Ausgabe 
30.4.1929
 
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ftellunfl genommen hatten, etwa 1000 Teilnehmer. Die Weiherede hielt der zweite Vorsitzende des Odenwaldklubs, Weihert, Mannheim. Das Denkmal trägt die WidmungUnferen Gefal­lenen. 19141918°. Darüber befindet sich das Symbol des Odenwaldklubs, das Eichenlaub, linier den Hornklängen des Komeradenliedes erfolgte dann eine Reihe von Kranzniederlegun­gen am Fuße des Ehrenmals. Der Weiheakt war von musikalischen und gesanglichen Darbietungen umrahmt.

Aus -er Provinzialhaupistadt.

Gießen, den 30. April 1929.

Werbewoche des Vereins für das Deutschtum im Auslände.

Wie andere Landesverbände, so wird nach 'Beschluß des Hauptvorstandes auch der Lan­desverband Hessen des V. D. A. in die­sem Jahre wieder eine Werbewoche zum Besten unserer deutschen Volksgenossen im Aus­lände veranstalten. Die Ortsgruppe Gie­ßen des V. D. A. hat nach einer dieser Tage obgehaltenen Sitzung des Vorstandes den 8. bzw. 9. b i s 16. Juni dafür vorgesehen. Den Auftakt zu den Veranstaltungen wird voraussichtlich wie­der, wie bei der noch in guter Erinnerung stehen­den ersten Werbewochc, ein Fackelzug der Schulgruppen am Samstagabend, den 8. Sunt, geben. Hieran sollen sich am Sonntag, 9. Juni, eine Fe st Vorstellung und die übliche S t r a- ßensammlung anschliehen. Vorträ ge in den Schulen und Haussammlungen werden an den darauffolgenden Wochentagen die Werbe­arbeit fortsehen. Geplant ist ferner, daß eine wei­tere Veranstaltung der neugegrün­deten akademischen Ortsgritppe des V. D. A. im Verband mit den auslanddeutschen Studierenden die Werbewoche zum guten Ab­schluß bringen wird.

Daten für Mittwoch, 1. Mai.

1862: der Schriftsteller Marcel Prevost in Paris geboren; 1872: Gründung der Universität Straß­burg: 1873: der Forschungsreisende David Li­vingstone am Bangweolosee gestorben (geboren 1813).

Gietzencr Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 50, Weißkraut 20 bis 30, Rotkraut bis 30, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 20 bis 30, Spinat 40 bis 50, Spargel 150, Unter- Kohlrabi 10 bis 12, Feldsalat 200 bis 250, Tomaten 80 bis 100, Zwiebeln 20 bis 25, Meer­rettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 40 bis 90, Kartoffeln 6, ausländische Aepfcl 40 bis 80, inländische Aepfel 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 70 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; -Köse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 90 bis 100, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 100 bis 150, Salat 20 bis 40, Salatgurken 80 bis 100, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück; Radieschen 20 bis 25 Pf. das Bund:

Vornotizen.

Die Eröffnungsfeier der Volks­hochschule findet am Samstag, 4. Mai, 20 Uhr, im Singsaal des Realgymnasiums statt. 3m Mittelpunkt steht die Vorlesung ausgewählter Stellen ausFrühling" von Johannes Schlaf. Zur Durchführung des musikalischen Teils haben sich Frau E. Fischer (Klavier), die Herren Franz Dauer fr. (Violine), C. B. Knaus (Violine) und Herbert Krüger (Gesang) zur Verfügung gestellt. Näheres in der heutigen Anzeige.

Vornan einer Nacht

Don paul Rofenhayn.

16-Fortsetzung. Nachdruck verboten.

3a. Herr Riedinger hatte im allgemeinen die Gewohnheit, früh oufzustehen." Ein Geräusch kam vom gegenüberliegenden Ende des Saales, als ob ein Stuhl gerückt werde. Der Präfekt wandte sich um.

Der Staatsrat Krentz hatte sich erhoben.

