Nr. 229 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Montag, 50. September 1929
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MetzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen ■
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Zündholzmonopol und Reichsfinanzen
Der schwedische Zündholzkönig Kreuger bieiei dem Reich eine Anleihe von 6VVMillionenReichsmark an gegen die Einräumung eines Giaaismonopols für den Gchwedenirust.
Berlin, 28. Sept (prio.-Zttelbung.) Die „B. 3." berichtet, daß der schwedische Streichholzkönig Ivar kreuger in Berlin eintrefsen werde, um mit dem Reichswirtschaftsministerium in Verhandlungen einzutreten, die darauf abzielen, die von der R e i d) s r e g i e r u n g überwachte 3 ünd- holzindustrle zu einem Monopol aus- ; ubauen, das den Einfluß fireugers, der bereits jetzt 70 v. h. der deutschen 3ündholzindustrie kontrolliert, weiter ausdehnt, fireuger soll als wesentlichste Gegenleistung der Reichsregierung die Vermittlung eines verhältnismäßig billigen Staatskredites von etwa 150 Millionen Dollar, clfo über 600 Millionen Mark anbieten.
hierzu erfahren wir von unterrichteter S^ite, daß fireuger tatsächlich bereits in Berlin gewesen ist und daß Verhandlungen dieser Art schon stattgefunden haben; sie sind aber noch keineswegs abgeschlossen. Dieses Projekt war einer der wichtigsten Pläne in dem kommenden Zinanzierungs- und Steuersenkungsprogramm. Die Veröffentlichung der „B. 3.“ wird in unterrichteten politischen fireifen außerordentlich bedauert, weil sie geeignet sei, die IDeiteroerfotgung der ganzen Angelegenheit un- gemein zu erschweren, wenn nicht unmöglich zu machen. Die Schwierigkeiten des deutschen 3ündholz- syndikats sind schon vielfach Gegenstand besorgter (Erörterungen gewesen. Infolge der Heber- fchwemmung des deutschen Marktes mit russischen 3ündhöl;ern ist es nicht möglich gewesen, die Leistungsfähigkeit der der Deutschen 3ündhot;-verkaufs-A.-G. angeschlossenen Werke auszunuhen. Die Gesellschaft hat stets mit Anterbilanz gearbeitet und wies in ihrem Abschluß vom letzten Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von 350000 Reichsmark bei einem Aktienkapital von einer Million auf. Inzwischen haben sich die Verhältnisse der Gesellschaft noch weiterwesenttichverschtechtert. Rur eine wirksame Abwehr der ausländischen Konkurrenz kann hier offenbar Abhilfe schaffen. Bei dieser Sachlage wäre es durchaus verständlich, roehn d i e schwedische Gruppe, die bereits mit 65 v. h. am deutschen 3ündhotzsyndika' beteiligt ist, mit ihrem Vorschlag der Einführung eines deutschen 3ündholzmonopots auf Entgegenkommen bei hiesigen maßgebenden Stellen stößt. Andernfalls mühte man mit dem völligen Ruin der deutschen 3ündhol;industrie mit allen ihren schlimmen Folgen für die Volkswirtschaft rechnen.
