Ausgabe 
30.5.1929
 
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Sie Finanzlage der Reichsbahn.

Berlin. 29. Mai. (WTB.) Der Verwal- tungsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft genehmigte den Abschluß für 1928 und die Aus­schüttung einer siebenprozentigen Dividende auf die ausgegebenen Vorzugsaktien. Das Gleichge­wicht zwischen Betriebseinnahmen und -aus­gaben konnte nur durch unerwünschte Einschränkung der Sachausgaben er­reicht werden. 3n den ersten vier Monaten des neuen Jahres sind die Einnahmen um rund 30 Millionen Mark hinter dem Voranschlag zurückgeblieben, während die Ausgaben durch den Frost gesteigert wurden. Bei dieser ungünstigen Finanzlage ist es nicht möglich, einer Erhöhung der Personalausga­ben zuzustimmen, die insgesamt etwa 55 Millio­nen Mark ausmachen dürften. Die Deckung hier­für ist nicht vorhanden: eine weitere Einschrän­kung. der jetzt schon zu stark gedrosselten sachlichen Ausgaben ist unmöglich. Weiter wurde mitge­teilt. daß ein Kreditabkommen mit der Deutschen Wagenbauvereinigung noch nicht vollzogen werden konnte. Der Wettbewerb des Kraftwagens mit der Eisenbahn wurde eingehend behandelt. Der Der- waltungsrat ist überzeugt, daß der Reichsbahn ein entsprechender Anteil besonders auch am Derkehrszuwachs gesichert bleiben müsse. Er be- saßte sich mit den Maßnahmen, die hierzu auf tarifarischem und beförderungstechnischem Gebiet getroffen werden sollen.

Gemeinsamer Krastfahrbetrieb von Reichspost und Reichsbahn.

Berlin. 30. Mai. (Priv.-Lel.) 3n diesen Ta­gen ist. wie wir hören, seitens der Reichspost und der Reichsbahn ein Abkommen unterzeichnet worden, bas ein gemeinsames Zusam­menarbeiten zur besseren Aus­nutzung der öffentlichen Kraftfahr­linien vorsieht. Bisher betrieben die Reichs­bahn und die Reichspost nebeneinander in allen Gegenden Reiches zahlreiche Kraftpostlinien, und es kam auch vor, daß ein und dieselbe Linie von der Reichspost und der Reichsbahn g l e i ch z e i - t i g gefahren wurde. Dieser Zustand, der sich für die Wirtschaftlichkeit dieser Verkehrsmittel sehr nachteilig auswirkte, ist durch das soeben zustande gekommene Abkommen aus der Welt ge­schafft. Rach ihm wird die R e i ch s p v st alle Kraftfahrlinien, die dem Personenverkehr dienen, übernehmen, während es der Reichs­bahn Vorbehalten ist, den Kraftfahrdienst für den Güterverkehr in ihre Regie zu nehmen. Die Vorteile, die sich aus dieser Reuregelung für die Wirtschaftlichkeit ergeben, werden so­wohl von der Reichspost als auch von der Reichs­bahn für sehr wesentlich gehalten.

Ein neues Reichsgesetz über den Krastwagenverkehr.

Berlin. 30. Mai. (Prio.-Tel.) Wie wir hören, wird sich der Reichsrat demnächst mit einem Aende- rungsantrag zum Reichskraftwagenverkehrsgesetz zu beschäftigen haben, in dem eine zwangsläufige Haftpflichtversicherung für alleKraft- wagen gefordert wird. Außerdem verlangt dieser Antrag eine schärfere Anwendung der gegenwärtig bestehenden Verkehrsbestimmungen für Kraftfahr­zeuge aller Art, insbesondere eine genaueKon- trolle der Kraftfiahrzeuggeschwin­digkeiten, da, wie es in dem Antrag heißt, das Ichnelle Fahren auch auf der Landstraße am häufig- ten zu Unglücksfällen fuhrt. Schließlich wird fick »er Reichsrat auch noch mit der Forderung nacy einer allgemeinen Haftpflichtversicherung für Rad- f a h r e r zu beschäftigen haben.

Die Wiederaufrollung des Kalles Jakubowski.

Die Angeklagten Brüder Rogens werden vernommen.

