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dusunkrhaltung. Aber auch da wurde seitens der Intendanz volle Aufklärung dahin gegeben, daß durch die seitherige sorglose Behandlung und die Veralterung eine energische Auffrischung und In­standsetzung für ein zeitgemäß spielfertiges Haus mit einer großen Zahl neuer StüH, für die fast alles neu beschafft werden mußte, unbedingt erfor­derlich war. Dezernent und Mitglieder der Theater­deputation haben sich wiederholt von dem Zustand des Fundus und der Notwendigkeit der Neubeschaf- fungen überzeugt.

Es ist schlech<ej^ings unmöglich, die Intendanz in der Auswahl der Stücke zu beeinflussen, damit der zum Teil aus Großvaters Zeiten stammende Fun- dus in Ehren weiterbenutzt wird. Dem wird sich auch ein kunst- und sachverständiges Publikum nicht verschließen.

Gewiß soll der Theaterdezernent mit allen Mitteln dem Voranschlag gerecht zu werden ver­suchen. sein Augenmerk auf Erhöhung der Ein­nahmen und Senkung der Ausgaben richten und das ist auch geschehen, aber wer verleiht ihm die Macht, die Besucherzahl, selbst bei den anerkannten Gießener Leistungen, in Rotzeiten zu heben und zwangsläufige Ausgaben, wie sie vorher geschildert, zu unterbinden?

Aus all diesen Erwägungen heraus hat die sofort nach dem Rotschrei in der Presse, der in der Bevölkerung vielfach als Rückendeckung siir sonstige finanzielle Kalamitäten der Stadt gedeutet wird, vollzählig zusammengetretene Theaterdeputation einmütig ihrem ^Vorsitzenden, dem Intendanten und dem geschäftsführenden Derwaltungsbeamten ihr Vertrauen ausgespro­chen und ihre Ansicht dem der gewiß wichtigen Sitzung, trotz persönlicher Einladung, ferngeblie­benen Stadtoberhaupt klar zum Ausdruck ge­bracht.

Der Theater-Rechnungsabschluß für 1929 wird Dleberraschungen Vorbehalten sich mehr dem sehr knapp bemessenen Voranschlag anpassen, ohne ihn einhalten zu können, da zu viel Momente beeinflussend mitsprechen. Der Zuschuß von Bad- Rauheim, ein günstigerer Operetten-Abschluß, die beschränkten, jetzt nicht mehr in dem Umfange notwendigen Fundusbeschafsungen und, last not least, die jetzt richtig funktionierende wirtschaft­liche Geschäftsführung lassen wesentliche Erleich­terungen erwarten.

Was andere

Städte füi

: ihre Theater auf-

bringen:

Bewilligter Zuschuß 1927

Kredit-

Ver- über­brauch schreitung

Theater in:

Mark

Mark

Mark

Baden-Baden

140 000

178 000

38 000

Bonn

250 000

262 000

12 000

Koburg

425 000

480 000

55 000

Görlitz

260 000

292 000

32 000

Heidelberg

404 000

565 000

161 000

Kaiserslautern

258 000

322 000

64 000

Koblenz

320 000

428 000

108 000

Münster

321 000

429 000

108 000

Plauen

299 000

328 000

29 000

Remscheid

189 000

189 000

Trier

225 000

225 000

Zwickau

152 000

206 000

54 000

Darmstadt

950 000

1 587 000

637 000

Mainz

650 000

780 000

130 000

Ist die Stadt Gießen,

die recht erhebliche

Summen für die verschiedensten Zwecke aufwendet, nicht mehr in der Lage, ihr größtes Kunstinftitut so zu unterhalten und auszustatten, wie es ein ckünstlerisch hochstehendes Theater erfordert, so ergeben sich nur zwei Möglichkeiten: 1. Ver­pachtung: 2. Schließung und Bezug des Theater­spiels durch Rachbarstädte.

