Dienstag. 50. April 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für VberWen) __ »«.■juwi—-—m—rr—■■ I !!»» !»irr—n-----
Nr. 100 Zweites Blatt
Der Kampf um den Südpol
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nicht anders heißen.
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Der Kampf um den Südpol!
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(NEU-SEELAND) \
Südpolarkontinents, die von Briten entdeckt tourten, wie Coats-Land, Enderby-Land, Kemp-Land, Königin-Mary-Land, Wilkes-Land, König-Georg-V.-Land, und Oates-Land britt- sches Hoheitsgebiet darstellen, womit fast das gesamte antarktische Festland, mit seinen 13 Millionen qkm die Gröhe Europas beträchtlich übertressenden Fläche, für britisches Territorium erklärt wird. Abgesehen davon, daß nicht alle obengenannten Gebiete von Briten entdeckt wurden
B. das Wilkes-Land im Jahre 1840 vom Amerikaner Wilkes) wird Amerika diese neue Machtausdehnung Großbritanniens auch aus anderen Gründen nicht ohne weiteres hinnehmen. Heute, an der Schwelle des Zeitalters des Weltflugverkehrs stellen die Polargebiete, welche d i e
der Anfang dieses Jahres vorgenommenen Flüge des amerikanischen Com-
Preuhen regiert: Wenn tat Landtag ein Gesetz nicht macht, dann wird er nach Hause geschickt und ein Rotzustand konstruiert.
Dieses Verfahren ist, mit Verlaub gesagt, ungesetzlich. Durch eine Klage vor dem Staatsgerichtshof wird sestgestellt werden, daß es ein Gewerbestcucrgeseh in Preußen für das ©teuer» fahr 1929 30 nicht gibt. Es wäre noch schöner, wenn man das parlamentarische System, auf das sich gerade die in Preußen regierenden Parteien soviel augut tun, dadurch degradieren wollte, daß man über die Rechte des Parlaments unbekümmerter hinwegschreitet, als es jemals ein Minister im kaiserlichen Deutschland hätte wayen dürfen. Was sich jetzt in Preußen abgespielt hat. ist ein Zerrbild des Parlamentarismus. Denn die Einrichtung der Aotverordnungen und des Ständigen Ausschusses ist doch nur getroffen worden, um der Regierung die Möglichkeit zu geben i m R o t s a l l gewisse Maßnahmen treffen zu können, die an sich der Zustimmung deS Parlamentes bedürfen. Das Rotverordnungsrecht hat den Sinn, beifpielöweisc in den Paria- ment Morien die Veranstaltung von Tagungen überflüssig zu machen und die Gesehgebungo- maschine dadurch zu vereinfachen. Das Rotver- ordnungsrecht darf aber seinem inneren Sinne nach niemals angewandt werden, wenn die technische Möglichkeit besteht, die verfassungsmäßige Instanz, deii Landtag, m Bewegung zu setzen. Dor allein aber widerspricht es ferner inneren Bedeutung, wenn es dazu dienen soll, Gesetzesvorlagen dennoch in Kraft zu sehen die der allein zuständige Landtag abgelehnt hat Eine Regierung, die derartiges unternimmt, ist auf dem besten Wege, die Grundlagen der verfassungsmäßigen Regierungsform zu untergraben. ——————
Das unbewohnte antarktische Festland um den Südpol herum wies bis jetzt die einzigen Gebiete auf der Erde auf, auf die noch kein Staat seine Hand legte, die also „Rie - m a n d s l a n d" waren. Rur im Rordwesten und Südwesten der Antarktis werden zwei Sektoren des Festlandes als britisches Hoheitsgebiet beansprucht und der Rordwesten zur britischen Kolonie Falk- land-Jnseln (vor den Gestaden Südamerikas), der Südwesten (sog. Roß Dependeweg) zum britischen Dominium Reu-Seeland zugeteilt. — Anläßlich
kürzeste Verbindung zwischen den großen Landmassen der Alten und Reuen Welt bar- stellen. die Knoten des zukunsttgen Weltverkehrs bar, teren Besitz von höchster strategischer Bedeutung im Kampfe nm die Weltherrschaft sein kann. Auch kann bie Möglichkeit von reichen Mineralschähen m der so ausgedehnten, von Gebirgen durchfurchten Antarktis nicht von der Hand gewiesen werden. Schließlich stellt die Antarktis eine Basis für den ausgiebigen Walfischfang in allen Gewässern der Süd-Halbkugel dar. Aus all diesen Gründen mehren sich die Stimmen in den Vereinigten Staaten, die Englands Ansprüche verneinen und die amerikanische Regierung bereitet schon eine Role an England vor.
