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Nr. 124 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Donnerstag, 50. Mai (929
Evangelisches Kirchnotgeld.
Don Pfarrer Kornmann, iRobfyeim a. d.Horloff.
Die 400-3ahrfeiern jener wirklich denkwürdigen Protestation von Speyer 1529 sind vorbei; wohl überall im hessischen Land haben wir uns in Freude und Dank innerlich erhoben, denn einer der führenden Köpfe auf evangelischer Seite zu jener Zeit war der hessische Landgraf, Philipp der Großmütige.
Das Entscheidende in jenen Tagen war ein „Olein!" gegenüber ganz bestimmten, fest um« rissenen Beschlüssen, die der jungen, evangelischen Bewegung das Leben gefährdet, vielleicht sogar ausgeblasen hätten. So hörten vielleicht manche, die sich jener besonderen Tage erinnerten, wesentlich nur dies „SteinI“ — und möchten dabei doch unter Umständen übersehen, wie ernst jenen „Protestierenden" ihre Sache, ihre Gewissensfreiheit und die Sache von Gottes Ehre, war, — und ein wie entschiedenes „3a!" zu Gottes Führung allem lauten „Steinl“ vorangegangen war.
ilnö so dürfte es heute, in nicht leichten Tagen, für alle Glieder der evangelischen Landeskirche in Hessen auf dies entschiedene „3a!“ ankommen, denn diese hessische Kirche ist in St o t. Das hat seine mannigfachen Gründe. Wie der Privatmann sein Vermögen durch die 3nflation verloren hat, so auch die Kirche; Zinsen sind nur in ganz geringem Maße zu erwarten, und sie bedeuten, gegenüber dem früheren Kapital, oft geradezu lächerliche Beträge. Eine der bedeutendsten Ursachen aber, weshalb die hessische evangelische Landeskirche ihre Ausgaben nicht zu decken vermag, ist der zu geringe „Staatszuschu h". 3m allgemeinen denkt man dabei oft daran, daß der Staat der Kirche sozusagen größere Beträge jährlich schenke; bei diesem „Staatszuschuh“ aber handelt es sich einfach um die Erfüllung einklagbarer Rechtsansprüche der Kirchel Unö diese Tatsache besteht wohl in allen deutschen Ländern gleichmäßig. Wie anders sollte man es sich erklären, daß von seiten der Länder ihren Kirchen so namhafte Beträge überwiesen werden, wie dies wirklich geschieht?! So trägt z. D. Bayern, auf eine Pfarrstelle berechnet, zu den Kosten der evangelischen Kirche jährlich 6000 Sllt. bei, Württemberg ebenfalls 6000 SHL, Sachsen 4000 Mk., Baden 2000 Mk. und Hessen 712 Mark. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen von dem, was der Staat der evangelischen Kirche „zuschießt“, in Württemberg rund 4,90 Mk., in Hessen-Kassel 4,10 Mk., in Sachsen 1,50 Mk. und in Hessen 0,42 Mk. (ohne die Kosten der Kirchenleitung gerechnet).
Mit diesen geringen „Zuschüssen" kann die evangelische Kirche in Hessen ihre Ausgaben, ihre dringendsten Ausgaben, nicht decken. Der Geldmangel liegt drückend über ihr. Stur ein Beispiel: 3m Oktober vorigen 3ahres begann — unmittelbar vor dem grimmigen, geradezu „sibirischen" Winter — ein zehnprozentiger Gehaltsabzug für die Geistlichen, der etwa 230 Pfarrern eine Kürzung ihrer Bezüge um 700 bis 1500 Mk. (aufs 3ahr berechnet) brachte. Was eine so einschneidende, nur durch, die außerordentliche Geldnot der Landeskirche einigermaßen zu rechtfertigende Maßnahme bedeutet, darüber ist wohl weiter nicht zu reden.