R e u st r e l i h, 29. Mai. (WTB.) 3n der Vor- mittagssihung des zweiten Verhandlungstages im Rogens-Prozeß wurde die Ausführung des Mordes an Ewald Rogens und das Verstecken der Leiche des Kindes im KaninchenstaU erörtert. Der Angeklagte Fritz Rogens erzählt, 3akubowski habe noch am Morgen der Tat gezeigt, wo August Rogens den kleinen Ewald hinbringen sollte.3ch wollte," so erklärt Fritz Rogens,das Kind dann in einem Kaninchenloch verstecken". Fünf bis acht Minuten bevor August an dem be­treffenden Abend mit der Leiche an die be­zeichnete Stelle kam, habe er dort gewartet. Vorsitzender zu Fritz Rogens:Früher haben Sie gesagt, 3akubowski habe die Leiche ge­bracht." Angeklagter Fritz Rogens:Mein Bruder und ich hatten vereinbart, wir woUten uns gegenseitig nicht verraten, und so habe ich dann 3akubowski angegeben."

Beim weiteren Verhör gibt Fritz Rogens an, 3akubowski und. wie er glaube, auch sein Bruder, hätten ihm erzählt, das Kind sei dadurch getötet worden, daß Jakubowski ihm die Luft abdrückte. Vorsitzender:Sie haben auch einmal gesagt, den eigentlichen Mord hätte Ihr Bruder aus­geführt." Fritz Rogens:Als Ewald mir von meinem Bruder übergeben wurde, war er schon eine Leiche. August hat die Leiche unter dem Arm getragen und sie mir in die Arme gelegt. 3ch habe das Kind genommen und die Leiche mit den Füßen zuerst in ein Kaninchenloch gesteckt. Die Röhre des Kaninchenloches war so weit, daß die Leiche ohne Schwierigkeit hinein­geschoben werden konnte. Vor das Loch habe ich ein Stück Holz gelegt." Auf die Frage, wie er dazu gekommen sei, den Jakubowski in der früheren Verhandlung so stark zu belasten, daß er zum Tode verurteilt wurde, antwortete Fritz Rogens, er habe dies getan aus Aerger darüber, daß Jakubowski ihm das verspro­chene Geld für das Verstecken der Leiche nicht zahlte.

Ein neues Moment wird dadurch in die Ver- bandlung getragen, daß Fritz Rogens erklärt, er nabe noch am späten Abend des Mordtages mit Jakubowski, ebenso wie später mit seinem Bruder vereinbart, daß sie sich gegenseitig nicht verraten wollten. August Rogens bestreitet die Richtig­keit der Darstellung seines Bruders Fritz in allen Punkten und widerruft seine früheren Aussagen, wonach Jakubowski den Ewald getötet habe. Ein von ihm verfaßter Lebenslauf stimmt im wesent- lichen mit seinem früheren Geständnis überein, wo­nach er d i e Tat unter dem Einflüsse Ja­kubowskis begangen habe, nachdem dieser ihm als Belohnung für die Deiseitebrtngung Der

Leiche einen Anzug und ein Fahrrad versprochen habe. Jakubowski habe erklärt, Kreutzfeldt und Blöcker hätten falsch geschworen. Er, Jakubowski, sei der Anstifter, Kreutzfeldt und Fritz Rogens aber hätten die Tat ausgeführt.

Rach Abschluß der Vernehmung des Aug. Rogens wurden die Vorfälle am Abend und in der Nacht nach dem Mord besprochen. Durch Befragen von Fritz Rogens und seiner Mutter, Frau Kähler, stellt es sich heraus, daß diese damals fortgefahren war, damit das Kind in ihrer Abwesenheit ermordet werde. Mit dieser Feststellung wurde die Vormittagssitzung geschlossen. Das Gericht begibt sich im Laufe des heutigen Tages zum Tatort nach Palingen bei Schönberg, wo morgen vormit­tag ein ßo talterm in abgehalten wird. Die Hauptoerhandlung in Neustrelitz wird alsdann am Freitagvormittag fortgesetzt.

Das Notariat in Hessen.

Der Antrag Best im Gesetzgebungsausschutz.