Am Morgen des 9. September fiel cs dem Personal auf, daß nichts sich im Zimmer Rie- dingers rührte. Endlich, gegen elf Uhr, klopfte man. Als es nichts nützte, rief man Herrn Rie- dinger durch das Hoteltelephon an. Er gab keine Antwort. Darauf ließ man das Zimmer öffnen. Riedinger lag erschossen auf dem Teppich. Die Waffe fehlte."

Aage Lund nahm das Wort.

Ich möchte um eine kleine Auskunft bitten, Herr Präfekt: Standen die Fenster des Hotel­zimmers offen? Oder waren sie geschlossen?"

Es war eine warme Frühherbstnacht: eins der Fenster stand halb offen."

Ich danke Ihneir."

Der Vorsitzende blickte herüber zum Staats­rat Krentz, der in seiner apathischen, säst un­persönlichen Art langsam auf die Schranle zu­trat.

Es ergibt sich die Frage nach jenem großen Unbekannten. Haben Sie irgend jemanden er­mitteln können, der jenen Fremden aus dem Re­staurant Rordfeldgasse 41 gesehen hat?"

..Rein, Herr Präsident. Niemand kann über ihn Auskunft geben."

Staatsrat Krentz trat mit freundlichem Lächeln an den Sitz des Präsidenten heran. Er zog die Brieftasche und entnahm ihr eine kleine Photo­graphie.Ich glaube," sagte er mit seiner leisen Stimme,der Mann auf diesem Bilde dürfte für die Aufklärung der Angelegenheit eine gewisse Rolle spielen."

Damit legte er die Photographie auf das grüne Tuch.

Der Präsident nahm das Bild in die Hand und ließ es unter den Geschworenen zirkulieren. Alle zuckten die Achseln: keinerlei Reminiszenzen schienen sich an diese Photographie zu knüpfen.

Eben wollte öer_ Vorsitzende bas Bild an den Staatsanwalt zurückgeben, als dieser sagte:

Ich höre, Herr Präfekt, daß man vor einer Stunde einen Kapitän vernommen hat, der von einem seltsamen Frenrden gesprochen hat ich glaube, er führt den Namen Fedor Sokoloff. Gäbe es eine Möglichkeit, jenem Kapitän dieses Bild vorzulegen?"

** Der Abschluß der Winterspicl- zeik des Stadttheaters. Während in früheren Jahren die Winkerspiclzeit bis 30. April dauerte, hat die Intendanz des Stadtthcaters in diesem Jahre den Abschluß auf den 31. Mai festgelcgt. Die Spielzeit ist also um einen ganzen Monat verlängert worden. Statt der früheren 28 Abonnements-Vorstellungen werden bis Ende Mai 32 Vorstellungen herausgebracht sein. Diese Verlängerung der Spielzeit wurde bereits bei Eröffnung der Saison 1928,29 angekündigt und wird auch ordnungsmäßig eingehalten. Da dos Stodtlheater Gießen in diesem Jahre wieder­um mit dem Kurtheater Bad-Nauheim in einen Spielvertrag getreten ist, muß zwischen den bei­den Terminen Gießen Nauheim eine 14tägige Ferienpause für die Mitglieder eingeschoben wer­den. Dadurch gruppieren sich die 2ll)onenntentage für Mai wie folgt: Am Mittwoch, 15. Mai, wird im Freitagabonnement Irene Tri sch in StrindknrgsScheiterhaufen' gastieren, am 17. Mai und 21. Mai sind die Wieder­holungen von ZuckmayersKatharina Knie" vor­gesehen. Es wird außerdem noch eine Erstauf­führung durch das Abonnement gehen.

