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Nr. 124 Zweites Statt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 30. Mai 1929

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Jedermann ist bei Schampe zu Besuch. In Berlin.

Sieh da", sagt Schampe, als sie über die Friedrichstraße gehen,das da ist Professor Ein­

zu rasch. Richtig ist aber, daß Genossenschafts­wesen als Grundvoraussetzung Nüchternheit und volkswirtschaftliche Einsicht bedingt. Auf der andern Seite kann ich Die häufigen Einwände gegen die Ausbreitung der Genossenschaftsidee nicht als berechtigt anerkennen. Ich bin der Meinung, daft sich mit der Nüchternheit, volks­wirtschaftlichen Einsicht und Liebersicht paaren muß ein gut Stück Begeisterung für den wirt­schaftlichen. für den nationalen und für den sitt­lich-religiösen Gedanken, der im Genossenschafts­wesen liegt. Wenn heute große Unternehmen erklären, sie könnten sich im Weltwirtschaftskampf und im inneren deutschen Wirtschaftskampf nur durch Zusammenschluß behaupten, wie kann dann der kleinste Produzent, der Bauer, bestehen, wenn er allein auf sich gestellt ist und sich nicht mit anderen zu gemeinsamem Ein- und Berkaus zusammenschließt? Ich weiß, daß berech­tigte wirtschaftliche Interessen anderer Stände sich zur Zeit dadurch verletzt fühlen, dah die Genossenschaftsbewegung so stark vorandrängt. Ich glaube aber, dah bei einer Durchorganisierung unserer Bauernschaft mit Genossenschaften die wenigen Teile der Volks­wirtschaft, die heute mit Besorgnis dieser Ent­wicklung entgegensehen, auch ihren berechtigten Platz in Warenverkehr und -Verteilung bekom­men und behalten. In den Genossenschaften hat aber der Bauer auch eine Llrzelle seiner natio­nalen Verbundenheit, die sich dann leicht ein­fügen läßt in die großen Verbände des Zusam­menlebens und der Zusammenarbeit. Was aber das Wichtigste ist, es muß dahin kommen, daß der Bauer im Bauern nicht seinen Gegner, seinen

der Gefühlswelt, den treffenden Ausdruck zu finden.

Die echte Weihe erhält ein Kunstwerk erst durch die Liebe des Künstlers, dadurch, dah der Künst­ler das, was er zu sagen hat, auch mit ganzem Herzen sagt. Seine Seele muß in' dem Kunstwerk schwingen. Nur dann kann es die Seele des Zu­schauers gleichfalls zum Vibrieren bringen. Die leidenschaftliche Liebe des Künstlers zu seinem Werk, die wiederum der Teilnahme des Künstlers an den Gefühlen der Menschheit entspringt, bil­det das Rückgrat einer jeden Kunst. Diese mensch­heitfördernde Arbeit des Künstlers, der sich zur Erfüllung feiner Mission nicht von der Welt ab­schließen und egoistisch dahinleben darf, sondern an ihren Nöten und Freuden teilnehmen muß. vermag ihn selbst ungeheuer zu erheben.

Kunst ist lebenssteigernd in doppeltem Sinne: für den Künstler und den Genießer. Denn jede Kunst ist angewandte Kunst, sie schwebt nicht im luftleeren Raum; das Kunstwerk verlangt auch den rezipierenden Menschen. Die eine Seite einer jeden Kunstschöpfung ist für den Künstler im Hinblick auf die Formung seines schöpferischen Willens von Bedeutung. Die andere nicht min­der wichtige Seite geht auf die Erweckung des Echos zum Zuschauer aus. Es ist das letzte Ge­heimnis schövferischer Kunst, beide Teile aufs innigste zu befriedigen.

Der diesjährige Verbandstag der hes­sischen Landwirtschaftlichen Genos­senschaften wurde dieser Tage in Darmstadt abgehalten. Er war aus allen Teilen des Londes so zahlreich besucht, daß der Saalbau kaum die Delegierten zu fassen vermochte.