Wenn ein Staat Geld braucht, wendet er sich gewöhnlich an die großen Danken, die die Unterbringung einer Anleihe vermitteln sollen. Zu den wenigen Industrieunternehmen, die längst die Finanzkraft der Danken erreicht haben und ebenfalls als Staatsbankiers auftreten, gehört der schwedische Streichholztrust, mit dem die Reichsregierung, wie soeben bekannt wird, über eine Anleihe von 600 Millionen Mark verhandelt hat. Disher hat der Schwedentrust neun Regierungen Staatsanleihen bewilligt und sich dafür in der einen oder der anderen Form das Zündholzmonopol übertragen lassen. Polen hat sechs Millionen Dollar erhalten, E e u a ö o r zwei Millionen Dollar, Griechenland eine Million englische Pfund, Estland sieben Millionen schwedische Kronen, Ungarn 36 Millionen Dollar, Lettland sechs Millionen Dollar, Südslawien 22 Millionen Dollar und Rumänien 30 Millionen Dollar. Das sind alles verhältnismäßig kleine Mächte, denen cs im allgemeinen gleichgültig war, wer ihnen Geld geborgt hat, wenn sich nur die leeren Kassen endlich wieder einmal auffüllten. Aber zu den Schuldnern des Schwedentrustes gehört auch Frankreich mit einer Anleihe von 75 Millionen Dollar, so daß das weltbeherrschende Streichholzunternehmen insgesamt rund 800 Millionen Mark an die Regierungen ausgeliehen hat. Der Zinsfuß, den die verschiedenen Staaten bewilligen mußten, schwankt zwischen 5 Prozent bei der französischen Anleihe und 8 Prozent bei dem Darlehen an Ecuador, ist also sehr verschieden je nach der Dedeutung und der finanziellen Sicherheit des betreffenden Landes. Wenn man berücksichtigt, daß die Regierungen nicht den vollen Betrag der Anleihe ausgezahlt erhielten, sondern in einen Uebernahmekurs von etwa 94 Prozent einwilligen mußten, stellt sich die durchschnittliche Derzinsung auf rund 6 Prozent. Das ist für die heutigen Verhältnisse auf dem Geldmarkt sehr wenig, aber doch kein schlechtes Geschäft für den Schwedentrust, der sich gewöhnlich durch eine Erhöhung der Streichholzpreise schadlos zu halten versteht. Die Fabrikate des Schwedentrustes kosten nämlich in den verschiedenen Ländern nicht dasselbe; in Peru, wo der Trust ein Staatsmonopol besitzt, muh man für die Schachtel Streichhölzer 20 Pf. bezahlen! Das ist etwa das Zehnfache des heute in Deutschland üblichen Preises.
Wie sehen nun die Monopolverträge aus, die Ivar Kreuger mit den einzelnen Regierungen abgeschlossen hat? In Lettland wurde ein Abkommen auf 35 Jahre geschlossen, das den Trust verpflichtet, nur eine emzige Fabrik stillzulegen, während der Staat jede Einfuhr von Zündhölzern verhindern muß und seine Steuern auf Streichhölzer nickt wesentlich erhöhen darf. Ferner mußten dem Scywedentrust Wälder von Espenholz zur Verfügung gestellt werden, weil die russische Regierung, der wichtigste Konkurrent Ivar Kreuzers, seit fast einem Jahr kein Espenholz mehr an den Schwedentrust liefert. Rumänien hat eine sehr günstige Anleihe erhalten, mußte aber das Zündholzmonopol ebenfalls für 30 Jahre den Schweden übertragen. Der Trust garantiert dem rumänischen Staat eine Mindesteinnahme von drei Millionen Dollars jährlich. Während natürlich die Einfuhr von Streichhölzern verboten wird, dürfen Zündholzmaschinen und die für die Fabrikation notwendigen Rohstoffe zollfrei importiert werden; ferner darf keine Steuer von den Zündholzsabriken erhoben werden. In Jugoslawien erhält der Staat außer der Anleihe für die Verpachtung des Zündholzmonopols ein Viertel des Bruttogewinnes, muß sich aber ebenfalls für 30 Jahre binden. Schon in den ersten zehn Jahren darf der Verkaufspreis für die Streichhölzer verdoppelt werden, und nach dem Ablauf des ersten Jahrzehntes find schon jetzt weitere Erhöhungen in Aussicht genommen. In Ungarn hat sich die Regierung ebenfalls dazu bereitgefunden, dem Monopol höhere Preise zu bewilligen. Während vor dem Abschluß des Vertrages vier Heller für die Schachtel bezahlt wurden, find für die ersten anderthalb Jahre des Monopols fünf Heller festgesetzt worden, und anschließend soll der Preis auf sechs Heller erhöht werden. Gleichzeitig wird aber auch der Zwischenverdienst der Händler herabgesetzt, so daß die Gewinne des Schwedentruftes noch weit erheblicher find. Im ungarischen.Parka» ment kam es bei der Beratung des Monopolgesetzes zu unglaublichen Auftritten. Die Opposition veranstaltete ein Konzert mit Pultdeckeln und ließ keinen Negierungsoertreter ausreden; dennoch wurde der Gesetzentwurf angenommen. Das find ein paar Beispiele für die Bedingungen, die der Schwedentrust für die Auflegung von Staatsanleihen gewöhnlich stellt. Damit sind aber nicht die Länder aufgezählt, in denen der Trust schon das Monopol besitzt. Peru hat es ihm zum Beispiel ohne jedes Darlehen gewährt.
