stellen, haben Sie eine Vorstellung von deren Eintritt und vom Verlauf der Krise, und haben Sie eine Sicherheit dafür, i'aft wir am Ende weniger als nach dein V^mg-Plan zu übernehmen haben? Sie malen die Gefahr einer neuen Währungszerrüttung an die Wand, wie das in frivoler Weise eine gewisse Presse von Zeit zu Zeit wiederholt. Wissen Sie nicht das) mit der Unabhängigkeit der Reichs- bank absolute Gewahr für die Festig- keit der Währung gegeben ist und daß die Reichsbank wiederholt die Probe darauf bestanden hat? Sie werden nach Ihren Kasseler Richtlinien eine auswärtige Politik der gegenseitigen Auslöschung der Kriegsschulden treu en und erwarten, dah alle Staaten auf diesen Weg gedrängt werden, sobald Sie Ihn durch 'Ihre Politik eröffnen. Wollen Sie uns verraten, welche politischen Schritte Sie bei Eröffnung dieses Weges im Auge haben? Woher schöpfen Sie die Sicherheit, dah auch die Vereinigten Staa ten sich diesem Weg anschliehen werden?Sol" Ihr Brief vom März 1929 die Verein ten Staaten zur Schuldenstrcichung bereit g macht haben? Sie wollen die politische Zu sammenarbeit in Deutschland durch einPro- gramm großer politischer Arbeit ein- leiten. Sind Sie endlich bereit, ein solches nicht aus Schlagworten bestehendes, umfassendes Programm vorzulegen? Solange der Voung- Plan über uns lastet, soll es nach Ihnen keine Ordnung in Deutschland, kein gesundes Familienleben, keine Steuererleichterung usw. geben. Wollen Sie uns den Schritt zeigen der nach Ablehnung des Voung-Planes den Weg zu all jenen Gütern des Daseins eröffnet? Die Politik, die uns vorgeschlagen wird, ist alles andere als heroisch, sie ist herostratisch. Heroisch war das Leben und Wirken Strese- manns, der mit dem Tode gerungen hat um den Preis der Befreiung. Heroismus liegt überhaupt nur im Handeln nicht im Kritisieren, in der Bejahung des Lebens, nicht in der Verzweiflung des Pessimismus.
Abg. Esser (Zenir.)
gab im Ramen der Regierungsparteien eine Erklärung ab, in der er betonte, das Gesetz aus dem Volksbegehren wolle die Ergebnisse der bisherigen deutschen Außenpolitik zerschlagen. Es verlange an Stelle einer Politik der Verhandlung und Verständigung eine Politik der Sabotage und Herausforderung und. erwecke die Illusion, daß Deutschland die Kriegslasten durch bloßen Protest abwerfen sowie das Rheinland und das Saargebiet sofort völlig befreien könne. Es wolle weiter die verantwortlichen Träger der Reichspolitik als gemeine Verbrecher wegen Landesverrats ins Zuchthaus bringen. Damit würden nur die in hartem Ringen erkämpften Ansätze zu einem Aufstieg Deutschlands gehemmt. Schon heute habe die Aufhetzung des Volkes durch das Volksbegehren und das Mißtrauen des Auslandes die Wirtschaft schwer erschüttert. In der Zurückweisung der Kriegsschuldthese sei das ganze Volk einig. Es sei eine Irreführung, wenn man dein Volke vorspiegele, daß es sich durch eine Wiederholung seines Protestes gegen die Kriegsschuldthese von der ihm auferlegten Kriegsentschädigung befreien könne. Auf dem Wege, den der Gesetzentwurf Vorschläge, würde eine Befreiung des RHMinlandes, deren spätester Abschluß zum Ende Iuni nächsten Iah- res feststehe, und die Wiedervereinigung des Saargebietes mit