Nr. 281 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 50. November 1929
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das Sonnenlicht. Des Sommers Schwüle und duckende Hitze, die Kühle des dunklen Haines, das Gewitter mit seinen elementaren Auswirkungen, dns Aufatmen nach dieser Naturerscheinung. alles findet seine Schilderung und wird mit einem Abendglockenchor zum Ausllang geführt. Im Bilde des Herbstes tritt die Ernte in den Vordergrund. Die Jugend trifft sich am Haselstrauch. Jagd und Weinlese finden ihre musikaliiche Verkörperung. Das Winterbild steht unter dem Eindruck lastenden Nebels, des entschwundenen Lichtes. Ein Wanderer verirrt sich in der schneeigen Einöde und findet ein rettendes Licht. Eine heitere Spinnstubenszrne gibt dem eigentlichen Geschehen einen gewissen Abschluß. Ein betrachtender Rückblick lenkt das Sinnen vom Naturerleben hin zu den ethischen Gründen. Künftiges Sein nach dem Tode wird vorgeahnt, die geistige Schau des Kommenden läßt das Werk sich den letzten Dingen zuwenden.
Die Vielheit des Szenischen Herrnag Haydn zu musikalischer Einheit zusammenzufassen. Jede einzelne Situation wird mit der ihr individuell zustehcnden Form erfaßt; Volkstanz, volkstümliches Lied, Arie, Solo, Ensemble, Chöre mit gipfelnden Fugen, alle Elemente finden sich in den „Jahreszeiten" wieder. Man könnte hier eine Parallele zu dem Stil von Mozarts „Zauberflöte" erkennen.
Die reiche Bildhaftigkeit der Sprache findet in zahlreichen Tonmalereien ihr Abbild, die aber niemals aufdringlich scheinen, sondern sich mit der naiven Ausdrucksweise des Textes einen. Die programmatischen Leitgedanken für die Vorspiele zu den einzelnen Teilen bleiben immer nur Richtung weisend und anregend für die Phantasie des Schaffenden, nie aber verliert sich Haydn in bloßer Abschilderung.
Daß die „Jahreszeiten" bei uns ständig ihren Widerhall bei den Hörern finden, liegt daran, daß sie im gewissen Sinne eine Zusammenfassung und lle&crtragung des sog. klassischen Stiles auf das Gebiet des Oratoriums bedeuten. Die letzten Generationen fußen aber mit ihrem Musikerleben auf der Klassik, und so wird dieses Werk stets seiner Auswirkung sicher sein.
Haydns Gesangsstil fordert von den Solisten eine ganz besondere Einstellung; sog. schwere Stimmen werden die Feinheiten seiner Melodik ebensowenig erschöpfen können, wie ihre dramatische Stimmen auch nicht völlig gerecht zu werden vermögen. Ebenso wäre es verfehlt, bei Haydn die Erfordernisse des Sprechgesanges mit
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chor und noch mehr im Winzerchor gibt er der Szene Bildhaftigkeit. Die Ausführung war durch Chormeister Albert K a st e n überaus sorgfältig vorbereitet worden. Ausgeglichen im Klang, erwies sich der Chor voll wuchtiger Kraft im Akzent und in der Steigerung, der polyphone Ausbau der Chorsätze trat plastisch heraus durch saubere Prosilierung des Thematischen. Vielleicht hätte sich der Weinchor zu noch größerem Taumel entfalten können, vielleicht hätte auch das Pianissimo im Abendchor noch verhallender sein können; dennoch trägt die Sängerschar den Hauptanteil an der Auswirkung der Aufführung. Die Orchesterbegleitung hatte der Gießener Orche st erverein übernommen, er führte seinen Anteil mit bewährtem Geschick church; angesichts der Größe des Chores hätte der Streichkörper eine stärkere Besetzung erfahren können.
Mimi Dock, Gießen, versah den Cembalo- Part; sie gab den Äezitativen sichere Stütze; zeitweilig wäre eine noch stärkere Akzentuierung am Platze gewesen.
Der Erfolg der Aufführung mag dem Verein und seinem Dirigenten ein starker Ansporn sein zu weiterem Gelingen. Dr. H.