„Was schießt denn der Staat heute eigentlich zu den Kosten der evangelischen Kirche zu?", wird nun wohl gefragt werden. Slun, es sind jetzt jährlich etwa 482 000 Mk. Der Betrag mag hoch erscheinen; es ist aber zu bedenken, daß diese Summe gezahlt wird (nochmals sei es gesagt) in einfacher Erfüllung rechtlicher Forderungen der evang. Kirche. Es
ettlauf um Ellinor.
Roman von Senta Necket.
Copyright bei Greiner & Co.. Berlin NW 6.
9 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Ellinor bestellte, was die kleine Mabel Peers wollte. Sie war allmählich in eine Stimmung geraten, wo ihr alles gleich war. Sie freute sich über das Abenteuer mit der niedlichen kleinen Frau, die so entzückend plaudern konnte.
Keinen Moment kam sie auf die 3dee, daß irgendeiner sie nicht für Axel 3ohnson halten konnte, sie ahnte nichts von dem ehrgeizigen Sie- porter 3ules Smith, der zwei Tische von ihr entfernt saß.
Die Musik intonierte den neuesten Schlager: „Ach Jonny, my boy Dear Jonny, my boy ..."
Mabel summte die Melodie leise mit. Dann reckte sie die Arme weit und fragte:
„Din ich schön, Mr. 3ohnson?"
„Sehr schön, kleine Mabel I“
„Könnten Sie sich in mich verlieben?“
Ellinor lächelte. , ri<<
„3ch bin schon in Sie verliebt, Herne Mabel I
„Das ist ja herrlich, dann ist ja alles in Ordnung I“ „ , ,
Ellinor bot Mabel eine Zigarette an. Mabel griff nach dem Etui:
„Donnerwetter, das ist aber hübsch, nur eigentlich, ist das doch ein Damenetui.“
Ellinor wurde einen kleinen Moment verlegen. Daran hatte sie natürlich nicht gedacht, aber sie faßte sich schnell.
„3a, das Etui habe ich auch von einer Frau, die mir sehr nahe stand, geschenkt bekommen," log sie.
Mabel bewunderte die feine Arbeit des goldenen Etuis.
„Eie müssen sehr reiche Freundinnen haben, dearyl"
„Sla ja ..." Ellinor tat furchtbar überlegen. Plötzlich packte sie der Hebermut, die flirrenden Lichter und der Trubel taten ihre Wirkung:
„Mabel, wollen wir beide nicht die Ellinor finden, dann machen wir uns von den 100 000 Dollar eine vergnügte Woche I"
Aber Mabel hatte nicht viel Lust, sich mit diesem Problem zu befassen, ihr war ein Mister 3ohnson in der Hand lieber, als eine millionenschwere Ellinor auf dem Dach. „Hnt) bann, ich glaube, die ganze Sache ist ein Schwindel, neulich haben wir noch in einer Gesellschaft darüber gesprochen, es gab eine heftige Diskussion, die meisten erklärten diese Ellinor für komplett verrückt; Ethel Randor sagte sogar, sie sei eine
sei, um diese Tatsache zu illustrieren, nur das deutlichste Beispiel: Rheinhessen, heraus- gegtiffen. Die französische Gesetzgebung der 3ahre 1802 und 1805 — Rheinhessen war damals französisch — übernahm die gesamte Pfarrbesoldung auf den Staat; der hessische Staat, als Rechtsnachfolger der französischen Berwaltung dort, ist natürlich auch in die Rachfolge der bestehenden Verpflichtungen eingetreten. Wenn man dies in Rechnung stellt, dann ergäbe sich für R h e i n h e s s e n allein, bei etwa 100 Pfarrstellen, ein Betrag von etwa 700 000 Mk. (einschl. Ruhegehalte), den der hessische Staat an die evangelische Kirche zu zahlen hätte. Dem steht nun der Betrag von 482 000 Mk. gegenüber, der tatsächlich für ganz Hessen gezahlt wird. Leicht läßt sich gerade hier ein- sehen, woraus die geldliche Rotlage der evangelischen Kirche in Hessen beruht.
