Hoch- und Weitsprung, Diskus- und Speerwerfen, und Kugelstoßen. Die Jugendlichen sind in A=, 6-, C-, D=, E- und E-Klassen eingeteilt.
Fußballklub 1926 Großen-Buseck.
Der Sportverein 1920 Heuchelheim sendet seine erste Iugendmannschaft nach Großen- Buseck, um in einem Gesellschaftsspiel der F.C.- Jugend gegenüberzustehen. Da sonst keine sportliche Betätigung der Sportvereine in Großen-Buseck zu erwarten ist, ist dieser Begegnung besonderes Interesse beizumessen.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Am kommenden Sonntag herrscht Hochbetrieb auf allen Fußballfeldern des 3. Bezirks. In Gießen stehen sich im Kreisklassenspiel Gießen I — Frankfurt - Bockenheirn I gegenüber. Hier dürfte ein interessantes Spiel zu erwarten sein, da die Gäste wohl die reifere Spielerfahrung besitzen und demgemäß auch wohl Sieger bleiben werden.
Vorher stehen sich Gießen Ib — Naunheim I im Serienspiel gegenüber. Naunheim, das wieder mit seiner alten schlagkräftigen Mannschaft antritt, wird sich wohl den Sieg nicht streitig machen lassen.
Den Beginn macht die Jugend Gießens, die abermals einen Nachbarn, Klein-Linden zu Gast hat und bei diesem Spiel wohl Sieger bleiben wird.
Auch in W i e s e ck herrscht Hochbetrieb. Bereits vormittags stehen sich die 2. Jugend des Platzver- cins und Watzenborn Jugend gegenüber. Wer hier Sieger bleiben wird, muß offen gelassen werden. Nach der Mittagspause stehen sich Wiesecks 2. Mannschaft und der Neuling des Bezirks, Rödgen I, gegenüber. Dieses Spiel werden die Einheimischen infolge ihres reiferen Könnens für sich entscheiden. Anschließend werden sich Wiesecks I. Jugend und Naunheims Jugend ein interessantes Spiel liefern, dessen Ausgang ungewiß ist. Den Abschluß machen die 1. Mannschaft des Platzvereins und Wetzlars 1. Mannschaft. Wieseck, daß eine Umstellung erfahren hat, wird seinen Gegner nicht unterschätzen dürfen, wenn es den Sieg nicht aufs Spiel setzen will.
In Lollar stehen sich Lollar I — Heuchelheim I gegenüber. Hier wird cs ein scharfes Treffen geben, dessen Ausgang offen zu lassen ist.
In der zweiten Bezirksklasse treffen sich in Klein-Linden Leun 1 — Klein-Linden I; hier wird der Glücklichere Sieger bleiben.
Waldgirmes I und Beilstein I werden sich in Waldgirmes ein gleichwertiges Spiel liefern.
Auch im Spiele Grün berg I — Hachborn! in Grünberg wird der Glücklichere Sieger bleiben.
Treis I wird in Saubringen aegen die dortige 1. Mannschaft alles hergeben müssen, wenn es keine hohe Niederlage erleiden will.
Staufenberg I und Hungen I werden sich in Staufenberg ein spannendes Spiel liefern, bei dem die Gäste Sieger bleiben werden.
Beuern wird auf eigenem Platze Oppenrod zum Gegner haben und sich mächtig anstrengen müssen, wenn es eine hohe Niederlage verhindern will.
Ebenso wird Burkhardsfelden gegen Oden hausen in Odenhausen einen Sieg mit nach Hause nehmen.
Großen-Linden Jugend und Wißmar Jugend stehen sich in Großen-Linden gegenüber.
Rodheim Jugend — Heuchelheim Jugend werden sich in Rodheim ein gleichwertiges Treffen • liefern.
Oer Sport am kommenden Sonntag.
Der kommende Sonntag bringt wiederum eine ganze Reihe von besonders interessanten sportlichen Begegnungen. Zu diesen gehören in erster Linie die L ä n d e r k ä m p f e, die Deutschland zu gleicher Zeit gegen Frankreich und gegen dieSchweiz auszutragen hat. Dazu kommen die zahlreichen Fußballoerbandsspiele, die Nationalen Deutschen Tennismeisterschaften, die Deutschen Po-
Dämonen der Zeit.