** Straßensperrungen. Wie der Ober- hessische Automobilclul' (A. v. D.) Gießen uns mitteilt, sind folgende Straßen gesperrt: Großkar- benBurggräfenrode im Zuge der Strecke Assen- heim Großkarben bis auf weiteres, Umleitung über Niederwöllstadt: ErmenrodGroßfeldo im Zuge der Straße GrünbergAlsfeld vom 6. bis 7. Mai für alle Fahrzeuge, Umleitung über KleinfeldaZeilbach: EibelshausenLaasphe im Zuge der Straße DillenburgBiedenkopf für alle Fahrzeuge vorn 29. von 121/ bis 2 Uhr vormittags, Umleitung über SimmerbachRoth: Kiiom. 26 bis 26.4 im Zuge der Straße Her­bornHachenburg für alle Fahrzeuge vom 6. bis 10. Mai, Umleitung über Waldaubach: Kilo­meter 4,9 bis 6,2 im Zuge der Straße Schelde- lahnstraße bis Eiershausen für alle Fahrzeuge vom 29. 'April bis 16. Mai, Umleitung über Hirzenhain Lixfeld.

* * 23 o m Zuge überfahren und ge­tötet. In der letzten Nacht gegen 11 Uhr wurde im Bahnhof Großen-Linden in der Nähe des nach Gießen zu gelegenen Stellwerks auf den Schienen die Leiche eines Mannes aufgefunden, der sich von einem der V-Züge gegen 10 Uhr abends hakte über­fahren lassen und auf der Stelle getötet worden war. Wie feftgefteUt wurde, handelt es sich um einen Gießener Einwohner, der schon vor einigen Monaten einen Selbstmordversuch durch Erschießen gemacht hatte, dann aber in der Klinik wiederher­gestellt wurde. Die Gerichtsbehörden wurden heute früh benachrichtigt, bis heute mittag war aber die Leiche von der Staatsanwaltschaft noch nicht frei­gegeben worden.

* * A u t o z u s a m m e n st o ß. Am Sonntag­nachmittag gegen 5.15 Uhr stießen an der Ecke Friedrichstraße-Frankfurter Straße zwei Personen- autos von denen eins nach Kassel gehört, während das andere nach Westerburg zuständig ist zusam­men. Bei dem Unglück erlitt leider ein krankes Kind, das von feinem Baker mit dem Westerburger Auto nach der Klinik verbracht werden sollte, erhebliche Verletzungen im Gesicht, während der Vater selbst unverletzt blieb. Ebenso kam der einzige Insasse und Lenker des Kasseler Kraftwagens ohne Ver­letzungen davon. Beide Wagen wurden am Vorder­teil so stark beschädigt, daß sie abgeschleppt werden mußten. Nach dem Eingeständnis des Kasseler Au­tomobilisten trägt er die Schuld an dem Zusammen­stoß. Er macht zu seiner Entschuldigung jedoch gel­tend, daß er durch eine Radlerin in seiner Fahrbahn behindert und dadurch zum Fahren auf die ver­kehrte Straßenseite gezwungen worden sei, wo dann der Zusammenstoß mit dem Westerburger Auto erfolgte.

* * Ei n Zusammenstoß zwischen einem Personenauto und einem Motorrad mit Beiwagen ereignete sich am Sonntagabend gegen 7 Uhr an der Ecke Steinstraße-Marburger

Der Vorsitzende blickte hinüber zum Gerichts­diener. Der antwortete auf die stumme Frage:

,.Der Zeuge ist noch draußen."

Dir Angeklagte hatte wie elektrisiert Üuf das zirkulierende Bild geblickt, nun schaute sie, sicht­liche Angst in den Zügen, in den Zuhörerraum hinüber, aus dem drei Augenpaare unverwandt auf sie gerichtet waren.

Das Licht erlosch im Saal.

Der Vorsitzende blickte ins Protokoll.Der Kapitän Chrysander?"

Es schien, als ob sich in diesem Moment der Saal verfinstere: als ob ein großer dunkler Vogel hereinflattere und seine Flügel drohend ausbreite. Das Licht schrumpfte förmlich ein: das Gesicht der Angeklagten wurde zusehends bleicher und schmaler: ihre Augen starrten glühend auf die drei dort drüben die zwei Männer und die Frau in ihrer Mitte: diese vier Menschen mochten wissen, daß das Schicksal selbst in diesem Moment an die Pforte pochte.