Der hessische Staat ist selbst in Rot. 3mmer- hin darf bei den Verhandlungen, die im Gange sind, eine Lösung erwartet werden, die den Bedürfnissen der evang. Kirche Rechnung trägt. Ein irgendwie gearteter „Angriff" auf den hessischen Staat ist hier nicht beabsichtigt; Zweck dieser Zeilen sei einzig und allein die Orientierung unseres hessischen evangeli-
ichen Kirchenvolkes über b i e tatsächliche Lage. Außerdem sei bemerkt, daß, eben um die drückendsten Folgen der Geldnot etwas zu lindern, ein sog. Kirchnotgeld im Laufe dieses 3ahres zur Erhebung kommt, das von jedem Glied der evang. Kirche, das über 25 3ahre alt ist, zu zahlen ist. Cs soll eine Art „Rotopfer" fein, und ein Dank für das, was man von dieser Kirche empfängt; es wird in einem Hause vielleicht mehrfach geleistet werden: von Vater, Mutter, Großvater und Großmutter, unter Umftänöen auch noch von Kindern im entsprechenden Alter. Möchte die Erhebung dieses „Kirchennotgeldes" von 2 Mk. jährlich allenthalben auf willige Hände und bereite Herzen stoßen!
Die Rot ist da. Sie muh gemeistert werden. Dis andere Wege sich offnen, wird wohl noch Zelt verstreichen. Darum mußte der Weg eines „Rotopfers" beschritten werden, im Stertrauen auf das evang. Kirchenvolk in Hessen. Cs wird gewiß zeigen, daß es, wie jetzt anläßlich des Gedächtnistages der Protestation von Speyer, nicht nur z u feiern vermag, sondern daß es auch — und so wird es in dieser Zeit ja hie und da sicher sein, in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen — opfern kann.
Eine Lnxusstadi für Llnbemiiielie.
Lösung des Wohnungsproblems? — Prof. Gropius will eine neue Gartenstadt für 25000 Menschen bauen. — Alles elektrisch, kein Gas. — Häuser ohne Schornstein. — Das interessanteste Experiment unserer Zeit.
Von Or. Ignaz Sauer.
Sterzweiflung hat allmählich einen Teil der Wohnungsuchenden gepackt, die bei der noch immer viel zu geringen Reubautätigkeit kaum noch hoffen, jemals in den Besitz eines eigenen Heims zu gelangen. Die neuen Wohnungen sind überdies für die meisten jungen Ehepaare viel zu teuer, und häufig wird außer der hohen Miete noch ein großer Baukostenzuschuß gefordert. An Vorschlägen zur Behebung der Wohnungsnot fehlt es freilich nicht; erst in diesen Tagen hat man von einer amerikanischen Erfindung erfahren, die alle Steubauten verbilligen und damit das gesamte Bauwesen revolutionieren soll: es handelt sich um die Herstellung eines neuen Bausteines, der nur ein Fünftel des bisher üblichen Baumaterials wiegt. Die gebräuchlichsten Bausteine wiegen im Kubikmeter etwa 2500 bis 3000 Kilogramm; dieses hohe Gewicht führt dazu, daß ein erheblicher Teil der Stühwirkung des Gebäudes durch das große Eigengewicht des Baumaterials wieder aufgehoben wird. Der neue Baustein soll im Kubikmeter nur 500 Kilo wiegen und so leicht fein, daß er sogar auf dem Wasser schwimmt; dennoch sagt man ihm nach, daß er außerordentlich wetterfest und tragfähig sei und, was die Hauptsache ist. viel billiger als alles bisher übliche Sliaterial hergestellt werden kann. Andere Ersahbauweisen haben in den letzten 3ahren häufig ähnliche Hoffnungen wachgerufen; es sei nur an den Stahlhausbau erinnert, von dem man erwartete, daß er die fabrikmäßige Herstellung ganzer Siedlungen möglich machen würde. Run ist der Stahlhausbau inzwischen sehr verbessert worden, doch reichen die neuen Verfahren immer noch nicht aus, den Ziegelbau zu verdrängen — vielleicht vorwiegend deshalb, weil meist nur einzelne Stahlhäuser, nicht aber ganze Siedlungen aus Stahl aufgestellt werden.