Darmstadt, 29. Mai. Der Gesetzgebungs­ausschuh des Hessischen Landtages befaßte sich mit dem von dem Abg. Dr. Best und Genossen gestellten Antrag auf Aenderung des Ausfüh­rungsgesetzes über die Angelegenheiten der frei­willigen Gerichtsbarkeit vom 18.3uli 1899 sowie des Gesetzes über das Rotariat vom 15. März 1899. Der Antragsteller, der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Darmstadt, erstattete ein dreistündiges eingehendes Referat über seinen Antrag und hatte dem Ausschuß zur leichteren Durcharbeitung ein längeres schriftliches Expose zur Verfügung gestellt. Dieses brachte umfang­reiches statistisches Material über die Rechts­verhältnisse in Hessen und in den anderen deut­schen Ländern, eine Llebersicht über die Aus­wirkungen der Gebühren - und Stem­pelordnung, über die rechtliche Stellung des Notariats seit 1900 und der Rechtsanwaltnotare. Er führte aus, daß er bei Richtannahme seiner Anträge den Staatsgerichtshof anzurufen gedenke.

Der Vertreter der Demokratischen Par- t e i erklärte, daß er für seine Partei die Dest- schen Anträge ablehnen müsse, weil das jetzt in Hessen bestehende Notariatswesen sich als sehr segensreich erwiesen habe. Für das Publikum sei es leichter, mit einem Rotar als mit einem Richter seine persönlichen Ver­hältnisse zu besprechen: allerdings seien die Ge­bühren teilweise zu hoch, und er kündigte einen Antrag auf Herabsetzung der Gebühren an. Aach seiner Ansicht würde bei der Aw- nähme der Bestschen Anträge eine große Ver­mehrung des Gerichtspersonals, der Richter und Gerichtsschreiber sowie des Kanzleipersonals er­forderlich sein. Das jetzige Rotariat sei für den Staat besser und billiger nach seiner Ansicht.

Die Vertreter der Regierung gaben um­fangreiche und ausführliche Ergänzungen zu ihren schriftlichen Darlegungen. Sie waren der Ansicht, daß die jetzige Rotariatsregelung gegen die früheren Verhältnisse, wo die Beurkun­dungen durch die Ortsgerichte bzw. Amtsgerichte vorgenommen wurden, einen wesentlichen Fort­schritt bedeutet. Auch stehe ein Reichs- Notariat in Aussicht, so daß es sich nicht empfehle, jetzt in Hessen selbständig mit Ände­rungen vorzugehen. In manchen Fällen sei von feiten der Wirtschaft eine Reubesehung von freigewordenen Notariatsstellen gefordert wor­den: ein Abbau komme daher nicht in Frage.

Minister Kirnberger betonte, daß er die Bestschen Anträge als 3ustizminister und als Finanzminister eingehend geprüft habe, daß er aber zu der Ansicht gekommen sei, daß sie für den Staat keinerlei Gewinn bringen würden. Die Ausgaben für die Entschädigung der Rotariate, den Ausbau der Gerichte, usw. würden dagegen erheblich sein, so daß die jetzige Regelung zweifellos vorzuziehen sei.

Aus dem petiiionsausschuß des Hessischen Landtages.

Darmstadt, 29. Mai. Der Petitionsaus­schuh befaßte sich zunächst mit einer Reihe von Anträgen, die jedoch gemäß der Antwort der Regierung für erledigt erklärt wurden. Auf eine Eingabe des Dezirksverbandes für Handwerk und Gewerbe der Kreise Bensheim und Heppenheim betreffend Ladenschluß und Brötchen- Verkauf auf dem Lande und in den Städten mit ländlichem Charakter wurde die Regierung ersucht, bei geringfügigen Lieberschreitungen des Äachtbackverbotes entsprechende Rücksicht walten zu lassen. Eine längere Debatte entspinnt sich über einen Zentrumsantrag auf Abstellung der Auswüchse in den Darstellungen der Kinos, Theater und in den Auslagen der Zeitungs stände. Der 3nnenminister hat in seiner Antwort ausführlich auf die Maß­nahmen hingewiesen, die von ihm in dieser Hin­sicht bereits unternommen worden sind. Anwei- fung auf strenge Durchführung der bestehenden Gesetze und Verordnungen zu achten, sei den Polizeiorganen gegeben worden.

Oie Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau.

Essen, 29. Mai. (WB.) Die unter dem Vorsitz des Schlichters, Prof. Br ahn, gestern begon­nene Aussprache zwischen Zechenverband und Dergarbetterverbänden über Manteltarif und Ar­beitszeitregelung wurde heute gegen 2 Llhr be­endet. Zum Schluß der Verhandlung wurde von den Parteien festgestellt, daß diese Aussprache als Einigungsverhandlung vor dem Schlichter gelten sollte. Da eine Einigung über die beiderseittgen Forderungen nicht zu erzielen war, wurde eine Schlichterkammer gebildet, die unter dem Vorsitz des Schlichters ihre Ar­beit am 17.3uni aufnehmen wird.