Der Gerichtsdiener kam zurück. Er meldete mit seiner monotonen Stimme:

Der Zeuge Chrhsander."

And ließ den Herrn im blauen Anzug ein* treten.

Chrysander ging mit seinen weit ausladenden Schritten auf die Barriere zu: aller Augen waren auf ihn gerichtet: der Vorsitzende hielt ihm das Bild entgegen.

In diesem Augenblick geschah das ilnertoartetc.

Das Licht im Saal erlosch.

Ein Aufschrei ging durch den Raum: just im spannendsten Moment war diese neue Wendung eingetreten, an deren Zufälligkeit kein Mensch in diesem Saal glaubte. Alles schrie durcheinander: auch die Notbeleuchtung hatte versagt: das war ein seltsames Zusammentreffen.

Das Richterkollegium war aufgesprungen: im Zuhörerraum war eine Art Panik entstanden. Gelegentlich, wenn jemand ein Streichholz ent­zündete. blickte man auf unruhig durcheinander hastende Menschen: ein paar mochten sich die Verwirrung zunutze gemacht haben: augenschein­lich waren sie über die Barriere in das Innere des Saales gedrungen.

Der Gerichtsdiener riß die Tür auf: auch auf dem Korridor war das Licht erloschen: das ganze Haus lag in grauer Finsternis. Der Dor- sitzende drückte auf den Knvdf seines Telephons: niemand meldete sich.

Zum Teufel!" kam seine Stimme durch den allgemeinen Wirrwarrwarum antwortet die Zentrale nicht?"

Der Gerichtsdiener, der eben von draußen kommen mochte man erkannte ihn an seiner monotonen Stimme rief zurück:

-.Die Televhonglocke hat nicht angeschlagen, die Leitung muß durchgeschnitten sein."

Straße. Das Auto, das von einer Dame gesteuert wurde und nach Marburg gehört, kam aus der Steinstraße heraus, um in der Richtung nach Lol­lar zu fahren. Im gleichen Augenblick kam das Motorrad mit Beiwagen, das einem Gießener Ein­wohner gehört, in der Richtung nach dein Walltor zu heran. Bei dein Zusammenprall der beiden Fahr­zeuge wurde das Motorrad umgeworfen, wodurch die in dem Beiwagen sitzende Gattin des Motor­radlers herausfiel und dabei leichte Verletzungen erlitt. Der Motorradler und die Insassen des Kraft­wagens blieben unverletzt. Beide Fahrzeuge wurden leicht beschädigt: das Auto konnte feine Fahrt nach Marburg fortfetzen. Ucber die Schuldfrage muß erst die behördliche Untersuchung näheren Aufschluß bringen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

L W i e s e ck. 30. April. Zum erstenmal fand am vergangenen Sonntag in der Schule, Alice- straße. eine Handarbeitsausstellung der hiesigen Volks - und Fortbildungs­schule stakt. Diese Ausstellung sollte der Ein­wohnerschaft darüber Zeugnis oblegen, was heute in den Schulen im technischen Unterricht geleistet wird. Nach allen vorgelegten Arbeiten, hergestellt von den Schülerinnen vom 3. Schuljahr bis zum 2. Fortbildungsschuljahr, kann man behaupten, daß die hiesige Schulleitung sich auf dem rich­tigen Weg befindet. Der gute Besuch der Aus­stellung durch die Eltern und Ortseinwohner war die beste Anerkennung für die von der Leiterin, Fräulein Altvater, geleistete Arbeit.

: Großen-Buseck, 28. April. Von den Bahnhöfen Großen-Buseck und Reiskirchen her wird eben das Material zur Pflasterung der Provinzial st raße Gießen Reis­kirchen angefahren. 2m vergangenen Jahre wurde eine vier Kilometer lange Strecke im Gießener Wald mit Steinpflaster versehen, in diesem Jahr sind weitere drei Kilometer vor­gesehen, so daß dann die Straße bis zum Bahn­übergang nach Reiskirchen Kleinpflaster hat. Die große Verkehrsstrahe befindet sich in einem sehr schlechten Zustand, an manchen Stellen mußten sogar Notausbesserungen vorgenommen werden. Mit den Pflafterarbeiten soll in Kürze begonnen werden. Es ist deshalb mit einer Umleitung des Verkehrs sür einige Zeit zu rechnen.