Auf dem Reichswettbewerb der ..Reichsfor- schungsgesellschast für Wirtschaftlichkeit im Dau-
und Wohnungswesen", der in diesem Frühjahr veranstaltet wurde, erhielten nun Professor Dr. Gropius und Dipl.-3ng. Fischer für den Plan einer Großsiedlung, die mit billigen Baustoffen errichtet werden soll, unter 221 Bewerbern den ersten Preis. Ein anderer bekannter deutscher Architekt, Friedrich Paulsen, der Hauptschriftleiter der „Dauwelt", hat sich seit fast zwei 3ahrzehnten eingehend mit dem Problem befaßt, wie eine moderne Siedlung besonders billig und wirtschaftlich aufgebaut und unterhalten werden könnte. Run haben sich die genannten Architekten zusammengetan, um das, was sie theoretisch durchdacht haben und was von vielen Autoritäten als besonders hervorragend anerkannt worden ist, in die Wirklichkeit überzuführen. Sie haben eine Stereinigung von Wohnungsuchenden gegründet, der sich in wenig mehr als einem Monat über 1000 Personen angeschlossen haben und die an den Aufbau der Siedlung gehen soll, wenn sie über 5000 Mitglieder zählt. Dann will man im Süden Berlins, etwa 25 Minuten mit der Schnellbahn vom Potsdamer Platz entfernt, eine neue Stadt mit 5000 Wohnungen und 400 Heimen für Ledige gründen, die alle technischen Bequemlichkeiten der Reuzeit besitzen soll, deren Wohnungen aber billiger als alle anderen in Berlin sein werden. Schon jetzt sind die Architekten auch von einer anderen Stadt in Rorddeutschland aufgefordert worden, dort zur Behebung der Wohnungsnot ein ähnliches Unternehmen ins Leben zu rufen und einen entsprechenden Plan auszuarbeiten. Wenn das Experiment glückt, wird es also nicht nur für Berlin, sondern für alle Städte im Reich, die unter ähnlichen Schwierigkeiten leiden, von unabsehbarer Wichtigkeit sein.
„Cs ist nicht wahr, daß die Menschen der Großstadt in überfüllten Mietkasernen auf- wachsen müssen," sagt der Architekt Friedrich
raffinierte Hochstaplerin und beinah hat es dann einen Krach gegeben, denn George Wellton ..."
Ellinor fühlte, wie ihr alles Blut zum Herzen schoß.
„Wer?“ fragte sie heiser.
„Run ja, George Wellton, der schöne George, der nahm auf einmal in einer Art und Weise Sartei für diese Ellinor, daß es schon beinah cherlich war. Er behauptete, Ellinor sei die schönste, klügste und liebste grau, die man sich denken könne, und er fände es sehr unfein, eine Lady zu beleidigen, die nicht anwesend sei, ach, er verhimmelte diese Ellinor so, daß es mir langweilig wurde zuzuhören, aber was haben Sie denn, Mr. 3ohnson, Sie sehen ja auf einmal aus, als hätte man 3hnen eben auf einem Präsentierbrett alle Seligkeiten der Welt serviert?"
Ellinor schwindelte es. Also George liebte sie doch, denn sonst hätte er sie nicht so verteidigt.
IX.