Vornan von Arthur Brausewetter.
17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Wir hatten uns auf den alten geschnörkelten Rokokostühlen niedergelassen. Eine ganze Weile saßen wir uns schweigend gegenüber.
„Mein Vater hielt große Stücke auf Sie," nahm sie dann das Gespräch auf. „3n den letzten Stunden waren Sie bei ihm. Haben feine letzten Worte gehört, Eie brachten ihn mir ins Haus, als -er sein armes beben ausgehaucht hatte. Seit meiner frühesten Jugend sind Sie mit den Freuden und Leiden unseres Hauses verwachsen gewesen — und wundern sich, daß mich diese unerwartete Lösung Ihrer Beziehungen zu uns in einiges Erstaunen versetzt?"
Ich weiß nicht mehr, was mir bei ihren Worten alles durch den Kopf ging. Was ich bisher instinktmäßig und aus nüchterner Heberlegung heraus getan, sah ich plötzlich in einem anderen Lichte. Ich wollte cd ihr sagen, wollte ihr klarlegen, daß, wenn ich aus ihrem Geschäfte schiede, mein Verhältnis zu ihr und ihrem Hause dadurch in. keiner Weise berührt und gar getrübt werden könnte — da riß mich ihr Wvrt aus all den Himmeln, die mir durch das Ernste und Schwere unserer Unterredung dennoch leuchteten.
„3m übrigen hat für mich persönlich 3hr Gehen oder Bleiben nur geringe Bedeutung. 3ch begleite morgen meine Mutter in ein Bad und muh später selbst ein solches aussuchen."
Cs war wieder in der alten, kühlen QIrt gesprochen. Fast wie eine Abweisung hörte es sich an.
„Wie lange gedenken Sie fortzubleiben?" bemühte ich mich, ebenso gleichgültig zu fragen.
„3ch weiß es nicht. Es kommt auf die Aerzte an. Vielleicht bis zum November, ilnö wer kann sagen, was bis dahin alles geschehen ist."
Ediths Blick irrte von mir ab, verlor sich in die leise aufsteigende Dämmerung des Zimmers. Die Wolken hatten sich geteilt. Ein müder Sonnenstrahl stahl sich durch die kleinen Gitterscheiben des altertümlichen Fensters. 3hr Haar flimmerte wie Metall, als er es traf.
„Gehen Eie nicht.. .!"
3d) weih nicht, wie ich darauf kam, es zu sagen. Es war wie eine fremde Gewalt, die mich trieb.
Sie sah mich mit erschreckten Augen an.
„Wenn Ihnen meine Kündigung nicht recht ist ... 3d) will sie zurücknehmen. Lind wenn ich Herrn Faßbender bitten mühte, mich in seinem Geschäft zu dulden---"
Sie nahm meine Hand, mütterlich fast, als wollte sie mich beschwichtige» Aber ich fühlte
lizeimeisterschaften und wie die Veranstaltungen alle heißen.
Fußball: Von den Verbandsspielen erwartet man im allgemeinen Ueberraschungen. Der kommende Sonntag wird keine Ausnahme machen. Es spielen: Gruppe Main: Kickers Offenbach — Eintracht Frankfurt, F. S. V. Frankfurt — Germania Bieber, Hanau 93 — Rotweiß Frankfurt, Griesheim 02 — Union Niederrad. — Gruppe Hessen: Alemannia Worms — Wormatia Worms, S. V. 98 Darmstadt — Mainz 05, S. V. Wiesbaden — V. f. L. Neu-Isenburg, Hassia Bingen — 1. F. C. Langen. — Gruppe Saar: Saar 05 — Sportfreunde Saarbrücken, F. V. Saarbrücken — F. C. Pirmasens, V. s. R. Pirmasens — V. f. R. Kaiserslautern, Borussia Neunkirchen — 1. F. C. Idar. — Gruppe Rhein: S. D. Waldhof — Mannheim 08, Mun- denheim — V. s. R. Mannheim, V. s.L. Neckarau — Phönix Ludwigshafen, Rohrbach — Sandhofen.