Oie sächsische Staatsregierung an den Reichspräsidenten.

Die sächsische Staatsregierung hat anläßlich der Meißener Tausendjahrfeier nach­stehendes Telegramm an den Reichs­präsidenten gerichtet:Dor tausend Jahren wurde Burg und Mark Meißen errichtet und da­mit der Grundstein zum heutigen Staat Sachsens gelegt. Die sächsische Regie­rung benutzt diese Gelegenheit, um 3hnen, Herr Reichspräsident, den Ausdruck ihrer Der- e h r u n g zu übermitteln. Unvergessen wird Ihnen im deutschen Volke bleiben, daß Sie sich auch nach dem Zusammenbruch unseres Vater­landes zur Verfügung gestellt, das deutsche Heer in die Heimat zurückgeführt und durch 3hr

Beispiel selbstloser Pflichterfül­lung wesentliche Grundlagenlür den Aufbau unseres neuen staatlichen Lebens geschaffen haben. Seit über vier Jahren stehen Sie, über allem Parteihader erha­ben, an der Spitze des Reiches. Zu Ihren Hän­den, Herr Reichspräsident, erneuert die sächsische Regierung in diesen bedeutungsvollen Tagen i h r Gelöbnis unwandelbarer Treue zum Reich. Sächsische Staatsregierung, (gez.) H e l d t, Ministerpräsident."

Wie schon mitgeteilt, haben Reichsregierung wie sächsische Staatsregierung eine Teilnahme an der Meißener Tausendjahrfeier abgelehnt, weil die Meißener Stadtverordneten einen Antrag auf Ernennung des Reichspräsidenten zum Ehrenbür­ger abgelehnt haben.

Oie deutsche Ausstellung in Barcelona.

Ein glänzender Erfolg.

Barcelona, 29. Mai. (T. Tl.) Die deutsche Ausstellung kann trotz der zur Verfügung stehen­den beschränkten Mittel als ein durchschla­gender Erfolg bezeichnet werden, insbeson­dere infolge der Einheitlichkeit der Grundidee und der Leistungen der deutschen 3ndustrie. Diese Auffassung wird nicht nur von der Presse te- stättgt, sondern auch durch die Festrede, die Primo de Rivera auf dem von dem deut­schen Reichskommissar v. Schnitzler veranstalteten Festessen hielt. Primo de Rivera fand für Deutschland außerordentlich herzliche Worte, wie sie seit 15 3ahren in Spanien nicht mehr ver­nommen wurden. Er pries den Reichspräsi- dentenvon Hindenburg als weltgeschicht­liche Figur unter dem Kaiserreich, wie auch unter der Republik und als Repräsentant für Deutsch­lands kraftvolles Streben. Primo de Rivera er­kannte die deutsche Ausstellung als den greif­baren Ausdruck des Wiedererstarkens der deut­schen Wirtschaft an und sprach die Hoffnung aus, daß Deutschland im Interesse des sonst gefähr­deten europäischen Gleichgewichts eine weitere wirtschaftliche und politische Kräftigung erfahren werde.

Auch das Königspaar gab Beweise des tie­fen Eindruckes, den die Besichtigung der deutschen Ausstellung gemacht hat. Der König bekundete im Gespräch mit dem Reichskommissar v. Schmitzler das stärkste Interesse an den Fortschritten der deut­schen Technik. Besonders auf dem Gebiete des Flug­wesens, der Chemie und der internationalen Gel­tung der deutschen Industrie. Er äußerte die Mei­nung, daß der zunehmende Zusammenschluß der großen europäischen Industrien eine wirkungsvolle Förderung des Weltfriedens bedeute. Die Köni­gin, die sich in deutscher Sprache mit Frau von Schmitzler unterhielt, bekundete starke Anhänglich­keit an ihre deutschen Verwandten, sowie ihr gro­ßes Interesse für die wirtschaftlichen Verhältnisse des deutschen Volkes. Das Köniaspaar gab feine Absicht bekannt, anläßlich der deutschen Woche Ende Oktober einzelne deutsche Leistungen eingehender studieren zu wollen.

Das Telegramm Hindenburgs an den König, in dem sich der Reichspräsident sehr anerkennend über die spanische Leistung der Welt- ausstellung äußerte, hat in allen politischen Kreisen sowie in der gesamten spanischen Presse große Befriedigung ausgelöst.