Deutschland nie und nimmer erreicht werden. In voller Würdigung der in dem Bericht der Sachverständigen vom 7. Iuni vorgeschlagenen schweren Belastungen hätten sich die Regierungsparteien ent« schlossen, die Reichsregierung zu ermächtigen, auf der Grundlage dieses Berichtes in internationale Verhandlungeneinzutre- t e n. Wir fordern die Reichsregierung auf, angesichts der Erleichterung, die der Baung-Plan dem Dawesplan gegenüber bietet, in Fortführung der bisherigen Außenpolitik, die wir ausdrücklich billigen, mit der gebotenen Energie die Verhandlungen über den Voung-Plan f o r t z u - sehen und auf ihren endgültigen Abschluß hinzuwirken. Die Regierungsparteien verwerfen mit größter Entschiedenheit den unmöglichen Versuch. pflichtmäßige Entschließungen in der Außenpolitik, die von bestem vaterländischen Wollen getragen seien, dem Urteil des Strafrichters zu unterstellen. Die in der Regierrmg vertretenen Parteien lehnen im Ramen der Mehrheit des Reichstags und des deutschen Volkes den Entwurf in allen seinen Teilen ab, und zwar aus der Heberzeugung, daß er nicht aus Sklaverei zur Freiheit führe, sondern Deutschland von dem Wege der Freiheit zurückwerfe in neue Sklaverei und Ohnmacht.
Abg. Or. Oberfohren (Oni):
Ich werde mir gestatten, als Vertreter des „urteilsunfähigen Volkes" die Meinung der Millionen zu vertreten, die hinter dem Volksbegehren stehen. Die Gegner des Freiheitsgesetzes vermeiden es ängstlich, sich in eine sachliche Kritik über das Freiheitsgesetz einzulassen. Mit allen Mitteln der persönlichen Verhetzung ist von vornherein gegen das Volksbegehren gearbeitet worden. Diejenigen, die als Träger des nationalen Befreiungswillens sich bekannt haben, als Verbrecher zu bezeichnen, ist in Wahrheit eine Infamie. (Stürmische Zustimmung rechts.) Die fanatische Gegnerschaft wendet sich nicht gegen den Wortlaut, auch nicht gegen den Paragraphen 4, sondern nur dagegen, daß das Gesetz der Ausfluß einer nationalen Freiheitsbewegung ist. Wenn man nicht juristisch, sondern mit klaren Worten sich hätte ausdrücken können, so hätte vielleicht gesagt werden müssen: Die deutsche Außenpolitik, die seit Erzberger eingeleitet und weitergeführt wurde, wird vom deutschen Volke abgelehnt. Die Angst davor, daß die Ruhnießer «dieser Politik aus ihren Positionen beseitigt werden können, ist der Hauptgrund für den Kampf gegen das Volksbegehren.
Cs ist eine Irreführung des deutschen Dolles, zu behaupten, das deutsche Volk solle durch das Freiheitsgesetz seine Meinung darüber sagen, ob es am Kriege schuldig sei oder nicht. In Wirklichkeit soll es seine Meinung darüber bekunden, daß es fähig und gewillt ist. derartige schwere Lasten, die ihm zugemutet werden, zu tragen. Der gröbste demagogische Mißbrauch ist mit dem Paragraphen 4 getrieben worden. Der Reichsprä sident ist der Repräsentant des deutschen Volkes und kommt gar nicht in die Lage, solche Verträge abzuschliehen, deren Abschluß mit Strafe bedroht ist.
Der Redner weist darauf hin. dah berQJoung- plan ar. zehn Stellen als endgültig bezeichnet
Mldenhauers MWaßsprogranun.
Oer neue Reichswirtschastöminister vor dem Industrie- und Handelstag. Forderungen der Wirtschaft zur Finanz- und Steuerreform.