Oer Gast muß zahlen!
So was ist nun wirklich nur in Amerika möglich. Nicht nur die Klage, sondern auch das 52r» teil. Da hatte ein Mr. Williams samt Familie seinen Freund Smith samt Familie zum Sonntag eingeladen, und zwar zum Mittagessen und Kaffee mit viel selbstgebackenem Kuchen. Smith sagte freudig zu, und die Vorbereitungen wurden getroffen. Aber wer nicht kam und nicyt mal absagte, war Smith. Darüber erboste Williams derart, daß er eine Schadenersatzklage anstrengle. Schaden? Wieso?, wird man fragen, und das fragte der Richter auch. Aber Williams wies nach, daß er für das Mittagessen und den Kaffee mit dem selbstgebackenen Kuchen eine Menge Einkäufe gemacht habe, und verlangte diese Summe zurück. Lind da Mister Smith es nicht für nötig gehalten hatte, sich und seine Familie zu entschuldigen, wurde er tatsächlich verurteilt. Auf diese Weise erfährt er jetzt, was für herrliche Sachen Williams für ihn und feine Familie bereitgestellt hatte, und wird sich doppelt ärgern, denn in dieses Haus wird er voraussichtlich nicht mehr eingeladen werden.
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Gängerkranz Gießen.
Joseph Haydn: „Tic Jahreszeiten".
Fast am Ende seines Schaffens stehen Joseph Haydns Oratorien „Die Schöpfung" und „D i e Iahreszeite n". Daß er sich diesem Gebiet zuwendet, dafür mögen die Eindrücke seines Aufenthaltes in London von Einfluß gewesen fein, ebenfalls anregend werden die Aufführungen Händelscher Werke durch van Swieten in Wien gewirkt haben. Zudem lassen sich Dach- und Händel-Studien zum Teil auch schon in früheren Zeiten bei Haydn nachweisen. Deide Oratorien gehen in ihrem textlichen Aufbau auf englische Vorlagen zurück. Der Text für die ..Jahreszeiten" wurde durch van Swieten übertragen und für die Vertonung eingerichtet.
Den „Jahreszeiten" liegt nicht wie den meisten Oratorien Händels eine durchgehende dramatische Handlung zu Grunde. Es handelt sich hier vielmehr um eine Reihe von Bildern, die dem Laufe des Jahres folgen, und die durch die Musik in ihrem lyrischen Gehalt erschlossen werden. Entsprechend der durch die Zahl der Jahreszeiten gegebenen Vierteilung könnte man die „Jahreszeiten" als einen Kantatenzyklus ansehen.
Wenn auch die drei Personen im Verlauf des Werkes regelmäßig wiederkehren (Simon, ein Pächter; Hanne, dessen Tochter; Lukas, ein junger Bauer), so ersteht doch kein handelndes Geschehen zwischen den einzelnen Personen, abgesehen ton der Liebesszene zwischen Lukas und Hanne, sondern die drei Solisten nehmen mehr den Charakter von Berichterstattern an, denen die einzelnen Schilderungen und Betrachtungen je nach ihrer persönlichen Individualität zugeteilt sind.
Eine mannigfache Abfolge von Situationen und Bildern zieht in dem Werk an uns vorüber.