Am Vorabend

der englischen Wahlen.

Ein letzter Appell der Parteiführer.

London, 29. Mai. (TU.) Die Schlußanstren­gungen der Parteien für den am Mittwochabend zu Ende gegangenen Wahlkampf haben keine Heber* raschungen mehr gebracht. Ministerpräsident Baldwin, der erst am Dienstagabend im Rundfunk seinen Schluhappell an das Land richtete, erklärte zusammenfassend, daß er in den letzten vier Jahren sein Bestes für das Land getan habe und entschlossen sei, in der gleichen Weise fortzufahren, wenn er eine Mehr­heit erhalten würde. Lloyd George faßte das Ergebnis des Wahlkampfes dahin zusammen, daß der Rücktritt der Regierung be­siegelt sei. Die Liberale Partei könne und wolle die Arbeitslosigkeit beseitigen. Ramsay M a c d o n a l d, der sich ebenso wie Baldwin während des ganzen Wahlkampfes besonders aktiv betätigt hat, erklärte, er werde zehn Millio­nen Stimmen für seine Partei aufbringen und sei bereit, die nächste Regierung zu bilden, aber nicht auf der Grundlage einer Minderheitsregierung. Die vielfach erwartete Wahlsensation ist bis zum heutigen Tage ausge­blieben. 3m Lande haben die letzten Tage zu einer propagandistischen Hochflut geführt, die aber das weitere Bild nur wenig verändert hat. Der morgige Wahltag wird ein Feiertag er ft er Ordnung sein. Fast sämtliche größeren Hotels und Restaurants in London und den anderen großen Städten veranstalten am Abend große Bälle, deren Hauptzweck die dabei erfolgende Bekanntgabe der etwa einlaufenden Wahlergebnisse sein wird.

An der Börse, wo schon seit Monaten Vor­aussagen für die Wahlen ausgegeben werden, wurde heute als voraussichtliches Ergeb­nis der morgigen Wahlen notiert: Konservative 269, Arbeiterpartei 246, Liberale 98, Llnabhangige 7 Sitze. Bei den letzten Wahlen hatten die Kon­servativen 413, die Arbeiterpartei 150 und die Liberale Partei 40 Sitze errungen.

Kunst und Wissenschaft.

Zum 70. Geburtstag des Geheimrats hergesell.

Die Feier des'70. Geburtstages des Geheimen Reg.-RatS Hergesell, des Schöpfers und führen­den Gelehrten der Wissenschaft von der physi­kalischen Atmosphäre wurde in seinem Berliner Heim begangen. Mit dem preußischen Kultusminister Dr. Decker waren die Vertreter anderer Reichsministerien und preußischer Staats- tnstitute, UniDerfitäten und Technischer Hoch­schulen usw. erschienen. Der Reichspräsi­dent hatte ein in herzlichen Worten gehaltenes Handschreiben gesandt. Unter ten vielen Telegrammen, die eingelaufen waren, befanden sich auch solche aus Indien, Rußland, England, Norwegen, Amerika, Oesterreich, ter Tschecho­slowakei usw. Der Kultusminister feierte die Verdienste Hergesells um die Wissenschaft und um die Praxis. Professor Dr. Linke sprach im Auftrage ter Direktoren ter meteorologischen 3n* stitute. Professor Vickmarra überreicht» Die teil* 1

senschaftliche Festgabe mit 21 Arbeiten ter nant* Haftesten Meteorologen des Inlandes und eben« sovielen ter Meteorologen des Auslandes. Geh. Oberregierungsrat Schwoerer sprach für die Notgemeinschaft ter deutschen Wissenschaft. Pro­fessor Dr. v. Ficker für die Uniberfität Berlin und die deutsche Meteorologische Gesellschaft, Ge­heimrat Kohlschütter für die Deutsche Geo­physikalische Gesellschaft usw. Hergesell sprach tiefbewegt seinen Dank aus und nannte drei Auf­gaben, die er noch gern lösen möchte, nämlich: Wissenschaft und Praxis, die teilweise noch eigene Wege gehe, zu vereinigen, Flugzeuge in die Stra­tosphäre bis 2o 000 Meter Höhe zu regelmäßigen wissenschaftlichen Versuchen zu treiben und den internationalen Wetterdienst weiter auszubauen.

Toscanini nimmt Abschied von ter Oper.