Berlin. 29. Rov. (WB.) Irn Hauptausschuh des Deutschen Industrie- und Handelstages begrüßte der Präsident Franz v. Mendelssohn zunächst den neuen Reichswirtschaftsminister, Professor Dr. Moldenhauer, und betonte, daß die schwer bedrängte Lage der Wirtschaft eine grün dsätzliche Wendung der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik auf Pflege und Schonung der Produktion und der Kapitalbildung hin zu einer zwingendenRot- wendigkeit der Staatspolitik mache. Eine grundsätzliche Finanzreform sei Vorbedingung für die Annahme des neuen Reparationsplanes. Reichswi schastsminister Or. Moldenhauer
hob hervor, daß die deutsche Handelsbilanz sich zur Aktivität getoanöelt habe, und zwar in erster Linie infolge des ständigen An st eigens der Ausfuhr. Hieran habe unsere Handelsvertragspolüik sicher einen starlen Anteil. Er werde den größten Rachdruck darauf legen, dah das mit Erfolg begonnene Werk eines engmaschigen Ausbaus der handelsvertraglichen Beziehungen zum Aus lande fortgebildet wird. Er erhoffe insbesondere im Hinolick auf die schwere Rotlage Schlesiens baldigen günstigen Abschluß der langjährigen Verhandlungen mit Polen. Im Mittelpunkt des Interesses stehe jetzt das Problem einer Derlä ngerung der Zolltarifnovelle. das den Reichstag noch im Dezember beschäftigen müsse. Die Reichsregierung habe alle Anträge auf Erhöhung solcher Zölle zurückstellen müssen, bei denen, weil sie handelsvertraglich gebunden seien, und eine Kündigung der Verträge nicht in Frage komme, ein volkswirtschaftlicher Erfolg aus der Erhöhung nicht zu erwarten sei.
Der Landwirtschaft wolle man die Angleichung der Vieh- an die Fleischzölle und den bei uns noch nichts erprobten Versuch gleitender Getreidezolle neben anderen Hilfsmaßnahmen gewähren. Die Volkswirtschaft könne wirksam nur durch eine Gesamtheit von Maßnahmen zur Stärkung dec Wirtschaftskraft gefördert werden. Hierher gehöre die unbedingt notwendige Erleichterung der Kapitalbildung durch einen Abbau der auf der Wirtschaft ruhenden Lasten. Hierzu sei eine durchgreifende großzügige Finanzreform notwendig, die in diesem Winter beendigt werden müsse und deren Aufgabe es sei, zu einem Ausgleich des Haushaltes zu kommen un
ter gleichzeitigem Abbau der drückendsten steuerlichen Lasten, nicht zuletzt im Interesse der Arbeitnehmer, deren Beschäftigungsmöglichkeiten durch die überhohen öffentlichen Abgaben beeinträchtigt würde. Hinsichtlich der S o z r^kl p o l i t i f betonte der Minister, daß an ihrem Grundgedanken unbedingt festgehalten werden müsse, dah aber eine Heber- treibung der aus ihr sich ergebenden Belastungen für die Wirtschaft erhöhte Arbeitslosigkeit und einem drückenderen Zinsfuß und damit auch eine Verschlechterung in der Lage der Arbeitnehmer s ch a f t zur Folge haben würde.
Im weiteren Verlauf der Tagung beschäftigte sich die Versammlung mit Rotwendigkeit und Inhalt der F i n a n z r e f o r m. Dabei wurden ausführliche Leitsätze verabschiedet. Einen breiten Raum in ihnen nimmt die Neuordnung des Steuersystems ein, innerhalb dessen vor allem bei den die Produktion belastenden Steuern ein Ab- und Umbau verlangt wird. Hierzu wird u. a. vorgeschlagen, dah dne Aufbringungslast aus der bei Wegfall des Dawes- Planes gegenstandslos werdenden Industrie- b e l a st u n g beseitigt wird. Dem Ziele der Produktionsförderung entsprechend solle die G e» werbe st euerin Ländern und Gemeinden völlig aufgehoben oder aber durch zwingende reichsrechtliche Vorschrift mit sofortiger Wirkung auf einen geringen Bruchteil der gegenwärtigen Höhe gesenkt werden. Weiter wird die Beseitigung desSteuer- abzuges vom Kapitalertrag bei festverzinslichen Wertpapieren verlangt. Reben der Gewerbesteuer feien auch d i e auf Grundund Boden liegenden Real steuern zu beseitigen. Die steuerlichen Vorrechte der Wirt s ch aftsbetriebe der öffentlichen Hand sollen zwecks breiterer Verteilung der Lasten beseitigt werden.