Den ersten Teil möchte ich ausscheiden, da ich ihn für gleichbedeuteird mit dem Äiedergang unseres angesehenen Theaters in wenigen Zähren erachte. Die zweite Möglichkeit stelle ich zur Dis­kussion, befürchte aber, daß der zu ersparende, m. E. überschätzte Betrag, durch beträchtliche Rachteile und Beschränkungen erkauft werden und die Rücksichtnahme auf ein jahrelanges anhäng­liches Theaterpublikum sehr dürftig ausfallen wird Der Theater-Dezernent.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Leihgestern, 29. Rov. Dieser Tage feierte der hiesige Konsum vereinl sein 4 0 j ä h r i - ges Bestehen. Rach einem stattlichen Fackel- zuge durch den Ort unter Dorantritt einer Musik­kapelle begann die festliche Veranstaltung in dem schön geschmückten SaaleZur Krone" mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Auf­sichtsrates, Iohs. Diehl. Hierauf hielt der Di­rektor Karl T e x t o r die Festansprache. Den noch lebenden fünf Gründern des Vereins, Karl Ott, Heinrich Habermehl, Balthasar Schä- f e r, Kaspar Seipp und Iohs. Diehl wurden als äußeres Zeichen der Anerkennung Chren- diplome verliehen. Konzertdarbietungen und an­schließender Tanz hielten die Festgäste mehrere Stunden in froher Stimmung beisammen. Der vortrefflichen Geschäftsführung hat der Konsum­verein I sein bisheriges stetes Aufblühen zu ver­danken.

4 Aus dem L u m d a t a l, 29. Nov. Die Win­tersaaten stehen in unserer Gegend gut. Schnecken- und Mäusefraß sind bis jetzt wenig zu beobachten. Im ganzen Lumdatal halten sich die Preise für Fettschweine weiterhin fast auf der gleichen Höhe wie in den letzten Wochen. Ge- genwärtig bezahlt man 86 bis 89 Pf. pro Pfund Lebendgewicht. Gesuchte Qualitäten gelten sogar bis 90 Pfennig. Ebenso hält auch die Nachfrage nach Ferkeln an. Trotz starken Angebotes sind die Preise nur wenig gesunken. So kosten 6 Wochen alte Jungtiere 30 bis 33 Mark: "wöchige 33 bis 36 Mark: 8 Wochen alte Tiere werden immer noch bei guter Qualität bis zu 40 Mark pro Stück be­zahlt. Die günstige Preisgestaltung hat ihren Grund darin, daß selbst die kleinsten Betriebe Heuer mehr Ferkel ankaufen, um die reichlichen Kartosfelmcngen zum Verfüttern zu bringen. Nach Kartoffeln besteht so gut wie keine Nachfrage. Dasselbe ist auch von Obst zu berichten, von dem immer noch große Men­gen Tafel- und Wirtschaftsäpfel in den Dörfern lagern.

Kreis Friedberg.

* Trais-Münzenberg, 29. Nov. Unsere Mitbürgerin Frau Heinrich Storch Wtw. be­geht bei voller geistiger Frische am 2. Dezember ihren 8 0. Geburtstag.

Kreis Büdingen.

(p Büdingen, 29.Rov. Gegen die am 17. Rovcmber vorgenommenen Gemeinderats­wahlen in Büdingen und Stockheim wurde Berufung eingelegt. Ob eine Reuwahl stattzufinden hat, ist noch nicht bestimmt, da der Kreisausschuß sich erst in einer der nächsten Sitzungen damit befassen wird.

Die ynlcrSanndunfl der Straße von Gibraltar.