Die Macht des Schwedentrustes erstreckt sich nicht nur über die Länder, in denen ihm von der Regierung ein Monopol eingeräumt worden ist; Kreuger besitzt auch Fabriken in Skandinavien, in England, in Rord- und Südamerika, er ist überragend in der in* dischen Streichholzindustrie, die ein Volk von 325 Millionen Menschen versorgt, und hat gewaltige Unternehmen in China und Japan. Tatsächlich verbraucht drei Viertel der Menschheit Fabrikate des Schwedentrustes, dem auf seinem Siegeszug nur dreimal ernsthafte Konkurrenten gegenübergetreten sind. Zunächst stieß er auf den Widerstand Rockefellers, mit dem er sich aber bald einigte, so daß eine gemeinsame schwedischamerikanische Streichholzfirma gegründet werden konnte. Dann traten d i e Japaner mit dem Schwedentrust in Wettbewerb; doch wurden sie durch Preisunterbietungen so lange zermürbt, bis sie es vorzogen, die Waffen zu strecken und den Schweden ihre Fabriken zu verkaufen. Schließlich trat Rußland als Rivale auf. Schon vor dem Krieg war Rußland ein bedeutender Streichholzfabrikant. In seinen ausgedehnten Wäldern gibt es ungeheuer viel Espenholz, mit dem es bis 5um vergangenen Jahr auch den Schwedentrust beliefert hat. Früher verkaufte Rußland besonders viel Streichhölzer an Persien und an England; Krieg und Revolution zerstörten seine Produktionskraft, und erst im Jahre 1924 begann das Sowjetreich wieder langsam mit der Ausfuhr von Streichhölzern. Zunächst gingen die Kisten mit dem feuergefährlichen Inhalt nach China, der Mongolei, Afghanistan, Persien, der Türkei, Palästina, Aegypten und Griechenland. Als die Streichholzproduktion in Rußland zunahm, versuchte man, auch in Europa Absatz zu finden. Man unterbot den Schwedentrust in Deutschland, Delgicn und England, und im Mai dieses Jahres wurde sogar ein Vertrag mit Doli- vien abgeschlossen.
Besonders hartnäckig war der Kampf der russischen und der schwedischen Streichholzindustrie um den deutschen Markt. In der Inflationszeit gelang es Ivar Kreuger, zwei Drittel des deutschen Zündholzkapitals aufzukaufen. Die noch nicht vom Schwedentrust erfaßten Fabriken fühlten sich im Anfang des Jahres 1926 schwer bedroht und forderten Schutzmaßnahmen der deutschen Regierung, denn Kreuger pflegte die Zündholzindustrie eines Landes auch unter schweren eigenen Opfern so lange zu unterbieten, bis er sie erobert hatte, um dann die Preise nach feinem Ermessen in die Höhe zu schrauben. Im Juli 1926 wurde ein Z ü n d h o l z s y n d i - k a t gebildet, und ein Jahr darauf beschloß der Reichstag ein Sperrgeseh, das die Errichtung neuer Zündholzfabriken von der Erlaubnis des Reichswirtschaftsministeriums abhängig macht. Dennoch sind inzwischen neue, dem Syndikat
fernstehende Fabriken entstanden, die als Außenseiter den Schwedentrust unterboten haben, so daß Kreuger zunächst von der in Deutschland errungenen Vorherrschaft keine Vorteile hatte. Zur Freude der deutschen Hausfrau, die durch den Preiskampf der verschiedenen Zündholzmächte billige Streichhölzer erhielt, trat dann auch noch die russische Zündholzindustrie als Konkurrent auf. Die Schweden verloren vor mehr als einem halben Jahr ihren letzten Kunden in Deutschland, die Edeka-Gesellschast, der 415 kaufmännische Einkaufsgenossenschaften mit etwa 30 000 Einzelhandelsgeschäften im ganzen Reich angeboren, und die nun dazu überging, russische Zündhölzer zu vertreiben. Run entbrannte ein offener Krieg. Der Schwedentrust erklärte, nur noch solche Firmen zu beliefern, die keine russischen Fabrikate verlaufen, und versuchte dadurch