Oie Aerzie
in Hessen zahlen Gewerbesteuer.
WSN. Der Aerztliche Kreisverein Darmstadt gibt bekannt: Obwohl der Arzt nach der Art seiner Betätigung nicht Gewerbetreibender sein will und kann, haben die hessischen Dolksver. treter bie Aerzte zur G e w e r b e st e u e r herangezogen. Da bie Steuer zudem jetzt rückwirkend für 1928 anqeforöert wird, so ergibt sich die Ungerechtigkeit, daß der Arzt im Jahre 1929 neben der Einkommensteuer noch die doppelte Gewerbesteuer zu zahlen hat: er ist also mit einer Steuer belegt, die das zweieinhalbfache derjenigen anderer hessischer Staatsbürger beträgt. Unter diesen Umständen bleibt den Aerzten von Darmstadt und Umgebung zu ihrem Bedauern nichts anderes übrig, als ihre H o - norare zu erhöhen.
Diktatorische Attribute.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
" 'Rom, April 1929.
Daß Nero einen Panther hatte und Herr Wam- perl ohne Dackel eine unvollständige Erscheinung wäre, das weiß jeder, der etwas von Kunst versteht. Man heißt das Attribute. Das Attribut Mussolinis ist natürlich ein Löwe. Der Löwe gehört zum Duce wie die Schönheit zur Venus.
Italia ging in der battaglia demograhea gutem Beispiel voran. Drei herzige Kleine auf em- inal. Um bie passendsten Taufnamen zu finden, wurde ein nationales Preisausschreiben veranstaltet, aus dem Bebe, Nini und Toto als Sieger hervorgm- gen: Be-ni-to! Wenn man jetzt im Tiergarten diesen Rainen ruft, dann kommt eine ganze Löwenlawme
DieGewerbesteuerinpreußsn
Im Preußischen Landtag hat sich endgültig herausgestellt, daß es unmöglich ist, auf uem Wege der ordentlichen Gesetzgebung eine Gewerbesteuervorlage für 1929 unter Dach und Fach zu bringen. Der Änderungsantrag Ludendorff (Wirtschaftspartei), der u. a. die freien Berufe gewerbesteuerpflichtig machen will, wurde mit 206 gegen 105 Stimmen bei Stimmenthaltung der Deutschen Volkspartei a b - gelehnt. Bei der bann folgenben Abstimmung über den Entschließungsantrag bes Hauptaus- fchulses, auf die Reichsregierung dahin emzu- wirkcu daß beim Steuervereinheitlichungsgeseh der frühere Landtagsbeschluß auf Einbeziehung der freien Berufe weitgehend berücksichtigt werde, gaben Kommunisten und Rechtsparteien einschließlich Wirtschaftspartei, Deutscher Fraktion und Rationalsozialisten keine Karten ab Insgesamt werden nut 195 Stimmen gezählt, da auch die Regierungsparteien nicht vollzählig vertreten sind, und der Präsident muß die Beschluß- unfähigkeit des Hauses feststellen. — Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff wird nunmehr im Kabinett beantragen, die Gewerbesteuer, auf Deren Aufkommen die Kommunen unbedingt angewiesen seien, im Wege der Rotverordnung zu erledigen, und zwar soll der Ständige Ausschuß sich am Donnerstag mit dieser Verordnung beschäftigen. Die Deutschnationalen haben angttünbiqt. baß sie hiergegen Den Staatsgerichtshof anrufen werden.
Durch bie Llblehnung der Gewerbesteuer im Preußifchen Landtag ist eine eigenartige verfassungsrechtliche Lage geschaffen worden. Der
Gießener Stadttheater. Abschiedsvorstellung von Rudolf Goll. Cs mar ein Volksfest und eine Familienfeier im besten und schönsten Sinne. Und es war em Abend, der Seltenheitswert für sich beanspruchen durste. Denn es kommt wahrhaftig nicht allzu häufig vor, daß man einen hinwegfeiert und von jemandemi 4D- schied nimmt, welcher von den vierzig Lebensiahren, die er auf der Bühne gestanden hat, ihrer Nterund. zwanzig, ein Vierteljahrhundert fast ununterbrochen einem Theater angehört hat: wie R u d o l s G o l l der sich gestern vor einem vollen Hause vom Gießener Theater' und vom Gießener Publikum, das ihn m^ Herz geschlossen hat, verabschiedete.