Din Einleitung stellt den Llebergang vom Winter zum Frühling dar. Das Landvolk begrüßt den Lenz. Der Säemann ist bei seiner Arbeit; ihn begleitet dabei das Thema aus dem Andante der Symph-onie mit dem Paukenschlag. Ein Gebet erfleht den Segen des Himmels für das Land; das Erblühen und Sichentfallen der Natur bewegt die Landleute zum Preise Gottes. Das Sommerbild setzt mit der Morgendämmerung ein; der Hirt erwartet das Erscheinen des Lichtes; eine Schilderung des Sonnenaufganges erhebt sich zu einem Hymnus auf
nicht zuletzt von den Regierungsbeamtcn — nach Noten ausgebeutet werden, braucht kaum erwähnt zu werden. Der flagrantesten Räuberei hat man ja wohl in den letzten Jahren Einhalt geboten, ganz aufhören wird sie aber erst, wenn sich die Rothaut des Wertes ihres Geldes bewußt geworden ist. Kein Vollblut-Indianer darf jetzt sein Vermögen mehr selbst verwalten. Es ist einem Vormund anvertraut, der jede Ausgabe kontrolliert und für unnötige oder verschwenderische die Mittel verwei- gern darf. Aber selbst dies System hat die Ausbeutung nicht gant zu unterdrücken vermocht, und mancher biedere Vormund läßt sich bei einem Einkauf vom Verkäufer seine 10 bis 25 v. H. Provision geben. Ein nicht unerheblicher Teil der indianischen Oelmillionen klebt an den schmierigen Fingern von Leuten, die im Staate Oklahoma finanzielle und politische Mächte geworden sind, nacydcm sie sich in den kurzsichtigen Augen einer vergeßlichen 'iTTTroelt als „Respektspersonen" rehabilitiert hatten.
Die Gcyser des schwarzen Goldes haben a u ck zahlreiche Neger, namentlich solche, die sich dem Stamme der Creeks in der Gegend um Ok- mulgee anschlossen, zu reichen Leuten g.macht. Die Indianer des vorigen Jahrhunderts hielten sich Sklaven, wie die Weißen. Das Blut vermischte sich, und Sarah Rector in Kansas City, die als reich st e Negerin derWelt angesprochen wird, entstammt einer solchen Mischehe. Die Vermögen der Farbigen und der Halblutindianer stehen nicht unter Kuratel. Die Ueberraschungen Oklahomas, die Hoffnungen auf den morgen kommenden Reichtum sind dieselben Ueberraschungen uhb. Hoffnungen der Goldfeder von gestern, und derselbe Optimismus, der einst jede Brust in Kalifornien und Nevada erfüllte, herrscht jetzt in dem Staate nördlich von Texas, dem Staat der „Roten Leute" — Oklahoma ist der Sprache der Choctaw- Indianer entnommen und hat diese Bedeutung —, einem der ölertragrcichsten der nordamerikanischen Union, in die er als zweitletzter vot knapp 22 Jahren aufgenommen wurde. Keiner weiß, wo das nächste Oclbccken erbohrt wird, ober jeder hofft, daß das Schicksal auf ihn gebührend Rücksicht nehme.
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Rothäute, die im Solde schwimmen.
Indianer in Oel. — 3m Staate Oklahoma. — Oie Rache des Schicksals den Weißen. — Oie Neureichen der Prärie.
Von unserem A. G. A.-Berichterstatter.
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wiederholter Erinnerungen, nicht vertragsgemäß gestellt worden.
Mit vorgenannten Ziffern nähern wir uns schon einem Fehlbetrag von zirka 100 000 Mk., und auch der sieht, bei Licht betrachtet, anders aus.
Das Theater mußte gegenüber dem Ende 1927 vorgelegten Voranschlag für tariflich festgelegte wiederholte Lohnerhöhungen und Ueberstundenzahlun- gen, auf welche die Leitung keinen Einfluß hatte, ein Mehr aufwenden von zirka 14000 Mk. und für soziale Ausgaben ein solches von zirka 7000 Mark. Für Steuern waren 4000 Mark mehr aufzubringen, für Bauunterhaltung, die dem Bauamt obliegt, mehr nahezu 3000 Mark.
Ein wesentlicher, nicht vorauszusehender Ausfall von 12 000 Mark entstand durch den unbefriedigenden Besuch von Opern und Operetten.
In dem Abschluß sind auch enthalten die der Verwaltung und dem Stadtrat bekannten, vorher nirfjt zu schätzenden Zubußen für die Sommerspiclzeit in Bad-Nauheim, das in 1928 einen Zuschuß ablehnte, aber für 1929 einen solchen von 10 000 Mk. gewährt und infolge der durchaus befriedigenden Leistungen des Theaters ihn auch für 1930 zugesagt hat.
Die Einnahmeseite des Theaterbudgets gleicht ungefähr der des Voranschlags. Man hatte allerdings gehofft, sie unter der ungemein rührigen Intendanz und einer auserlesenen Künstlerschar, die ihr Bestes hergab, wesentlich steigern zu können, was sich aber infolge des wirtschaftlichen Niedergangs als un- möglich herausgestellt hat.
