Ausgabe 
30.1.1929
 
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Nr. 25 Erster Blatt

179. Jahrgang

Mittwoch, 50. Januar 1929

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Die Antwort aus den Bericht Parker Gilberts.

Tatsachen und Ziffern.

Reichlich spät ist nun wenigstens von einer berufenen Stelle gegen die verhängnisvollen Schönfärbereien Parker Gilberts über die deutsche Wirtschaftslage Einspruch erhoben wor­den. RtchlS Wirksameres gibt es, diese Schön­färbereien zu widerlegen, als Tatsachen und Ziffern über die (Snttoidelung der Erzeugung und der Kapitalbildung in Deutschland reden zu lassen. DaS hat der preußische Handelsmini­ster D r. S ch i e t b e r am 28. Januar im Haupt- auSschuß des Preußischen Landtages besorgt, also leider an einer Stelle, die nicht so ansehnlich mrd sichtbar ist. wie etwa die Ministertribüne des Deutschen Reichstags. Verhängnisvoll ist Parier Gilbert« Bericht deshalb, weil er ein Spiegelbild der dcurfchen Wirtschaft für die Zeit einer Hochkonjunktur gibt, um daraus Schlüsse für die nächste Gegenwart zu ziehen, die sich mit der tatsächlichen Entwickelung nicht decken. Um die Jahreswende 1928/29 hat d i e Zahl der unter st ätzten Arbeitslosen rund 2 Millionen betragen, wozu gewiß auch der fast unvermittelte Einbruch eines Hanen Winters milgewirkt har. was aber nichts daran ändert, daß die Produktionskraft Deutschlands offenbar nicht qusreicht, um Krisenerscheinungen zu verhindern, wie sie in einem Zwei-Millionen- He^r von Arbeitslosen qeiebri sind.

Wenn Parker Gilbert a-^f die durchaus zuläng­liche Kapitalbildung in Deutschland hinge- wiesen hat, so widerlegt ihn Dr. Schreiber mit dem Hinweis daraus, daß die Zinssätze gestie­gen, aber nicht gefallen sind. Woraus nur der eine Schluß gezogen werden kann, daß die Nachfrage nach Kapital sehr viel grö­ßer ist als das Angebot. Die deutsche Wirt­schaft arbeitet mit Zinssätzen, die doppelt so hoch liegen als in den Hauptwettbewerbsländern. Auch Dr. Schreiber ist nicht der Auffassung der Neichskreditgesellfchast, daß der Kapitalzuwachs In den beiden letzten Jahren 7,6 Milliarden Mark be­tragen habe. Für die volkswirtschaftliche Bewertung kommt immer nur der reine Kapitalzuwachs in Frage, der aber nur bann gefunden werden kann, .renn vorher die gleich hohe oder noch höhere Auslandoerfchuldung in Abzug gebracht wird. Eine Wirtschaft, die sich international durch- letzen will und muß, braucht aber einen Kapital- ;uwachs, der zum mindesten den eigenen B e - darf deckt. Wenn die deutsche Wirtschaft vor dem Kriege rund acht Milliarden Mark neues Kapital bild.m konnte, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß an dieser Kapitalbildung das vorhandene Kapital sich durch den Zinsertrag beteiligte, so ist ju beachten, daß Deutschland seit der Befestigung der Währung rund zwölf Milliarden Mark A u s - landkapital hcreingenommen hat, das durch den Zinfendienst allein die Zahlungsbilanz mit einer Milliarde Mark jährlich belastet. Wenn die Kapitalbildung im Jnlande den Bedarf der Wirtschaft decken sollte, gleichzeitig aber ausreichte, die Dawesfchuld zu bezahlen, so müßten wir vXchr für Jahr sieben bis acht Milliarden Mark neues Kapital bilden können. Das ist nicht der Fall, am wenigsten in einer Zeit absteigender Konjunktur, in der wir uns nach den maßgeblichen Feststellun­gen Dr. Schreibers befinden.