Gesternnun hat er - bis auf “^t^.^^Äan wir freuen uns mit ihm auf em Wieder ehen an der alten Stätte feines Wirkens — Zumi letzten Male auf den Brettern gestanden, die ihm mehr al; c Menschenalter lang die Welt b cbe u t e ten. jm Rampenlicht, in dem er Abend für Abend und er aufs neue sich die Masken vors Gesicht gebalten hat, in denen das ewig wechselnde und wählbare bild der wahren Welt und des wirklichen Lebens
Goll'hat den ganzen, großen, immer unerschopft ten Bezirk des Theaters abgeschritten durch manches Fach vom jugendlichen Helden bis zum K - unter, in vielerlei Gestalt und Verwandlung, er selber hat vor kurzem beschrieben, wie viele teben er gelebt hat auf der Bühne, wie viele Tode er gestorben ist atf den Brettern, wieviel Reichtum nno Glück und Verzweiflung, wieviel Liebe und -treue und Weinen und Lachen um ihn herum war uno an ihm vorübergerauscht ist Abend für Abend, zwei Stunden ober drei ... ein ganzes Leben lang.
Da ziemte es sich wohl und war ehrlich und redlich verdient und erarbeitet, einen Abend lang zu feiern und der fünftausend andern Abende ernsthaft zu gedenken und sich zu Gruß und Glückwunsch, zu Dank und Abschied zu versammeln.
Da n>ir auch für den scheidenden eine .Kaue an» aemessen wie bie, die er sich ausgesucht hatte für lein Jubiläumsspiel: sie traf den Ton und paßte zum besonderen Anlaß. Sie war nicht nur dem Stil und dem Fach gemäß, m bem man Goll, zumal in den letzten Jahren, zu sehen sich gewohnt
Finanzminister bringt zunächst eine Gesetzesvorlage ein, da die alte Gewerbesteuer am 1 April abgelaufen ist. Der Landtag verunziert diese Vorlage durch die H i n e i n z r e h u n g der freien Berufe. Der Staatsrat lehnt die veränderte Vorlage a.b, da er der Reichs- gefetjgebung nicht vorgreifen will. Der (jinan.5- Minister aber braucht für Staat und Gemeinden die Gewerbesteuer und bringt eine neue Vorlage ein. Auch diese wird wiederum abgelehnt, weil die Opposition Obstruktion treibt. So gab es wieder einmal die berühmte Befchlußunfähig- leit Was ist für einen vernünftigen Menschen die Folge: Das Gesetz ist nicht zustande gekommen. Die Steuer kann infolgedessen mcht erhoben werden. Wenn der Finanzminister den Glauben hat, er könne ohne die Steuer nicht leben dann mühte er nach parlamentarischem System zurück^reten. Der neupruhische Parlamentarismus aber macht es anders. Was temt hier parlamentarisches System, wenn die Weimarer Koalition nicht toeiterregieren kann. Es hat sich gezeigt, daß sie zu schwach ist, um allem eine Mehrheit zustantezubringen und ihre Gesetze zu verabschieden. Möglichkeiten der V e r - breiterung nach rechts werden vom Preußenzaren Otto Braun abgelehnt. Wozu gibt es in Preußen die Einrichtung der Rotverordnungen und des Ständigen Ausschusses des Landtages, in dem die Otegierung eine Stimme Mehrheit hat. Was der Landtag nicht kann, das vermag schließlich der Ständige Ausschuß. Der stimmt mit der Regierung durcy Dick und Dünn, immer mit einer Stimme Mehrheit. Die Regierung will nun, wie sie ankündigt, die Gewerbesteuer durch Rotverord nit n g in Kraft sehen und diese durch den Ständigen Ausschuß bestätigen lassen. So wird in tigern mit Blumen und Geschenken beladenen Gabentisch: mit ein paar schlichten, bescheidenen und sehr bewegten Worten nahm Goll, ergriffen von den so stürmisch wie sinnfällig zum Ausdruck gebrachten Zeichen der Dankbarkeit, Anerkennung und Anhänglichkeit, von seinem Theater und seinem Publikum Abschied. Dr. Th.
Zrühking.
Von Victor Aubnrtin.
Nachdruck verboten.
Das Eoupe der Vorortbahn ist voll beseht und einige Passagiere müssen stehen.