„Rien ne va plus!“
Die Croupiers strichen gleichmütig die Gelder ein. Das Rad bewegte sich schneller und immer schneller, die kleine Kugel tanzte im rasenden Wirbel um sich dann plötzlich eigenwillig irgendwo niederzulassen, meist da. wo man es nicht erwartet hatte.
„Gewonnen, Axel", jubelte Mabel Peers und strich die Chips ein, die ihr die Harke des Croupiers zuschob.
„3a, Heine Mabel, Sie haben ja unerhörtes Glück.“
Die kleine Frau an Ellinors Seite bibberte vor Wonne. Der Spielsaal berauschte sie, dieser Riesensaal, eine Symphonie in Blau und Gold kam ihr wie ein Märchenreich vor. lind dann dieser entzückende 3unge, der da neben einem stand und die Dollarscheine aus der Tasche zog, als seien es Papierfehen, und dann der Haufen voll Chips, der sich vor ihr häufte: nun sollte noch ein Mensch kommen, der behauptete, die Welt sein nicht schön.
„Axel, Axel, sehen Sie doch bloß, das alles gehört mir!“ Mabel streckte ihm beide Händchen mit Chips gefüllt hin.
„Was ist sie für ein Kind!" dachte Ellinor, herrlich und beneidenswert, wenn man so unkompliziert war.
Menschen wirbelten um Ellinor herum, die Fülle im Saal war beängstigend. 3mmer neue Leute drängten durch die Türe, keiner ging. Die Theater waren jetzt aus, die Kinos hatten sich geleert, viele kamen nur auf einen Sprung, um einen Blick in den Spielsaal zu tun, dessen Pracht seit Wochen das Tagesgespräch Reu- Yorks war.
Ellinor lächelte ihr Bild an, denn auch Im Spielsaal hing ein riesiges Plakat:
„Wo ist Ellinor? ICO 000 Dollar für Ellinor!" ' Aber hier achtete keiner darauf.
Ellinor wurde es unbehaglich. Die Aufregungen des Slbends machten sich bemerkbar, sie wollte gern nach Hause.
„Wollen wir heimgehen, kleine Wabel?"
„Heim? O, wie schade!'^ Mabel sagte dies in einem so toötraurigen Ton, daß Ellinor hell auflachte.
„Ra schön, dann bleiben wir noch einen Augenblick!"
„Wissen Sie was, Axel, ich glaube, Sie langweilen sich beim Roulett, gehen wir nach nebenan zum Baccarat, das ist eher was für Herren!"
Ellinor ließ sich geduldig mitziehen.
Der Saal, in dem Ecarte und Baccarat gespielt wurde, war kleiner und intimer. Man konnte hier die Spieler leichter übersehen.
Mabel lief vor, um sich einen Platz zu sichern. Wie eine Eidechse schlüpfte sie in eine Lücke und winkte Ellinor, ihr zu folgen.
Hier saßen die Berufsspieler, Typen, die man in allen Spielsälen der Welt trifft, ganz gleichgültig, ob das in Monte Carlo, in Rio oder in Biarritz ist.
Mit einem eisernen Ernst sahen hier SHänner und Frauen und verfolgten das Spiel der Karten. Hier jagte sich Glück und Unglück in schnellem Wirbel. Hoffnungen flackerten auf und wurden im nächsten Moment zu Grabe getragen, das Glück schwankte hin und her, aber immer wieder nannten die Leute gleichmütig Zahlen und immer wieder glaubten sie an ihren guten Stern, warfen sie mit verbissener Wut den Erlös vieler Wochen Arbeit achtlos auf den Tisch, immer mit dem Glauben, daß nun endlich einmal der große Treffer kommen müsse.
Plötzlich griff sie nach Mabels Hand und küßte sie voll Dankbarkeit.
„Mabel, Sie sind das süßeste Geschöpf, was es gibt. Kommen Sie, wir gehen jetzt in den Spielsaal, da dürfen Sie so viel Geld verspielen, wie es 3hnen Spaß macht!"