In dieser Feststellung liegt aber auch eine scharfe Kritik an den Steuer Plänen der Reichsregierung. Wenn Deutschland in einem Jahr der Hc^konjunktur eine Steuerlast von 16 Milliarden Mark in Reich, Ländern und Ge- meinöen tragen konnte, so kann das i^n Zeiten absteigender Konjunktur nicht mehr der Fall sein. Roch weniger ist möglich und zulässig, diese absteigende Konjunktur durch Steuererhöhungen zu belasten. Wir müs- fen doch davon ausgehen, daß der Lebens­unterhalt des deutschen Volkes nur aus dem Ertrag seiner wirtschaftlichen Arbeit gedeckt wer­den kann. Es ist an sich schon ein: Fehler von einem Gesamteinkommen von 60 Milliarden Mark Su reden, denn in diesem Gesamteinkommen sind ja auch die Steuernund sozialen Ver- ficherungslasten enthalten, die ia zum größten Teil als Einkommensteile an Beamte und Versicherte wieder hinausgehen. Der Ertrag der produktiven Arbeit kann auf kaum 40 Milliarden geschäht werden, wobei nicht ein­mal seststeht, daß wir selbst bei unverändertem Preisspiegel diese Summe Jahr für Jahr er­reichen Wenn aber die Konjunktur stillsteht oder gar abgleitet, so muß jede Steuererhoyung über das zulässige Maß hinaus sich doppelt und dreifach in einer Steigerung der Ge­stehungskosten auswirken.

Die Regierungsbildung.

Önftimmigtciteii zwischen Demokraten und Zentrum.

Berlin. 30. Jan. (Priv.°Tel.) Reichskanzler Müller verhandelte im Laufe des Rachmittags einzeln mit den Parteiführern der Deutschen Voltspartei, des Zentrums und der Bayrischen Volkspartei, den Abgeord­neten Dr. Scholz. Kaaä, Stegerwald und Lllcht. Hebet den Inhalt der Gespräche wird von den wenigen cingewcihten Per'one.i das strengste Stillschweigen bewahrt. Es verlautet nur so viel, daß die vom Zentrum lonfcquent sest- geba. lene Forv.rung. drei Ministcrsihe zu erhalten das Havptthema, aber auch d i e große Schwierigkeit der Einigung bildet. Von

einem Fortschreiten bet Klärung kann augen­blicklich noch nicht gesprochen werden, und zum Teil wird in parlamentarischen Krei en die Lage nicht gerade günstig angesehen.

3m Zusammenhang mit den Koalitionsverhand- langen des Reichskanzlers, schreibt dieGer­mania", es mache sich jetzt ein Innerer Wider­stand gegen die Umbildung der Reichsregterung be­merkbar, und zwar von einer Seite, die in letzter Zeit mit Vorwürfen gegenmangelnde Bereitschaft" des Zentrums, nicht sparsam umgegangen sei. Während sich der Reichskanzler um eine Regie­rungsbildung bemühe, habe der demokratische Mi­nister Dietrich mit verräterischer Skepsis erklärt, das jetzige Provisorium werde noch lange an­

dauern, denn die eingeleitetcn Verhandlungen seien nicht aussichtsreich. 3n qhnlichem Sinne habe sich der Reichsjustizminister geäußert. Es gebe keine innere Zerrissenheit" des Zentrums, die dieses Ziel erleichtern würde, aber e s gebe eineGrenze, an der das Zentrum keine Möglichkell mehr sehe, seine Verantwortung einzusetzen.

Rach demLok.-AnH." verlautet, daß eS zwi­schen dem Zentrum und den Demokraten, die den Posten des Justizministers räu­men tollten, zu Einstimmigkeiten gekom­men sei. Das'S. T." schreibt, von einem 3n- gangtommen o f izielter Kvaliionensrerhandlun en könne nach wie vor nicht die Rede sein. Die Besprechungen trügen noch immer den Cha-

Schweres Eisenbahnunglück in Vayern.

Der D-3ug WienBerlin fährt in S^nchinF südöstlich Regensburg auf einen Güterzug auf. Vier Tote.

«

Regensburg, 30. Jan. (MTV. Junffprud).) von der Reichsbahndirekiion Regensburg wird mil- geteilt: Am 30. Januar um 1.50 Uhr vormittags

stieß D 155 (WienBerlin) auf ©ülerjug 7037 In Station Sünching der Strecke ptalllln g Regensburg auf. Der dem Packwagen folgende Personenwagen 3. Klasse des D-Zuges wurde teil­weise zusammengedrückt. Zu beklagen sind drei Tote, ein Schwerverletzter und sieben Leichtverletzte, deren Kamen augen­blicklich noch nicht feffgefklll sind. Die verletzten sind im Krankenhaus Sünching geborgen. Da» Cofo- motloperfonal und der Zugführer de» D 155 sind unverletzt.