Verbandspräsident Dill, Ostheim, eröffnete die Tagung mit einem kurzen Lieberblick über das Iahr 1928, das wohl eine normale Ernte, aber nicht die erhoffte Beseitigung der unerträglichen Not der Landwirtschaft gebracht Hobe. Die Be­mühungen der Reichsregierung und der Landes­regierungen müßten anerkannt werden, doch sei ohne einen angemessenen Zollschutz und die ge­nossenschaftliche Hilfe die Erhaltung eines freien und selbstverantwortlichen Bauernstandes unmög­lich. Er begrüßte dann die Ehrengäste, unter ihnen auch den hessischen Wirtschaftsminister So« teil mit den Herren der Landwirtschoftsabtei- lung seines Ministeriums, die Vertreter der Land­wirtschaftskammer, des Reichsverbandes der deut­schen Genossenschaften, die Vertreter von Reichs­bank, Preußenkasse, Hessischer Landesbank, der Hessischen Landwirtschaftsämter, Landtagsabge­ordnete und Vertreter der befreundeten Ge­nossenschaften. Hierauf nahm

Minister

für Arbeit und Wirtschaft, Korell das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er u. a. sagte: Die landwirtschaftlichen Genossen­schaften hoben im letzten Iahr, namentlich in Rheinhessen, einen ansehnlichen Aufschwung ge­nommen. Ich teile nicht die Auffassung, diese Entwicklung sei zu stürmisch, volkswirtschaftlich

derne Film jedoch noch nicht auf dem richtigen Wege. Auch heute beschränkt er sich darauf, die älteren oder modernen literarischen Werke zu ver­arbeiten und nicht selbst Neues zu schaffen. Da­bei ist das filmische Dühnenspiel eine eigene Kunstgattung. Man kann nicht einfach das Drama des Theaters ins Bildhafte übertragen; ein sol­ches Verfahren muß notwendigerweise oberfläch­liche Filme von mangelhafter Publikumswirkung hervorbringen. Unsere Filmhersteller verstehen die hohe Technik des Films gut zu handhaben, aber sie haben alle Möglichkeiten noch bei weitem nicht ausgeschöpft; sie machen sich die Herstellung von Filmen viel zu leicht, und aus Mangel an Unter­nehmungslust oder weil sie um ihr Geld fürchten, fahren sie fort, dem Publikum Filme vorzusehen, die nach altem Muster gedreht sind. Die Film­kunst hat noch eine große Zukunft. Sie liegt mei­nes Erachtens in der Darstellung des Phan­tastischen, Seelenvollen. Mein neuer Film, den ich bald der Oeffentlichkeit zeigen werde, wird, hoffe ich, dem Publikum gefallen. Von den mo­dernen filmtechnischen Erfindungen lehne ich den Sprechfilm ab, dagegen erscheinen mir im Ton- und Klangfilm bedeutende Entwicklungsmöglich­keiten zu liegen.

Meine filmischen und besonders natürlich meine literarischen Arbeiten bereiten mir viel Freude. Die Vorfreude auf die Vollendung eines Werkes ist an sich schon eine Freude, schafft sie doch die Begeisterung, ohne die der Mensch und vor allem der Dichter nicht auskommen kann. Das eigentliche Wesen eines Kunstwerkes liegt in seiner erhabe­nen und läuternden Wirkung; eine solche Wirkung kann es nur ausüben, wenn es selbst in weihe­voller Stimmung geschaffen wurde. Wir können um von meiner Kunstart zu sprechen von einem literarischen Kunstwerk nur dann reden, wenn es dem Dichter gelingt, etwas Großes. Er­hebendes und menschlich Wertvolles in schöner Form vorzubringen. Damit der Dichter aber weih, was er sagen soll, muh er von überhöhter Stelle seine Zeit betrachten. Er muh wissen, was der Menschheit an tiefen und feinen Gedanken noch unbekannt ist. Er muh Fingerspitzengefühl haben und darf nur von würdigen Themen schreiben und nicht über Fragen, die nebensächlich sind, oder gar über Dinge, über die man lieber schweigen sollte. Er muh endlich das, was er zu sagen hat, in edler und reiner Sprache Vorbringen, er muh also ein wirklicher Sprachkünstler sein, und er muß es verstehen, für alle Vorgänge, insbesondere solche