Paris, 29. Sept. (WB.) Kriegsminister P a i n- l e v e erklärte in Bedonviller in Lothringen an dem Gefallenendenkmal: Kein Land hat sich zu einer Rüstungseinschränkung entschlossen, die derjenigen vergleichbar wäre, die sich Frankreich auferlegt hat, als es die Dauer der Militärdienstzeit auf ein Jahr hcrabsetzte. Der Plan derGrenzoerteidigung ist endgültig fertiggestellt. Die Ausführung wird in dem kommenden Jahre noch rühriger betrieben werden. So wird die Hälfte der Blockhäuser und der Kasematten, die die Rheingrenze zu verteidigen Haden, vor diesem Winter,- und die andere fjäfftc düt dem nächsten Sommer fertigge stellt sein. Man kann zusammenfassend sagen, daß im Oktober 1930 die neuen Militärgesetze voll in Wirkung getreten sein werden. Painleve wandte sich in diesem Zusammenhang gegen die in Frankreich hervortretende Abneigung gegen eine Heeresorgani- sation auf der Grundlage der allge - meinen Wehrpflicht und erklärte: Das Beispiel der deutschen Armee ist wie ein Zauberspiegel, der gewisse Kreise fasziniert. Gewiß hat es in Deutschland ein hervorragender G e - neral verstanden, die Bestimmungen des Versailler Vertrages für den militärischen Organismus des Reiches in der glücklichsten Weise nutzbar zu machen. Er darf auf sein Werk, das vom technischen Standpunkte aus Bewunderung verdient, stolz fein. Er darf versuchen, es zum Nutzen seines Landes zu verwenden. Aber das ist kein Grund, daß man in Frankreich seine Theorie in fast kindischer Weise auslegt und sich durch angebliche 2Ingriffspläne hypnotis ie- r c n läßt, die gerade durch ihre Verwegenheit rasch zu einem Zusammenbruch führen würden.
Sozialistische Kritik.
Die Rede dcs-Kriegsministers wird vom sozia- /istischcn „PoPulaire" scharf kritisiert. Das Blatt wirft Painleve Unehrlichkeit und banale Großsprecherei vor. Sein Hymnus auf den Frieden lasse den Eindruck bestehen, daß man den Bock zum Gärtner gemacht habe. Painleve habe den Mut besessen, zu behaupten, daß Frankreich von allen Ländern am meisten für die Abrüstung getan habe, indem es Öen.
Berlin, 28. Sept. (WTD.) Die Millionenbetrügereien der Gebrüder 6' tret sind durch eine halbprivate Unterhaltung zweier Revisoren ans Licht gekommen. Ein für die Berliner Stadtbank bestellter Revisor bekam vor einigen Wochen eine Anzahl Unterlagen für den Abschluß des Monats August und darunter auch eine Bestellung der Stadt Spandau bei der Firma Sklarck in Hohe von 69 000 Mark. Dieser Betrag erschien dem Revisor auffällig, denn das Wohlfahrtsamt des relativ kleinen Bezirks verfügt nicht über so große Summen, daß man allein für 69 000 Mark Anzüge hätte kaufen können. Der Revisor ersah dann aus der Kasse der Stadtbank, daß der Betrag an die Sklareks tatsächlich ausgezahlt worden war. Da der Beamte mit einem im Bezirksamt Spandau tätigen Revisor befreundet war, rief er diesen an und fragte, ob etwa in Spandau bei der Anweisung der 69 000 Mark ein Schreibfehler vorgekommen sei. Der Spandauer Beamte erklärte sofort, daß seines Wissens in den letzten Monaten keine Bestellung erfolgt sei, die auch nur annähernd die Höhe dieser Summe erreicht hätte. Beide Revisoren trugen darauf dem Bürgermeister von Spandau diesen Fall vor. Der Bürgermeister ließ nunmehr auch andere Unterlagen, die seinen Bezirk betrafen, prüfen und stellte fest, daß die Aufträge fast samt und sonders gefälscht bzw. zugunsten der Firma Sklarek erhöht worden waren. Man stellte fest, daß die
die Russen aus dem Feld zu schlagen, die grundsätzlich stets 10 Prozent billiger als Kreuger» Unternehmen ihre Waren anboten. Ob es sich dabei um Verlustgeschäfte zur Eroberung de» deutschen Marktes handelt oder ob die Russen tatsächlich billiger produzieren, mag dahingestellt bleiben. Die Lage ist ähnlich wie in der Petroleumindustrie, in der die Russen auch nur auf diese Weise ins Geschäft gekommen sind. Tatsächlich muhten die deutschen Unternehmen de» Schwedentrustes ihre Dividende halbieren und ständig größere Betriebseinschränkungen anorö« nen. Um diesem Zustand ein Ende zu machen, erneuert Ivar Kreuger jetzt seinen schon vor etwa vier Jahren gemachten Vorschlag, ähnlich wie in anderen Ländern gegen eine günstige Anleihe das Staatsmonopol dem Schweden* trust zu übertragen.