Als zentraler Hauptmangel des geltenden Finanzausgleiches wird die Schwächung der gemeindlichen Selb st Verantwortung und der ungenügenden Berücksichtigung des Lastenausgleiches bezeichnet. Was den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden anbelangt, so wird empfohlen, die Verteilung der Einnahmen aus den Heberweisungssteuern in stärkerem Maße auf den Zweck- eines Ausgleiches der Ausgaben und Lasten, also weniger nach den örtlichen Auf- l'ommen, abzustellen. Reben allen diesen Erfordernissen bleibt es nach den Leitsätzen notwendig, die seit langem als erforderlich bezeichneten sonstigen Aenderungen des Einkommensteuergesetzes endlich zu verwirklichen.
werde, eine Revision also unmöglich fei. Da der "Doungplan eine freiwillige Anerkennung bedeute, fei ein Verstoß dagegen völkerrechtlich als Vertragsbruch zu werten. Die Reparationsbank sei ein gefährliches Instrument des Feindbundes gegen Deutschland. Deutschland werde zu einer unselbständigen Arbeitsprovinz hcrabgedrückt. D?r Redner verneint die Frage, daß Deutschland durch die Haager Abmachungen ein freier Staat werde. Die Versprechungen, die dem deutschen Volke auf Grund der geringen Erleichterungen des Boung- planes bereits gemacht worden seien, berechnet der Redner mit 2.1 Milliarde. Zur Währungsfrage erklärt er, daß in einer Wirtschaft, die der Aushöhlung und Auspowerung verfallen sei, für eine feste Währung fein Platz sei und daß die Gefahr der Währungszerrüttung durchaus gegeben fei. Der Voungplan sei tatsächlich der Versuch einer Rettung des zusammenbrechenden Dawesplans. Die Alternative heiße: Voungkrise oder Daweskrise. Die Daweskrise sei deshalb besser, da wir im Dawes- plan Vertrags- und Rechtsschutz genießen. Der Voungplan führe zur Zerschlagung der deutschen Wirtschaft und zur Riederdrückung der sozialen Stellung des deutschen Arbeiters. Hm alles dies abzuwenden, habe sich Hine Front des nationalen Willens gebildet. Wenn auch äußerlich die Zahlen nicht erreicht wurden, dann tröste doch ein Blick in die Geschichte der Völker, der zeige, daß es noch immer die Minderheiten gewesen sind, die das Schicksal einer Ration geformt haben. (Beifall rechts.)
Abg. Or. Bredt (Wirtsch.):
Dem Reichstag liegt heute ein Gesetzentwurf vor, der von den Herren Seldte, Hitler und Hugenberg stammt. Seldte und Hitler gehören dem Reichstag nicht an. Hm so mehr hätten wir erwartet, daß nun Herr Hugenberg hier die Sache vertritt, deren verantwortlicher Redakteur er ist. Herr Oberfohren war um sein Redneramt nicht zu beneiden. Meine Partei war Gegner des Volksbegehrens, obwohl sie nicht für die Annahme des Voungplanes ohne vorherige Saarbefreiung ist. Dieser Stellungnahme zum Voungplan hat sich in der letzten Zeit auch der Zentrumsführer K a a s angeschlossen. Das Volksbegehren ist jedenfalls nicht ein geeignetes Instrument zur Entscheidung solcher Fragen. Sehr bedenllich ist auch der Inhalt der Vorlage des Volksbegehrens. Mit der Kriegsschuldfrage wird in letzter Zeit in einer Weise operiert, die dem deutschen Ansehen in der Welt zu schaden geeignet ist. Don den ernst zu nehmenden Historikern der ganzen Welt ist die Kriegsschuldfrage schon zu unseren Gunsten entschieden. Es wäre aber höchst unklug. wenn man die Illusion verbreite, als hätten wir nichts mehr zu zahlen, wenn die Behauptung unserer Kriegsschuld zuruckgenommen wird. Wir b ebauern das D orgehen gegen jene Beamten, die für das Dolks- begehren eingetreten sind. Wir sind auch nicht einverstanden mit dem Gutachten, nach dem die Vorlage des Volksbegehrens als verfassungsändernd bezeichnet wird.