nien, in denen es Husseins Söhne Feissal und Abdullah installierte auch zu einer politischen Gegnerschaft gemacht. Der religiöse Gegensatz zwi­schen Nedschd und Hedschas beruht darauf, dah der Wahabismus in den Pilgergebräuchen in Mekka und Medina etwas Heidnisches seit jeher erblickte. Aber Ibn-Saud lieferte einen sinn­fälligen Beweis staatsmännischer Klugheit, als ec nach der Eroberung von Hedschas beim siegreichen Einzug in Mekka (am 5. Dezember 1924) seinen Kriegern verbot, die dortigen Heiligtümer zu zerstören, und dadurch seinen Zusammenhang mit der ganzen Islamwelt draußen wahrte. Ende 1925 folgte dann die Eroberung von M e b i n a und Djddah Ibn-Saud ist damit zu dem mächtigsten Herrscher Arabiens geworden, zu einem Mann, dessen Autorität heute auf nun bald dreißigjähriger erfolgreicher Tätigkeit be­ruht.

Das englische Schachspiel hat sich hier selbst einen gefährlichen Gegner großgezogen. Gewiß, dieses Spiel hatte den Erfolg, dah es durch die Schaffung der beiden erwähnten Mandatsgebiete auch die panarabischen Ideen des eigentlichen Schützlings Englands, Husseins selbst, durch­kreuzte. Aber wie Ibn-Saud diesen Schachzug seinerseits empfindet, das zeigen uns seine Worte, die uns Ameen Rihani, ein Amerikaner syrischer Abstammung, der 1922 Ibn-Saud besuchte, in feinem BucheIbn-Saud of Arabia" mitteilt: Die Engländer spinnen Netze, um mich einzu­fangen. Sie haben mich mit Feinden umgeben und neue Staaten aufgerichtet, die sie gegen mich unterstützen."

Diese Spannung bleibt auch weiter bestehen, und darüber darf auch derFreundfchaftsvertrag" zwischen Ibn-Saud und England, der am 20. Mai 1927 in Djddah abgeschlossen wurde, nicht Hin­wegtäuschen. Denn der Gegensatz hat auch sehr greifbare Objekte: den Streit um die Strecke der Pilgerbahn, die über Transjordanisches Gebiet läuft, und den von Nedschd aus nach den Nach­bargebieten ausströmenden politischen Einfluh des Wahabismus oder richtiger des Ikwan-Ordens (siehe oben). Die Weiterentwicklung dieser Dinge zu verfolgen, ist von höchstem politischen In­teresse.

Der Dichter sagt seine Meinung.

Von Luigi pirandetto.

Der italienische Dichter, der augenblick­lich zur Verfilmung seines Bühnenstückes Sccbs Personen suchen einen Autor" in Berlin weilt, hat einen unserer Berliner Vertreter zu einem Interview empfan­gen.

Des Dichters Arbeit ist so vielgestaltig und die Veranlagung der einzelnen Dichter-Persönlich- leiten so unterschiedlich, daß die literarischen Schöpfungsmcthoden sehr voneinander abweichen. Diele Schriftsteller erleiden aufreibende Ansangs- qualen, sie krankSn an der Verlegenheit der sich überstürzenden Gedanken. Sie haben daher ihre eigenen Systeme, um die ihnen entgegentretenden Hemmungen zu überwinden. Wir wissen von Schiller, dah er zu erfolgreicher geistiger Arbeit an faulen Aepfeln roch, seine Nacheiferer^bedie­nen sich anderer Techniken, die oft so verschieden voneinander sind wie die Menschen selbst und ihre Begabung.