Leichtathletik: Gegen die Schweiz und gegen Frankreich, das ist wirklich keine leichte Aufgabe, die sich die DSB. am kommenden Sonntag in Zürich und in Paris gestellt hat. Trotzdem sind in beiden Begegnungen die Siegeschancen für Deutschland nicht gerade gering.
Kunstturnen.
Sicherem Vernehmen nach ist der große Gau - geräte-Wettkampf zwischen den Gauen Frankfurt a. M., Hessen und Rhein-Mosel für Ende September oder Anfang Oktober zu erwarten. Von jedem Gau werden die neun besten Turner zu einer Mannschaft zusammengestellt. Der Wettkampf erstreckt sich auf Reck, Darren, Pferd, Freiübung und Pferd-Sprungübung. Als Kampfrichter werden bewährte Turner aus Darmstadt, Mainz und Wiesbaden tätig fein. Die Zuschauer können an Hand einer besonderen Anzeigetafel den jeweiligen Stand des Wettkampfes verfolgen. Als ersten Ort der Austragung hat man Gießen bestimmt. Der Ausgang des Wettkampfes ist völlig offen, wenn man auch den Turnern des Gaues Frankfurt infolge größerer Erfahrung auf diesem Gebiete ein kleines Liebergewicht einräumen darf. 3edoch U er fügen auch die beiden anderen Gaue _ über Turner ganz großen Formates, deren Können sicherlich ein gewisses Gegengewicht bedeutet. Spannend wird dieser Wettkampf sicherlich, da hier so viele gute Turner tätig sind, wie man sie selten in solcher Zahl bei einer Veranstaltung wieder findet.
Handball Tv. 1899 Großen-Buseck.
Wider Erwarten konnten die Gastgeber die erste Komp. Jnf.-Rgt. 15 hoch mit 7:1 (1:0) schlagen. Die Gäste waren im Feldspiel gleichwertig, doch fehlte immer der krönende Schuß, zudem zeigte Jnderthal im Tor schöne Leistungen. In der ersten Halbzeit klappte es nach der langen Pause nicht so recht, doch wurde später die Zusammenarbeit des einheimischen Sturms besser, so daß der gute Gästetorwart die Schüsse nicht meistern konnte.
A.D.T. SüdVestdeuischer Turn-Verband.
3n Rüsselsheim finden kommenden Samstag und Sonntag die diesjährigen Bundesmei- ster schäften des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes statt. Di^ Turnges. e. D. S. C. Opel, welche mit der Durchführung betraut wurde, hat schon feit geraumer Zeit dazu gerüstet.
Die Veranstaltung, welche jedes 3ahr sehr gute Ergebnisse brachte, wird auch diesmal an Teilnehmerzahl und den Leistungen keiner der vorhergegangenen nachstehen. 3n folgenden Konkurrenzen des Geräte- und Volkstumens werden sich Turnerinnen und Turner um den Meistertitel bewerben. Geräte- Meisterschasten an Reck, Barren und Pferd, und ein Geräte-Zehnkampf für Turner, für Turnerinnen die vorher aufgeführten Meisterschaften
den heißen Druck dieser Hand. 3hr Haupt neigte sich dem meinen zu. .. unsere Lippen berührten sich... Es war mehr ein Hauch als ein Kuß. Ein schnelles Sichfinden und Wiederlassen... Lind beides voll unendlichen Glückes und unendlichen Leides---
Da kamen Schritte die Treppe herauf.. . noch ganz von unten her. 3ch wußte sofort, daß es Faßbender war. Aber ich lieh ihre Hand nicht, zog sie nur fester an mich. Mir war in diese-n Augenblick alles so unsäglich gleichgültig — nein, nicht gleichgültig. Es war mir recht so. Mein Herz jubelte auf, daß nun so ungewollt und ungeahnt die Entscheidung kommen muhte. Richt das leiseste Bedenken oder gar eine Ahnung von Furcht war in mir. 3ch hätte am liebsten heute abend den Gang mit ihm getan, von dem nur einer von uns zurückkehren konnte.