D 155 hatte ab Passau 80 Minuten Ver­spätung und sollte den ©Qtcrjug 7037 In Sün­ching überholen. Da ©üterjug 7037 ju der Zeit, da D 155 die vorgelegene Station Radidorf durchfuhr, die Station Sünching noch nicht erreicht hatte, war für D 155 die Durchfahrt dutch Station Radidorf durch haltstellong de» Ausfahrt- figuab Richtung Sünching gesperrt. Der Loko­motivführer de» D 155 beachtete d i e halt- stellung des Signals nicht und fuhr In Radidors durch. Er überfuhr auch das auf halt" stehende Einfahrtssignal in Sünching und stieß auf den gerade in Sünching in Einfahrt befindlichen Güterzug 7037 auf.

D 155 beachtete auch nicht die Haltsignale des ihm von Sünching her entgegenfahrenden Stationsperso- nais, das vcm der signalwidrigen Durchfahrt des D 155 von Radidorf her fernmündlich verständigt war. Bereits um 2.16 llhr ging von Regensburg

der erste Hilfszug und um 2.43 ein zweiter Hilfszug mit Hilfsmannschaften und Sanitätsperso­nal an die UnfaUfkUe ab. Ein weiterer hllsszug traf von Straubing her alsbald In Sünching ein.

Ein weiteres Todesopfer.

Die Jdcntisizicrung Der Toten und Benetzten.

Regensburg, 30. Jan. (WT2. Funkspruch.) Bon den Toten deS Eisenbahnunglücks bei Sünching sind bisher zwei identifiziert worden. Es sind dies der Hütteningenieur lauerer auS Hatzen berg (Steiermark) und der Goldschmidt S.egsried R a ch t i g a 1 l auS Wien. Di« Leiche einer Frau konnte noch nicht identifiziert werden. Schwerverletzt wurde der Kaufmann S ch k o l n i f aus Berlin, der jetzt in Sünching seinen Verletzungen er­legen ist, so daß sich die Zahl der Toten a-u f vier erhöht. Unter den sechs Leicht­verletzten befindet sich auch der Sohn des Letzt­genannten, der ledige Kürschner Abraham Schkol- nik aus Berlin. Die Zahl der Verletzten beträgt, wie die Rcichsbahndirektion Regensburg berich- ttgend mitteilt, insgesamt sechs. Außer Schkol- jun. sind unter den Verletzten Maria W e n d- l e r, Tischlersgattin aus Schalding, wohnhaft in Weißenbach, Bezirkshauptmannschaft Feldkirch (Oesterreich), ferner Frau Elisabeth Stoiber. Hilfsarbeitersgattin aus Zizelau bei Linz. Karl Fröhlich. Betriebsleiter der Firma Böhler, Stahlwerke in Hatzenberg. Restaurateur Rebel- seder aus Graz, Johann Gehorsam, Kauf- marm aus Charlottenburg.

Militärputsch in Spanien.

Artitterieregiment in Ciudad CReal meutert. - Ein allgemeiner Aufstand unterdrückt. - Oer Diktator ist Herr der Lage.

2H a b 11 b , 29. Jan. (TU.) In bet Nacht vom 28. zum 29. Januar war in ganz Spanien ein Auf - ffanb gegen bie Regierung vorbereitet. Ob außer ber Artillerie noch andere Truppenkörper und wer sonst an Zivilpersonen an dem Putsch be­teiligt sind, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls gelang es der Regierung, wie Primo de Ri­vera in einer in der Nationalversammlung oer- lefenen Erklärung angibt, die Unternehmung zu unterdrücken, bevor sie zum Ausbruch kam. Das in Lludad Real, Aner Prooinzhauptftadt mit 30 000 Einwohnern. 200 Kilometer südwestlich von Madrid gelegen, bemächtigte sich das dort gar- nifonlerenbe 5elbarlillerleregimentRr. 1 am Dienstagmorgen der Kaserne und der Quartiere der Polizei und ber öffentlichen Gebäude und legte den Eisenbahnverkehr lahm. Die Aufständischen scheinen noch im Besitz ber Stabt Lmdad zu sein. Primo de Rivera gab zu, daß Nachrichten aus Ciudad Real nicht nach Madrid gelangen, da die Aufständischen sämtliche Ver­bindungen unterbrochen hätten. In Ma­drid selbst ist alles ruhig. Das normale Geben ist nicht gestört. Meldungen aus anderen Städten wie Barcelona und Valencia liegen nicht vor, jedoch erklärte Primo de Rivera ausdrücklich, daß in ganz Spanien bie Regierung Herr der Gage fei. Ueberall herrsche Ruhe. Primo de Ri­vera erklärte außerdem, die Regierung habe bie notwendigen Schritte ergriffen, um den Aufstand zu unterdrücken. Der König selbst befindet sich auf der Jagd in Südspanien.