Ich kenne derartige Hemmungen nicht. Obwohl ich mich immer nur mit einer bestimmten Arbeit beschäftige, gehen mir stets verschiedene Spiels im Kopfe herum. Manchmal trage ich einen Stoff ein halbes Iahr und noch länger mit mir herum: er gewinnt dann immer mehr in der Gestaltung, bis er mich endlich dazu zwingt, mich an den Schreibtisch zu setzen, um ihn niederzuschreiben. Die Niederschrift selbst dauert nur wenige Wo­chen, ich bin also wohl, was man gemeinhin'einen schnellen Arbeiter nennt.

Zurzeit habe ich eine Lazaruskomödie vollendet. Außerdem ein Bühnenstück, das sichStegreif­theater" betitelt. Ich habe ferner einen Roman in Bearbeitung, in dem ich das Erlebnis des ersten Menschenpaares, Adam und Eva, schildere. Dem Geschmack unserer modernen Literatur ent­sprechend behandle ich das Thema rein menschlich, stelle diese beiden Personen also ohne Heiligen­schein dar. Heute treten die subjektiven Gefühle des Dichters mehr in den Hintergrund zugunsten dcs Anschaulichen, Unmittelbaren. Daneben widme ich mich film-literarischen Studien, die mich sehr interessieren und bei denen ich durch hervor­ragende Mitarbeiter unterstützt werde. Ich bin davon überzeugt, dah die Lichtbildkunst eine große Zukunft hat. Meiner Meinung nach ist der mo-

Jedermann ist nicht totzukriegen.

Von Hans JRiebau.

Federmann spielt Skat. Erster Preis: Eine Gans. Federmann will die Gans gewinnen. Er mogelt, mogelt und mogelt. Aber es hilft alles nichts. Mücke hat einen klotzigen Grand in der Hand. Die Gans ist sein.

Da haut Federmann mit der Faust auf den Tisch.Das vpiel gilt nicht", sagt er.

Warum nicht?" fragt Mücke.

Es ist gemogelt worden."

Wer hat gemogelt?" fährt Mücke hoch.

Wer gemogelt hat?" sagt Federmann,ich!"

hüllt wurde: während das Foreign Office Ibn- Saud jährlich eine Subvention von 60 OOO Pfund zahlt, unterstützt es nicht nur in der gleichen Weise seinen alten Feind Hussin in Mekka, sondern läht diesen bei seinen provozierenden Angriffen auf Ibn-Sauds Gebiet freie Hand und hält auch den Stamm der Adschman im Nordosten von Nedschd nicht von Feindseligkeiten gegen Ibn-Saud zurück.

Eine Politik der Ignoranz und der Voreinge­nommenheit" nennt Philby dieses Verhalten Eng­lands. Philbhs Bemühungen, Ibn-Saud mit Hus­sein auszusöhnen, waren unter diesen Umständen natürlich gescheitert, aber eins gelang ihm den­noch: Ibn-Saud zu einem neuen Feldzug gegen Ibn-Raschid zu bewegen. Doch dieserKrieg" verwandelte sich in einen gewöhnlichen Beutezug von Beduinen, in dem die Wahabiten Ibn- Sauds Tausende von Schafen und Kamelen er­oberten und nach Hause zurückkehrten. Hier er­wartete Ibn-Saud die Nachricht, daß England ihm alle Unterstützungen entziehe. Unverrich­teter Dinge muhte Philby Nedschd verlassen. Ibn-Saud entlieh ihn mit den Worten: Bisher versuchte ich meine Untertanen zu überzeugen, dah die britische Freundschaft ihnen schliehlich doch zum Vorteil gereichen würde. Aber wer will euch nach allem, was geschehen, noch trauen?"