Militärdienst auf ein Jahr hcrabsetzte. Dabei sei das Budget des Kriegsmini st e- r i u m s, unter Berücksichtigung der Geldentwertung, hoher als vor 1914 und habe die Tendenz, weiter zu steigen. Painlevä komme es daraus an. sein Ministerium, in dem er einen Fehler nach dem anderen begehe, zu behalten, und er würde zu diesem Zweck bei der innerpolitischen Auseinandersetzung die Rechte ebenso verraten, wie er früher die Linke verraten habe. — „CS re Rouvelle" stimmt dagegen der Rede Painlcvös restlos zu: „Der Kriegsminister spricht sich nicht für den Gedanken der Abrüstung au», aber er erinnert daran, daß wir durch Einführung der einjährigen Dienstzeit mit gutem Beispiel borangegangen sind. Es ist ungerecht, Painleve einen Dorwurf daraus zu machen, daß er in einem bewaffneten Europa kein entwaffnetes Frankreich will. Es ist nicht wahr, daß wir Deutschland, selbst wenn es von einem genialen Führer geleitet wird, auf Gnade und jlngnabe preisgegeben sind. Wenn man behauptet, daß Frankreich schlecht verteidigt fei, so arbeitet man weder für Frankreich, noch für Europa."
Ein Gedenkstein
auf dem Hartmannsweilerkopf.
Auf dem Hartmannsweilerkopf wurde ein Gedenkstein und eine Krypta für die sterblichen Reste der auf dem Haratmannsweilerkopf gefallenen nicht identifizierten Frontkämpfer eingeweiht. Nach den offiziellen Vertretern der verschiedenen Kultusgemeinden erklärte General de Pauydraglin: Wir haben nicht ein stolzes Denkmal kriegerischen Triumpfes, sondern den ruhmreichen Toten eine ihrer würdigen Ruhestätte und den Ueberlebenben eine Stätte ft i 11 e n (Beben f e n s errichten wollen. Ich bitte darum, daß diese Gefühle auch für diejenigen gelten, die auf der anderen Seite kämpften und auch einen Anspruch auf unsere ehrfurchtsvolle Anerkennung haben. Der Feier wohnten zahlreiche Deutsche bei, die gekommen waren, um das Gedenken der am Hartmannsweilerkopf gefallenen deutschen Kämpfer zu ehren.
Ramenszüge der zuständigen Deamten offenbar mit einem Stahlstift durchgepaust und nachgezogen worden waren.
Dürgerrneister S ch o l h, der in Abwesenheit des Oberbürgermeisters Boß die städtische Untersuchung in der Affäre Sklarek und ihrer Zusammenhänge in die Hand genommen hat, erklärte über seine bisherigen und noch geplanten Maßnahmen u. a. folgendes: „Die von ter städtischen Verwaltung geführte Untersuchung hat bisher eine strafbare Handlung von Deamten nicht ergeben. Ich habe daher von einer dienstlichen Beurlaubung der in Frage kommenden Beamten Abstand genommen. Da» Disziplinarverfahren gegen den Direktor der Stadtbank, Schmitt, den Direktor Hoffmann und den Abteilungsdirektor Schröder ist eröffnet. Der Syndikus der Stadtbank, Dr. L e h r m a n n , hat zur Klarstellung der ihn betreffenden Tatsachen selbst die Einleitung des Disziplinarverfahrens bei mir beantragt. Laut „Voss. Ztg." sind bisher einige hundert Fälschungen der Gebrüder Sklarek festgestellt worden. Allein in den Sommermonaten dieses Jahres sind den Sklareks auf diese Weise 3,5 Millionen Mark in die Hände gefallen.
Oie Brüder Sklarek und die S. p. O.
Berlin, 30. Sept. Die Brüder Willi und Le o Sklarek hatten vor etwa einem 2ahr ihren Eintritt in die Svzialde-
Frankreichs Rüstungen und das deutsche Wehrsystem. Eine Rede painleves verteidigt die französische Armeeresorm.
Sie Velrügereien der Gebrüder Sklarek.