Seit zwei Wochen sind die ersten Boh­rung e n für die Errichtung eines Tunnels unter der Meeresstraße von Gibraltar in vollem Gange. Auf beiden Enden des geplanten Tunnels, der Europa mit Afrika verbinden soll, werden Ver- uchsschächte ausgehoben, auf der europäischen Seite in der Rahe der südspanischen Stadt Ta­rif a. westlich vom Felsen von Gibraltar, auf der afrikanischen Seite zwischen Alcazar Ge­gner und Punta Al tares in Spanisch- Marokko, unweit der Grenze der internationalen Zone von Langer. Die Meerenge von Gibraltar ist an ihrer engsten Stelle nur 13 Kilometer breit, wegen der bedeutenden Tiefe (bis 1000 Meter) an diesem Punkte, mußte jedoch die Linienführung des Tunnels nach dem westlichen Eingang der Meeresstrahe hin verschoben werden, wo die Meerestiefe nur an einer schmalen Strecke 300 bis 400 Meter erreicht und ansonsten bedeutend geringer ist. Der Tunnel soll nach den Plänen des spanischen Artillerie-Oberstleutnants Pedro Ievenois gebaut werden. Seine Länge wird 30 bis 36 Kilometer betragen, sein tiefster Punkt 500 Meter unter dem Meeresspiegel und 160 Meter unter dem Meeresboden liegen. Durch eine politische und Verkehrsbedeutung wird der Tunnel zu den wichtigsten Verkehrsstraßen der Erde gehören. Die elektrischen Züge, welche ihn in 30 bis 40 Minuten durcheilen werden, er­öffnen insbesondere für England eine neue Schnellverbindun g zum nahen Osten über Algerien, Tunis und Aegypten. Für Frank­reichs Transsaharische Eisenbahnpläne, für ein rasches Hinüberwerfen seiner afrikanischen Trup­penmassen nach Europa (im Falle einer ent­sprechenden Vereinbarung mit dem Durchgangs­land Spanien) wird der Tunnel von entscheiden­der Bedeutung sein. Endlich soll der Gibraltar- Tunnel für seinen Erbauer, Spanien, die in ewigem Aufruhr sich befindliche marokkanische Kolonie (Rif) endgültig sichern. Man hat aus­gerechnet, daß die K o st e n des Tunnels 300 Millionen Pesetas, das sind 200 Millionen Mark (bei einer Bauzeit von fünf bis sechs Zähren), nur ein Zehntel der Ausgaben betragen würden, die Spanien in Marokko in den letzten 20 Zähren

für die Niederwerfung der zahlreichen Aufstände verpulverte. Die Bedeutung der britischen See­festung Gibraltar am Eingang des Mittel­meeres wird durch die Erbauung des Tunnels

eiiiiai Der geplante Tunnel

= Eisenbahn

Algeciras« ^TdrifcL,

Wraltar- (brit5_E

Zone / \

-/'Marokko'

cezar- Seguer

KapzES^ TrafalqarE

-O 40 -l - -,4km

bis WO Meter

See- 400-500 «

tiefe 500-1000 *

über 1000"

sehr herabgedrückt. Es mehren sich daher in Spa­nien die Stimmen, welche die Rückgabe Gibral­tars an Spanien fordern und dafür einige Inseln an der Küste von Spanisch-Marokko in Tausch anbieten.

Heilstättenverein für Hessen.

Der Hessische Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heil- ftättenDerein) hat seinen Mitgliedern und der Oessentlichkeit den Geschäftsbericht von 1928 übergeben. Die Fürsorgetätigkeit des Verbandes, über die in dem Bericht eingehende Angaben gemacht werden, war auch im Zahre 1928 sehr umfangreich. Den Darlegungen des Vorstandes entnehmen wir folgende Angaben:

Die Lupusheilslälle In Gießen, bestehend aus dem Diehhaus und dem Reumann­haus, hatte im Zahre 1928 die gleiche Kranken­frequenz wie im Vorjahre. Zm Zahre 1927 waren in der Heilstätte 385, im Zahre 1928 379 Kranke anwesend. Die Zahl der Pflegetage ist dagegen von 41 564 im Zahre 1927 auf 44 061 im Zahre 1928, also um 2497 gestiegen. Auch im Zahre 1928 ist fast ständig eine üeberbelegung nötig gewesen, um dem Andrang einigermaßen zu genügen. Es waren immer eine große Anzahl Lupuskranker vorgemerkt. Unter den Lupus­kranken befanden sich Männer, Frauen und Kinder. Es hat sich schon längst herausgestellt, daß für die Kinder eine besondere ilnterfunft geschaffen werden muß, da ihre Hinterbringung bei Männern und Frauen sich aus sittlichen und moralischen Gründen nicht empfiehlt. Die Er­richtung einer Kinderabteilung ist deshalb jetzt wieder in den Vordergrund getreten. Da un­gefähr ständig 40 bis 50 Kinder anwesend sind, müßte die zu schaffende Abteilung für etwa 60 Betten errichtet werden. Der Gedanke der Errichtung eines Lupusheimes der schon früher erwogen worden ist, hat den Vorstand mehrfach beschäftigt. Zu diesem Zweck ist beab­sichtigt, ein in der Rähe von Gießen gelege­nes Hofgut entweder zu pachten oder zu kaufen und auf diesem Gut etwa 30 geheilte Lupuskranke mit landwirtschaftlichen und Gartenarbeiten zu beschäftigen. Zur Zeit steht der Vorstand mit ver­schiedenen Hosgutsbesihern in Unterhandlung. Der Hessische Landesverband war im Berichts­jahre mehr als je an der Behandlung Lupus- kranker in der Lupusheilstätte und in der Lupus­abteilung des Stadtkrankenhauses Mainz betei­ligt. Als wesentliches Ereignis des Berichts­jahres ist der Umstand zu verzeichnen, daß im Zanuar 1923 die ersten Versuche mit dem Gerson- Sauerbruch-Hermannsdorfer Diätverfahren ge­macht worden sind. Rachdem sich im Laufe des ersten Vierteljahres gezeigt hat, daß unter dem Einfluß dieser Diät tuberlulofe Krankenherde in der Haut der Heilung zugeführt werden können, wurden immer zahlreichere Patienten der diäteti­schen Behandlung unterstellt. Die therapeutischen Ergebnisse gestalteten sich in überraschender Weise außerordentlich günstig. Zetzt ist der ganze Küchenbetrieb der Lupusheilstätte auf diese Diät eingestellt, und es muß als Verdienst der Küchen- leitung anerkannt werden, daß die Patienten die Kost gerne zu sich nehmen.

Die Heilstätte

für Tuberkulose der oberen Luftwege in Gießen.

Die für 80 Betten vorgesehene Heilstätte, de­ren Lage in nächster Rähe der Lupusheilstätte ist, wurde im Berichtsjahre im Rohbau vollen­det. Der Bauleiter, Baurat Architekt Meyer, hofft, den Dau bis Anfang 1930 betriebsfertig vollenden zu können. Als ärztlicher Leiter dieser neuen Heilstätte ist der Direktor der Univer­sitäts-Hals-, Rasen- und Ohrenklinik in Gießen,

Prof. Dr. Drüggemann, bestimmt. Die Gesamt­kosten, einschließlich der inneren Einrichtung, wer­den sich auf etwa eine Million Mark belaufen.

Die Eleonorenheilstätte und die Kinderheilstätte Almfrieden bei Winterkasten.

Die Eleonorenheilstätte hatte am 1. Zanuar 1928 einen Bestand von 84 Kranken. Dis zum 31. Dezember 1928 wurden 430 Kranke ausge­nommen, entlassen wurden bis dahin 436 Kranke, so daß am 31. Dezember 1928 ein Bestand von 78 Kranken zu verzeichnen war. Die Zahl der Derpslegungstage im Zahre 1928 betrug 35 019 (1927 = 34 081). Don den entlassenen 436 Kran­ken waren 339 lungentuberkulös. Zn der Eleo­norenheilstätte wurden im Berichtsjahre eine An­zahl baulicher Deränderungen vorgenommen, die sich für den Heilstättenbetrieb sehr vorteilhaft ausgewirkt haben.