Man kann diese Worte wohl als einen Wendepunkt in der inneren Entwicklung wie in der äußeren Politik Ibn-Sauds betrachten: von nun an beginnt seine Politik seinen eige­nen Zwecken zu dienen. Im Frühling 1919 rückt er gegen Hussein vor, besiegt ihn (am 25. Mai 1919) bei Tarabeh aber wird an der Ausnutzung dieses Sieges durch die Intervention Englands gehindert ... Zwei Iahre später unter­nimmt er zum drittenmal diesmal aber nicht England zuliebe, sondern um die eigene Macht zu erweitern einen Feldzug gegen Ibn -> Ra - schid, besiegt ihn und zieht im Herbst 1921 in Hail ein. Die Festigung seiner Herrschaft in Inner- Arabien erlaubt ihm aber, sich zu einem entschei­denden Schlag gegen den Urfeind Hussein in Mekka vorzubereiten. Diese .Feindschaft, die auf religiösen und dynastischen Gründen beruhte, hat England inzwischen durch die Schaffung der Mandatsgebiete Irak und Transjorda-

Zbn Saud.

Jum deutsch-arabischen Vertrag.

Von E. Mukden.

Die deutsche Außenpolitik zeigt in den letzten Wochen eine etwas gesteigerte Aktivität im nahen Orient. Am 17. d. M. wurde in Angora von dem türkischen Außenminister Tewfik Ruschdi Bey und dem deutschen Botschafter Nadolny einS ch i e d s- unö Vergleichsabkommen" unterzeichnet, das eine friedliche Regelung aller zwilchen Deutschland und der Türkei etwa auf- tauchenden Streitfragen vorsieht. Und zwei Wo­chen vorher kam ein Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Ibn-Saud, dem König von Nedschd und Hedschas. zustande, der gegenseitige diplomatische Vertretung, gegensei­tiges Niederlassungsrecht und Meistbegünstigung im Handel zum Gegenstand hat. In diesen Ver­trägen kommt aber auch die immer größer wer­dende außenpolitische Selbständig­keit des Orients selbst zum Ausdruck. Ganz besonders gilt das (ebenso wie bei Afghanistan) in bezug auf die Politik Ibn-Sauds. Cs ist na­mentlich eine immer wachsende Unabhängigkeit von den Banden b r i t i i ch e r Vormundschaft.

Gerade Ibn-Sauds Fall ist dafür ein lehr­reiches und, angesichts der geographischen Lage Arabiens als Drücke zwischen dem nahen Orient und Indien, auch weltpolitisch wichtiges Beispiel. Eben angesichts dieser Lage gehen die Bemühun­gen Englands seit Beginn des Weltkrieges dahin, Arabien der Oberherrschaft der Türkei und dadurch mittelbar auch dem Einfluß Deutschlands zu entziehen. Der ehr­geizige. von panarabischen Ideen erfüllte Herr­scher Mekkas. Hussein, erklärte schon im Iuni 1916 der Türkei den Krieg und wurde später völ­lig zum Werkzeug desungekrönten Königs Ara­biens". des heute weltberühmten Lawrence. Der Aktion an der Westküste Arabiens entspricht eine andere von der Ostküste aus: Percy Cox. bet britische Resident am Persischen Golf (der heutige High-Commissionar Englands im Irak- Mandatgebiet) umwirbt Abdul-Asis III., alias Ibn-Saud. einen Nachkommen des Begrün­ders des islamitischen Puritanismus, des Waha- bitentums, Abdel Wahab (17031791). Man muß schon dem englischen Spürsinn, allerdings nicht dem des Foreign Office, sondern der an Ort und Stelle arbeitenden britifchen Emisfionärc Pe- reh Cox und später Harry Philby recht ge­ben : sie haben in Ibn-Saud frühzeitig diebedeu­te n d st e Persönlichkeit des heutigen Arabiens erkannt. Seine Vergangenheit freilich weist be­reits eine Reihe kriegerischer wie staatsmännischer Erfolge auf: 1901 schon erobert er C'Riad, die Hauptstadt von Nedschd in Zentralarabien; recht­zeitig erkennt er seine innerpolitische Hauptauf­gabe: unter den ihm unterstehenden, aber sich ewig befehdenden Teduinenstämmen Frieden zu stiften, und erfindet dafür ein erfolgreiches Mit­tel: die Gründung des Brüderfchaftsordens des Ikhwan; 1913 erobert er die Provinz El-Hasa -am Persischen Golf und kommt so in unmittelbare Berührung mit den Engländern.