Auf der einen Bank sitzen nebeneinander cm Herr von fünfzig Jahren und ein Herr von zwanzig Jahren. < , . m ,
Der Herr von fünfzig Jahren hat einen Bauch und seelenvolle Augen. Was den Herrn von zwanzig Jahren anbetrifft, so ist er betteltet mit mit einer Hornbrille, einem gelbseidenen Schlips und einem Spazierstock, an dem sich em silberner Griff befindet.
An der Haltestelle betritt das himmlische Fräulein den Wagen und muß stehenbleiben.
Der Herr von zwanzig Jahren betrachtet das stehende himmlische Fräulein toohlge,allig von oben bis unten, und es fällt ihm nicht im ^hl?f ein, ihr Pla tzzn machen. Der Herr von fünf- zig Jahren fbringt auf und sagt ertotenb. -Darf ich Ihnen meinen Platz anbieten? ®aö lyimm- lische Fräulein lächelt himmlisch und seht sich auf den Platz neben den Herrn von zwanzig Jahren.
..Wie himmlisch sie mich angelachelt hat. denkt im Stehen der Herr von fünfzig Jahren, ^'ch werde sie nachher ansprechen und rn ein Kino führen, denn es ist ja Frühling. Wieviel Geld habe ich eigentlich bei mir ?"
Der Herr von zwanzig Jahren und das himmlische Fräulein sitzen jetzt nebenemanber. ilnb es ist sehr eng. und man stößt sich und man sagt „Pardon", und man lacht.
An der Endstation verlassen der Herr von zwanzig Jahren und das himmlische tftaulem
batte. Es mar eine der wenigen im ganzen Stück die menschlichen Slang hatte, die die besten und nachdenklichsten Worte in sich vereinigte, die immer das leibhaftige Antlitz durch die Schminke hmdurch- bliden ließ. Eine Rolle, die zum besten Aeil ganz leise und verhalten, immer nachdenklich und ein wenig resigniert zu geben ist. Eine Rolle des alten Herrn mit Worten des Rückblicks und der Erinnerung und der Altersweisheit die sich immer noch gerne und lächelnd jugendlicher Torheit und jiigendlichen Ueberschwangs erinnert. Eme Gestatt wie die des Doktor Suttner, die mit „Ast-Heidelberg" berühmt geworden ist: fern und liebenswürdig und behutsam gespielt und gesprochen, so, daß man durch alle Szenen hindurch den Doppelsinn und Doppelklang der Worte empfinden mußte und nicht nur die Rolle zu hören und Theater zu sehen bekam. Goll hat sich gestern einen Abgang gesichert, wie man ihn sich nicht besser wunscheii konnte, der ihm und uns noch lange un Gedächtnis bleiben wird.
Nachdem dies gesagt ist, braucht man eigentlich nicht mehr viel Worte zu verlieren. Das Stuck, das gegeben wurde, und in dem diefe 9colle ent halten ist, auf die es gestern abend m allererster Linie ankam, heißt „Die Großstadtluft , Schwank in vier Akten von Blumenthal und Kade Iburg, ein altes, oft gespieltes, nie versagendes Stuck, zu dem kaum noch etwas zu bemerken ist: an einem solchen Abend schon gar n,(jg sei denn dies: daß es lustig unb ausgelassen war daß unter Do 1 cks zielsicherer Regie w,e geschmiert gemimt wurde, und männiglich, den ,che'- denden Kollegen zu ehren, mit Feuereifer miss Stichwort bei der Sache war. Wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt: Tannert, Dolck, Heß, Koch, Arzdorf, Werner, Jüngling, Gehre, Linkrnann, oahn, ^Der^Beifatt tobte wie ein Unwetter in die offene Szene hinein, als Goll im zweiten Akt erschien. Nach den Aktschlüssen mußte der Vorhang immer wieder auf- und niedergehen, mußte der Gefeierte sich ungezählte Male dankend ins Parkett hine.n- neigen, wo Händeklatschen, Trampeln und Zuruf tein Ende nehmen wollten. Zuletzt stand der Jubilar ganz allein auf der Bühne vor einem mach-
auf einen zugestürzt.