Zn das Berichtsjahr fällt die Inbetriebnahme der Kinderheilstätte Almfrieden, deren Eröffnung am 12. Iuli 1928 stattfand. Die Kinderheilstätte ist mit allen modernen Hilfsmitteln zur Heilung lungentuberkulöser Kinder, sowie anderweitig tuberkulöser (Knochen, Gelenke usw.) Kinder ver­sehen. Die ersten Kinder wurden am 1. März 1928 ausgenommen, die volle Belegzahl von 80 Kranken konnte infolge einer zweimaligen Schar­lachepidemie nicht erreicht werden. Bis 31. De­zember 1928 wurden insgesamt 172 Kinder auf­genommen, 124 Kinder entlassen, so daß am 1. Ianuar 1929 ein Bestand von 48 kranken Kindern vorhanden war. Die Zahl der Ver- pflegnngstage belief sich auf 14 607.

Die Kinderheilstation

im St. Bonisatiuskrankenhaus in Hirschhorn a. R. und im Katholischen Schwesternhaus in Wald- Michelbach i. O. waren im Berichtsjahre nur mäßig belegt. Im ganzen befanden sich in Hirsch­horn 41 Knaben mit 3087 Pflegetagen, in Wald- Michelbach 27 Mädchen mit 958 Pflegetagen.

Die Fürsorgestellen für Tuberkulöse in Hessen.

Obwohl der Hessische Landesverband auf die Organisation und Verwaltung der Fürsorgestellen für Tuberkulose keinen unmittelbaren Einfluß hat, diese vielmehr Einrichtungen der Städte und Kreise sind, ist er doch fortwährend bemüht, diese Stellen nach Möglichkeit zu unterstützen. Er ist schon seit Iahren mit Erfolg für die Be­willigung einer staatlichen Beihilfe cingetreten. Für das Iahr 1928 betrug diese 10 000 Mark. Im Einvernehmen mit der Landesversicherungs­anstalt, die ebenfalls beträchtliche Mittel für die Fürsorgestellen aufwendet, hat der Landesver­band diese 10 000 Mark nach einem bestimmten Schlüssel auf die 31 in Hessen bestehenden Für­sorgestellen verteilt.

Mitglieder und Beiträge.

Die Mitglieder des Hessischen Landesverbandes setzen sich zusammen aus einigen Landesver­sicherungsanstalten, den drei Provinzialdirektio­nen, 18 Kreisämtern, den Städten Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach, Worms, etwa 800 Gemeinden, 90 Krankenkassen und ungefähr 800 Einzelmitgliedern. An Beiträgen gingen im Iahre 1928 ein 37 205,20 Mk., über 9000 Mk. mehr als im Dorjahre. Bei Abfassung des Iahresberichtes (Anfang April 1929) waren noch etwa 70 Ge­meinden und einige Krankenkassen mit der Ent­richtung ihres Beitrages für 1928 im Rückstand.

ow. Ober-Widdersheim, 29. Rov. Rach zehnjähriger Pause wurde jetzt wieder ein Kurs der Kreis-Wander-Koch - und Hand­arbeitsschule hier eröffnet. Pflichtmähig müssen ihn die Schülerinnen des zweiten und dritten Fortbildungsschuljahrganges besuchen. In täglich acht Stunden werden die Mädchen vor­mittags im Kochen und nachmittags in weib­lichen Handarbeiten unterwiesen. Daß diese ge­rade auf dem Lande erwünschte Gelegenheit zur Ausbildung der Mädchen von der Bevölkerung sehr geschäht wird, beweist die Tatsache, daß der Kurs auch von einigen Mädchen aus Rachbar- dörfern, wie von mehreren schon älteren Mädchen besucht wird, so daß er neunzehn Teilnehme­rinnen zählt.

Kreis Schotten.

V Gedern, 29. Rov. Am kommenden Montag beginnt die H olzhauerei in den städtischen Waldungen, nachdem in den fürstlich-stolbergi- schen Distrikten diese Arbeit bereits vor einigen Wochen ihren Anfang genommen hat. Der Rest des Fichtenbestandes im DistriktSchönhausen" wird abgetrieben werden, damit eine möglichst gleichmäßige Reuanpflanzung der Fläche erfolgen kann. Die Arbeitslosigkeit in unserer Gegend ist imntcr noch im Steigen begriffen. So sind in den letzten Tagen wieder 15 Haupt- unterstützungsempfänger neu hinzugekommen, so daß sich jetzt 167 Arbeitslose an den Melde­tagen auf der hiesigen Rebenstelle des Arbeits­amtes Gießen einfinden müssen. Diese hohe Zahl

durfte eine Folge der Stillegung verschie­dener Basalt st einbrüche, sowie sonstige« Saisonbetriebe fein.