öie Gegenmaßnahmen Primo de Riveras.

Auch Unzufriedenheit in der Flotte.

Paris, 30. Jam (WLB. Funkspruch.) Zu den Meldungen über die aufständische Bewegung

unter gewissen Truppenteilen ber spanischen Armee, berichtetJournal" ergänzend aus Ma­drid, daß die Bewegung in zahlreichen Garnisonen gleichzeitig ausgebro­chen sei und auch in der Flotte Unter* stützung gefunden habe. Die ersten Rachrichten über die Meuterei b.im ersten leichten Arttllerie- regiment in Ciudad Real sind nach diesem Be­richt vorgestern früh beim Ministerpräsidenten eingetrofsen. Primo de Rivera hat sofort mit seinen Ministerkollegen über die erforderlichen Maßnahmen beraten. Der Ches der Militär­flieger ist beauftragt worden, mit einem Ge­schwader nach Ciudad Real zu fliegen und Pro­klamationen abzuwerfen, in denen die Soldaten aufgefordert werden, den meuternden Offizieren den Gehorsam aufzusagen und den An­ordnungen der Regierung zu folgen. Außerdem wurden auf Befehl des Kriegsministers drei Bataillone der Madrider Garnison alarmiert und unter Befehl des Generals O r g a z auf Lastkraftwagen nach Ciudad Real befördert. General Orgaz soll Anweisung er­hallen haben, möglichst durch gütliches Zureden die meuter.-den Truppenteile zum G ho.sam zurück- zuführen. Ein Teil der Au,ständischen sei auch bereits wieder in die Kasernen zurück­gekehrt. Die 'Bewegung soll auch in Madrid, Sevilla, Dolenzia, Barzelona und Zaragossa ge­plant gewesen, aber bereits in den Anfängen gescheitert fein. Die Gouverneure der an­deren Provinzen, außer Ciudad Real, haben er­klärt, daß alles ruhig sei. Rach demJournal" handelt es sich bei der Bewegung um Rückwir­kungen der Maßnahmen, die nach den Vorgängen in der Artillerieschule von Segovia getroffen worden sind, ebenso hat ein DÄret über das Avancement der Marine in den verschiedenen Flottenstcllionen, besonders in Ferrol, tief­gehende älnzufriedenheit ausgelöst. Die Verbin­dung zwischen Madrid und Ferrol, die infolge der Vorgänge eine Zeitlang unterbrochen war, soll inzwischen wieder hergestellt sein.

ratter bloßer Sondierungen. Rach demS05 Pressedienst" liegt der Schwerpunkt der Ver­handlungen jetzt zunächst in Preußen. Die grundsätzliche Bereitschaft zur Großen Koalition in Preußen sei von Den preußischen Regierungs­parteien bereits im vorigen Jahre zum Ausdruck gebracht worden.

Hindenburgs Präsidentschaft.

Echo des Auslands.

London, 29. Jan. (WTB.) Unter der Hebet* schriftDeutschlands Wahl" veröffentlicht der Cvening Standard einen Artikel, in dem eS u. a. heißt: Während der üormalige Kaiser seine Sicherheit in Holland suchte, war es Hin­denburg, der eine noch blutigere Revolution verhinderte, indem er seine hatbverhungervnr Heere nach Berlin zurückführte. Hindenburg paßte sich ttnmberbar den Anforderungen seines neuen Amtes an, und während einer Perwdr besonderer Schwierigkeiten erwies er sich a l s ein großer versasfungsmäßigerPrä- f i d e n t. Das Geheimnis seiner Bollslümlich- keit kann man mit einem Satz erklären: Riemals hat Hindenburg an sich selbst gedacht: niemals hat er feine eigenen Interessen vor die seines Landes gestellt. Hindenburg ist das Symbol der Ideale, die die Menschheit stets an betet: hohes Pflichtgefühl und selbstaufe opfernde Hingabe an den Staat. Ebert und Hindenburg haben Deutschland ge­rettet, und sie haben seine wunderbare Wieo-er- herste.lung möglich gemacht. Das Blatt fragt, wer der be fere Ma.in für Deut chiand ist. der vormallge Kaiser, der immer noch in der Atmo­sphäre des Jahres 1914 lebe, oder Hindenburg, der versucht hat, feine Pflicht gegenüber l einem Volke zu tun. Die Stimmen des Auslandes klingen einhellig für Hindenburg. Kann irgend­ein Zweifel bestehen, daß 95 Prozent des deutschen Volles dieselbe Antwort geben würden?