Die Ausgabenseite zeigt wesentliche Belastungen, die im Eingang dieses als nicht zu verhindernde klargestellt sind.
Zu Beanstandungen führen könnte einzig und allein die allerdings sehr hohe Ausgabe für Fun
Von dem Dezernenten des Stadttheaters wird uns folgendes geschrieben:
Die Theaternot ist keine Einzelerscheinung, sie besteht überall. Und wenn hier in Gießen, dos jedenfalls gegenüber anderen Städten im Zuschußbedarf mit an allerletzter Stelle unter den deutschen Theatern steht, die Oeffentlichkeit durch mißverständliche Publikationen falsche Schlüsse zu ziehen gezwungen ist, so ist das bedauerlich, nicht zuletzt im Interesse unseres hochstehenden Theaters selbst.
Inwieweit die gegen die Theaterleitung gerichteten Angriffe begründet sind, möge die Oeffentlichkeit selbst aus Nachstehendem ersehen:
Die Verwaltung der Stadt Gießen hat einen Zu- schußbedarf von 147 000 Mk. für 1928 jetzt errechnet, gegenüber einem solchen von 115 000 Mk. in 1927.
An diesem Betrag von 147 000 Mk. geht zunächst eine von der Verwaltung in Rechnung gestellte Vergnügungssteuer von zirka 15 000 Mk. ab, zu deren Erhebung keinerlei Berechtigung einem ge- meinnützigen Unternehmen gegenüber besteht.
Es gehen ab die Gewinne, die die Stadt aus zirka 13 000 Mk. dem Theater gelieferte Heizung und Beleuchtung bezieht, wobei beachtlich ist, daß die vollen Verkaufspreise in Rechnung gestellt wurden, z. B. der elektrische Strom mit zirka 32 Pf., während ihn andere Großabnehmer für zirka 6 Pf. beziehen.
Es sind in der Gesamtsumme weiter enthalten zirka 14 000 Mk. für Fundus-Erneuerung und Anschaffungen, die „werbende Werte" darstcllen. Ferner ist darin ein Verlust zu suchen, der dem Theater entstanden ist durch die wissentliche Nichtbeachtung des mit dem Intendanten abgeschlossenen Vertrages seitens der Verwaltung. Der dem Intendanten zur Seite stehende geschäftsführende Beamte ist, trotz
r u n g unter der vertraglich festgelegten Vereinbarung überlassen, daß sie draußen i ni fernen Westen ebenso reiches, ebenso grünes Urland erhalten würden. Das „Territorium" sollte ihr Eigentum bleiben, „solange das Gras wächst und der Strom fließt". Sie durften chre eigenen Gesetze formulieren und ihnen nachledcn, und die einzige ihnen gestellte Bedingung war, daß „sie den Weißen nie bekriegen würden." Sie zogen aus. Sie fanden ihre neue Heimat nicht als fatt- grünen Teppich, sondern als braungelbe, sandige Prärie, auf der nur der Salbeistrauch ein kümmerliches Dasein fristet. Bäume gab es nur nm Saum der Berge. Die Steppe schmachtete sechs Monate im Jahr unter einer unerbittlich sengenden Sonne. Aber die Indianer blieben. Sie halten einen Pakt geschlossen. Sie hielten ihn und hielten Frieden. Denn die Jagd war ergiebig.