Abg. Or. Freiherr
Freyiag-Loringhoven (Ont.)
erklärte, es liege ein seltsamer Widerspru-H zwischen Worten und Taten der Regierung, die einerseits das Freiheitsgeseh als bedeutungslose Torheit hinstelle, trotzdem aber mit einem fieberhaften Eifer dagegen kämpfe. Rur aus Furcht könne dieser Eifer geboren fein. Aus Angst vor dem Volksbegehren habe man selbst Rechtsverletzung und Derfassungsbruch
nicht verschmäht. Im Vordergründe stehe der Beamtenterror: als es dann zu spät gewesen sei, habe die Linkspresse die Gewissens- kämpse der Beamten auch noch verhöhnt. Das Recht auf Meinungsfreiheit und das Wahlgeheimnis seien gröblich verletzt worden. An schwerkriegsbeschädigten Offizieren räche man sich durch Entziehung der Lotteriekollette. Die Ansetzung der Abstimmung auf den „Goldenen Sonntag" verletze die Verfassung und bedeute eine häßliche Spekulation auf religiöse Empfindungen. Aus Briands Kammerrede ergebe sich, daß hier auch Versprechungen mitgespielt hätten, die man ihm gegeben habe. Das Gutachten der Regierung sei unhaltbar. Es sei unrichtig, daß jede Regierung bisher gegen die S ch u l d l ü g e angekämpft habe, nur zweimal, j,m September 1924 und im Oktober 1925, feien Schritte getan worden. Locarno und Genf hätten den Verzicht Deutschlands auf die geraubten Gebiete gebracht und bedeuteten unsere politische Eingliederung in das Versailler Mächtesystem und die Hnterwerfung unter französische Vorherrschaft. Der B o u n g - Pan und auch die mit ihm direkt verknüpften politisch und wirtschaftlich unerträglichen V e r- träge mit Polen stellten nicht, wie man behaupte, eine Politik der Verständigung, sondern eine Politik der Versklavung dar. 2lller Widerstand aber werde das Erwachen des deutschen Volkes Wohl verzögern, aber nicht hindern können.
Abg. D ö b r i ch (Chr.-Rat. Bauernp.) meint, die Reparationslast werde zum größten Teil von den deutschen Bauern getragen. Der Boung-Plan bedeute eine Verschlechterung dem Dawes- Plan gegenüber, denn dieser sei nur als ein Provisorium gedacht gewesen, während der Boung-Plan die dauernde Tributspflicht bringe. Die Crfüllungspolitik habe dem deutschen Volk noch nicht die geringste Milderung gebracht. Die Christlich-Rationale Bauernpartei stelle ihre Bedenken gegen den § 4 nicht zurück, aber sie verlange, daß die Außenpolitik im Sinne des Freiheitsgesetzes geführt werde.
Abg. Best (Volksrechtp.) erklärt sich gegen den Voung-Plan, der die Lasten von den starken auf die schwachen Schultern abwälze. Die Vorlage des Volksbegehrens sei aber nicht ein geeignetes Mittel zur Entlastung des Volkes. — Damit ist die erste Beratung beendet.
Abg. Dr. Oberfahren (Sn.) beantragt die Heberweisung der Vorlage an den Rechtsaus- schuß. Die Ausschußüberweisung wird a b gelehnt. Gegen 19 Hhr wird die zweite Beratung auf Samstag, 10 Hhr, vertagt.