Sie aber, als lägen meine Gedanken klar und offen vor ihr, hatte mit einem schnellen Ruck ihre Hände aus den meinen genommen.
„Rmn... für ein Phantom sollen Sie 3hr Leben nicht geben! Dazu ist es noch zu jung. Es war ein kurzer, schöner Traum. Wir beide werden nie zusammenkommen. 3d) sagte es Ihnen schon einmal."
„Lind Sie werden 3hre Ansicht nicht ändern — niemals ändern, Edith?"
Sie schüttelte den Kopf, langsam, traurig, aber doch entschieden.
Die Schritte, die sich für eine kurze Zeit verloren hatten (Faßbender war vermutlich noch in sein Privatkontor gegangen), klangen näher und härter — jetzt stand er vor uns.
„3ch störe wohl?" fragte er, und ein deutlicher Hohn klang aus seiner Stimme und gab ihr jenes Äeberhebende, das mich jedesmal verdrossen hatte, wenn er unten im Kontor mit mir sprach.
„Du störst uns durchaus nicht," erwiderte Edith, die sich viel mehr in der Gewalt hatte, als ich. „3ch hatte Herrn Körber zu mir gebeten, um ihm meine Verwunderung über seine Kündigung auszusprechen, und er erklärte sich bereit, sie zurückzunehmen."
„Cs Möchte zu spät sein. 3ch habe soeben die durch Herrn Körbers Kündigung freigewordene Stelle einem anderen Herrn übertragen.“
Mit kühlem Blick heftete sich das stahlgraue Auge auf Ediths Antlitz. Lieber mich sah es hinweg . . .die ganze Linterredung hindurch.
„Es wäre mir lieb gewesen, wenn ich in diesem Falle gehört wäre," erwiderte sie nicht unfreundlich, aber in derselben kühlruhigen Art, mit der er zu ihr gesprochen hatte.
„3ch war bisher in diesen Dingen selbständig und gedenke es weiter zu bleiben, sagte er kurz.
„Wenn du wenigstens die Güte gehabt hättest, mir eine Mitteilung zu machen."
an den Geräten nebst einem Sechskampf. Die Leichtathletik-Meisterschaften bestehend aus 100», 200-, 400-, 800-, 1500- und 5000-Meter-Lauf, 110-Meter-Hürden-, und der 4x100-, 3x1000», und 1500-Meter-Staffel: dem Weitsprung, Hochsprung, Stabhochsprung, Diskuswerfen, Speerwerfen, Kugelstoßen, Steinstohen und einem Sechskampf, bestehend aus 100» und 800» Meter-Lauf, Weit» und Hochsprung, Kugelstoßen und Diskuswerfen.
3ntereffante Kämpfe wird es besonders in den leichtathletischen Wettbewerben geben.
Der Lahn-Dünsberg-Gau wird auf dem Gebiete des Geräteturnens für Turnerinnen im Sechskampf vertreten durch Paula Hildebrand, Emma Lotz und Ottilie S.ch reiner, sämtlich aus Wieseck: im Geräteturnen für Turner durch Hofmann (Lollar), Hettche (Lollar), Römer (Wieseck), Dender (Rodheim), Ferber, Schmidt und Lepper (Waldgirmes), welche sämtlich den Zehnkampf bestreiten.
Für die Wettkämpfe im Dolksturnen startet im 800-Meter-Lauf H. Röhl (Wieseck), im 1500-Meter-Lauf W. Schardt (Hausen), im Weitsprung Derbandsmeister Schieferste in (Launsbach), im Stabhochsprung Bepler, Kinzenb ach und Dietz (Lollar). Letzterer bestreitet weiter noch das Speerwerfen, während D e p l e r noch im Sechskampf starten wird. Zu der Mannschaft kommen weiter hinzu die beiden Tumwarte Keller (Rodheim) und Wagner (Lollar), das Gauausschußmitglied Rohrbach (Lollar), und G i s s e l (Waldgirmes), welche als Kampfrichter für das Geräteturnen vorgesehen sind, während Gausportwart Winter (Launsbach) und Pressewart Leib (Kinzenbach), als Kampfrichter für die leicht- athletischen Wettbewerbe gemeldet sind.