Jahre vergingen. Die Landgier der Weißen war unelsättlich. Im Washingtoner Kongreß kam man 3" der Ueberzeugung, das „Jndianerterritorium" sei herrenloses Land. Man brauche nur zuzugreisen. Man griff zu. Den Rothäuten überwies man pro Kopf je ein Viertel einer Quadratmeile, die Verteilung überließ man den Stämmen. Zumeist leisteten die braunen Siedler keinen Widerstand. Manche aber erinn.rten sich an den Vertrag. Das Gras wuchs noch, die Strome flössen no^. Die Trutzigen scharten sich um den Häuptling „Tolle S ch l a n g e", der ihnen riet, sich den Landraub nicht befallen zu lassen und dazubleiben, bis man sie gewaltsam vertriebe. Den Bewohnern von Muskogee, Okmulgee, Tahlequah und anderen Jn- dianerstädten waren jenes Häuptlings Anhänger viele Jahre als „Snakes" (der Stamm der Schlangen) bekannt. Als die Landaufteilungskommifsion 1902 mit ihrer Arbeit zu Ende war, hatte sie infolge dieser unblutigen Revolte eine ganze Anzahl „Schlangen" am Halse, denen kein Land zugesprochen war. Um reinen Tisch zu machen, wies man ihnen irgendein Stück Boden zu, zumeist in ganz unwirtlichen, fast unbewohnbaren Gegenden. Ein paar Jahre später, als aus dem Indianer- und dem Oklahoma-Territorium ein neuer Staat geworden nxir, fand man Oel. Der Indianer fing an zu lachen. Denn die Oelvorkommen wurden vornehmlich in jenen Gegenden entdeckt, die man als wertlos den renitenten „Schlangen" zugewiesen hatte. Und die waren mit einem Schlag reiche Leute. Denn sie und die anderen hatten sich bei der Abtretung des Landes an die Regierung das Anrecht auf alle Mineralschätze gesichert.
Uebcr die verschiedenen Wege, auf denen diese Neureichen ihre Geldfülle loszu werden bemüht waren und noch sind, kursieren in Oklahoma die phantastischsten, abenteuerlichsten Geschichten. In der Mehrzahl sind sie wahr. Der Durchschnittsindianer hat heute noch von Geldeswert keine Ahnung. Er braucht nicht mehr als eine bescheidene Hütte, Nahrung, Kleidung, ein Pferd, zwei Jagdflinten, Munition und ein paar Hunde. Es ist daher kaum überraschend, daß er sein Geld auf die lächerlichste Art und Weise verplempert, lächerlich wenn an dem Mahstabe gemessen, den jene anlegen, die in der Aufhäufung von Dollars das Ziel alles Irdischen erblicken. Daß die Geier bald wußten, wo Aas zu finden sei, ist selbstverständlich. Mit den sattsam bekannten Hochdrucks-Methoden arbeitende Verkäufer aller möglichen und unmöglichen, brauchbaren und — für den Indianer — unbrauchbaren Dinge überschwemmten den Staat und entlockten den Rothäuten ihren Reichtum. Große Ueberredungskünste brauchten sie nicht anzuwenden. Die Indianer kamen ihnen mehr als halbwegs entgegen. Die Frau eines Osage-Krösus tarn eines
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feinen Akzenten, wie sie etwa bei Wagner unumgänglich nötig sind, anzuwenden. Eine Stimme, die an Mozart geschult ist, wird leicht den Weg zu ihm finden.
Als Träger der Simon-Partie lernten wir Kammersänger Ernst Everts (Daß), Köln, kennen. Sein Organ weist sympathische Färbung auf und vermochte auch die Anforderungen der Partie in Höhe und Tiefe durchaus voll zu erfüllen. Mit sicherem Empfinden wußte er die Situation zu treffen, und so konnte er die ihm zufallenden Arien für sich als Erfolg buchen. Mit seinem letzten betrachtenden Solo („Erblicke hier" ...) erreichte er einen Höhepunkt an Darstellungskraft. In der Ackersmann-Arie störte zeitweilig ein zu starkes Akzentuieren des Textes den günstigen Eindruck.
August Richter (Tenor), Köln, schien besonderes Gewicht auf das dramatische Erleben der Lukasrolle zu legen. In der Mittellage sind seine stimmlichen Mittel sehr ergiebig und modulationsfähig. In der oberen Mittellage, der sog. Ilebergangslage, faßt er den Ton bei weitem zu massiv, beinahe mit dogmatischer Kraft, an und verschließt sich damit die hohe tenorale Quart. Ein durchdringendes hohes „A“ ist ihm nur im Forte der Druststimme möglich; die sogenannten kreicendosähigen gemischten Töne der hohen Lage, die zumal den Reiz der Tenorstimme ausmachen, fehlen ihm anscheinend, statt dessen wandte er vielfach in der oberen Lage reines Falsett an, das hohe „H“ der Wanderer-Arie entglitt ihm diesmal ebenso wieder, wie ich es schon vor einigen Jahren von ihm hören konnte, als er dieselbe Partie durchführte. Im Rezitativ verstand er, sehr fein die Stimmung zu erschließen; besonders die Morgendämmerung schöpfte er musikalisch restlos aus. Im Ensemble ergriff er sehr oft die Führung.