-I- Grünberg, 29. April. 2hre alljährlich übliche Zusammenkunft hielten die unter der Leitung des Dirigenten Konrad Nico­lai, Großen-Buseck, stehenden Gesangver­eine am Sonntag in Grünberg ab. Nachmittags 1 Uhr trafen die Vereine mit der Bahn hier ein und wurden mit Musik auf den Marktplatz geleitet. In einer kurzen, kernigen Ansprache hieß der zweite Vorsitzende des hiesigen Gesang­vereins ., Sängerkranz", Spengler meister Frie­del Schröder, die auswärtigen Sangesbrü­der herzlich willkommen. Anschließend folgten derDeutsche Sängergruß" und die beiden Chöre Nur die Hoffnung auf erhalten" undGott grüße dich, du schöner Wald", vorgetragen von etwa 400 Sängern. Nach einer Pause fand dann um 3 Uhr in der dichtgefüllten Turnhalle ein Kon­zert statt, bei dem jeder Verein zwei Chöre vortrug. Die folgenden 9 Vereine traten dabei auf:Sängerkranz" Grünberg.Sängcrvereini- gung Alten-Buscck,Heiterkeit" undSänger­kranz" Großen-Buseck,Harmonie" Reiskirchen, Arion" Klein-Linden,Gesangverein" Rutters­hausen,Concordia" Rödgen undBruderkette" Beuern, ein zehnter Verein aus Treis a. d. Lda war aus Anlaß einer örtlichen Feier nicht er­schienen. Die Leistungen der Vereine standen durchweg auf beachtlicher Höhe und, ließen eine gute Schulung und fleißige Arbeit durch den bewährten Dirigenten K. Ä i c o l a i erkennen. Am Samstagabend hielt in der hiesigen Turn­halle Kapitänleutnant a. D. Mumin einen Filmvortrag über die Skagerrak-

Stimmengewirr stieg auf, breitete sich über den Saal aus wie eine murmelnde und gefähr­liche Flut: durch das Dunkel, das mit jeder Mi­nute drohender und unheimlicher wurde, lam das Geräusch von hastenden Tritten, gemischt mit unterdrückten Ausrufen, mit Fluchen, mit Schreien. Alles schien ratlos durcheinander zu hasten: immer lauter und dröhnender wurde das Stim­mengewirr.

Plötzlich lautlos, wie mit einem Zauber­schlage flammte das Licht wieder auf.

Alles blickte erstaunt um sich: alle Dinge hatten sich verändert. Die Jury kehrte, ein wenig klein­laut, auf ihre Plätze zurück: die Iustizsoldaten nahmen die Angeklagte von neuem zwischen sich aber das Bild des Zuhörerraums war ein an­deres geworden: die drei in der ersten Reihe die zwei Männer und die Dame waren ver­schwunden.

Wo ist das Bild?" fragte der Vorsitzende.

Das Bild war verschwunden.

Während alles emsig, wie verzweifelt nach dem Bilde suchte, richtete der Präsident seinen Blick mit wachsendem Erstaunen auf die Angeklagte: wie in einem jähen Begreifen sagte er mit leiser, fast ein wenig zitternder Stimme, in­dem er die Angeklagte fixierte:

Wer sind Sie?"

Alles wandte den Kopf zu der Angeklagten hinüber: erst jetzt erkannte man Sinn und Ziel der Veränderung.

Wer sind Sie?" fragte der Präsident zum zweiten Male.Wie kommen Sie auf die An­klagebank."

Ich weiß es nicht," antwortete die Gefragte. Man hat mich mit Gewalt auf diesen Platz geführt."

Sofort das ganze Haus schließen!" brüllte der Präsident in den Saal hinein.Niemand kommt heraus! Wer sind Eie, zum Teufel! Wo ist die Angeklagte?"