Gießener Tennis-Turnier
Mit etwa 90 Rennungen hat das diesjährige Dezirksturnier eine zufriedenstellende De- setzung erhalten: außer dem Herren-Doppel werden alle Konkurrenzen in zwei Klassen gespielt. Besonders erfreulich ist die in letzter Minute eingetroffene Meldung des bekannten Frankfurters Erwen, der in Tüscher (Kassel) feinen stärksten Gegner finden wird. Bei den Damen ist Frl. Wenzel (Frankfurt) die Siegerin im ersten Gießener Dezirksturnier, auch diesesmal wieder Favoritin. Interessante Kämpfe versprechen die Doppels. Die Gießener Spitzenspieler Dr. Kirchner und Roll wurden mit Tüscher und Erwen kombiniert und haben gleichgute Aussichten auf den Endsieg. 3m Mixed scheinen als stärkste Paare Frau Dumur- Erwen, Frl. Wenzel- Dr. Kirchner, Frl. Kempff-Tüscher und Frl. Berg-Roll.
________ Ty.
Amtseinführung des Darmstädter Oberbürgermeisters.
WER. Darmstadt, 29. Aug. 3n einer Sondersitzung des Stadtrats wurde heute mittag Oberbürgermeister Mueller in fein Amt eingeführt. Der amtsälteste Dürgermeister Dux - bäum eröffnete die Sitzung und erteilte das Wort dem Kreisdirektor Gebhard, der den neuen Oberbürgermeister begrüßte und in längeren Ausführungen auf die hohen Aufgaben hinwies, die den neuen Mann an der Spitze der Stadt Darmstadt erwarteten. Er gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm vergönnt sein möge, Darmstadt zu neuem Aufstieg zu führen. Als Vertreter des Stadtrats sprach Stadtratsmitglied Ziegs (Soz.), der Oberbürgermeister Mueller versicherte, daß der Stadtrat das Vertrauen zu ihm habe, in gemeinsamer Arbeit zum Wohle der Stadt Darmstadt zu wirken. Er überreichte ihm gleichzeifig die Amtskette, die sein Vorgänger zum erstenmal getragen habe. 3n einer längeren Ansprache dankte
darauf Oberbürgermeister Mueller für die ihm zugedachten Glückwünsche und das zugefagte Vertrauen bei der gemeinsamen Arbeit. Er bedauerte die Einschränkungen der Selbstverwaltung der Kommunen, insbesondere den Verlust der Steuerhoheit, und wandte sich energisch gegen eine Verewigung gewisser zentralistischer Tendenzen des Reichs und der Länder gegenüber den Kommunen. Mit der Würde der Ehrenkette sei ihm auch die damit verbundene Bürde auf» erlegt worden. Aber im Vertrauen auf die Aufwärtsentwicklung der Landeshauptstadt, der Gemeinsamkeit der Arbeit von Verwaltung und Stadtrat glaube er diese Dürde tragen zu können. Trotz äußerster Sparsamkeit in der Wirtschaftsführung und Zurückhaltung gegenüber neuen Aufgaben, solange die Kräfte der Bürgerschaft nicht ausreichten, werde er beharrlich dem großen Ziele zustreben, die städtische Politik unter Festhaltung bewährter Traditionen in fortschrittlichem Geiste zu führen. Seine Worte fanden lebhaften Beifall der S.tadträte und des Publikums. Mit einem kurzen Schlußwort von -Bürgermeister Dux bäum schloß die Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters.
Rheinhessen.
WSN. Mainz, 29. Aug. Ein tödlicher 11 n • glürfsfall ereignete sich gestern abend in der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G. Ein schwerer eiserner Träger stürzte um und traf den verheirateten 28jährigen Kranführer Willi Götz von hier. Götz wurde mit eingedrücktem Brustkorb ins Städtische Krankenhaus eingeliefert, wo er kurz darauf starb. Er hinterläßt eine Frau mit einem zwei Wochen alten Kinde. — Aus dem Rangierbahnhof Bischofsheim wurde gestern abend der 22jährige Rangierarbeiter Paul H i r n k e aus Dexheim von einer Lokomotive erfaßt und zur Seite geschleudert. Er wurde mit lebensgefähr- lichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Preußen.