_ Bettina Frank (Sopran), Nürnberg, wäre für die Höhe größere tonliche Expansion zu wünschen. In der Koloratur erschien sie noch nicht genug ausgeglichen. Die Stimme wird sich erst dann entfalten können, wenn sie eine gewisse Enge überwunden hat, sonst erklang sie mit angenehmer Farbe. Me Duette mit Lukas erstanden mit musikalischer Frische; ihr Lied in der Spinnstubenszene vermochte sie fein pointiert zu gestalten.
Der chorische Anteil ist in den Jahreszeiten sehr reichlich bedacht. Ihm sind starke Atzente zugewiesen, so im Ausklang des ersten Teiles, in der Gewitterszene und im Finale; im Jagd-
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Neuyork, November 1929.
Wer zuletzt lacht--. Hundert Jahre hat
es gedauert, bis die Reihe an den nordamerikani- fchen Indianer kam. Jetzt lacht er. Und raucht Zigarren zu einem Dollar das Stück dazu, während fein weißer Bruder für feinen „Boß" frönt. Und das Kriegsbeil hat er mit der Kuponschere vertauscht. Von den Rothäuten im Staate Okla - h om a ist hier die Rede. Erdolgeyser überschütten sie feit zwanzig Jahren mit einem unaufhörlichen Goldregen, und ungezählte Angehörige einer Rasse, die dutzendmale ausgeräubert, ausgepowert und um Hab und Gut betrogen worden war, sind heute schwerreiche Leute. Das Ausräubern und Auspowern geht selbstverständlich unaufhaltsam weiter, aber nut dem Unterschiede, daß der Indianer momentan wenigstens auch etwas davon hat. Etwas, was vorher nur der Weiße sich leisten konnte. Hochelegante und entsprechend kostspielige, teilweise sogar importierte Autos, in denen nach der neuesten Mode gekleidete Rothäute sitzen, sieht man auf all den staubigen Landstraßen Oklahomas. Zungenfertige Händler in Klavieren, Radioempfängern, hirsch- ledernen Westen, Waschmaschinen, Staubsaugern machen Geschäfte wie noch nie und nirgends, und jeden Herbst tritt ein ganzer Schwarm schwarzhaariger, braunwangiger Tochter der Prärie in kostbarsten Pelzmänteln die Reise nach dem Osten an, um sich in einem vornehmen Töchterpensionot das anzueignen, was man in diesen exklusiven Erziehungsanstalten Bildung, Umgangsformen, mondänen Schliff nennt. Papa „Chief Rain Water" hat's dazu. Man kann sich's leisten und braucht hinter den weißen Schwestern nicht zurüzustehen.
Ein wahrhaft klassisches Bild von „Indianern in Oe l": vier sitzen nebeneinander auf einer großen Steinbanf, angetan in weiche, perlbefticfte Moccas- sins und buntgewobene Wolldecken, das lange steife Haupthaar hängt ihnen in zwei Zöpfen den Nacken hinab. Genau so mögen sie vor vielen Jahren um das flackernde Lagerfeuer gesessen fyaben, und wenn man bei ihrer Betrachtung auf einen Augenblick die Augen schließt, matt sich dem Geist das Bild vergangener Zeiten und es taucht ein Kriegsrat der Häuptlinge des Ofage-Stammes auf, der über die Abwehr der neuesten Invasion der Bleichgesichter berät. Aber die Wirklichkeit verwischt den Eindruck im Nu, denn die vier Rothäute sitzen nicht draußen auf der Steppe, sondern im Schal ter raum der Nationalbank in Pawhuska, und ihre Hände umschließen nicht den Tomahawk, sondern das Scheckbuch. Unter den Indianern in Oklahoma gibt es vielleicht zwanzig oder dreißig Millionäre, daneben aber Hunderte um Hunderte, die durch das der Erde entquellende schwarze Gold reich genug geworden sind, um es beim Pokerspiel mit den Nicht-Ganzgroßen in Wall Street aufnehmen zu können. Daneben aber auch — und dies mag den Fremden überraschen — Tausende, denen das Lebensglück nichts weiter in den Schoß geworfen hat als ein Stückchen Ackerland, dem sie im Schweiße ihres Angesichts eine oft recht kümmerliche Maisernte abzutrotzen sich mühen, ein paar zerschlissene Beinkleider und ein Hemd, das einmal van blauer Farbe war.