Denken Sie bei dem Ursprungszeugnis nicht an Menelik! Menelik ist ein Waisenknabe, Zentralafrika eine Streusandbüchse gegen die bestirnte Sahara eines Zirkus und des diesbezüglichen Direktor. Kem Herrendompteur kann mehr ruhig schlafen, bevor er nicht Mussolini mit einem ober auch zwei Löwen seine Aufwartung gemacht hat. Es scheint sich dai um besonders vermehrungssüchtige Insekten zu handeln. Man möchte an eine Verwechslung mit Ameisen- fönten glauben, wenn die photographische Linse mcht , unbestechlich wäre. Die Herrschaften kommen im Achtzylinder, im Sonderzug, im Ertraluxusflugzeug anqcbrummelt, Mussolini hat alle Hände voll zu tun und alle Taschen voll Zucker. Das kugelt über seinen Schreibtisch und tippt an seine Senterflirne, das fühlt ihm auf den Zahn und purzelt in seinen Papierkorb, das streckt alle Viere vor Begeisterung in die Lust: Herrlich ist's bei dir, Papa Mussolini! Hier bleibe ich!
Cin besonders ausgeivecktes Kerlchen soll sogar faszistisch gegrüßt haben.
Niln ist der Duce ja das, was man einen Kinder- narren heißt und hat das Löwengekribbel solange es sich um zarte Ansätze zum Wüstenkomgtum han- bett, ganz gern, aber in der Regel pflegt bald ein Gekrabbel und Geschnabbel daraus zu werden, sodaß er die süßen Dingerchen dem Zoo übergibt, roo öev Kindstaufen und Namenpreisausschreiben kein Ende mehr ist. Ab und zu erscheint dann dort der Vater des Ganzen und sucht sich im Kreise seiner Sieben vergeblich zurechtzufinden. Lorbeer und Löwen wachsen ihm über den Kops.
Nls gestern wieder drei zuckrige Bestien eintrafen, drei Monate alte Zwillinge im eigenen iftugzeug, da hat er sich — verleugnen lassen. Die Herrschaften möchten doch gleich den direkten Weg emschla- qen. Den direkten Weg zum Tiergarten! So eme Gemeinheit. Da hot man's wieder, Tyrann bleibt eben doch Tyrann.
2(n der römischen Börse sollen die Löwenaktien empfindlich zurückgegangen sein.
Oer OdenwaldNub weiht sein Gesattenen-Oenlmal.
WSR. Bensheim a. d. B.. 29. April. Am Südwestabhange des Fel d be r ge s be r De n?, heim, in der Rähe von Reichenbach, erhebt suy wie eine Pyramide eine wunderbar malerische natürliche Felsgruppe, das nunmehrige ® e- fallenen-Denkmal für di« Mitglie- derdesGesamt-Odenwaldklubs. Graf von C r b a ch - Schönberg hat den Platz ent- gegenlommenderweise dem Odenwaldklub überlassen. Bei herrlichstem Wetter erfolgte am gc- strigen Sonntag der Weiheakt. Fast alle Ortsgruppen mit insgesamt 15 000 Mitgliedern waren vertreten, ebenso Delegierte des Taunusklubs des Schwäbischen Albvereins, des Vogelsberger Höhen-Clubs. des Schwarzwaldvereins, des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins, der Raturfreunde, der Odenwald-Bergwacht, des (Sm! und zahlreicher Jugendgruppen. Der hessische Minister Korell war persönlich erschienen. Da» hessische Finanzministerium war durch Landforstmeister Hesse, die Abteilung für Forstwirtschaft durch Oberforstrat Schwieder, das hef- sische Ministerium des Innern durch Ober- regierungsrat Dr. Krebs vertreten. Anwesend waren ferner die Bürgermeister der benachbarten Gemeinden. Die Ortsgruppen Darmstadt ünd Mannheim hatten sich mit je etwa 300 Mitgliedern eingefunden. Insgesamt umstanden das in den altarförmig aufgebauten Felsen enlge- schobene Halbrund, in dem die Ehrengäste Auf-
beiter-plaudernd den Bahnsteig und gehen zusammen die Frühlingsstraße entlang, die von blühenden Roldornbäumen emgefäumt ist.
Der Herr von fünfzig Jahren, der vom stehen müde geworden ist. blickt ihnen nach Dann geht er in die Konditorei und bestellte sich eine Apfelsinentorte. _ , .
Rach reiflicher Ueberlegung kommt er zu Dem Schluß, daß es so besser ist.
Denn erstens ist eine Apfelsinentorte billiger als ein himmlisches Fräulein.
Zweitens ist eine Apfelsinentvrte weniger anstrengend. , ... . .
Drittens weiß man bei einer Apfelsinentorte wenigstens, woran man ist.