0 Rudingshain, 29. Nov. Der hiesige Männergesangoerein blickt in diesen Ta­gen auf sein 60jähriges Bestehen zurück. Da im verflossenen Jahre in hiesiger Gegend eine Reihe von Festen der verschiedensten Art stattfanden, hat der Vorstand beschlossen, die Jubelfeier des Vereins auf den 1. Juni 1930 zu verschieden. (Lin vorbereitender Ausschuß, dem Hch. Müller X., Altbürgermeister Deubel, K. Frank, Ludw. Geb­hard, Otto Lamp, Starl Hartmann II., W. Hof­meister und L. Fischer angehören, wurde bereits gebildet. In den Gemeinderat wurden neu gewählt: Karl Hartmann II., Hch. Müller XL, Karl Repp und Karl Viehl II. Wiedergewählt wur­den: Hch. Konrad Fischer, Karl Boß, Aug. Frank, Ludw. Straub und Wilh. Lang. Im Revier Oberwald fand am Mittwoch die erste große T r e i b- ja g b statt, an der sich die Beamten des Forstamts Schotten, die Schüler der Försterschule Schotten und einige Jagdliebhaber beteiligten. Die Tatsache, daß trotz dichten Nebels 22 Hasen und 2 Rehe geschossen wurden, beweist, daß sich der Wildbestand in dem letzten Jahre gut gehoben hat.

Kreis Alsfeld.

>* Alsfeld, 29. Nov. Der hiesige Gustav- Adolf-Frauen.Verein beging in schlichte« Weise die Feier des 75jährigen Bestehens. Die Vorsitzende, Frau Regierungsrat K o r f m a n n, erstattete einen Bericht über die Geschichte und die Gegenwartsaufgaben des Gustav-Adolf-Frauen-Ver- eins. Der Alsfelder Verein wurde am 2.Juli 1854 mit 40 Mitgliedern als der erste in Hessen gegründet. An den Bericht schloß sich die Verlesung der ein­gegangenen Glückwunschschreiben sowie eines tele­graphischen Grußes des Hauptoereinsvorsitzenden Freiherr HeylzuHerrnsheimin Worms. Am Schlüsse des Abends wies Pfarrer Hechler noch auf zwei besonders wichtige Aufgaben des Vereins hin: die Durchführung der Jubiläumssammlung für 1932 und die Beschaffung der Inneneinrichtung des Studentenheims für Auslanddeutsche in Leipzig«

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

V Rodheim a. d. Bieber 29. Rov» Die Feldbereinigung der Gemarkung Rodheim a. d. B. ist inun soweit gediehen, day nach beendigter Ernte die Grundstücke den neuen Eigentümern übergeben werden konnten. Im ver­gangenen Iahre wurde die Bieber reguliert und die Wiesen mit De- und Entwässerungsgräben versehen. Leider verschwinden durch diese Ar­beiten eine große Anzahl Hecken, wodurch die Ristgelegenheit für unsere Heckenbrüter immer mehr vermindert wird. Auch das gesamte Land­schaftsbild erfährt eine wesentliche Aenderung, was bei der gegenwärtigen Anlage der Haupte und Gewannenwege ständig augenfälliger wird. Die Ausführung der Wegeanlaen ist einem auswärtigen Unternehmer übertragen. In Ver­bindung mit diesen Arbeiten wurde auch die Straße von der Dedarfshaltestelle der Bieber- talbahn Krosdorf - Gleiberg nach Krofdorf ver­legt. Früher lag diese Straßenstrecke bedeutend tiefer als das umliegende Gelände und hatte infolgedessen bei Regenfällen sehr unter man­gelnder Wasserführung zu leiden, während im Winter auch bei geringem Schneefall diese Stelle stets verweht war. Die neue Straße, die jetzt vollendet wurde, bildet nun in etwa 300 Meter Länge eine geradlinige Verlängerung der Straße von Krofdorf und mündet etwa 40 Meter näher der Landesgrenze in die Straße GießenRod­heim. Die Strahenkrone der neuen Strecke ist in ihrer Höhenlage dem übrigen Gelände an­gepaßt. und damit finö die früheren Mängel behoben.