Eine offene Wunde.

DerManchester Guardian" über Eupen-Matmcdy.

London, 29. 3an. (S. 11.) 3n einem Leit­artikel über die Klagen der deutschen Bevölke­rung in Eupen-Malmedy kommt der »Man­chester Guardian" zu bemerkenswerten Feststel­lungen. Das Blatt gibt zu, daß die im Jahr« 1920 auf Grund des Art. 34 des Versailler Vertrages durchgeführte Dollsabstimmung fein richtiges Bild der Einstellung der Bevölkerung gegeben habe, da die deutschen Stimmen durch alle möglichen Mittel, Chitonen und Fälschungen niedergehalten worden feien, obwohl die große Mehrheit der 60 000 Bewohner der beiden Bezirke keineswegs belgische Untertanen zu werden wünschten, sei die 2ll>stirnmung so durchgeführt worden, daß ihr Endergebnis zugunsten Bel­giens ausfallen mußte. Der Völkerbund hab« zum Schaden seines Rufes dieses Ergebnis be­stätigt. Die späteren Verkaufsabsichten Belgiens seien von Poincars durchkreuzt worden, der offenbar befürchtet habe, daß eine Abände­rung der deutschen Westgrenze einen gefähr­lichen Präzedenzfall schaffen könnte. So fei diese Wunde unverheilt geblieben, aber die Atmosphäre für den Ankauf Eupen-Wal- medys durch Deutschland sei vielleicht heute gün­stiger. Belgien erhalte durch einen solchen An­kauf eine sehr große Summe und verliere den forgenDollen Grenzkörper, wahrend bie Bewoh­ner der beiden Bezirke zu ihrem Mutter­lande zurückkehrten, von dem sie un­rechtmäßigerweise getrennt wurden.

Mit einer ähnlichen Offenheit ist bisher kaum von irgendeiner alliierten Seite zugegeben wor­den, daß die Abstimmung in Eupen-Malmedy nur ein abgekartetes Spiel war. Zu der logischen Folgerung aus dieser Erkenntnis, dasß nämlich ein durch Chikanen und Fälschun­gen Belgien zugetelltes Gebiet an Deutschland zurückgegeben werden muß, kann sich aber auch derManchester Guardian" nicht durch- ringeru Auch das liberale Blatt findet anschei­nend nichts dabei, daß Deutschland diese Vev- schacherung deutscher Dollsgebiete durch Zah­lung einer phantastischen Summe noch nachträglich anerkennt.

Oie Trauer feier für die Fürstin Bülow.

Rom. 29. Jan. (WB.) Heute vormittag wurde in der deutschen Rationallirche Santa Maria dell'anima das Pontifikalrequiem für die Fürstin Bülow durch den lateinischen Patriarchen von Alexandrien unö ehemaligen Erzbischof von Prag Grafen Hutzn zelebriert. Anwesend waren: Fürst Bülow, der deutsche Botschafter beim Quirinal als Vertreter des Reichspräsidenten und der Reichsregierung und Freifrau R e u r a t h , der Botschafter beim Va­tikan und Frau v. Bergen, das ganze Per­sonal der beiden Botschaften, der bayerische Ge­sandte beim Vatikan, die österreichischen Ge­sandten beim Vatikan und Quirinal, die Vor- stände der wissenschaftlichen Institute und deut­schen geistlichen Kollegien und der deutschen Ver­eine, ferner der Minister des königlichen Hauses, Graf Mattioli Pasqualini, als Ver­treter des Königs, die Admirale T h a 0 n de Revel und Acton, der frühere italienische Botschafter in Berlin Senator B 011 a t i, der