Und doch ist der erstaunliche Reichtum der Minderzahl eines der eigenartigsten, interessantesten und amüsantesten Kapitel in der langen Geschichte amerikanischer Vermögen. Ein Kapitel, das die Geschichtsschreiber wie die Geschichtenerzähler mit Stoff zu märchenhaft unglaublichen Erzählungen, die aber wahr sind, versehen hat und das sich lieft, als hätte die Gerechtigkeit sich auf diese absonderliche Weise <m dem Weißen für die schmachvolle Behandlung gerächt, die er dem Indianer hat widerfahren lassen.
Die Rothäute, die sich in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Indianer-Territorium
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Tages nach einem Warenhaus in Pawhuska und kaufte sich für 300 Dollar himmelblaue Bänder, die sie einem Kleid anheftete, womit sie unter ihren Rcksfegenofsinnen mehr Neid hervorrief, als sie mit einem Dutzend Hermelinmänteln zu erregen im Stande gewesen wäre.
Die Osages sind einer der reichsten Jndianer- ftämme, etwa 3000 an der Zahl. Als sie ihr Land den Weißen überlassen mußten, behielten sie sich das Anrecht auf die unterirdischen Schätze vor. Die Tantiemen aus ihrem Oel fließen in eine ge- meinfame Kasse, aus der das Geld nach Maßgabe des sogenannten Kopfrechts verteilt wird. Millionäre mag es unter ihnen keine geben, dafür aber hat jeder ein Jahreseinkommen von 4800 Dollar bis zu 20 000 Dollar. Als den Osages plötzlich der goldene Strom zufloß, begannen sie sofort, ihn in Betten zu lenken, wo er am wenigsten Gutes anrichten konnte. Dabei sind sie noch heute. Noch heute, mag es dem Touristen passieren, daß er irgendwo seitlich an der Land- Kein fast funkelnaaelneues, teures, von seinem :r im Stich gelassenes Auto sieht. Irgendein Indianer ist seiner Pierce-Arrow oder Packard überdrüssig geworden und hat sie weggeworfen, wie ein Kind fein Spielzeug. Ein Häuptling, der sich eben in Pawhuska einen prachtvollen Kraftwagen gekauft hatte — 7000 Dollar hatte er dafür bezahlt —, kam ein paar Stunden darauf zu Fuß zum Händler zurück, holte eine riesige Rolle Banknoten aus der Tasche und sagte: „Auto nichts wert. Will neues Auto". Es stellte sich heraus, daß feinem Wagen das Benzin ausgegangen war. Aber für den „Big Chief" genügt das. Er konnte sich ein neues leisten. In der Umgebung einer anderen Oklahoma- Ortschaft flieg ein Tourist vor einer »ärmlichen Jn- dianerhütte ab, um sich einen Trunk Wasser geben zu lassen. Vor dem Häuschen stand ein riesiges Auto, und dahinter, unter freiem Himmel, Wind und Wetter ausgesetzt, ein prachtvoller Flügel. Im Hause selbst saß ein Indianer, kaute Tabak, rauchte feine Zigarre dazu und hatte rechts und links je einen Rundfunkempfänger stehen. „Ein Radio gut", sagte er zu dem Fremden, „zwei Radio besser". Beide Apparate waren in vollem Betrieb.
Daß solche Menschenkinder von allen Seiten —
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