Die kleine Frau jauchzte auf:
„Axel 3ohnson, Sie sind ein Goldjunge!"
•
Aber dos Glück narrte die Menschen, nur merkten sie es nicht. Dick und schwer stand die Luft im Raum, obwohl die Ventilatoren immerfort für neue Zufuhr sorgten.
„Wollen wir jetzt heimgehen, Axel," fragte Wabel, als sie das zweite Mal eine erhebliche Summe verloren hatte. All das schöne Geld vom Roulette war wieder futsch.
Mabel zog ein schiefes Mäulchen.
„Man sollte nicht spielen, Axel — aber man tut es doch immer wieder!"
Eben kam wieder ein Trupp neuer Menschen. Ellinor war eS plötzlich, als griffe eine kalte
Paulsen, der bereitwillig über alle Einzelheiten des gewaltigen Planes Auskunft gibt. Auch in der neuen Siedlung, die tatsächlich eine Stadt für 25 000 Menschen mit eigenem Elektrizitätswerk, Warenhaus, Kino, mit einer Badeanstalt und überhaupt mit allem, was zu einer Stadt gehört, werden soll, wird man zwar auf Ctagenwohnungen nicht vollständig verzichten können; aber zu jeder Wohnung wird doch ein Stück Garten gehören, und die Mietpreise sollen zwischen 40 und 80 Kart im Monat schwanken. Vorwiegend will man aber die neue Stadt aus Einfamilienhäusern bauen, die zwischen 600 und 1500 Mark Äahresmiete kosten, und die nach zwanzig 3ahren in das Eigentum des Mieters übergehen, so daß er dann mietefrei wohnt. Run verbilligt selbst die serienweise Herstellung von 5000 Wohnungen den Hausbau nicht so sehr, daß man allein mit diesen Mieten auskommen kann. Qlber es ist darüber hinaus geplant, die Bewohner der neuen Stadt durch gemeinsamen Einkauf mit allem zu versehen, was sie brauchen, und da diese Dinge zum üblichen Kleinverkaufsprcis abgegeben werden, so hofft man, durch den rationellen, großzügigen Einkauf hohe Ueberschüsse zu erzielen, die der Verbilligung der Miete zugute kommen. Um ein Beispiel zu geben: den Brotgeschäften in der neuen Stadt wird bei der Vermietung der Läden zur Pflicht gemacht, alle Backwaren auS der gemeinsamen Großbäckerei zu beziehen, die dadurch, daß ihr Slbsah gesichert ist, zweifellos mit Gewinn arbeiten kann; alles andere, was diese Geschäfte verkaufen, also etwa Schokolade oder andere Süßigkeiten, können sie an beliebigen Stellen eintaufen. Run wäre das für die Mieter sehr bedenllich, toeim sie auf jeden Fall gezwungen würden, die Backwaren der Großbäckerei zu essen; es könnte nämlich geschehen, daß diese schlechtes Brot liefert. Darum ist ausdrücklich vorgesehen, daß kein Kaufzwang ausgeübt wird: wenn also die Fabrikate des ge* gemeinsamen Cinkaufshauses minderwertig sind, werden die Bewohner im benachbarten Berlin ihre Steigungen machen, und das Warenhaus der Siedlung wird dadurch gezwungen, für bessere Waren zu sorgen.
3n gewisser Beziehung besteht aber doch ein Kaufzwang: da nämlich die Häuser nur elektrische Küchen und elektrische Beleuchtung erhalten, müssen sie auf jeden Fall den Strom des Elektrizitätswerkes benutzen. Der Strom soll dadurch besonders billig geliefert werden, daß das Elektrizitätswerk in der Stacht ebenso sehr ausgenüht wird wie am Tage, also die teure Spitzenleistung fortfällt, die in 3nöuftrieftäöten den Strom so kostspielig macht. 3n den Nachtstunden wird der Strom nämlich dazu benutzt werden, in sogenannten Wärmespeichern die SBärme für die Fernheizung und die Warmwasseranlage der ganzen Stadt anzusammeln. Kein Haus hat einen Ofen, und da alles elektrisch wird, fehlen auch überall die Schornsteine. Wer Warmwasser haben will, entnimmt es einem Rohrnetz, das die ganze Stadt in allen Zweigen durchzieht.