Diplomatie um ein Roastbeef.
Im Alter von 102 Jahren ist die Fürstin Iwanowna S a y n - W i 11 g e n st e i n zu Ouchy gestorben. Die alte Dame war die Enkeltochter des russischen Gesandten am Hofe Ludwig XVI. und Schwester des Marschalls Banatinsky. Sie hat Tallehrand noch gut gekannt und Memoiren hinterlassen, in denen sie von diesem berühmten Diplomaten viel erzählt, ^alleyrand war bekanntlich ein großer Feinschmecker, der zwei berühmte Köche, Riquette und Voucher, m seinem Dienst hatte. Der Erlesenheit der Gerichte. die er seinen Gästen vorletzte, entsprach die diplomatische Feinheit, mit der er den Wirt machte. In der Diplomatie ist die Ruance alles, und als Beweis dafür führt die Surftin an. welcher feiner Abstufungen sich ^allehrand bediente wenn er Personen verschiedenen Range« Roastbeef anbot. Zu einem Fürsten sagte er:
Möchte Eure Hoheit gestatten, daß ich mir die Ehre gebe, etwas von diesem Roastbeef anzubieten T* An einen Herzog wandte er sich mit folgender Formel: „Darf ich mir, Herzog, die Ehre geben, Ihnen von diesem Gericht vorzulegen?" Zu einem Marquis sagte er: »Marquis, machen Sie mir die Ehre, von diesem Roastbeef zu nehmen!" zu einem Grafen: „Graf, d^f ich mir da» Vergnügen machen, Ihnen dies Roan- beef zu empfehlen?" Mit einem Baron aber machte er keine Umstände und fragte mit einem Lächeln: „Baron, wollen Sie Roastbeef-'
lägen und Tortenschaufeln. Ach, was ist der Gabentisch einer fünfmal vermählten Filmdiva gegen das Hochzeits- und Gebiirtstagsgeschenkgebirge der Dik-
STILLER / (ROSS)— \ f (DtPfNDEN(y) \ OZEAN 300 <000 1500 / t»r‘ " km e
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Moderne Menschen, die auf bildliche Ausdrucksformen hatten, pflegen daher dem Imperator als finniges Angebinde nicht mehr ein Sträußlein Vergißmeinnicht, sondern einen Löwen zu schenken. Was, nebenher bemerkt, den Vorteil hat, daß die kleine Erkentlichkeit nicht vierundzwanzig Stunden später in der Schreckenskammer des Palazzo Chigi verschwindet, bei den Kolossalgemälden, den Tintenfässern in Form eines Liktorenbündels, dem Schmied _________ v. o
des Reiches in Gips, Blei und Koralle, den Sam- mander Byrd im Südpolgebiet cr- melmappen und Huldigungsadressen und Tafelauf- fährt nun die staunende Mitwelt, daß sätzen und Tortenschaufeln. 'Ach, was ist der Gaben- Großbritannien faktisch auf das tisch einer fünfmal vermählten Filmdiva gegen das ganze antarktische Festland Anspruch Hochzeits- und Gebiirtstagsgeschenkgebirge der Dik- erhebt. Byrd hat seinen Stützpunkt tatur! Sicherem Vernehmen nach soll es demnächst in der Walfisch-Bucht im neuseeländi- an Stelle des Viktor-Emanuel-Denkmals auf der scheu Sektor aufgeschlagen und schon Piazza Venezia errichtet werden. seine ersten Flüge führten ihn über
So ein Löwe, sagen sich die ehrfurchtsvoll unter- die GrenM des Sektors hinaus Eng- zeichnenden Geber, ritzt sich möglicherweise tiefer ins land erbot sichrem amerikanischen For Gedächtnis ein, vor allem: er wird immer photogra- scher ledwede Beaunsttgung zuteil kom phiert. Ja, anfangs konnte man Mussolini, in sei- men au lassen, hat gleichzeitig ledoch neu faszistischen Flitterwochen sozusagen, Arm m denV " einig ten Staat ? nm - t Arm mit dem Löwen durch Rom fahren sehen, im geteilt daß laut Bes^luß ^ Reichs offenen Wagen, ein hinreißendes Bild, ein casari- Konferenz von 1926 alle Demete des schcs Bild. Die Leute warfen die Arme hoch und Sudpolarkontinents diei vn.r t schrien Duce und Italia m einem Atem. Denn der« wie Coats-Land. Enc
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