Toseanini, dessen Berliner. Gastspiel mit der Mailänder Skala sich zu einem beispiel­losen Erfolg gestaltet hat, hat sich bereit erklärt, im Herbst wieder nach Berlin zu kom­men. Da er aus dem Verbände der Skala ausscheidet und auf die Tättgkeit als Operndirigent verzichten will, wird er mit dem Orchester der N euhvrker Metro­politan-Oper in Berlin eine Reihe von Konzerten geben. In Bayreuth will Tosca­nini im nächsten Sommer denTristan" dirigieren. Es wird natürlich an Versuchen nicht fehlen, den einzigartigen Dirigenten von seiner Absicht abzubringen, aber Toscanini scheint zum Abschied von der Oper entschlossen zu sein.

Aus aller Welt.

Mißglückter Transozeanstart.

Der Versuch des amerikanischen FlugzeugS Green Flash", zu einem Transozeanflug nach Rom zu starten, ist mißglückt. Da« Flugzeug, das einschließlich des Brennstoffs zwei Tonnen wog, wollte gleichzeitig mit seinem fran­zösischen RivalenGelber Vogel" aufsteigen. Als es bei feinem Startversuch etwa 400 Meter weit gerollt war, grub sich ein Rad tief in den Sand ein. Das Flugzeug neigte sich plötzlich zur Seite, und fast wäre ein Flügel abgebrochen, ehe es zum Halten gebracht werden konnte. Es hat jedoch keinen ernstlichen Schaden erlitten. Das französische Flugzeug kam glücklich vom Boden, mußte aber nach einem Fluge von 20 Minuten wegen eines Lecks im Benzintank wieder landen.

Der Ozeansegler Müller in Miami.

In Miami (Florida) ist ter Deutsche Paul Müller, ter in einem kleinen Segelboot den Ozean überquert hatte, mit seinem Boot nach siebentägiger gefahrvoller Reise von Havanna eingetragen.

Berliner Börse.

Berlin, 30. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Mitteilung, daß in Paris bis auf einige noch un­geklärte Punkte eine Einigung erzielt worden ist, hat natürlich eine sehr freundliche und bis jetzt sehr feste Tendenz hervorgerufen. Elektro­werte und Farben sind besonders lebhaft ge­fragt, das Geschäft ist wesentlich größer als ge­wöhnlich. Die Kurse liegen etwa 3 bis 6 Prozent über gestern mittag Schluß. A.E.G. 198, Dchuüert 252, Siemens 388, Farben 253. Am Devisenmarkt hörte man: LondonKabel 4,85. LondonMadrid 34.40, LondonBerlin 20.33 bis 20.50, Kabcl Berlin 4.1925.

Oie Wetterlage.

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Kithter Osi massiger Südsüdwest q stürmischer, «ordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stehenden Zah» len gehen die Temperatur an. Oie Limen verbinden Orte mit gleichet- *uf Meeresniveau »moe-ecnnelen Luftdruck

Wettervoraussage.

Das Vordringen der Kaltluft führte im Laufe des gestrigen Tages auch in unserem Bezirk zu verbrei­teten Gewitterstörungen, und die Abkühlung betrug in den gestrigen Abendstunden etwa drei bis vier Grad. Mit der Kaltluft setzte gleichzeitig erneuter Barometeranstieg ein, so daß die Wetterlage wie­der durch hohen Luftdruck bestimmt wird. Wir kom­men dabei mehr an die Südseite des Hochs zu liegen. Die Luftzufuhr, die anfänglich noch aus Nordoften stattfindet, erfolgt alsbald mehr aus Osten. Infolgedessen hält die aus höheren Breiten stammende Lust zunächst das kühle Wetter, das be­sonders nachts in Erscheinung treten wird. Tagsüber jedoch gewinnt die Sonnenstrahlung mehr Einfluß, so daß die Temperaturen Meder zum Steigen kommen.

Wettervoraussage für Freitag! Meist heiter, nachts kühl, tagsüber wieder eiw- sehende Erwärmung, trocken.

Lufttemperaturen am 29. Mai: mittags 22,3 Grad Celsius, abends 16,3 Grad; am 30. Mai: morgens 14,3 Grad Celsius. Maximum 24,7 Grad, Minimum 11,5 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefs am 29 Mai: abends 25,8 Grad: am 30.MaU morgens 18,6 Grad Celsius. Niederschlag 03 MiM metek. , Sonnenscheindauer 9 Stunden.