Viele verlockende andere Einrichtungen sind ebenfalls in dem Plan vorgesehen. Da will man Kindergärten, schöne, moderne Schulen, Säuglingsheime, ein Sanatorium, eine gemeinsame Kegelhalle und tausend andere schöne Dinge einrichten. Um aber auch die Schwierigkeit nicht zu vergessen, die den Aufbau dieses irdischen Paradieses, das ohne Vorschüsse der Mieter geschaffen werden soll, hemmend entgegen» stehen: um am Rand der Großstädte genügend weite Flächen für den Aufbau einer ganzen Stadt zu finden, muh man sich beträchtlich von den wichtigsten Zentren der Stadt entfernen, da sonst der Boden zu teuer wird; in den angelsächsischen Ländern, in denen die Gartenstadtbewegung ja
Hand nach ihrem Herzen und krampfte es schmerzhaft zusammen.
George Stellten!
„Wollen wir nicht heimgehen, Axel," schmollte Mabel, „Sie wollten doch vorhin schon!"
Ellinor schüttelte unwillig den Kopf. 3eht heim- gehen, Rein!
„3eht werde ich mein Glück versuchen, kleine Mabel!"
George Wellton hatte am Tisch Platz genommen. Die schöne dunkle Frau, die Ellinor schon in der Metropolitan Opera mit ihm zusammen gesehen hatte, stand hinter ihm.
Ellinor biß die Zähne zusammen. So nah war George — und doch so unendlich fern.
Mabel Peers nickte George freundlich zu.
„Tag, Mr. Wellton, wie gehts?"
George hob die Hand und winkte zurück: „Ausgezeichnet, Mrs. Peers!"
Ellinor schnitt Georges Fröhlichkeit ins Herz. Ein Mann, der sich sehnt, kann nicht so fröhlich sein.
Ein leises Fieber stieg in ihr auf. Sie fühlte, daß sie diesen Mann liebte mit einer 3ntenfität, die fast körperlich weh tat. Man muhte nicht fragen, warum, es war eben so und es würde so fein, auch wenn er sie quälte. Cs war ihr unerschütterlicher Entschluh, bis ans Ende dieses großen Erlebens zu gehen, durch alles hindurch, über alles hinweg.
Ein Schweigen lastete minutenlang über den erhitzten Köpfen.
George mischte die Karten, verteilte sie, deckte auf — und hatte verloren!
Cs war eine ziemlich erhebliche Summe.
„Unglück im Spiel bedeutet Glück in der Liebe, George!" sagte die dunkle Frau und beugte sich tief zu ihm hinab.
George lachte sein Heines, frohes Knabenlachen, das Ellinor im ersten Moment ihres Treffens schon geliebt hatte an ihm.
„Glück in der Liebe," lachte George, „ich möchte viel Glück in der Liebe haben!"
Ellinor atmete schwer. Sie fühlte, daß sie leise zitterte. Sie krampfte die Hände in die Lehne des Stuhles, daß das Blut aus den Fingern wich.
Wieder deckte George die Karten auf.
Diesmal hatte er gewonnen.
„Sla, die Liebe scheint wankelmütig!" neckte ihn die Frau.
Wie ein Habicht schoß George nach ihr herum.
„Das werden wir sehen!"
„3a," sagte Ellinor mit scharf akzentuierter Stimme und so heiser, daß Mabel sie erschrocken anschaute, „ja, das werden wir sehen!"
George schaute auf.
(Fortsetzung folgt)