Kreis Wetzlar.

B Wetzlar, 29. Nov. Im Jahre 1930 finden hier folgende Märkte statt: 15. Ianuar Viehmarkt: 26. Februar Kram- und Diehmarkt: 26. März Viehmarkt: 2. April, 30. April, 21. Mai und 11. 3uni Kram- und Viehmärkte: 9. Iuli Fohlen- und Diehmarkt: 30. Iuli, 20. August, 17. September, 22. Oktober, 12. Rovember, 3. De­zember und 17. Dezember Kram» und Dieh- märkte.

I Groß-Rechtenbach, 29. Nov. Durch jah­relanges Schonen hat sich der Rehwildbestand im hiesigen Gemeindewald derart vergrößert, daß er eine Gefahr für die an den Wold angreiyenben Roggenfelder zu werden droht. In größeren Sprün­gen treten die Rehe aus die Roggenfelder aus und äsen auf der jungen Saat. In einer öffentlichen Versammlung der Grundstücksbesitzer der Gemeind« wurde an die Jagdpolizeibehörde (Landrat) der An­trag gestellt, den Jagdpächter zum Abschuß des Rehwildes s e l b st w ä h re n d der Schon­zeit aufzufordern. Wenn der Jagdpächter dieser Aufforderung nicht nachkommt, wollen die Grund­stücksbesitzer bei der Jagdpolizeibehörde selbst die Genehmigung einholen, das auf ihre Grundstück« übertretende Wild auf jede erlaubte Weise zu san­gen, ober abzuschießen.

<> Hochelheim, 29. Rov. Die Holz- fällungdarbeiten im Gemeindewald sind feit einigen Tagen im Gange. Mkordant ist der Holzhauermeister Anton Schieferstein, her diese Beschäftigung schon jahrelang ausübt. Ins­gesamt werden 15 Holzhauer beschäftigt. Dem Akkordanten ist die Verpflichtung auferlegt, m erster Linie Arbeitslose als Holzhauer einzustel­len. Man hofft, die Fällungsarbeiten so zu beschleunigen, daß sie bis Ende Ianuar be­endet sind. Irn Saale der Gastwirtschaft Iung sand hier eine Geflügelausstel- lang statt, die sehr gut besucht war und die dem hiesigen Geflügelzuchtverein, der die Aus­stellung veranstaltet hatte, einen vollen Erfolg brachte. Die Ausstellung war beschickt mit 110 Hühnern, 3 Gänsen, 2 Puten/15 Tauben und 8 Kaninchen. Als Preisrichter waren die Herren R e r n von Pohl-Gons und Schmelz von Großen-Linden tätig. Es erhielten folgende Züch­ter Ehrenpreise: Wilh. Weber XI.. Hch. Schaum. I. Ant. Weber, Wilh. Martin, Wilh. Eckhardt, Ph. Eckhardt, Hch. Ziemer, Friede. Mack, Iohann Eckhardt, Fr. Dach, Ad. Michel, und I. Martin je einen ersten Ehrenpreis: Alfred Iung, Wilh. Schmidt, Ant. Wenzel, Hch. Faber imb $cinrid) Schaum je einen zweiten Ehrenpreis.

Aus dem Amtsverkündigungsblaii.

* Das Amtsverkündigungsblatt 21 r. 8 7 vom 29. Rov. enthält: Reichssteuerüber­weisungen: Polizeiverordnung über den Betrieb von Gast- und Schankwirtsckrnften: Schulärztlich« Keberwachung der^ Schulkinder,