Der Ruf pflanzte sich fort durch den Saal hallend lief er durch das Haus.

Wo ist Marfa Ermolieff?"

Ich bin Vera Ermolieff." antwortete die Frau in der Anklagebank,Marfas Schwester."

Wo ist Ihre Schwester?"

Ich weiß es nicht, Herr Präsident."

Diese plötzliche Dunkelheit ist doch offenbar vorbereitet."

Ich weiß es nicht."

Doch, Eie wissen es!" schrie der Präsident sie an.Sie saßen vorhin dort drüben. 3m Zu- hörerraum. Mit zwei Männern. Wo sind diese Männer?"

Ich weiß es nicht."

Ich weiß es nicht ich weiß es nicht! Ich sage Ihnen: Sie wissen es!"

Die Tür ging auf. Es war der Gerichts- diener.

schlacht. Sowohl der erläuternde Vortrag des 'Veranstalters, als auch der dreiaktige Film lie­ßen die Teilnehmer einen klaren Einblick in diese gewaltige Seeschlacht gewinnen, die unsere Flotte ehrenvoll gegen eine gewaltige äle vermacht ge­schlagen hat. Am Nachmittag war der Fllm als Schülervorstellung gegeben worden. Anschlie­ßend wurde jedesmal noch der Film von der .tannenbergfeier mit dem Reichspräsiden ten von Hindenburg gezeigt. Beide Ver­anstaltungen waren gut besucht.

j. Hungen, 29. April. Zu dem heute hier ab gehaltenen Ferkelmarkt waren 462 Ferkel auf- getrieben. Es kosteten 6 bis 7 Wochen alte Tiere 30 bis 36 Mark, 7 bis 8 Wochen alte Tiere 37 bis 42 Mark, 8 bis 9 Wochen alte 43 bis 48 Mark, 9 bis 10 Wochen alte 49 bis 55 Mark, 10 bis 12 Wochen alte 56 bis 65 Mark je nach Ware. Die Bestände wurden trotz der hohen Preise nahezu geräumt.

Kreis Fricvberg.

WSN. Friedberg, 29. April. Nach kurzem Krankenlager verstarb am Freitag im hiesigen Bürgerhospital der Landwirt Wilhelm Dorsch aus Wölfersheim an den Folgen einer Blutvergif­tung, die er sich beim Streuen von K u n st - düng er zugezogen hatte.

Kreis Büdingen.

* Büdingen, 28. April. Auf Schloß Meer- Holz ist vergangene Nacht Graf Gustav zu Vsenburg und Büdingen nach längerem Leiden gestorben. Er war am 18. Februar 1863 geboren und seit 1896 mit Prinzessin Thekla Von Schönberg-Waldenburg vermählt. Da die Ehe kinderlos blieb, ist mit ihm die Meer« Holzer Linie des Hauses Psenburg erloschen. Von den ausgedehnten Besitzungen fällt der größere Teil an Büdingen, der kleinere an Wächtersbach.

Kreis Schotten.

> Freienfeen, 28. April. Unsere Ge­meinde, die seither als letzte im Kreise Schotten die Annehmlichkeit einer Wasserleitung entbehren mußte, kommt nun endlich ebenfalls in den Besitz einer solchen. Nachdem vor dem Kriege, trotzdem die Wasserfrage als gelöst zu betrachten war, die Erbauung einer Leitung an dem Einspruch der Triebwerksbesitzer gescheitert war, sind im vorigen Jahre unter der Leitung des Kulturbauamts Gießen Hochliegende Quellen in der eigenen Gemarkung und in der benach­barten Gemarkung Sellnrod erworben und gefaßt worden, die vorläufig genügend Wasser in bester Beschaffenheit liefern. Nun­mehr find auch die Leitungen von den Quellen nach dem Hochbehälter in Angriff genommen worden, Hochbehälter und Ortsrohrneh werden in Kürze begonnen werden. Die Arbeiten werden von der Firma Ludwig Schneider in Heuchel­heim ausgeführt, wobei in erster Linie ein­heimische Arbeiter und Fuhrwerke herangezogen werden müssen. Arbeitslose aus Freienseen und Umgebung finden hier auf längere Zeit lohnende Beschäftigung. Hoffen wir, daß nach den bitteren Lehren des letzten großen Brandes uns nach Inbetriebnahme des neuen Wasserwerks solche AnglückssäUe erspart bleiben. Denn die im neuen Hochbehälter aufgespeicherte und nur in Brand­fällen angreifbare Wasserreserve wird das Auf­kommen eines Großfeuers ein für allemal unmöglich machen, und jeder Ortseinwohner kann sich bequem das für Mensch und Tier unentbehr liche Nah aus der Leitung entnehmen. Mil Freienseen sind dann alle Gemeinden des Kreises Schotten mit einer neuzeitlichen Wasserleitung versehen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