Kreis Biedenkopf.
* Hofgut Dubenrod, 29. Aug. Deim Rachhausefahren vom Felde scheuten gestern abend die von dem Ginge ft eilt en Decker gelenkten Pferde. Decker fiel vom Wagen, die Pferde sausten mit dem Wagen zum Hofgut Bubenrod und fuhren sich hier fest. Run bemerkten auf dem Gut anwesende Leute, daß die Pferde allein waren und daß der Kutscher fehlte. Beim Absuchen des Weges fand man Decker mit einem Armbruch und einer Gehirnerschütterung und brachte ihn zum Hofgut. Die erlittenen schweren Verletzungen machten die Lleberführung des Verunglückten zur Klinik notwendig.
Kreis Marburg.
ch Holzhausen, 29. Aug. Es hat den Anschein, daß in unserer Gegend ein Vogel sich wieder ansiedeln will, der früher hier sicher recht zahlreich vorkam, der F i s ch r e i h e r. Ein solcher wurde dieser Tage unweit unseres Ortes beobachtet, und zwar an dem Bache, der durch den hiesigen Park fließt. Es wäre zu wünschen, daß der schöne und seltene Vogel wieder hier heimisch werde. Ob der hier aufgetretene Reiher noch andere seines Gesck)lcchts in unsere Gegend herbeiführen wird, oder ob er fid) nur hierher verirrt hat und wieder verschwindet, muß man abwarten.
Daten für Samstag, 31. August.
Sonnenaufgang 5.10 Uhr, Sonnenuntergang 18.50 Uhr. — Mcmdausgang 0.17 Uhr, Monduntcrgang 17.55 Uhr.
1821: der Naturforscher Hermann von Helmholtz in Potsdam geboren: 1920: der Philosoph Wilhelm Wundt in Leipzig gestorben.
„3ch wüßte nicht, daß ich es jemals bei irgendeiner Kündigung deinem Vater gegenüber getan hätte."
3mmer deutlicher hörte ich aus jedem feiner Worte die Absicht heraus, mich und meine Stellung in den Augen feiner Draut herabzusetzen. 3ch hätte gern geantwortet. Aber es lag kein Grund, nicht einmal eine Möglichkeit für mich vor, in eine Angelegenheit einzugreifen, die sich ausschließlich zwischen den beiden abspielte und in der ich nur der Gegenstand war.
„Die Sache lag hier ein wenig anders," sagte Edith in ihrer stillbestimmten Art, „als bei „irgendeiner" Kündigung. Herr Körber stand als ehemaliger Regimentskamerad und Freund unseres Hauses in einem näheren Verhältnis zu uns als die übrigen Angestellten. Seine Kündigung wäre zu Lebzeiten meines Vaters nie erfolgt. 3d) glaube auch nicht, daß ihre Annahme in seinem Sinne gewesen wäre, und da dieser für mich als feine Tochter und Erbin maßgebend ist —“
3ch sah, wie Faßbender die Llnterlippe nagte, was wir unten im Kontor, auch wenn er nicht eine Silbe äußerte, als das sichere Zeichen seines Linwillens kannten. Aber er hatte sich sofort in der Gewalt, wie ich ihn niemals, solange ich unter ihm gearbeitet hatte oder mit ihm zusammengewesen war, anders als kühl beherrscht gesehen hatte.
„Wenn du Wert darauf legst, Herrn Korber unserem Geschäfte erhalten zu fehen," sagte er mit einer gewissen ritterlichen Höflichkeit, „so wird sich in unserem großen (Betriebe sicher für ihn ei :e geeignete Stellung finden. Es käme nur darauf an, wie sich Herr Körber selber zu der Sache stellt. .. vielleicht äußert er sich darüber."
3d) sah Ediths Auge auf mir weilen, ihr Blick verwirrte mich, machte mich schwankend. Aber nur für eine Sekunde. Dann gedachte ich der Worte, die sie eben zu mir gesprochen hatte, der Linabänderlichkeit ihres Entschlusses.