Die Werbung dieser letzteren um Ibn-Saud ist ursprünglich von Erfolg gekrönt. Ibn-Saud rückt schon Ende 1914 gegen Ibn-Raschid, den Emir von Djebel. den Herrscher des Reiches der Schammar (im Norden von Nedschd). der den Türken treu blieb, vor, ein mißlungener Feld­zug der aber Ibn-Sauds Treue für England noch nicht erschütterte. Dieses Zusammenhalten ist vor allem das Werk zweier Engländer: Percy Cox', mit dem Ibn-Saud 1916 einen Freund­schaftsvertrag schließt, dann besonders Harry Philby's, der 1917 an der Spitze einer englischen Gesandtschaft von einem Kriegsschiff in die Ducht des persischen Meerbusens gebracht wurde und der sich von hier aus nach E'Riad zu Ibn-Saud begab. Aber schon beginnt eine Duplizität der englischen Politik, ein Intrigenspiel, das selbst in der Geschichte der englischen Kolonial­politik seinesgleichen sucht und uns von keinem anderen als Harry Philby selbst in seinem Werk überArabia of the Wahhabis" neuerdings ent-

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Mischer iandwirischastlicher Geiwssenschastsiag

Feind sieht, gegen den er zu kämpfen hat, son­dern m i t dem er zu kämpfen hat. Der Minister verwies dann auf das Beispiel der dänischen Genossenschaften, denen er in nächster Zeit einen Studienbefuch abftatten werde und die vorbildlich für ganz Europa seien. Durch die Temperainents- und Charakterunterschiede der deutschen Stämme gehe die Entwicklung bei uns natürlich langsamer vor sich. Die Gcnosfenschaftsbewegung sei für den Bauernstand eine wirtschaftlich notwendige, national gesunde und sittlich wertvolle Einrich­tung. Der Minister wünschte zum Schluß den Genossenschaftern für das neue Genossenschafts- jahr ein herzliches Glückauf. (Lebhafter Bei­fall.)

Nach Worten des Vertreters der Preußenkasse. Direktor Schotte, der zur Vorsicht am Kredit­märkte dringend mahnte, ergriff

Vcrbandsdirekwr Verg

das Wort zum Jahresbericht, aus dem mir u.a. wiedergeben: Die LandwirtsäM krankt an zwei liebeln. Das eine ist akuter Natur, das sind die Mißernten, das andere liebel ist chronisch ge­worden, das ist der Wettbewerb der Landwirtschaft mit beßeren Böden, längerem Sommer, billigerer Arbeitskraft und besseren Absatzmethoden, sowie der Verlust der baren Betriebsreserven durch die In­flation, die drückenden Steuer- und Zinslasten und die unverhältnismäßig hohen Lohne. Weder dem einen noch dem anderen Nebel kann durch Kredit abgeholfen werden. Auch mit den Schlagwörtern Standardisierung" undDienst am Kunden" ist der Landwirtschaft nicht gedient. Die Absatz- frage ist ein nicht unwesentliches Mittel, aber die Voraussetzungen für ihre Auswirkling müssen nicht zuletzt durch staatliche Maßnahmen geschaffen werden. Aus dem N o t p r o g r a in m der Land­wirtschaft sind bedeutungsvolle Ausga­ben für die genossenschaftliche Orga­nisation erwachsen. Diese wurden in dieser Rich­tung unterstützt durch die zuständigen Reichsstellen und die Landesregierung. DieUmschuldunqs- a 11 i o n hat in Hessen nicht den gewünsch­te n Erfolg gebracht. Die Gesundung der finam zielten Lage muß von innen heraus kommen durch eigene Kapitalbildung. Eine Einheitsorganisation in jedem Lande, ein Verband, eine Zentralkasse, und eine Zentralgenossenschaft ist unbedingt anzu­streben. Don den 40 369 ländlichen Genossenschaf­ten im Deutschen Reiche sind 26 170, also 64,7 v. H. im Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften vereinigt. Don diesen 26 170 ent­fallen 12 924, das sind 49 v. S)., auf die Spar- und Darlehnskafsen. Hessen hat 445 Kreditgenossenschaften, das sind 42.5 Proz. des Gefamtbestandes. Die übri­gen Genofsenschaftsgrupven nehmen im Ge­gensatz zum Reichsdurchschnitt einen größeren Teil, und Atoar 54,5 Proz. des Gefamtbestandes. in Anspruch. Allerdings sind die Kreditgenofsen- schaften als örtliche Geldausgleichstellen und Kreditgeber die Kerntruppe der Gesamtorgani- sation. Die Entwicklung der Kreoit- genossenschaften ist als besonders er­freulich zu bezeichnen, da sie jetzt schon über 57,3 Prozent des Vorkriegsbestandes an Spar­einlagen und über 59.6 Prozent des Vorkriegs­standes an laufenden Rechnungseinlagen ver­fügen. Auch die Reserven betragen bereits 57.4 Prozent des Vorkriegsstandes. Der starke Zu­gang an Spareinlagen wurde fast restlos für Kredite an Mitglieder verwendet. Die ge­botenen Zinssätze sind als günstig zu bezeichnen. Die LI m s ä h e der Bezugs- und Absahgenossen- schaften haben sich auf mindestens der gleichen Höhe tote im Vorjahre gehalten. Das finanzielle Erträgnis war beschränkt durch die scharfe Kon­kurrenz und die Absicht, die Mitglieder möglichst preisgünstig zu bedienen. Die Drcfchgcnos- f e n s ch a f t e n fanden angesichts der guten Ernte reiche Detätigungsmöglichkeit, das gleiche gilt auch für die Winzergenossenschaften. Die Milch a.bfahorganisation wurde in allen drei Provinzen stark vorwärts getrieben. Die neugegründete Südwestdeutsche Molkerei­zentrale e. G. m. b. H. Darmstadt hat die Auf­gabe, in Verbindung mit den übrigen vier gleich­artigen Zentralen des Reiches für die deutsche