Vor -erAbstirnnmng über den
Eine Nachtsitzung
dcr Teutschnationalen Fraktion.
Berlin, 30. Roo. (IVB.) Die Jrattions- fitjung der Deutschnationalen Volks- partei wurde gegen 24 Ahr unterbrochen, um einem Teil der deutschnationalen Fraktion, ungefähr 20 Abgeordneten, Gelegenheit zu geben, sich zu einer Sonderbesprechung zurückzuziehen. Gegen 1 Uhr war diese Sondersitzung beendet, und die Fraktionssitzung nahm ihren Fortgang. Hebet die Auseinandersetzung in der deutschnatio- nalen Reichstagsfraktion berichtet die „DAZ.", daß folgende deutschnationale Beichstagsabgeordnete bei der heutigen Abstimmung im Reichstagsplenum sich einer Stellungnahme zum § 4 entziehen und dadurch ihre abweichende Haltung zum Ausdruck bringen werden: Bazille, Behrens, Hartwig, hoehsch, hülser, v. fieubeü, filönne, Lambach, Lejeune-Zung, von Lindeiner-Ditdau,
Mentzel, Mumm, Reichert, Schiele, Schlange-SchS. ningen, Schmidt-Stettin, Treviranus, Dallraf. — Allerdings spielte in den gestrigen Fraktionsbe- ratungen noch ein Bcrmittlungsantrag eine gewisse Bolle, der darauf abzielt, auf eine Abstlm- mung über § 4 — nach der oorauszusehenden Ab- lehnung der Paragraphen 1 bis 3 — überhaupt zu verzichten. Die juristische Prüfung der Durchführbarkeit dieses Antrages, der anscheinend von der Parteiführung als Kompromiß angenommen werden würde, war noch nicht abgeschtosten. ' >enfo ist es noch nicht entschieden, ob die gegen d.n §4 eingestellten Abgeordneten — falls sie der Abstimmung fernbleiben — diese ihre Haltung durch eine besondere Erklärung unterstreichen.
Eaarkundgebung im Preußischen Landtag.
Tie Zukunst der Saarckrubcn
Berlin, 30. Noo. Der Preußische Landtag erlebte am Freitag die seltene Tatsache einer abs 0. luten Einmütigkeit unter Führung der Staatsregieruna, wenn man von den grundsätzlich alles verneinenden Kommunisten absieht. Die preu- ßischen Regierungsparteien hatten sich verpflichtet gefühlt, angesichts der schwebenden Verhand- iungen über d i e Rückgabe des Saar« gediets eine Interpellation einzubringen, n der sie sich gegen die Pläne französischer und deutscher Industrieller wenden, die wertvollen Saargru- ben nicht in den Besitz des preußischen Staater zurückkehren zu lassen, sondern in den des Privat- kapitals, eventuell in Form einer deutsch-französischen Gesellschaft. Ministerpräsident Braun erklärte namens der Staatsregierung, daß sie jeden dahingehenden Versuch auf das schärfste verur, teile. Auf die Bemerkung des Begründers der Interpellation, Abg. Haas (Soz.), daß besonders der Großindustrielle Otto Wolf (Köln) diese Pläne verfolge, erwiderte Braun, jeder private Eingriff gegen die Zurückführung der Saargruben in den uneingeschränkten Staatsbesitz bedeute besonders int gegenwärtigen Zeitpunkt eine schwere Gefährdung der nationalen Möglichkeiten Deutschlands und eine Verletzung der berechtigten Interessen der Saarbevölkerung. Die Reichsregierung sei erst kürzlich von dieser Auffassung unterrichtet worden und der Reichskanzler habe erwidert, daß die Reichsregierung die preußische Auffassung in dieser Frage völlig teile und sich für ihre Durchsetzung mit allen Mitteln ein fegen würde. In der Debatte stellten sich alle Fraktionen hinter die Erklärung des Ministerpräsidenten.