„3ch habe meine Kündigung wohl erwogen und bedaure, sie nicht zurücknehmen zu können."
Mir war, als ginge ein leises Erschrecken durch das dunkeltiefe Auge... es mochte aber auch eine Einbildung gewesen fein; denn sie wandte sich jetzt von mir ihrem Verlobten zu:
„3ch verstehe, daß Herr Körber, nachdem alles so weit gediehen, an dem einmal gefaßten Entschlüsse festhält. Er bleibt gewiß auch deshalb nicht, weil er den Vater zu sehr vermissen würde. Der hat immer große Stücke auf ihn gehalten."
3ch hätte ihr die Hände für diese Worte küssen mögen, die die schönste Genugtuung waren, die sie mir in dieser Stunde geben konnte.
Aber mit einemmal war wieder jenes Linnah» bare da, das unüberbrückbare Schranken zwischen uns aufrichtete und mich schweigen hieß. Lind da
ich fühlte, daß ich hier nichts mehr zu suchen und zu sagen hatte, so empfahl ich mich.
♦
Den ganzen Tag habe ich auf einen Brief, eine Botschaft von ihr gewartet, habe bei jedem Schritt, der die viel benutzte, schmutzige Treppe zu meinem Zimmer emporführte, aufgehorcht, ob es vielleicht der Klumpfuß der alten Marieke fein könnte, hatte mir fest Dorgenommen, unter keinen Llmständen zu ihr zu gehen, wenn sie mich nicht riefe — und bin schließlich doch gegangen. Die zehn Stunden aufreibenden Wartens und Harrens hatten mich müdo und mürbe gemacht. Alle meine Festigkeit schmolz in ein Richts zusammen vor dem Gedanken, daß ich sie in diesem Gebert vielleicht nicht Wiedersehen könnte, Denn morgen schon wollte sie die Stadt verlassen — und ob sie einmal wiederkehren würde?
Dämmerung lag über dem großen Zimmer. Die Fenstervorhänge waren dicht geschlossen, die allen Seidenmöbel mit dichten Leinenkapuzen bedeckt, unter denen nur die geschnörkelten Deine grotesk-wunderlich hervorguckten. Mürrisch, wie aus ihrem Schlaf gestört, standen sie da, eine Wolke von Raphthalin lag schwerduftend in der Luft, auch der Kronleuchter mit feinem reichen Glasbehang aus altvenezianischer Zeit war in dichte Gazeschleier gehüllt. Als hätte seit Menschengedenken kein Fuß mehr diese Räume betreten, so verlassen und verödet muteten sie an.
3d> weiß nicht, woher es kam, daß ich sie immer plötzlich vor mir erblickte, ohne daß ich ihr Kommen hörte, und auch Vas erschien mir seltsam, daß sich nicht das geringste Erstaunen, gar keine Spur von Befremdung auf ihrem Antlitz zeigte, das heute bleich war bis an die Lippen.
„3ch wußte, daß Sie kommen-, würden," sagte sie mit einer etwas schleppenden Stimme.
„Lind ich glaubte, Sie nicht stören zu dürfen, weil ich Sie mit Packen und Aufräumen beschäftigt wähnte."
„Das besorgt Marieke, zum Teil auch meine Mutter. 3d) habe den ganzen Tag über wenig getan. 3ch glaube. .. ich habe auf Sie gewartet."
3ch stand ihr gegenüber, sah sie an, wollte etwas sprechen, etwas fragen, und wußte nicht, was und in welch eine Form ich es kleiden sollte.
„Also.. . Sie reifen doch?" Das war das einzige, was ich hervorzubringen vermochte.
„Morgen in der Frühe geht unser Zug. Wie wollen nach Thüringen, zuerst nach Liebenstein.. . meinetwegen. Wenn auch der Winter im Anzuge ist, wir haben uns in eine kleine Pension eingemietet, wir suchen beide nichts als die Stille."
„Lind 3hr Herr Bräutigam?"
„3ch habe gestern abend meine Verlobung gelöst."
(Fortsetzung folgt.)