HI Wetzlar, 28. April. Im städtischen Kindererholungsheim zu Albshausen, in dem während der Sommermonate regelmäßig eine ganze Schulklasse mit ihrem Lehrer zu Erho-

Nun?"

Die Angeklagte hat das Haus nicht verlassen. Der Portier weiß es genau. Niemand hat das Haus verlassen."

Dann muß es möglich sein, sie zu sinden. Ich unterbreche die Sitzung. Diese Person ist in Gewahrsam zu nehmen."

Der DampferEva Sullivan" pflügte die dunk­len Wasser des Kattegatt. Die Nacht war sternenlos: in kurzen dumpfen Schlägen klatsch­ten die Wellen gegen die Bordwand. Fern, noch untemi Horizont, standen die Lichter von Kullen; weiter westlich, nur schwach in der diesigen Lust erkennbar, blinkte das Licht von Själlands Odde.

Der Herr und die junge Dame, die seit einer halben Stunde um das Promenadendeck wan­derten. hatten die Hände tief in Die Taschen ihrer Wettermäntel nergraben; das Schiff ging in leisen rhythmischen Stößen durch die Nacht. Hie und Da. wenn sich eine Tür öffnete, um krachend im Westwind wieder zuzuschlagen, lam gedämpfte Musik aus Dem Gesellschaftssaal: Der Rhythmus eines Blues, Die weiche Melodie eines Tango.

Die beiden gingen schweigend bis zu Der eiser­nen Tür, die Die Grenze zur Zweiten Kajüte bildete; Dann schwenkten sie zur Rechten ab, hort, wo ein kleiner schmaler Gang Backbord imD Steuerbord verband.

Wir bekommen Nebel," sagte die junge Dame.

Der Herr nickte und wies hinüber nach Nor­den; dort bildete sich, aus Dem Nichts, aus Wasser, Lust und Dunkel, eine graue, zähe, böse Wand, Die langsam alles Lebendige hinter sich verbarg.

Wir fahren sozusagen mit geschlossenen Slugen ins älngewisse," sagte der Herr. ..Wenn hundert Meter von uns zufällig ein Schiff liegt, rennen wir mitten hinein."

..Oder umgekehrt," nickte Die junge Dame.

Wie zur Antwort gellte Die Sirene auf, in einem anschwellenden, kreischenden Ton, so wie ein furchtsames Tier im Dunkeln heulen mag; Dann schwoll der Ton langsam ab, eine bleierne Stille entstand als ob das Schiff in das Dunkel hineinlausche; Darauf, genau nach einer Minute, gellte Der Ton von neuem durch die Nacht.

Irgendwo raffelte ein Klingelsignal, klickend gab Der Waschinentelegraph das ^mlrollzeichen zurück; das Vibrieren, das durch das ganze Schiff lief, änderte Den Rhythmus.

Wir fahren langsamer," sagte Der Herr.

Ich finde es gräßlich hier draußen. Kommen Sie mit in die Dar, Wr. Riedinger?" Die junge Dame legte ihre Hand in Den 2£nn des Mannes. Ich möchte etwas Heißes trinken."

(Fortsetzung folgt)