VeitragSerhöhung in der Arbeitslosenversicherung? Eine Deckung des Defizits aus der Reichs« kaffe unmöglich.
Berlin, 30.Nov. (WTB. Funkspruch.) Wie dcr Demokratische Zeitungsdienst erfährt, ist im Beichs- arbeilsministerium eine Vorlage ausgearbeitet, dir vorfieht, den gesetzgebenden Körperschaften in nächster Zeit eine Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosen- Versicherung um drei viertel vom hundert vorzuschlagen. Dieser Vorschlag ist entstanden, weil man im Beichsarbeitsministerium zur Zeit keinen anderen weg sieht, um das entstandene und das noch entstehende Defizit bei der Arbeit» losenversicherung auszugteichen. Dieses Defizit wird bei dem jetzt in Geltung befindlichen Beitrag von 3 v.h. auf rund 2 00 Millionen Mart geschäht. — Der Beichsfinanzminister hat sich bei den bisherigen Verhandlungen außerstande gesehen, diese Beträge ausderBeichskassezm Verfügung zu stellen. Auch eine darlehens- weise Hingabe erscheint für die Beichskofse nicht tragbar.
Oer Abschluß
der hessischen Staatsrechnung 1928.
Darmstadt, 29. Rov. Amtlich wird mit- geteilt: Der letzte Monatsausweis über die Einnahmen und Ausgaben des hessischen Staats enthält das endgültige Ergebnis des Rechnungsjahres l 928. Gegenüber dem voranschlagsmäßigen Fehlbetrag vor 11,435 Mill. Mk. schließt dieses Jahr nur nvj einer Mehrausgabe von 5,791 Mill Mark ab. Diese erfreuliche Entwicklung ist neben der erhöhten Ergiebigkeit einzelner Einnahmequellen einer f p ar f amen Wirtschaftsführung zu verdanken. Bemerkt sei, daß die neue Besoldungsord- nung sich im Rechnungsjahr 1928 bereit* voll au Sgetoirft hat. Das Ergebnis des Rechnungsjahres 1929 wird sich freilich voraussichtlich weniger günstig gestalten der Abschluß 1928.
Aus aller Welt.
Mißglückter BaubüberfaU auf eine Sparkasse.
In Hamm ist die Kreissparkasse abends do" zwei mit Armeepistolen bewaffneten maskierten Räubern überfallen worden. Währen! der eine im Flur blieb, um seinem Genossen dc" Rücken zu decken, stürmte der andere mit erhobener Waffe auf den Kassenschalter zu. Der Kassierer warf sofort den Schalter zu, zog eine Drahthaube über die Kasse uni rettete sich unter den Zahltifch. Die Buchhaltern am Rebenschalter, die der Räuber darauf ebenfalls mit der Pistole bedrohte, lieh sich auf fr’ Erde gleiten und kroch mit dem lauten Alarrn- ruf „Ueberfall“ unter dem Schalterbrett hinwci in die Dureauräume. Das Personal flüchtete o das Direktionszimmer und sprang durch dw Fenster ins Freie. Die Räuber flüchtete» nun durch den Haupteingang, ohne etwas erbeutet zu haben. Sie verschwanden unerkannt in den angrenzenden Anlagen. Ds einigen Wochen erst ist in der KreissparkasX ein Einbruch versucht worden.
verbrannt auf der Landstraße aufgesunden.
Auf der Staatsstraße zwischen Regensburj. und Etterzhausen wurde ein vollständig oerbranntd kleiner Opelwagen und die verkohlte Leich'' seines Führers gefunden. Rach den PapierU. handelt es sich um einen Geschäftsreisenden ati Sachsen. Wie der Brand entstanden ist, ob Unglu- oder Verbrechen oorliegt, wird die nähere Untr fud’ur.g ergeben.
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Für di Obei Eins; Naci: Untt Unti Kraj
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