stein; der fährt morgen nach Rio de Ianeiro, um dort Vorträge zu halten."

Wer ist das?" fragt Federmann.

Einstein", sagt Schampe,der Mann mit der Relativitätstheorie."

Mit was?"

Mit. der Relativitätstheorie. Weiht du nicht, was relativ ist?"

Nein." sagt Jedermann.

Also hör' mal zu," erklärt Schampe.Die Zeit ist relativ. Wenn wir z. D. gemütlich in unterer Stammkneipe sitzen, dann sind zwei Stun­den schnell herum, nicht wahr?"

Jedermann nickt.

Wenn du aber zwei Stunden beim Zahnarzt warten muht und hast Schmerzen, dann ist das eine Ewigkeit. Hast du verstanden?"

Aha," sagt Jedermann,jawohl. Aber deshalb fährt der Einstein nach Rio de Ianeiro?"

Au." schreit Mücke, fährt mit der Hand zum Mund und fängt an zu spucken.

Was ist denn los?" fragt Jedermann.

Ich habe die Zigarre mit dem falschen Ende in den Mund gesteckt."

Das ist unangenehm," sagt Jedermann.Nur gut, dah du es gleich gemerkt hast."

Jedermann ist im Frühjahr in Venedig ge­wesen.

Wie war's denn?" fragt jemand.

Schwindel." sagt Jedermann,ich bin sofort wieder abgereist. Die meisten Straften waren überschwemmt."

Federmann ist bei Horniebel zu Besuch. Geht auf die Iagd. Im Lodenanzug, die Büchse über der Schulter, Patronentasche gefüllt, Hektor und Nero, die Hunde, an der Leine.

Von neun bis halb zehn knallt es im Walde, ilm zehn Llhr kommt Federmann zurück.

Nanu?" fragt Horniebel,willst du neue Patronen holen?"

Nein," sagt Jedermann,neue Hunde."

Hochschulnachrichten.

Der hessische Kultusminister hat den Münchener Kunstmaler Dr. Iosef P l e n k als aufterordent- lichen Professor für Zeichnen und Malen an die Technische Hochschule in Darmstadt berufen,