausfrauenverein.Weih­nachtsgebäck";Etwas über leibliche Erziehung", Dortrag von Lehrer K. Stricker. 16.50 bis 17.45: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18:Gegen den unnötigen Lärm", Dortrag von Benno Elkan. 18.20: Englische Literaturproben. 18.35 bis 19: Englischer Sprachunterricht. 19.05: Schachstunde. 19.30: Aus dem Großen Saal des Saalbaues, Frankfurt a. M.: Dierkes Montags­konzert des Frankfurter Orchesterveneins. 21.15:

Don Kassel: Unterhaltungskonzert:Die komisch- Oper". 22: Heiter« Stunde von Arthur Mainzer Dom Neuen Theater, Frankfurt a. M. 23 bis 24; Tanzmusik.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag, den 1. Dezember. 1. Advent.

Sladliirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 11.15: Äinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfar. rer Mahr; 5: Pfarrer Becker. Iohanneskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abend­mahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfarrer Bech­tolsheimer; 5: Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrer Lic. Waas. Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; 11: Kinder­kirche; Pfarrer Lenz. Llifabeth-Kleinklnderfchule. 9.45: Pfarrer bic. Waas; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfarrer Lic. Waas-. filcln- Linden. 11: Kindergottesdienst; 1.30: Hauptgottes- dienst. Wiefeck. 9.45; 11: Kinderkirche. Allen- vufeck. 10:. Trohe. 1; 2: Beichte; 2.30: hl. Abend- mahl. Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Feier des hl. Abendmahls für die Jugend von Ruttershausen. Hausen-Garbenleich. 10: Hausen; hl. Abendmahl; 1: Garbenteich. Watzenborn-Steinberg. 1: Haupt­gottesdienst; 2: Kinöerkirche. Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Stiftsdechant Kahn; hl. Abendmahl, best-iders für die Jugend; Kollekte für den Traubib' -nds; 12.45: Kindergottesdienst. Jlieber-Beffingen. 2: Stiftsdechant Kahn.

Mittwoch, den 4. Dezember.

Lich. 8 Uhr: Bibelstunde.

Donnerstag, den 5. Dezember.

Kirchberg. Abends 8.30 Uhr: Daubringen; Bibel- stunde.

Katholische Gemeinden.

Samstag, den 30. November.

Gießen. 16.30 bis 19 Uhr: Beichte.

Sonntag, den 1. Dezember. 1. Adventssonntag.

Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Pre­digt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt (jungen. 18: Adventsandacht. Laubach. 10: Meße mit Predigt. Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt.

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der Matthäusgemeinde

Sonntag, den 1. Dezember 1929, abends 7*/, Uhr im Caf6 Leib, Walltorstraße v-rozv

Musikalische Darbietungen. Gesangsvortr&ge. Ansprache Thealersniel der langen- nnd der Mädchen-Vereinigung Eintritt frei! Die Gemeinde ist hierzu herzlich eingeladen! Die Männer-u. Frauen-Vereinigung.

WOHNUNGSUCHENDE! HYPOTHEKENBELASTETE!

KINDERREICHE!

Sonntag, den 1. Dezember 1929, nachmittags 2 Uhr, wird Im großen Saal des Cat6 Leib, Gießen, Wall­torstraße, von dem Vorsteher unserer Genossenschaft

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